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Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Bd. 2. Mannheim, 1837.

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lassen soll, hier neu zu gestalten oder zu wählen war,
denn nichts Anerkanntes konnte zum Vorbilde dienen.
Die Leichtigkeit des Ausdrucks, die Natürlichkeit und
Anmuth des Redeflusses sind hinwieder um so lobens¬
werther, je mehr sie mit der metrischen Genauigkeit und
Ausbildung, die oft nur auf Kosten jener sich erreichen
zu lassen scheint, gleichen Schrittes zusammengeht. Der
Uebersetzer hat in beiden, in der Leichtigkeit wie in der
Strenge, alles geleistet, was von glücklichem Takt und
bewährter Geschicklichkeit zu verlangen steht. Durch seine
gelungene Arbeit, in welcher sich überhaupt ein lebhafter,
auffassender und ansprechender Geist regt, ist uns nicht
nur ein schätzenswertes metrisches Gebild in unserer
Sprache mehr geworden, sondern nun auch für jeden
Laien, dessen Verlangen das fremde Idiom entgegen¬
stand, die Möglichkeit eröffnet, eine Komödie des Te¬
rentius in dessen eigenstem Geist und eigenster Gestalt
deutsch anzuschauen und zu genießen. Hierzu hat der
Herausgeber durch seine zweckmäßigen Anmerkungen
bestens beigetragen. Die Vorrede spricht mit gründ¬
licher Einsicht und treffendem Urtheil von der Ueber¬
setzungskunst und deren verschiedenen Arten, ihren Schran¬
ken und Abwegen. Die Einleitung handelt von den
Versmaßen; die genaue und klare Darstellung zeigt den
mit dem Gegenstande völlig vertrauten Meister. Möchten
solche metrische Studien, deren Werth nur derjenige
vollkommen würdigen kann, der ihre Tiefen erdringt,

laſſen ſoll, hier neu zu geſtalten oder zu waͤhlen war,
denn nichts Anerkanntes konnte zum Vorbilde dienen.
Die Leichtigkeit des Ausdrucks, die Natuͤrlichkeit und
Anmuth des Redefluſſes ſind hinwieder um ſo lobens¬
werther, je mehr ſie mit der metriſchen Genauigkeit und
Ausbildung, die oft nur auf Koſten jener ſich erreichen
zu laſſen ſcheint, gleichen Schrittes zuſammengeht. Der
Ueberſetzer hat in beiden, in der Leichtigkeit wie in der
Strenge, alles geleiſtet, was von gluͤcklichem Takt und
bewaͤhrter Geſchicklichkeit zu verlangen ſteht. Durch ſeine
gelungene Arbeit, in welcher ſich uͤberhaupt ein lebhafter,
auffaſſender und anſprechender Geiſt regt, iſt uns nicht
nur ein ſchaͤtzenswertes metriſches Gebild in unſerer
Sprache mehr geworden, ſondern nun auch fuͤr jeden
Laien, deſſen Verlangen das fremde Idiom entgegen¬
ſtand, die Moͤglichkeit eroͤffnet, eine Komoͤdie des Te¬
rentius in deſſen eigenſtem Geiſt und eigenſter Geſtalt
deutſch anzuſchauen und zu genießen. Hierzu hat der
Herausgeber durch ſeine zweckmaͤßigen Anmerkungen
beſtens beigetragen. Die Vorrede ſpricht mit gruͤnd¬
licher Einſicht und treffendem Urtheil von der Ueber¬
ſetzungskunſt und deren verſchiedenen Arten, ihren Schran¬
ken und Abwegen. Die Einleitung handelt von den
Versmaßen; die genaue und klare Darſtellung zeigt den
mit dem Gegenſtande voͤllig vertrauten Meiſter. Moͤchten
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[363/0377] laſſen ſoll, hier neu zu geſtalten oder zu waͤhlen war, denn nichts Anerkanntes konnte zum Vorbilde dienen. Die Leichtigkeit des Ausdrucks, die Natuͤrlichkeit und Anmuth des Redefluſſes ſind hinwieder um ſo lobens¬ werther, je mehr ſie mit der metriſchen Genauigkeit und Ausbildung, die oft nur auf Koſten jener ſich erreichen zu laſſen ſcheint, gleichen Schrittes zuſammengeht. Der Ueberſetzer hat in beiden, in der Leichtigkeit wie in der Strenge, alles geleiſtet, was von gluͤcklichem Takt und bewaͤhrter Geſchicklichkeit zu verlangen ſteht. Durch ſeine gelungene Arbeit, in welcher ſich uͤberhaupt ein lebhafter, auffaſſender und anſprechender Geiſt regt, iſt uns nicht nur ein ſchaͤtzenswertes metriſches Gebild in unſerer Sprache mehr geworden, ſondern nun auch fuͤr jeden Laien, deſſen Verlangen das fremde Idiom entgegen¬ ſtand, die Moͤglichkeit eroͤffnet, eine Komoͤdie des Te¬ rentius in deſſen eigenſtem Geiſt und eigenſter Geſtalt deutſch anzuſchauen und zu genießen. Hierzu hat der Herausgeber durch ſeine zweckmaͤßigen Anmerkungen beſtens beigetragen. Die Vorrede ſpricht mit gruͤnd¬ licher Einſicht und treffendem Urtheil von der Ueber¬ ſetzungskunſt und deren verſchiedenen Arten, ihren Schran¬ ken und Abwegen. Die Einleitung handelt von den Versmaßen; die genaue und klare Darſtellung zeigt den mit dem Gegenſtande voͤllig vertrauten Meiſter. Moͤchten ſolche metriſche Studien, deren Werth nur derjenige vollkommen wuͤrdigen kann, der ihre Tiefen erdringt,

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Zitationshilfe: Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Bd. 2. Mannheim, 1837, S. 363. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_denkwuerdigkeiten02_1837/377>, abgerufen am 28.09.2020.