Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867.

Bild:
<< vorherige Seite
[Spaltenumbruch]
Aufküssen.

Er küsst sein Gebetbuch auf.

Der Bigote.


Aufladen.

1 Mer muss sich nit mehr uflade, as mer trage' kann. - Tendlau, 840.

2 Wenn einer aufladet und zwei ab, wird der Wagen nicht voll.

3 Wenn man schief aufladet, fällt der Wagen um.


Aufliegen.

Des ligt mer af1 wei mei' eirsts Hemmed, des aff'n Buck'l nit zammganga is. (Nürnberg.) - Frommann, VI, 416, 30.

1) Afliegen = auf-, d. i. anliegen, am Herzen liegen.


Aufmerken.

1 Wer aufmerkt, findet auch, und wär's Koth im Hause.

2 Wer genau aufmerkt und ruhig überlegt, der urtheilt (richtet) wohl.

It.: Saggiamente giudica, chi bene ascolta, e tardi giudica.


Aufmutzen.

*1 A mutzt' em a Ding balde uf. - Robinson, 768.

*2 Einem etwas aufmutzen. - Grimm, I, 692.

*3 Ihr müst eem a Ding nich ufmutzen. - Gomolcke, 624.


Aufnehmen.

1 Ist man wo gut aufgenommen, muss man nicht bald wiederkommen.

*2 Er wird aufgenommen wie der Fuchs unter den Hühnern.

Frz.: Il vient la comme un chien dans un jeu de quilles.

*3 Er wird aufgenommen wie die Eule unter den Vögeln.

*4 Er wird aufgenommen wie die Katze unter den Mäusen.

*5 Er (es) wird aufgenommen wie ein heisser Teufel. (Lit.)


Aufpassen.

1 Pass auf, Bauer, der Bürger kommt. (Holst.)

Dies sagt in der Regel der, dem ein anderer zumuthet, ihm aufzuwarten. Bist du mehr als ich, dass ich für dich aufpassen soll?

2 Uppassen is de Bösskupp. (Ostfries.)

*3 Er passt auf wie ein Schiesshund. (Schles.) - Schles. Provinzialblatt, 1862, S. 570.


Aufpauken.

* Einem was aufpauken. - Eiselein, 44.


Aufpelzen.

Ementerm äst afpelzen. (Siebenbürg.-sächsisch.) - Frommann, V.

Jemandem etwas aufpelzen, d. h. ihn zum besten haben.


Aufprellen.

Prällt a doch uf wie a Furtz im Boade. - Gomolcke, 857.


Aufputzen.

Sie ist aufgeputzt wie der Palmesel acht Tage vor Ostern.


Aufquillen.

* Er quillt auf wie a Povis (Bovis). (Hirschberg.)


Aufräumen.

1 Räum' auf, halt nichts, ist sein Begier.

2 Räum' auf, Mariechen!

Wenn Verwirrung in Wirthschaft, Kopf und Rede herrscht.

Holl.: Helder op, Machidtje. (Sprenger IV.)


Aufräumer.

* Er ist ein Aufräumer (Dieb).


Aufrecht.

1 Aufrecht hat (ist) Gott lieb. - Simrock, 610.

2 Ufrecht, d' Auge sind obe. (Gegend am Thunersee.)


Aufrichten.

1 Wer sich aufrichten will, dem soll man (auf-) helfen.

*2 Er richtet sich auf wie die Laus im Grind. - Geiler.


Aufrichtig.

*1 Er ist aufrichtig wie eine Laus im Grind.

Der sich spreizende Bettelhochmuth. - Aufrichtig, soviel wie erhoben; Wortspiel von aufrichten.

*2 He is so uprichtig as'n Kohsteert (Kuhschwanz).

*3 So aufrichtig wie ein Zigeuner. - Winckler, X, 56.


[Spaltenumbruch]
Aufrichtigkeit.

1 Aufrichtigkeit ist ein seltsam Wildpret in unserer Zeit.

Holl.: Opregtheid woont meest bij een voudigheid. (Harrebomee, II, 152.)

Lat.: Candor in hoc aevo res intermortua paene est.

2 Die Uprichtigkeit is slapen egan. - Schambach, 154.

Klage über Abnahme der Aufrichtigkeit, die "schlafen gegangen" sei.

3 Wer Aufrichtigkeit sucht beim Fuchse, Demuth beim Pfauen, Fasttag beim Wolfe, beim Tode Respect, dess Verstand ist versteckt.


Aufrufen.

Ruf mich uf mit kol-honorim (allen Knaben). (Jüd.-deutsch.) - Tendlau, 220.

Um dich an mir zu rächen, magst du mich mit allen Knaben im Tempel zur Vorlesung aufrufen. Die Knaben haben den Segenspruch noch nicht zu sprechen; ein Erwachsener muss sie begleiten und muss deshalb manchen Scherz erdulden.


Aufruhr.

Das ist Aufruhr, sagte Schöps, da fiel ein Fliegendreck in eine Pfütze.

Holl.: Dat gelijkt wel een' tuimelgeest, zei Bastiaan, en hij zag een' stront van de kaai in het water rollen. (Harrebomee, I, 32.)


Aufsagen.

Man muss einmal aufsagen, was man gelernt hat.


Aufschieb.

Aufschieb ist ein Tagedieb. - Körte, 324; Weisheit, 7.


Aufschieben.

1 Apsküwen hä thi Hinger skeben. (Nordfries.)

Aufschieben hat der Henker geschaffen. - So sehr fühlte der alte Friese die Schädlichkeit des Aufschubs, wo es etwas Gutes galt.

2 Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. - Luther, 424; Sprichwörterschatz, I, 216; Reche, I, 12; Ramann, Samml., I, 4; Steiger, 213; Härlin, 35; Schonheim.

Was wegen gewisser Umstände einstweilen bleiben musste, kann zu einer günstigern Zeit nachgeholt werden.

Engl.: All is not lost, that is delayed. - Forbearance is no acquittance.

Frz.: Ce qui est differe n'est pas perdu.

Holl.: Uitstel is geen afstel (kwijtschel). - Van uitstel komt afstel. (Harrebomee, II, 352.)

Lat.: Quod differtur non aufertur.

Ung.: A regi kölcsönözes se ajandek.

3 Besser aufgeschoben als aufgehoben.

Frz.: Il vaut mieux tard, que jamais.


Aufschiessen.

Er ist aufgeschossen (über Nacht) wie ein Pilz.


Aufschläge.

Trockene Aufschläge auf den Hintern sind gut für dicke Ohren.


Aufschmeissen.

*1 A schmeisst'n uhf, doss'm der Arsch brummt. (Schles.)

*2 A schmeisst'n uhf wie an Biehmageige. (Schles.)

Er schmeisst ihn auf wie eine Geige für einen Silbergroschen, welche letztern in Schlesien hin und wieder noch "Böhmen" genannt werden.


Aufschneiden.

*1 Er schneidet auf wie ein Barbier.

Frz.: Glorieux comme un barbier.

*2 Er schneidet derb auf, die Suppe wird gut werden.

Frz.: Faire, dire des gasconnades.

Lat.: Projicit ampullas et sesquipedalia verba. (Horaz.)

*3 Er schneidet gewaltig auf.

Vom Grossprahler. - "Unter dem grossen Messer hat man sich am ersten das Weidmesser zu denken, da bei lustigen Jägermahlen prahlerische Jagdgeschichten vorgetragen werden." (Grimm.)


Aufschneider.

*1 Er ist ein Aufschneider.

*2 'S is a rechter Ufschneeder. - Gomolcke, 969; Robinson, 776.


Aufschöpfen.

* Schöpf' auf und zettle nicht!

Mache es ordentlich oder lass es ganz bleiben.


Aufschreiben.

1 Skriw't ap mä Kritj, an drüggi't ütj mä Schitj. (Nordfries.)

Schreib's auf mit Kreide und wisch' es aus mit Schiss; d. h. du kriegst doch nichts für deine Forderung.

2 Skriw't man ap un Skaarstian. (Nordfries.)

Schreib's nur auf (an) im Schornstein, wo es durch den Rauch bald ausgelöscht oder verdeckt wird.


[Spaltenumbruch]
Aufküssen.

Er küsst sein Gebetbuch auf.

Der Bigote.


Aufladen.

1 Mer muss sich nit mehr uflade, as mer trage' kann.Tendlau, 840.

2 Wenn einer aufladet und zwei ab, wird der Wagen nicht voll.

3 Wenn man schief aufladet, fällt der Wagen um.


Aufliegen.

Dês ligt mer af1 wêi mei' èirsts Hemmed, des aff'n Buck'l nit zammganga is. (Nürnberg.) – Frommann, VI, 416, 30.

1) Afliegen = auf-, d. i. anliegen, am Herzen liegen.


Aufmerken.

1 Wer aufmerkt, findet auch, und wär's Koth im Hause.

2 Wer genau aufmerkt und ruhig überlegt, der urtheilt (richtet) wohl.

It.: Saggiamente giudica, chi bene ascolta, e tardi giudica.


Aufmutzen.

*1 A mutzt' em a Ding balde uf.Robinson, 768.

*2 Einem etwas aufmutzen.Grimm, I, 692.

*3 Ihr müst eem a Ding nich ufmutzen.Gomolcke, 624.


Aufnehmen.

1 Ist man wo gut aufgenommen, muss man nicht bald wiederkommen.

*2 Er wird aufgenommen wie der Fuchs unter den Hühnern.

Frz.: Il vient là comme un chien dans un jeu de quilles.

*3 Er wird aufgenommen wie die Eule unter den Vögeln.

*4 Er wird aufgenommen wie die Katze unter den Mäusen.

*5 Er (es) wird aufgenommen wie ein heisser Teufel. (Lit.)


Aufpassen.

1 Pass auf, Bauer, der Bürger kommt. (Holst.)

Dies sagt in der Regel der, dem ein anderer zumuthet, ihm aufzuwarten. Bist du mehr als ich, dass ich für dich aufpassen soll?

2 Uppassen is de Bösskupp. (Ostfries.)

*3 Er passt auf wie ein Schiesshund. (Schles.) – Schles. Provinzialblatt, 1862, S. 570.


Aufpauken.

* Einem was aufpauken.Eiselein, 44.


Aufpelzen.

Ementerm äst afpêlzen. (Siebenbürg.-sächsisch.) – Frommann, V.

Jemandem etwas aufpelzen, d. h. ihn zum besten haben.


Aufprellen.

Prällt a doch uf wie a Furtz im Boade.Gomolcke, 857.


Aufputzen.

Sie ist aufgeputzt wie der Palmesel acht Tage vor Ostern.


Aufquillen.

* Er quillt auf wie a Povis (Bovis). (Hirschberg.)


Aufräumen.

1 Räum' auf, halt nichts, ist sein Begier.

2 Räum' auf, Mariechen!

Wenn Verwirrung in Wirthschaft, Kopf und Rede herrscht.

Holl.: Helder op, Machidtje. (Sprenger IV.)


Aufräumer.

* Er ist ein Aufräumer (Dieb).


Aufrecht.

1 Aufrecht hat (ist) Gott lieb.Simrock, 610.

2 Ufrecht, d' Auge sind obe. (Gegend am Thunersee.)


Aufrichten.

1 Wer sich aufrichten will, dem soll man (auf-) helfen.

*2 Er richtet sich auf wie die Laus im Grind.Geiler.


Aufrichtig.

*1 Er ist aufrichtig wie eine Laus im Grind.

Der sich spreizende Bettelhochmuth. – Aufrichtig, soviel wie erhoben; Wortspiel von aufrichten.

*2 He is so uprichtig as'n Kohsteert (Kuhschwanz).

*3 So aufrichtig wie ein Zigeuner.Winckler, X, 56.


[Spaltenumbruch]
Aufrichtigkeit.

1 Aufrichtigkeit ist ein seltsam Wildpret in unserer Zeit.

Holl.: Opregtheid woont meest bij een voudigheid. (Harrebomée, II, 152.)

Lat.: Candor in hoc aevo res intermortua paene est.

2 Die Uprichtigkeit is slâpen egân.Schambach, 154.

Klage über Abnahme der Aufrichtigkeit, die „schlafen gegangen“ sei.

3 Wer Aufrichtigkeit sucht beim Fuchse, Demuth beim Pfauen, Fasttag beim Wolfe, beim Tode Respect, dess Verstand ist versteckt.


Aufrufen.

Ruf mich uf mit kol-honorim (allen Knaben). (Jüd.-deutsch.) – Tendlau, 220.

Um dich an mir zu rächen, magst du mich mit allen Knaben im Tempel zur Vorlesung aufrufen. Die Knaben haben den Segenspruch noch nicht zu sprechen; ein Erwachsener muss sie begleiten und muss deshalb manchen Scherz erdulden.


Aufruhr.

Das ist Aufruhr, sagte Schöps, da fiel ein Fliegendreck in eine Pfütze.

Holl.: Dat gelijkt wel een' tuimelgeest, zei Bastiaan, en hij zag een' stront van de kaai in het water rollen. (Harrebomée, I, 32.)


Aufsagen.

Man muss einmal aufsagen, was man gelernt hat.


Aufschieb.

Aufschieb ist ein Tagedieb.Körte, 324; Weisheit, 7.


Aufschieben.

1 Apsküwen hä thi Hinger skeben. (Nordfries.)

Aufschieben hat der Henker geschaffen. – So sehr fühlte der alte Friese die Schädlichkeit des Aufschubs, wo es etwas Gutes galt.

2 Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.Luther, 424; Sprichwörterschatz, I, 216; Reche, I, 12; Ramann, Samml., I, 4; Steiger, 213; Härlin, 35; Schonheim.

Was wegen gewisser Umstände einstweilen bleiben musste, kann zu einer günstigern Zeit nachgeholt werden.

Engl.: All is not lost, that is delayed. – Forbearance is no acquittance.

Frz.: Ce qui est différé n'est pas perdu.

Holl.: Uitstel is geen afstel (kwijtschel). – Van uitstel komt afstel. (Harrebomée, II, 352.)

Lat.: Quod differtur non aufertur.

Ung.: A régi kölcsönözés se ajándék.

3 Besser aufgeschoben als aufgehoben.

Frz.: Il vaut mieux tard, que jamais.


Aufschiessen.

Er ist aufgeschossen (über Nacht) wie ein Pilz.


Aufschläge.

Trockene Aufschläge auf den Hintern sind gut für dicke Ohren.


Aufschmeissen.

*1 A schmeisst'n uhf, doss'm der Arsch brummt. (Schles.)

*2 A schmeisst'n uhf wie an Biehmageige. (Schles.)

Er schmeisst ihn auf wie eine Geige für einen Silbergroschen, welche letztern in Schlesien hin und wieder noch „Böhmen“ genannt werden.


Aufschneiden.

*1 Er schneidet auf wie ein Barbier.

Frz.: Glorieux comme un barbier.

*2 Er schneidet derb auf, die Suppe wird gut werden.

Frz.: Faire, dire des gasconnades.

Lat.: Projicit ampullas et sesquipedalia verba. (Horaz.)

*3 Er schneidet gewaltig auf.

Vom Grossprahler. – „Unter dem grossen Messer hat man sich am ersten das Weidmesser zu denken, da bei lustigen Jägermahlen prahlerische Jagdgeschichten vorgetragen werden.“ (Grimm.)


Aufschneider.

*1 Er ist ein Aufschneider.

*2 'S is a rechter Ufschneeder.Gomolcke, 969; Robinson, 776.


Aufschöpfen.

* Schöpf' auf und zettle nicht!

Mache es ordentlich oder lass es ganz bleiben.


Aufschreiben.

1 Skriw't ap mä Kritj, an drüggi't ütj mä Schitj. (Nordfries.)

Schreib's auf mit Kreide und wisch' es aus mit Schiss; d. h. du kriegst doch nichts für deine Forderung.

2 Skriw't man ap un Skaarstian. (Nordfries.)

Schreib's nur auf (an) im Schornstein, wo es durch den Rauch bald ausgelöscht oder verdeckt wird.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <pb facs="#f0110" n="[82]"/>
          <cb n="163"/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufküssen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Er küsst sein Gebetbuch auf.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Bigote.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufladen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Mer muss sich nit mehr uflade, as mer trage' kann.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tendlau, 840.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Wenn einer aufladet und zwei ab, wird der Wagen nicht voll.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Wenn man schief aufladet, fällt der Wagen um.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufliegen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Dês ligt mer af<hi rendition="#sup">1</hi> wêi mei' èirsts Hemmed, des aff'n Buck'l nit zammganga is.</hi> (<hi rendition="#i">Nürnberg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, VI, 416, 30.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Afliegen = auf-, d. i. anliegen, am Herzen liegen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufmerken.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Wer aufmerkt, findet auch, und wär's Koth im Hause.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Wer genau aufmerkt und ruhig überlegt, der urtheilt (richtet) wohl.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Saggiamente giudica, chi bene ascolta, e tardi giudica.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufmutzen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*1 A mutzt' em a Ding balde uf.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Robinson, 768.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 Einem etwas aufmutzen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Grimm, I, 692.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Ihr müst eem a Ding nich ufmutzen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 624.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufnehmen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Ist man wo gut aufgenommen, muss man nicht bald wiederkommen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Er wird aufgenommen wie der Fuchs unter den Hühnern.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il vient là comme un chien dans un jeu de quilles.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*3 Er wird aufgenommen wie die Eule unter den Vögeln.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*4 Er wird aufgenommen wie die Katze unter den Mäusen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Er (es) wird aufgenommen wie ein heisser Teufel.</hi> (<hi rendition="#i">Lit.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufpassen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Pass auf, Bauer, der Bürger kommt.</hi> (<hi rendition="#i">Holst.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Dies sagt in der Regel der, dem ein anderer zumuthet, ihm aufzuwarten. Bist du mehr als ich, dass ich für dich aufpassen soll?</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Uppassen is de Bösskupp.</hi> (<hi rendition="#i">Ostfries.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Er passt auf wie ein Schiesshund.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schles. Provinzialblatt, 1862, S. 570.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufpauken.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Einem was aufpauken.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 44.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufpelzen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Ementerm äst afpêlzen.</hi> (<hi rendition="#i">Siebenbürg.-sächsisch.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Jemandem etwas aufpelzen, d. h. ihn zum besten haben.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufprellen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Prällt a doch uf wie a Furtz im Boade.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 857.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufputzen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Sie ist aufgeputzt wie der Palmesel acht Tage vor Ostern.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufquillen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Er quillt auf wie a Povis (Bovis).</hi> (<hi rendition="#i">Hirschberg.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufräumen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Räum' auf, halt nichts, ist sein Begier.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Räum' auf, Mariechen!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn Verwirrung in Wirthschaft, Kopf und Rede herrscht.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Helder op, Machidtje. (<hi rendition="#i">Sprenger IV.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufräumer.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er ist ein Aufräumer (Dieb).</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufrecht.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Aufrecht hat (ist) Gott lieb.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 610.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Ufrecht, d' Auge sind obe.</hi> (<hi rendition="#i">Gegend am Thunersee.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufrichten.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Wer sich aufrichten will, dem soll man (auf-) helfen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 Er richtet sich auf wie die Laus im Grind.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Geiler.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufrichtig.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*1 Er ist aufrichtig wie eine Laus im Grind.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Der sich spreizende Bettelhochmuth. &#x2013; Aufrichtig, soviel wie erhoben; Wortspiel von aufrichten.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 He is so uprichtig as'n Kohsteert (Kuhschwanz).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 So aufrichtig wie ein Zigeuner.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Winckler, X, 56.</hi></p><lb/>
          <cb n="164"/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufrichtigkeit.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Aufrichtigkeit ist ein seltsam Wildpret in unserer Zeit.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Opregtheid woont meest bij een voudigheid. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 152.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Candor in hoc aevo res intermortua paene est.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Die Uprichtigkeit is slâpen egân.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schambach, 154.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Klage über Abnahme der Aufrichtigkeit, die &#x201E;schlafen gegangen&#x201C; sei.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Wer Aufrichtigkeit sucht beim Fuchse, Demuth beim Pfauen, Fasttag beim Wolfe, beim Tode Respect, dess Verstand ist versteckt.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufrufen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Ruf mich uf mit kol-honorim (allen Knaben).</hi> (<hi rendition="#i">Jüd.-deutsch.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Tendlau, 220.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Um dich an mir zu rächen, magst du mich mit allen Knaben im Tempel zur Vorlesung aufrufen. Die Knaben haben den Segenspruch noch nicht zu sprechen; ein Erwachsener muss sie begleiten und muss deshalb manchen Scherz erdulden.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufruhr.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Das ist Aufruhr, sagte Schöps, da fiel ein Fliegendreck in eine Pfütze.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Dat gelijkt wel een' tuimelgeest, zei Bastiaan, en hij zag een' stront van de kaai in het water rollen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 32.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufsagen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Man muss einmal aufsagen, was man gelernt hat.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufschieb.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Aufschieb ist ein Tagedieb.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 324; Weisheit, 7.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufschieben.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Apsküwen hä thi Hinger skeben.</hi> (<hi rendition="#i">Nordfries.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Aufschieben hat der Henker geschaffen. &#x2013; So sehr fühlte der alte Friese die Schädlichkeit des Aufschubs, wo es etwas Gutes galt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Luther, 424; Sprichwörterschatz, I, 216; Reche, I, 12; Ramann, Samml., I, 4; Steiger, 213; Härlin, 35; Schonheim.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Was wegen gewisser Umstände einstweilen bleiben musste, kann zu einer günstigern Zeit nachgeholt werden.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: All is not lost, that is delayed. &#x2013; Forbearance is no acquittance.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Ce qui est différé n'est pas perdu.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Uitstel is geen afstel (kwijtschel). &#x2013; Van uitstel komt afstel. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 352.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Quod differtur non aufertur.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Ung.</hi>: A régi kölcsönözés se ajándék.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Besser aufgeschoben als aufgehoben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il vaut mieux tard, que jamais.</p><lb/>
          <p/><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufschiessen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Er ist aufgeschossen (über Nacht) wie ein Pilz.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufschläge.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Trockene Aufschläge auf den Hintern sind gut für dicke Ohren.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufschmeissen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*1 A schmeisst'n uhf, doss'm der Arsch brummt.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 A schmeisst'n uhf wie an Biehmageige.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Er schmeisst ihn auf wie eine Geige für einen Silbergroschen, welche letztern in Schlesien hin und wieder noch &#x201E;Böhmen&#x201C; genannt werden.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufschneiden.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*1 Er schneidet auf wie ein Barbier.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Glorieux comme un barbier.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Er schneidet derb auf, die Suppe wird gut werden.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Faire, dire des gasconnades.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Projicit ampullas et sesquipedalia verba. (<hi rendition="#i">Horaz.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*3 Er schneidet gewaltig auf.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Vom Grossprahler. &#x2013; &#x201E;Unter dem grossen Messer hat man sich am ersten das Weidmesser zu denken, da bei lustigen Jägermahlen prahlerische Jagdgeschichten vorgetragen werden.&#x201C; (<hi rendition="#i">Grimm.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufschneider.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*1 Er ist ein Aufschneider.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 'S is a rechter Ufschneeder.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 969; Robinson, 776.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufschöpfen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Schöpf' auf und zettle nicht!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Mache es ordentlich oder lass es ganz bleiben.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aufschreiben.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Skriw't ap mä Kritj, an drüggi't ütj mä Schitj.</hi> (<hi rendition="#i">Nordfries.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Schreib's auf mit Kreide und wisch' es aus mit Schiss; d. h. du kriegst doch nichts für deine Forderung.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Skriw't man ap un Skaarstian.</hi> (<hi rendition="#i">Nordfries.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Schreib's nur auf (an) im Schornstein, wo es durch den Rauch bald ausgelöscht oder verdeckt wird.</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[82]/0110] Aufküssen. Er küsst sein Gebetbuch auf. Der Bigote. Aufladen. 1 Mer muss sich nit mehr uflade, as mer trage' kann. – Tendlau, 840. 2 Wenn einer aufladet und zwei ab, wird der Wagen nicht voll. 3 Wenn man schief aufladet, fällt der Wagen um. Aufliegen. Dês ligt mer af1 wêi mei' èirsts Hemmed, des aff'n Buck'l nit zammganga is. (Nürnberg.) – Frommann, VI, 416, 30. 1) Afliegen = auf-, d. i. anliegen, am Herzen liegen. Aufmerken. 1 Wer aufmerkt, findet auch, und wär's Koth im Hause. 2 Wer genau aufmerkt und ruhig überlegt, der urtheilt (richtet) wohl. It.: Saggiamente giudica, chi bene ascolta, e tardi giudica. Aufmutzen. *1 A mutzt' em a Ding balde uf. – Robinson, 768. *2 Einem etwas aufmutzen. – Grimm, I, 692. *3 Ihr müst eem a Ding nich ufmutzen. – Gomolcke, 624. Aufnehmen. 1 Ist man wo gut aufgenommen, muss man nicht bald wiederkommen. *2 Er wird aufgenommen wie der Fuchs unter den Hühnern. Frz.: Il vient là comme un chien dans un jeu de quilles. *3 Er wird aufgenommen wie die Eule unter den Vögeln. *4 Er wird aufgenommen wie die Katze unter den Mäusen. *5 Er (es) wird aufgenommen wie ein heisser Teufel. (Lit.) Aufpassen. 1 Pass auf, Bauer, der Bürger kommt. (Holst.) Dies sagt in der Regel der, dem ein anderer zumuthet, ihm aufzuwarten. Bist du mehr als ich, dass ich für dich aufpassen soll? 2 Uppassen is de Bösskupp. (Ostfries.) *3 Er passt auf wie ein Schiesshund. (Schles.) – Schles. Provinzialblatt, 1862, S. 570. Aufpauken. * Einem was aufpauken. – Eiselein, 44. Aufpelzen. Ementerm äst afpêlzen. (Siebenbürg.-sächsisch.) – Frommann, V. Jemandem etwas aufpelzen, d. h. ihn zum besten haben. Aufprellen. Prällt a doch uf wie a Furtz im Boade. – Gomolcke, 857. Aufputzen. Sie ist aufgeputzt wie der Palmesel acht Tage vor Ostern. Aufquillen. * Er quillt auf wie a Povis (Bovis). (Hirschberg.) Aufräumen. 1 Räum' auf, halt nichts, ist sein Begier. 2 Räum' auf, Mariechen! Wenn Verwirrung in Wirthschaft, Kopf und Rede herrscht. Holl.: Helder op, Machidtje. (Sprenger IV.) Aufräumer. * Er ist ein Aufräumer (Dieb). Aufrecht. 1 Aufrecht hat (ist) Gott lieb. – Simrock, 610. 2 Ufrecht, d' Auge sind obe. (Gegend am Thunersee.) Aufrichten. 1 Wer sich aufrichten will, dem soll man (auf-) helfen. *2 Er richtet sich auf wie die Laus im Grind. – Geiler. Aufrichtig. *1 Er ist aufrichtig wie eine Laus im Grind. Der sich spreizende Bettelhochmuth. – Aufrichtig, soviel wie erhoben; Wortspiel von aufrichten. *2 He is so uprichtig as'n Kohsteert (Kuhschwanz). *3 So aufrichtig wie ein Zigeuner. – Winckler, X, 56. Aufrichtigkeit. 1 Aufrichtigkeit ist ein seltsam Wildpret in unserer Zeit. Holl.: Opregtheid woont meest bij een voudigheid. (Harrebomée, II, 152.) Lat.: Candor in hoc aevo res intermortua paene est. 2 Die Uprichtigkeit is slâpen egân. – Schambach, 154. Klage über Abnahme der Aufrichtigkeit, die „schlafen gegangen“ sei. 3 Wer Aufrichtigkeit sucht beim Fuchse, Demuth beim Pfauen, Fasttag beim Wolfe, beim Tode Respect, dess Verstand ist versteckt. Aufrufen. Ruf mich uf mit kol-honorim (allen Knaben). (Jüd.-deutsch.) – Tendlau, 220. Um dich an mir zu rächen, magst du mich mit allen Knaben im Tempel zur Vorlesung aufrufen. Die Knaben haben den Segenspruch noch nicht zu sprechen; ein Erwachsener muss sie begleiten und muss deshalb manchen Scherz erdulden. Aufruhr. Das ist Aufruhr, sagte Schöps, da fiel ein Fliegendreck in eine Pfütze. Holl.: Dat gelijkt wel een' tuimelgeest, zei Bastiaan, en hij zag een' stront van de kaai in het water rollen. (Harrebomée, I, 32.) Aufsagen. Man muss einmal aufsagen, was man gelernt hat. Aufschieb. Aufschieb ist ein Tagedieb. – Körte, 324; Weisheit, 7. Aufschieben. 1 Apsküwen hä thi Hinger skeben. (Nordfries.) Aufschieben hat der Henker geschaffen. – So sehr fühlte der alte Friese die Schädlichkeit des Aufschubs, wo es etwas Gutes galt. 2 Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. – Luther, 424; Sprichwörterschatz, I, 216; Reche, I, 12; Ramann, Samml., I, 4; Steiger, 213; Härlin, 35; Schonheim. Was wegen gewisser Umstände einstweilen bleiben musste, kann zu einer günstigern Zeit nachgeholt werden. Engl.: All is not lost, that is delayed. – Forbearance is no acquittance. Frz.: Ce qui est différé n'est pas perdu. Holl.: Uitstel is geen afstel (kwijtschel). – Van uitstel komt afstel. (Harrebomée, II, 352.) Lat.: Quod differtur non aufertur. Ung.: A régi kölcsönözés se ajándék. 3 Besser aufgeschoben als aufgehoben. Frz.: Il vaut mieux tard, que jamais. Aufschiessen. Er ist aufgeschossen (über Nacht) wie ein Pilz. Aufschläge. Trockene Aufschläge auf den Hintern sind gut für dicke Ohren. Aufschmeissen. *1 A schmeisst'n uhf, doss'm der Arsch brummt. (Schles.) *2 A schmeisst'n uhf wie an Biehmageige. (Schles.) Er schmeisst ihn auf wie eine Geige für einen Silbergroschen, welche letztern in Schlesien hin und wieder noch „Böhmen“ genannt werden. Aufschneiden. *1 Er schneidet auf wie ein Barbier. Frz.: Glorieux comme un barbier. *2 Er schneidet derb auf, die Suppe wird gut werden. Frz.: Faire, dire des gasconnades. Lat.: Projicit ampullas et sesquipedalia verba. (Horaz.) *3 Er schneidet gewaltig auf. Vom Grossprahler. – „Unter dem grossen Messer hat man sich am ersten das Weidmesser zu denken, da bei lustigen Jägermahlen prahlerische Jagdgeschichten vorgetragen werden.“ (Grimm.) Aufschneider. *1 Er ist ein Aufschneider. *2 'S is a rechter Ufschneeder. – Gomolcke, 969; Robinson, 776. Aufschöpfen. * Schöpf' auf und zettle nicht! Mache es ordentlich oder lass es ganz bleiben. Aufschreiben. 1 Skriw't ap mä Kritj, an drüggi't ütj mä Schitj. (Nordfries.) Schreib's auf mit Kreide und wisch' es aus mit Schiss; d. h. du kriegst doch nichts für deine Forderung. 2 Skriw't man ap un Skaarstian. (Nordfries.) Schreib's nur auf (an) im Schornstein, wo es durch den Rauch bald ausgelöscht oder verdeckt wird.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:54:38Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:54:38Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/110
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867, S. [82]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/110>, abgerufen am 21.10.2020.