Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch]


Aelterer.

Der Aeltere theilet, der Jüngere kieset. - Eisenhart, III, 3, 16; Pistor., X, 66.

Altes Sprichwort über Erbtheilungen, wonach das ältere von zwei Geschwistern die Theile machte und das jüngere sich sodann zuerst einen Theil wählte; jenes hat Theilungs-, dieses Kürrecht. Zum Theilen gehört Reife des Urtheils, das Wählen entspricht der Neigung der Jugend. (Vgl. Georg Beyer, Diss. de proverbis juridico; major dividit et minor eligit: der Aeltere theilt, u. s. w. Wittenberg 1712.)


Altern.

Nichts altert eh'r als Lob und Ehr'.


Aeltern.

1 Aeltern, die verzärteln die Jugend, gewöhnen sie nicht zur Tugend.

2 Aeltern erziehen ihre Kinder, die Nachbarn verheiraten sie.

3 Aeltern, Freier und grosse Herrn geben mit Lust und gern.

4 Aeltern haben ihre Kinder lieber, als Kinder ihre Aeltern.

5 Aeltern minnen ihr Kind ohne Mass und Unterbind. (Liedersammlung.)

6 Aeltern sollen den Zaum nicht aus den Händen geben, solange sie leben.

7 Aeltern verachten ist ein Stück von einem gottlosen Menschen.

8 Auch bösen Aeltern soll man danken.

Lat.: Persolvi gratia non potest nec malo patri. (Quint.)

9 Auch gottlose Aeltern haben zuweilen fromme Kinder.

10 Auf der Aeltern Schos werden die Kinder gross.

Lat.: Omnis in Ascanio curi stat cura parentis. (Virgil.)

11 Böse Aeltern - (machen) fromme Kinder.

Insofern das böse Beispiel der Aeltern abschreckend auf die Kinder wirkt.

It.: Talor di cattivi ciocchi vengon fuora di buone schegge.

12 Den Aeltern ist man viel Dank schuldig, Gott noch mehr.

13 Der Aeltern Tod ist oft der Kinder Glück.

14 Die Aeltern geben das Heirathsgut, Gott die Sitten.

15 Die Aeltern haben Herlinge gegessen und den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden.

Lat.: Culpam majorum posteri luunt. (Curt.)

16 Die Aeltern liebe, sind sie fromm und gut, wo nicht, so schweig' und leide.

17 Die Aeltern sind wol die Röhren, die den Kindern alles Gute zuführen, aber der Brunnen ist Gott.

18 Die Aeltern stehlen den Flachs, die Kinder bekommen die Stricke.

19 Die besten Aeltern haben oft ungerathene Kinder.

Frz.: D'une bonne souche il sort quelquefois mauvais scion.

20 Die der Aeltern Güter und nicht ihre Tugenden erben, sind blos halbe Erben.

21 Gaue (gute) Aeltern erteiet slechte Kinder, slechte Aeltern erteiet gaue Kinder. - Schambach, 21.

22 Nachlässige Aeltern erziehen keine guten Kinder.

23 Nachsichtige Aeltern ziehen schlechte Kinder.

Lat.: Blanda facit (vel: Blanda patrum) segnes matrum indulgentia natos.

24 Sich der Aeltern Tugend rühmen und selbst ein Schlingel sein, das ist nicht fein.

Lat.: Alienae incumbere famae miserum est.

25 's ist besser d' Aeltere briegit de Chinde noh, als de Chind den Aeltere. (Schaffhausen.)

26 Sogar Aeltern sehen ihre armen Kinder nicht wohl an.

27 Unsere Aeltern und Vorältern sind auch keine Narren gewesen. - Sprichwörterschatz, 23.

28 Was Aeltern wollen, das ihre Kinder Löbliches thun sollen, das müssen sie zuvor selber thun.

29 Was die Aeltern gethan, soll in Schatten stahn.

Lat.: Datur meritis majorum nulla gloria.

30 Was die Aeltern spinnen, müssen die Kinder weifen.

[Spaltenumbruch] 31 Was karge (staubige) Aeltern ersparen, vergeuden ungerathene (blanke) Kinder.

Lat.: Quantum pater colligit, tantum filius dissipat.

32 Wenn die Aeltern Holzäpfel essen, so werden den Kindern die Zähne davon stumpf.

It.: Mangia il padre quel che al figlio allega i denti.

Lat.: Patres comedunt uvam acerbam, et filiorum dentes obstupescunt.

Ung.: Apank ette meg az egrest es a mi fogaink zsibbadnak.

33 Wenn die Aeltern schlafen, so träumen die Kinder -

und selten sehr angenehm.

34 Wenn die Aeltern Wolken sammeln, so kommt das Gewitter über die Kinder.

35 Wenn die Aeltern zärteln mit der Jugend, gewohnet sie nicht leicht der Tugend.

36 Wenn man die Aeltern straft, muss man den Kindern das Brot nicht aus dem Munde reissen.

37 Wer auf der Aeltern Wort nicht hört, wird von des Henkers Hand belehrt.

38 Wer den Aeltern nicht folgen will, muss endlich dem Büttel (Henker, Kalbfell, Scharfrichter, der Karre) folgen (gehorchen). - Agricola, 94; Egenolff, 75a.

Das Kalbfell oder die Trommel fordert unbedingten Gehorsam. Karre bezeichnet harte Zwangsarbeit.

It.: Chi non vuol obbedire al padre e madre nella giovanezza, va a pericolo di obbedire il boia nella vecchiezza.

Lat.: Audit carnificem, nolens audire parentem.

Ung.: A ki az atya szavat es az annya oktatasat megveti azt a hoher szokta megtanitani.

39 Wer den Aeltern nicht folgt, hat einen dummen Muth.

Holl.: Wie op zijn ouders raad niet past, die stelet zijn gangen naar den bast. (Harrebomee, II, 156.)

40 Wer die Aeltern ehrt, den ehrt Gott wieder.

Lat.: Quisquis parentes in vita solis suos, hic mortuus vivusque carus est Deo. ( Euripides.)

41 Wer nicht gehorcht der Aeltern Rath, der wird zuletzt ein Galgenbrat'.

42 Wer sich von Aeltern nicht lässt ziehen, der wird dem Henker nicht entfliehen.

Holl.: Wie zijne ouders niet wil volgen, die moet den beul volgen, al doet hij het niet gaarne. (Harrebomee, II, 156.)

Lat.: Audit carnificem, nolens audire parentum.

43 Wie die Aeltern, so die Kinder.

Lat.: A radice mala nascuntur pessima mala.

*44 Er hat seiner Aeltern Asche verblasen.

Wenn einem alles unglücklich geht, weil Verachtung der Aeltern mit Fluch beladen gedacht wird. Das Grab derselben wurde geehrt.

Lat.: Minxit in patrios cineres. (Horaz.) (Erasm., 469.)

*45 Es ist so von unsern Aeltern auf uns gekommen.


Aelternfluch.

Aelternfluch ist haltbar Tuch.

Lat.: Valde gravant natos dirae et male dicta parentum.


Aelternwunsch.

Aelternwunsch klebet gern.


Alterschwäche.

Alterschwäche ist schlimmer als der Tod.

Lat.: Morte magis mentuenda senectus. (Juv.)


Altfränkisch.

*1 Altfränkisch reden und gebaren.

*2 Es ist altfränkisch.

Die Herrschaft der Franken ist lange zu Ende. Das Sprichwort erhält ihr Andenken. Man wendet es auf alles an, was aus alten Zeiten herstammt, wenn es auch mit altfränkischer Mode und Sitte nichts gemein hat.


Altheit.

Oalheit halpt egh för Kinjskhaid. (Nordfries.) - Lappenkorb, 61.

Altheit (Alter) hilft (schützt) nicht vor Kindischheit.


Altied.

Altied is 't keen Sömmer un Sönndag.


Altklug.

1 Altklug nie Frucht trug.

Lat.: Qui sapit ante pilos, haud dies ille sapit.

2 Ooltkloog leevt nig lang. - Schütze.

Von Kindern und jungen Leuten, die frühklug sind oder klug thun, und denen man daher kein langes Leben zutraut. Und die Erfahrung lehrt, dass nicht selten frühe Krafterschöpfung auch früh endet.


Altsänger.

Ein Altsänger wird eher heiser als ein Bassist.


[Spaltenumbruch]


Aelterer.

Der Aeltere theilet, der Jüngere kieset.Eisenhart, III, 3, 16; Pistor., X, 66.

Altes Sprichwort über Erbtheilungen, wonach das ältere von zwei Geschwistern die Theile machte und das jüngere sich sodann zuerst einen Theil wählte; jenes hat Theilungs-, dieses Kürrecht. Zum Theilen gehört Reife des Urtheils, das Wählen entspricht der Neigung der Jugend. (Vgl. Georg Beyer, Diss. de proverbis juridico; major dividit et minor eligit: der Aeltere theilt, u. s. w. Wittenberg 1712.)


Altern.

Nichts altert eh'r als Lob und Ehr'.


Aeltern.

1 Aeltern, die verzärteln die Jugend, gewöhnen sie nicht zur Tugend.

2 Aeltern erziehen ihre Kinder, die Nachbarn verheiraten sie.

3 Aeltern, Freier und grosse Herrn geben mit Lust und gern.

4 Aeltern haben ihre Kinder lieber, als Kinder ihre Aeltern.

5 Aeltern minnen ihr Kind ohne Mass und Unterbind. (Liedersammlung.)

6 Aeltern sollen den Zaum nicht aus den Händen geben, solange sie leben.

7 Aeltern verachten ist ein Stück von einem gottlosen Menschen.

8 Auch bösen Aeltern soll man danken.

Lat.: Persolvi gratia non potest nec malo patri. (Quint.)

9 Auch gottlose Aeltern haben zuweilen fromme Kinder.

10 Auf der Aeltern Schos werden die Kinder gross.

Lat.: Omnis in Ascanio curi stat cura parentis. (Virgil.)

11 Böse Aeltern – (machen) fromme Kinder.

Insofern das böse Beispiel der Aeltern abschreckend auf die Kinder wirkt.

It.: Talor di cattivi ciocchi vengon fuora di buone schegge.

12 Den Aeltern ist man viel Dank schuldig, Gott noch mehr.

13 Der Aeltern Tod ist oft der Kinder Glück.

14 Die Aeltern geben das Heirathsgut, Gott die Sitten.

15 Die Aeltern haben Herlinge gegessen und den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden.

Lat.: Culpam majorum posteri luunt. (Curt.)

16 Die Aeltern liebe, sind sie fromm und gut, wo nicht, so schweig' und leide.

17 Die Aeltern sind wol die Röhren, die den Kindern alles Gute zuführen, aber der Brunnen ist Gott.

18 Die Aeltern stehlen den Flachs, die Kinder bekommen die Stricke.

19 Die besten Aeltern haben oft ungerathene Kinder.

Frz.: D'une bonne souche il sort quelquefois mauvais scion.

20 Die der Aeltern Güter und nicht ihre Tugenden erben, sind blos halbe Erben.

21 Gaue (gute) Aeltern erteiet slechte Kinder, slechte Aeltern erteiet gaue Kinder.Schambach, 21.

22 Nachlässige Aeltern erziehen keine guten Kinder.

23 Nachsichtige Aeltern ziehen schlechte Kinder.

Lat.: Blanda facit (vel: Blanda patrum) segnes matrum indulgentia natos.

24 Sich der Aeltern Tugend rühmen und selbst ein Schlingel sein, das ist nicht fein.

Lat.: Alienae incumbere famae miserum est.

25 's ist besser d' Aeltere briegit de Chinde noh, als de Chind den Aeltere. (Schaffhausen.)

26 Sogar Aeltern sehen ihre armen Kinder nicht wohl an.

27 Unsere Aeltern und Vorältern sind auch keine Narren gewesen.Sprichwörterschatz, 23.

28 Was Aeltern wollen, das ihre Kinder Löbliches thun sollen, das müssen sie zuvor selber thun.

29 Was die Aeltern gethan, soll in Schatten stahn.

Lat.: Datur meritis majorum nulla gloria.

30 Was die Aeltern spinnen, müssen die Kinder weifen.

[Spaltenumbruch] 31 Was karge (staubige) Aeltern ersparen, vergeuden ungerathene (blanke) Kinder.

Lat.: Quantum pater colligit, tantum filius dissipat.

32 Wenn die Aeltern Holzäpfel essen, so werden den Kindern die Zähne davon stumpf.

It.: Mangia il padre quel che al figlio allega i denti.

Lat.: Patres comedunt uvam acerbam, et filiorum dentes obstupescunt.

Ung.: Apánk ette meg az egrest és a mi fogaink zsibbadnak.

33 Wenn die Aeltern schlafen, so träumen die Kinder –

und selten sehr angenehm.

34 Wenn die Aeltern Wolken sammeln, so kommt das Gewitter über die Kinder.

35 Wenn die Aeltern zärteln mit der Jugend, gewohnet sie nicht leicht der Tugend.

36 Wenn man die Aeltern straft, muss man den Kindern das Brot nicht aus dem Munde reissen.

37 Wer auf der Aeltern Wort nicht hört, wird von des Henkers Hand belehrt.

38 Wer den Aeltern nicht folgen will, muss endlich dem Büttel (Henker, Kalbfell, Scharfrichter, der Karre) folgen (gehorchen).Agricola, 94; Egenolff, 75a.

Das Kalbfell oder die Trommel fordert unbedingten Gehorsam. Karre bezeichnet harte Zwangsarbeit.

It.: Chi non vuol obbedire al padre e madre nella giovanezza, va a pericolo di obbedire il boia nella vecchiezza.

Lat.: Audit carnificem, nolens audire parentem.

Ung.: A ki az atya szavát és az annya oktatását megveti azt a hohér szokta megtanitani.

39 Wer den Aeltern nicht folgt, hat einen dummen Muth.

Holl.: Wie op zijn ouders raad niet past, die stelet zijn gangen naar den bast. (Harrebomée, II, 156.)

40 Wer die Aeltern ehrt, den ehrt Gott wieder.

Lat.: Quisquis parentes in vita solis suos, hic mortuus vivusque carus est Deo. ( Euripides.)

41 Wer nicht gehorcht der Aeltern Rath, der wird zuletzt ein Galgenbrat'.

42 Wer sich von Aeltern nicht lässt ziehen, der wird dem Henker nicht entfliehen.

Holl.: Wie zijne ouders niet wil volgen, die moet den beul volgen, al doet hij het niet gaarne. (Harrebomée, II, 156.)

Lat.: Audit carnificem, nolens audire parentum.

43 Wie die Aeltern, so die Kinder.

Lat.: A radice mala nascuntur pessima mala.

*44 Er hat seiner Aeltern Asche verblasen.

Wenn einem alles unglücklich geht, weil Verachtung der Aeltern mit Fluch beladen gedacht wird. Das Grab derselben wurde geehrt.

Lat.: Minxit in patrios cineres. (Horaz.) (Erasm., 469.)

*45 Es ist so von unsern Aeltern auf uns gekommen.


Aelternfluch.

Aelternfluch ist haltbar Tuch.

Lat.: Valde gravant natos dirae et male dicta parentum.


Aelternwunsch.

Aelternwunsch klebet gern.


Alterschwäche.

Alterschwäche ist schlimmer als der Tod.

Lat.: Morte magis mentuenda senectus. (Juv.)


Altfränkisch.

*1 Altfränkisch reden und gebaren.

*2 Es ist altfränkisch.

Die Herrschaft der Franken ist lange zu Ende. Das Sprichwort erhält ihr Andenken. Man wendet es auf alles an, was aus alten Zeiten herstammt, wenn es auch mit altfränkischer Mode und Sitte nichts gemein hat.


Altheit.

Oalheit halpt egh för Kinjskhaid. (Nordfries.) – Lappenkorb, 61.

Altheit (Alter) hilft (schützt) nicht vor Kindischheit.


Altied.

Altied is 't keen Sömmer un Sönndag.


Altklug.

1 Altklug nie Frucht trug.

Lat.: Qui sapit ante pilos, haud dies ille sapit.

2 Ooltkloog leevt nig lang.Schütze.

Von Kindern und jungen Leuten, die frühklug sind oder klug thun, und denen man daher kein langes Leben zutraut. Und die Erfahrung lehrt, dass nicht selten frühe Krafterschöpfung auch früh endet.


Altsänger.

Ein Altsänger wird eher heiser als ein Bassist.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p>
            <pb facs="#f0060" n="[32]"/>
            <cb n="63"/>
          </p><lb/>
          <p/><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aelterer.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Der Aeltere theilet, der Jüngere kieset.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eisenhart, III, 3, 16; Pistor., X, 66.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Altes Sprichwort über Erbtheilungen, wonach das ältere von zwei Geschwistern die Theile machte und das jüngere sich sodann zuerst einen Theil wählte; jenes hat Theilungs-, dieses Kürrecht. Zum Theilen gehört Reife des Urtheils, das Wählen entspricht der Neigung der Jugend. (Vgl. Georg Beyer, Diss. de proverbis juridico; major dividit et minor eligit: der Aeltere theilt, u. s. w. <hi rendition="#i">Wittenberg 1712.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Altern.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Nichts altert eh'r als Lob und Ehr'.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aeltern.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Aeltern, die verzärteln die Jugend, gewöhnen sie nicht zur Tugend.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Aeltern erziehen ihre Kinder, die Nachbarn verheiraten sie.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Aeltern, Freier und grosse Herrn geben mit Lust und gern.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Aeltern haben ihre Kinder lieber, als Kinder ihre Aeltern.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Aeltern minnen ihr Kind ohne Mass und Unterbind.</hi> (<hi rendition="#i">Liedersammlung.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">6 Aeltern sollen den Zaum nicht aus den Händen geben, solange sie leben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">7 Aeltern verachten ist ein Stück von einem gottlosen Menschen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Auch bösen Aeltern soll man danken.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Persolvi gratia non potest nec malo patri. (<hi rendition="#i">Quint.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Auch gottlose Aeltern haben zuweilen fromme Kinder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">10 Auf der Aeltern Schos werden die Kinder gross.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Omnis in Ascanio curi stat cura parentis. (<hi rendition="#i">Virgil.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">11 Böse Aeltern &#x2013; (machen) fromme Kinder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Insofern das böse Beispiel der Aeltern abschreckend auf die Kinder wirkt.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Talor di cattivi ciocchi vengon fuora di buone schegge.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">12 Den Aeltern ist man viel Dank schuldig, Gott noch mehr.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">13 Der Aeltern Tod ist oft der Kinder Glück.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">14 Die Aeltern geben das Heirathsgut, Gott die Sitten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">15 Die Aeltern haben Herlinge gegessen und den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Culpam majorum posteri luunt. (<hi rendition="#i">Curt.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">16 Die Aeltern liebe, sind sie fromm und gut, wo nicht, so schweig' und leide.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">17 Die Aeltern sind wol die Röhren, die den Kindern alles Gute zuführen, aber der Brunnen ist Gott.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">18 Die Aeltern stehlen den Flachs, die Kinder bekommen die Stricke.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">19 Die besten Aeltern haben oft ungerathene Kinder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: D'une bonne souche il sort quelquefois mauvais scion.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">20 Die der Aeltern Güter und nicht ihre Tugenden erben, sind blos halbe Erben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">21 Gaue (gute) Aeltern erteiet slechte Kinder, slechte Aeltern erteiet gaue Kinder.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schambach, 21.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">22 Nachlässige Aeltern erziehen keine guten Kinder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">23 Nachsichtige Aeltern ziehen schlechte Kinder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Blanda facit (vel: Blanda patrum) segnes matrum indulgentia natos.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">24 Sich der Aeltern Tugend rühmen und selbst ein Schlingel sein, das ist nicht fein.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Alienae incumbere famae miserum est.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">25 's ist besser d' Aeltere briegit de Chinde noh, als de Chind den Aeltere.</hi> (<hi rendition="#i">Schaffhausen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">26 Sogar Aeltern sehen ihre armen Kinder nicht wohl an.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">27 Unsere Aeltern und Vorältern sind auch keine Narren gewesen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sprichwörterschatz, 23.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">28 Was Aeltern wollen, das ihre Kinder Löbliches thun sollen, das müssen sie zuvor selber thun.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">29 Was die Aeltern gethan, soll in Schatten stahn.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Datur meritis majorum nulla gloria.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">30 Was die Aeltern spinnen, müssen die Kinder weifen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><cb n="64"/>
31 Was karge (staubige) Aeltern ersparen, vergeuden ungerathene (blanke) Kinder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Quantum pater colligit, tantum filius dissipat.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">32 Wenn die Aeltern Holzäpfel essen, so werden den Kindern die Zähne davon stumpf.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Mangia il padre quel che al figlio allega i denti.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Patres comedunt uvam acerbam, et filiorum dentes obstupescunt.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Ung.</hi>: Apánk ette meg az egrest és a mi fogaink zsibbadnak.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">33 Wenn die Aeltern schlafen, so träumen die Kinder &#x2013;</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">und selten sehr angenehm.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">34 Wenn die Aeltern Wolken sammeln, so kommt das Gewitter über die Kinder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">35 Wenn die Aeltern zärteln mit der Jugend, gewohnet sie nicht leicht der Tugend.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">36 Wenn man die Aeltern straft, muss man den Kindern das Brot nicht aus dem Munde reissen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">37 Wer auf der Aeltern Wort nicht hört, wird von des Henkers Hand belehrt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">38 Wer den Aeltern nicht folgen will, muss endlich dem Büttel (Henker, Kalbfell, Scharfrichter, der Karre) folgen (gehorchen).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Agricola, 94; Egenolff, 75<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Das Kalbfell oder die Trommel fordert unbedingten Gehorsam. Karre bezeichnet harte Zwangsarbeit.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Chi non vuol obbedire al padre e madre nella giovanezza, va a pericolo di obbedire il boia nella vecchiezza.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Audit carnificem, nolens audire parentem.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Ung.</hi>: A ki az atya szavát és az annya oktatását megveti azt a hohér szokta megtanitani.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">39 Wer den Aeltern nicht folgt, hat einen dummen Muth.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Wie op zijn ouders raad niet past, die stelet zijn gangen naar den bast. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 156.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">40 Wer die Aeltern ehrt, den ehrt Gott wieder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Quisquis parentes in vita solis suos, hic mortuus vivusque carus est Deo. ( <hi rendition="#i">Euripides.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">41 Wer nicht gehorcht der Aeltern Rath, der wird zuletzt ein Galgenbrat'.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">42 Wer sich von Aeltern nicht lässt ziehen, der wird dem Henker nicht entfliehen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Wie zijne ouders niet wil volgen, die moet den beul volgen, al doet hij het niet gaarne. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 156.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Audit carnificem, nolens audire parentum.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">43 Wie die Aeltern, so die Kinder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: A radice mala nascuntur pessima mala.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*44 Er hat seiner Aeltern Asche verblasen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn einem alles unglücklich geht, weil Verachtung der Aeltern mit Fluch beladen gedacht wird. Das Grab derselben wurde geehrt.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Minxit in patrios cineres. (<hi rendition="#i">Horaz.</hi>) (<hi rendition="#i">Erasm., 469.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*45 Es ist so von unsern Aeltern auf uns gekommen.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aelternfluch.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Aelternfluch ist haltbar Tuch.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Valde gravant natos dirae et male dicta parentum.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Aelternwunsch.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Aelternwunsch klebet gern.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Alterschwäche.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Alterschwäche ist schlimmer als der Tod.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Morte magis mentuenda senectus. (<hi rendition="#i">Juv.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Altfränkisch.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*1 Altfränkisch reden und gebaren.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Es ist altfränkisch.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Herrschaft der Franken ist lange zu Ende. Das Sprichwort erhält ihr Andenken. Man wendet es auf alles an, was aus alten Zeiten herstammt, wenn es auch mit altfränkischer Mode und Sitte nichts gemein hat.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Altheit.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Oalheit halpt egh för Kinjskhaid.</hi> (<hi rendition="#i">Nordfries.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Lappenkorb, 61.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Altheit (Alter) hilft (schützt) nicht vor Kindischheit.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Altied.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Altied is 't keen Sömmer un Sönndag.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Altklug.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Altklug nie Frucht trug.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Qui sapit ante pilos, haud dies ille sapit.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Ooltkloog leevt nig lang.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schütze.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Von Kindern und jungen Leuten, die frühklug sind oder klug thun, und denen man daher kein langes Leben zutraut. Und die Erfahrung lehrt, dass nicht selten frühe Krafterschöpfung auch früh endet.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Altsänger.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Ein Altsänger wird eher heiser als ein Bassist.</hi> </p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[32]/0060] Aelterer. Der Aeltere theilet, der Jüngere kieset. – Eisenhart, III, 3, 16; Pistor., X, 66. Altes Sprichwort über Erbtheilungen, wonach das ältere von zwei Geschwistern die Theile machte und das jüngere sich sodann zuerst einen Theil wählte; jenes hat Theilungs-, dieses Kürrecht. Zum Theilen gehört Reife des Urtheils, das Wählen entspricht der Neigung der Jugend. (Vgl. Georg Beyer, Diss. de proverbis juridico; major dividit et minor eligit: der Aeltere theilt, u. s. w. Wittenberg 1712.) Altern. Nichts altert eh'r als Lob und Ehr'. Aeltern. 1 Aeltern, die verzärteln die Jugend, gewöhnen sie nicht zur Tugend. 2 Aeltern erziehen ihre Kinder, die Nachbarn verheiraten sie. 3 Aeltern, Freier und grosse Herrn geben mit Lust und gern. 4 Aeltern haben ihre Kinder lieber, als Kinder ihre Aeltern. 5 Aeltern minnen ihr Kind ohne Mass und Unterbind. (Liedersammlung.) 6 Aeltern sollen den Zaum nicht aus den Händen geben, solange sie leben. 7 Aeltern verachten ist ein Stück von einem gottlosen Menschen. 8 Auch bösen Aeltern soll man danken. Lat.: Persolvi gratia non potest nec malo patri. (Quint.) 9 Auch gottlose Aeltern haben zuweilen fromme Kinder. 10 Auf der Aeltern Schos werden die Kinder gross. Lat.: Omnis in Ascanio curi stat cura parentis. (Virgil.) 11 Böse Aeltern – (machen) fromme Kinder. Insofern das böse Beispiel der Aeltern abschreckend auf die Kinder wirkt. It.: Talor di cattivi ciocchi vengon fuora di buone schegge. 12 Den Aeltern ist man viel Dank schuldig, Gott noch mehr. 13 Der Aeltern Tod ist oft der Kinder Glück. 14 Die Aeltern geben das Heirathsgut, Gott die Sitten. 15 Die Aeltern haben Herlinge gegessen und den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden. Lat.: Culpam majorum posteri luunt. (Curt.) 16 Die Aeltern liebe, sind sie fromm und gut, wo nicht, so schweig' und leide. 17 Die Aeltern sind wol die Röhren, die den Kindern alles Gute zuführen, aber der Brunnen ist Gott. 18 Die Aeltern stehlen den Flachs, die Kinder bekommen die Stricke. 19 Die besten Aeltern haben oft ungerathene Kinder. Frz.: D'une bonne souche il sort quelquefois mauvais scion. 20 Die der Aeltern Güter und nicht ihre Tugenden erben, sind blos halbe Erben. 21 Gaue (gute) Aeltern erteiet slechte Kinder, slechte Aeltern erteiet gaue Kinder. – Schambach, 21. 22 Nachlässige Aeltern erziehen keine guten Kinder. 23 Nachsichtige Aeltern ziehen schlechte Kinder. Lat.: Blanda facit (vel: Blanda patrum) segnes matrum indulgentia natos. 24 Sich der Aeltern Tugend rühmen und selbst ein Schlingel sein, das ist nicht fein. Lat.: Alienae incumbere famae miserum est. 25 's ist besser d' Aeltere briegit de Chinde noh, als de Chind den Aeltere. (Schaffhausen.) 26 Sogar Aeltern sehen ihre armen Kinder nicht wohl an. 27 Unsere Aeltern und Vorältern sind auch keine Narren gewesen. – Sprichwörterschatz, 23. 28 Was Aeltern wollen, das ihre Kinder Löbliches thun sollen, das müssen sie zuvor selber thun. 29 Was die Aeltern gethan, soll in Schatten stahn. Lat.: Datur meritis majorum nulla gloria. 30 Was die Aeltern spinnen, müssen die Kinder weifen. 31 Was karge (staubige) Aeltern ersparen, vergeuden ungerathene (blanke) Kinder. Lat.: Quantum pater colligit, tantum filius dissipat. 32 Wenn die Aeltern Holzäpfel essen, so werden den Kindern die Zähne davon stumpf. It.: Mangia il padre quel che al figlio allega i denti. Lat.: Patres comedunt uvam acerbam, et filiorum dentes obstupescunt. Ung.: Apánk ette meg az egrest és a mi fogaink zsibbadnak. 33 Wenn die Aeltern schlafen, so träumen die Kinder – und selten sehr angenehm. 34 Wenn die Aeltern Wolken sammeln, so kommt das Gewitter über die Kinder. 35 Wenn die Aeltern zärteln mit der Jugend, gewohnet sie nicht leicht der Tugend. 36 Wenn man die Aeltern straft, muss man den Kindern das Brot nicht aus dem Munde reissen. 37 Wer auf der Aeltern Wort nicht hört, wird von des Henkers Hand belehrt. 38 Wer den Aeltern nicht folgen will, muss endlich dem Büttel (Henker, Kalbfell, Scharfrichter, der Karre) folgen (gehorchen). – Agricola, 94; Egenolff, 75a. Das Kalbfell oder die Trommel fordert unbedingten Gehorsam. Karre bezeichnet harte Zwangsarbeit. It.: Chi non vuol obbedire al padre e madre nella giovanezza, va a pericolo di obbedire il boia nella vecchiezza. Lat.: Audit carnificem, nolens audire parentem. Ung.: A ki az atya szavát és az annya oktatását megveti azt a hohér szokta megtanitani. 39 Wer den Aeltern nicht folgt, hat einen dummen Muth. Holl.: Wie op zijn ouders raad niet past, die stelet zijn gangen naar den bast. (Harrebomée, II, 156.) 40 Wer die Aeltern ehrt, den ehrt Gott wieder. Lat.: Quisquis parentes in vita solis suos, hic mortuus vivusque carus est Deo. ( Euripides.) 41 Wer nicht gehorcht der Aeltern Rath, der wird zuletzt ein Galgenbrat'. 42 Wer sich von Aeltern nicht lässt ziehen, der wird dem Henker nicht entfliehen. Holl.: Wie zijne ouders niet wil volgen, die moet den beul volgen, al doet hij het niet gaarne. (Harrebomée, II, 156.) Lat.: Audit carnificem, nolens audire parentum. 43 Wie die Aeltern, so die Kinder. Lat.: A radice mala nascuntur pessima mala. *44 Er hat seiner Aeltern Asche verblasen. Wenn einem alles unglücklich geht, weil Verachtung der Aeltern mit Fluch beladen gedacht wird. Das Grab derselben wurde geehrt. Lat.: Minxit in patrios cineres. (Horaz.) (Erasm., 469.) *45 Es ist so von unsern Aeltern auf uns gekommen. Aelternfluch. Aelternfluch ist haltbar Tuch. Lat.: Valde gravant natos dirae et male dicta parentum. Aelternwunsch. Aelternwunsch klebet gern. Alterschwäche. Alterschwäche ist schlimmer als der Tod. Lat.: Morte magis mentuenda senectus. (Juv.) Altfränkisch. *1 Altfränkisch reden und gebaren. *2 Es ist altfränkisch. Die Herrschaft der Franken ist lange zu Ende. Das Sprichwort erhält ihr Andenken. Man wendet es auf alles an, was aus alten Zeiten herstammt, wenn es auch mit altfränkischer Mode und Sitte nichts gemein hat. Altheit. Oalheit halpt egh för Kinjskhaid. (Nordfries.) – Lappenkorb, 61. Altheit (Alter) hilft (schützt) nicht vor Kindischheit. Altied. Altied is 't keen Sömmer un Sönndag. Altklug. 1 Altklug nie Frucht trug. Lat.: Qui sapit ante pilos, haud dies ille sapit. 2 Ooltkloog leevt nig lang. – Schütze. Von Kindern und jungen Leuten, die frühklug sind oder klug thun, und denen man daher kein langes Leben zutraut. Und die Erfahrung lehrt, dass nicht selten frühe Krafterschöpfung auch früh endet. Altsänger. Ein Altsänger wird eher heiser als ein Bassist.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:54:38Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:54:38Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/60
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867, S. [32]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/60>, abgerufen am 25.10.2020.