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Vogt, Carl: Zoologische Briefe. Bd. 1. Frankfurt (Main), 1851.

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besonderen Gelenkknopfe stehen. Gewöhnlich wird diese Springgabel
beim Gehen wagrecht nach hinten gestreckt; sobald aber das Thier
springen will, so schlägt es die Gabel unter den Bauch, und indem
es sie plötzlich wie eine Feder losschnellen läßt, schleudert sich das
Thierchen oft fußweit fort. Außer dieser Springgabel, die nur sehr
wenigen Arten fehlt, besitzen manche dieser Insekten noch ein eigen-
thümliches Haftorgan, das in Form eines klebrigen Knopfes oder
zweier langer, beweglicher Schläuche aus der Unterfläche des Hinter-
leibes hervortritt, und zum Anheften an glatten Flächen dient. Po-
dura; Smynthurus; Desoria; Orchesella; Achorutes; Lipura
.

Den vorigen nahe verwandt ist die Familie der Zuckergäste

[Abbildung] Fig. 675.

Springfischchen (Machilis),
vom Rücken aus, um die
langen Fühler und die lan-
gen Taster dazwischen, so
wie die hinteren Spring-
borsten zu zeigen.

(Lepismida), kleine, meistens silberglänzende
Thierchen von spindelförmiger Gestalt, deren Kör-
per über all dicht mit feinen mikroskopischen Schüpp-
chen bedeckt ist und stets aus vierzehn deutlichen
Ringeln besteht. Der Kopf ist meist klein, tief
unter dem ersten Halsringe verborgen, die
Brustringe in der Gestalt nicht von den Rin-
gen des Hinterleibes verschieden. Die Fühler
sind lang, borstenförmig, aus vielen Gliedern
zusammengesetzt; die einfachen Augen in bedeu-
tender Zahl auf zwei seitlichen Haufen vereinigt.
Die Mundwerkzeuge bestehen aus zwei kleinen,
hakenförmigen Kiefern, kleinen, dünnen Kinn-
laden, die aber sehr lange, vielgliedrige, wie
ein zweites Paar Fühlhörner vor dem Kopfe
vorstehende Taster tragen, und einer Unterlippe
mit kurzen viergliedrigen Tastern. Am Hinter-
leibe der Thiere befinden sich vielfach geringelte,
lange Borsten, mittelst deren eine Gattung in
ähnlicher Weise, wie die vorige Familie, springt.
Die Thiere finden sich unter dem Moose, auf
Steinen und auch in den Häusern, schweifen
aber besonders bei Nacht umher. Lepisma;
Machilis
.

Man kennt keine fossilen Repräsentanten der flügellosen Insekten.




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beſonderen Gelenkknopfe ſtehen. Gewöhnlich wird dieſe Springgabel
beim Gehen wagrecht nach hinten geſtreckt; ſobald aber das Thier
ſpringen will, ſo ſchlägt es die Gabel unter den Bauch, und indem
es ſie plötzlich wie eine Feder losſchnellen läßt, ſchleudert ſich das
Thierchen oft fußweit fort. Außer dieſer Springgabel, die nur ſehr
wenigen Arten fehlt, beſitzen manche dieſer Inſekten noch ein eigen-
thümliches Haftorgan, das in Form eines klebrigen Knopfes oder
zweier langer, beweglicher Schläuche aus der Unterfläche des Hinter-
leibes hervortritt, und zum Anheften an glatten Flächen dient. Po-
dura; Smynthurus; Desoria; Orchesella; Achorutes; Lipura
.

Den vorigen nahe verwandt iſt die Familie der Zuckergäſte

[Abbildung] Fig. 675.

Springfiſchchen (Machilis),
vom Rücken aus, um die
langen Fühler und die lan-
gen Taſter dazwiſchen, ſo
wie die hinteren Spring-
borſten zu zeigen.

(Lepismida), kleine, meiſtens ſilberglänzende
Thierchen von ſpindelförmiger Geſtalt, deren Kör-
per über all dicht mit feinen mikroſkopiſchen Schüpp-
chen bedeckt iſt und ſtets aus vierzehn deutlichen
Ringeln beſteht. Der Kopf iſt meiſt klein, tief
unter dem erſten Halsringe verborgen, die
Bruſtringe in der Geſtalt nicht von den Rin-
gen des Hinterleibes verſchieden. Die Fühler
ſind lang, borſtenförmig, aus vielen Gliedern
zuſammengeſetzt; die einfachen Augen in bedeu-
tender Zahl auf zwei ſeitlichen Haufen vereinigt.
Die Mundwerkzeuge beſtehen aus zwei kleinen,
hakenförmigen Kiefern, kleinen, dünnen Kinn-
laden, die aber ſehr lange, vielgliedrige, wie
ein zweites Paar Fühlhörner vor dem Kopfe
vorſtehende Taſter tragen, und einer Unterlippe
mit kurzen viergliedrigen Taſtern. Am Hinter-
leibe der Thiere befinden ſich vielfach geringelte,
lange Borſten, mittelſt deren eine Gattung in
ähnlicher Weiſe, wie die vorige Familie, ſpringt.
Die Thiere finden ſich unter dem Mooſe, auf
Steinen und auch in den Häuſern, ſchweifen
aber beſonders bei Nacht umher. Lepisma;
Machilis
.

Man kennt keine foſſilen Repräſentanten der flügelloſen Inſekten.




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[563/0569] beſonderen Gelenkknopfe ſtehen. Gewöhnlich wird dieſe Springgabel beim Gehen wagrecht nach hinten geſtreckt; ſobald aber das Thier ſpringen will, ſo ſchlägt es die Gabel unter den Bauch, und indem es ſie plötzlich wie eine Feder losſchnellen läßt, ſchleudert ſich das Thierchen oft fußweit fort. Außer dieſer Springgabel, die nur ſehr wenigen Arten fehlt, beſitzen manche dieſer Inſekten noch ein eigen- thümliches Haftorgan, das in Form eines klebrigen Knopfes oder zweier langer, beweglicher Schläuche aus der Unterfläche des Hinter- leibes hervortritt, und zum Anheften an glatten Flächen dient. Po- dura; Smynthurus; Desoria; Orchesella; Achorutes; Lipura. Den vorigen nahe verwandt iſt die Familie der Zuckergäſte [Abbildung Fig. 675. Springfiſchchen (Machilis), vom Rücken aus, um die langen Fühler und die lan- gen Taſter dazwiſchen, ſo wie die hinteren Spring- borſten zu zeigen.] (Lepismida), kleine, meiſtens ſilberglänzende Thierchen von ſpindelförmiger Geſtalt, deren Kör- per über all dicht mit feinen mikroſkopiſchen Schüpp- chen bedeckt iſt und ſtets aus vierzehn deutlichen Ringeln beſteht. Der Kopf iſt meiſt klein, tief unter dem erſten Halsringe verborgen, die Bruſtringe in der Geſtalt nicht von den Rin- gen des Hinterleibes verſchieden. Die Fühler ſind lang, borſtenförmig, aus vielen Gliedern zuſammengeſetzt; die einfachen Augen in bedeu- tender Zahl auf zwei ſeitlichen Haufen vereinigt. Die Mundwerkzeuge beſtehen aus zwei kleinen, hakenförmigen Kiefern, kleinen, dünnen Kinn- laden, die aber ſehr lange, vielgliedrige, wie ein zweites Paar Fühlhörner vor dem Kopfe vorſtehende Taſter tragen, und einer Unterlippe mit kurzen viergliedrigen Taſtern. Am Hinter- leibe der Thiere befinden ſich vielfach geringelte, lange Borſten, mittelſt deren eine Gattung in ähnlicher Weiſe, wie die vorige Familie, ſpringt. Die Thiere finden ſich unter dem Mooſe, auf Steinen und auch in den Häuſern, ſchweifen aber beſonders bei Nacht umher. Lepisma; Machilis. Man kennt keine foſſilen Repräſentanten der flügelloſen Inſekten. 36*

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Zitationshilfe: Vogt, Carl: Zoologische Briefe. Bd. 1. Frankfurt (Main), 1851, S. 563. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/vogt_briefe01_1851/569>, abgerufen am 26.06.2019.