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Urbanitzky, Alfred von: Die Elektricität im Dienste der Menschheit. Wien; Leipzig, 1885.

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Die automatischen Telegraphen-Apparate.

Wie wir in der Entwicklungsgeschichte der Telegraphie gesehen haben, dachte
schon Morse daran, die Absendung der telegraphischen Zeichen auf rein mechanischem
Wege zu bewirken. Der Zweck der automatischen Telegraphie besteht darin, daß
man durch sie die telegraphischen Zeichen correcter und rascher zu geben anstrebt,
als dies durch Telegraphiren mit der Hand zu erreichen ist. Auch in dieser Richtung
wurden mannigfache Vorschläge gemacht und Versuche ausgeführt. So benützte
Bain einen gelochten Papierstreifen, dessen ausgestanzte Löcher die gewöhnliche
Morse-Schrift darstellten. Diese gelochten Papierstreifen wurden auf ein mit der
Leitung verbundenes Metallrad gelegt, welches mit dem schnell rotirenden Sende-
Apparat verbunden war. Auf dem Papierstreifen war eine Schleifbürste angebracht,
die mit der Batterie in Verbindung stand. Die Stromsendung erfolgte daher immer

[Abbildung] Fig. 780.

Dosenschnellschriftgeber von v. Hefner-Alteneck.

dann, wann die Metallbürste durch ein Loch des Papierstreifens auf das Metall-
rad gelangte. Die Stromdauer war hierbei natürlich von der Länge des aus-
gestanzten Loches abhängig. Auch die chemischen Wirkungen des elektrischen Stromes
suchte man für die automatische Telegraphie zu verwerthen, indem man in der
einen Station die Morse-Schrift mit isolirender Tinte auf Metallpapier herstellte und
in der anderen Station die Schrift auf elektrochemischem Wege reproducirte.

Fig. 780 stellt das automatische System oder den Dosenschnellschriftgeber
dar, welcher durch v. Hefner-Alteneck construirt wurde. Das Tastenwerk besteht
aus 49 in sieben Reihen etagenförmig angeordneten Tasten, welche mit den ein-
zelnen Buchstaben, Zahlen und Zeichen versehen sind. Hierbei ist die Anordnung
eine derartige, daß die am häufigsten zur Anwendung gelangenden Buchstaben etc.
am bequemsten zur Hand liegen. Die Einrichtung der Dose D und die Zusammen-
setzung des Mechanismus sind aus Fig. 781 zu ersehen. Jede Taste T steht durch
eine einfache Hebelübersetzung mit einem verticalen Bleche S in Verbindung, das

Die automatiſchen Telegraphen-Apparate.

Wie wir in der Entwicklungsgeſchichte der Telegraphie geſehen haben, dachte
ſchon Morſe daran, die Abſendung der telegraphiſchen Zeichen auf rein mechaniſchem
Wege zu bewirken. Der Zweck der automatiſchen Telegraphie beſteht darin, daß
man durch ſie die telegraphiſchen Zeichen correcter und raſcher zu geben anſtrebt,
als dies durch Telegraphiren mit der Hand zu erreichen iſt. Auch in dieſer Richtung
wurden mannigfache Vorſchläge gemacht und Verſuche ausgeführt. So benützte
Bain einen gelochten Papierſtreifen, deſſen ausgeſtanzte Löcher die gewöhnliche
Morſe-Schrift darſtellten. Dieſe gelochten Papierſtreifen wurden auf ein mit der
Leitung verbundenes Metallrad gelegt, welches mit dem ſchnell rotirenden Sende-
Apparat verbunden war. Auf dem Papierſtreifen war eine Schleifbürſte angebracht,
die mit der Batterie in Verbindung ſtand. Die Stromſendung erfolgte daher immer

[Abbildung] Fig. 780.

Doſenſchnellſchriftgeber von v. Hefner-Alteneck.

dann, wann die Metallbürſte durch ein Loch des Papierſtreifens auf das Metall-
rad gelangte. Die Stromdauer war hierbei natürlich von der Länge des aus-
geſtanzten Loches abhängig. Auch die chemiſchen Wirkungen des elektriſchen Stromes
ſuchte man für die automatiſche Telegraphie zu verwerthen, indem man in der
einen Station die Morſe-Schrift mit iſolirender Tinte auf Metallpapier herſtellte und
in der anderen Station die Schrift auf elektrochemiſchem Wege reproducirte.

Fig. 780 ſtellt das automatiſche Syſtem oder den Doſenſchnellſchriftgeber
dar, welcher durch v. Hefner-Alteneck conſtruirt wurde. Das Taſtenwerk beſteht
aus 49 in ſieben Reihen etagenförmig angeordneten Taſten, welche mit den ein-
zelnen Buchſtaben, Zahlen und Zeichen verſehen ſind. Hierbei iſt die Anordnung
eine derartige, daß die am häufigſten zur Anwendung gelangenden Buchſtaben ꝛc.
am bequemſten zur Hand liegen. Die Einrichtung der Doſe D und die Zuſammen-
ſetzung des Mechanismus ſind aus Fig. 781 zu erſehen. Jede Taſte T ſteht durch
eine einfache Hebelüberſetzung mit einem verticalen Bleche S in Verbindung, das

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[1024/1038] Die automatiſchen Telegraphen-Apparate. Wie wir in der Entwicklungsgeſchichte der Telegraphie geſehen haben, dachte ſchon Morſe daran, die Abſendung der telegraphiſchen Zeichen auf rein mechaniſchem Wege zu bewirken. Der Zweck der automatiſchen Telegraphie beſteht darin, daß man durch ſie die telegraphiſchen Zeichen correcter und raſcher zu geben anſtrebt, als dies durch Telegraphiren mit der Hand zu erreichen iſt. Auch in dieſer Richtung wurden mannigfache Vorſchläge gemacht und Verſuche ausgeführt. So benützte Bain einen gelochten Papierſtreifen, deſſen ausgeſtanzte Löcher die gewöhnliche Morſe-Schrift darſtellten. Dieſe gelochten Papierſtreifen wurden auf ein mit der Leitung verbundenes Metallrad gelegt, welches mit dem ſchnell rotirenden Sende- Apparat verbunden war. Auf dem Papierſtreifen war eine Schleifbürſte angebracht, die mit der Batterie in Verbindung ſtand. Die Stromſendung erfolgte daher immer [Abbildung Fig. 780. Doſenſchnellſchriftgeber von v. Hefner-Alteneck.] dann, wann die Metallbürſte durch ein Loch des Papierſtreifens auf das Metall- rad gelangte. Die Stromdauer war hierbei natürlich von der Länge des aus- geſtanzten Loches abhängig. Auch die chemiſchen Wirkungen des elektriſchen Stromes ſuchte man für die automatiſche Telegraphie zu verwerthen, indem man in der einen Station die Morſe-Schrift mit iſolirender Tinte auf Metallpapier herſtellte und in der anderen Station die Schrift auf elektrochemiſchem Wege reproducirte. Fig. 780 ſtellt das automatiſche Syſtem oder den Doſenſchnellſchriftgeber dar, welcher durch v. Hefner-Alteneck conſtruirt wurde. Das Taſtenwerk beſteht aus 49 in ſieben Reihen etagenförmig angeordneten Taſten, welche mit den ein- zelnen Buchſtaben, Zahlen und Zeichen verſehen ſind. Hierbei iſt die Anordnung eine derartige, daß die am häufigſten zur Anwendung gelangenden Buchſtaben ꝛc. am bequemſten zur Hand liegen. Die Einrichtung der Doſe D und die Zuſammen- ſetzung des Mechanismus ſind aus Fig. 781 zu erſehen. Jede Taſte T ſteht durch eine einfache Hebelüberſetzung mit einem verticalen Bleche S in Verbindung, das

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Zitationshilfe: Urbanitzky, Alfred von: Die Elektricität im Dienste der Menschheit. Wien; Leipzig, 1885, S. 1024. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/urbanitzky_electricitaet_1885/1038>, abgerufen am 25.04.2019.