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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870.

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Hilpertsgriff.

*1 Es sind Hilpertsgriffe.

Schmeller (II, 183) erklärt diese früher in Franken heimische, in Koburg noch übliche Redensart mit "schlechte Ränke", "Advocatenstreiche". Frisch leitet sie vom niedersächsischen Hülperede, d. i. Ausflucht, leere Entschuldigung ab, womit Adelung übereinstimmt, jedoch die Vermuthung hinzufügt, dass das Wort auch das Andenken eines ränkevollen Mannes erhalten könne, der Hilper geheissen und wofür von einigen der Papst Hildebrand gehalten werde. Die letztere Erklärung findet sich schon in der Geschichte des Bisthums Würzburg von Lorenz Fries (gestorben 1550), die einen besondern Abschnitt: "Von dem Sprichwordt: es sein Hiltprantsgriff", enthält. Man verhüllte die Tücke des Papstes (Hilteprant) mit dem Wörtchen "Griff"; und Hiltprant's Griff heisst seit dieser Zeit sprichwörtlich jede unehrliche Handlung, welche unter dem Gleissnerschein von Rechtmässigkeit ausgeübt wird. (Frommann, II, 20.) - "Das sind heut zu Tage die rechten Hilpersgriff in der Welt beym Adel, damit sauget einer den andern aus." (Coler, 318b.) "Hilpertsgrieffe kennen." (Ayrer, V, 2977, 24.)

*2 Mit Hilpertsgriffen vmbgehen. - Fischer, Psalter, 700a.

*3 Mit Hilpertsgriffen und faulen Fischen vmbgehen. - Mathesius, Postilla, CCXCIIIa.

Auch in Mathesius, Historia, Jesu, I, CIb: "faule fisch vnd arge renck vnd hilpertsgriff."

*4 Sich mit Hilpersgriffen vnd besondern Practicken behelffen. - Fischer, Psalter, 705c.


Himmel.

1 A Hemmel hing hat un an sith nen Thriad. (Nordfries.) - Lappenkorb; Firmenich, III, 7, 100.

Der Himmel hängt an einem seidenen Faden. So sagten die alten Friesen bei Sonnenfinsternissen, die Schnitterinnen nahmen ihre Sichel und eilten heim.

2 Ales wad än Hemel kid, äss gat (mir sesset ug no en färe Wäinjkl hingder Gotes Agesicht). - Schuster, 626.

Der Klammersatz ist eine ironische Zugabe, die nicht stets zur Anwendung kommt.

3 Also gehet der hymmel vmb, also regiren die Planeten. - Agricola I, 503; Eyering, I, 27.

Wird, nach Agricola, gesagt, wenn jemand sich einen guten Bissen zueignen will, der an der Stelle eines andern in der Schüssel liegt. Das Sprichwort soll dadurch entstanden sein, dass ein Schalk sich etwas in der Schüssel hat zueignen wollen, was nicht vor ihm lag und er die Schüssel mit den Worten herumgedreht: "Also gehet der Himmel um"; ein anderer aber, den es verdrossen, die Schüssel genommen und ihm mit den Worten "und also regieren die Planeten" über den Kopf gestürzt habe, weil man früher meinte, wenn es regnete und schlosste, die Planeten schlügen sich.

4 Anderer Himmel, ander Glück.

Auch die Italiener sagen: Oft wechselt man mit dem Himmel das Glück.

5 As den Himmel infellt, sind alle Mössen (Sperlinge) dod. (Kleve.) - Firmenich, I, 382, 13.

6 Auf heitern Himmel und lachende Frauen ist nicht zu bauen.

Die Russen sind weniger mistrauisch, sie sagen: So lange der Himmel blau, soll man keine Wetterwolken fürchten. (Altmann, VI, 487.)

7 Aus hellem Himmel blitzt es nicht.

Böhm.: Ciste nebe neboji se ani blesku ani tresku. (Celakovsky, 373.)

8 Bei heiterm Himmel sieht man keinen Stern. - Sutor, 176.

9 Bei heiterm Himmel und Sonnenschein ist gut fröhlich sein.

Lat.: Cui fortuna favet, vultuque arridet amoeno, illi laetitiae fas dare signa suae. (Philippi, I, 100.)

10 Besser einmal im Himmel drin, als zehnmal davor.

Holl.: Beter eens in den hemel dan tienmal aan de deur. (Harrebomee, I, 302; Bohn I, 301.)

11 Besser unter freiem Himmel wohnen, als mit dem Igel unter einer Decke schlafen. - Sprichwörtergarten, 186.

In Bezug auf den Umgang mit Zänkischen.

12 Das verhüte der Himmel, sagte der Pfaff, als er zur Hölle fuhr.

Holl.: Dat verhoede de hemel, zei Klootje, en hij dacht aan onzen lieven Heer niet. (Harrebomee, I, 302.)

13 Den Himmel, Erd vnd alle Ding misset Gott mit einem Dreyling. - Petri, I, 13.

[Spaltenumbruch] 14 Den Himmel in'n Augen, die Welt zu'n Füssen. - Simrock, 11540a.

Im bessern Sinn sagt ein tamulisches Sprichwort: Der Himmel hat mich hervorgebracht, die Erde trägt mich. (Reinsberg II, 15.)

15 Den Himmel kann man mit Gold nicht kaufen.

Lat.: Nulla coelum reparabile gaza. (Seybold, 387.)

16 Den Himmel möchte mancher erben, aber er will's auch nicht mit dem Teufel verderben.

17 Der Himel ist hoch vnd die Erde tieff, aber des Königes hertze ist vnerforschlich. - Agricola II, 235.

18 Der Himmel behüte des Herrn Kummet, damit mir mein Gaul bleibe. (Moskau.)

19 Der Himmel bewahre mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden werde ich mich selber schützen.

20 Der Himmel des Engels ist die Hölle des Teufels.

21 Der Himmel gehört nicht den Gänsen. - Eiselein, 310.

22 Der Himmel gibt den Winter nach den Kleidern.

23 Der Himmel hangt nicht alles voll Geigen. - Eiselein, 310.

Eiselein fragt, ob bei der frühern Schreibweise "Gigen" das Wort "Giege" (fatuus, Narr, Tölpel, Thor) oder "Geige" (Violine) gemeint ist. Die erstere Annahme scheint dem Sinne nach mehr für sich zu haben, da sich die Thoren, denen die Erde zu schlecht ist, gern an den Himmel hängen. Auch Megerle entscheidet sich für sie, indem er sagt: "Der Himmel hangt voll Geigen, stultorum plena sunt omnia." Indees spricht ein anderes Sprichwort, das von Bassgeigen redet, für die letztere Annahme.

24 Der Himmel hat zwölf Unzen Ehrbarkeit über die Erde ausgestreut; davon haben die Weiber elf aufgelesen. (Corsica.)

25 Der Himmel ist bloa, 's sind andere doa. (Nürtingen.)

Nämlich andere Mädchen.

26 Der Himmel ist den Gänsen nicht erbaut, den Gottlosen auch nicht. - Petri, II, 93; Henisch, 1497, 8; Schottel, 1120b.

Aber für welche Völker? In Frankreich sah man noch im vorigen Jahrhundert ein Gemälde, das den Himmel vorstellt, und auf dem die Engel zur Verrichtung ihrer Andacht auf Kissen knien, in die das französische Wappen gestickt war. (Der Gesellschafter, Magdeburg 1784, II, 16.)

27 Der Himmel ist den Thieren nicht gemacht. - Sauff Teuffel im Theatrum Diabolorum, 282a.

Also auch den Schafen nicht. "Wer würde nicht zur bessern Gesellschaft in der Hölle gehören wollen, wenn alle dummen und langweiligen Kopthänger, alle Heuchler und frömmelnden Schurken die ersten Plätze im Himmel einnehmen wollten!" (Welt und Zeit, III, 59, 60.)

28 Der Himmel ist der Armen Sparbüchse.

29 Der Himmel ist doch blaw, obs schon einer nit sihet. - Lehmann, 97, 16.

30 Der Himmel ist hoch, aber wer hinein will, muss sich bücken.

Die Russen: Am Himmel hat sich noch niemand den Kopf zerstossen. (Altmann VI, 408.)

31 Der Himmel ist hoch, die Welt ist weit vnd ist manch Schalck darin. - Petri, II, 94.

32 Der Himmel ist hoch, man kann sich nicht dran halten. - Petri, III, 3; Körte, 2863; Simrock, 4743.

33 Der Himmel ist hoch und der Boden hart. (Lit.)

Ueber die Unergiebigkeit des Bodens und die Ungunst des Klimas ist niemand berechtigter zu klagen als der litauische Bauer, der unter dem anhaltendsten Fleisse der Erde kaum so viel abringen kann, als zu seinem häuslichen Bedarf nöthig ist. Von dieser unwirthlichen Beschaffenheit des Bodens machen nur einige Striche eine Ausnahme. (Wurzbach I, 50.)

Böhm.: Zeme tvrda, a nebe vysoko. (Celakovsky, 184.)

34 Der Himmel ist hoch und der Kaiser weit. - Eiselein, 311.

Böhm.: A byt' o zem se biti, neni se kam diti: do nebe vysoko, do vody hluboko. - Buh vysoko, kral daleko, pravda v koute a nebeskeho soudu k poslednimu dni dlouho cekati. - Do pekla hluboko, do nebe vysoko. - Kral daleko, buh vysoko, pravdy a spravedlnosti v svete malo. (Celakovsky, 184.)

Poln.: Bog wysoko, krol (przyjaciel) daleko. (Celakovsky, 184.)

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Hilpertsgriff.

*1 Es sind Hilpertsgriffe.

Schmeller (II, 183) erklärt diese früher in Franken heimische, in Koburg noch übliche Redensart mit „schlechte Ränke“, „Advocatenstreiche“. Frisch leitet sie vom niedersächsischen Hülperede, d. i. Ausflucht, leere Entschuldigung ab, womit Adelung übereinstimmt, jedoch die Vermuthung hinzufügt, dass das Wort auch das Andenken eines ränkevollen Mannes erhalten könne, der Hilper geheissen und wofür von einigen der Papst Hildebrand gehalten werde. Die letztere Erklärung findet sich schon in der Geschichte des Bisthums Würzburg von Lorenz Fries (gestorben 1550), die einen besondern Abschnitt: „Von dem Sprichwordt: es sein Hiltprantsgriff“, enthält. Man verhüllte die Tücke des Papstes (Hilteprant) mit dem Wörtchen „Griff“; und Hiltprant's Griff heisst seit dieser Zeit sprichwörtlich jede unehrliche Handlung, welche unter dem Gleissnerschein von Rechtmässigkeit ausgeübt wird. (Frommann, II, 20.) – „Das sind heut zu Tage die rechten Hilpersgriff in der Welt beym Adel, damit sauget einer den andern aus.“ (Coler, 318b.) „Hilpertsgrieffe kennen.“ (Ayrer, V, 2977, 24.)

*2 Mit Hilpertsgriffen vmbgehen.Fischer, Psalter, 700a.

*3 Mit Hilpertsgriffen und faulen Fischen vmbgehen.Mathesius, Postilla, CCXCIIIa.

Auch in Mathesius, Historia, Jesu, I, CIb: „faule fisch vnd arge renck vnd hilpertsgriff.“

*4 Sich mit Hilpersgriffen vnd besondern Practicken behelffen.Fischer, Psalter, 705c.


Himmel.

1 A Hemmel hing hat un an sith nen Thriad. (Nordfries.) – Lappenkorb; Firmenich, III, 7, 100.

Der Himmel hängt an einem seidenen Faden. So sagten die alten Friesen bei Sonnenfinsternissen, die Schnitterinnen nahmen ihre Sichel und eilten heim.

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3 Also gehet der hymmel vmb, also regiren die Planeten.Agricola I, 503; Eyering, I, 27.

Wird, nach Agricola, gesagt, wenn jemand sich einen guten Bissen zueignen will, der an der Stelle eines andern in der Schüssel liegt. Das Sprichwort soll dadurch entstanden sein, dass ein Schalk sich etwas in der Schüssel hat zueignen wollen, was nicht vor ihm lag und er die Schüssel mit den Worten herumgedreht: „Also gehet der Himmel um“; ein anderer aber, den es verdrossen, die Schüssel genommen und ihm mit den Worten „und also regieren die Planeten“ über den Kopf gestürzt habe, weil man früher meinte, wenn es regnete und schlosste, die Planeten schlügen sich.

4 Anderer Himmel, ander Glück.

Auch die Italiener sagen: Oft wechselt man mit dem Himmel das Glück.

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6 Auf heitern Himmel und lachende Frauen ist nicht zu bauen.

Die Russen sind weniger mistrauisch, sie sagen: So lange der Himmel blau, soll man keine Wetterwolken fürchten. (Altmann, VI, 487.)

7 Aus hellem Himmel blitzt es nicht.

Böhm.: Čisté nebe nebojí se ani blesku ani třesku. (Čelakovsky, 373.)

8 Bei heiterm Himmel sieht man keinen Stern.Sutor, 176.

9 Bei heiterm Himmel und Sonnenschein ist gut fröhlich sein.

Lat.: Cui fortuna favet, vultuque arridet amoeno, illi laetitiae fas dare signa suae. (Philippi, I, 100.)

10 Besser einmal im Himmel drin, als zehnmal davor.

Holl.: Beter eens in den hemel dan tienmal aan de deur. (Harrebomée, I, 302; Bohn I, 301.)

11 Besser unter freiem Himmel wohnen, als mit dem Igel unter einer Decke schlafen.Sprichwörtergarten, 186.

In Bezug auf den Umgang mit Zänkischen.

12 Das verhüte der Himmel, sagte der Pfaff, als er zur Hölle fuhr.

Holl.: Dat verhoede de hemel, zei Klootje, en hij dacht aan onzen lieven Heer niet. (Harrebomée, I, 302.)

13 Den Himmel, Erd vnd alle Ding misset Gott mit einem Dreyling.Petri, I, 13.

[Spaltenumbruch] 14 Den Himmel in'n Augen, die Welt zu'n Füssen.Simrock, 11540a.

Im bessern Sinn sagt ein tamulisches Sprichwort: Der Himmel hat mich hervorgebracht, die Erde trägt mich. (Reinsberg II, 15.)

15 Den Himmel kann man mit Gold nicht kaufen.

Lat.: Nulla coelum reparabile gaza. (Seybold, 387.)

16 Den Himmel möchte mancher erben, aber er will's auch nicht mit dem Teufel verderben.

17 Der Himel ist hoch vnd die Erde tieff, aber des Königes hertze ist vnerforschlich.Agricola II, 235.

18 Der Himmel behüte des Herrn Kummet, damit mir mein Gaul bleibe. (Moskau.)

19 Der Himmel bewahre mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden werde ich mich selber schützen.

20 Der Himmel des Engels ist die Hölle des Teufels.

21 Der Himmel gehört nicht den Gänsen.Eiselein, 310.

22 Der Himmel gibt den Winter nach den Kleidern.

23 Der Himmel hangt nicht alles voll Geigen.Eiselein, 310.

Eiselein fragt, ob bei der frühern Schreibweise „Gigen“ das Wort „Giege“ (fatuus, Narr, Tölpel, Thor) oder „Geige“ (Violine) gemeint ist. Die erstere Annahme scheint dem Sinne nach mehr für sich zu haben, da sich die Thoren, denen die Erde zu schlecht ist, gern an den Himmel hängen. Auch Megerle entscheidet sich für sie, indem er sagt: „Der Himmel hangt voll Geigen, stultorum plena sunt omnia.“ Indees spricht ein anderes Sprichwort, das von Bassgeigen redet, für die letztere Annahme.

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Nämlich andere Mädchen.

26 Der Himmel ist den Gänsen nicht erbaut, den Gottlosen auch nicht.Petri, II, 93; Henisch, 1497, 8; Schottel, 1120b.

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Also auch den Schafen nicht. „Wer würde nicht zur bessern Gesellschaft in der Hölle gehören wollen, wenn alle dummen und langweiligen Kopthänger, alle Heuchler und frömmelnden Schurken die ersten Plätze im Himmel einnehmen wollten!“ (Welt und Zeit, III, 59, 60.)

28 Der Himmel ist der Armen Sparbüchse.

29 Der Himmel ist doch blaw, obs schon einer nit sihet.Lehmann, 97, 16.

30 Der Himmel ist hoch, aber wer hinein will, muss sich bücken.

Die Russen: Am Himmel hat sich noch niemand den Kopf zerstossen. (Altmann VI, 408.)

31 Der Himmel ist hoch, die Welt ist weit vnd ist manch Schalck darin.Petri, II, 94.

32 Der Himmel ist hoch, man kann sich nicht dran halten.Petri, III, 3; Körte, 2863; Simrock, 4743.

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[[323]/0329] Hilpertsgriff. *1 Es sind Hilpertsgriffe. Schmeller (II, 183) erklärt diese früher in Franken heimische, in Koburg noch übliche Redensart mit „schlechte Ränke“, „Advocatenstreiche“. Frisch leitet sie vom niedersächsischen Hülperede, d. i. Ausflucht, leere Entschuldigung ab, womit Adelung übereinstimmt, jedoch die Vermuthung hinzufügt, dass das Wort auch das Andenken eines ränkevollen Mannes erhalten könne, der Hilper geheissen und wofür von einigen der Papst Hildebrand gehalten werde. Die letztere Erklärung findet sich schon in der Geschichte des Bisthums Würzburg von Lorenz Fries (gestorben 1550), die einen besondern Abschnitt: „Von dem Sprichwordt: es sein Hiltprantsgriff“, enthält. Man verhüllte die Tücke des Papstes (Hilteprant) mit dem Wörtchen „Griff“; und Hiltprant's Griff heisst seit dieser Zeit sprichwörtlich jede unehrliche Handlung, welche unter dem Gleissnerschein von Rechtmässigkeit ausgeübt wird. (Frommann, II, 20.) – „Das sind heut zu Tage die rechten Hilpersgriff in der Welt beym Adel, damit sauget einer den andern aus.“ (Coler, 318b.) „Hilpertsgrieffe kennen.“ (Ayrer, V, 2977, 24.) *2 Mit Hilpertsgriffen vmbgehen. – Fischer, Psalter, 700a. *3 Mit Hilpertsgriffen und faulen Fischen vmbgehen. – Mathesius, Postilla, CCXCIIIa. Auch in Mathesius, Historia, Jesu, I, CIb: „faule fisch vnd arge renck vnd hilpertsgriff.“ *4 Sich mit Hilpersgriffen vnd besondern Practicken behelffen. – Fischer, Psalter, 705c. Himmel. 1 A Hemmel hing hat un an sith nen Thriad. (Nordfries.) – Lappenkorb; Firmenich, III, 7, 100. Der Himmel hängt an einem seidenen Faden. So sagten die alten Friesen bei Sonnenfinsternissen, die Schnitterinnen nahmen ihre Sichel und eilten heim. 2 Ales wad än Hemel kid, äss gat (mir sesset ug no en färe Wäinjkl hingder Gotes Agesicht). – Schuster, 626. Der Klammersatz ist eine ironische Zugabe, die nicht stets zur Anwendung kommt. 3 Also gehet der hymmel vmb, also regiren die Planeten. – Agricola I, 503; Eyering, I, 27. Wird, nach Agricola, gesagt, wenn jemand sich einen guten Bissen zueignen will, der an der Stelle eines andern in der Schüssel liegt. Das Sprichwort soll dadurch entstanden sein, dass ein Schalk sich etwas in der Schüssel hat zueignen wollen, was nicht vor ihm lag und er die Schüssel mit den Worten herumgedreht: „Also gehet der Himmel um“; ein anderer aber, den es verdrossen, die Schüssel genommen und ihm mit den Worten „und also regieren die Planeten“ über den Kopf gestürzt habe, weil man früher meinte, wenn es regnete und schlosste, die Planeten schlügen sich. 4 Anderer Himmel, ander Glück. Auch die Italiener sagen: Oft wechselt man mit dem Himmel das Glück. 5 As den Himmel infellt, sind alle Mössen (Sperlinge) dôd. (Kleve.) – Firmenich, I, 382, 13. 6 Auf heitern Himmel und lachende Frauen ist nicht zu bauen. Die Russen sind weniger mistrauisch, sie sagen: So lange der Himmel blau, soll man keine Wetterwolken fürchten. (Altmann, VI, 487.) 7 Aus hellem Himmel blitzt es nicht. Böhm.: Čisté nebe nebojí se ani blesku ani třesku. (Čelakovsky, 373.) 8 Bei heiterm Himmel sieht man keinen Stern. – Sutor, 176. 9 Bei heiterm Himmel und Sonnenschein ist gut fröhlich sein. Lat.: Cui fortuna favet, vultuque arridet amoeno, illi laetitiae fas dare signa suae. (Philippi, I, 100.) 10 Besser einmal im Himmel drin, als zehnmal davor. Holl.: Beter eens in den hemel dan tienmal aan de deur. (Harrebomée, I, 302; Bohn I, 301.) 11 Besser unter freiem Himmel wohnen, als mit dem Igel unter einer Decke schlafen. – Sprichwörtergarten, 186. In Bezug auf den Umgang mit Zänkischen. 12 Das verhüte der Himmel, sagte der Pfaff, als er zur Hölle fuhr. Holl.: Dat verhoede de hemel, zei Klootje, en hij dacht aan onzen lieven Heer niet. (Harrebomée, I, 302.) 13 Den Himmel, Erd vnd alle Ding misset Gott mit einem Dreyling. – Petri, I, 13. 14 Den Himmel in'n Augen, die Welt zu'n Füssen. – Simrock, 11540a. Im bessern Sinn sagt ein tamulisches Sprichwort: Der Himmel hat mich hervorgebracht, die Erde trägt mich. (Reinsberg II, 15.) 15 Den Himmel kann man mit Gold nicht kaufen. Lat.: Nulla coelum reparabile gaza. (Seybold, 387.) 16 Den Himmel möchte mancher erben, aber er will's auch nicht mit dem Teufel verderben. 17 Der Himel ist hoch vnd die Erde tieff, aber des Königes hertze ist vnerforschlich. – Agricola II, 235. 18 Der Himmel behüte des Herrn Kummet, damit mir mein Gaul bleibe. (Moskau.) 19 Der Himmel bewahre mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden werde ich mich selber schützen. 20 Der Himmel des Engels ist die Hölle des Teufels. 21 Der Himmel gehört nicht den Gänsen. – Eiselein, 310. 22 Der Himmel gibt den Winter nach den Kleidern. 23 Der Himmel hangt nicht alles voll Geigen. – Eiselein, 310. Eiselein fragt, ob bei der frühern Schreibweise „Gigen“ das Wort „Giege“ (fatuus, Narr, Tölpel, Thor) oder „Geige“ (Violine) gemeint ist. Die erstere Annahme scheint dem Sinne nach mehr für sich zu haben, da sich die Thoren, denen die Erde zu schlecht ist, gern an den Himmel hängen. Auch Megerle entscheidet sich für sie, indem er sagt: „Der Himmel hangt voll Geigen, stultorum plena sunt omnia.“ Indees spricht ein anderes Sprichwort, das von Bassgeigen redet, für die letztere Annahme. 24 Der Himmel hat zwölf Unzen Ehrbarkeit über die Erde ausgestreut; davon haben die Weiber elf aufgelesen. (Corsica.) 25 Der Himmel ist bloa, 's sind andere doa. (Nürtingen.) Nämlich andere Mädchen. 26 Der Himmel ist den Gänsen nicht erbaut, den Gottlosen auch nicht. – Petri, II, 93; Henisch, 1497, 8; Schottel, 1120b. Aber für welche Völker? In Frankreich sah man noch im vorigen Jahrhundert ein Gemälde, das den Himmel vorstellt, und auf dem die Engel zur Verrichtung ihrer Andacht auf Kissen knien, in die das französische Wappen gestickt war. (Der Gesellschafter, Magdeburg 1784, II, 16.) 27 Der Himmel ist den Thieren nicht gemacht. – Sauff Teuffel im Theatrum Diabolorum, 282a. Also auch den Schafen nicht. „Wer würde nicht zur bessern Gesellschaft in der Hölle gehören wollen, wenn alle dummen und langweiligen Kopthänger, alle Heuchler und frömmelnden Schurken die ersten Plätze im Himmel einnehmen wollten!“ (Welt und Zeit, III, 59, 60.) 28 Der Himmel ist der Armen Sparbüchse. 29 Der Himmel ist doch blaw, obs schon einer nit sihet. – Lehmann, 97, 16. 30 Der Himmel ist hoch, aber wer hinein will, muss sich bücken. Die Russen: Am Himmel hat sich noch niemand den Kopf zerstossen. (Altmann VI, 408.) 31 Der Himmel ist hoch, die Welt ist weit vnd ist manch Schalck darin. – Petri, II, 94. 32 Der Himmel ist hoch, man kann sich nicht dran halten. – Petri, III, 3; Körte, 2863; Simrock, 4743. 33 Der Himmel ist hoch und der Boden hart. (Lit.) Ueber die Unergiebigkeit des Bodens und die Ungunst des Klimas ist niemand berechtigter zu klagen als der litauische Bauer, der unter dem anhaltendsten Fleisse der Erde kaum so viel abringen kann, als zu seinem häuslichen Bedarf nöthig ist. Von dieser unwirthlichen Beschaffenheit des Bodens machen nur einige Striche eine Ausnahme. (Wurzbach I, 50.) Böhm.: Zemĕ tvrda, a nebe vysoko. (Čelakovsky, 184.) 34 Der Himmel ist hoch und der Kaiser weit. – Eiselein, 311. Böhm.: A byt' o zem se bíti, není se kam díti: do nebe vysoko, do vody hluboko. – Bůh vysoko, král daleko, pravda v koute a nebeského soudu k poslednimu dni dlouho čekati. – Do pekla hluboko, do nebe vysoko. – Král daleko, bůh vysoko, pravdy a spravedlnosti v svĕtĕ málo. (Čelakovsky, 184.) Poln.: Bóg wysoko, król (przyjaciel) daleko. (Čelakovsky, 184.)

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870, S. [323]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870/329>, abgerufen am 22.10.2020.