Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thünen, Johann Heinrich von: Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und Nationalökonomie. Hamburg, 1826.

Bild:
<< vorherige Seite

Unter diesen Verhältnissen ist aber der Werth des Bo-
dens noch zu geringe, um eine große Ausdehnung der
Fruchtwechselwirthschaft vortheilhaft zu machen.

Diese Wirthschaftsart wird hier nur einen engen Kreis,
und nur den nahe um die Höfe liegenden Acker einnehmen.

Für eine größere Dungkraft des Ackers und für hö-
here Getreidepreise würde sich der Kreis selbst erweitern,
und diese Wirthschaftsart würde sich auf einen größern
Theil der Ackers jedes Guts ausdehnen 9).

§. 22.
Vierter Kreis.
Koppelwirthschaft
.

Die Koppelwirthschaft beginnt hinter dem Kreise der
Fruchtwechselwirthschaft und endet nach §. 14. in der Ent-
fernung von 24,7 Meilen von der Stadt, wo sie der
Dreifelderwirthschaft, die hier vortheilhafter wird, weichen
muß.

Die Koppelwirthschaft wird hier zwar überall statt
finden, aber sie wird nicht in allen Gegenden dieses sehr
ausgedehnten Kreises eine und dieselbe Form haben; son-

9) Dies ist im Jahre 1819 geschrieben. Alle spätern Untersuchun-
gen, so wie die über die belgische Wirthschaft haben mich über-
zeugt, daß unter den angenommenen Verhältnissen die Frucht-
wechselwirthschaft hier gar nicht -- also auch nicht in der ange-
gebenen geringen Ausdehnung -- statt finden könne. Ich konnte
dessenungeachtet das hier Gesagte nicht wegstreichen, ohne daß
eine Lücke im Zusammenhang des Ganzen entstanden wäre; und
dann mußte doch auch für ein so wichtiges Wirthschaftssystem,
was bei zunehmendem Reichthum der Nationen mehr und mehr
das herrschende werden wird, hier wenigstens die Stelle bezeich-
net seyn, die dasselbe unter andern Verhältnissen einnehmen
würde; und von der es in dem isolirten Staat nur durch un-
sere Annahme einer gleichmäßigen und zwar geringen Fruchtbar-
keit der ganzen Ebene, verdrängt wird.

Unter dieſen Verhaͤltniſſen iſt aber der Werth des Bo-
dens noch zu geringe, um eine große Ausdehnung der
Fruchtwechſelwirthſchaft vortheilhaft zu machen.

Dieſe Wirthſchaftsart wird hier nur einen engen Kreis,
und nur den nahe um die Hoͤfe liegenden Acker einnehmen.

Fuͤr eine groͤßere Dungkraft des Ackers und fuͤr hoͤ-
here Getreidepreiſe wuͤrde ſich der Kreis ſelbſt erweitern,
und dieſe Wirthſchaftsart wuͤrde ſich auf einen groͤßern
Theil der Ackers jedes Guts ausdehnen 9).

§. 22.
Vierter Kreis.
Koppelwirthſchaft
.

Die Koppelwirthſchaft beginnt hinter dem Kreiſe der
Fruchtwechſelwirthſchaft und endet nach §. 14. in der Ent-
fernung von 24,7 Meilen von der Stadt, wo ſie der
Dreifelderwirthſchaft, die hier vortheilhafter wird, weichen
muß.

Die Koppelwirthſchaft wird hier zwar uͤberall ſtatt
finden, aber ſie wird nicht in allen Gegenden dieſes ſehr
ausgedehnten Kreiſes eine und dieſelbe Form haben; ſon-

9) Dies iſt im Jahre 1819 geſchrieben. Alle ſpaͤtern Unterſuchun-
gen, ſo wie die uͤber die belgiſche Wirthſchaft haben mich uͤber-
zeugt, daß unter den angenommenen Verhaͤltniſſen die Frucht-
wechſelwirthſchaft hier gar nicht — alſo auch nicht in der ange-
gebenen geringen Ausdehnung — ſtatt finden koͤnne. Ich konnte
deſſenungeachtet das hier Geſagte nicht wegſtreichen, ohne daß
eine Luͤcke im Zuſammenhang des Ganzen entſtanden waͤre; und
dann mußte doch auch fuͤr ein ſo wichtiges Wirthſchaftsſyſtem,
was bei zunehmendem Reichthum der Nationen mehr und mehr
das herrſchende werden wird, hier wenigſtens die Stelle bezeich-
net ſeyn, die daſſelbe unter andern Verhaͤltniſſen einnehmen
wuͤrde; und von der es in dem iſolirten Staat nur durch un-
ſere Annahme einer gleichmaͤßigen und zwar geringen Fruchtbar-
keit der ganzen Ebene, verdraͤngt wird.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0190" n="176"/>
          <p>Unter die&#x017F;en Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;en i&#x017F;t aber der Werth des Bo-<lb/>
dens noch zu geringe, um eine große Ausdehnung der<lb/>
Fruchtwech&#x017F;elwirth&#x017F;chaft vortheilhaft zu machen.</p><lb/>
          <p>Die&#x017F;e Wirth&#x017F;chaftsart wird hier nur einen engen Kreis,<lb/>
und nur den nahe um die Ho&#x0364;fe liegenden Acker einnehmen.</p><lb/>
          <p>Fu&#x0364;r eine gro&#x0364;ßere Dungkraft des Ackers und fu&#x0364;r ho&#x0364;-<lb/>
here Getreideprei&#x017F;e wu&#x0364;rde &#x017F;ich der Kreis &#x017F;elb&#x017F;t erweitern,<lb/>
und die&#x017F;e Wirth&#x017F;chaftsart wu&#x0364;rde &#x017F;ich auf einen gro&#x0364;ßern<lb/>
Theil der Ackers jedes Guts ausdehnen <note place="foot" n="9)">Dies i&#x017F;t im Jahre 1819 ge&#x017F;chrieben. Alle &#x017F;pa&#x0364;tern Unter&#x017F;uchun-<lb/>
gen, &#x017F;o wie die u&#x0364;ber die belgi&#x017F;che Wirth&#x017F;chaft haben mich u&#x0364;ber-<lb/>
zeugt, daß unter den angenommenen Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;en die Frucht-<lb/>
wech&#x017F;elwirth&#x017F;chaft hier gar nicht &#x2014; al&#x017F;o auch nicht in der ange-<lb/>
gebenen geringen Ausdehnung &#x2014; &#x017F;tatt finden ko&#x0364;nne. Ich konnte<lb/>
de&#x017F;&#x017F;enungeachtet das hier Ge&#x017F;agte nicht weg&#x017F;treichen, ohne daß<lb/>
eine Lu&#x0364;cke im Zu&#x017F;ammenhang des Ganzen ent&#x017F;tanden wa&#x0364;re; und<lb/>
dann mußte doch auch fu&#x0364;r ein &#x017F;o wichtiges Wirth&#x017F;chafts&#x017F;y&#x017F;tem,<lb/>
was bei zunehmendem Reichthum der Nationen mehr und mehr<lb/>
das herr&#x017F;chende werden wird, hier wenig&#x017F;tens die Stelle bezeich-<lb/>
net &#x017F;eyn, die da&#x017F;&#x017F;elbe unter andern Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;en einnehmen<lb/>
wu&#x0364;rde; und von der es in dem i&#x017F;olirten Staat nur durch un-<lb/>
&#x017F;ere Annahme einer gleichma&#x0364;ßigen und zwar geringen Fruchtbar-<lb/>
keit der ganzen Ebene, verdra&#x0364;ngt wird.</note>.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 22.<lb/><hi rendition="#g">Vierter Kreis.<lb/>
Koppelwirth&#x017F;chaft</hi>.</head><lb/>
          <p>Die Koppelwirth&#x017F;chaft beginnt hinter dem Krei&#x017F;e der<lb/>
Fruchtwech&#x017F;elwirth&#x017F;chaft und endet nach §. 14. in der Ent-<lb/>
fernung von 24,7 Meilen von der Stadt, wo &#x017F;ie der<lb/>
Dreifelderwirth&#x017F;chaft, die hier vortheilhafter wird, weichen<lb/>
muß.</p><lb/>
          <p>Die Koppelwirth&#x017F;chaft wird hier zwar u&#x0364;berall &#x017F;tatt<lb/>
finden, aber &#x017F;ie wird nicht in allen Gegenden die&#x017F;es &#x017F;ehr<lb/>
ausgedehnten Krei&#x017F;es eine und die&#x017F;elbe Form haben; &#x017F;on-<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[176/0190] Unter dieſen Verhaͤltniſſen iſt aber der Werth des Bo- dens noch zu geringe, um eine große Ausdehnung der Fruchtwechſelwirthſchaft vortheilhaft zu machen. Dieſe Wirthſchaftsart wird hier nur einen engen Kreis, und nur den nahe um die Hoͤfe liegenden Acker einnehmen. Fuͤr eine groͤßere Dungkraft des Ackers und fuͤr hoͤ- here Getreidepreiſe wuͤrde ſich der Kreis ſelbſt erweitern, und dieſe Wirthſchaftsart wuͤrde ſich auf einen groͤßern Theil der Ackers jedes Guts ausdehnen 9). §. 22. Vierter Kreis. Koppelwirthſchaft. Die Koppelwirthſchaft beginnt hinter dem Kreiſe der Fruchtwechſelwirthſchaft und endet nach §. 14. in der Ent- fernung von 24,7 Meilen von der Stadt, wo ſie der Dreifelderwirthſchaft, die hier vortheilhafter wird, weichen muß. Die Koppelwirthſchaft wird hier zwar uͤberall ſtatt finden, aber ſie wird nicht in allen Gegenden dieſes ſehr ausgedehnten Kreiſes eine und dieſelbe Form haben; ſon- 9) Dies iſt im Jahre 1819 geſchrieben. Alle ſpaͤtern Unterſuchun- gen, ſo wie die uͤber die belgiſche Wirthſchaft haben mich uͤber- zeugt, daß unter den angenommenen Verhaͤltniſſen die Frucht- wechſelwirthſchaft hier gar nicht — alſo auch nicht in der ange- gebenen geringen Ausdehnung — ſtatt finden koͤnne. Ich konnte deſſenungeachtet das hier Geſagte nicht wegſtreichen, ohne daß eine Luͤcke im Zuſammenhang des Ganzen entſtanden waͤre; und dann mußte doch auch fuͤr ein ſo wichtiges Wirthſchaftsſyſtem, was bei zunehmendem Reichthum der Nationen mehr und mehr das herrſchende werden wird, hier wenigſtens die Stelle bezeich- net ſeyn, die daſſelbe unter andern Verhaͤltniſſen einnehmen wuͤrde; und von der es in dem iſolirten Staat nur durch un- ſere Annahme einer gleichmaͤßigen und zwar geringen Fruchtbar- keit der ganzen Ebene, verdraͤngt wird.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thuenen_staat_1826
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thuenen_staat_1826/190
Zitationshilfe: Thünen, Johann Heinrich von: Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und Nationalökonomie. Hamburg, 1826, S. 176. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thuenen_staat_1826/190>, abgerufen am 20.10.2019.