Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] *24 Er hat ein Bret vor dem Kopfe (oder: einen breiten Verstand).

Wie die deutsche Sprache einen grossen Reichthum an Redensarten zur Bezeichnung des Trunkenseins in dessen verschiedenen Abstufungen besitzt (s. Ansehen 29 und Boden 38), so fehlt es ihr auch nicht daran, um einen Menschen mit mehr oder weniger beschränktem Verstande zu bezeichnen: nur mangelt es hier noch an einer so vollständigen Sammlung. Man sagt nicht stets von einem solchen, er habe ein Bret vor dem Kopfe, man bedient sich auch einer der folgenden Redensarten: Er ist schwer von Begriffen. Er ist beschränkt. Es fehlt ihm am Besten. Er ist ein Blechschwätzer. Er denkt langsam. Er kann knapp auf drei zählen. Er ist so dumm (s. d.) wie Saubohnenstroh. Er ist dümmer als dumm. Er ist dümmer als Bürgermeisters Gimpel. Er ist polizeiwidrig dumm. Er ist dümmer als ein Stück Vieh. Er ist noch dümmer als er aussieht. Die Dummheit sieht ihm aus den Augen. Er ist ein Dummkopf (s. d.). Er ist ein Dümmling. Er hat Einfälle wie ein altes Haus. Er ist einfältig wie Wurstsuppe. Er ist ein Eselskopf. Er ist gepickt. Er ist gesund und dumm. Er hat keine Grütze im Kopfe. Er hat Häcksel (Siede) im Kopfe. Das Hirn ist ihm erfroren. Das Hirn ist ihm verbrüht. Er ist hochgeöhrt. Er ist ein Hohlkopf. Er ist ein Holzbock. Er hat Hörner auf. Er ist ein Hornvieh. Er lockt keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Er ist ein Kalb. Er erfindet keine Ketzerei. Er hat einen vernagelten Kopf. Er ist auf den Kopf gefallen. Er ist schwach im Kopfe. Er ist ein Vetter Langohr. Er hat einen Leibschaden unter dem Hute. Man kann ihn als Mauerbrecher gebrauchen. Er ist ein Michel. Die Natur hat ihn stiefmütterlich bedacht. Es fehlt ihm im Oberstübchen. Er ist ein Ochsenkopf. Ein Hans Ohnekopf. Er hat das Pulver nicht erfunden. Er ist ein Rindvieh. Er ist ein Schafskopf. Er ist ein Schwachkopf. Er ist nicht daran schuld, dass die Frösche keine Schwänze haben. Er hat Sitz und Stimme im Hintern. Er ist ein Strohkopf. Er ist ein Tappes. Er ist ein Tölpel. Er hat keinen Verstand. Er hat keinen Verstehtermich. Man kann Wände mit ihm einrennen. Er hat Wasser im Kopfe. Es kommt kein gescheidt Wort aus seinem Munde. (S. auch den Artikel " Dumm".)

*25 Er sitzt nah beym bret. - Agricola II, 115; Mayer, II, 229.

*26 Etwas ans Bret schlagen.

Oeffentlich bekannt machen.

*27 Etwas ans Bret ziehen. - Körte, 723.

*28 Etwas auf Einem Bret bezahlen.

Auf einmal.

*29 Hoch am Brete sein (sitzen). - Agricola, 419; Eiselein, 94; Körte, 723.

Gut bei jemand stehen, ihn zum Freunde und Gönner haben. Eigentlich: eine der obersten Stellen am Rathsherrentische haben. Fülleborn leitet die Redensart von den früher gewöhnlichen Bretspielen her, wobei der Gewinnende wie im Tokadille hoch zählen oder wie in andern die Steine hoch aufsetzen muss. (Vgl. Breslauer Erzähler, 1800, S. 729.)

Lat.: Elevare ad honores. (Henisch, 503.)

*30 Jemand zu Brete treiben.

In die Enge treiben.

*31 Nahe (hoch) am brett sein. - Henisch, 503.

*32 Sie spielen miteinander im Bret. - Eiselein, 94.

Zusammen im Sarge liegen. "Als im Schwabenkriege 1499", erzählt Zinkgref, "Hauptmann Burkard von Randek bei Ermatingen am Untersee durch Schweizer und bald hernach im Treffen bei Frastenz Hauptmann Heinrich Wohlleb von Uri durch Schwaben erschlagen worden, frugen diese die Schweizer spottweise, wo ihr Wohlleb hingekommen sei, worauf die Eidgenossen erwiderten: >Er spielt mit Burkard von Randek im Bret.<"

*33 Vor das heisse Bret kommen (müssen, vor Gericht, ins Examen). - Körte, 723.

*34 Wenn a gleech a Brat füren (vor den) Ohren hätte. - Robinson, 250.


Breterkastel.

* Was haben's da nur an dem Breterkastel vor a Narr'n gefressen, dass m'r das Ding bewachen muss, sagte der Rekrut, und er stand vorm Schilderhause.

Holl.: Dat is een wonderlijk kasteel, zei de boer, en hij zag een ouderwetsch hoenderhok. (Harrebomee, I, 68.)


Bretsäge.

Geit a doch wei ane Bratsage su bret. (Schles.) - Frommann, III, 412.


Bricke.

1 Der eine fängt die Bricken, der andere verzehrt sie.

2 Man muss die Bricken lebend erhalten.

Weil man mit lebenden Bricken den Kabeljau besser als mit todten fängt. Also die Sache in gutem Stande.


[Spaltenumbruch]
Brief.

1 Auf heimliche Briefe muss man keine Handlung anfangen.

2 Beschwerte Briefe sind willkommen.

D. h. von Werthpapieren begleitete. Ein afrikanischer Negerstamm hat das Sprichwort: Leere Briefe gehen nicht an Bord. (Reinsberg II, 109.)

3 Besser aus dem Briefe recht lesen, denn auswendig fehlen. - Henisch, 321.

4 Briefe1 sind besser als Zeugen. - Pistor., III, 25; Sailer, 253; Simrock, 1299; Hertius, I, 27; Eisenhart, 542; Hillebrand, 226; Eiselein, 95, 726.

1) D. i. Urkunden. - Von dem Vorzuge, den schriftliche Urkunden als Beweismittel vor Zeugen haben, die weder stets zu erhalten sind, noch auch immer die Zuverlässigkeit von Briefschaften besitzen.

5 Briefe wahrer Freunde werden nicht mit Butter, sondern mit Diamanten versiegelt. - Winckler, IV, 44.

6 Der Brief redet. - Kirchhofer, 68.

Wenn man sich auf ein Schriftstück, eine Urkunde, eine Sache, die vorgezeigt werden kann, beruft.

7 Die ältesten Briefe gehen vor. - Eisenhart, 323; Henisch, 508; Pistor., III, 26; Hillebrand, 89; Hertius, I, 49; Hassl., 26; Sailer, 255.

Die Ansprüche dessen, der eine ältere Pfandverschreibung hat, gehen den Ansprüchen derer, die eine spätere haben, vor. Es kommt dabei sogar auf die Stunde der Verschreibung an, wenn jemand seine Güter mehreren zugleich an einem Tage verschrieben hat. Wo die Zeit nicht angegeben ist, haben die Pfandverschreibungen gleiche Rechte.

Holl.: De oudste brieven gaan voor. (Harrebomee, I, 89.)

8 Ein Brief ist ein Spiegel.

Holl.: Aan den brieven kent men den persoon. (Harrebomee, I, 89.)

9 Eines andern brieff, beutel vnd tafeln soll man nicht ansehen. - Henisch, 508.

10 Ey thut es yhm nicht, er hat brieff, dass man sein nicht spotten soll. - Agricola, 48; Latendorf, 86; Henisch, 507.

Von denen, die keinen Scherz oder Spott ertragen wollen. Das Sprichwort fordert ironisch die Vorlegung ihrer schriftlichen Urkunden, die sie von dem befreien, was doch das Los aller ist.

Holl.: Spot niet met hem; hij heeft vrijbrieven. (Campen, 6; Harrebomee, I, 90.)

11 Grosse Briefe haben viel Buchstaben und wenig Werk.

12 Man darf Briefen nicht zu viel anvertrauen, oder muss sie selbst tragen.

Holl.: Brieven, waar geheimen in staan, moet men maar zelf bezorgen. (Harrebomee, I, 89.)

13 Man soll eines andern brieff (oder heimlickeit) nicht liederlich an den Tag geben. - Henisch, 508.

14 Man muss den Brief nach der Aufschrift nehmen. - Burckhardt, 252.

Sieh den Menschen an und du wirst seinen Charakter kennen, ist herrschende Ansicht im Morgenlande.

15 Meineide Brief, meineide Wort. - Suchenwirth.

16 Um fremde Briefe und Säckel und geheime Buch soll sich niemand kümmern. - Henisch, 508; Körte, 724.

Holl.: Het oog op niemands brief (boek) noch de hand in iemands kast (beurs).

It.: Ne occhj in lettera, ne mani in tasca d'altri. (Gaal, 246.)

17 Vor zeytten gab man kurtze brieff1 vnd war vil glaubens, itzt gibt man lange brieffe vnd ist wenig glaubens. - Agricola, 733; Campen, 88; Latendorf, 109; Henisch, 568; Simrock, 1301; Körte, 725, Eiselein, 95.

1) D. i. Verbriefungen. - Das Sprichwort klagt darüber, dass mehr Acten- und Formelwesen, desto weniger Treu und Glauben, aber desto mehr Ränke und Ausflüchte und Schwindeleien aller Art existiren. Bei Reineke (S. CCLXIX) lautet es: Vor tyden gaff men korte Breve unde was vele gelovens. Itzunder gyfft men lange breve unde is weyneg gelovens.

Holl.: Vroeger gaf men korte brieven, en had men veel geloof; nu geeft men lange brieven, en heeft men weinig geloof. (Harrebomee, I, 90.)

18 Weh dem, der die brieffe tragen muss. - Henisch, 508.

19 Wer seine Briefe will bestellet han, lass sie durch'n Boten tra'n.

Holl.: Wilt gij van brieven zijn gediend, schrijf door een' bode en niet met vriend. (Harrebomee, I, 90.)

[Spaltenumbruch] *24 Er hat ein Bret vor dem Kopfe (oder: einen breiten Verstand).

Wie die deutsche Sprache einen grossen Reichthum an Redensarten zur Bezeichnung des Trunkenseins in dessen verschiedenen Abstufungen besitzt (s. Ansehen 29 und Boden 38), so fehlt es ihr auch nicht daran, um einen Menschen mit mehr oder weniger beschränktem Verstande zu bezeichnen: nur mangelt es hier noch an einer so vollständigen Sammlung. Man sagt nicht stets von einem solchen, er habe ein Bret vor dem Kopfe, man bedient sich auch einer der folgenden Redensarten: Er ist schwer von Begriffen. Er ist beschränkt. Es fehlt ihm am Besten. Er ist ein Blechschwätzer. Er denkt langsam. Er kann knapp auf drei zählen. Er ist so dumm (s. d.) wie Saubohnenstroh. Er ist dümmer als dumm. Er ist dümmer als Bürgermeisters Gimpel. Er ist polizeiwidrig dumm. Er ist dümmer als ein Stück Vieh. Er ist noch dümmer als er aussieht. Die Dummheit sieht ihm aus den Augen. Er ist ein Dummkopf (s. d.). Er ist ein Dümmling. Er hat Einfälle wie ein altes Haus. Er ist einfältig wie Wurstsuppe. Er ist ein Eselskopf. Er ist gepickt. Er ist gesund und dumm. Er hat keine Grütze im Kopfe. Er hat Häcksel (Siede) im Kopfe. Das Hirn ist ihm erfroren. Das Hirn ist ihm verbrüht. Er ist hochgeöhrt. Er ist ein Hohlkopf. Er ist ein Holzbock. Er hat Hörner auf. Er ist ein Hornvieh. Er lockt keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Er ist ein Kalb. Er erfindet keine Ketzerei. Er hat einen vernagelten Kopf. Er ist auf den Kopf gefallen. Er ist schwach im Kopfe. Er ist ein Vetter Langohr. Er hat einen Leibschaden unter dem Hute. Man kann ihn als Mauerbrecher gebrauchen. Er ist ein Michel. Die Natur hat ihn stiefmütterlich bedacht. Es fehlt ihm im Oberstübchen. Er ist ein Ochsenkopf. Ein Hans Ohnekopf. Er hat das Pulver nicht erfunden. Er ist ein Rindvieh. Er ist ein Schafskopf. Er ist ein Schwachkopf. Er ist nicht daran schuld, dass die Frösche keine Schwänze haben. Er hat Sitz und Stimme im Hintern. Er ist ein Strohkopf. Er ist ein Tappes. Er ist ein Tölpel. Er hat keinen Verstand. Er hat keinen Verstehtermich. Man kann Wände mit ihm einrennen. Er hat Wasser im Kopfe. Es kommt kein gescheidt Wort aus seinem Munde. (S. auch den Artikel „ Dumm“.)

*25 Er sitzt nah beym bret.Agricola II, 115; Mayer, II, 229.

*26 Etwas ans Bret schlagen.

Oeffentlich bekannt machen.

*27 Etwas ans Bret ziehen.Körte, 723.

*28 Etwas auf Einem Bret bezahlen.

Auf einmal.

*29 Hoch am Brete sein (sitzen).Agricola, 419; Eiselein, 94; Körte, 723.

Gut bei jemand stehen, ihn zum Freunde und Gönner haben. Eigentlich: eine der obersten Stellen am Rathsherrentische haben. Fülleborn leitet die Redensart von den früher gewöhnlichen Bretspielen her, wobei der Gewinnende wie im Tokadille hoch zählen oder wie in andern die Steine hoch aufsetzen muss. (Vgl. Breslauer Erzähler, 1800, S. 729.)

Lat.: Elevare ad honores. (Henisch, 503.)

*30 Jemand zu Brete treiben.

In die Enge treiben.

*31 Nahe (hoch) am brett sein.Henisch, 503.

*32 Sie spielen miteinander im Bret.Eiselein, 94.

Zusammen im Sarge liegen. „Als im Schwabenkriege 1499“, erzählt Zinkgref, „Hauptmann Burkard von Randek bei Ermatingen am Untersee durch Schweizer und bald hernach im Treffen bei Frastenz Hauptmann Heinrich Wohlleb von Uri durch Schwaben erschlagen worden, frugen diese die Schweizer spottweise, wo ihr Wohlleb hingekommen sei, worauf die Eidgenossen erwiderten: ›Er spielt mit Burkard von Randek im Bret.‹“

*33 Vor das heisse Bret kommen (müssen, vor Gericht, ins Examen).Körte, 723.

*34 Wenn a gleech a Brat füren (vor den) Ohren hätte.Robinson, 250.


Breterkastel.

* Was haben's da nur an dem Breterkastel vor a Narr'n gefressen, dass m'r das Ding bewachen muss, sagte der Rekrut, und er stand vorm Schilderhause.

Holl.: Dat is een wonderlijk kasteel, zei de boer, en hij zag een ouderwetsch hoenderhok. (Harrebomée, I, 68.)


Bretsäge.

Gît a doch wî ane Brâtsâge su brêt. (Schles.) – Frommann, III, 412.


Bricke.

1 Der eine fängt die Bricken, der andere verzehrt sie.

2 Man muss die Bricken lebend erhalten.

Weil man mit lebenden Bricken den Kabeljau besser als mit todten fängt. Also die Sache in gutem Stande.


[Spaltenumbruch]
Brief.

1 Auf heimliche Briefe muss man keine Handlung anfangen.

2 Beschwerte Briefe sind willkommen.

D. h. von Werthpapieren begleitete. Ein afrikanischer Negerstamm hat das Sprichwort: Leere Briefe gehen nicht an Bord. (Reinsberg II, 109.)

3 Besser aus dem Briefe recht lesen, denn auswendig fehlen.Henisch, 321.

4 Briefe1 sind besser als Zeugen.Pistor., III, 25; Sailer, 253; Simrock, 1299; Hertius, I, 27; Eisenhart, 542; Hillebrand, 226; Eiselein, 95, 726.

1) D. i. Urkunden. – Von dem Vorzuge, den schriftliche Urkunden als Beweismittel vor Zeugen haben, die weder stets zu erhalten sind, noch auch immer die Zuverlässigkeit von Briefschaften besitzen.

5 Briefe wahrer Freunde werden nicht mit Butter, sondern mit Diamanten versiegelt.Winckler, IV, 44.

6 Der Brief redet.Kirchhofer, 68.

Wenn man sich auf ein Schriftstück, eine Urkunde, eine Sache, die vorgezeigt werden kann, beruft.

7 Die ältesten Briefe gehen vor.Eisenhart, 323; Henisch, 508; Pistor., III, 26; Hillebrand, 89; Hertius, I, 49; Hassl., 26; Sailer, 255.

Die Ansprüche dessen, der eine ältere Pfandverschreibung hat, gehen den Ansprüchen derer, die eine spätere haben, vor. Es kommt dabei sogar auf die Stunde der Verschreibung an, wenn jemand seine Güter mehreren zugleich an einem Tage verschrieben hat. Wo die Zeit nicht angegeben ist, haben die Pfandverschreibungen gleiche Rechte.

Holl.: De oudste brieven gaan voor. (Harrebomée, I, 89.)

8 Ein Brief ist ein Spiegel.

Holl.: Aan den brieven kent men den persoon. (Harrebomée, I, 89.)

9 Eines andern brieff, beutel vnd tafeln soll man nicht ansehen.Henisch, 508.

10 Ey thut es yhm nicht, er hat brieff, dass man sein nicht spotten soll.Agricola, 48; Latendorf, 86; Henisch, 507.

Von denen, die keinen Scherz oder Spott ertragen wollen. Das Sprichwort fordert ironisch die Vorlegung ihrer schriftlichen Urkunden, die sie von dem befreien, was doch das Los aller ist.

Holl.: Spot niet met hem; hij heeft vrijbrieven. (Campen, 6; Harrebomée, I, 90.)

11 Grosse Briefe haben viel Buchstaben und wenig Werk.

12 Man darf Briefen nicht zu viel anvertrauen, oder muss sie selbst tragen.

Holl.: Brieven, waar geheimen in staan, moet men maar zelf bezorgen. (Harrebomée, I, 89.)

13 Man soll eines andern brieff (oder heimlickeit) nicht liederlich an den Tag geben.Henisch, 508.

14 Man muss den Brief nach der Aufschrift nehmen.Burckhardt, 252.

Sieh den Menschen an und du wirst seinen Charakter kennen, ist herrschende Ansicht im Morgenlande.

15 Meineide Brief, meineide Wort.Suchenwirth.

16 Um fremde Briefe und Säckel und geheime Buch soll sich niemand kümmern.Henisch, 508; Körte, 724.

Holl.: Het oog op niemands brief (boek) noch de hand in iemands kast (beurs).

It.: Nè occhj in lettera, nè mani in tasca d'altri. (Gaal, 246.)

17 Vor zeytten gab man kurtze brieff1 vnd war vil glaubens, itzt gibt man lange brieffe vnd ist wenig glaubens.Agricola, 733; Campen, 88; Latendorf, 109; Henisch, 568; Simrock, 1301; Körte, 725, Eiselein, 95.

1) D. i. Verbriefungen. – Das Sprichwort klagt darüber, dass mehr Acten- und Formelwesen, desto weniger Treu und Glauben, aber desto mehr Ränke und Ausflüchte und Schwindeleien aller Art existiren. Bei Reineke (S. CCLXIX) lautet es: Vor tyden gaff men korte Breve unde was vele gelovens. Itzunder gyfft men lange breve unde is weyneg gelovens.

Holl.: Vroeger gaf men korte brieven, en had men veel geloof; nu geeft men lange brieven, en heeft men weinig geloof. (Harrebomée, I, 90.)

18 Weh dem, der die brieffe tragen muss.Henisch, 508.

19 Wer seine Briefe will bestellet han, lass sie durch'n Boten tra'n.

Holl.: Wilt gij van brieven zijn gediend, schrijf door een' bode en niet met vriend. (Harrebomée, I, 90.)

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et">
            <pb facs="#f0260" n="[232]"/>
            <cb n="463"/> <hi rendition="#larger">*24 Er hat ein Bret vor dem Kopfe (oder: einen breiten Verstand).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Wie die deutsche Sprache einen grossen Reichthum an Redensarten zur Bezeichnung des Trunkenseins in dessen verschiedenen Abstufungen besitzt (s.  Ansehen 29 und  Boden 38), so fehlt es ihr auch nicht daran, um einen Menschen mit mehr oder weniger beschränktem Verstande zu bezeichnen: nur mangelt es hier noch an einer so vollständigen Sammlung. Man sagt nicht stets von einem solchen, er habe ein Bret vor dem Kopfe, man bedient sich auch einer der folgenden Redensarten: Er ist schwer von Begriffen. Er ist beschränkt. Es fehlt ihm am Besten. Er ist ein Blechschwätzer. Er denkt langsam. Er kann knapp auf drei zählen. Er ist so  dumm (s. d.) wie Saubohnenstroh. Er ist dümmer als dumm. Er ist dümmer als Bürgermeisters Gimpel. Er ist polizeiwidrig dumm. Er ist dümmer als ein Stück Vieh. Er ist noch dümmer als er aussieht. Die Dummheit sieht ihm aus den Augen. Er ist ein  Dummkopf (s. d.). Er ist ein Dümmling. Er hat Einfälle wie ein altes Haus. Er ist einfältig wie Wurstsuppe. Er ist ein Eselskopf. Er ist gepickt. Er ist gesund und dumm. Er hat keine Grütze im Kopfe. Er hat Häcksel (Siede) im Kopfe. Das Hirn ist ihm erfroren. Das Hirn ist ihm verbrüht. Er ist hochgeöhrt. Er ist ein Hohlkopf. Er ist ein Holzbock. Er hat Hörner auf. Er ist ein Hornvieh. Er lockt keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Er ist ein Kalb. Er erfindet keine Ketzerei. Er hat einen vernagelten Kopf. Er ist auf den Kopf gefallen. Er ist schwach im Kopfe. Er ist ein Vetter Langohr. Er hat einen Leibschaden unter dem Hute. Man kann ihn als Mauerbrecher gebrauchen. Er ist ein Michel. Die Natur hat ihn stiefmütterlich bedacht. Es fehlt ihm im Oberstübchen. Er ist ein Ochsenkopf. Ein Hans Ohnekopf. Er hat das Pulver nicht erfunden. Er ist ein Rindvieh. Er ist ein Schafskopf. Er ist ein Schwachkopf. Er ist nicht daran schuld, dass die Frösche keine Schwänze haben. Er hat Sitz und Stimme im Hintern. Er ist ein Strohkopf. Er ist ein Tappes. Er ist ein Tölpel. Er hat keinen Verstand. Er hat keinen Verstehtermich. Man kann Wände mit ihm einrennen. Er hat Wasser im Kopfe. Es kommt kein gescheidt Wort aus seinem Munde. (S. auch den Artikel &#x201E; Dumm&#x201C;.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*25 Er sitzt nah beym bret.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Agricola II, 115; Mayer, II, 229.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*26 Etwas ans Bret schlagen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Oeffentlich bekannt machen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*27 Etwas ans Bret ziehen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 723.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*28 Etwas auf Einem Bret bezahlen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Auf einmal.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*29 Hoch am Brete sein (sitzen).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Agricola, 419; Eiselein, 94; Körte, 723.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Gut bei jemand stehen, ihn zum Freunde und Gönner haben. Eigentlich: eine der obersten Stellen am Rathsherrentische haben. Fülleborn leitet die Redensart von den früher gewöhnlichen Bretspielen her, wobei der Gewinnende wie im Tokadille hoch zählen oder wie in andern die Steine hoch aufsetzen muss. (Vgl. <hi rendition="#i">Breslauer Erzähler, 1800, S. 729.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Elevare ad honores. (<hi rendition="#i">Henisch, 503.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*30 Jemand zu Brete treiben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">In die Enge treiben.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*31 Nahe (hoch) am brett sein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 503.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*32 Sie spielen miteinander im Bret.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 94.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Zusammen im Sarge liegen. &#x201E;Als im Schwabenkriege 1499&#x201C;, erzählt Zinkgref, &#x201E;Hauptmann Burkard von Randek bei Ermatingen am Untersee durch Schweizer und bald hernach im Treffen bei Frastenz Hauptmann Heinrich Wohlleb von Uri durch Schwaben erschlagen worden, frugen diese die Schweizer spottweise, wo ihr Wohlleb hingekommen sei, worauf die Eidgenossen erwiderten: &#x203A;Er spielt mit Burkard von Randek im Bret.&#x2039;&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*33 Vor das heisse Bret kommen (müssen, vor Gericht, ins Examen).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 723.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*34 Wenn a gleech a Brat füren (vor den) Ohren hätte.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Robinson, 250.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Breterkastel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Was haben's da nur an dem Breterkastel vor a Narr'n gefressen, dass m'r das Ding bewachen muss, sagte der Rekrut, und er stand vorm Schilderhause.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Dat is een wonderlijk kasteel, zei de boer, en hij zag een ouderwetsch hoenderhok. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 68.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Bretsäge.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Gît a doch wî ane Brâtsâge su brêt.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, III, 412.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Bricke.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Der eine fängt die Bricken, der andere verzehrt sie.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Man muss die Bricken lebend erhalten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Weil man mit lebenden Bricken den Kabeljau besser als mit todten fängt. Also die Sache in gutem Stande.</p><lb/>
        </div>
        <cb n="464"/>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brief.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Auf heimliche Briefe muss man keine Handlung anfangen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Beschwerte Briefe sind willkommen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">D. h. von Werthpapieren begleitete. Ein afrikanischer Negerstamm hat das Sprichwort: Leere Briefe gehen nicht an Bord. (<hi rendition="#i">Reinsberg II, 109.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Besser aus dem Briefe recht lesen, denn auswendig fehlen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 321.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Briefe<hi rendition="#sup">1</hi> sind besser als Zeugen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Pistor., III, 25; Sailer, 253; Simrock, 1299; Hertius, I, 27; Eisenhart, 542; Hillebrand, 226; Eiselein, 95, 726.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) D. i. Urkunden. &#x2013; Von dem Vorzuge, den schriftliche Urkunden als Beweismittel vor Zeugen haben, die weder stets zu erhalten sind, noch auch immer die Zuverlässigkeit von Briefschaften besitzen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Briefe wahrer Freunde werden nicht mit Butter, sondern mit Diamanten versiegelt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Winckler, IV, 44.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Der Brief redet.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Kirchhofer, 68.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn man sich auf ein Schriftstück, eine Urkunde, eine Sache, die vorgezeigt werden kann, beruft.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Die ältesten Briefe gehen vor.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eisenhart, 323; Henisch, 508; Pistor., III, 26; Hillebrand, 89; Hertius, I, 49; Hassl., 26; Sailer, 255.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Ansprüche dessen, der eine ältere Pfandverschreibung hat, gehen den Ansprüchen derer, die eine spätere haben, vor. Es kommt dabei sogar auf die Stunde der Verschreibung an, wenn jemand seine Güter mehreren zugleich an einem Tage verschrieben hat. Wo die Zeit nicht angegeben ist, haben die Pfandverschreibungen gleiche Rechte.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: De oudste brieven gaan voor. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 89.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Ein Brief ist ein Spiegel.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Aan den brieven kent men den persoon. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 89.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">9 Eines andern brieff, beutel vnd tafeln soll man nicht ansehen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 508.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">10 Ey thut es yhm nicht, er hat brieff, dass man sein nicht spotten soll.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Agricola, 48; Latendorf, 86; Henisch, 507.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Von denen, die keinen Scherz oder Spott ertragen wollen. Das Sprichwort fordert ironisch die Vorlegung ihrer schriftlichen Urkunden, die sie von dem befreien, was doch das Los aller ist.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Spot niet met hem; hij heeft vrijbrieven. (<hi rendition="#i">Campen, 6; Harrebomée, I, 90.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">11 Grosse Briefe haben viel Buchstaben und wenig Werk.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">12 Man darf Briefen nicht zu viel anvertrauen, oder muss sie selbst tragen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Brieven, waar geheimen in staan, moet men maar zelf bezorgen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 89.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">13 Man soll eines andern brieff (oder heimlickeit) nicht liederlich an den Tag geben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 508.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">14 Man muss den Brief nach der Aufschrift nehmen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Burckhardt, 252.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Sieh den Menschen an und du wirst seinen Charakter kennen, ist herrschende Ansicht im Morgenlande.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">15 Meineide Brief, meineide Wort.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Suchenwirth.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">16 Um fremde Briefe und Säckel und geheime Buch soll sich niemand kümmern.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 508; Körte, 724.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het oog op niemands brief (boek) noch de hand in iemands kast (beurs).</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Nè occhj in lettera, nè mani in tasca d'altri. (<hi rendition="#i">Gaal, 246.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">17 Vor zeytten gab man kurtze brieff<hi rendition="#sup">1</hi> vnd war vil glaubens, itzt gibt man lange brieffe vnd ist wenig glaubens.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Agricola, 733; Campen, 88; Latendorf, 109; Henisch, 568; Simrock, 1301; Körte, 725, Eiselein, 95.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) D. i. Verbriefungen. &#x2013; Das Sprichwort klagt darüber, dass mehr Acten- und Formelwesen, desto weniger Treu und Glauben, aber desto mehr Ränke und Ausflüchte und Schwindeleien aller Art existiren. Bei <hi rendition="#i">Reineke (S. CCLXIX)</hi> lautet es: Vor tyden gaff men korte Breve unde was vele gelovens. Itzunder gyfft men lange breve unde is weyneg gelovens.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Vroeger gaf men korte brieven, en had men veel geloof; nu geeft men lange brieven, en heeft men weinig geloof. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 90.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">18 Weh dem, der die brieffe tragen muss.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 508.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">19 Wer seine Briefe will bestellet han, lass sie durch'n Boten tra'n.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Wilt gij van brieven zijn gediend, schrijf door een' bode en niet met vriend. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 90.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[232]/0260] *24 Er hat ein Bret vor dem Kopfe (oder: einen breiten Verstand). Wie die deutsche Sprache einen grossen Reichthum an Redensarten zur Bezeichnung des Trunkenseins in dessen verschiedenen Abstufungen besitzt (s. Ansehen 29 und Boden 38), so fehlt es ihr auch nicht daran, um einen Menschen mit mehr oder weniger beschränktem Verstande zu bezeichnen: nur mangelt es hier noch an einer so vollständigen Sammlung. Man sagt nicht stets von einem solchen, er habe ein Bret vor dem Kopfe, man bedient sich auch einer der folgenden Redensarten: Er ist schwer von Begriffen. Er ist beschränkt. Es fehlt ihm am Besten. Er ist ein Blechschwätzer. Er denkt langsam. Er kann knapp auf drei zählen. Er ist so dumm (s. d.) wie Saubohnenstroh. Er ist dümmer als dumm. Er ist dümmer als Bürgermeisters Gimpel. Er ist polizeiwidrig dumm. Er ist dümmer als ein Stück Vieh. Er ist noch dümmer als er aussieht. Die Dummheit sieht ihm aus den Augen. Er ist ein Dummkopf (s. d.). Er ist ein Dümmling. Er hat Einfälle wie ein altes Haus. Er ist einfältig wie Wurstsuppe. Er ist ein Eselskopf. Er ist gepickt. Er ist gesund und dumm. Er hat keine Grütze im Kopfe. Er hat Häcksel (Siede) im Kopfe. Das Hirn ist ihm erfroren. Das Hirn ist ihm verbrüht. Er ist hochgeöhrt. Er ist ein Hohlkopf. Er ist ein Holzbock. Er hat Hörner auf. Er ist ein Hornvieh. Er lockt keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Er ist ein Kalb. Er erfindet keine Ketzerei. Er hat einen vernagelten Kopf. Er ist auf den Kopf gefallen. Er ist schwach im Kopfe. Er ist ein Vetter Langohr. Er hat einen Leibschaden unter dem Hute. Man kann ihn als Mauerbrecher gebrauchen. Er ist ein Michel. Die Natur hat ihn stiefmütterlich bedacht. Es fehlt ihm im Oberstübchen. Er ist ein Ochsenkopf. Ein Hans Ohnekopf. Er hat das Pulver nicht erfunden. Er ist ein Rindvieh. Er ist ein Schafskopf. Er ist ein Schwachkopf. Er ist nicht daran schuld, dass die Frösche keine Schwänze haben. Er hat Sitz und Stimme im Hintern. Er ist ein Strohkopf. Er ist ein Tappes. Er ist ein Tölpel. Er hat keinen Verstand. Er hat keinen Verstehtermich. Man kann Wände mit ihm einrennen. Er hat Wasser im Kopfe. Es kommt kein gescheidt Wort aus seinem Munde. (S. auch den Artikel „ Dumm“.) *25 Er sitzt nah beym bret. – Agricola II, 115; Mayer, II, 229. *26 Etwas ans Bret schlagen. Oeffentlich bekannt machen. *27 Etwas ans Bret ziehen. – Körte, 723. *28 Etwas auf Einem Bret bezahlen. Auf einmal. *29 Hoch am Brete sein (sitzen). – Agricola, 419; Eiselein, 94; Körte, 723. Gut bei jemand stehen, ihn zum Freunde und Gönner haben. Eigentlich: eine der obersten Stellen am Rathsherrentische haben. Fülleborn leitet die Redensart von den früher gewöhnlichen Bretspielen her, wobei der Gewinnende wie im Tokadille hoch zählen oder wie in andern die Steine hoch aufsetzen muss. (Vgl. Breslauer Erzähler, 1800, S. 729.) Lat.: Elevare ad honores. (Henisch, 503.) *30 Jemand zu Brete treiben. In die Enge treiben. *31 Nahe (hoch) am brett sein. – Henisch, 503. *32 Sie spielen miteinander im Bret. – Eiselein, 94. Zusammen im Sarge liegen. „Als im Schwabenkriege 1499“, erzählt Zinkgref, „Hauptmann Burkard von Randek bei Ermatingen am Untersee durch Schweizer und bald hernach im Treffen bei Frastenz Hauptmann Heinrich Wohlleb von Uri durch Schwaben erschlagen worden, frugen diese die Schweizer spottweise, wo ihr Wohlleb hingekommen sei, worauf die Eidgenossen erwiderten: ›Er spielt mit Burkard von Randek im Bret.‹“ *33 Vor das heisse Bret kommen (müssen, vor Gericht, ins Examen). – Körte, 723. *34 Wenn a gleech a Brat füren (vor den) Ohren hätte. – Robinson, 250. Breterkastel. * Was haben's da nur an dem Breterkastel vor a Narr'n gefressen, dass m'r das Ding bewachen muss, sagte der Rekrut, und er stand vorm Schilderhause. Holl.: Dat is een wonderlijk kasteel, zei de boer, en hij zag een ouderwetsch hoenderhok. (Harrebomée, I, 68.) Bretsäge. Gît a doch wî ane Brâtsâge su brêt. (Schles.) – Frommann, III, 412. Bricke. 1 Der eine fängt die Bricken, der andere verzehrt sie. 2 Man muss die Bricken lebend erhalten. Weil man mit lebenden Bricken den Kabeljau besser als mit todten fängt. Also die Sache in gutem Stande. Brief. 1 Auf heimliche Briefe muss man keine Handlung anfangen. 2 Beschwerte Briefe sind willkommen. D. h. von Werthpapieren begleitete. Ein afrikanischer Negerstamm hat das Sprichwort: Leere Briefe gehen nicht an Bord. (Reinsberg II, 109.) 3 Besser aus dem Briefe recht lesen, denn auswendig fehlen. – Henisch, 321. 4 Briefe1 sind besser als Zeugen. – Pistor., III, 25; Sailer, 253; Simrock, 1299; Hertius, I, 27; Eisenhart, 542; Hillebrand, 226; Eiselein, 95, 726. 1) D. i. Urkunden. – Von dem Vorzuge, den schriftliche Urkunden als Beweismittel vor Zeugen haben, die weder stets zu erhalten sind, noch auch immer die Zuverlässigkeit von Briefschaften besitzen. 5 Briefe wahrer Freunde werden nicht mit Butter, sondern mit Diamanten versiegelt. – Winckler, IV, 44. 6 Der Brief redet. – Kirchhofer, 68. Wenn man sich auf ein Schriftstück, eine Urkunde, eine Sache, die vorgezeigt werden kann, beruft. 7 Die ältesten Briefe gehen vor. – Eisenhart, 323; Henisch, 508; Pistor., III, 26; Hillebrand, 89; Hertius, I, 49; Hassl., 26; Sailer, 255. Die Ansprüche dessen, der eine ältere Pfandverschreibung hat, gehen den Ansprüchen derer, die eine spätere haben, vor. Es kommt dabei sogar auf die Stunde der Verschreibung an, wenn jemand seine Güter mehreren zugleich an einem Tage verschrieben hat. Wo die Zeit nicht angegeben ist, haben die Pfandverschreibungen gleiche Rechte. Holl.: De oudste brieven gaan voor. (Harrebomée, I, 89.) 8 Ein Brief ist ein Spiegel. Holl.: Aan den brieven kent men den persoon. (Harrebomée, I, 89.) 9 Eines andern brieff, beutel vnd tafeln soll man nicht ansehen. – Henisch, 508. 10 Ey thut es yhm nicht, er hat brieff, dass man sein nicht spotten soll. – Agricola, 48; Latendorf, 86; Henisch, 507. Von denen, die keinen Scherz oder Spott ertragen wollen. Das Sprichwort fordert ironisch die Vorlegung ihrer schriftlichen Urkunden, die sie von dem befreien, was doch das Los aller ist. Holl.: Spot niet met hem; hij heeft vrijbrieven. (Campen, 6; Harrebomée, I, 90.) 11 Grosse Briefe haben viel Buchstaben und wenig Werk. 12 Man darf Briefen nicht zu viel anvertrauen, oder muss sie selbst tragen. Holl.: Brieven, waar geheimen in staan, moet men maar zelf bezorgen. (Harrebomée, I, 89.) 13 Man soll eines andern brieff (oder heimlickeit) nicht liederlich an den Tag geben. – Henisch, 508. 14 Man muss den Brief nach der Aufschrift nehmen. – Burckhardt, 252. Sieh den Menschen an und du wirst seinen Charakter kennen, ist herrschende Ansicht im Morgenlande. 15 Meineide Brief, meineide Wort. – Suchenwirth. 16 Um fremde Briefe und Säckel und geheime Buch soll sich niemand kümmern. – Henisch, 508; Körte, 724. Holl.: Het oog op niemands brief (boek) noch de hand in iemands kast (beurs). It.: Nè occhj in lettera, nè mani in tasca d'altri. (Gaal, 246.) 17 Vor zeytten gab man kurtze brieff1 vnd war vil glaubens, itzt gibt man lange brieffe vnd ist wenig glaubens. – Agricola, 733; Campen, 88; Latendorf, 109; Henisch, 568; Simrock, 1301; Körte, 725, Eiselein, 95. 1) D. i. Verbriefungen. – Das Sprichwort klagt darüber, dass mehr Acten- und Formelwesen, desto weniger Treu und Glauben, aber desto mehr Ränke und Ausflüchte und Schwindeleien aller Art existiren. Bei Reineke (S. CCLXIX) lautet es: Vor tyden gaff men korte Breve unde was vele gelovens. Itzunder gyfft men lange breve unde is weyneg gelovens. Holl.: Vroeger gaf men korte brieven, en had men veel geloof; nu geeft men lange brieven, en heeft men weinig geloof. (Harrebomée, I, 90.) 18 Weh dem, der die brieffe tragen muss. – Henisch, 508. 19 Wer seine Briefe will bestellet han, lass sie durch'n Boten tra'n. Holl.: Wilt gij van brieven zijn gediend, schrijf door een' bode en niet met vriend. (Harrebomée, I, 90.)

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:54:38Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:54:38Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/260
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867, S. [232]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/260>, abgerufen am 22.10.2020.