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Valentin, Gabriel Gustav: Handbuch der Entwicklungsgeschichte des Menschen mit vergleichender Rücksicht der Entwicklung der Säugetiere und Vögel. Berlin, 1835.

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Von dem Embryo.

E. H. Weber (Hildebrandts Anatomie IV. S. 393--97.) lie-
fert eine mit gewohnter Gründlichkeit zusammengestellte Ausein-
andersetzung des Descensus testiculi nach den Erfahrungen von
Wrisberg, Hunter, Seiler, Scarpa u. A.

Dies wäre ein möglichst kurzer Auszug aus den wichtigsten
Quellen, welche uns über den Descensus testiculi zu Gebote
standen. Eigene vollständige Erfahrungen fehlen uns hier noch
gänzlich.

E. Entstehung der Nieren nebst den Ureteren und
den Nebennieren
.

Die erste Spur der Nieren zeigt sich, wie die der keimbe-
reitenden Genitalien, lange nach dem Auftreten der Wolffschen
Körper. Sie erscheinen bei Schaafen nach Rathke (Abhandl. Thl.
II. S. 97.) und bei Schweinen nach meinen Beobachtungen als
ein kleines kugliges Gebilde, welches der inneren Oberfläche der
Bauchplatten fest ansitzt und in der allerersten Zeit in der Re-
gel an diesen sitzen bleibt, ohne den abgegangenen Wolffschen
Körpern zu folgen. Die Nieren gehören daher wahrscheinlich
ursprünglich dem serösen Blatte an, so wie vielleicht die inneren
keimbereitenden Genitalien aus dem Gefässblatte entspringen. Das
Nierenrudiment liegt in frühester Zeit mehr nach hinten als spä-
terhin, ist im Anfange solid und weder mit warzigen Erhaben-
heiten noch mit Fortsätzen oder einem Ureter versehen. Bald
jedoch zeigen sich nach Rathke (Abhandl. II. S. 97. tab. 7. fig.
8--12.) auf seiner Oberfläche warzenähnliche Erhöhungen, und
um diese Zeit sieht man in dem Innern kleine Kolben, deren
dicke, blinde Enden nach aussen, deren Spitzen nach innen lie-
gen. Die Kolben sind die Rudimente der Harngefässe. Was nun
den Ureter betrifft, so äusserte Rolando (Journ. de Compl. XVI.
S. 53.), dass er als eine Ausstülpung der Kloake entstehe. Allein
seine ganze Darstellung verleitet sehr zu glauben, dass er dieses
Factum keineswegs selbst gesehen, sondern der Analogie der Le-
ber, des Pancreas und dgl. gemäss erschlossen habe. Auch ma-
chen es die Erfahrungen von Rathke u. A. so wie unsere eige-
nen Beobachtungen im höchsten Grade unwahrscheinlich, dass der
Vorgang auf diese Weise Statt finde. Denn 1. müsste man dann
den Harnleiter vor der Bildung der Harngefässe sehen, welches
bestimmt nicht der Fall ist. 2. Müsste er zuerst von gleicher

Von dem Embryo.

E. H. Weber (Hildebrandts Anatomie IV. S. 393—97.) lie-
fert eine mit gewohnter Gründlichkeit zusammengestellte Ausein-
andersetzung des Descensus testiculi nach den Erfahrungen von
Wrisberg, Hunter, Seiler, Scarpa u. A.

Dies wäre ein möglichst kurzer Auszug aus den wichtigsten
Quellen, welche uns über den Descensus testiculi zu Gebote
standen. Eigene vollständige Erfahrungen fehlen uns hier noch
gänzlich.

E. Entstehung der Nieren nebst den Ureteren und
den Nebennieren
.

Die erste Spur der Nieren zeigt sich, wie die der keimbe-
reitenden Genitalien, lange nach dem Auftreten der Wolffschen
Körper. Sie erscheinen bei Schaafen nach Rathke (Abhandl. Thl.
II. S. 97.) und bei Schweinen nach meinen Beobachtungen als
ein kleines kugliges Gebilde, welches der inneren Oberfläche der
Bauchplatten fest ansitzt und in der allerersten Zeit in der Re-
gel an diesen sitzen bleibt, ohne den abgegangenen Wolffschen
Körpern zu folgen. Die Nieren gehören daher wahrscheinlich
ursprünglich dem serösen Blatte an, so wie vielleicht die inneren
keimbereitenden Genitalien aus dem Gefäſsblatte entspringen. Das
Nierenrudiment liegt in frühester Zeit mehr nach hinten als spä-
terhin, ist im Anfange solid und weder mit warzigen Erhaben-
heiten noch mit Fortsätzen oder einem Ureter versehen. Bald
jedoch zeigen sich nach Rathke (Abhandl. II. S. 97. tab. 7. fig.
8—12.) auf seiner Oberfläche warzenähnliche Erhöhungen, und
um diese Zeit sieht man in dem Innern kleine Kolben, deren
dicke, blinde Enden nach auſsen, deren Spitzen nach innen lie-
gen. Die Kolben sind die Rudimente der Harngefäſse. Was nun
den Ureter betrifft, so äuſserte Rolando (Journ. de Compl. XVI.
S. 53.), daſs er als eine Ausstülpung der Kloake entstehe. Allein
seine ganze Darstellung verleitet sehr zu glauben, daſs er dieses
Factum keineswegs selbst gesehen, sondern der Analogie der Le-
ber, des Pancreas und dgl. gemäſs erschlossen habe. Auch ma-
chen es die Erfahrungen von Rathke u. A. so wie unsere eige-
nen Beobachtungen im höchsten Grade unwahrscheinlich, daſs der
Vorgang auf diese Weise Statt finde. Denn 1. müſste man dann
den Harnleiter vor der Bildung der Harngefäſse sehen, welches
bestimmt nicht der Fall ist. 2. Müſste er zuerst von gleicher

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[408/0436] Von dem Embryo. E. H. Weber (Hildebrandts Anatomie IV. S. 393—97.) lie- fert eine mit gewohnter Gründlichkeit zusammengestellte Ausein- andersetzung des Descensus testiculi nach den Erfahrungen von Wrisberg, Hunter, Seiler, Scarpa u. A. Dies wäre ein möglichst kurzer Auszug aus den wichtigsten Quellen, welche uns über den Descensus testiculi zu Gebote standen. Eigene vollständige Erfahrungen fehlen uns hier noch gänzlich. E. Entstehung der Nieren nebst den Ureteren und den Nebennieren. Die erste Spur der Nieren zeigt sich, wie die der keimbe- reitenden Genitalien, lange nach dem Auftreten der Wolffschen Körper. Sie erscheinen bei Schaafen nach Rathke (Abhandl. Thl. II. S. 97.) und bei Schweinen nach meinen Beobachtungen als ein kleines kugliges Gebilde, welches der inneren Oberfläche der Bauchplatten fest ansitzt und in der allerersten Zeit in der Re- gel an diesen sitzen bleibt, ohne den abgegangenen Wolffschen Körpern zu folgen. Die Nieren gehören daher wahrscheinlich ursprünglich dem serösen Blatte an, so wie vielleicht die inneren keimbereitenden Genitalien aus dem Gefäſsblatte entspringen. Das Nierenrudiment liegt in frühester Zeit mehr nach hinten als spä- terhin, ist im Anfange solid und weder mit warzigen Erhaben- heiten noch mit Fortsätzen oder einem Ureter versehen. Bald jedoch zeigen sich nach Rathke (Abhandl. II. S. 97. tab. 7. fig. 8—12.) auf seiner Oberfläche warzenähnliche Erhöhungen, und um diese Zeit sieht man in dem Innern kleine Kolben, deren dicke, blinde Enden nach auſsen, deren Spitzen nach innen lie- gen. Die Kolben sind die Rudimente der Harngefäſse. Was nun den Ureter betrifft, so äuſserte Rolando (Journ. de Compl. XVI. S. 53.), daſs er als eine Ausstülpung der Kloake entstehe. Allein seine ganze Darstellung verleitet sehr zu glauben, daſs er dieses Factum keineswegs selbst gesehen, sondern der Analogie der Le- ber, des Pancreas und dgl. gemäſs erschlossen habe. Auch ma- chen es die Erfahrungen von Rathke u. A. so wie unsere eige- nen Beobachtungen im höchsten Grade unwahrscheinlich, daſs der Vorgang auf diese Weise Statt finde. Denn 1. müſste man dann den Harnleiter vor der Bildung der Harngefäſse sehen, welches bestimmt nicht der Fall ist. 2. Müſste er zuerst von gleicher

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Zitationshilfe: Valentin, Gabriel Gustav: Handbuch der Entwicklungsgeschichte des Menschen mit vergleichender Rücksicht der Entwicklung der Säugetiere und Vögel. Berlin, 1835, S. 408. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/valentin_entwicklungsgeschichte_1835/436>, abgerufen am 21.03.2019.