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Urbanitzky, Alfred von: Die Elektricität im Dienste der Menschheit. Wien; Leipzig, 1885.

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Einzelmagnete eines Magazines, sowie auch des Ankers, sehr kräftige Wirkungen zu
erzielen. Ein derartiges magnetisches Magazin, gebildet aus lauter einzelnen Stahl-
bändern, die an ihren Polenden durch entsprechende Fassungen zusammengehalten
werden, zeigt Fig. 25. Um die Einwirkung der einzelnen Magnetpole aufeinander
möglichst gering zu machen, sind die einzelnen Stahlbänder ungleich lang gemacht,
derart, daß ihre einzelnen Pole nicht direct aufeinanderfallen. Dies ist in ähnlicher
Weise auch bei den Lamellen des magnetischen Magazines in Fig. 24 ausgeführt.

Magnetische Fernwirkung.

Befinden sich zwei Magnete in geringer Entfernung voneinander, so kommt
nur die zur Abstoßung oder Anziehung führende Wirkung der Pole in Betracht.
Es gilt dann das Gesetz: Die Abstoßungen
oder Anziehungen verhalten sich umgekehrt
wie die Quadrate der Entfernungen
. Dieses
Gesetz kann mit der von Coulomb erfundenen
Drehwage nachgewiesen werden. Die Drehwage,
Fig. 26, besteht aus einem weiten Glascylinder c,
welcher oben durch einen Deckel d verschlossen ist;
in eine mittlere Oeffnung des letzteren ist eine
Glasröhre g eingekittet, die an ihrem oberen Ende
eine durch den Knopf k drehbare Scheibe S mit
Kreistheilung besitzt. Der an der Glasröhre un-
verrückbar angebrachte Index i ermöglicht die Ab-
lesung des Drehungswinkels. Am Knopfe k ist ein
dünner Silberdraht f befestigt und hängt durch die
Röhre in den Glascylinder hinab; an seinem unteren
Ende trägt er ein kleines Messingschiffchen, in wel-
chem der Magnetstab n s liegt. In gleicher Höhe
mit dem Magnetstabe ist der Glascylinder mit
einer Theilung T versehen. Ein zweiter Magnet-
stab N S kann durch eine Oeffnung des Deckels
in den Glascylinder so eingeführt werden, daß er
mit einem seiner Pole gerade dem aufgehängten
Magnetstabe gegenübersteht.

[Abbildung] Fig. 26.

Magnetische Drehwage.

Um mit diesem Apparate das angegebene Gesetz nachzuweisen, dreht man
zuerst durch den auf der Scheibe S sitzenden Kn pf k den Silberdraht so lange, bis
der daran hängende Magnetstab sich in den magnetischen Meridian eingestellt
hat, ohne daß der Metalldraht irgend welche Verdrehung oder Torsion zeigt. Führt
man dann den Magnetstab N S in den Glascylinder ein, so wird dessen Nordpol
den Nordpol des schwebenden Stabes abstoßen und diesen um einen am Kreise T T
ablesbaren Winkel drehen. Durch diese Drehung wird der Silberdraht tordirt und
der Stab n s wird dann eine fixe Stellung einnehmen, wenn die Torsionskraft des
Drahtes gleich geworden ist der Abstoßungskraft zwischen beiden Magneten. Man
dreht nun am Knopfe k derart, daß der schwebende Magnetstab dem feststehenden
genähert wird; dadurch wird die Torsion des Drahtes vermehrt und es tritt ein
neuer Gleichgewichtszustand zwischen Torsionskraft und magnetischer Abstoßungskraft
ein. Wird diese Operation noch einmal oder mehreremale wiederholt und hat man

4*

Einzelmagnete eines Magazines, ſowie auch des Ankers, ſehr kräftige Wirkungen zu
erzielen. Ein derartiges magnetiſches Magazin, gebildet aus lauter einzelnen Stahl-
bändern, die an ihren Polenden durch entſprechende Faſſungen zuſammengehalten
werden, zeigt Fig. 25. Um die Einwirkung der einzelnen Magnetpole aufeinander
möglichſt gering zu machen, ſind die einzelnen Stahlbänder ungleich lang gemacht,
derart, daß ihre einzelnen Pole nicht direct aufeinanderfallen. Dies iſt in ähnlicher
Weiſe auch bei den Lamellen des magnetiſchen Magazines in Fig. 24 ausgeführt.

Magnetiſche Fernwirkung.

Befinden ſich zwei Magnete in geringer Entfernung voneinander, ſo kommt
nur die zur Abſtoßung oder Anziehung führende Wirkung der Pole in Betracht.
Es gilt dann das Geſetz: Die Abſtoßungen
oder Anziehungen verhalten ſich umgekehrt
wie die Quadrate der Entfernungen
. Dieſes
Geſetz kann mit der von Coulomb erfundenen
Drehwage nachgewieſen werden. Die Drehwage,
Fig. 26, beſteht aus einem weiten Glascylinder c,
welcher oben durch einen Deckel d verſchloſſen iſt;
in eine mittlere Oeffnung des letzteren iſt eine
Glasröhre g eingekittet, die an ihrem oberen Ende
eine durch den Knopf k drehbare Scheibe S mit
Kreistheilung beſitzt. Der an der Glasröhre un-
verrückbar angebrachte Index i ermöglicht die Ab-
leſung des Drehungswinkels. Am Knopfe k iſt ein
dünner Silberdraht f befeſtigt und hängt durch die
Röhre in den Glascylinder hinab; an ſeinem unteren
Ende trägt er ein kleines Meſſingſchiffchen, in wel-
chem der Magnetſtab n s liegt. In gleicher Höhe
mit dem Magnetſtabe iſt der Glascylinder mit
einer Theilung T verſehen. Ein zweiter Magnet-
ſtab N S kann durch eine Oeffnung des Deckels
in den Glascylinder ſo eingeführt werden, daß er
mit einem ſeiner Pole gerade dem aufgehängten
Magnetſtabe gegenüberſteht.

[Abbildung] Fig. 26.

Magnetiſche Drehwage.

Um mit dieſem Apparate das angegebene Geſetz nachzuweiſen, dreht man
zuerſt durch den auf der Scheibe S ſitzenden Kn pf k den Silberdraht ſo lange, bis
der daran hängende Magnetſtab ſich in den magnetiſchen Meridian eingeſtellt
hat, ohne daß der Metalldraht irgend welche Verdrehung oder Torſion zeigt. Führt
man dann den Magnetſtab N S in den Glascylinder ein, ſo wird deſſen Nordpol
den Nordpol des ſchwebenden Stabes abſtoßen und dieſen um einen am Kreiſe T T
ablesbaren Winkel drehen. Durch dieſe Drehung wird der Silberdraht tordirt und
der Stab n s wird dann eine fixe Stellung einnehmen, wenn die Torſionskraft des
Drahtes gleich geworden iſt der Abſtoßungskraft zwiſchen beiden Magneten. Man
dreht nun am Knopfe k derart, daß der ſchwebende Magnetſtab dem feſtſtehenden
genähert wird; dadurch wird die Torſion des Drahtes vermehrt und es tritt ein
neuer Gleichgewichtszuſtand zwiſchen Torſionskraft und magnetiſcher Abſtoßungskraft
ein. Wird dieſe Operation noch einmal oder mehreremale wiederholt und hat man

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[51/0065] Einzelmagnete eines Magazines, ſowie auch des Ankers, ſehr kräftige Wirkungen zu erzielen. Ein derartiges magnetiſches Magazin, gebildet aus lauter einzelnen Stahl- bändern, die an ihren Polenden durch entſprechende Faſſungen zuſammengehalten werden, zeigt Fig. 25. Um die Einwirkung der einzelnen Magnetpole aufeinander möglichſt gering zu machen, ſind die einzelnen Stahlbänder ungleich lang gemacht, derart, daß ihre einzelnen Pole nicht direct aufeinanderfallen. Dies iſt in ähnlicher Weiſe auch bei den Lamellen des magnetiſchen Magazines in Fig. 24 ausgeführt. Magnetiſche Fernwirkung. Befinden ſich zwei Magnete in geringer Entfernung voneinander, ſo kommt nur die zur Abſtoßung oder Anziehung führende Wirkung der Pole in Betracht. Es gilt dann das Geſetz: Die Abſtoßungen oder Anziehungen verhalten ſich umgekehrt wie die Quadrate der Entfernungen. Dieſes Geſetz kann mit der von Coulomb erfundenen Drehwage nachgewieſen werden. Die Drehwage, Fig. 26, beſteht aus einem weiten Glascylinder c, welcher oben durch einen Deckel d verſchloſſen iſt; in eine mittlere Oeffnung des letzteren iſt eine Glasröhre g eingekittet, die an ihrem oberen Ende eine durch den Knopf k drehbare Scheibe S mit Kreistheilung beſitzt. Der an der Glasröhre un- verrückbar angebrachte Index i ermöglicht die Ab- leſung des Drehungswinkels. Am Knopfe k iſt ein dünner Silberdraht f befeſtigt und hängt durch die Röhre in den Glascylinder hinab; an ſeinem unteren Ende trägt er ein kleines Meſſingſchiffchen, in wel- chem der Magnetſtab n s liegt. In gleicher Höhe mit dem Magnetſtabe iſt der Glascylinder mit einer Theilung T verſehen. Ein zweiter Magnet- ſtab N S kann durch eine Oeffnung des Deckels in den Glascylinder ſo eingeführt werden, daß er mit einem ſeiner Pole gerade dem aufgehängten Magnetſtabe gegenüberſteht. [Abbildung Fig. 26. Magnetiſche Drehwage.] Um mit dieſem Apparate das angegebene Geſetz nachzuweiſen, dreht man zuerſt durch den auf der Scheibe S ſitzenden Kn pf k den Silberdraht ſo lange, bis der daran hängende Magnetſtab ſich in den magnetiſchen Meridian eingeſtellt hat, ohne daß der Metalldraht irgend welche Verdrehung oder Torſion zeigt. Führt man dann den Magnetſtab N S in den Glascylinder ein, ſo wird deſſen Nordpol den Nordpol des ſchwebenden Stabes abſtoßen und dieſen um einen am Kreiſe T T ablesbaren Winkel drehen. Durch dieſe Drehung wird der Silberdraht tordirt und der Stab n s wird dann eine fixe Stellung einnehmen, wenn die Torſionskraft des Drahtes gleich geworden iſt der Abſtoßungskraft zwiſchen beiden Magneten. Man dreht nun am Knopfe k derart, daß der ſchwebende Magnetſtab dem feſtſtehenden genähert wird; dadurch wird die Torſion des Drahtes vermehrt und es tritt ein neuer Gleichgewichtszuſtand zwiſchen Torſionskraft und magnetiſcher Abſtoßungskraft ein. Wird dieſe Operation noch einmal oder mehreremale wiederholt und hat man 4*

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Zitationshilfe: Urbanitzky, Alfred von: Die Elektricität im Dienste der Menschheit. Wien; Leipzig, 1885, S. 51. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/urbanitzky_electricitaet_1885/65>, abgerufen am 23.04.2019.