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Thomasius, Christian: Von der Kunst Vernünfftig und Tugendhafft zu lieben. Halle (Saale), 1692.

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das Gute u. Böse zu erkennen überhaupt.
Erhaltung der Daue rung des Menschen da-
durch erlängert oder verkürtzet wird.

22.

(2) Daß ein knrtzes Gute/ das mit ei-
nem dauerhafftern Ubel nothwendig oder sehr
wahrscheinlich vergesellschafftet ist/ für böse und
nicht für gut zu halten sey/ und das Gegentheil
von einem kurtzen Ubel/ das mit einem dauer-
hafften Gute
vergesellschafftet ist/ müsse gesagt
werden. Und gehet es disfals nicht anders zu
als in Ausrechnung des Gewinsts und Verlusts
in einer Handlung.

23.

(3) Daß der vorige Satz dahin zu erwei-
tern sey/ es möge nun das kurtze Gute oder Böse
vor dem dauerhafften Bösen oder Guten mit
dem es vergesellschafftet ist/ vorhergehen oder
darauf folgen/
wie abermals durch das Gleichniß
von Gewinn und Verlust erklähret werden kan.

24.

(4) Daß in Entscheidung der unterschie-
denen Grade des Guten und Bösen/ auch die-
selbe von der Dauerhafftigkeit derselben herge-
nommen werden müsse.

15.

(5) Daß dasjenige/ was die Dauer-
hafftigkeit einer menschlichen Krafft
beför-
dert/ am andern Theil aber eine andere noch
dauerhafftiger verringert
unter böse Dinge
zu rechnen sey/ & vice versa.

26.

Und hieraus erlernen wir abermahls den
Unterscheid einns Menschen der in praejudiciis
steckt/ und eines weisen Mannes erkennen.
Was die menschlichen Kräffte augenblicklich/

und

das Gute u. Boͤſe zu erkennen uͤberhaupt.
Erhaltung der Daue rung des Menſchen da-
durch erlaͤngert oder verkuͤrtzet wird.

22.

(2) Daß ein knrtzes Gute/ das mit ei-
nem dauerhafftern Ubel nothwendig oder ſehr
wahrſcheinlich vergeſellſchafftet iſt/ fuͤr boͤſe und
nicht fuͤr gut zu halten ſey/ und das Gegentheil
von einem kurtzen Ubel/ das mit einem dauer-
hafften Gute
vergeſellſchafftet iſt/ muͤſſe geſagt
werden. Und gehet es disfals nicht anders zu
als in Ausrechnung des Gewinſts und Verluſts
in einer Handlung.

23.

(3) Daß der vorige Satz dahin zu erwei-
tern ſey/ es moͤge nun das kurtze Gute oder Boͤſe
vor dem dauerhafften Boͤſen oder Guten mit
dem es vergeſellſchafftet iſt/ vorhergehen oder
daꝛauf folgen/
wie abeꝛmals duꝛch das Gleichniß
von Gewinn und Verluſt erklaͤhret werden kan.

24.

(4) Daß in Entſcheidung der unterſchie-
denen Grade des Guten und Boͤſen/ auch die-
ſelbe von der Dauerhafftigkeit derſelben herge-
nommen werden muͤſſe.

15.

(5) Daß dasjenige/ was die Dauer-
hafftigkeit einer menſchlichen Krafft
befoͤr-
dert/ am andern Theil aber eine andere noch
dauerhafftiger verringert
unter boͤſe Dinge
zu rechnen ſey/ & vice versâ.

26.

Und hieraus erlernen wir abermahls den
Unterſcheid einns Menſchen der in præjudiciis
ſteckt/ und eines weiſen Mannes erkennen.
Was die menſchlichen Kraͤffte augenblicklich/

und
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[11/0043] das Gute u. Boͤſe zu erkennen uͤberhaupt. Erhaltung der Daue rung des Menſchen da- durch erlaͤngert oder verkuͤrtzet wird. 22. (2) Daß ein knrtzes Gute/ das mit ei- nem dauerhafftern Ubel nothwendig oder ſehr wahrſcheinlich vergeſellſchafftet iſt/ fuͤr boͤſe und nicht fuͤr gut zu halten ſey/ und das Gegentheil von einem kurtzen Ubel/ das mit einem dauer- hafften Gute vergeſellſchafftet iſt/ muͤſſe geſagt werden. Und gehet es disfals nicht anders zu als in Ausrechnung des Gewinſts und Verluſts in einer Handlung. 23. (3) Daß der vorige Satz dahin zu erwei- tern ſey/ es moͤge nun das kurtze Gute oder Boͤſe vor dem dauerhafften Boͤſen oder Guten mit dem es vergeſellſchafftet iſt/ vorhergehen oder daꝛauf folgen/ wie abeꝛmals duꝛch das Gleichniß von Gewinn und Verluſt erklaͤhret werden kan. 24. (4) Daß in Entſcheidung der unterſchie- denen Grade des Guten und Boͤſen/ auch die- ſelbe von der Dauerhafftigkeit derſelben herge- nommen werden muͤſſe. 15. (5) Daß dasjenige/ was die Dauer- hafftigkeit einer menſchlichen Krafft befoͤr- dert/ am andern Theil aber eine andere noch dauerhafftiger verringert unter boͤſe Dinge zu rechnen ſey/ & vice versâ. 26. Und hieraus erlernen wir abermahls den Unterſcheid einns Menſchen der in præjudiciis ſteckt/ und eines weiſen Mannes erkennen. Was die menſchlichen Kraͤffte augenblicklich/ und

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Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Von der Kunst Vernünfftig und Tugendhafft zu lieben. Halle (Saale), 1692, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_einleitungsittenlehre_1692/43>, abgerufen am 19.06.2018.