Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Thümmel, Moritz August von]: Wilhelmine oder der vermählte Pedant. [s. l.], 1764.

Bild:
<< vorherige Seite


Dritter Gesang.

Schon blitzten die Strahlen der Sonne,
ein Schauspiel unserer itzt lebenden
Neutons, auf dem leeren Kopfe des Thur-
mes und der geputzten Coquette, die wie ein
wachsamer Feldherr schon früh mit den sor-
genden Gedanken ausgieng, welchen Posten
sie heute besetzen, und welches Bollwerk sie
heut erstürmen solte. Alle berühmten Schlä-
fer der Residenz, alle Hofjunker und Staats-
räthe waren erwacht. Einige verschluckten
levantischen Coffee und blätterten im Herrn
und Diener
*, oder bezeichneten, um nach
vollbrachtem Tage weiter zu lesen, dankbar
die rührende Stelle, bey der ihnen den Abend
vorher -- die Gedanken in Schlaf übergien-
gen. Mit edeln Eifer übten sich andere im

Stil-
* Eine bekannte Schrift des Hrn von Moser.


Dritter Geſang.

Schon blitzten die Strahlen der Sonne,
ein Schauſpiel unſerer itzt lebenden
Neutons, auf dem leeren Kopfe des Thur-
mes und der geputzten Coquette, die wie ein
wachſamer Feldherr ſchon fruͤh mit den ſor-
genden Gedanken ausgieng, welchen Poſten
ſie heute beſetzen, und welches Bollwerk ſie
heut erſtuͤrmen ſolte. Alle beruͤhmten Schlaͤ-
fer der Reſidenz, alle Hofjunker und Staats-
raͤthe waren erwacht. Einige verſchluckten
levantiſchen Coffee und blaͤtterten im Herrn
und Diener
*, oder bezeichneten, um nach
vollbrachtem Tage weiter zu leſen, dankbar
die ruͤhrende Stelle, bey der ihnen den Abend
vorher — die Gedanken in Schlaf uͤbergien-
gen. Mit edeln Eifer uͤbten ſich andere im

Stil-
* Eine bekannte Schrift des Hrn von Moſer.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0044" n="40"/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Dritter Ge&#x017F;ang.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">S</hi>chon blitzten die Strahlen der Sonne,<lb/>
ein Schau&#x017F;piel un&#x017F;erer itzt lebenden<lb/>
Neutons, auf dem leeren Kopfe des Thur-<lb/>
mes und der geputzten Coquette, die wie ein<lb/>
wach&#x017F;amer Feldherr &#x017F;chon fru&#x0364;h mit den &#x017F;or-<lb/>
genden Gedanken ausgieng, welchen Po&#x017F;ten<lb/>
&#x017F;ie heute be&#x017F;etzen, und welches Bollwerk &#x017F;ie<lb/>
heut er&#x017F;tu&#x0364;rmen &#x017F;olte. Alle beru&#x0364;hmten Schla&#x0364;-<lb/>
fer der Re&#x017F;idenz, alle Hofjunker und Staats-<lb/>
ra&#x0364;the waren erwacht. Einige ver&#x017F;chluckten<lb/>
levanti&#x017F;chen Coffee und bla&#x0364;tterten im <hi rendition="#b">Herrn<lb/>
und Diener</hi> <note place="foot" n="*">Eine bekannte Schrift des Hrn von Mo&#x017F;er.</note>, oder bezeichneten, um nach<lb/>
vollbrachtem Tage weiter zu le&#x017F;en, dankbar<lb/>
die ru&#x0364;hrende Stelle, bey der ihnen den Abend<lb/>
vorher &#x2014; die Gedanken in Schlaf u&#x0364;bergien-<lb/>
gen. Mit edeln Eifer u&#x0364;bten &#x017F;ich andere im<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Stil-</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[40/0044] Dritter Geſang. Schon blitzten die Strahlen der Sonne, ein Schauſpiel unſerer itzt lebenden Neutons, auf dem leeren Kopfe des Thur- mes und der geputzten Coquette, die wie ein wachſamer Feldherr ſchon fruͤh mit den ſor- genden Gedanken ausgieng, welchen Poſten ſie heute beſetzen, und welches Bollwerk ſie heut erſtuͤrmen ſolte. Alle beruͤhmten Schlaͤ- fer der Reſidenz, alle Hofjunker und Staats- raͤthe waren erwacht. Einige verſchluckten levantiſchen Coffee und blaͤtterten im Herrn und Diener *, oder bezeichneten, um nach vollbrachtem Tage weiter zu leſen, dankbar die ruͤhrende Stelle, bey der ihnen den Abend vorher — die Gedanken in Schlaf uͤbergien- gen. Mit edeln Eifer uͤbten ſich andere im Stil- * Eine bekannte Schrift des Hrn von Moſer.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thuemmel_wilhelmine_1764
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thuemmel_wilhelmine_1764/44
Zitationshilfe: [Thümmel, Moritz August von]: Wilhelmine oder der vermählte Pedant. [s. l.], 1764, S. 40. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thuemmel_wilhelmine_1764/44>, abgerufen am 16.12.2018.