Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Bd. 1. Mannheim, 1837.

Bild:
<< vorherige Seite

Der Prinz-Regent sagt nun laut, man habe Unrecht gethan,
den alten König hinzusetzen -- denn er verhindert uns, setzt er
hinzu, Exempel zu statuiren! -- Die Welt liegt im Argen!

Ich lasse Frau von Varnhagen bitten, sich vor den Docto¬
ren zu hüten -- selbst vor Koreff, wiewohl einer der Besten.--
Meinen Gruß an Oberst von Pfuel. Ich bedaure, daß ich ihn
so kurze Zeit gekannt habe. Und recht viel Schönes, Herzliches
an Schlabrendorf. -- Auch seinetwegen verlass' ich Europa un¬
gern, und glichen ihm Viele, so sollte nichts mich abhalten, zu¬
rückzukommen, selbst auf Kartoffeln und Wasser! --

-- Was wollen denn Sie -- Sie Alliirte -- zuletzt noch in
Frankreich anfangen? -- Haben Sie von Cotta gehört?

E. Bollmann.

13.

Ihren Brief, lieber Varnhagen, vom 25. September, mit
den schönen Ausschnitten, erhielt ich erst in Amerika, spät im
Frühjahr. Er war mir recht erfreulich, und meine Mädchen
haben die Ausschnitte sehr bewundert.

Sie sehn, daß ich Wort halte. Am 16. Mai gingen wir
von Philadelphia ab, am 12. Juni waren wir in Liverpool --
nach einer kurzen, schönen Ueberfahrt -- nur wären wir am
10. an der Küste von Irland beinahe gescheitert. Ein dichter
Nebel verbarg das Land, der Kapitän war unvorsichtig, und
verlor nachher alle Gegenwart des Geistes, wie wir umringt
waren mit Felsen und nicht wußten, wohin uns wenden. Die
Mädchen benahmen sich recht heroisch, und wir zogen uns glück¬
lich aus der bösen Lage.

Seit drei Wochen sind wir hier. Ich schrieb gleich an
Schlabrendorf, zu erinnern, wo Sie wären, er hat aber nicht

8

Der Prinz-Regent ſagt nun laut, man habe Unrecht gethan,
den alten Koͤnig hinzuſetzen — denn er verhindert uns, ſetzt er
hinzu, Exempel zu ſtatuiren! — Die Welt liegt im Argen!

Ich laſſe Frau von Varnhagen bitten, ſich vor den Docto¬
ren zu huͤten — ſelbſt vor Koreff, wiewohl einer der Beſten.—
Meinen Gruß an Oberſt von Pfuel. Ich bedaure, daß ich ihn
ſo kurze Zeit gekannt habe. Und recht viel Schoͤnes, Herzliches
an Schlabrendorf. — Auch ſeinetwegen verlaſſ’ ich Europa un¬
gern, und glichen ihm Viele, ſo ſollte nichts mich abhalten, zu¬
ruͤckzukommen, ſelbſt auf Kartoffeln und Waſſer! —

— Was wollen denn Sie — Sie Alliirte — zuletzt noch in
Frankreich anfangen? — Haben Sie von Cotta gehoͤrt?

E. Bollmann.

13.

Ihren Brief, lieber Varnhagen, vom 25. September, mit
den ſchoͤnen Ausſchnitten, erhielt ich erſt in Amerika, ſpaͤt im
Fruͤhjahr. Er war mir recht erfreulich, und meine Maͤdchen
haben die Ausſchnitte ſehr bewundert.

Sie ſehn, daß ich Wort halte. Am 16. Mai gingen wir
von Philadelphia ab, am 12. Juni waren wir in Liverpool —
nach einer kurzen, ſchoͤnen Ueberfahrt — nur waͤren wir am
10. an der Kuͤſte von Irland beinahe geſcheitert. Ein dichter
Nebel verbarg das Land, der Kapitaͤn war unvorſichtig, und
verlor nachher alle Gegenwart des Geiſtes, wie wir umringt
waren mit Felſen und nicht wußten, wohin uns wenden. Die
Maͤdchen benahmen ſich recht heroiſch, und wir zogen uns gluͤck¬
lich aus der boͤſen Lage.

Seit drei Wochen ſind wir hier. Ich ſchrieb gleich an
Schlabrendorf, zu erinnern, wo Sie waͤren, er hat aber nicht

8
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <pb facs="#f0129" n="115"/>
              <p>Der Prinz-Regent &#x017F;agt nun laut, man habe Unrecht gethan,<lb/>
den alten Ko&#x0364;nig hinzu&#x017F;etzen &#x2014; denn er verhindert uns, &#x017F;etzt er<lb/>
hinzu, Exempel zu &#x017F;tatuiren! &#x2014; Die Welt liegt im Argen!</p><lb/>
              <p>Ich la&#x017F;&#x017F;e Frau von Varnhagen bitten, &#x017F;ich vor den Docto¬<lb/>
ren zu hu&#x0364;ten &#x2014; &#x017F;elb&#x017F;t vor Koreff, wiewohl einer der Be&#x017F;ten.&#x2014;<lb/>
Meinen Gruß an Ober&#x017F;t von Pfuel. Ich bedaure, daß ich ihn<lb/>
&#x017F;o kurze Zeit gekannt habe. Und recht viel Scho&#x0364;nes, Herzliches<lb/>
an Schlabrendorf. &#x2014; Auch &#x017F;einetwegen verla&#x017F;&#x017F;&#x2019; ich Europa un¬<lb/>
gern, und glichen ihm Viele, &#x017F;o &#x017F;ollte nichts mich abhalten, zu¬<lb/>
ru&#x0364;ckzukommen, &#x017F;elb&#x017F;t auf Kartoffeln und Wa&#x017F;&#x017F;er! &#x2014;</p><lb/>
              <p>&#x2014; Was wollen denn Sie &#x2014; Sie Alliirte &#x2014; zuletzt noch in<lb/>
Frankreich anfangen? &#x2014; Haben Sie von Cotta geho&#x0364;rt?</p><lb/>
              <p rendition="#right">E. Bollmann.</p><lb/>
            </div>
            <div n="4">
              <head><hi rendition="#b">13</hi>.<lb/></head>
              <dateline rendition="#right">London, den <hi rendition="#b">15</hi>. Juli <hi rendition="#b">1816</hi>.</dateline><lb/>
              <p>Ihren Brief, lieber Varnhagen, vom <hi rendition="#b">25</hi>. September, mit<lb/>
den &#x017F;cho&#x0364;nen Aus&#x017F;chnitten, erhielt ich er&#x017F;t in Amerika, &#x017F;pa&#x0364;t im<lb/>
Fru&#x0364;hjahr. Er war mir recht erfreulich, und meine Ma&#x0364;dchen<lb/>
haben die Aus&#x017F;chnitte &#x017F;ehr bewundert.</p><lb/>
              <p>Sie &#x017F;ehn, daß ich Wort halte. Am <hi rendition="#b">16</hi>. Mai gingen wir<lb/>
von Philadelphia ab, am <hi rendition="#b">12</hi>. Juni waren wir in Liverpool &#x2014;<lb/>
nach einer kurzen, &#x017F;cho&#x0364;nen Ueberfahrt &#x2014; nur wa&#x0364;ren wir am<lb/><hi rendition="#b">10</hi>. an der Ku&#x0364;&#x017F;te von Irland beinahe ge&#x017F;cheitert. Ein dichter<lb/>
Nebel verbarg das Land, der Kapita&#x0364;n war unvor&#x017F;ichtig, und<lb/>
verlor nachher alle Gegenwart des Gei&#x017F;tes, wie wir umringt<lb/>
waren mit Fel&#x017F;en und nicht wußten, wohin uns wenden. Die<lb/>
Ma&#x0364;dchen benahmen &#x017F;ich recht heroi&#x017F;ch, und wir zogen uns glu&#x0364;ck¬<lb/>
lich aus der bo&#x0364;&#x017F;en Lage.</p><lb/>
              <p>Seit drei Wochen &#x017F;ind wir hier. Ich &#x017F;chrieb gleich an<lb/>
Schlabrendorf, zu erinnern, wo Sie wa&#x0364;ren, er hat aber nicht<lb/>
<fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#b">8</hi> &#x2737;<lb/></fw>
</p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[115/0129] Der Prinz-Regent ſagt nun laut, man habe Unrecht gethan, den alten Koͤnig hinzuſetzen — denn er verhindert uns, ſetzt er hinzu, Exempel zu ſtatuiren! — Die Welt liegt im Argen! Ich laſſe Frau von Varnhagen bitten, ſich vor den Docto¬ ren zu huͤten — ſelbſt vor Koreff, wiewohl einer der Beſten.— Meinen Gruß an Oberſt von Pfuel. Ich bedaure, daß ich ihn ſo kurze Zeit gekannt habe. Und recht viel Schoͤnes, Herzliches an Schlabrendorf. — Auch ſeinetwegen verlaſſ’ ich Europa un¬ gern, und glichen ihm Viele, ſo ſollte nichts mich abhalten, zu¬ ruͤckzukommen, ſelbſt auf Kartoffeln und Waſſer! — — Was wollen denn Sie — Sie Alliirte — zuletzt noch in Frankreich anfangen? — Haben Sie von Cotta gehoͤrt? E. Bollmann. 13. London, den 15. Juli 1816. Ihren Brief, lieber Varnhagen, vom 25. September, mit den ſchoͤnen Ausſchnitten, erhielt ich erſt in Amerika, ſpaͤt im Fruͤhjahr. Er war mir recht erfreulich, und meine Maͤdchen haben die Ausſchnitte ſehr bewundert. Sie ſehn, daß ich Wort halte. Am 16. Mai gingen wir von Philadelphia ab, am 12. Juni waren wir in Liverpool — nach einer kurzen, ſchoͤnen Ueberfahrt — nur waͤren wir am 10. an der Kuͤſte von Irland beinahe geſcheitert. Ein dichter Nebel verbarg das Land, der Kapitaͤn war unvorſichtig, und verlor nachher alle Gegenwart des Geiſtes, wie wir umringt waren mit Felſen und nicht wußten, wohin uns wenden. Die Maͤdchen benahmen ſich recht heroiſch, und wir zogen uns gluͤck¬ lich aus der boͤſen Lage. Seit drei Wochen ſind wir hier. Ich ſchrieb gleich an Schlabrendorf, zu erinnern, wo Sie waͤren, er hat aber nicht 8 ✷

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten01_1837
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten01_1837/129
Zitationshilfe: Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Bd. 1. Mannheim, 1837, S. 115. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten01_1837/129>, abgerufen am 20.01.2021.