Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] 20 Erst gesundes Blut, dann grosses Gut und schöner Hut.

21 Erst kommt gesundes Blut, darauf ein schöner Hut und dann erst grosses Gut.

Plato ordnet: Gesundheit, Schönheit, Reichthum. Ein anderer Weiser sagt: "Gesund und weise sind zwei Güter des Lebens zumal; darum sorge, dass in einem gesunden Leibe eine gesunde Seele wohne."

22 Et is kein Blaut so dünne, et rinnet näu. (Westf.)

Will sagen, dass auch entfernte Verwandte Anhänglichkeit aneinander haben.

Dän.: Hvor blodet ei kand komme hen, der kryber det hen. - Blodet kryber der intet kand gaae.

Holl.: Het bloed kruipt, daar het niet gaan kan, zei de bankeroetier, en hij veegde zijn gat tegen de poort aan. (Harrebomee, I, 31.)

23 Frisch, frei und unverzagtes Blut ist junger Gesellen Heirathsgut.

Lat.: Primum recte valere, proxima forma, tertio loco divitiae. (Erasm., 121.)

24 Frünnes Blaut dat quillt, und wenn et ak mant ein Droppen is. - Schambach, 25.

Das Schicksal unserer Freunde und Verwandten, auch wenn die Verwandtschaft entfernt ist, erregt unsere Theilnahme. Beleidigungen und Mishandlungen, die ihnen widerfahren, erregen unsern Zorn.

25 Gleich Blut, gleiche Glut und gleiche Jahre machen die besten Paare. - Sailer, 70; Eiselein, 85.

Engl.: Like blood, like good and like age make the happiest marriage. (Bohn II, 443.)

It.: Ove non e ugualita, non ci e mai perfetto amore. (Pazzaglia, 16.)

Lat.: Cascus cascam ducit (i. e. vetulus annum). (Philippi, I, 74.) - Si qua voles apte nubere, nube pari. (Philippi, II, 190.)

Ung.: Hogyha hazasodni akarsz, vegy magadhoz hasonlot. (Gaal, 736.)

26 Gleiches Blut, gleiche Glut.

27 Gut Blut lügt nicht.

Der gutgeartete Mensch zeigt sich wie er ist. Das Blut verleugnet sich nicht.

Dän.: Blodet drager, sagde klokkeren om kimeren. (Prov. dan., 75.)

Frz.: Bon sang ne peut mentir. (Lendroy, 998.)

Holl.: Duitsch bloed kan niet liegen. (Harrebomee, I, 63.)

28 Halb ans Blut, halb ans Gut. - Hillebrand, 153; Beseler, System des gemeinen deutschen Privatrechts, III, 126.

Der Anerbe eines geschlossenen Bauernguts, d. h. der unter den Erben zur Nachfolge im Besitz Berufene, hat seinen Geschwistern eine Abfindung zu geben, die aber in der Regel erst dann gezahlt wird, wenn der Abgefundene eine selbständige Wirthschaft beginnt. Wenn nun ein Abgefundener stirbt, während er noch auf dem Hofe ist, so fällt die Abfindungssumme nach manchen Rechten ganz (s. Were) ans Gut, nach andern - und dies sagt das obige Sprichwort - nur halb.

29 Heisses Blut thut nicht gut.

30 Je näher am Blut, desto gefährlicher.

31 Je rascher Blut, je kühner Muth.

32 Jung Blut hat stets ein frischen Muth. - Lehmann, II, 286, 78.

33 Junges Blut, bewahr' (spar') dein Gut, Armuth im Alter wehe thut. - Kirchhofer, 194; Simrock, 546; Eiselein, 85; für Waldeck: Curtze, 363.

Engl.: White money is to be reserved for sorrowful days.

Lat.: Juveni parandum, seni utendum. (Seybold, 269; Binder I, 834; Philippi, I, 218.)

34 Junges Blut, friss dein Gut; im Alter nichts mehr schmecken thut. - Körte, 660; für Waldeck: Curtze, 363.

35 Junges Blut kocht bald über.

Span.: La sangre sin fuego hierve. (Bohn I, 228.)

36 Junges Blut, spar' dein Gut. - Sailer, 71.

37 Junges Blut, spar' dein Gut, dass dir's im Alter auch schmecken thut (oder: im Alter schmeckt's noch einmal so gut). - Körte, 659; Struve, II, 11; Müller, 52, 1; Steiger, 481; Mayer, I, 210.

Dies Sprichwort rufen alte, durch Erfahrung klug gemachte Personen der Jugend zu. Wenn die Kräfte des Körpers den Erwerb der zum Bestehen unentbehrlichen Bedürfnisse nicht mehr zulassen, dann sieht man erst den Werth dessen ein, was man in jungen Jahren verschleudert oder nicht genug zu Rathe gehalten hat.

38 Junges Blut, starke Glut.

39 Junges Blut, verzehr' dein Gut, im Alter schmeckt dir's nit mehr gut.

[Spaltenumbruch] 40 Mein Blut kocht, sagte der Teufel, da sass er zwischen zwei Pfaffen, die ihn bekehren wollten, aber jeder zu einem andern Glauben (oder: und er sollte beichten).

Engl.: My blood is beginning to boil, as the live lobster said to the saucepan. (Hagen, II, 104, 20.)

41 Nächst Blut, nächst Gut. - Heimbach, Lehrbuch des particularen Privatrechts der zu den Oberappellationsgerichten Jena und Zerbst verbundenen Länder, S. 511.

Hat die Bedeutung von Blut 16.

42 Nur kalt Blut, sagte der Koch zu den Krebsen, als er sie in die siedende Pfanne warf.

Engl.: Take it coolly, as the jew said to the light sovereigns when he was sweating them. (Hagen, IV, 103, 12.)

43 Thiar't Blud egh kem (guegh) kan, thiar kreapt hat. (Nordfries.) - Lappenkorb.

Wo das Blut nicht (hin) kommen (gehen) kann, da kriecht es (hin).

44 Unschuldig Blut schreiet zum Himmel. - 1 Mos. 4, 10; Schulze, 3.

45 Wälsch (französisches) Blott det genge Dütsche got. (Aachen.) - Firmenich, I, 491, 15; hochdeutsch bei Simrock, 11174.

Welsch Blut thut keinem Deutschen gut.

46 Warmes Blut will strenge Hut. - Sprichwörtergarten, 369.

47 Wenn man österreichisch und bairisch Blut in einen Topf thut, macht das eine das andere herausspringen. - Sailer, 320.

Hat seine Entstehung wahrscheinlich in dem Kriege von 1707 zwischen Ludwig dem Baiern und Friedrich von Oesterreich.

48 Wenn's Blut verdorben, muss man zur Ader lassen.

Eine irrige Ansicht früherer Zeit, in welcher Blutentziehungen zu einer Gewohnheit geworden waren, weil man in ihnen ein Heilmittel gegen fast alle Krankheiten erblickte. Als in Preszowice (kleine Stadt in der Nähe von Krakau) auf einer Versammlung der Reichsstände von den Jesuiten der Antrag vorgebracht wurde, ihnen die Eröffnung einer Lehranstalt in Krakau zu gestatten und sie unter andern Gründen auch den anführten, dass sie auch "Landesblut, Landesadel" seien, erwiderte ihnen Zebrzydowski darauf: "Wenn aber das Blut verdorben ist, muss es abgezapft werden." (Wurzbach I, 255.)

49 Wer mein Blut hat, ist mein Erbe. - Hillebrand, 145.

Drückt den Satz: Der Nächste am Blut u. s. w. (s. 16, 41 u. 53) noch allgemeiner aus, indem es von dem Grade der Verwandtschaft absieht. (Maurenbrecher, Lehrbuch des deutschen Privatrechts, zweite Auflage, II, 583.)

50 Wo Blut geflossen ist, kann der Baum der Vergessenheit nicht gedeihen.

Mit diesem, den Indianern entlehnten Sprichwort, vertheidigt man in Brasilien (Sanct-Paul) die Blutrache, oder weist versöhnliche Vorschläge damit zurück.

51 Wo das Blut nicht hinläuft (nicht gehen kann), da kriecht es hin.

Wird gebraucht, wenn man von einem Verwandten hört, dass ihm irgendein Schaden geschehen ist, um zu sagen, dass einem das mehr wehe thut, als wenn man es von einem gänzlich fremden Menschen vernommen habe.

52 Wo't Blot nich hen löppt, doa krüppt hen. (Ukermark.)

Holl.: Het bloed kruipt, daar het niet gaan kan, zei de bankeroetier, en hij veegde zijn gat tegen de poort aan. (Harrebomee, I, 63.)

53 Z'nächst beim Blut, z'nächst beim Gut. - Kirchhofer, 249; Körte, 658.

Aeltestes deutsches Erbgesetz. (S. Blut 16 u. 41.)

*54 A wurde wie a Blut unterm Gesichte. - Gomolcke, 260.

*55 Blaut vör dem Wagen hewwen. (Westf.)

Kräftige Pferde.

*56 Blut lassen müssen.

Kürzer: bluten, einen Verlust leiden müssen. Wenn bei den Alten die Soldaten etwas Grosses verbrochen hatten, so wurde ihnen eine Ader geöffnet, was man "Blut lassen" nannte.

*57 Blut und Wasser schwitzen.

Sich aufs äusserste anstrengen, viel leiden.

*58 Blut weinen. (Altgr.)

Sprichwörtliche Hyperbel. Von sehr schmerzlichen Thränen. Man brauchte diese Redensart vor alters auch, um zu bezeichnen, dass sich jemand durch keine unserer Bitten bewegen lasse. Er würde es nicht thun, auch wenn man Blut (Blutsthränen) weine.

[Spaltenumbruch] 20 Erst gesundes Blut, dann grosses Gut und schöner Hut.

21 Erst kommt gesundes Blut, darauf ein schöner Hut und dann erst grosses Gut.

Plato ordnet: Gesundheit, Schönheit, Reichthum. Ein anderer Weiser sagt: „Gesund und weise sind zwei Güter des Lebens zumal; darum sorge, dass in einem gesunden Leibe eine gesunde Seele wohne.“

22 Et is kein Blaut so dünne, et rinnet näu. (Westf.)

Will sagen, dass auch entfernte Verwandte Anhänglichkeit aneinander haben.

Dän.: Hvor blodet ei kand komme hen, der kryber det hen. – Blodet kryber der intet kand gaae.

Holl.: Het bloed kruipt, daar het niet gaan kan, zei de bankeroetier, en hij veegde zijn gat tegen de poort aan. (Harrebomée, I, 31.)

23 Frisch, frei und unverzagtes Blut ist junger Gesellen Heirathsgut.

Lat.: Primum recte valere, proxima forma, tertio loco divitiae. (Erasm., 121.)

24 Frünnes Blaut dat quillt, und wenn et âk mant ein Droppen is.Schambach, 25.

Das Schicksal unserer Freunde und Verwandten, auch wenn die Verwandtschaft entfernt ist, erregt unsere Theilnahme. Beleidigungen und Mishandlungen, die ihnen widerfahren, erregen unsern Zorn.

25 Gleich Blut, gleiche Glut und gleiche Jahre machen die besten Paare.Sailer, 70; Eiselein, 85.

Engl.: Like blood, like good and like age make the happiest marriage. (Bohn II, 443.)

It.: Ove non è ugualità, non ci è mai perfetto amore. (Pazzaglia, 16.)

Lat.: Cascus cascam ducit (i. e. vetulus annum). (Philippi, I, 74.) – Si qua voles apte nubere, nube pari. (Philippi, II, 190.)

Ung.: Hogyha házasodni akarsz, végy magadhoz hasonlót. (Gaal, 736.)

26 Gleiches Blut, gleiche Glut.

27 Gut Blut lügt nicht.

Der gutgeartete Mensch zeigt sich wie er ist. Das Blut verleugnet sich nicht.

Dän.: Blodet drager, sagde klokkeren om kimeren. (Prov. dan., 75.)

Frz.: Bon sang ne peut mentir. (Lendroy, 998.)

Holl.: Duitsch bloed kan niet liegen. (Harrebomée, I, 63.)

28 Halb ans Blut, halb ans Gut.Hillebrand, 153; Beseler, System des gemeinen deutschen Privatrechts, III, 126.

Der Anerbe eines geschlossenen Bauernguts, d. h. der unter den Erben zur Nachfolge im Besitz Berufene, hat seinen Geschwistern eine Abfindung zu geben, die aber in der Regel erst dann gezahlt wird, wenn der Abgefundene eine selbständige Wirthschaft beginnt. Wenn nun ein Abgefundener stirbt, während er noch auf dem Hofe ist, so fällt die Abfindungssumme nach manchen Rechten ganz (s. Were) ans Gut, nach andern – und dies sagt das obige Sprichwort – nur halb.

29 Heisses Blut thut nicht gut.

30 Je näher am Blut, desto gefährlicher.

31 Je rascher Blut, je kühner Muth.

32 Jung Blut hat stets ein frischen Muth.Lehmann, II, 286, 78.

33 Junges Blut, bewahr' (spar') dein Gut, Armuth im Alter wehe thut.Kirchhofer, 194; Simrock, 546; Eiselein, 85; für Waldeck: Curtze, 363.

Engl.: White money is to be reserved for sorrowful days.

Lat.: Juveni parandum, seni utendum. (Seybold, 269; Binder I, 834; Philippi, I, 218.)

34 Junges Blut, friss dein Gut; im Alter nichts mehr schmecken thut.Körte, 660; für Waldeck: Curtze, 363.

35 Junges Blut kocht bald über.

Span.: La sangre sin fuego hierve. (Bohn I, 228.)

36 Junges Blut, spar' dein Gut.Sailer, 71.

37 Junges Blut, spar' dein Gut, dass dir's im Alter auch schmecken thut (oder: im Alter schmeckt's noch einmal so gut).Körte, 659; Struve, II, 11; Müller, 52, 1; Steiger, 481; Mayer, I, 210.

Dies Sprichwort rufen alte, durch Erfahrung klug gemachte Personen der Jugend zu. Wenn die Kräfte des Körpers den Erwerb der zum Bestehen unentbehrlichen Bedürfnisse nicht mehr zulassen, dann sieht man erst den Werth dessen ein, was man in jungen Jahren verschleudert oder nicht genug zu Rathe gehalten hat.

38 Junges Blut, starke Glut.

39 Junges Blut, verzehr' dein Gut, im Alter schmeckt dir's nit mehr gut.

[Spaltenumbruch] 40 Mein Blut kocht, sagte der Teufel, da sass er zwischen zwei Pfaffen, die ihn bekehren wollten, aber jeder zu einem andern Glauben (oder: und er sollte beichten).

Engl.: My blood is beginning to boil, as the live lobster said to the saucepan. (Hagen, II, 104, 20.)

41 Nächst Blut, nächst Gut.Heimbach, Lehrbuch des particularen Privatrechts der zu den Oberappellationsgerichten Jena und Zerbst verbundenen Länder, S. 511.

Hat die Bedeutung von Blut 16.

42 Nur kalt Blut, sagte der Koch zu den Krebsen, als er sie in die siedende Pfanne warf.

Engl.: Take it coolly, as the jew said to the light sovereigns when he was sweating them. (Hagen, IV, 103, 12.)

43 Thiar't Blud egh kem (guegh) kan, thiar kreapt hat. (Nordfries.) – Lappenkorb.

Wo das Blut nicht (hin) kommen (gehen) kann, da kriecht es (hin).

44 Unschuldig Blut schreiet zum Himmel.1 Mos. 4, 10; Schulze, 3.

45 Wälsch (französisches) Blott det genge Dütsche got. (Aachen.) – Firmenich, I, 491, 15; hochdeutsch bei Simrock, 11174.

Welsch Blut thut keinem Deutschen gut.

46 Warmes Blut will strenge Hut.Sprichwörtergarten, 369.

47 Wenn man österreichisch und bairisch Blut in einen Topf thut, macht das eine das andere herausspringen.Sailer, 320.

Hat seine Entstehung wahrscheinlich in dem Kriege von 1707 zwischen Ludwig dem Baiern und Friedrich von Oesterreich.

48 Wenn's Blut verdorben, muss man zur Ader lassen.

Eine irrige Ansicht früherer Zeit, in welcher Blutentziehungen zu einer Gewohnheit geworden waren, weil man in ihnen ein Heilmittel gegen fast alle Krankheiten erblickte. Als in Preszowice (kleine Stadt in der Nähe von Krakau) auf einer Versammlung der Reichsstände von den Jesuiten der Antrag vorgebracht wurde, ihnen die Eröffnung einer Lehranstalt in Krakau zu gestatten und sie unter andern Gründen auch den anführten, dass sie auch „Landesblut, Landesadel“ seien, erwiderte ihnen Zebrzydowski darauf: „Wenn aber das Blut verdorben ist, muss es abgezapft werden.“ (Wurzbach I, 255.)

49 Wer mein Blut hat, ist mein Erbe.Hillebrand, 145.

Drückt den Satz: Der Nächste am Blut u. s. w. (s. 16, 41 u. 53) noch allgemeiner aus, indem es von dem Grade der Verwandtschaft absieht. (Maurenbrecher, Lehrbuch des deutschen Privatrechts, zweite Auflage, II, 583.)

50 Wo Blut geflossen ist, kann der Baum der Vergessenheit nicht gedeihen.

Mit diesem, den Indianern entlehnten Sprichwort, vertheidigt man in Brasilien (Sanct-Paul) die Blutrache, oder weist versöhnliche Vorschläge damit zurück.

51 Wo das Blut nicht hinläuft (nicht gehen kann), da kriecht es hin.

Wird gebraucht, wenn man von einem Verwandten hört, dass ihm irgendein Schaden geschehen ist, um zu sagen, dass einem das mehr wehe thut, als wenn man es von einem gänzlich fremden Menschen vernommen habe.

52 Wo't Blot nich hen löppt, doa krüppt hen. (Ukermark.)

Holl.: Het bloed kruipt, daar het niet gaan kan, zei de bankeroetier, en hij veegde zijn gat tegen de poort aan. (Harrebomée, I, 63.)

53 Z'nächst beim Blut, z'nächst beim Gut.Kirchhofer, 249; Körte, 658.

Aeltestes deutsches Erbgesetz. (S. Blut 16 u. 41.)

*54 A wurde wie a Blut unterm Gesichte.Gomolcke, 260.

*55 Blaut vör dem Wagen hewwen. (Westf.)

Kräftige Pferde.

*56 Blut lassen müssen.

Kürzer: bluten, einen Verlust leiden müssen. Wenn bei den Alten die Soldaten etwas Grosses verbrochen hatten, so wurde ihnen eine Ader geöffnet, was man „Blut lassen“ nannte.

*57 Blut und Wasser schwitzen.

Sich aufs äusserste anstrengen, viel leiden.

*58 Blut weinen. (Altgr.)

Sprichwörtliche Hyperbel. Von sehr schmerzlichen Thränen. Man brauchte diese Redensart vor alters auch, um zu bezeichnen, dass sich jemand durch keine unserer Bitten bewegen lasse. Er würde es nicht thun, auch wenn man Blut (Blutsthränen) weine.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><pb facs="#f0234" n="[206]"/><cb n="411"/>
20 Erst gesundes Blut, dann grosses Gut und schöner Hut.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">21 Erst kommt gesundes Blut, darauf ein schöner Hut und dann erst grosses Gut.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Plato ordnet: Gesundheit, Schönheit, Reichthum. Ein anderer Weiser sagt: &#x201E;Gesund und weise sind zwei Güter des Lebens zumal; darum sorge, dass in einem gesunden Leibe eine gesunde Seele wohne.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">22 Et is kein Blaut so dünne, et rinnet näu.</hi> (<hi rendition="#i">Westf.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Will sagen, dass auch entfernte Verwandte Anhänglichkeit aneinander haben.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Hvor blodet ei kand komme hen, der kryber det hen. &#x2013; Blodet kryber der intet kand gaae.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het bloed kruipt, daar het niet gaan kan, zei de bankeroetier, en hij veegde zijn gat tegen de poort aan. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 31.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">23 Frisch, frei und unverzagtes Blut ist junger Gesellen Heirathsgut.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Primum recte valere, proxima forma, tertio loco divitiae. (<hi rendition="#i">Erasm., 121.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">24 Frünnes Blaut dat quillt, und wenn et âk mant ein Droppen is.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schambach, 25.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Das Schicksal unserer Freunde und Verwandten, auch wenn die Verwandtschaft entfernt ist, erregt unsere Theilnahme. Beleidigungen und Mishandlungen, die ihnen widerfahren, erregen unsern Zorn.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">25 Gleich Blut, gleiche Glut und gleiche Jahre machen die besten Paare.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sailer, 70; Eiselein, 85.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: Like blood, like good and like age make the happiest marriage. (<hi rendition="#i">Bohn II, 443.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Ove non è ugualità, non ci è mai perfetto amore. (<hi rendition="#i">Pazzaglia, 16.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Cascus cascam ducit (i. e. vetulus annum). (<hi rendition="#i">Philippi, I, 74.</hi>) &#x2013; Si qua voles apte nubere, nube pari. (<hi rendition="#i">Philippi, II, 190.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Ung.</hi>: Hogyha házasodni akarsz, végy magadhoz hasonlót. (<hi rendition="#i">Gaal, 736.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">26 Gleiches Blut, gleiche Glut.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">27 Gut Blut lügt nicht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Der gutgeartete Mensch zeigt sich wie er ist. Das Blut verleugnet sich nicht.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Blodet drager, sagde klokkeren om kimeren. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 75.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Bon sang ne peut mentir. (<hi rendition="#i">Lendroy, 998.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Duitsch bloed kan niet liegen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 63.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">28 Halb ans Blut, halb ans Gut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Hillebrand, 153; Beseler, System des gemeinen deutschen Privatrechts, III, 126.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Anerbe eines geschlossenen Bauernguts, d. h. der unter den Erben zur Nachfolge im Besitz Berufene, hat seinen Geschwistern eine Abfindung zu geben, die aber in der Regel erst dann gezahlt wird, wenn der Abgefundene eine selbständige Wirthschaft beginnt. Wenn nun ein Abgefundener stirbt, während er noch auf dem Hofe ist, so fällt die Abfindungssumme nach manchen Rechten ganz (s.  Were) ans Gut, nach andern &#x2013; und dies sagt das obige Sprichwort &#x2013; nur halb.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">29 Heisses Blut thut nicht gut.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">30 Je näher am Blut, desto gefährlicher.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">31 Je rascher Blut, je kühner Muth.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">32 Jung Blut hat stets ein frischen Muth.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, II, 286, 78.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">33 Junges Blut, bewahr' (spar') dein Gut, Armuth im Alter wehe thut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Kirchhofer, 194; Simrock, 546; Eiselein, 85;</hi> für Waldeck: <hi rendition="#i">Curtze, 363.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: White money is to be reserved for sorrowful days.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Juveni parandum, seni utendum. (<hi rendition="#i">Seybold, 269; Binder I, 834; Philippi, I, 218.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">34 Junges Blut, friss dein Gut; im Alter nichts mehr schmecken thut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 660;</hi> für Waldeck: <hi rendition="#i">Curtze, 363.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">35 Junges Blut kocht bald über.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Span.</hi>: La sangre sin fuego hierve. (<hi rendition="#i">Bohn I, 228.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">36 Junges Blut, spar' dein Gut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sailer, 71.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">37 Junges Blut, spar' dein Gut, dass dir's im Alter auch schmecken thut (oder: im Alter schmeckt's noch einmal so gut).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 659; Struve, II, 11; Müller, 52, 1; Steiger, 481; Mayer, I, 210.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Dies Sprichwort rufen alte, durch Erfahrung klug gemachte Personen der Jugend zu. Wenn die Kräfte des Körpers den Erwerb der zum Bestehen unentbehrlichen Bedürfnisse nicht mehr zulassen, dann sieht man erst den Werth dessen ein, was man in jungen Jahren verschleudert oder nicht genug zu Rathe gehalten hat.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">38 Junges Blut, starke Glut.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">39 Junges Blut, verzehr' dein Gut, im Alter schmeckt dir's nit mehr gut.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><cb n="412"/>
40 Mein Blut kocht, sagte der Teufel, da sass er zwischen zwei Pfaffen, die ihn bekehren wollten, aber jeder zu einem andern Glauben (oder: und er sollte beichten).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: My blood is beginning to boil, as the live lobster said to the saucepan. (<hi rendition="#i">Hagen, II, 104, 20.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">41 Nächst Blut, nächst Gut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Heimbach, Lehrbuch des particularen Privatrechts der zu den Oberappellationsgerichten Jena und Zerbst verbundenen Länder, S. 511.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Hat die Bedeutung von Blut 16.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">42 Nur kalt Blut, sagte der Koch zu den Krebsen, als er sie in die siedende Pfanne warf.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: Take it coolly, as the jew said to the light sovereigns when he was sweating them. (<hi rendition="#i">Hagen, IV, 103, 12.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">43 Thiar't Blud egh kem (guegh) kan, thiar kreapt hat.</hi> (<hi rendition="#i">Nordfries.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Lappenkorb.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wo das Blut nicht (hin) kommen (gehen) kann, da kriecht es (hin).</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">44 Unschuldig Blut schreiet zum Himmel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">1 Mos. 4, 10; Schulze, 3.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">45 Wälsch (französisches) Blott det genge Dütsche got.</hi> (<hi rendition="#i">Aachen.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Firmenich, I, 491, 15;</hi> hochdeutsch bei <hi rendition="#i">Simrock, 11174.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Welsch Blut thut keinem Deutschen gut.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">46 Warmes Blut will strenge Hut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sprichwörtergarten, 369.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">47 Wenn man österreichisch und bairisch Blut in einen Topf thut, macht das eine das andere herausspringen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sailer, 320.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Hat seine Entstehung wahrscheinlich in dem Kriege von 1707 zwischen Ludwig dem Baiern und Friedrich von Oesterreich.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">48 Wenn's Blut verdorben, muss man zur Ader lassen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Eine irrige Ansicht früherer Zeit, in welcher Blutentziehungen zu einer Gewohnheit geworden waren, weil man in ihnen ein Heilmittel gegen fast alle Krankheiten erblickte. Als in Preszowice (kleine Stadt in der Nähe von Krakau) auf einer Versammlung der Reichsstände von den Jesuiten der Antrag vorgebracht wurde, ihnen die Eröffnung einer Lehranstalt in Krakau zu gestatten und sie unter andern Gründen auch den anführten, dass sie auch &#x201E;Landesblut, Landesadel&#x201C; seien, erwiderte ihnen Zebrzydowski darauf: &#x201E;Wenn aber das Blut verdorben ist, muss es abgezapft werden.&#x201C; (<hi rendition="#i">Wurzbach I, 255.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">49 Wer mein Blut hat, ist mein Erbe.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Hillebrand, 145.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Drückt den Satz: Der Nächste am Blut u. s. w. (s. 16, 41 u. 53) noch allgemeiner aus, indem es von dem Grade der Verwandtschaft absieht. (<hi rendition="#i">Maurenbrecher, Lehrbuch des deutschen Privatrechts, zweite Auflage, II, 583.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">50 Wo Blut geflossen ist, kann der Baum der Vergessenheit nicht gedeihen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Mit diesem, den Indianern entlehnten Sprichwort, vertheidigt man in Brasilien (Sanct-Paul) die Blutrache, oder weist versöhnliche Vorschläge damit zurück.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">51 Wo das Blut nicht hinläuft (nicht gehen kann), da kriecht es hin.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Wird gebraucht, wenn man von einem Verwandten hört, dass ihm irgendein Schaden geschehen ist, um zu sagen, dass einem das mehr wehe thut, als wenn man es von einem gänzlich fremden Menschen vernommen habe.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">52 Wo't Blot nich hen löppt, doa krüppt hen.</hi> (<hi rendition="#i">Ukermark.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het bloed kruipt, daar het niet gaan kan, zei de bankeroetier, en hij veegde zijn gat tegen de poort aan. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 63.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">53 Z'nächst beim Blut, z'nächst beim Gut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Kirchhofer, 249; Körte, 658.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Aeltestes deutsches Erbgesetz. (S. Blut  16 u.  41.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*54 A wurde wie a Blut unterm Gesichte.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 260.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*55 Blaut vör dem Wagen hewwen.</hi> (<hi rendition="#i">Westf.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Kräftige Pferde.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*56 Blut lassen müssen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Kürzer: bluten, einen Verlust leiden müssen. Wenn bei den Alten die Soldaten etwas Grosses verbrochen hatten, so wurde ihnen eine Ader geöffnet, was man &#x201E;Blut lassen&#x201C; nannte.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*57 Blut und Wasser schwitzen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Sich aufs äusserste anstrengen, viel leiden.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*58 Blut weinen.</hi> (<hi rendition="#i">Altgr.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Sprichwörtliche Hyperbel. Von sehr schmerzlichen Thränen. Man brauchte diese Redensart vor alters auch, um zu bezeichnen, dass sich jemand durch keine unserer Bitten bewegen lasse. Er würde es nicht thun, auch wenn man Blut (Blutsthränen) weine.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[206]/0234] 20 Erst gesundes Blut, dann grosses Gut und schöner Hut. 21 Erst kommt gesundes Blut, darauf ein schöner Hut und dann erst grosses Gut. Plato ordnet: Gesundheit, Schönheit, Reichthum. Ein anderer Weiser sagt: „Gesund und weise sind zwei Güter des Lebens zumal; darum sorge, dass in einem gesunden Leibe eine gesunde Seele wohne.“ 22 Et is kein Blaut so dünne, et rinnet näu. (Westf.) Will sagen, dass auch entfernte Verwandte Anhänglichkeit aneinander haben. Dän.: Hvor blodet ei kand komme hen, der kryber det hen. – Blodet kryber der intet kand gaae. Holl.: Het bloed kruipt, daar het niet gaan kan, zei de bankeroetier, en hij veegde zijn gat tegen de poort aan. (Harrebomée, I, 31.) 23 Frisch, frei und unverzagtes Blut ist junger Gesellen Heirathsgut. Lat.: Primum recte valere, proxima forma, tertio loco divitiae. (Erasm., 121.) 24 Frünnes Blaut dat quillt, und wenn et âk mant ein Droppen is. – Schambach, 25. Das Schicksal unserer Freunde und Verwandten, auch wenn die Verwandtschaft entfernt ist, erregt unsere Theilnahme. Beleidigungen und Mishandlungen, die ihnen widerfahren, erregen unsern Zorn. 25 Gleich Blut, gleiche Glut und gleiche Jahre machen die besten Paare. – Sailer, 70; Eiselein, 85. Engl.: Like blood, like good and like age make the happiest marriage. (Bohn II, 443.) It.: Ove non è ugualità, non ci è mai perfetto amore. (Pazzaglia, 16.) Lat.: Cascus cascam ducit (i. e. vetulus annum). (Philippi, I, 74.) – Si qua voles apte nubere, nube pari. (Philippi, II, 190.) Ung.: Hogyha házasodni akarsz, végy magadhoz hasonlót. (Gaal, 736.) 26 Gleiches Blut, gleiche Glut. 27 Gut Blut lügt nicht. Der gutgeartete Mensch zeigt sich wie er ist. Das Blut verleugnet sich nicht. Dän.: Blodet drager, sagde klokkeren om kimeren. (Prov. dan., 75.) Frz.: Bon sang ne peut mentir. (Lendroy, 998.) Holl.: Duitsch bloed kan niet liegen. (Harrebomée, I, 63.) 28 Halb ans Blut, halb ans Gut. – Hillebrand, 153; Beseler, System des gemeinen deutschen Privatrechts, III, 126. Der Anerbe eines geschlossenen Bauernguts, d. h. der unter den Erben zur Nachfolge im Besitz Berufene, hat seinen Geschwistern eine Abfindung zu geben, die aber in der Regel erst dann gezahlt wird, wenn der Abgefundene eine selbständige Wirthschaft beginnt. Wenn nun ein Abgefundener stirbt, während er noch auf dem Hofe ist, so fällt die Abfindungssumme nach manchen Rechten ganz (s. Were) ans Gut, nach andern – und dies sagt das obige Sprichwort – nur halb. 29 Heisses Blut thut nicht gut. 30 Je näher am Blut, desto gefährlicher. 31 Je rascher Blut, je kühner Muth. 32 Jung Blut hat stets ein frischen Muth. – Lehmann, II, 286, 78. 33 Junges Blut, bewahr' (spar') dein Gut, Armuth im Alter wehe thut. – Kirchhofer, 194; Simrock, 546; Eiselein, 85; für Waldeck: Curtze, 363. Engl.: White money is to be reserved for sorrowful days. Lat.: Juveni parandum, seni utendum. (Seybold, 269; Binder I, 834; Philippi, I, 218.) 34 Junges Blut, friss dein Gut; im Alter nichts mehr schmecken thut. – Körte, 660; für Waldeck: Curtze, 363. 35 Junges Blut kocht bald über. Span.: La sangre sin fuego hierve. (Bohn I, 228.) 36 Junges Blut, spar' dein Gut. – Sailer, 71. 37 Junges Blut, spar' dein Gut, dass dir's im Alter auch schmecken thut (oder: im Alter schmeckt's noch einmal so gut). – Körte, 659; Struve, II, 11; Müller, 52, 1; Steiger, 481; Mayer, I, 210. Dies Sprichwort rufen alte, durch Erfahrung klug gemachte Personen der Jugend zu. Wenn die Kräfte des Körpers den Erwerb der zum Bestehen unentbehrlichen Bedürfnisse nicht mehr zulassen, dann sieht man erst den Werth dessen ein, was man in jungen Jahren verschleudert oder nicht genug zu Rathe gehalten hat. 38 Junges Blut, starke Glut. 39 Junges Blut, verzehr' dein Gut, im Alter schmeckt dir's nit mehr gut. 40 Mein Blut kocht, sagte der Teufel, da sass er zwischen zwei Pfaffen, die ihn bekehren wollten, aber jeder zu einem andern Glauben (oder: und er sollte beichten). Engl.: My blood is beginning to boil, as the live lobster said to the saucepan. (Hagen, II, 104, 20.) 41 Nächst Blut, nächst Gut. – Heimbach, Lehrbuch des particularen Privatrechts der zu den Oberappellationsgerichten Jena und Zerbst verbundenen Länder, S. 511. Hat die Bedeutung von Blut 16. 42 Nur kalt Blut, sagte der Koch zu den Krebsen, als er sie in die siedende Pfanne warf. Engl.: Take it coolly, as the jew said to the light sovereigns when he was sweating them. (Hagen, IV, 103, 12.) 43 Thiar't Blud egh kem (guegh) kan, thiar kreapt hat. (Nordfries.) – Lappenkorb. Wo das Blut nicht (hin) kommen (gehen) kann, da kriecht es (hin). 44 Unschuldig Blut schreiet zum Himmel. – 1 Mos. 4, 10; Schulze, 3. 45 Wälsch (französisches) Blott det genge Dütsche got. (Aachen.) – Firmenich, I, 491, 15; hochdeutsch bei Simrock, 11174. Welsch Blut thut keinem Deutschen gut. 46 Warmes Blut will strenge Hut. – Sprichwörtergarten, 369. 47 Wenn man österreichisch und bairisch Blut in einen Topf thut, macht das eine das andere herausspringen. – Sailer, 320. Hat seine Entstehung wahrscheinlich in dem Kriege von 1707 zwischen Ludwig dem Baiern und Friedrich von Oesterreich. 48 Wenn's Blut verdorben, muss man zur Ader lassen. Eine irrige Ansicht früherer Zeit, in welcher Blutentziehungen zu einer Gewohnheit geworden waren, weil man in ihnen ein Heilmittel gegen fast alle Krankheiten erblickte. Als in Preszowice (kleine Stadt in der Nähe von Krakau) auf einer Versammlung der Reichsstände von den Jesuiten der Antrag vorgebracht wurde, ihnen die Eröffnung einer Lehranstalt in Krakau zu gestatten und sie unter andern Gründen auch den anführten, dass sie auch „Landesblut, Landesadel“ seien, erwiderte ihnen Zebrzydowski darauf: „Wenn aber das Blut verdorben ist, muss es abgezapft werden.“ (Wurzbach I, 255.) 49 Wer mein Blut hat, ist mein Erbe. – Hillebrand, 145. Drückt den Satz: Der Nächste am Blut u. s. w. (s. 16, 41 u. 53) noch allgemeiner aus, indem es von dem Grade der Verwandtschaft absieht. (Maurenbrecher, Lehrbuch des deutschen Privatrechts, zweite Auflage, II, 583.) 50 Wo Blut geflossen ist, kann der Baum der Vergessenheit nicht gedeihen. Mit diesem, den Indianern entlehnten Sprichwort, vertheidigt man in Brasilien (Sanct-Paul) die Blutrache, oder weist versöhnliche Vorschläge damit zurück. 51 Wo das Blut nicht hinläuft (nicht gehen kann), da kriecht es hin. Wird gebraucht, wenn man von einem Verwandten hört, dass ihm irgendein Schaden geschehen ist, um zu sagen, dass einem das mehr wehe thut, als wenn man es von einem gänzlich fremden Menschen vernommen habe. 52 Wo't Blot nich hen löppt, doa krüppt hen. (Ukermark.) Holl.: Het bloed kruipt, daar het niet gaan kan, zei de bankeroetier, en hij veegde zijn gat tegen de poort aan. (Harrebomée, I, 63.) 53 Z'nächst beim Blut, z'nächst beim Gut. – Kirchhofer, 249; Körte, 658. Aeltestes deutsches Erbgesetz. (S. Blut 16 u. 41.) *54 A wurde wie a Blut unterm Gesichte. – Gomolcke, 260. *55 Blaut vör dem Wagen hewwen. (Westf.) Kräftige Pferde. *56 Blut lassen müssen. Kürzer: bluten, einen Verlust leiden müssen. Wenn bei den Alten die Soldaten etwas Grosses verbrochen hatten, so wurde ihnen eine Ader geöffnet, was man „Blut lassen“ nannte. *57 Blut und Wasser schwitzen. Sich aufs äusserste anstrengen, viel leiden. *58 Blut weinen. (Altgr.) Sprichwörtliche Hyperbel. Von sehr schmerzlichen Thränen. Man brauchte diese Redensart vor alters auch, um zu bezeichnen, dass sich jemand durch keine unserer Bitten bewegen lasse. Er würde es nicht thun, auch wenn man Blut (Blutsthränen) weine.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:54:38Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:54:38Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/234
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867, S. [206]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/234>, abgerufen am 27.11.2020.