Am Dienstag, dem 19. November 2019, finden von 9 bis 14 Uhr Wartungsarbeiten an unseren Servern statt. Bitte beachten Sie, dass die DTA-Seiten in dieser Zeit nicht erreichbar sein werden.
Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thünen, Johann Heinrich von: Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und Nationalökonomie. Hamburg, 1826.

Bild:
<< vorherige Seite

die größere oder geringere Entfernung von der Stadt auf
den Landbau einwirken, wenn dieser mit der höchsten
Konsequenz betrieben wird.



Es ist im Allgemeinen klar, daß in der Nähe der
Stadt solche Produkte gebauet werden müssen, die im
Verhältniß zu ihrem Werth ein großes Gewicht haben,
oder einen großen Raum einnehmen, und deren Trans-
portkosten nach der Stadt so bedeutend sind, daß sie aus
entfernten Gegenden nicht mehr geliefert werden können;
so wie auch solche Produkte, die dem Verderben leicht
unterworfen sind und frisch verbraucht werden müssen.
Mit der größern Entfernung von der Stadt wird aber
das Land immer mehr und mehr auf die Erzeugung der-
jenigen Produkte verwiesen, die im Verhältniß zu ihrem
Werth mindere Transportkosten erfordern.

Aus diesem Grunde allein, werden sich um die Stadt
ziemlich scharf geschiedene konzentrische Kreise bilden, in
welchen diese oder jene Gewächse das Haupterzeugniß aus-
machen.

Mit dem Anbau eines andern Gewächses, als Haupt-
zweck betrachtet, ändert sich aber die ganze Form der
Wirthschaft, und wir werden in den verschiedenen Kreisen
ganz verschiedene Wirthschaftssysteme erblicken.

§. 3.
Erster Kreis.
Freie Wirthschaft
.

Die feinern Gartengewächse, welche theils den Trans-
port auf Wagen aus weiterer Ferne nicht ertragen kön-
nen, wie Blumenkohl, Erdbeeren, Salat u. m. a., und
deshalb nach der Stadt getragen werden müssen, theils

die groͤßere oder geringere Entfernung von der Stadt auf
den Landbau einwirken, wenn dieſer mit der hoͤchſten
Konſequenz betrieben wird.



Es iſt im Allgemeinen klar, daß in der Naͤhe der
Stadt ſolche Produkte gebauet werden muͤſſen, die im
Verhaͤltniß zu ihrem Werth ein großes Gewicht haben,
oder einen großen Raum einnehmen, und deren Trans-
portkoſten nach der Stadt ſo bedeutend ſind, daß ſie aus
entfernten Gegenden nicht mehr geliefert werden koͤnnen;
ſo wie auch ſolche Produkte, die dem Verderben leicht
unterworfen ſind und friſch verbraucht werden muͤſſen.
Mit der groͤßern Entfernung von der Stadt wird aber
das Land immer mehr und mehr auf die Erzeugung der-
jenigen Produkte verwieſen, die im Verhaͤltniß zu ihrem
Werth mindere Transportkoſten erfordern.

Aus dieſem Grunde allein, werden ſich um die Stadt
ziemlich ſcharf geſchiedene konzentriſche Kreiſe bilden, in
welchen dieſe oder jene Gewaͤchſe das Haupterzeugniß aus-
machen.

Mit dem Anbau eines andern Gewaͤchſes, als Haupt-
zweck betrachtet, aͤndert ſich aber die ganze Form der
Wirthſchaft, und wir werden in den verſchiedenen Kreiſen
ganz verſchiedene Wirthſchaftsſyſteme erblicken.

§. 3.
Erſter Kreis.
Freie Wirthſchaft
.

Die feinern Gartengewaͤchſe, welche theils den Trans-
port auf Wagen aus weiterer Ferne nicht ertragen koͤn-
nen, wie Blumenkohl, Erdbeeren, Salat u. m. a., und
deshalb nach der Stadt getragen werden muͤſſen, theils

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0016" n="2"/>
die gro&#x0364;ßere oder geringere Entfernung von der Stadt auf<lb/>
den Landbau einwirken, wenn die&#x017F;er mit der ho&#x0364;ch&#x017F;ten<lb/>
Kon&#x017F;equenz betrieben wird.</p><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <p>Es i&#x017F;t im Allgemeinen klar, daß in der Na&#x0364;he der<lb/>
Stadt &#x017F;olche Produkte gebauet werden mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, die im<lb/>
Verha&#x0364;ltniß zu ihrem Werth ein großes Gewicht haben,<lb/>
oder einen großen Raum einnehmen, und deren Trans-<lb/>
portko&#x017F;ten nach der Stadt &#x017F;o bedeutend &#x017F;ind, daß &#x017F;ie aus<lb/>
entfernten Gegenden nicht mehr geliefert werden ko&#x0364;nnen;<lb/>
&#x017F;o wie auch &#x017F;olche Produkte, die dem Verderben leicht<lb/>
unterworfen &#x017F;ind und fri&#x017F;ch verbraucht werden mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en.<lb/>
Mit der gro&#x0364;ßern Entfernung von der Stadt wird aber<lb/>
das Land immer mehr und mehr auf die Erzeugung der-<lb/>
jenigen Produkte verwie&#x017F;en, die im Verha&#x0364;ltniß zu ihrem<lb/>
Werth mindere Transportko&#x017F;ten erfordern.</p><lb/>
          <p>Aus die&#x017F;em Grunde allein, werden &#x017F;ich um die Stadt<lb/>
ziemlich &#x017F;charf ge&#x017F;chiedene konzentri&#x017F;che Krei&#x017F;e bilden, in<lb/>
welchen die&#x017F;e oder jene Gewa&#x0364;ch&#x017F;e das Haupterzeugniß aus-<lb/>
machen.</p><lb/>
          <p>Mit dem Anbau eines andern Gewa&#x0364;ch&#x017F;es, als Haupt-<lb/>
zweck betrachtet, a&#x0364;ndert &#x017F;ich aber die ganze Form der<lb/>
Wirth&#x017F;chaft, und wir werden in den ver&#x017F;chiedenen Krei&#x017F;en<lb/>
ganz ver&#x017F;chiedene Wirth&#x017F;chafts&#x017F;y&#x017F;teme erblicken.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 3.<lb/><hi rendition="#g">Er&#x017F;ter Kreis.<lb/>
Freie Wirth&#x017F;chaft</hi>.</head><lb/>
          <p>Die feinern Gartengewa&#x0364;ch&#x017F;e, welche theils den Trans-<lb/>
port auf Wagen aus weiterer Ferne nicht ertragen ko&#x0364;n-<lb/>
nen, wie Blumenkohl, Erdbeeren, Salat u. m. a., und<lb/>
deshalb nach der Stadt getragen werden mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, theils<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[2/0016] die groͤßere oder geringere Entfernung von der Stadt auf den Landbau einwirken, wenn dieſer mit der hoͤchſten Konſequenz betrieben wird. Es iſt im Allgemeinen klar, daß in der Naͤhe der Stadt ſolche Produkte gebauet werden muͤſſen, die im Verhaͤltniß zu ihrem Werth ein großes Gewicht haben, oder einen großen Raum einnehmen, und deren Trans- portkoſten nach der Stadt ſo bedeutend ſind, daß ſie aus entfernten Gegenden nicht mehr geliefert werden koͤnnen; ſo wie auch ſolche Produkte, die dem Verderben leicht unterworfen ſind und friſch verbraucht werden muͤſſen. Mit der groͤßern Entfernung von der Stadt wird aber das Land immer mehr und mehr auf die Erzeugung der- jenigen Produkte verwieſen, die im Verhaͤltniß zu ihrem Werth mindere Transportkoſten erfordern. Aus dieſem Grunde allein, werden ſich um die Stadt ziemlich ſcharf geſchiedene konzentriſche Kreiſe bilden, in welchen dieſe oder jene Gewaͤchſe das Haupterzeugniß aus- machen. Mit dem Anbau eines andern Gewaͤchſes, als Haupt- zweck betrachtet, aͤndert ſich aber die ganze Form der Wirthſchaft, und wir werden in den verſchiedenen Kreiſen ganz verſchiedene Wirthſchaftsſyſteme erblicken. §. 3. Erſter Kreis. Freie Wirthſchaft. Die feinern Gartengewaͤchſe, welche theils den Trans- port auf Wagen aus weiterer Ferne nicht ertragen koͤn- nen, wie Blumenkohl, Erdbeeren, Salat u. m. a., und deshalb nach der Stadt getragen werden muͤſſen, theils

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thuenen_staat_1826
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thuenen_staat_1826/16
Zitationshilfe: Thünen, Johann Heinrich von: Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und Nationalökonomie. Hamburg, 1826, S. 2. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thuenen_staat_1826/16>, abgerufen am 18.11.2019.