Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867.

Bild:
<< vorherige Seite
[Spaltenumbruch]
Ausspucken.

Spuck aus!

Zur Abwehr eines Uebels. Wenn eine Verwünschung ausgesprochen wird, pflegt man auszuspucken, damit sie nicht eintreffe. Ueberrest eines alten Aberglaubens, der das Ausspucken als Schutzmittel wider drohende Uebel betrachtete.

Lat.: Despuere malum. (Plautus.) (Erasm., 201.)


Ausstechen.

* Einen ausstechen.

Sich in der Gunst anderer so stellen, dass er zurücktreten muss. Jemand den Vorrang abgewinnen.

Frz.: Couper a quelqu'un l'herbe sous le pied. - Damer le pion a quelqu'un.


Aussteigen.

Steig aus und schmad' dich! - Tendlau, 682.

Wenn dir die jüdischen Verhältnisse nicht zusagen, so tritt aus und lass dich taufen.


Ausstellen.

Gut aus(auf)gestellt ist halb verkauft.


Ausstopfen.

* Er ist ausgestopft wie ein Maulthiersattel.

Von denen, die viel Kleider übereinander angezogen haben.


Ausstreichen.

1 Ich will dich ausstreichen mit speck vnd kolen. - Tappius, 133a.

2 Ich will dich recht ausstreichen. - Tappius, 133a.

Lat.: Tuis te pingam coloribus. (Tappius, 133a.)


Ausstudiren.

* Er hat ausstudirt.

Frz.: Il est au bout de son latin.


Austern.

1 Austern und (anmassliche) Dummköpfe sind schwer zu verdauen.

2 Faule Austern geben die schönsten Perlen.

3 Austern sind Austern, sagte der Bauer, als man ihm einen Teller (Schale) Schnecken brachte.

Holl.: Zijn dat nee die oesters, daar ge zoo lang van gesproken hebt! oroeg de boer aan zijn landheer en hij kreck blikreeken te eten. (Harrebomee, II, 132b.)


Austheilen.

1 Man soll austheilen, dass man wieder Mahlzeit halten kann.

2 Wer austheilen will am Abend, muss sparen am Morgen.

3 Wer austheilen will, muss auch einnehmen. - Simrock, 668.

Lat.: Caedimus inque vicem praebemus crura sagittis. (Pers.)

4 Wer jümmer autteelt un nix werer kriegt, behält nix na. (Rendsburg.)

*5 Er theilt so viel Almosen aus, wie ein Fuchs Hühnerfleisch.


Austhun.

1 Man muss sich nicht eher austhun, bis man schlafen geht. (Eifel.)

Warnung vor frühzeitiger Uebergabe des Vermögens an Kinder.

*2 Er kann's austhun, wenn er will.


Austrag.

Austräge sind Austräge. - Pistor., III, 2.

Unter Austrägen ist im ersten Sinne ein Gericht für deutsche Immediaten zu verstehen, von Karl V. gebildet, um Streitfälle zu schlichten, ehe sie ans Reichskammergericht gelangten. Insofern diese Austräge nun viel Ausgaben herbeiführten, so wurden sie auch in einem andern Sinne Austräge des Geldes oder des Rechts der Parteien, da Karl V. bemerkte, sie trügen das Recht aus dem Lande.


Austragen.

* Trag's vor einen aus!


Austreiben.

Was du ausgetrieben hast, das hüte auch; in was du dich gesetzt, darin bleibe. (Lit.)


Austrinken.

1 Trink aus, so wird ein voller (fröhlich) Bruder draus! - Fischart, Gesch.

2 Wollen wir gar austrinken, so werden wir zu Narren. - Sailer, 154.

Vermeidung von Uebermass und Tollheit.


Austrommeln.

Einen austrommeln.

Früher wurden grobe Verbrecher unter öffentlichem Trommelschlag für infam erklärt.


Aus und ein wissen.

Er weiss weder aus noch ein.

Lat.: Errat ut a ventis discordibus acta phaselus. - Palpari in tenebris. (Aristoph.) - In puteo constrictus. (Erasm., 740.)


[Spaltenumbruch]
Auswählen.

1 Wer viel auswählt, wählt selten was Gutes. (Krain.)

2 Wer zu viel auswählen will, bleibt zuletzt ledig sitzen in der Still'. (Russ.)


Auswaschen.

* Er hat es ausgewaschen gleich dem (untersten) weissen Bast der Linde.

So sagt der Litauer, in dessen Wirthschaft der Bast eine bedeutende Rolle spielt, von einer sorgfältigen Arbeit.


Ausweg.

Keinen Ausweg wissen.

In grosser Verlegenheit sein.

Holl.: Overal weten zij uitwegen op.


Ausweichen.

Ausweichen muss man zur Rechten. - Simrock, 670.


Auswendig.

1 Auswendig ein Mensch, inwendig ein Wolf.

It.: Tal sembra in vista agnello, ch'al di dentro e lupo.

Lat.: In figura hominis feritas belluae.

2 Auswendig fein, inwendig ein Schwein.

3 Auswendig Glanz, inwendig der Sanct-Veitstanz. - Eiselein, 48.

Lat.: In eburnea vagina plumbeus gladius.

*4 Er kann's auswendig wie das Vaterunser.

*5 Er kann's auswendig wie die Sägemüller.


Auswuchs.

Je mehr Auswüchse ein Baum hat, desto mehr muss man ihn beschneiden.


Auswurf.

* Ein Auswurf der Menschheit.


Auszählen.

Ig bin ausgezählet, man wiset mir die Thür.


Auszeichnen.

Wer dich auszeichnen will, reiss' einem wilden Schweine ein Haar aus. (Türk.)


Ausziehen.

1 Dreimal ausgezogen, ist einmal abgebrannt.

Frz.: Trois demenagements valent un incendie.

2 Ek tein mek nich eer uth, as bet (bet dat) ek nah bedde gaae. - Schambach, 22.

Die Kinder finden es nur zu oft lästig, ihre alten und schwachen Aeltern bis zu deren Tode zu unterhalten und möchten dieser Pflicht gar zu gern enthoben sein.

3 Man mot sick nit eh'r uttrecken1, bet man tau Bedde geit. (Minden.) - Firmenich, I, 359, 5; Goldschmidt, 122.

1) Trecken = ziehen.

Frz.: Il ne faut pas se depouiller avant de se coucher.

4 Man mott sick nich eier uttein, äll wenn man to Bedde geit. (Bielefeld.) - Firmenich, I, 281.

5 Man muss sich nicht eher ausziehen, bis man schlafen geht.

Das Vermögen nicht vor seinem Tode aus den Händen geben.

6 Mancher zieht voll aus und kommt leer nach Haus.

7 Nümms treckt sich eh'r uth, eh'r he na Bedde geit. (Ostfries.)

8 Oft ausziehen kostet viel Bettstroh.

Holl.: Veel verhuizen kost veel bedstroo. (Harrebomee, I, 35.)

9 Wer nicht auszieht, kommt nicht heim. - Simrock, 671.

10 Zehnmal ausziehen ist so schlimm als einmal abbrennen.

*11 A muss sich doch alene auszein, und wenn a nuch su bese wär. - Frommann, III, 247.


Autor.

1 Autoren werden nicht reich. - Tendlau, 186.

Jüd.: Kothebe sepharim.

2 Wie der Autor, so das Buch.


Auweh.

1 Es ruffet keiner awe, es schad (oder mangelt) jm etwas. - Henisch, 156.

2 Man möchte Auweh und Juchhe schreien. (Oesterreich.) - Idioticon Austr.

Zugleich klagen und jauchzen, weinen und lachen.


Avanciren.

1 So avancirt man, sagte der Officier, und er hatte einen Vetter am Hofe.

*2 He awansert as de Lus up Terquast1. (Oldenburg.) - Frommann, V, 286, 665.

1) Theerquaste = eine grosse Bürste zum Anstreichen mit Theer.


Ave-Maria.

Was soll dazu (hier) das Ave-Maria!

Alles zu seiner Zeit und an seinem Orte.

It.: All' Ave Maria a casa o per la via.


[Spaltenumbruch]
Ausspucken.

Spuck aus!

Zur Abwehr eines Uebels. Wenn eine Verwünschung ausgesprochen wird, pflegt man auszuspucken, damit sie nicht eintreffe. Ueberrest eines alten Aberglaubens, der das Ausspucken als Schutzmittel wider drohende Uebel betrachtete.

Lat.: Despuere malum. (Plautus.) (Erasm., 201.)


Ausstechen.

* Einen ausstechen.

Sich in der Gunst anderer so stellen, dass er zurücktreten muss. Jemand den Vorrang abgewinnen.

Frz.: Couper à quelqu'un l'herbe sous le pied. – Damer le pion à quelqu'un.


Aussteigen.

Steig aus und schmad' dich!Tendlau, 682.

Wenn dir die jüdischen Verhältnisse nicht zusagen, so tritt aus und lass dich taufen.


Ausstellen.

Gut aus(auf)gestellt ist halb verkauft.


Ausstopfen.

* Er ist ausgestopft wie ein Maulthiersattel.

Von denen, die viel Kleider übereinander angezogen haben.


Ausstreichen.

1 Ich will dich ausstreichen mit speck vnd kolen.Tappius, 133a.

2 Ich will dich recht ausstreichen.Tappius, 133a.

Lat.: Tuis te pingam coloribus. (Tappius, 133a.)


Ausstudiren.

* Er hat ausstudirt.

Frz.: Il est au bout de son latin.


Austern.

1 Austern und (anmassliche) Dummköpfe sind schwer zu verdauen.

2 Faule Austern geben die schönsten Perlen.

3 Austern sind Austern, sagte der Bauer, als man ihm einen Teller (Schale) Schnecken brachte.

Holl.: Zijn dat nee die oesters, daar ge zoo lang van gesproken hebt! oroeg de boer aan zijn landheer en hij kreck blikreeken te eten. (Harrebomée, II, 132b.)


Austheilen.

1 Man soll austheilen, dass man wieder Mahlzeit halten kann.

2 Wer austheilen will am Abend, muss sparen am Morgen.

3 Wer austheilen will, muss auch einnehmen.Simrock, 668.

Lat.: Caedimus inque vicem praebemus crura sagittis. (Pers.)

4 Wer jümmer ûtteelt un nix werer kriegt, behält nix na. (Rendsburg.)

*5 Er theilt so viel Almosen aus, wie ein Fuchs Hühnerfleisch.


Austhun.

1 Man muss sich nicht eher austhun, bis man schlafen geht. (Eifel.)

Warnung vor frühzeitiger Uebergabe des Vermögens an Kinder.

*2 Er kann's austhun, wenn er will.


Austrag.

Austräge sind Austräge.Pistor., III, 2.

Unter Austrägen ist im ersten Sinne ein Gericht für deutsche Immediaten zu verstehen, von Karl V. gebildet, um Streitfälle zu schlichten, ehe sie ans Reichskammergericht gelangten. Insofern diese Austräge nun viel Ausgaben herbeiführten, so wurden sie auch in einem andern Sinne Austräge des Geldes oder des Rechts der Parteien, da Karl V. bemerkte, sie trügen das Recht aus dem Lande.


Austragen.

* Trag's vor einen aus!


Austreiben.

Was du ausgetrieben hast, das hüte auch; in was du dich gesetzt, darin bleibe. (Lit.)


Austrinken.

1 Trink aus, so wird ein voller (fröhlich) Bruder draus!Fischart, Gesch.

2 Wollen wir gar austrinken, so werden wir zu Narren.Sailer, 154.

Vermeidung von Uebermass und Tollheit.


Austrommeln.

Einen austrommeln.

Früher wurden grobe Verbrecher unter öffentlichem Trommelschlag für infam erklärt.


Aus und ein wissen.

Er weiss weder aus noch ein.

Lat.: Errat ut a ventis discordibus acta phaselus. – Palpari in tenebris. (Aristoph.) – In puteo constrictus. (Erasm., 740.)


[Spaltenumbruch]
Auswählen.

1 Wer viel auswählt, wählt selten was Gutes. (Krain.)

2 Wer zu viel auswählen will, bleibt zuletzt ledig sitzen in der Still'. (Russ.)


Auswaschen.

* Er hat es ausgewaschen gleich dem (untersten) weissen Bast der Linde.

So sagt der Litauer, in dessen Wirthschaft der Bast eine bedeutende Rolle spielt, von einer sorgfältigen Arbeit.


Ausweg.

Keinen Ausweg wissen.

In grosser Verlegenheit sein.

Holl.: Overal weten zij uitwegen op.


Ausweichen.

Ausweichen muss man zur Rechten.Simrock, 670.


Auswendig.

1 Auswendig ein Mensch, inwendig ein Wolf.

It.: Tal sembra in vista agnello, ch'al di dentro è lupo.

Lat.: In figura hominis feritas belluae.

2 Auswendig fein, inwendig ein Schwein.

3 Auswendig Glanz, inwendig der Sanct-Veitstanz.Eiselein, 48.

Lat.: In eburnea vagina plumbeus gladius.

*4 Er kann's auswendig wie das Vaterunser.

*5 Er kann's auswendig wie die Sägemüller.


Auswuchs.

Je mehr Auswüchse ein Baum hat, desto mehr muss man ihn beschneiden.


Auswurf.

* Ein Auswurf der Menschheit.


Auszählen.

Ig bin ausgezählet, man wiset mir die Thür.


Auszeichnen.

Wer dich auszeichnen will, reiss' einem wilden Schweine ein Haar aus. (Türk.)


Ausziehen.

1 Dreimal ausgezogen, ist einmal abgebrannt.

Frz.: Trois déménagements valent un incendie.

2 Ek tein mek nich eer uth, as bet (bet dat) ek nah bedde gaae.Schambach, 22.

Die Kinder finden es nur zu oft lästig, ihre alten und schwachen Aeltern bis zu deren Tode zu unterhalten und möchten dieser Pflicht gar zu gern enthoben sein.

3 Man mot sick nit eh'r uttrecken1, bet man tau Bedde geit. (Minden.) – Firmenich, I, 359, 5; Goldschmidt, 122.

1) Trecken = ziehen.

Frz.: Il ne faut pas se dépouiller avant de se coucher.

4 Man mott sick nich eier uttein, äll wenn man to Bedde geit. (Bielefeld.) – Firmenich, I, 281.

5 Man muss sich nicht eher ausziehen, bis man schlafen geht.

Das Vermögen nicht vor seinem Tode aus den Händen geben.

6 Mancher zieht voll aus und kommt leer nach Haus.

7 Nümms treckt sich eh'r uth, eh'r he na Bedde geit. (Ostfries.)

8 Oft ausziehen kostet viel Bettstroh.

Holl.: Veel verhuizen kost veel bedstroo. (Harrebomée, I, 35.)

9 Wer nicht auszieht, kommt nicht heim.Simrock, 671.

10 Zehnmal ausziehen ist so schlimm als einmal abbrennen.

*11 A muss sich doch alêne auszîn, und wenn a nuch su bêse wär.Frommann, III, 247.


Autor.

1 Autoren werden nicht reich.Tendlau, 186.

Jüd.: Kothebe sepharim.

2 Wie der Autor, so das Buch.


Auweh.

1 Es ruffet keiner awe, es schad (oder mangelt) jm etwas.Henisch, 156.

2 Man möchte Auweh und Juchhe schreien. (Oesterreich.) – Idioticon Austr.

Zugleich klagen und jauchzen, weinen und lachen.


Avanciren.

1 So avancirt man, sagte der Officier, und er hatte einen Vetter am Hofe.

*2 He awansêrt as de Lus up Têrquast1. (Oldenburg.) – Frommann, V, 286, 665.

1) Theerquaste = eine grosse Bürste zum Anstreichen mit Theer.


Ave-Maria.

Was soll dazu (hier) das Ave-Maria!

Alles zu seiner Zeit und an seinem Orte.

It.: All' Ave Maria a casa o per la via.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0133" n="[105]"/>
        <cb n="209"/>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ausspucken.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Spuck aus!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Zur Abwehr eines Uebels. Wenn eine Verwünschung ausgesprochen wird, pflegt man auszuspucken, damit sie nicht eintreffe. Ueberrest eines alten Aberglaubens, der das Ausspucken als Schutzmittel wider drohende Uebel betrachtete.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Despuere malum. (<hi rendition="#i">Plautus.</hi>) (<hi rendition="#i">Erasm., 201.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ausstechen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Einen ausstechen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Sich in der Gunst anderer so stellen, dass er zurücktreten muss. Jemand den Vorrang abgewinnen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Couper à quelqu'un l'herbe sous le pied. &#x2013; Damer le pion à quelqu'un.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aussteigen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Steig aus und schmad' dich!</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tendlau, 682.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn dir die jüdischen Verhältnisse nicht zusagen, so tritt aus und lass dich taufen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ausstellen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Gut aus(auf)gestellt ist halb verkauft.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ausstopfen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er ist ausgestopft wie ein Maulthiersattel.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Von denen, die viel Kleider übereinander angezogen haben.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ausstreichen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Ich will dich ausstreichen mit speck vnd kolen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tappius, 133<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Ich will dich recht ausstreichen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tappius, 133<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Tuis te pingam coloribus. (<hi rendition="#i">Tappius, 133<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ausstudiren.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er hat ausstudirt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il est au bout de son latin.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Austern.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Austern und (anmassliche) Dummköpfe sind schwer zu verdauen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Faule Austern geben die schönsten Perlen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Austern sind Austern, sagte der Bauer, als man ihm einen Teller (Schale) Schnecken brachte.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Zijn dat nee die oesters, daar ge zoo lang van gesproken hebt! oroeg de boer aan zijn landheer en hij kreck blikreeken te eten. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 132<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Austheilen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Man soll austheilen, dass man wieder Mahlzeit halten kann.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Wer austheilen will am Abend, muss sparen am Morgen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Wer austheilen will, muss auch einnehmen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 668.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Caedimus inque vicem praebemus crura sagittis. (<hi rendition="#i">Pers.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Wer jümmer ûtteelt un nix werer kriegt, behält nix na.</hi> (<hi rendition="#i">Rendsburg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*5 Er theilt so viel Almosen aus, wie ein Fuchs Hühnerfleisch.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Austhun.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Man muss sich nicht eher austhun, bis man schlafen geht.</hi> (<hi rendition="#i">Eifel.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Warnung vor frühzeitiger Uebergabe des Vermögens an Kinder.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Er kann's austhun, wenn er will.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Austrag.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Austräge sind Austräge.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Pistor., III, 2.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Unter Austrägen ist im ersten Sinne ein Gericht für deutsche Immediaten zu verstehen, von Karl V. gebildet, um Streitfälle zu schlichten, ehe sie ans Reichskammergericht gelangten. Insofern diese Austräge nun viel Ausgaben herbeiführten, so wurden sie auch in einem andern Sinne Austräge des Geldes oder des Rechts der Parteien, da Karl V. bemerkte, sie trügen das Recht aus dem Lande.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Austragen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Trag's vor einen aus!</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Austreiben.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Was du ausgetrieben hast, das hüte auch; in was du dich gesetzt, darin bleibe.</hi> (<hi rendition="#i">Lit.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Austrinken.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Trink aus, so wird ein voller (fröhlich) Bruder draus!</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Fischart, Gesch.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Wollen wir gar austrinken, so werden wir zu Narren.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sailer, 154.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Vermeidung von Uebermass und Tollheit.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Austrommeln.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Einen austrommeln.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Früher wurden grobe Verbrecher unter öffentlichem Trommelschlag für infam erklärt.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aus und ein wissen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Er weiss weder aus noch ein.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Errat ut a ventis discordibus acta phaselus. &#x2013; Palpari in tenebris. (<hi rendition="#i">Aristoph.</hi>) &#x2013; In puteo constrictus. (<hi rendition="#i">Erasm., 740.</hi>)</p><lb/>
          <cb n="210"/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Auswählen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Wer viel auswählt, wählt selten was Gutes.</hi> (<hi rendition="#i">Krain.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Wer zu viel auswählen will, bleibt zuletzt ledig sitzen in der Still'.</hi> (<hi rendition="#i">Russ.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Auswaschen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er hat es ausgewaschen gleich dem (untersten) weissen Bast der Linde.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">So sagt der Litauer, in dessen Wirthschaft der Bast eine bedeutende Rolle spielt, von einer sorgfältigen Arbeit.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ausweg.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Keinen Ausweg wissen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">In grosser Verlegenheit sein.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Overal weten zij uitwegen op.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ausweichen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Ausweichen muss man zur Rechten.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 670.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Auswendig.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Auswendig ein Mensch, inwendig ein Wolf.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Tal sembra in vista agnello, ch'al di dentro è lupo.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: In figura hominis feritas belluae.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Auswendig fein, inwendig ein Schwein.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Auswendig Glanz, inwendig der Sanct-Veitstanz.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 48.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: In eburnea vagina plumbeus gladius.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*4 Er kann's auswendig wie das Vaterunser.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*5 Er kann's auswendig wie die Sägemüller.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Auswuchs.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Je mehr Auswüchse ein Baum hat, desto mehr muss man ihn beschneiden.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Auswurf.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Ein Auswurf der Menschheit.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Auszählen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Ig bin ausgezählet, man wiset mir die Thür.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Auszeichnen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Wer dich auszeichnen will, reiss' einem wilden Schweine ein Haar aus.</hi> (<hi rendition="#i">Türk.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ausziehen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Dreimal ausgezogen, ist einmal abgebrannt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Trois déménagements valent un incendie.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Ek tein mek nich eer uth, as bet (bet dat) ek nah bedde gaae.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schambach, 22.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Kinder finden es nur zu oft lästig, ihre alten und schwachen Aeltern bis zu deren Tode zu unterhalten und möchten dieser Pflicht gar zu gern enthoben sein.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Man mot sick nit eh'r uttrecken<hi rendition="#sup">1</hi>, bet man tau Bedde geit.</hi> (<hi rendition="#i">Minden.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Firmenich, I, 359, 5; Goldschmidt, 122.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Trecken = ziehen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il ne faut pas se dépouiller avant de se coucher.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Man mott sick nich eier uttein, äll wenn man to Bedde geit.</hi> (<hi rendition="#i">Bielefeld.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Firmenich, I, 281.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Man muss sich nicht eher ausziehen, bis man schlafen geht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Das Vermögen nicht vor seinem Tode aus den Händen geben.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">6 Mancher zieht voll aus und kommt leer nach Haus.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Nümms treckt sich eh'r uth, eh'r he na Bedde geit.</hi> (<hi rendition="#i">Ostfries.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Oft ausziehen kostet viel Bettstroh.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Veel verhuizen kost veel bedstroo. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 35.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">9 Wer nicht auszieht, kommt nicht heim.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 671.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">10 Zehnmal ausziehen ist so schlimm als einmal abbrennen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*11 A muss sich doch alêne auszîn, und wenn a nuch su bêse wär.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, III, 247.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Autor.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Autoren werden nicht reich.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tendlau, 186.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Jüd.</hi>: Kothebe sepharim.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Wie der Autor, so das Buch.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Auweh.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Es ruffet keiner awe, es schad (oder mangelt) jm etwas.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 156.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Man möchte Auweh und Juchhe schreien.</hi> (<hi rendition="#i">Oesterreich.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Idioticon Austr.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Zugleich klagen und jauchzen, weinen und lachen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Avanciren.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 So avancirt man, sagte der Officier, und er hatte einen Vetter am Hofe.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 He awansêrt as de Lus up Têrquast<hi rendition="#sup">1</hi>.</hi> (<hi rendition="#i">Oldenburg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 286, 665.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Theerquaste = eine grosse Bürste zum Anstreichen mit Theer.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ave-Maria.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Was soll dazu (hier) das Ave-Maria!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Alles zu seiner Zeit und an seinem Orte.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: All' Ave Maria a casa o per la via.</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[105]/0133] Ausspucken. Spuck aus! Zur Abwehr eines Uebels. Wenn eine Verwünschung ausgesprochen wird, pflegt man auszuspucken, damit sie nicht eintreffe. Ueberrest eines alten Aberglaubens, der das Ausspucken als Schutzmittel wider drohende Uebel betrachtete. Lat.: Despuere malum. (Plautus.) (Erasm., 201.) Ausstechen. * Einen ausstechen. Sich in der Gunst anderer so stellen, dass er zurücktreten muss. Jemand den Vorrang abgewinnen. Frz.: Couper à quelqu'un l'herbe sous le pied. – Damer le pion à quelqu'un. Aussteigen. Steig aus und schmad' dich! – Tendlau, 682. Wenn dir die jüdischen Verhältnisse nicht zusagen, so tritt aus und lass dich taufen. Ausstellen. Gut aus(auf)gestellt ist halb verkauft. Ausstopfen. * Er ist ausgestopft wie ein Maulthiersattel. Von denen, die viel Kleider übereinander angezogen haben. Ausstreichen. 1 Ich will dich ausstreichen mit speck vnd kolen. – Tappius, 133a. 2 Ich will dich recht ausstreichen. – Tappius, 133a. Lat.: Tuis te pingam coloribus. (Tappius, 133a.) Ausstudiren. * Er hat ausstudirt. Frz.: Il est au bout de son latin. Austern. 1 Austern und (anmassliche) Dummköpfe sind schwer zu verdauen. 2 Faule Austern geben die schönsten Perlen. 3 Austern sind Austern, sagte der Bauer, als man ihm einen Teller (Schale) Schnecken brachte. Holl.: Zijn dat nee die oesters, daar ge zoo lang van gesproken hebt! oroeg de boer aan zijn landheer en hij kreck blikreeken te eten. (Harrebomée, II, 132b.) Austheilen. 1 Man soll austheilen, dass man wieder Mahlzeit halten kann. 2 Wer austheilen will am Abend, muss sparen am Morgen. 3 Wer austheilen will, muss auch einnehmen. – Simrock, 668. Lat.: Caedimus inque vicem praebemus crura sagittis. (Pers.) 4 Wer jümmer ûtteelt un nix werer kriegt, behält nix na. (Rendsburg.) *5 Er theilt so viel Almosen aus, wie ein Fuchs Hühnerfleisch. Austhun. 1 Man muss sich nicht eher austhun, bis man schlafen geht. (Eifel.) Warnung vor frühzeitiger Uebergabe des Vermögens an Kinder. *2 Er kann's austhun, wenn er will. Austrag. Austräge sind Austräge. – Pistor., III, 2. Unter Austrägen ist im ersten Sinne ein Gericht für deutsche Immediaten zu verstehen, von Karl V. gebildet, um Streitfälle zu schlichten, ehe sie ans Reichskammergericht gelangten. Insofern diese Austräge nun viel Ausgaben herbeiführten, so wurden sie auch in einem andern Sinne Austräge des Geldes oder des Rechts der Parteien, da Karl V. bemerkte, sie trügen das Recht aus dem Lande. Austragen. * Trag's vor einen aus! Austreiben. Was du ausgetrieben hast, das hüte auch; in was du dich gesetzt, darin bleibe. (Lit.) Austrinken. 1 Trink aus, so wird ein voller (fröhlich) Bruder draus! – Fischart, Gesch. 2 Wollen wir gar austrinken, so werden wir zu Narren. – Sailer, 154. Vermeidung von Uebermass und Tollheit. Austrommeln. Einen austrommeln. Früher wurden grobe Verbrecher unter öffentlichem Trommelschlag für infam erklärt. Aus und ein wissen. Er weiss weder aus noch ein. Lat.: Errat ut a ventis discordibus acta phaselus. – Palpari in tenebris. (Aristoph.) – In puteo constrictus. (Erasm., 740.) Auswählen. 1 Wer viel auswählt, wählt selten was Gutes. (Krain.) 2 Wer zu viel auswählen will, bleibt zuletzt ledig sitzen in der Still'. (Russ.) Auswaschen. * Er hat es ausgewaschen gleich dem (untersten) weissen Bast der Linde. So sagt der Litauer, in dessen Wirthschaft der Bast eine bedeutende Rolle spielt, von einer sorgfältigen Arbeit. Ausweg. Keinen Ausweg wissen. In grosser Verlegenheit sein. Holl.: Overal weten zij uitwegen op. Ausweichen. Ausweichen muss man zur Rechten. – Simrock, 670. Auswendig. 1 Auswendig ein Mensch, inwendig ein Wolf. It.: Tal sembra in vista agnello, ch'al di dentro è lupo. Lat.: In figura hominis feritas belluae. 2 Auswendig fein, inwendig ein Schwein. 3 Auswendig Glanz, inwendig der Sanct-Veitstanz. – Eiselein, 48. Lat.: In eburnea vagina plumbeus gladius. *4 Er kann's auswendig wie das Vaterunser. *5 Er kann's auswendig wie die Sägemüller. Auswuchs. Je mehr Auswüchse ein Baum hat, desto mehr muss man ihn beschneiden. Auswurf. * Ein Auswurf der Menschheit. Auszählen. Ig bin ausgezählet, man wiset mir die Thür. Auszeichnen. Wer dich auszeichnen will, reiss' einem wilden Schweine ein Haar aus. (Türk.) Ausziehen. 1 Dreimal ausgezogen, ist einmal abgebrannt. Frz.: Trois déménagements valent un incendie. 2 Ek tein mek nich eer uth, as bet (bet dat) ek nah bedde gaae. – Schambach, 22. Die Kinder finden es nur zu oft lästig, ihre alten und schwachen Aeltern bis zu deren Tode zu unterhalten und möchten dieser Pflicht gar zu gern enthoben sein. 3 Man mot sick nit eh'r uttrecken1, bet man tau Bedde geit. (Minden.) – Firmenich, I, 359, 5; Goldschmidt, 122. 1) Trecken = ziehen. Frz.: Il ne faut pas se dépouiller avant de se coucher. 4 Man mott sick nich eier uttein, äll wenn man to Bedde geit. (Bielefeld.) – Firmenich, I, 281. 5 Man muss sich nicht eher ausziehen, bis man schlafen geht. Das Vermögen nicht vor seinem Tode aus den Händen geben. 6 Mancher zieht voll aus und kommt leer nach Haus. 7 Nümms treckt sich eh'r uth, eh'r he na Bedde geit. (Ostfries.) 8 Oft ausziehen kostet viel Bettstroh. Holl.: Veel verhuizen kost veel bedstroo. (Harrebomée, I, 35.) 9 Wer nicht auszieht, kommt nicht heim. – Simrock, 671. 10 Zehnmal ausziehen ist so schlimm als einmal abbrennen. *11 A muss sich doch alêne auszîn, und wenn a nuch su bêse wär. – Frommann, III, 247. Autor. 1 Autoren werden nicht reich. – Tendlau, 186. Jüd.: Kothebe sepharim. 2 Wie der Autor, so das Buch. Auweh. 1 Es ruffet keiner awe, es schad (oder mangelt) jm etwas. – Henisch, 156. 2 Man möchte Auweh und Juchhe schreien. (Oesterreich.) – Idioticon Austr. Zugleich klagen und jauchzen, weinen und lachen. Avanciren. 1 So avancirt man, sagte der Officier, und er hatte einen Vetter am Hofe. *2 He awansêrt as de Lus up Têrquast1. (Oldenburg.) – Frommann, V, 286, 665. 1) Theerquaste = eine grosse Bürste zum Anstreichen mit Theer. Ave-Maria. Was soll dazu (hier) das Ave-Maria! Alles zu seiner Zeit und an seinem Orte. It.: All' Ave Maria a casa o per la via.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:54:38Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:54:38Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/133
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867, S. [105]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/133>, abgerufen am 21.10.2020.