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Urbanitzky, Alfred von: Die Elektricität im Dienste der Menschheit. Wien; Leipzig, 1885.

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die nachfolgenden Reactionen unangreifbar sein und wird mit dem einen Pole einer Batterie
oder einer elektrischen Maschine in Verbindung gesetzt. Auf das nasse Zeug kommt die mit
dem zweiten Pole verbundene Metallplatte, welche die zu reproducirende erhabene Zeichnung
oder Schrift trägt. Geht hierauf, bei entsprechendem Drucke der letzterwähnten Metallplatte
auf das Zeug, der Strom durch, so entsteht eine schwarze Copie. Der Strom braucht höchstens
eine Minute lang einzuwirken; die Zeitdauer hängt ab von der Leitungsfähigkeit der Anilin-
salzlösung, der Säure, dem Verdickungsmittel, der Temperatur, Stromstärke u. s. w. Ver-
bindet man den zweiten Pol der Batterie mit einem Stifte aus Kohle oder unangreifbarem
Metall, statt mit einer Druckplatte, so kann man mit diesem Stifte auf dem durchtränkten
Zeuge schreiben, und zwar beinahe ebenso schnell wie auf gewöhnliche Art. Die hierbei ent-
stehende Schrift oder Zeichnung ist auf der Faser vollkommen fixirt. Um das Fließen der
Schrift zu vermeiden, setzt man der Anilinsalzlösung Verdickungsmittel, wie Tragantgummi,
Fischleim u. dgl. zu. Dieses Verfahren kann in Bleichereien, Färbereien und Druckereien zum
Zeichnen der Stücke Verwendung finden, weil diese Zeichnung den hierauf folgenden Operationen
Widerstand leistet.

Umgekehrt kann auch ein Wegätzen oder Rongiren der Farben in ähnlicher Weise
bewirkt werden. Man taucht zu diesem Behufe das z. B. mit Türkischroth oder Indigoblau
gefärbte Zeug in eine Lösung von Chloraluminium, Kochsalz oder Salpeter und verfährt
sonst in der gleichen Weise. Läßt man hierauf den Strom durchgehen, so entwickelt sich am
positiven Pole bei Anwendung der beiden ersten Salze Chlor, bei Benützung von Salpeter
Salpetersäure. Sowohl Chlor als Salpetersäure verwandeln die Farbe in weiße Oxydations-
producte und erzeugen in dieser Weise die gewünschten Zeichnungen weiß auf gefärbtem
Grunde. Diese weißen Zeichnungen können in einer anderen Farbe als die des Grundes
erhalten werden, wenn man solche Salze wählt, aus welchen durch die Elektrolyse Basen
gebildet werden, die als sogenannte Beizen, beim darauf folgenden Eintauchen des Zeuges in
ein Färbebad, neue Färbungen auf den geätzten Stellen hervorrufen.

Gleichzeitige Wegätzung der Grundfarbe und Färbung der geätzten Stellen gelang
Goppelsroeder z. B. auf türkischroth oder indigoblau gefärbtem Zeuge durch Imprägnirung
desselben mit salzsaurem Anilin.

Hierbei ätzt der Strom die ursprüngliche Farbe weg und schlägt auf denselben Stellen
Anilinschwarz nieder, so daß man auf diese Weise schwarze Zeichnungen, Schriftzüge, Stempel-
abdrücke u. dgl. auf rothem oder blauem Grunde hervorrufen kann. Bekanntlich werden
auch verschiedene schwere und edle Metalle in der Druckerei verwendet; auch diese können
elektrolytisch auf der Faser niedergeschlagen und fixirt werden. Zu dem Ende wird das Zeug
mit der genügend verdickten Lösung des betreffenden Metallsalzes getränkt und hierauf der
Einwirkung der negativen Elektrode ausgesetzt. Auch die Verhinderung der Oxydation einer
Farbe während des Aufdruckes kann durch Einwirkung der negativen Elektrode erreicht werden.
Es werden nämlich in der Färberei eine Reihe von Mischungen benützt, welche sich sehr leicht
und rasch oxydiren und dadurch der Druckerei Schwierigkeiten bereiten. Man verhindert deren
Oxydation, indem man in den Farbtrog der Druckwalze die negative Elektrode einsenkt, die
positive Elektrode in ein kleines Gefäß mit irgend einer leitenden Flüssigkeit taucht und dieses
Gefäß mit dem Farbtroge durch eine einfache Röhre, eine poröse Thonplatte oder durch Per-
gamentpapier verbindet. Der an der negativen Elektrode sich entwickelnde Wasserstoff ver-
hindert dann die Oxydation des Gemisches im Farbtroge.

Die Elektrolyse kann ferner auch zur Bereitung der Küpen des Indigoblau, Anilin-
schwarz u. s. w. benützt werden, indem man den an der negativen Elektrode sich entwickelnden
Wasserstoff an Stelle der sonst üblichen Reductionsmittel (Eisenvitriol, Zink, Glukose u. dgl.)
wirken läßt. So giebt Goppelsroeder für die Darstellung einer basischen Indigoküpe nach-
stehendes Verfahren an. Fein gepulverter Indigo wird mit einer concentrirten Lösung von
Aetzkali gemischt und dieses Gemisch sowohl in eine Thonzelle als auch in ein größeres
Kupfergefäß gebracht; hierauf wird die Thonzelle in das Kupfergefäß eingesetzt, letzteres mit
dem negativen Pole einer Batterie oder elektrischen Maschine verbunden und der positive Pol
mit einem Platinbleche in Verbindung gesetzt, welches in die Thonzelle eingesenkt wurde. Der
an dem den negativen Pol bildenden Kupfergefäße sich unter starker Schaumbildung ent-
wickelnde Wasserstoff verwandelt das Indigoblau in Indigoweiß, welches sich in der alkalischen
Flüssigkeit auflöst. Diese Umwandlung geht schon bei der gewöhnlichen Temperatur vor sich
und ist so einfach durchzuführen, daß ihrer Anwendung im Großen kein Hinderniß entgegen-
steht. Baumwolle läßt sich in der so erhaltenen Küpe ebenso schön indigoblau färben wie unter
Anwendung der sonst üblichen Küpen. Wie derartige gefärbte Zeuge Zeichnungen auf elek-
trischem Wege erhalten können, wurde bereits erwähnt.

die nachfolgenden Reactionen unangreifbar ſein und wird mit dem einen Pole einer Batterie
oder einer elektriſchen Maſchine in Verbindung geſetzt. Auf das naſſe Zeug kommt die mit
dem zweiten Pole verbundene Metallplatte, welche die zu reproducirende erhabene Zeichnung
oder Schrift trägt. Geht hierauf, bei entſprechendem Drucke der letzterwähnten Metallplatte
auf das Zeug, der Strom durch, ſo entſteht eine ſchwarze Copie. Der Strom braucht höchſtens
eine Minute lang einzuwirken; die Zeitdauer hängt ab von der Leitungsfähigkeit der Anilin-
ſalzlöſung, der Säure, dem Verdickungsmittel, der Temperatur, Stromſtärke u. ſ. w. Ver-
bindet man den zweiten Pol der Batterie mit einem Stifte aus Kohle oder unangreifbarem
Metall, ſtatt mit einer Druckplatte, ſo kann man mit dieſem Stifte auf dem durchtränkten
Zeuge ſchreiben, und zwar beinahe ebenſo ſchnell wie auf gewöhnliche Art. Die hierbei ent-
ſtehende Schrift oder Zeichnung iſt auf der Faſer vollkommen fixirt. Um das Fließen der
Schrift zu vermeiden, ſetzt man der Anilinſalzlöſung Verdickungsmittel, wie Tragantgummi,
Fiſchleim u. dgl. zu. Dieſes Verfahren kann in Bleichereien, Färbereien und Druckereien zum
Zeichnen der Stücke Verwendung finden, weil dieſe Zeichnung den hierauf folgenden Operationen
Widerſtand leiſtet.

Umgekehrt kann auch ein Wegätzen oder Rongiren der Farben in ähnlicher Weiſe
bewirkt werden. Man taucht zu dieſem Behufe das z. B. mit Türkiſchroth oder Indigoblau
gefärbte Zeug in eine Löſung von Chloraluminium, Kochſalz oder Salpeter und verfährt
ſonſt in der gleichen Weiſe. Läßt man hierauf den Strom durchgehen, ſo entwickelt ſich am
poſitiven Pole bei Anwendung der beiden erſten Salze Chlor, bei Benützung von Salpeter
Salpeterſäure. Sowohl Chlor als Salpeterſäure verwandeln die Farbe in weiße Oxydations-
producte und erzeugen in dieſer Weiſe die gewünſchten Zeichnungen weiß auf gefärbtem
Grunde. Dieſe weißen Zeichnungen können in einer anderen Farbe als die des Grundes
erhalten werden, wenn man ſolche Salze wählt, aus welchen durch die Elektrolyſe Baſen
gebildet werden, die als ſogenannte Beizen, beim darauf folgenden Eintauchen des Zeuges in
ein Färbebad, neue Färbungen auf den geätzten Stellen hervorrufen.

Gleichzeitige Wegätzung der Grundfarbe und Färbung der geätzten Stellen gelang
Goppelsroeder z. B. auf türkiſchroth oder indigoblau gefärbtem Zeuge durch Imprägnirung
desſelben mit ſalzſaurem Anilin.

Hierbei ätzt der Strom die urſprüngliche Farbe weg und ſchlägt auf denſelben Stellen
Anilinſchwarz nieder, ſo daß man auf dieſe Weiſe ſchwarze Zeichnungen, Schriftzüge, Stempel-
abdrücke u. dgl. auf rothem oder blauem Grunde hervorrufen kann. Bekanntlich werden
auch verſchiedene ſchwere und edle Metalle in der Druckerei verwendet; auch dieſe können
elektrolytiſch auf der Faſer niedergeſchlagen und fixirt werden. Zu dem Ende wird das Zeug
mit der genügend verdickten Löſung des betreffenden Metallſalzes getränkt und hierauf der
Einwirkung der negativen Elektrode ausgeſetzt. Auch die Verhinderung der Oxydation einer
Farbe während des Aufdruckes kann durch Einwirkung der negativen Elektrode erreicht werden.
Es werden nämlich in der Färberei eine Reihe von Miſchungen benützt, welche ſich ſehr leicht
und raſch oxydiren und dadurch der Druckerei Schwierigkeiten bereiten. Man verhindert deren
Oxydation, indem man in den Farbtrog der Druckwalze die negative Elektrode einſenkt, die
poſitive Elektrode in ein kleines Gefäß mit irgend einer leitenden Flüſſigkeit taucht und dieſes
Gefäß mit dem Farbtroge durch eine einfache Röhre, eine poröſe Thonplatte oder durch Per-
gamentpapier verbindet. Der an der negativen Elektrode ſich entwickelnde Waſſerſtoff ver-
hindert dann die Oxydation des Gemiſches im Farbtroge.

Die Elektrolyſe kann ferner auch zur Bereitung der Küpen des Indigoblau, Anilin-
ſchwarz u. ſ. w. benützt werden, indem man den an der negativen Elektrode ſich entwickelnden
Waſſerſtoff an Stelle der ſonſt üblichen Reductionsmittel (Eiſenvitriol, Zink, Glukoſe u. dgl.)
wirken läßt. So giebt Goppelsroeder für die Darſtellung einer baſiſchen Indigoküpe nach-
ſtehendes Verfahren an. Fein gepulverter Indigo wird mit einer concentrirten Löſung von
Aetzkali gemiſcht und dieſes Gemiſch ſowohl in eine Thonzelle als auch in ein größeres
Kupfergefäß gebracht; hierauf wird die Thonzelle in das Kupfergefäß eingeſetzt, letzteres mit
dem negativen Pole einer Batterie oder elektriſchen Maſchine verbunden und der poſitive Pol
mit einem Platinbleche in Verbindung geſetzt, welches in die Thonzelle eingeſenkt wurde. Der
an dem den negativen Pol bildenden Kupfergefäße ſich unter ſtarker Schaumbildung ent-
wickelnde Waſſerſtoff verwandelt das Indigoblau in Indigoweiß, welches ſich in der alkaliſchen
Flüſſigkeit auflöſt. Dieſe Umwandlung geht ſchon bei der gewöhnlichen Temperatur vor ſich
und iſt ſo einfach durchzuführen, daß ihrer Anwendung im Großen kein Hinderniß entgegen-
ſteht. Baumwolle läßt ſich in der ſo erhaltenen Küpe ebenſo ſchön indigoblau färben wie unter
Anwendung der ſonſt üblichen Küpen. Wie derartige gefärbte Zeuge Zeichnungen auf elek-
triſchem Wege erhalten können, wurde bereits erwähnt.

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[777/0791] die nachfolgenden Reactionen unangreifbar ſein und wird mit dem einen Pole einer Batterie oder einer elektriſchen Maſchine in Verbindung geſetzt. Auf das naſſe Zeug kommt die mit dem zweiten Pole verbundene Metallplatte, welche die zu reproducirende erhabene Zeichnung oder Schrift trägt. Geht hierauf, bei entſprechendem Drucke der letzterwähnten Metallplatte auf das Zeug, der Strom durch, ſo entſteht eine ſchwarze Copie. Der Strom braucht höchſtens eine Minute lang einzuwirken; die Zeitdauer hängt ab von der Leitungsfähigkeit der Anilin- ſalzlöſung, der Säure, dem Verdickungsmittel, der Temperatur, Stromſtärke u. ſ. w. Ver- bindet man den zweiten Pol der Batterie mit einem Stifte aus Kohle oder unangreifbarem Metall, ſtatt mit einer Druckplatte, ſo kann man mit dieſem Stifte auf dem durchtränkten Zeuge ſchreiben, und zwar beinahe ebenſo ſchnell wie auf gewöhnliche Art. Die hierbei ent- ſtehende Schrift oder Zeichnung iſt auf der Faſer vollkommen fixirt. 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Die Elektrolyſe kann ferner auch zur Bereitung der Küpen des Indigoblau, Anilin- ſchwarz u. ſ. w. benützt werden, indem man den an der negativen Elektrode ſich entwickelnden Waſſerſtoff an Stelle der ſonſt üblichen Reductionsmittel (Eiſenvitriol, Zink, Glukoſe u. dgl.) wirken läßt. So giebt Goppelsroeder für die Darſtellung einer baſiſchen Indigoküpe nach- ſtehendes Verfahren an. Fein gepulverter Indigo wird mit einer concentrirten Löſung von Aetzkali gemiſcht und dieſes Gemiſch ſowohl in eine Thonzelle als auch in ein größeres Kupfergefäß gebracht; hierauf wird die Thonzelle in das Kupfergefäß eingeſetzt, letzteres mit dem negativen Pole einer Batterie oder elektriſchen Maſchine verbunden und der poſitive Pol mit einem Platinbleche in Verbindung geſetzt, welches in die Thonzelle eingeſenkt wurde. Der an dem den negativen Pol bildenden Kupfergefäße ſich unter ſtarker Schaumbildung ent- wickelnde Waſſerſtoff verwandelt das Indigoblau in Indigoweiß, welches ſich in der alkaliſchen Flüſſigkeit auflöſt. Dieſe Umwandlung geht ſchon bei der gewöhnlichen Temperatur vor ſich und iſt ſo einfach durchzuführen, daß ihrer Anwendung im Großen kein Hinderniß entgegen- ſteht. Baumwolle läßt ſich in der ſo erhaltenen Küpe ebenſo ſchön indigoblau färben wie unter Anwendung der ſonſt üblichen Küpen. Wie derartige gefärbte Zeuge Zeichnungen auf elek- triſchem Wege erhalten können, wurde bereits erwähnt.

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Zitationshilfe: Urbanitzky, Alfred von: Die Elektricität im Dienste der Menschheit. Wien; Leipzig, 1885, S. 777. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/urbanitzky_electricitaet_1885/791>, abgerufen am 24.06.2019.