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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870.

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[Spaltenumbruch] *10 A damlanger Hans'l. (Oberösterreich.)

Sehr klein von Gestalt sein. Eigentlich der Titel eines Volksbuchs, das allerlei Abenteuer erzählt, die sich mit Hansel, der nur die Länge eines Daumens hatte, zugetragen haben. (Baumgarten.)


Hänseler.

* De Hänseler uf der Lälle umetrillen. (Schweiz.)

Teufelsrothwelsch, um auszudrücken, dass jemand nicht mehr das Evangelium Johannis auf der Zunge bewegen will. (Eiselein, 281.)


Hänseln.

1 Wer sich last henseln ohn gefahr, der ist letztlich eins jeden Narr. - Henisch, 416, 12.

*2 Ar wird überoll g'hanselt. (Franken.) - Frommann, VI, 315, 157.

Geneckt, verspottet.

*3 Jemand hänseln. - Pistor., I, 41; Apin. Glossar., 263; Körte2, 3246; Braun, I, 1130.

Hänseln heisst nach dem jetzigen Sprachgebrauch jemand zum besten haben, höhnen, verspotten, auf eine spöttische Art behandeln. Dieser sprichwörtliche Ausdruck rührt aus den Zeiten der Entstehung des hanseatischen Bundes her. Um nämlich den grossen Zulauf zu diesem Bunde in etwas zu vermindern, wurden allen jungen Kaufleuten und allen, die es werden wollten, einige sehr harte Proben aufgelegt und ganz besonders drei. Zuerst ward der junge Candidat der Hanse gänzlich entkleidet, an ein Seil gebunden und dreimal unter einem Schiffe durchs Wasser gezogen, wenn er zum dritten mal hervorkam mit Ruthen, oft bis aufs Blut gepeitscht, und das hiess das Wasserspiel. Fürs zweite wurde derselbe eine halbe Stunde in einen Schornstein gehängt und unter ihm ein Feuer von Haaren, Fischgräten und andern den Geruch beleidigenden Dingen gemacht, wodurch ein so stinkender Rauch entstand, dass der arme Mensch oft halb von Sinnen herunterkam. Dessenungeachtet wurde er noch darauf mit Ruthen gestrichen. Dieser zweite Act hiess das Rauchspiel. Zum dritten und letzten endlich ward er vor einer grossen Menge von Männern und Weibern nackend ausgezogen und musste so in naturalibus mit einigen verkappten Kerlen tanzen. War auch dies vorbei, so erschienen noch vier andere Kerle in Mönchskleidern und geisselten diesen nackten Märtyrer der Hansa noch zuletzt unter Trompeten- und Paukenschall. Dieser Schluss hiess das Staupenspiel. Hatte er nun dies alles glücklich überstanden und acht Jahre gelernt, so war der neue Kaufmann fähig zur Hanse, oder wie man sagte: Er war gehänselt. Denn nun galt er in allen Hansestädten für einen rechtschaffenen Kaufmann. (Gräter's Bragur, VI, 2, 1; Fülleborn, Breslauer Erzähler, 1800, S. 524; Wurzbach II, 154.) Ueberfelder bemerkt in seinem Kärntnischen Idiotikon bei dem Worte Hans'n: "Der neue Zehentherr wurde bei der Abgabe des Zehntgetreides in Stube oder Tenne an eine am Trambaum befestigte Kette gehoben und musste sich durch das Versprechen, z. B. Wein zu geben, loskaufen". In fränkischer Mundart bei Frommann, VI, 328, 157.

Lat.: Circum tondere comam. (Binder II, 492; Eiselein, 52; Philippi, I, 82.)


Hanserl.

* Es ist Hanserl im Fenster. (Wien.)

Von einem eingeschlossenen oder in Verlegenheit gebrachten, rathlosen, auch wol einfältigen Menschen. Ursprünglich von dem Stammbild der Kanzel in der St.-Stephanskirche zu Wien. (S. Hänsel.)


Hänslein.

1 Hänslein dahinten.

"Er heisst Hänsselin dahinden, vnd ist aller enden der Frawen Son". (Hoffarts Teuffel im Theatrum Diabolorum, 407b.)

2 Hänssle lerne nit zu vil, du must sunst leyden und arbeiten vil. - Sutor, 737.

Lat.: Cui plus datum, plus requiratur ab eo. (Sutor, 737.)

3 Was Henslein thut, das lest jm Hans nicht wehren. - Fischer, Psalter, 635d.

4 Was henslin nit lernt, das lernt der hans nit. - Franck, I, 146b; Petri, II, 598; Latendorf, 28; Mathesy, 40; Sutor, 917; Fischer, Psalter, 402a.

Lat.: Et propera, nec te venturas differ in horas, qui non est hodie, cras minus aptus erit. (Seybold, 158 u. 494; Philippi, I, 141.) - Qui non est hodie, cras minus aptus erit. (Binder I, 1477; II, 2788; Seybold, 494; Sutor, 917.)

5 Wer Hensslein nicht zwingt, der wird Hanse nimmermehr zwingen. - Petri, II, 718.

6 Wie man das Henselein gewient, also hat man den Hansen. - Petri, II, 791.


Hanswurst.

*1 Den Hanswurst machen.

Sich possenreisserisch geberden.

Frz.: Faire le batteleur.

[Spaltenumbruch] *2 Er ist wie der Hanswurst im Trauerspiel. - Braun, I, 1131; Körte2, 3242; Eiselein, 281.

Die Rüpel, Possenreiser oder lustigen Personen der neuern Völker haben ihren Namen meistens von den Speisen, die sie entweder gern assen oder ihres niedern Standes wegen gewohnt waren: so der deutsche Hanswurst (Hans Wurst), der italienische Maccaroni, der englische Jack Pudding, der französische Jean Potage, der holländische Pickelhering. Weigand (Wb., I, 479) bemerkt: "Ursprünglich Hans Wurst, und der Name daher, weil ehedem das Zeichen des bei Fastnachtsaufzügen durch die Strassen laufenden Narren eine lange dicke lederne Wurst gewesen zu sein scheint." (Vgl. Schmeller, IV, 158.) Dazu ist Wurst-Hans bei Hans Sachs für guter Name von Fressern.

Lat.: Quam in tragoedia comici. (Erasm., 16.)

*3 Es ist ein Hanswurst.

Frz.: Voila un plaisant Celestin. (Lendroy, 1588.)


Hantierung.

1 Durch drei Hantierungen kann ein Mann leicht verderben: durch Pferde-, Fisch- und Weinhandel.

*2 Ein jeder redt gern von seiner Hantierung. - Seybold, 330.

*3 Ein jedweder geht mit seiner Handtierung um. - Seybold, 607.

4 Handthere deit lehre. - Frischbier2, 1476.

5 Mit dreierlei Hantierungen kommt man übel fort: als da Rossteuschen, Fischhandel und Weinhandel; denn die Pferde werden hinckend, die Fische werden stinckend, der Wein stosst dem Fass den Boden aus, so leufft der Kaufmann zum Thor hinaus. - Coler, 124.

*6 E hot e geat Hoantrenk1. (Siebenbürg.-sächs.) - Frommann, V, 324, 225.

1) Auch Handwerk, d. i. sein Geschäft trägt etwas ein.


Hantig.

Hantig und grandig. - Schöpf, 243; Schmeller, II, 209.


Happen (Subst.).

* Einem die Happen (Bissen) in den Mund zählen.


Happen (Verb.).

1 Wer vele happet, dei vele kacket. (S. Hacken 2.) - Schambach, II, 578.

Wer viel isst, der muss viel kacken.

*2 'T is beter, happ to, as happ up. - Bueren, 1111; Eichwald, 739.

Happen = schnappen, begierig sein. Vgl. Richey, 88.


Har (Adv.).

De Enne will har, de andere hott. (S. Hott.) (Waldeck.) - Curtze, 358.


Härchen.

1 Drei Härchen vom goldenen Vlies du pays d'embus ziehen so gut als ein hänfen Seil.

*2 Er hat ein Härchen darin gefunden. (S. Haar 180.)


Harfe.

1 Es laut nicht wol auff der Harpfen, wann man Gott lästert. - Gruter, III, 35; Lehmann, II, 157, 167; Körte, 2620; Braun, I, 1135.

2 Mit der Harpfen vnd Lauten schönen Metzen hofiren, nimpt ein böss alter. - Petri, II, 475.

3 Wenn ein Harff oder Pfeiffen nicht vnterschiedliche Stimme von sich gibt, wie kann man wissen, was geharfft oder gepfiffen ist. - Petri, II, 652.

4 Wer die Harfe nicht spielen kann, der werd' ein Pfeifer. - Simrock, 4345; Gaal, 1089.

Jeder wähle den Beruf, zu dem er Befähigung besitzt.

Lat.: Auloedus sit, qui citharoedus esse non possit. (Seybold, 46; Gaal, 1089; Philippi, I, 49.)

5 Wer die Harfe nicht spielen kann, greife nicht hinein.

Span.: Quien las sabe, las tanne. (Bohn I, 249.)

*6 Die Harfe spielen in der Mühlen.

Mhd.: Doch volg ich der alten lere: ich enwil niht werben zuo der mül, da der stein so riuschent umbe gat und daz rat so mange unweise hat merkent wer da harpfen sül. (Walther.) - Ja möhte man eine harfen, als ich mich rehte kan verstan, noch minner da vernommen han wan in der rauschenden müln. (Freiberg's Tristan.) (Zingerle, 63.) (S. Mühle.)

*7 Seine Harfe an die Zweige hängen. - Ps. 137, 2.

Holl.: Hij hangt de harp aan de wilgen. (Harrebomee I, 286.)


[Spaltenumbruch] *10 A damlanger Hans'l. (Oberösterreich.)

Sehr klein von Gestalt sein. Eigentlich der Titel eines Volksbuchs, das allerlei Abenteuer erzählt, die sich mit Hansel, der nur die Länge eines Daumens hatte, zugetragen haben. (Baumgarten.)


Hänseler.

* De Hänseler uf der Lälle umetrillen. (Schweiz.)

Teufelsrothwelsch, um auszudrücken, dass jemand nicht mehr das Evangelium Johannis auf der Zunge bewegen will. (Eiselein, 281.)


Hänseln.

1 Wer sich last henseln ohn gefahr, der ist letztlich eins jeden Narr.Henisch, 416, 12.

*2 Ar wird überoll g'hanselt. (Franken.) – Frommann, VI, 315, 157.

Geneckt, verspottet.

*3 Jemand hänseln.Pistor., I, 41; Apin. Glossar., 263; Körte2, 3246; Braun, I, 1130.

Hänseln heisst nach dem jetzigen Sprachgebrauch jemand zum besten haben, höhnen, verspotten, auf eine spöttische Art behandeln. Dieser sprichwörtliche Ausdruck rührt aus den Zeiten der Entstehung des hanseatischen Bundes her. Um nämlich den grossen Zulauf zu diesem Bunde in etwas zu vermindern, wurden allen jungen Kaufleuten und allen, die es werden wollten, einige sehr harte Proben aufgelegt und ganz besonders drei. Zuerst ward der junge Candidat der Hanse gänzlich entkleidet, an ein Seil gebunden und dreimal unter einem Schiffe durchs Wasser gezogen, wenn er zum dritten mal hervorkam mit Ruthen, oft bis aufs Blut gepeitscht, und das hiess das Wasserspiel. Fürs zweite wurde derselbe eine halbe Stunde in einen Schornstein gehängt und unter ihm ein Feuer von Haaren, Fischgräten und andern den Geruch beleidigenden Dingen gemacht, wodurch ein so stinkender Rauch entstand, dass der arme Mensch oft halb von Sinnen herunterkam. Dessenungeachtet wurde er noch darauf mit Ruthen gestrichen. Dieser zweite Act hiess das Rauchspiel. Zum dritten und letzten endlich ward er vor einer grossen Menge von Männern und Weibern nackend ausgezogen und musste so in naturalibus mit einigen verkappten Kerlen tanzen. War auch dies vorbei, so erschienen noch vier andere Kerle in Mönchskleidern und geisselten diesen nackten Märtyrer der Hansa noch zuletzt unter Trompeten- und Paukenschall. Dieser Schluss hiess das Staupenspiel. Hatte er nun dies alles glücklich überstanden und acht Jahre gelernt, so war der neue Kaufmann fähig zur Hanse, oder wie man sagte: Er war gehänselt. Denn nun galt er in allen Hansestädten für einen rechtschaffenen Kaufmann. (Gräter's Bragur, VI, 2, 1; Fülleborn, Breslauer Erzähler, 1800, S. 524; Wurzbach II, 154.) Ueberfelder bemerkt in seinem Kärntnischen Idiotikon bei dem Worte Hans'n: „Der neue Zehentherr wurde bei der Abgabe des Zehntgetreides in Stube oder Tenne an eine am Trambaum befestigte Kette gehoben und musste sich durch das Versprechen, z. B. Wein zu geben, loskaufen“. In fränkischer Mundart bei Frommann, VI, 328, 157.

Lat.: Circum tondere comam. (Binder II, 492; Eiselein, 52; Philippi, I, 82.)


Hanserl.

* Es ist Hanserl im Fenster. (Wien.)

Von einem eingeschlossenen oder in Verlegenheit gebrachten, rathlosen, auch wol einfältigen Menschen. Ursprünglich von dem Stammbild der Kanzel in der St.-Stephanskirche zu Wien. (S. Hänsel.)


Hänslein.

1 Hänslein dahinten.

„Er heisst Hänsselin dahinden, vnd ist aller enden der Frawen Son“. (Hoffarts Teuffel im Theatrum Diabolorum, 407b.)

2 Hänssle lerne nit zu vil, du must sunst leyden und arbeiten vil.Sutor, 737.

Lat.: Cui plus datum, plus requiratur ab eo. (Sutor, 737.)

3 Was Henslein thut, das lest jm Hans nicht wehren.Fischer, Psalter, 635d.

4 Was henslin nit lernt, das lernt der hans nit.Franck, I, 146b; Petri, II, 598; Latendorf, 28; Mathesy, 40; Sutor, 917; Fischer, Psalter, 402a.

Lat.: Et propera, nec te venturas differ in horas, qui non est hodie, cras minus aptus erit. (Seybold, 158 u. 494; Philippi, I, 141.) – Qui non est hodie, cras minus aptus erit. (Binder I, 1477; II, 2788; Seybold, 494; Sutor, 917.)

5 Wer Hensslein nicht zwingt, der wird Hanse nimmermehr zwingen.Petri, II, 718.

6 Wie man das Henselein gewient, also hat man den Hansen.Petri, II, 791.


Hanswurst.

*1 Den Hanswurst machen.

Sich possenreisserisch geberden.

Frz.: Faire le batteleur.

[Spaltenumbruch] *2 Er ist wie der Hanswurst im Trauerspiel.Braun, I, 1131; Körte2, 3242; Eiselein, 281.

Die Rüpel, Possenreiser oder lustigen Personen der neuern Völker haben ihren Namen meistens von den Speisen, die sie entweder gern assen oder ihres niedern Standes wegen gewohnt waren: so der deutsche Hanswurst (Hans Wurst), der italienische Maccaroni, der englische Jack Pudding, der französische Jean Potage, der holländische Pickelhering. Weigand (Wb., I, 479) bemerkt: „Ursprünglich Hans Wurst, und der Name daher, weil ehedem das Zeichen des bei Fastnachtsaufzügen durch die Strassen laufenden Narren eine lange dicke lederne Wurst gewesen zu sein scheint.“ (Vgl. Schmeller, IV, 158.) Dazu ist Wurst-Hans bei Hans Sachs für guter Name von Fressern.

Lat.: Quam in tragoedia comici. (Erasm., 16.)

*3 Es ist ein Hanswurst.

Frz.: Voilà un plaisant Célestin. (Lendroy, 1588.)


Hantierung.

1 Durch drei Hantierungen kann ein Mann leicht verderben: durch Pferde-, Fisch- und Weinhandel.

*2 Ein jeder redt gern von seiner Hantierung.Seybold, 330.

*3 Ein jedweder geht mit seiner Handtierung um.Seybold, 607.

4 Handthere deit lehre.Frischbier2, 1476.

5 Mit dreierlei Hantierungen kommt man übel fort: als da Rossteuschen, Fischhandel und Weinhandel; denn die Pferde werden hinckend, die Fische werden stinckend, der Wein stosst dem Fass den Boden aus, so leufft der Kaufmann zum Thor hinaus.Coler, 124.

*6 E hôt e geat Hoantrenk1. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 324, 225.

1) Auch Handwerk, d. i. sein Geschäft trägt etwas ein.


Hantig.

Hantig und grandig.Schöpf, 243; Schmeller, II, 209.


Happen (Subst.).

* Einem die Happen (Bissen) in den Mund zählen.


Happen (Verb.).

1 Wer vêle happet, dei vêle kacket. (S. Hacken 2.) – Schambach, II, 578.

Wer viel isst, der muss viel kacken.

*2 'T is beter, happ to, as happ up.Bueren, 1111; Eichwald, 739.

Happen = schnappen, begierig sein. Vgl. Richey, 88.


Hâr (Adv.).

De Enne will hâr, de andere hott. (S. Hott.) (Waldeck.) – Curtze, 358.


Härchen.

1 Drei Härchen vom goldenen Vlies du pays d'embus ziehen so gut als ein hänfen Seil.

*2 Er hat ein Härchen darin gefunden. (S. Haar 180.)


Harfe.

1 Es laut nicht wol auff der Harpfen, wann man Gott lästert.Gruter, III, 35; Lehmann, II, 157, 167; Körte, 2620; Braun, I, 1135.

2 Mit der Harpfen vnd Lauten schönen Metzen hofiren, nimpt ein böss alter.Petri, II, 475.

3 Wenn ein Harff oder Pfeiffen nicht vnterschiedliche Stimme von sich gibt, wie kann man wissen, was geharfft oder gepfiffen ist.Petri, II, 652.

4 Wer die Harfe nicht spielen kann, der werd' ein Pfeifer.Simrock, 4345; Gaal, 1089.

Jeder wähle den Beruf, zu dem er Befähigung besitzt.

Lat.: Auloedus sit, qui citharoedus esse non possit. (Seybold, 46; Gaal, 1089; Philippi, I, 49.)

5 Wer die Harfe nicht spielen kann, greife nicht hinein.

Span.: Quien las sabe, las tañe. (Bohn I, 249.)

*6 Die Harfe spielen in der Mühlen.

Mhd.: Doch volg ich der alten lêre: ich enwil niht werben zuo der mül, dâ der stein sô riuschent umbe gât und daz rat so mange unwîse hat merkent wer dâ harpfen sül. (Walther.) – Jâ möhte man eine harfen, als ich mich rehte kan verstan, noch minner dâ vernommen han wan in der rûschenden müln. (Freiberg's Tristan.) (Zingerle, 63.) (S. Mühle.)

*7 Seine Harfe an die Zweige hängen.Ps. 137, 2.

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[[180]/0186] *10 A damlanger Hans'l. (Oberösterreich.) Sehr klein von Gestalt sein. Eigentlich der Titel eines Volksbuchs, das allerlei Abenteuer erzählt, die sich mit Hansel, der nur die Länge eines Daumens hatte, zugetragen haben. (Baumgarten.) Hänseler. * De Hänseler uf der Lälle umetrillen. (Schweiz.) Teufelsrothwelsch, um auszudrücken, dass jemand nicht mehr das Evangelium Johannis auf der Zunge bewegen will. (Eiselein, 281.) Hänseln. 1 Wer sich last henseln ohn gefahr, der ist letztlich eins jeden Narr. – Henisch, 416, 12. *2 Ar wird überoll g'hanselt. (Franken.) – Frommann, VI, 315, 157. Geneckt, verspottet. *3 Jemand hänseln. – Pistor., I, 41; Apin. Glossar., 263; Körte2, 3246; Braun, I, 1130. Hänseln heisst nach dem jetzigen Sprachgebrauch jemand zum besten haben, höhnen, verspotten, auf eine spöttische Art behandeln. Dieser sprichwörtliche Ausdruck rührt aus den Zeiten der Entstehung des hanseatischen Bundes her. Um nämlich den grossen Zulauf zu diesem Bunde in etwas zu vermindern, wurden allen jungen Kaufleuten und allen, die es werden wollten, einige sehr harte Proben aufgelegt und ganz besonders drei. Zuerst ward der junge Candidat der Hanse gänzlich entkleidet, an ein Seil gebunden und dreimal unter einem Schiffe durchs Wasser gezogen, wenn er zum dritten mal hervorkam mit Ruthen, oft bis aufs Blut gepeitscht, und das hiess das Wasserspiel. Fürs zweite wurde derselbe eine halbe Stunde in einen Schornstein gehängt und unter ihm ein Feuer von Haaren, Fischgräten und andern den Geruch beleidigenden Dingen gemacht, wodurch ein so stinkender Rauch entstand, dass der arme Mensch oft halb von Sinnen herunterkam. Dessenungeachtet wurde er noch darauf mit Ruthen gestrichen. Dieser zweite Act hiess das Rauchspiel. Zum dritten und letzten endlich ward er vor einer grossen Menge von Männern und Weibern nackend ausgezogen und musste so in naturalibus mit einigen verkappten Kerlen tanzen. War auch dies vorbei, so erschienen noch vier andere Kerle in Mönchskleidern und geisselten diesen nackten Märtyrer der Hansa noch zuletzt unter Trompeten- und Paukenschall. Dieser Schluss hiess das Staupenspiel. Hatte er nun dies alles glücklich überstanden und acht Jahre gelernt, so war der neue Kaufmann fähig zur Hanse, oder wie man sagte: Er war gehänselt. Denn nun galt er in allen Hansestädten für einen rechtschaffenen Kaufmann. (Gräter's Bragur, VI, 2, 1; Fülleborn, Breslauer Erzähler, 1800, S. 524; Wurzbach II, 154.) Ueberfelder bemerkt in seinem Kärntnischen Idiotikon bei dem Worte Hans'n: „Der neue Zehentherr wurde bei der Abgabe des Zehntgetreides in Stube oder Tenne an eine am Trambaum befestigte Kette gehoben und musste sich durch das Versprechen, z. B. Wein zu geben, loskaufen“. In fränkischer Mundart bei Frommann, VI, 328, 157. Lat.: Circum tondere comam. (Binder II, 492; Eiselein, 52; Philippi, I, 82.) Hanserl. * Es ist Hanserl im Fenster. (Wien.) Von einem eingeschlossenen oder in Verlegenheit gebrachten, rathlosen, auch wol einfältigen Menschen. Ursprünglich von dem Stammbild der Kanzel in der St.-Stephanskirche zu Wien. (S. Hänsel.) Hänslein. 1 Hänslein dahinten. „Er heisst Hänsselin dahinden, vnd ist aller enden der Frawen Son“. (Hoffarts Teuffel im Theatrum Diabolorum, 407b.) 2 Hänssle lerne nit zu vil, du must sunst leyden und arbeiten vil. – Sutor, 737. Lat.: Cui plus datum, plus requiratur ab eo. (Sutor, 737.) 3 Was Henslein thut, das lest jm Hans nicht wehren. – Fischer, Psalter, 635d. 4 Was henslin nit lernt, das lernt der hans nit. – Franck, I, 146b; Petri, II, 598; Latendorf, 28; Mathesy, 40; Sutor, 917; Fischer, Psalter, 402a. Lat.: Et propera, nec te venturas differ in horas, qui non est hodie, cras minus aptus erit. (Seybold, 158 u. 494; Philippi, I, 141.) – Qui non est hodie, cras minus aptus erit. (Binder I, 1477; II, 2788; Seybold, 494; Sutor, 917.) 5 Wer Hensslein nicht zwingt, der wird Hanse nimmermehr zwingen. – Petri, II, 718. 6 Wie man das Henselein gewient, also hat man den Hansen. – Petri, II, 791. Hanswurst. *1 Den Hanswurst machen. Sich possenreisserisch geberden. Frz.: Faire le batteleur. *2 Er ist wie der Hanswurst im Trauerspiel. – Braun, I, 1131; Körte2, 3242; Eiselein, 281. Die Rüpel, Possenreiser oder lustigen Personen der neuern Völker haben ihren Namen meistens von den Speisen, die sie entweder gern assen oder ihres niedern Standes wegen gewohnt waren: so der deutsche Hanswurst (Hans Wurst), der italienische Maccaroni, der englische Jack Pudding, der französische Jean Potage, der holländische Pickelhering. Weigand (Wb., I, 479) bemerkt: „Ursprünglich Hans Wurst, und der Name daher, weil ehedem das Zeichen des bei Fastnachtsaufzügen durch die Strassen laufenden Narren eine lange dicke lederne Wurst gewesen zu sein scheint.“ (Vgl. Schmeller, IV, 158.) Dazu ist Wurst-Hans bei Hans Sachs für guter Name von Fressern. Lat.: Quam in tragoedia comici. (Erasm., 16.) *3 Es ist ein Hanswurst. Frz.: Voilà un plaisant Célestin. (Lendroy, 1588.) Hantierung. 1 Durch drei Hantierungen kann ein Mann leicht verderben: durch Pferde-, Fisch- und Weinhandel. *2 Ein jeder redt gern von seiner Hantierung. – Seybold, 330. *3 Ein jedweder geht mit seiner Handtierung um. – Seybold, 607. 4 Handthere deit lehre. – Frischbier2, 1476. 5 Mit dreierlei Hantierungen kommt man übel fort: als da Rossteuschen, Fischhandel und Weinhandel; denn die Pferde werden hinckend, die Fische werden stinckend, der Wein stosst dem Fass den Boden aus, so leufft der Kaufmann zum Thor hinaus. – Coler, 124. *6 E hôt e geat Hoantrenk1. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 324, 225. 1) Auch Handwerk, d. i. sein Geschäft trägt etwas ein. Hantig. Hantig und grandig. – Schöpf, 243; Schmeller, II, 209. Happen (Subst.). * Einem die Happen (Bissen) in den Mund zählen. Happen (Verb.). 1 Wer vêle happet, dei vêle kacket. (S. Hacken 2.) – Schambach, II, 578. Wer viel isst, der muss viel kacken. *2 'T is beter, happ to, as happ up. – Bueren, 1111; Eichwald, 739. Happen = schnappen, begierig sein. Vgl. Richey, 88. Hâr (Adv.). De Enne will hâr, de andere hott. (S. Hott.) (Waldeck.) – Curtze, 358. Härchen. 1 Drei Härchen vom goldenen Vlies du pays d'embus ziehen so gut als ein hänfen Seil. *2 Er hat ein Härchen darin gefunden. (S. Haar 180.) Harfe. 1 Es laut nicht wol auff der Harpfen, wann man Gott lästert. – Gruter, III, 35; Lehmann, II, 157, 167; Körte, 2620; Braun, I, 1135. 2 Mit der Harpfen vnd Lauten schönen Metzen hofiren, nimpt ein böss alter. – Petri, II, 475. 3 Wenn ein Harff oder Pfeiffen nicht vnterschiedliche Stimme von sich gibt, wie kann man wissen, was geharfft oder gepfiffen ist. – Petri, II, 652. 4 Wer die Harfe nicht spielen kann, der werd' ein Pfeifer. – Simrock, 4345; Gaal, 1089. Jeder wähle den Beruf, zu dem er Befähigung besitzt. Lat.: Auloedus sit, qui citharoedus esse non possit. (Seybold, 46; Gaal, 1089; Philippi, I, 49.) 5 Wer die Harfe nicht spielen kann, greife nicht hinein. Span.: Quien las sabe, las tañe. (Bohn I, 249.) *6 Die Harfe spielen in der Mühlen. Mhd.: Doch volg ich der alten lêre: ich enwil niht werben zuo der mül, dâ der stein sô riuschent umbe gât und daz rat so mange unwîse hat merkent wer dâ harpfen sül. (Walther.) – Jâ möhte man eine harfen, als ich mich rehte kan verstan, noch minner dâ vernommen han wan in der rûschenden müln. (Freiberg's Tristan.) (Zingerle, 63.) (S. Mühle.) *7 Seine Harfe an die Zweige hängen. – Ps. 137, 2. Holl.: Hij hangt de harp aan de wilgen. (Harrebomée I, 286.)

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870, S. [180]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870/186>, abgerufen am 28.11.2020.