Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Uhse, Erdmann: Wohl-informirter Poët. 2. Aufl. Leipzig, 1719.

Bild:
<< vorherige Seite
von der Disposition.
AEtiologia 2. Denn er hat dieselbe hertzlich geliebet.
Amplif. a Loco Communi. Es ist nichts stärcker,
als eheliche Liebe, und nichts empfindlichers,
als wenn dieselbe getrennet wird.
Amplif. ab Exemplo. Käyser Ferdinandus be-
suchte seiner Gemahlin Grab offte, weinete da-
bey und sagte: Hier liegt nechst GOtt mein
liebster Schatz auf dieser Welt.
AEtiologia 3. Denn sie hat ihm sein Hauswesen sehr
wohl versehen.
Amplif. a Simili. Eine gute Hausfrau ist als eine ge-
schäfftige Ameise und Biene, welche einen gu-
ten Vorrath einsammlet, dessen man sich in der
Noth bedienen kan.
Amplif. a Consectario Paedevtico. Er lasse aber
den Muth nicht sincken. Ist keine Eheliebste
mehr da, so sind doch so viel aufrichtige Freun-
de da, welche sich seiner Sachen annehmen wer-
den.
Conclusio. Nun GOtt tröste, stärcke, beschütze und
segne ihn anderweit.
6. Wie lässet sich denn die Disposition durch
eine Chriam Inversam vornehmen?

Weil die Chria Inversa auf zweyerley Art vorge-
nommen wird, nemlich entweder durch ein Antecedens
und Consequens, oder durch eine Thesin und Hypothe-
sin,
wollen wir beyde Gattungen versuchen.

7. Wie disponiret man ein Carmen durch ein
Antecedens und Consequens?
Wenn
von der Diſpoſition.
Ætiologia 2. Denn er hat dieſelbe hertzlich geliebet.
Amplif. a Loco Communi. Es iſt nichts ſtaͤrcker,
als eheliche Liebe, und nichts empfindlichers,
als wenn dieſelbe getrennet wird.
Amplif. ab Exemplo. Kaͤyſer Ferdinandus be-
ſuchte ſeiner Gemahlin Grab offte, weinete da-
bey und ſagte: Hier liegt nechſt GOtt mein
liebſter Schatz auf dieſer Welt.
Ætiologia 3. Denn ſie hat ihm ſein Hausweſen ſehr
wohl verſehen.
Amplif. a Simili. Eine gute Hausfrau iſt als eine ge-
ſchaͤfftige Ameiſe und Biene, welche einen gu-
ten Vorrath einſammlet, deſſen man ſich in der
Noth bedienen kan.
Amplif. a Conſectario Pædevtico. Er laſſe aber
den Muth nicht ſincken. Iſt keine Eheliebſte
mehr da, ſo ſind doch ſo viel aufrichtige Freun-
de da, welche ſich ſeiner Sachen annehmen wer-
den.
Concluſio. Nun GOtt troͤſte, ſtaͤrcke, beſchuͤtze und
ſegne ihn anderweit.
6. Wie laͤſſet ſich denn die Diſpoſition durch
eine Chriam Inverſam vornehmen?

Weil die Chria Inverſa auf zweyerley Art vorge-
nommen wird, nemlich entweder durch ein Antecedens
und Conſequens, oder durch eine Theſin und Hypothe-
ſin,
wollen wir beyde Gattungen verſuchen.

7. Wie diſponiret man ein Carmen durch ein
Antecedens und Conſequens?
Wenn
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <list>
            <item>
              <pb facs="#f0125" n="121"/>
              <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">von der <hi rendition="#aq">Di&#x017F;po&#x017F;ition.</hi></hi> </fw><lb/>
              <list>
                <item><hi rendition="#aq">Ætiologia</hi> 2. Denn er hat die&#x017F;elbe hertzlich geliebet.<lb/><list><item><hi rendition="#aq">Amplif. a Loco Communi.</hi> Es i&#x017F;t nichts &#x017F;ta&#x0364;rcker,<lb/>
als eheliche Liebe, und nichts empfindlichers,<lb/>
als wenn die&#x017F;elbe getrennet wird.</item><lb/><item><hi rendition="#aq">Amplif. ab Exemplo.</hi> Ka&#x0364;y&#x017F;er <hi rendition="#aq">Ferdinandus</hi> be-<lb/>
&#x017F;uchte &#x017F;einer Gemahlin Grab offte, weinete da-<lb/>
bey und &#x017F;agte: Hier liegt nech&#x017F;t GOtt mein<lb/>
lieb&#x017F;ter Schatz auf die&#x017F;er Welt.</item></list></item><lb/>
                <item><hi rendition="#aq">Ætiologia</hi> 3. Denn &#x017F;ie hat ihm &#x017F;ein Hauswe&#x017F;en &#x017F;ehr<lb/>
wohl ver&#x017F;ehen.<lb/><list><item><hi rendition="#aq">Amplif. a Simili.</hi> Eine gute Hausfrau i&#x017F;t als eine ge-<lb/>
&#x017F;cha&#x0364;fftige Amei&#x017F;e und Biene, welche einen gu-<lb/>
ten Vorrath ein&#x017F;ammlet, de&#x017F;&#x017F;en man &#x017F;ich in der<lb/>
Noth bedienen kan.</item><lb/><item><hi rendition="#aq">Amplif. a Con&#x017F;ectario Pædevtico.</hi> Er la&#x017F;&#x017F;e aber<lb/>
den Muth nicht &#x017F;incken. I&#x017F;t keine Ehelieb&#x017F;te<lb/>
mehr da, &#x017F;o &#x017F;ind doch &#x017F;o viel aufrichtige Freun-<lb/>
de da, welche &#x017F;ich &#x017F;einer Sachen annehmen wer-<lb/>
den.</item></list></item>
              </list>
            </item><lb/>
            <item><hi rendition="#aq">Conclu&#x017F;io.</hi> Nun GOtt tro&#x0364;&#x017F;te, &#x017F;ta&#x0364;rcke, be&#x017F;chu&#x0364;tze und<lb/>
&#x017F;egne ihn anderweit.</item>
          </list>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">6. Wie la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et &#x017F;ich denn die <hi rendition="#aq">Di&#x017F;po&#x017F;ition</hi> durch<lb/>
eine <hi rendition="#aq">Chriam Inver&#x017F;am</hi> vornehmen?</hi> </head><lb/>
          <p>Weil die <hi rendition="#aq">Chria Inver&#x017F;a</hi> auf zweyerley Art vorge-<lb/>
nommen wird, nemlich entweder durch ein <hi rendition="#aq">Antecedens</hi><lb/>
und <hi rendition="#aq">Con&#x017F;equens,</hi> oder durch eine <hi rendition="#aq">The&#x017F;in</hi> und <hi rendition="#aq">Hypothe-<lb/>
&#x017F;in,</hi> wollen wir beyde Gattungen ver&#x017F;uchen.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">7. Wie <hi rendition="#aq">di&#x017F;poni</hi>ret man ein <hi rendition="#aq">Carmen</hi> durch ein<lb/><hi rendition="#aq">Antecedens</hi> und <hi rendition="#aq">Con&#x017F;equens</hi>?</hi> </head><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Wenn</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[121/0125] von der Diſpoſition. Ætiologia 2. Denn er hat dieſelbe hertzlich geliebet. Amplif. a Loco Communi. Es iſt nichts ſtaͤrcker, als eheliche Liebe, und nichts empfindlichers, als wenn dieſelbe getrennet wird. Amplif. ab Exemplo. Kaͤyſer Ferdinandus be- ſuchte ſeiner Gemahlin Grab offte, weinete da- bey und ſagte: Hier liegt nechſt GOtt mein liebſter Schatz auf dieſer Welt. Ætiologia 3. Denn ſie hat ihm ſein Hausweſen ſehr wohl verſehen. Amplif. a Simili. Eine gute Hausfrau iſt als eine ge- ſchaͤfftige Ameiſe und Biene, welche einen gu- ten Vorrath einſammlet, deſſen man ſich in der Noth bedienen kan. Amplif. a Conſectario Pædevtico. Er laſſe aber den Muth nicht ſincken. Iſt keine Eheliebſte mehr da, ſo ſind doch ſo viel aufrichtige Freun- de da, welche ſich ſeiner Sachen annehmen wer- den. Concluſio. Nun GOtt troͤſte, ſtaͤrcke, beſchuͤtze und ſegne ihn anderweit. 6. Wie laͤſſet ſich denn die Diſpoſition durch eine Chriam Inverſam vornehmen? Weil die Chria Inverſa auf zweyerley Art vorge- nommen wird, nemlich entweder durch ein Antecedens und Conſequens, oder durch eine Theſin und Hypothe- ſin, wollen wir beyde Gattungen verſuchen. 7. Wie diſponiret man ein Carmen durch ein Antecedens und Conſequens? Wenn

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/uhse_poet_1719
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/uhse_poet_1719/125
Zitationshilfe: Uhse, Erdmann: Wohl-informirter Poët. 2. Aufl. Leipzig, 1719, S. 121. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/uhse_poet_1719/125>, abgerufen am 18.04.2019.