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Tieck, Ludwig: Phantasus. Bd. 3. Berlin, 1816.

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Zweite Abtheilung.
Und die mir lange keine Zinsen trugen;
Ich glaubte, hier in England Glück zu machen,
Bei solcher Fürstinn, edel, reich und schön,
Mich alles Schadens zu erholen, doch
Ihr habt so viel mir abgehandelt, daß
Sich selbst die Reisekosten nicht bezahlen.
Agrippina.
Der Kaufmann glaubt, er muß beständig klagen,
Ich habe Euch noch viel zu viel geboten,
Geduldet Euch, ich geh, Euch zu bezahlen.

(geht hinein.)
Andalosia.
O Geiz! Du Scheusal, das mit schiefen Augen
Nur mehr und mehr zu häufen sucht, und ekle
Verzerrung grinzt, soll es dem Nachbar leihn,
Zeigst Du so scheußlich Dich in armer Wohnung,
Beim Bürger, Kaufmann und dein Wucherer,
Wie widerwärtig ist Dein Angesicht
Liegst Du auf Haufen ungemeßnen Goldes,
Schielst unter Kronen Du vom Thron herab. --
Wo war mein Auge nur, das dem verzerrten
Grausamen Götzenbild in Andacht flehte;
Schlief denn mein Ohr, daß es von diesen Lippen
Orakelsprüche nur vernahm? O schwacher Muth,
Der Du in ihr den Glanz der Ewigkeit,
Der höchsten Schöne, alles Himmlischen
In dumpfer Trunkenheit gewahrtest, nüchtern
Ist Dir Dein Traum des Rausches Aberwitz,
Das Herz stößt die Erinnrung ekel von sich
Und nennt sich selbst und das Gewissen Lügner. --
Sie holt den Zaubersäckel, ahndet nicht
Daß hier ihr Feind auf seine Beute lauert,
Und, wie der Habicht auf die Taube stößt,
Zweite Abtheilung.
Und die mir lange keine Zinſen trugen;
Ich glaubte, hier in England Gluͤck zu machen,
Bei ſolcher Fuͤrſtinn, edel, reich und ſchoͤn,
Mich alles Schadens zu erholen, doch
Ihr habt ſo viel mir abgehandelt, daß
Sich ſelbſt die Reiſekoſten nicht bezahlen.
Agrippina.
Der Kaufmann glaubt, er muß beſtaͤndig klagen,
Ich habe Euch noch viel zu viel geboten,
Geduldet Euch, ich geh, Euch zu bezahlen.

(geht hinein.)
Andaloſia.
O Geiz! Du Scheuſal, das mit ſchiefen Augen
Nur mehr und mehr zu haͤufen ſucht, und ekle
Verzerrung grinzt, ſoll es dem Nachbar leihn,
Zeigſt Du ſo ſcheußlich Dich in armer Wohnung,
Beim Buͤrger, Kaufmann und dein Wucherer,
Wie widerwaͤrtig iſt Dein Angeſicht
Liegſt Du auf Haufen ungemeßnen Goldes,
Schielſt unter Kronen Du vom Thron herab. —
Wo war mein Auge nur, das dem verzerrten
Grauſamen Goͤtzenbild in Andacht flehte;
Schlief denn mein Ohr, daß es von dieſen Lippen
Orakelſpruͤche nur vernahm? O ſchwacher Muth,
Der Du in ihr den Glanz der Ewigkeit,
Der hoͤchſten Schoͤne, alles Himmliſchen
In dumpfer Trunkenheit gewahrteſt, nuͤchtern
Iſt Dir Dein Traum des Rauſches Aberwitz,
Das Herz ſtoͤßt die Erinnrung ekel von ſich
Und nennt ſich ſelbſt und das Gewiſſen Luͤgner. —
Sie holt den Zauberſaͤckel, ahndet nicht
Daß hier ihr Feind auf ſeine Beute lauert,
Und, wie der Habicht auf die Taube ſtoͤßt,
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[350/0360] Zweite Abtheilung. Und die mir lange keine Zinſen trugen; Ich glaubte, hier in England Gluͤck zu machen, Bei ſolcher Fuͤrſtinn, edel, reich und ſchoͤn, Mich alles Schadens zu erholen, doch Ihr habt ſo viel mir abgehandelt, daß Sich ſelbſt die Reiſekoſten nicht bezahlen. Agrippina. Der Kaufmann glaubt, er muß beſtaͤndig klagen, Ich habe Euch noch viel zu viel geboten, Geduldet Euch, ich geh, Euch zu bezahlen. (geht hinein.) Andaloſia. O Geiz! Du Scheuſal, das mit ſchiefen Augen Nur mehr und mehr zu haͤufen ſucht, und ekle Verzerrung grinzt, ſoll es dem Nachbar leihn, Zeigſt Du ſo ſcheußlich Dich in armer Wohnung, Beim Buͤrger, Kaufmann und dein Wucherer, Wie widerwaͤrtig iſt Dein Angeſicht Liegſt Du auf Haufen ungemeßnen Goldes, Schielſt unter Kronen Du vom Thron herab. — Wo war mein Auge nur, das dem verzerrten Grauſamen Goͤtzenbild in Andacht flehte; Schlief denn mein Ohr, daß es von dieſen Lippen Orakelſpruͤche nur vernahm? O ſchwacher Muth, Der Du in ihr den Glanz der Ewigkeit, Der hoͤchſten Schoͤne, alles Himmliſchen In dumpfer Trunkenheit gewahrteſt, nuͤchtern Iſt Dir Dein Traum des Rauſches Aberwitz, Das Herz ſtoͤßt die Erinnrung ekel von ſich Und nennt ſich ſelbſt und das Gewiſſen Luͤgner. — Sie holt den Zauberſaͤckel, ahndet nicht Daß hier ihr Feind auf ſeine Beute lauert, Und, wie der Habicht auf die Taube ſtoͤßt,

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Zitationshilfe: Tieck, Ludwig: Phantasus. Bd. 3. Berlin, 1816, S. 350. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/tieck_phantasus03_1816/360>, abgerufen am 26.05.2019.