Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Bd. 1. Mannheim, 1837.

Bild:
<< vorherige Seite
15.

Beide Ihre Briefe, lieber Varnhagen, und den von Ihrer
lieben Frau, habe ich richtig erhalten. Wie soll ich Ihnen er¬
klären, daß ich den ersten so lange nicht beantwortet? Ich bin
immer in einem Gedränge von Geschäften gewesen -- ich schrieb
mehrmals mehrere Seiten -- wurde unterbrochen -- nachher
paßte das Geschriebene nicht mehr zu den veränderten Umständen
-- der veränderten Stimmung. So gerieth die Antwort denn
in Aufschub, und Sie wissen, wie's in solchen Fällen geht.

Ich danke Ihnen recht sehr für Ihre Bemühungen in Be¬
treff der Papiere. Sie sind in guten Händen. Wenn Sie wieder
eine Gelegenheit haben, wie die mit Bülow, senden Sie mir
dieselben zu.

Meine Lage hier ist noch immer zu ungewiß, ich bin selbst
hier zu wenig fest, um dem von den Karlsruhern Empfohlenen
dienen zu können; als junger Mann war er überdies von sehr
beschränkten Fähigkeiten, und flüchtig. Wie er sich ausgebildet
haben mag, weiß ich nicht.

Mein intimster Jugendfreund, Doctor Boeckh, wohnt in
Lörrach, ohnweit Basel. Ich möchte gern seine Art von Existenz
und gegenwärtigen Verhältnisse kennen. Wenn Sie in die Ge¬
gend kommen, besuchen Sie ihn! Mein Name ist genug. Wir
wechselten einige Briefe, wie ich in Wien war. Er ist gebürtig
von Karlsruhe.

Ich habe, seit ich Ihnen zuletzt schrieb, viel Mühe und
Arbeit gehabt. -- Einen fatalen Associe in meinen Geschäften
hatte ich los zu werden -- Vorurtheile wider neue Consumtions¬
artikel zu bekämpfen -- mit der Excis-Behörde (Excise-Office)
mich abzufinden -- beunruhigte Concurrenten zu besänftigen

15.

Beide Ihre Briefe, lieber Varnhagen, und den von Ihrer
lieben Frau, habe ich richtig erhalten. Wie ſoll ich Ihnen er¬
klaͤren, daß ich den erſten ſo lange nicht beantwortet? Ich bin
immer in einem Gedraͤnge von Geſchaͤften geweſen — ich ſchrieb
mehrmals mehrere Seiten — wurde unterbrochen — nachher
paßte das Geſchriebene nicht mehr zu den veraͤnderten Umſtaͤnden
— der veraͤnderten Stimmung. So gerieth die Antwort denn
in Aufſchub, und Sie wiſſen, wie's in ſolchen Faͤllen geht.

Ich danke Ihnen recht ſehr fuͤr Ihre Bemuͤhungen in Be¬
treff der Papiere. Sie ſind in guten Haͤnden. Wenn Sie wieder
eine Gelegenheit haben, wie die mit Buͤlow, ſenden Sie mir
dieſelben zu.

Meine Lage hier iſt noch immer zu ungewiß, ich bin ſelbſt
hier zu wenig feſt, um dem von den Karlsruhern Empfohlenen
dienen zu koͤnnen; als junger Mann war er uͤberdies von ſehr
beſchraͤnkten Faͤhigkeiten, und fluͤchtig. Wie er ſich ausgebildet
haben mag, weiß ich nicht.

Mein intimſter Jugendfreund, Doctor Boeckh, wohnt in
Loͤrrach, ohnweit Baſel. Ich moͤchte gern ſeine Art von Exiſtenz
und gegenwaͤrtigen Verhaͤltniſſe kennen. Wenn Sie in die Ge¬
gend kommen, beſuchen Sie ihn! Mein Name iſt genug. Wir
wechſelten einige Briefe, wie ich in Wien war. Er iſt gebuͤrtig
von Karlsruhe.

Ich habe, ſeit ich Ihnen zuletzt ſchrieb, viel Muͤhe und
Arbeit gehabt. — Einen fatalen Aſſocié in meinen Geſchaͤften
hatte ich los zu werden — Vorurtheile wider neue Conſumtions¬
artikel zu bekaͤmpfen — mit der Excis-Behoͤrde (Excise-Office)
mich abzufinden — beunruhigte Concurrenten zu beſaͤnftigen

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div>
              <pb facs="#f0141" n="127"/>
            </div>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b">15.</hi><lb/>
              </head>
              <dateline rendition="#right">London, den <hi rendition="#b">28</hi>. November <hi rendition="#b">1817</hi>.</dateline><lb/>
              <p>Beide Ihre Briefe, lieber Varnhagen, und den von Ihrer<lb/>
lieben Frau, habe ich richtig erhalten. Wie &#x017F;oll ich Ihnen er¬<lb/>
kla&#x0364;ren, daß ich den er&#x017F;ten &#x017F;o lange nicht beantwortet? Ich bin<lb/>
immer in einem Gedra&#x0364;nge von Ge&#x017F;cha&#x0364;ften gewe&#x017F;en &#x2014; ich &#x017F;chrieb<lb/>
mehrmals mehrere Seiten &#x2014; wurde unterbrochen &#x2014; nachher<lb/>
paßte das Ge&#x017F;chriebene nicht mehr zu den vera&#x0364;nderten Um&#x017F;ta&#x0364;nden<lb/>
&#x2014; der vera&#x0364;nderten Stimmung. So gerieth die Antwort denn<lb/>
in Auf&#x017F;chub, und Sie wi&#x017F;&#x017F;en, wie's in &#x017F;olchen Fa&#x0364;llen geht.</p><lb/>
              <p>Ich danke Ihnen recht &#x017F;ehr fu&#x0364;r Ihre Bemu&#x0364;hungen in Be¬<lb/>
treff der Papiere. Sie &#x017F;ind in guten Ha&#x0364;nden. Wenn Sie wieder<lb/>
eine Gelegenheit haben, wie die mit Bu&#x0364;low, &#x017F;enden Sie mir<lb/>
die&#x017F;elben zu.</p><lb/>
              <p>Meine Lage hier i&#x017F;t noch immer zu ungewiß, ich bin &#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
hier zu wenig fe&#x017F;t, um dem von den Karlsruhern Empfohlenen<lb/>
dienen zu ko&#x0364;nnen; als junger Mann war er u&#x0364;berdies von &#x017F;ehr<lb/>
be&#x017F;chra&#x0364;nkten Fa&#x0364;higkeiten, und flu&#x0364;chtig. Wie er &#x017F;ich ausgebildet<lb/>
haben mag, weiß ich nicht.</p><lb/>
              <p>Mein intim&#x017F;ter Jugendfreund, Doctor Boeckh, wohnt in<lb/>
Lo&#x0364;rrach, ohnweit Ba&#x017F;el. Ich mo&#x0364;chte gern &#x017F;eine Art von Exi&#x017F;tenz<lb/>
und gegenwa&#x0364;rtigen Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e kennen. Wenn Sie in die Ge¬<lb/>
gend kommen, be&#x017F;uchen Sie ihn! Mein Name i&#x017F;t genug. Wir<lb/>
wech&#x017F;elten einige Briefe, wie ich in Wien war. Er i&#x017F;t gebu&#x0364;rtig<lb/>
von Karlsruhe.</p><lb/>
              <p>Ich habe, &#x017F;eit ich Ihnen zuletzt &#x017F;chrieb, viel Mu&#x0364;he und<lb/>
Arbeit gehabt. &#x2014; Einen fatalen A&#x017F;&#x017F;oci<hi rendition="#aq">é</hi> in meinen Ge&#x017F;cha&#x0364;ften<lb/>
hatte ich los zu werden &#x2014; Vorurtheile wider neue Con&#x017F;umtions¬<lb/>
artikel zu beka&#x0364;mpfen &#x2014; mit der Excis-Beho&#x0364;rde (<hi rendition="#aq #b">Excise-Office</hi>)<lb/>
mich abzufinden &#x2014; beunruhigte Concurrenten zu be&#x017F;a&#x0364;nftigen<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[127/0141] 15. London, den 28. November 1817. Beide Ihre Briefe, lieber Varnhagen, und den von Ihrer lieben Frau, habe ich richtig erhalten. Wie ſoll ich Ihnen er¬ klaͤren, daß ich den erſten ſo lange nicht beantwortet? Ich bin immer in einem Gedraͤnge von Geſchaͤften geweſen — ich ſchrieb mehrmals mehrere Seiten — wurde unterbrochen — nachher paßte das Geſchriebene nicht mehr zu den veraͤnderten Umſtaͤnden — der veraͤnderten Stimmung. So gerieth die Antwort denn in Aufſchub, und Sie wiſſen, wie's in ſolchen Faͤllen geht. Ich danke Ihnen recht ſehr fuͤr Ihre Bemuͤhungen in Be¬ treff der Papiere. Sie ſind in guten Haͤnden. Wenn Sie wieder eine Gelegenheit haben, wie die mit Buͤlow, ſenden Sie mir dieſelben zu. Meine Lage hier iſt noch immer zu ungewiß, ich bin ſelbſt hier zu wenig feſt, um dem von den Karlsruhern Empfohlenen dienen zu koͤnnen; als junger Mann war er uͤberdies von ſehr beſchraͤnkten Faͤhigkeiten, und fluͤchtig. Wie er ſich ausgebildet haben mag, weiß ich nicht. Mein intimſter Jugendfreund, Doctor Boeckh, wohnt in Loͤrrach, ohnweit Baſel. Ich moͤchte gern ſeine Art von Exiſtenz und gegenwaͤrtigen Verhaͤltniſſe kennen. Wenn Sie in die Ge¬ gend kommen, beſuchen Sie ihn! Mein Name iſt genug. Wir wechſelten einige Briefe, wie ich in Wien war. Er iſt gebuͤrtig von Karlsruhe. Ich habe, ſeit ich Ihnen zuletzt ſchrieb, viel Muͤhe und Arbeit gehabt. — Einen fatalen Aſſocié in meinen Geſchaͤften hatte ich los zu werden — Vorurtheile wider neue Conſumtions¬ artikel zu bekaͤmpfen — mit der Excis-Behoͤrde (Excise-Office) mich abzufinden — beunruhigte Concurrenten zu beſaͤnftigen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten01_1837
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten01_1837/141
Zitationshilfe: Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Bd. 1. Mannheim, 1837, S. 127. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten01_1837/141>, abgerufen am 17.01.2021.