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Tschirnhaus, Ehrenfried Walther von: Getreuer Hofmeister auf Academien und Reisen. Hrsg. v. Wolfgang Bernhard von Tschirnhaus. Hannover, 1727.

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von Anno 1722.
fen. Thut dieses nun das Brandt-
wein-Spühlicht, als ein phlegma des
Spiritus, was soll der Spiritus nicht an
sich selbsten thun? Dahero auch unzeh-
lich viel Exempel am Tage, und nicht
zu beschreiben, mit was vielen und sehr
beschwehrlichen Kranckheiten, dererje-
nigen Leiber behafftet sich befinden, wel-
che in Geniessung hitziger Geträncke
excediren, und wieviel in denen besten
Jahren dahin fallen. Zu geschweigen,
was für jählinge Fälle sich dergleichen
Menschen, in der Trunckenheit sonsten
annoch zuziehen können. Und ist nichts
ungewöhnliches, daß von einer allzu-
hefftigen Wallung des Geblüts, so in
Räuschen excitiret wird, Schlag-Flüs-
se, tödliche Haemorrhagien, etc. causi-
ret werden. Jedoch ist von solchem2) Die
Quantität.

Geträncke eine mäßige Quantität nicht
verboten, und wird sich niemand mit ei-
nem Spitz-Gläßgen, oder halben Nös-
sel eines alten guten Weines, seine Na-
tur ruiniren. Zum ordinairen Tranck
aber dienet am besten ein dünnes wohl
ausgelegenes und nicht hitziges Bier,
davon, was die Quantität betrifft, ein

voll-

von Anno 1722.
fen. Thut dieſes nun das Brandt-
wein-Spuͤhlicht, als ein phlegma des
Spiritus, was ſoll der Spiritus nicht an
ſich ſelbſten thun? Dahero auch unzeh-
lich viel Exempel am Tage, und nicht
zu beſchreiben, mit was vielen und ſehr
beſchwehrlichen Kranckheiten, dererje-
nigen Leiber behafftet ſich befinden, wel-
che in Genieſſung hitziger Getraͤncke
excediren, und wieviel in denen beſten
Jahren dahin fallen. Zu geſchweigen,
was fuͤr jaͤhlinge Faͤlle ſich dergleichen
Menſchen, in der Trunckenheit ſonſten
annoch zuziehen koͤnnen. Und iſt nichts
ungewoͤhnliches, daß von einer allzu-
hefftigen Wallung des Gebluͤts, ſo in
Raͤuſchen excitiret wird, Schlag-Fluͤſ-
ſe, toͤdliche Hæmorrhagien, ꝛc. cauſi-
ret werden. Jedoch iſt von ſolchem2) Die
Quantitaͤt.

Getraͤncke eine maͤßige Quantitaͤt nicht
verboten, und wird ſich niemand mit ei-
nem Spitz-Glaͤßgen, oder halben Noͤſ-
ſel eines alten guten Weines, ſeine Na-
tur ruiniren. Zum ordinairen Tranck
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[331/0353] von Anno 1722. fen. Thut dieſes nun das Brandt- wein-Spuͤhlicht, als ein phlegma des Spiritus, was ſoll der Spiritus nicht an ſich ſelbſten thun? Dahero auch unzeh- lich viel Exempel am Tage, und nicht zu beſchreiben, mit was vielen und ſehr beſchwehrlichen Kranckheiten, dererje- nigen Leiber behafftet ſich befinden, wel- che in Genieſſung hitziger Getraͤncke excediren, und wieviel in denen beſten Jahren dahin fallen. Zu geſchweigen, was fuͤr jaͤhlinge Faͤlle ſich dergleichen Menſchen, in der Trunckenheit ſonſten annoch zuziehen koͤnnen. Und iſt nichts ungewoͤhnliches, daß von einer allzu- hefftigen Wallung des Gebluͤts, ſo in Raͤuſchen excitiret wird, Schlag-Fluͤſ- ſe, toͤdliche Hæmorrhagien, ꝛc. cauſi- ret werden. Jedoch iſt von ſolchem Getraͤncke eine maͤßige Quantitaͤt nicht verboten, und wird ſich niemand mit ei- nem Spitz-Glaͤßgen, oder halben Noͤſ- ſel eines alten guten Weines, ſeine Na- tur ruiniren. Zum ordinairen Tranck aber dienet am beſten ein duͤnnes wohl ausgelegenes und nicht hitziges Bier, davon, was die Quantitaͤt betrifft, ein voll- 2) Die Quantitaͤt.

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Zitationshilfe: Tschirnhaus, Ehrenfried Walther von: Getreuer Hofmeister auf Academien und Reisen. Hrsg. v. Wolfgang Bernhard von Tschirnhaus. Hannover, 1727, S. 331. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/tschirnhaus_anleitung_1727/353>, abgerufen am 14.10.2019.