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Andreä, Johann Valentin: Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz Anno 1459. Straßburg, 1616.

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Christiani Rosencreütz.
Dies II.

BLoß war ich auß meiner Cellen/ in den WaldTripudium
creatura-
rum ob nu-
ptias.

kommen/ da duncket mich schon/ es hette sich
der gantze Himmel vnd alle Element/ zu solcher
Hochzeit geschmucket. Dann auch die Vögel
meines erachtens lieblicher sungen dann zuvor/
so sprungen die junge Hirschlin so frewdig daher/
das sie mein altes Hertz erfrewet/ vnnd zu singen
bewegt/ fieng derwegen mit lauter Stimm auch
also an zusingen:

Frew dich du liebes Vögelein/
Dein Schöpffer hoch zu loben:
Dein stim erheb nun hell vnd fein/
Dein Gott ist hoch erhoben/
Dein Speiß hatt er dir vorbereit/
Gibt dirs zu recht bequemer zeit/
Daran laß du dich genügen.
Was wolstu doch vnlustig sein/
Was wolst vber Gott zürnen/
Daß er dich wolt ein Vögelein sein/
Wolst das Köpfflin verwirren/
Daß er dich nicht ein Menschen gemacht/
O schweig er hatt es baß bedacht/
Daran laß du dich genügen.
Was mach ich armer Erden Wurm/
Wolt ich mit Gott thun rechten/
Daß ich so in den Himmel stürm/
Mit g'walt groß Kunst z'erfechten/
Gott will sich ja nicht bochen lan/
Wer hie nit daugt mach sich darvon/
O Mensch laß dich genüegen.
Das
Chriſtiani Roſencreuͤtz.
Dies II.

BLoß war ich auß meiner Cellen/ in den WaldTripudium
creatura-
rum ob nu-
ptias.

kom̃en/ da duncket mich ſchon/ es hette ſich
der gantze Himmel vnd alle Element/ zu ſolcher
Hochzeit geſchmucket. Dann auch die Voͤgel
meines erachtens lieblicher ſungen dann zuvor/
ſo ſprungen die junge Hirſchlin ſo frewdig daher/
das ſie mein altes Hertz erfrewet/ vnnd zu ſingen
bewegt/ fieng derwegen mit lauter Stimm auch
alſo an zuſingen:

Frew dich du liebes Voͤgelein/
Dein Schoͤpffer hoch zu loben:
Dein ſtim erheb nun hell vnd fein/
Dein Gott iſt hoch erhoben/
Dein Speiß hatt er dir vorbereit/
Gibt dirs zu recht bequemer zeit/
Daran laß du dich genuͤgen.
Was wolſtu doch vnluſtig ſein/
Was wolſt vber Gott zuͤrnen/
Daß er dich wolt ein Voͤgelein ſein/
Wolſt das Koͤpfflin verwirꝛen/
Daß er dich nicht ein Menſchen gemacht/
O ſchweig er hatt es baß bedacht/
Daran laß du dich genuͤgen.
Was mach ich armer Erden Wurm/
Wolt ich mit Gott thun rechten/
Daß ich ſo in den Himmel ſtuͤrm/
Mit g’walt groß Kunſt z’erfechten/
Gott will ſich ja nicht bochen lan/
Wer hie nit daugt mach ſich darvon/
O Menſch laß dich genuͤegen.
Das
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[15/0019] Chriſtiani Roſencreuͤtz. Dies II. BLoß war ich auß meiner Cellen/ in den Wald kom̃en/ da duncket mich ſchon/ es hette ſich der gantze Himmel vnd alle Element/ zu ſolcher Hochzeit geſchmucket. Dann auch die Voͤgel meines erachtens lieblicher ſungen dann zuvor/ ſo ſprungen die junge Hirſchlin ſo frewdig daher/ das ſie mein altes Hertz erfrewet/ vnnd zu ſingen bewegt/ fieng derwegen mit lauter Stimm auch alſo an zuſingen: Tripudium creatura- rum ob nu- ptias. Frew dich du liebes Voͤgelein/ Dein Schoͤpffer hoch zu loben: Dein ſtim erheb nun hell vnd fein/ Dein Gott iſt hoch erhoben/ Dein Speiß hatt er dir vorbereit/ Gibt dirs zu recht bequemer zeit/ Daran laß du dich genuͤgen. Was wolſtu doch vnluſtig ſein/ Was wolſt vber Gott zuͤrnen/ Daß er dich wolt ein Voͤgelein ſein/ Wolſt das Koͤpfflin verwirꝛen/ Daß er dich nicht ein Menſchen gemacht/ O ſchweig er hatt es baß bedacht/ Daran laß du dich genuͤgen. Was mach ich armer Erden Wurm/ Wolt ich mit Gott thun rechten/ Daß ich ſo in den Himmel ſtuͤrm/ Mit g’walt groß Kunſt z’erfechten/ Gott will ſich ja nicht bochen lan/ Wer hie nit daugt mach ſich darvon/ O Menſch laß dich genuͤegen. Das

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Zitationshilfe: Andreä, Johann Valentin: Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz Anno 1459. Straßburg, 1616, S. 15. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/valentin_hochzeit_1616/19>, abgerufen am 27.10.2020.