Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Bd. 1. Mannheim, 1837.

Bild:
<< vorherige Seite

Leute von mir, welche sich noch freundschaftlich meiner er¬
innern! I. E. Bollmann.

N. S. Ihren Antworten seh' ich entgegen unter Couvert
der Herren Fetschow und Jury in Berlin! --

Haben Sie die Güte, diesen Brief aufzuheben, weil der Fall
kommen könnte, daß ich bei der einen oder andern Gelegenheit,
wenigstens auf eine kurze Zeit, darüber verfügen zu können
wünschen würde. --

7.

Ich bin, liebe Freundin, wieder auf meiner Rückreise nach
England begriffen. Morgen gehe ich von Helvontsluis und dann
von da nach Harwich. Weil es mit dem Wasser allemal etwas
mißlich ist, so will ich lieber zuvor noch für Ihren gütigen, lieben,
herzlichen Brief vom 31. October Ihnen danken. Giebt's dann
ein Unglück -- nun wohl! so werde ich doch dermaleinst wenig¬
stens nicht mit Vorwürfen empfangen! --

Meine Bemühungen sind vergeblich gewesen, und haben es
sein müssen aus dem simpeln Grunde, weil die gewöhnlichen
Menschen keinen Glauben an Tugend haben, sondern jeden un¬
gefähr für eben so schlecht halten, als sich selbst, und andere
Leute, die in ihrer Gewalt sind, deßwegen behandeln, wie sie
selbst behandelt zu werden verdienten. Meine Reise ist indessen
meinen Committenten indirekt nützlich geworden. Ich ging von
Berlin nach Hamburg, wo ich sechs Wochen zugebracht habe.--
Am 11. reisete ich von dort ab; sah im Vorbeigehn meinen
Schwager in Lüneburg, meinen Vater in Hoya, meinen Vetter
in Bremen, fuhr dann Tag und Nacht durch, kam am 17. nach
Amsterdam, und bin nun hier. Ich bin in größter Eile, um
nach London zu kommen! --

Leute von mir, welche ſich noch freundſchaftlich meiner er¬
innern! I. E. Bollmann.

N. S. Ihren Antworten ſeh' ich entgegen unter Couvert
der Herren Fetſchow und Jury in Berlin! —

Haben Sie die Guͤte, dieſen Brief aufzuheben, weil der Fall
kommen koͤnnte, daß ich bei der einen oder andern Gelegenheit,
wenigſtens auf eine kurze Zeit, daruͤber verfuͤgen zu koͤnnen
wuͤnſchen wuͤrde. —

7.

Ich bin, liebe Freundin, wieder auf meiner Ruͤckreiſe nach
England begriffen. Morgen gehe ich von Helvontſluis und dann
von da nach Harwich. Weil es mit dem Waſſer allemal etwas
mißlich iſt, ſo will ich lieber zuvor noch fuͤr Ihren guͤtigen, lieben,
herzlichen Brief vom 31. October Ihnen danken. Giebt's dann
ein Ungluͤck — nun wohl! ſo werde ich doch dermaleinſt wenig¬
ſtens nicht mit Vorwuͤrfen empfangen! —

Meine Bemuͤhungen ſind vergeblich geweſen, und haben es
ſein muͤſſen aus dem ſimpeln Grunde, weil die gewoͤhnlichen
Menſchen keinen Glauben an Tugend haben, ſondern jeden un¬
gefaͤhr fuͤr eben ſo ſchlecht halten, als ſich ſelbſt, und andere
Leute, die in ihrer Gewalt ſind, deßwegen behandeln, wie ſie
ſelbſt behandelt zu werden verdienten. Meine Reiſe iſt indeſſen
meinen Committenten indirekt nuͤtzlich geworden. Ich ging von
Berlin nach Hamburg, wo ich ſechs Wochen zugebracht habe.—
Am 11. reiſete ich von dort ab; ſah im Vorbeigehn meinen
Schwager in Luͤneburg, meinen Vater in Hoya, meinen Vetter
in Bremen, fuhr dann Tag und Nacht durch, kam am 17. nach
Amſterdam, und bin nun hier. Ich bin in groͤßter Eile, um
nach London zu kommen! —

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0083" n="69"/>
Leute von mir, welche &#x017F;ich noch freund&#x017F;chaftlich meiner er¬<lb/>
innern! I. E. Bollmann.</p><lb/>
              <p>N. S. Ihren Antworten &#x017F;eh' ich entgegen unter Couvert<lb/>
der Herren Fet&#x017F;chow und Jury in Berlin! &#x2014;</p><lb/>
              <p>Haben Sie die Gu&#x0364;te, die&#x017F;en Brief aufzuheben, weil der Fall<lb/>
kommen ko&#x0364;nnte, daß ich bei der einen oder andern Gelegenheit,<lb/>
wenig&#x017F;tens auf eine kurze Zeit, daru&#x0364;ber verfu&#x0364;gen zu ko&#x0364;nnen<lb/>
wu&#x0364;n&#x017F;chen wu&#x0364;rde. &#x2014;</p><lb/>
            </div>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b">7.</hi><lb/>
              </head>
              <dateline rendition="#right">Rotterdam, den <hi rendition="#b">21</hi>. Januar <hi rendition="#b">1794</hi>.</dateline><lb/>
              <p>Ich bin, liebe Freundin, wieder auf meiner Ru&#x0364;ckrei&#x017F;e nach<lb/>
England begriffen. Morgen gehe ich von Helvont&#x017F;luis und dann<lb/>
von da nach Harwich. Weil es mit dem Wa&#x017F;&#x017F;er allemal etwas<lb/>
mißlich i&#x017F;t, &#x017F;o will ich lieber zuvor noch fu&#x0364;r Ihren gu&#x0364;tigen, lieben,<lb/>
herzlichen Brief vom <hi rendition="#b">31</hi>. October Ihnen danken. Giebt's dann<lb/>
ein Unglu&#x0364;ck &#x2014; nun wohl! &#x017F;o werde ich doch dermalein&#x017F;t wenig¬<lb/>
&#x017F;tens nicht mit Vorwu&#x0364;rfen empfangen! &#x2014;</p><lb/>
              <p>Meine Bemu&#x0364;hungen &#x017F;ind vergeblich gewe&#x017F;en, und haben es<lb/>
&#x017F;ein mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en aus dem &#x017F;impeln Grunde, weil die gewo&#x0364;hnlichen<lb/>
Men&#x017F;chen keinen Glauben an Tugend haben, &#x017F;ondern jeden un¬<lb/>
gefa&#x0364;hr fu&#x0364;r eben &#x017F;o &#x017F;chlecht halten, als &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t, und andere<lb/>
Leute, die in ihrer Gewalt &#x017F;ind, deßwegen behandeln, wie &#x017F;ie<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t behandelt zu werden verdienten. Meine Rei&#x017F;e i&#x017F;t inde&#x017F;&#x017F;en<lb/>
meinen Committenten indirekt nu&#x0364;tzlich geworden. Ich ging von<lb/>
Berlin nach Hamburg, wo ich &#x017F;echs Wochen zugebracht habe.&#x2014;<lb/>
Am <hi rendition="#b">11</hi>. rei&#x017F;ete ich von dort ab; &#x017F;ah im Vorbeigehn meinen<lb/>
Schwager in Lu&#x0364;neburg, meinen Vater in Hoya, meinen Vetter<lb/>
in Bremen, fuhr dann Tag und Nacht durch, kam am <hi rendition="#b">17</hi>. nach<lb/>
Am&#x017F;terdam, und bin nun hier. Ich bin in gro&#x0364;ßter Eile, um<lb/>
nach London zu kommen! &#x2014;</p><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[69/0083] Leute von mir, welche ſich noch freundſchaftlich meiner er¬ innern! I. E. Bollmann. N. S. Ihren Antworten ſeh' ich entgegen unter Couvert der Herren Fetſchow und Jury in Berlin! — Haben Sie die Guͤte, dieſen Brief aufzuheben, weil der Fall kommen koͤnnte, daß ich bei der einen oder andern Gelegenheit, wenigſtens auf eine kurze Zeit, daruͤber verfuͤgen zu koͤnnen wuͤnſchen wuͤrde. — 7. Rotterdam, den 21. Januar 1794. Ich bin, liebe Freundin, wieder auf meiner Ruͤckreiſe nach England begriffen. Morgen gehe ich von Helvontſluis und dann von da nach Harwich. Weil es mit dem Waſſer allemal etwas mißlich iſt, ſo will ich lieber zuvor noch fuͤr Ihren guͤtigen, lieben, herzlichen Brief vom 31. October Ihnen danken. Giebt's dann ein Ungluͤck — nun wohl! ſo werde ich doch dermaleinſt wenig¬ ſtens nicht mit Vorwuͤrfen empfangen! — Meine Bemuͤhungen ſind vergeblich geweſen, und haben es ſein muͤſſen aus dem ſimpeln Grunde, weil die gewoͤhnlichen Menſchen keinen Glauben an Tugend haben, ſondern jeden un¬ gefaͤhr fuͤr eben ſo ſchlecht halten, als ſich ſelbſt, und andere Leute, die in ihrer Gewalt ſind, deßwegen behandeln, wie ſie ſelbſt behandelt zu werden verdienten. Meine Reiſe iſt indeſſen meinen Committenten indirekt nuͤtzlich geworden. Ich ging von Berlin nach Hamburg, wo ich ſechs Wochen zugebracht habe.— Am 11. reiſete ich von dort ab; ſah im Vorbeigehn meinen Schwager in Luͤneburg, meinen Vater in Hoya, meinen Vetter in Bremen, fuhr dann Tag und Nacht durch, kam am 17. nach Amſterdam, und bin nun hier. Ich bin in groͤßter Eile, um nach London zu kommen! —

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten01_1837
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten01_1837/83
Zitationshilfe: Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Bd. 1. Mannheim, 1837, S. 69. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten01_1837/83>, abgerufen am 20.01.2021.