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Thomasius, Christian: Von der Kunst Vernünfftig und Tugendhafft zu lieben. Halle (Saale), 1692.

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Liebe anderer Menschen überhaupt.
wie die Menschen lieben wollen. Dem Ochsen
gehöret ja wohl sein Futter/ aber es gehören ihm
auch Schläge. Und der Gerechte erbarmet sich
zwar auch seines Viehes/ weil er die wahre Glück-
seeligkeit schon besitzet. Denn die Liebe der
Menschen ist die Maaße der Liebe gegen das
Vieh/
und wer jene besitzet/ hat auch diese. Was
ist denn nöthig/ daß wir die Mittel der wahren
Glückseeligkeit ohne Noth häuffen solten?

Das 5. Hauptstück.
Von der allgemeinen Liebe
aller Menschen.
Jnnhalt.
Connexion n. 1. Es ist zweyerley Liebe/ eine allgemeine
und absonderliche n. 2. weil die Gleichheit der Men-
schen zweyerley ist (1) eine allgemeine/ daß sie alle Men-
schen sind n. 3. das ist/ daß sie gleichen Vortheilen/ und
gleichen Schwachheiten der menschlichen Natur un-
terworffen sind. n. 4. daß sie einander gleichen Scha-
den thun/ und gleichen Vortheil schaffen können. n. 5.
(2) eine absonderlich/ die vielerley ist. n. 6. Wenn
alle Menschen tugendhafft wären/ wäre kein Unter-
scheid unter der allgemeinen und absonderlichen Liebe.
n. 7. Jene gründet sich in der allgemeinen Gleichheit
n. 8. und ist viel mehr ein Mangel des Hasses als eine
Liebe. n. 9. Unter denen absonderlichen Gleichheiten sind
etliche/ als die Gleichheit des Alters/ Standes u. s. w.
so beschaffen/ daß sie öffters der Grund eines Hasses
sind. n. 10. Die Ungleichhet des Geschlechtes beför-
dert
N

Liebe anderer Menſchen uͤberhaupt.
wie die Menſchen lieben wollen. Dem Ochſen
gehoͤret ja wohl ſein Futter/ aber es gehoͤren ihm
auch Schlaͤge. Und der Gerechte erbarmet ſich
zwar auch ſeines Viehes/ weil er die wahre Gluͤck-
ſeeligkeit ſchon beſitzet. Denn die Liebe der
Menſchen iſt die Maaße der Liebe gegen das
Vieh/
und wer jene beſitzet/ hat auch dieſe. Was
iſt denn noͤthig/ daß wir die Mittel der wahren
Gluͤckſeeligkeit ohne Noth haͤuffen ſolten?

Das 5. Hauptſtuͤck.
Von der allgemeinen Liebe
aller Menſchen.
Jnnhalt.
Connexion n. 1. Es iſt zweyerley Liebe/ eine allgemeine
und abſonderliche n. 2. weil die Gleichheit der Men-
ſchen zweyerley iſt (1) eine allgemeine/ daß ſie alle Men-
ſchen ſind n. 3. das iſt/ daß ſie gleichen Vortheilen/ und
gleichen Schwachheiten der menſchlichen Natur un-
terworffen ſind. n. 4. daß ſie einander gleichen Scha-
den thun/ und gleichen Vortheil ſchaffen koͤnnen. n. 5.
(2) eine abſonderlich/ die vielerley iſt. n. 6. Wenn
alle Menſchen tugendhafft waͤren/ waͤre kein Unter-
ſcheid unter der allgemeinen und abſonderlichen Liebe.
n. 7. Jene gruͤndet ſich in der allgemeinen Gleichheit
n. 8. und iſt viel mehr ein Mangel des Haſſes als eine
Liebe. n. 9. Unter denen abſonderlichen Gleichheiten ſind
etliche/ als die Gleichheit des Alters/ Standes u. ſ. w.
ſo beſchaffen/ daß ſie oͤffters der Grund eines Haſſes
ſind. n. 10. Die Ungleichhet des Geſchlechtes befoͤr-
dert
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[195[193]/0225] Liebe anderer Menſchen uͤberhaupt. wie die Menſchen lieben wollen. Dem Ochſen gehoͤret ja wohl ſein Futter/ aber es gehoͤren ihm auch Schlaͤge. Und der Gerechte erbarmet ſich zwar auch ſeines Viehes/ weil er die wahre Gluͤck- ſeeligkeit ſchon beſitzet. Denn die Liebe der Menſchen iſt die Maaße der Liebe gegen das Vieh/ und wer jene beſitzet/ hat auch dieſe. Was iſt denn noͤthig/ daß wir die Mittel der wahren Gluͤckſeeligkeit ohne Noth haͤuffen ſolten? Das 5. Hauptſtuͤck. Von der allgemeinen Liebe aller Menſchen. Jnnhalt. Connexion n. 1. Es iſt zweyerley Liebe/ eine allgemeine und abſonderliche n. 2. weil die Gleichheit der Men- ſchen zweyerley iſt (1) eine allgemeine/ daß ſie alle Men- ſchen ſind n. 3. das iſt/ daß ſie gleichen Vortheilen/ und gleichen Schwachheiten der menſchlichen Natur un- terworffen ſind. n. 4. daß ſie einander gleichen Scha- den thun/ und gleichen Vortheil ſchaffen koͤnnen. n. 5. (2) eine abſonderlich/ die vielerley iſt. n. 6. Wenn alle Menſchen tugendhafft waͤren/ waͤre kein Unter- ſcheid unter der allgemeinen und abſonderlichen Liebe. n. 7. Jene gruͤndet ſich in der allgemeinen Gleichheit n. 8. und iſt viel mehr ein Mangel des Haſſes als eine Liebe. n. 9. Unter denen abſonderlichen Gleichheiten ſind etliche/ als die Gleichheit des Alters/ Standes u. ſ. w. ſo beſchaffen/ daß ſie oͤffters der Grund eines Haſſes ſind. n. 10. Die Ungleichhet des Geſchlechtes befoͤr- dert N

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Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Von der Kunst Vernünfftig und Tugendhafft zu lieben. Halle (Saale), 1692, S. 195[193]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_einleitungsittenlehre_1692/225>, abgerufen am 25.04.2019.