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Urbanitzky, Alfred von: Die Elektricität im Dienste der Menschheit. Wien; Leipzig, 1885.

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Neuere kleine Elektromotoren und deren Anwendungen.

Unter kleinen Elektromotoren versteht man solche, deren Leistungsfähigkeit
etwa 10 Secunden-Kilogramm-Meter nicht übersteigt. Man verfertigt für solche
Leistungen besonders construirte Maschinen, statt die uns bereits bekannten in
kleinem Maßstabe auszuführen, weil einzelne Theile der Großmaschinen bei so
starker Verkleinerung zu zart ausfallen würden und überhaupt in kleinen Dimen-
sionen nicht immer dieselben Anordnungen ein gutes Resultat geben wie bei ihrer
Ausführung im Großen.

Solche kleine Motoren wurden z. B. von Deprez construirt; einer derselben
ist in Fig. 624 abgebildet. Dieser Motor ist, wie ein Vergleich mit Fig. 223
(Seite 345) lehrt, eine Siemens'sche Maschine, bei welcher die Cylinder-Armatur
parallel zu den Schenkeln der Elektromagnete liegt. Dieser Motor, der natürlich
auch umgekehrt als Elektricitätsgenerator verwendet werden kann, giebt bei nach-
stehend angegebenen Dimensionen die Wirkung von drei Bunsen-Elementen. Als

[Abbildung] Fig. 624.

Motor von Deprez.

Motor benützt, erhielt Deprez folgende Resultate: Bei Anwendung eines Elementes
0·04 Secunden-Meter-Kilogramm, bei
[Tabelle]

Die Magnete dieses Modells waren 145 Millimeter lang, deren Pole
33 Millimeter voneinander entfernt, die Armatur hatte eine Länge von 60 und
einen Durchmesser von 32 Millimeter und der ganze Apparat wog 2·85 Kilo-
gramm. Dieser Motor diente z. B. in der Pariser Ausstellung zum Betriebe vieler
Nähmaschinen im Deprez'schen Stromvertheilungs-Systeme.

Ebenso stellt auch der Motor von Crouve eine kleine Siemens'sche Maschine
dar. Die Drahtspule C, Fig. 625, ist auf einem Gestelle E befestigt und besitzt
zwei nach aufwärts gerichtete Polplatten A A. Zwischen diesen rotirt eine Siemens'sche
Cylinder-Armatur. Die Stromzuleitung erfolgt durch die Klemmen bei E und H.
Am entgegengesetzten Ende ist eine kleine Riemenscheibe angebracht, um durch einen
Schnurlauf die Bewegung des Ankers auf andere Apparate übertragen zu können.
Der Anker zeigt nur darin von der sonst gebräuchlichen Form eine Abweichung,

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Neuere kleine Elektromotoren und deren Anwendungen.

Unter kleinen Elektromotoren verſteht man ſolche, deren Leiſtungsfähigkeit
etwa 10 Secunden-Kilogramm-Meter nicht überſteigt. Man verfertigt für ſolche
Leiſtungen beſonders conſtruirte Maſchinen, ſtatt die uns bereits bekannten in
kleinem Maßſtabe auszuführen, weil einzelne Theile der Großmaſchinen bei ſo
ſtarker Verkleinerung zu zart ausfallen würden und überhaupt in kleinen Dimen-
ſionen nicht immer dieſelben Anordnungen ein gutes Reſultat geben wie bei ihrer
Ausführung im Großen.

Solche kleine Motoren wurden z. B. von Deprez conſtruirt; einer derſelben
iſt in Fig. 624 abgebildet. Dieſer Motor iſt, wie ein Vergleich mit Fig. 223
(Seite 345) lehrt, eine Siemens’ſche Maſchine, bei welcher die Cylinder-Armatur
parallel zu den Schenkeln der Elektromagnete liegt. Dieſer Motor, der natürlich
auch umgekehrt als Elektricitätsgenerator verwendet werden kann, giebt bei nach-
ſtehend angegebenen Dimenſionen die Wirkung von drei Bunſen-Elementen. Als

[Abbildung] Fig. 624.

Motor von Deprez.

Motor benützt, erhielt Deprez folgende Reſultate: Bei Anwendung eines Elementes
0·04 Secunden-Meter-Kilogramm, bei
[Tabelle]

Die Magnete dieſes Modells waren 145 Millimeter lang, deren Pole
33 Millimeter voneinander entfernt, die Armatur hatte eine Länge von 60 und
einen Durchmeſſer von 32 Millimeter und der ganze Apparat wog 2·85 Kilo-
gramm. Dieſer Motor diente z. B. in der Pariſer Ausſtellung zum Betriebe vieler
Nähmaſchinen im Deprez’ſchen Stromvertheilungs-Syſteme.

Ebenſo ſtellt auch der Motor von Crouvé eine kleine Siemens’ſche Maſchine
dar. Die Drahtſpule C, Fig. 625, iſt auf einem Geſtelle E befeſtigt und beſitzt
zwei nach aufwärts gerichtete Polplatten A A. Zwiſchen dieſen rotirt eine Siemens’ſche
Cylinder-Armatur. Die Stromzuleitung erfolgt durch die Klemmen bei E und H.
Am entgegengeſetzten Ende iſt eine kleine Riemenſcheibe angebracht, um durch einen
Schnurlauf die Bewegung des Ankers auf andere Apparate übertragen zu können.
Der Anker zeigt nur darin von der ſonſt gebräuchlichen Form eine Abweichung,

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[867/0881] Neuere kleine Elektromotoren und deren Anwendungen. Unter kleinen Elektromotoren verſteht man ſolche, deren Leiſtungsfähigkeit etwa 10 Secunden-Kilogramm-Meter nicht überſteigt. Man verfertigt für ſolche Leiſtungen beſonders conſtruirte Maſchinen, ſtatt die uns bereits bekannten in kleinem Maßſtabe auszuführen, weil einzelne Theile der Großmaſchinen bei ſo ſtarker Verkleinerung zu zart ausfallen würden und überhaupt in kleinen Dimen- ſionen nicht immer dieſelben Anordnungen ein gutes Reſultat geben wie bei ihrer Ausführung im Großen. Solche kleine Motoren wurden z. B. von Deprez conſtruirt; einer derſelben iſt in Fig. 624 abgebildet. Dieſer Motor iſt, wie ein Vergleich mit Fig. 223 (Seite 345) lehrt, eine Siemens’ſche Maſchine, bei welcher die Cylinder-Armatur parallel zu den Schenkeln der Elektromagnete liegt. Dieſer Motor, der natürlich auch umgekehrt als Elektricitätsgenerator verwendet werden kann, giebt bei nach- ſtehend angegebenen Dimenſionen die Wirkung von drei Bunſen-Elementen. Als [Abbildung Fig. 624. Motor von Deprez.] Motor benützt, erhielt Deprez folgende Reſultate: Bei Anwendung eines Elementes 0·04 Secunden-Meter-Kilogramm, bei Die Magnete dieſes Modells waren 145 Millimeter lang, deren Pole 33 Millimeter voneinander entfernt, die Armatur hatte eine Länge von 60 und einen Durchmeſſer von 32 Millimeter und der ganze Apparat wog 2·85 Kilo- gramm. Dieſer Motor diente z. B. in der Pariſer Ausſtellung zum Betriebe vieler Nähmaſchinen im Deprez’ſchen Stromvertheilungs-Syſteme. Ebenſo ſtellt auch der Motor von Crouvé eine kleine Siemens’ſche Maſchine dar. Die Drahtſpule C, Fig. 625, iſt auf einem Geſtelle E befeſtigt und beſitzt zwei nach aufwärts gerichtete Polplatten A A. Zwiſchen dieſen rotirt eine Siemens’ſche Cylinder-Armatur. Die Stromzuleitung erfolgt durch die Klemmen bei E und H. Am entgegengeſetzten Ende iſt eine kleine Riemenſcheibe angebracht, um durch einen Schnurlauf die Bewegung des Ankers auf andere Apparate übertragen zu können. Der Anker zeigt nur darin von der ſonſt gebräuchlichen Form eine Abweichung, 55*

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Zitationshilfe: Urbanitzky, Alfred von: Die Elektricität im Dienste der Menschheit. Wien; Leipzig, 1885, S. 867. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/urbanitzky_electricitaet_1885/881>, abgerufen am 21.04.2019.