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Virchow, Rudolf: Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre. Berlin, 1858.

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Vierte Vorlesung.
24. Februar 1858.
Die Ernährung und ihre Wege.

Thätigkeit der Gefässe. Verhältniss von Gefäss und Gewebe. Leber. Gehirn. Muskelhaut
des Magens. Knorpel. Knochen.
Abhängigkeit der Gewebe von den Gefässen. Metastasen. Gefässterritorien (vasculäre Ein-
heiten).
Die Ernährungsleitung in den Saftkanälen der Gewebe. Knochen. Zahn. Faserknorpel.
Hornhaut. Bandscheiben.



Nach der bekannten Vorstellung, unter der man sich die Er-
nährung gewöhnlich gedacht hat, waren die Gefässe diejeni-
gen Kanäle, welche wesentlich den Stoffverkehr vermitteln,
und auf die in einer bald activen, bald passiven Weise man
rechnete, wenn es sich darum handelte, den einzelnen Theil
in seinem Stoffverkehr zu controliren. In der Regel hat man
das Bestimmende bei dem Ernährungsvorgange mit einem Aus-
druck, der sich auch in die heutige Sprache hinübergeschlichen
hat, bezeichnet, indem man von einer Thätigkeit der Gefässe
sprach, wie wenn dieselben eine besondere Fähigkeit hätten,
auf die Zustände der nächsten Gewebs-Theile activ einzuwirken.

Wie ich schon das letzte Mal bei Gelegenheit der Mus-
kelfasern hervorhob (S. 51), so können wir heut zu Tage von
einer Action in den Gefässen nur in so weit sprechen, als
Muskelfasern an denselben vorhanden sind, und als sich
demnach die Gefässe durch Zusammenziehung ihrer Muskeln
verengern oder verkürzen können. Diese Verengerung könnte
das Resultat haben, dass der Durchtritt der Flüssigkeit da-

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Vierte Vorlesung.
24. Februar 1858.
Die Ernährung und ihre Wege.

Thätigkeit der Gefässe. Verhältniss von Gefäss und Gewebe. Leber. Gehirn. Muskelhaut
des Magens. Knorpel. Knochen.
Abhängigkeit der Gewebe von den Gefässen. Metastasen. Gefässterritorien (vasculäre Ein-
heiten).
Die Ernährungsleitung in den Saftkanälen der Gewebe. Knochen. Zahn. Faserknorpel.
Hornhaut. Bandscheiben.



Nach der bekannten Vorstellung, unter der man sich die Er-
nährung gewöhnlich gedacht hat, waren die Gefässe diejeni-
gen Kanäle, welche wesentlich den Stoffverkehr vermitteln,
und auf die in einer bald activen, bald passiven Weise man
rechnete, wenn es sich darum handelte, den einzelnen Theil
in seinem Stoffverkehr zu controliren. In der Regel hat man
das Bestimmende bei dem Ernährungsvorgange mit einem Aus-
druck, der sich auch in die heutige Sprache hinübergeschlichen
hat, bezeichnet, indem man von einer Thätigkeit der Gefässe
sprach, wie wenn dieselben eine besondere Fähigkeit hätten,
auf die Zustände der nächsten Gewebs-Theile activ einzuwirken.

Wie ich schon das letzte Mal bei Gelegenheit der Mus-
kelfasern hervorhob (S. 51), so können wir heut zu Tage von
einer Action in den Gefässen nur in so weit sprechen, als
Muskelfasern an denselben vorhanden sind, und als sich
demnach die Gefässe durch Zusammenziehung ihrer Muskeln
verengern oder verkürzen können. Diese Verengerung könnte
das Resultat haben, dass der Durchtritt der Flüssigkeit da-

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[[65]/0087] Vierte Vorlesung. 24. Februar 1858. Die Ernährung und ihre Wege. Thätigkeit der Gefässe. Verhältniss von Gefäss und Gewebe. Leber. Gehirn. Muskelhaut des Magens. Knorpel. Knochen. Abhängigkeit der Gewebe von den Gefässen. Metastasen. Gefässterritorien (vasculäre Ein- heiten). Die Ernährungsleitung in den Saftkanälen der Gewebe. Knochen. Zahn. Faserknorpel. Hornhaut. Bandscheiben. Nach der bekannten Vorstellung, unter der man sich die Er- nährung gewöhnlich gedacht hat, waren die Gefässe diejeni- gen Kanäle, welche wesentlich den Stoffverkehr vermitteln, und auf die in einer bald activen, bald passiven Weise man rechnete, wenn es sich darum handelte, den einzelnen Theil in seinem Stoffverkehr zu controliren. In der Regel hat man das Bestimmende bei dem Ernährungsvorgange mit einem Aus- druck, der sich auch in die heutige Sprache hinübergeschlichen hat, bezeichnet, indem man von einer Thätigkeit der Gefässe sprach, wie wenn dieselben eine besondere Fähigkeit hätten, auf die Zustände der nächsten Gewebs-Theile activ einzuwirken. Wie ich schon das letzte Mal bei Gelegenheit der Mus- kelfasern hervorhob (S. 51), so können wir heut zu Tage von einer Action in den Gefässen nur in so weit sprechen, als Muskelfasern an denselben vorhanden sind, und als sich demnach die Gefässe durch Zusammenziehung ihrer Muskeln verengern oder verkürzen können. Diese Verengerung könnte das Resultat haben, dass der Durchtritt der Flüssigkeit da- 5

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Zitationshilfe: Virchow, Rudolf: Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre. Berlin, 1858, S. [65]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/virchow_cellularpathologie_1858/87>, abgerufen am 22.04.2019.