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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870.

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[Spaltenumbruch] und eine der Glocken versank". Nach der Sage lässt sich nun, wenn die eine geläutet wird, die andere am Grunde des Sees auch hören. Besonders soll man beim abendlichen Läuten den Zuruf "Bruder, Bruder" vernehmen.

*112 Es vergeht einem Hören und Sehen.

Die Hoffart "thut die leut so gar betören, das jn vergeht beid sehn vnd hören." (Waldis, II, 54, 29.) "Ich hoa mich iber sie a su geargert, doss mer hiren und soahen vergangen ist." (Keller, 166a.)

*113 He hört de Hehner feiste. - Frischbier2, 1665.

*114 Hei hirt möt Schulte Scheindähre. - Frischbier2, 1663.

Mit Schulzens Scheunthor. Er hört ungenau, falsch.

*115 Ich höre es nicht gern, es ist mir nicht lieb. - Agricola I, 580.

Zu Agricola's Zeiten der Ausdruck des Bedauerns, wenn jemand etwas Trauriges begegnet war, besonders von einem der Angehörigen des Bedauernden.

*116 Ich höre, wie viel der Zeiger geschlagen hat. - Herberger, I, 572.

*117 Ma heird awa mit nischt me, wi mid a AUrn. - Peter, 455.

Ausdruck der Verwunderung.

*118 Me kann viel hären, eh'r em en Ahr awfällt. (Büren.)

*119 Nu hör na em, he is so klok as än Minsch. - Biernatzki, Volksbuch.

*120 Se heiren1 wä de Schweng2 äm Renwädder3. (Siebenbürg.-sächs.) - Frommann, V, 175, 170.

1) Folgen. 2) Schweine. 3) Regenwetter. - Sie folgen sehr schlecht.

*121 Was man alles hört! - Eiselein, 628.

*122 Weder hören noch sehen. - Eiselein, 321; Braun, I, 1477.

Lat.: Nec aures habeo, nec tango. - Neque audio, neque video. (Eiselein, 321.)


Hörensagen.

1 An hören sagen leugt man viel. - Lehmann, II, 28, 50; Körte, 2962.

2 Auf Hörensagen darf man niemand das Seine aberkennen. - Graf, 457, 521.

Ein Zeugniss hat nur dann beweisende Kraft, wenn es auf eigener Wahrnehmung beruht. Noch so viel Zeugen würden vom Hörensagen nur ein Gerücht begründen, aber nichts beweisen können.

Mhd.: Man sol nieman das sin abkennen vf hörsagen. (Grimm, Weisth., I, 201.)

3 Auf Hörensagen ist nicht gut zu fussen. - Petri, II, 26.

4 Auf Hörensagen soll der Mann die Frau nicht schlagen. (Eifel.)

Mhd.: Swem sin weip ze liep ist, der vrage lützel von ir, wan ime wehset danne zwir leit, kumber unde klage, von seiner vrage und jenes sage. (Krone.) (Zingerle 169,)

5 Em moss net vunn Heireson rieden. - Schuster, 663.

6 Heansögn is hoal d'rlogn. (Steiermark.) - Firmenich, II, 966, 64.

7 Hörensagen ist halb erlogen. - Petri, II, 384; Lehmann, 301, 15; Latendorf II, 17; Gaal, 911; Graf, 457, 523; Simrock, 4946; Körte, 2960; Braun, I, 1480.

In Aegypten sagt man: Hörensagen ist nicht mit Augen sehen. (Burckhardt, 57.)

Frz.: A voir oui dire, c'est moitie menterie. (Gaal, 911.)

Holl.: Hooren zeggen is half gelogen. (Bohn I, 329.)

It.: Aver sentito dire e mezza bugia. (Gaal, 911; Cahier, 2895; Bohn I, 74.)

Lat.: E relato referre mentiri est. (Binder I, 479; II, 909; Seybold, 165.)

8 Off Höresoan soll de Män sein Fra nöd schloan. (Trier.) - Laven, 188, 88.

9 Vom Hörensagen kommen die Lügen ins Land. - Simrock, 4947; für Köln: Weyden, IV, 16; für Meurs: Firmenich, I, 404, 244.

In Bedburg: Vom Hüresage kumme de Lüege.

Frz.: Ouir dire ment souvent. (Kritzinger, 495.) - Ouyr dire va par ville. (Leroux, II, 277.)

10 Vom Hörensagen lernt man lügen.

11 Vom Hörensagen lügt man viel. - Pistor., VIII, 95; Eisenhart, VI, 2, 11; Eiselein, 321; Schottel, 1136a; Simrock, 4948; Körte, 2961; Braun, I, 1479.

Gehört zu den Rechtssprichwörtern und will als solches sagen, dass der Richter einem unbegründeten Gerüchte keinen Glauben beimessen soll; dass ferner in peinlichen Sachen alle Zeugen zu verwerfen sind, welche für ihre Aussagen keinen andern Grund anzuführen wissen, als den, es von andern gehört zu haben. Wer[Spaltenumbruch] einen tüchtigen Zeugen abgeben will, muss selber gesehen und gehört haben.

Dän.: At höre siges, er halv löyet. - Efter höre siges bliver meget löget. (Prov. dan., 394.)

Holl.: Van horensegghen liecht men vele. (Tunn., 20, 10.)

Lat.: Ex auditis referre ferme mentiri est. - Oculis magis habenda, quam auribus, fides. (Philippi, II, 61; Schonheim, O, 4.) - Qui audiunt, audita dicunt; qui vident, plane sciunt. - Qui famae credit, saepe mentitur cum fama. - Quod male mentitur, audita loquens reperitur. (Fallersleben, 730.)

12 Vom Hörensagen und Wiedersagen wird man mit Recht aufs Maul geschlagen. - Körte, 2963; Simrock, 4949; Lohrengel, I, 688; Braun, I, 1481.

13 Vom Hörensagen wird mancher aufs Maul geschlagen. - Graf, 332, 413.

Lat.: Oculatus testis unus pluris est, quam auriti decem. (Philippi, II, 61.)

14 Von hörensagen wird grosser lug oft fürgetragen.

Lat.: Quod male mentitur, audita loquens reperitur. (Loci comm., 63 u. 115.)

15 Was von hörsagen kommet her, das ist wol halb erlogne mär.

Lat.: Est medium nugae, quod ab audito loquor ipse. (Loci comm., 63 u. 114.)

16 Wem Hörensagen genügt, wird betrogen oder betrügt.

Lat.: Fallitur aut fallit, vulgi qui pendet ab ore. (Egeria, 71.)

*17 Ich habe es vom Hörensagen. - Agricola I, 179.

Die Sache ist noch zweifelhaft.

Frz.: Apprendre une nouvelle par cascades. - Cette nouvelle est venue par ricochet. (Lendroy, 277 u. 1316.)


Hörer.

1 Dem Hörer, fein und klug, ist wenig schon genug.

Frz.: A bon entendeur peu de paroles. (Gaal, 912.)

It.: A buon intenditor poche parole. (Gaal, 912.)

2 Ein fleissiger Hörer ermuntert den Lehrer. - Seybold, 161.

Lat.: Excitat auditor studium, laudataque virtus crescit et immensum gloria calcar habet. (Seybold, 161.)

3 Ein verständiger Hörer braucht nicht viel Worte.

4 Einem Hörer an der Wand gibt man einen Dreck in die Hand. - Petri, II.

5 Fleissige Hörer machen fleissige Lehrer.

Lat.: Excitat auditor studium. (Ovid.) (Binder II, 1030; Schonheim, E, 11.)

6 Viel Hörer, wenig Folger.

Frz.: Beaucoup ecoutent et peu obeissent.

7 Wie der Hörer, so der Lehrer.

Auch wol umgekehrt.

Dän.: En döv Hörer giör en galen Svarer. (Bohn I, 365.)


Horesmores.

* Einem Horesmores lehren. - Eiselein, 321.


Horizont.

* Das geht über seinen Horizont. - Lohrengel, II, 69.

Holl.: Het gaat boven zijn horizon. (Harrebomee, I, 334.)

Lat.: Quae supra nos, nihil ad nos. (Binder II, 2707; Schonheim, Q, 1; Weber, Append. 7.)


Hork.

Ein Hork bleibt ein Hork.

Keller (155b) lässt einen Landstreicher in der Gaunersprache auftreten und sagen: "Das wär' ein andrer Ragenwurm (= Wurst). Nein, ich weess einen bessern Schacherfetzer (= Wirth) zu suchen. Ein Horck (= Bauer) bleibt ein Horcke."


Horn.

1 Am Horn fasst man den Ochsen, beim Wort den Mann.

Holl.: Bij de hoornen vangt (vat, bindt) men den os, bij het woord den man. ( Harrebomee, I, 334.)

2 Am Horn merkt man das Hirn. - Heyl, 439.

3 Besser bei den Hörnern festhalten, als beim Schwanz fangen wollen.

Das Vermögen durch gute Wirthschaft erhalten ist besser, als verlorenes wieder erwerben wollen.

Böhm.: Upustice za rohy usilno jest za ocas chvatati. (Celakovsky, 261.)

4 Die Hörner machen keinen Ochsen.

5 Die Hörner stössiger Ochsen sind kurz.

6 Ein hohles Horn ist bald abgebrochen.

7 Einer hält die Hörner, der andere melkt.

8 Grosse Hörner, schöne Ochsen.

9 Horn und Hirn wie reimt sich das! (Nassau.)

10 Hörner sind keine Last für den Ochsen. - Reinsberg VII, 5.

Frz.: Tel porte cornes que l'on voit, et tel en porte, qui ne le croit. (Kritzinger, 174b.)

[Spaltenumbruch] und eine der Glocken versank“. Nach der Sage lässt sich nun, wenn die eine geläutet wird, die andere am Grunde des Sees auch hören. Besonders soll man beim abendlichen Läuten den Zuruf „Bruder, Bruder“ vernehmen.

*112 Es vergeht einem Hören und Sehen.

Die Hoffart „thut die leut so gar betören, das jn vergeht beid sehn vnd hören.“ (Waldis, II, 54, 29.) „Ich hoa mich iber sie a su geargert, doss mer hiren und soahen vergangen ist.“ (Keller, 166a.)

*113 He hört de Hehner fîste.Frischbier2, 1665.

*114 Hei hirt möt Schulte Schîndähre.Frischbier2, 1663.

Mit Schulzens Scheunthor. Er hört ungenau, falsch.

*115 Ich höre es nicht gern, es ist mir nicht lieb.Agricola I, 580.

Zu Agricola's Zeiten der Ausdruck des Bedauerns, wenn jemand etwas Trauriges begegnet war, besonders von einem der Angehörigen des Bedauernden.

*116 Ich höre, wie viel der Zeiger geschlagen hat.Herberger, I, 572.

*117 Ma hîrd âwa mit nischt mê, wi mid a Ûrn.Peter, 455.

Ausdruck der Verwunderung.

*118 Me kann viel hären, eh'r em en Ahr awfällt. (Büren.)

*119 Nu hör na em, he is so klôk as än Minsch.Biernatzki, Volksbuch.

*120 Se hîren1 wä de Schweng2 äm Rênwädder3. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 175, 170.

1) Folgen. 2) Schweine. 3) Regenwetter. – Sie folgen sehr schlecht.

*121 Was man alles hört!Eiselein, 628.

*122 Weder hören noch sehen.Eiselein, 321; Braun, I, 1477.

Lat.: Nec aures habeo, nec tango. – Neque audio, neque video. (Eiselein, 321.)


Hörensagen.

1 An hören sagen leugt man viel.Lehmann, II, 28, 50; Körte, 2962.

2 Auf Hörensagen darf man niemand das Seine aberkennen.Graf, 457, 521.

Ein Zeugniss hat nur dann beweisende Kraft, wenn es auf eigener Wahrnehmung beruht. Noch so viel Zeugen würden vom Hörensagen nur ein Gerücht begründen, aber nichts beweisen können.

Mhd.: Man sol nieman das sin abkennen vf hörsagen. (Grimm, Weisth., I, 201.)

3 Auf Hörensagen ist nicht gut zu fussen.Petri, II, 26.

4 Auf Hörensagen soll der Mann die Frau nicht schlagen. (Eifel.)

Mhd.: Swem sin wîp ze liep ist, der vrâge lützel von ir, wan ime wehset danne zwir leit, kumber unde klage, von sîner vrâge und jenes sage. (Krone.) (Zingerle 169,)

5 Em moss net vunn Hîresôn riëden.Schuster, 663.

6 Heansögn is hoal d'rlogn. (Steiermark.) – Firmenich, II, 966, 64.

7 Hörensagen ist halb erlogen.Petri, II, 384; Lehmann, 301, 15; Latendorf II, 17; Gaal, 911; Graf, 457, 523; Simrock, 4946; Körte, 2960; Braun, I, 1480.

In Aegypten sagt man: Hörensagen ist nicht mit Augen sehen. (Burckhardt, 57.)

Frz.: A voir ouï dire, c'est moitié menterie. (Gaal, 911.)

Holl.: Hooren zeggen is half gelogen. (Bohn I, 329.)

It.: Aver sentito dire è mezza bugia. (Gaal, 911; Cahier, 2895; Bohn I, 74.)

Lat.: E relato referre mentiri est. (Binder I, 479; II, 909; Seybold, 165.)

8 Off Höresoan soll de Män sein Frâ nöd schloan. (Trier.) – Laven, 188, 88.

9 Vom Hörensagen kommen die Lügen ins Land.Simrock, 4947; für Köln: Weyden, IV, 16; für Meurs: Firmenich, I, 404, 244.

In Bedburg: Vom Hüresage kumme de Lüege.

Frz.: Ouir dire ment souvent. (Kritzinger, 495.) – Ouyr dire va par ville. (Leroux, II, 277.)

10 Vom Hörensagen lernt man lügen.

11 Vom Hörensagen lügt man viel.Pistor., VIII, 95; Eisenhart, VI, 2, 11; Eiselein, 321; Schottel, 1136a; Simrock, 4948; Körte, 2961; Braun, I, 1479.

Gehört zu den Rechtssprichwörtern und will als solches sagen, dass der Richter einem unbegründeten Gerüchte keinen Glauben beimessen soll; dass ferner in peinlichen Sachen alle Zeugen zu verwerfen sind, welche für ihre Aussagen keinen andern Grund anzuführen wissen, als den, es von andern gehört zu haben. Wer[Spaltenumbruch] einen tüchtigen Zeugen abgeben will, muss selber gesehen und gehört haben.

Dän.: At høre siges, er halv løyet. – Efter høre siges bliver meget løget. (Prov. dan., 394.)

Holl.: Van horensegghen liecht men vele. (Tunn., 20, 10.)

Lat.: Ex auditis referre ferme mentiri est. – Oculis magis habenda, quam auribus, fides. (Philippi, II, 61; Schonheim, O, 4.) – Qui audiunt, audita dicunt; qui vident, plane sciunt. – Qui famae credit, saepe mentitur cum fama. – Quod male mentitur, audita loquens reperitur. (Fallersleben, 730.)

12 Vom Hörensagen und Wiedersagen wird man mit Recht aufs Maul geschlagen.Körte, 2963; Simrock, 4949; Lohrengel, I, 688; Braun, I, 1481.

13 Vom Hörensagen wird mancher aufs Maul geschlagen.Graf, 332, 413.

Lat.: Oculatus testis unus pluris est, quam auriti decem. (Philippi, II, 61.)

14 Von hörensagen wird grosser lug oft fürgetragen.

Lat.: Quod male mentitur, audita loquens reperitur. (Loci comm., 63 u. 115.)

15 Was von hörsagen kommet her, das ist wol halb erlogne mär.

Lat.: Est medium nugae, quod ab audito loquor ipse. (Loci comm., 63 u. 114.)

16 Wem Hörensagen genügt, wird betrogen oder betrügt.

Lat.: Fallitur aut fallit, vulgi qui pendet ab ore. (Egeria, 71.)

*17 Ich habe es vom Hörensagen.Agricola I, 179.

Die Sache ist noch zweifelhaft.

Frz.: Apprendre une nouvelle par cascades. – Cette nouvelle est venue par ricochet. (Lendroy, 277 u. 1316.)


Hörer.

1 Dem Hörer, fein und klug, ist wenig schon genug.

Frz.: A bon entendeur peu de paroles. (Gaal, 912.)

It.: A buon intenditor poche parole. (Gaal, 912.)

2 Ein fleissiger Hörer ermuntert den Lehrer.Seybold, 161.

Lat.: Excitat auditor studium, laudataque virtus crescit et immensum gloria calcar habet. (Seybold, 161.)

3 Ein verständiger Hörer braucht nicht viel Worte.

4 Einem Hörer an der Wand gibt man einen Dreck in die Hand.Petri, II.

5 Fleissige Hörer machen fleissige Lehrer.

Lat.: Excitat auditor studium. (Ovid.) (Binder II, 1030; Schonheim, E, 11.)

6 Viel Hörer, wenig Folger.

Frz.: Beaucoup écoutent et peu obéissent.

7 Wie der Hörer, so der Lehrer.

Auch wol umgekehrt.

Dän.: En døv Hører giør en galen Svarer. (Bohn I, 365.)


Horesmores.

* Einem Horesmores lehren.Eiselein, 321.


Horizont.

* Das geht über seinen Horizont.Lohrengel, II, 69.

Holl.: Het gaat boven zijn horizon. (Harrebomée, I, 334.)

Lat.: Quae supra nos, nihil ad nos. (Binder II, 2707; Schonheim, Q, 1; Weber, Append. 7.)


Hork.

Ein Hork bleibt ein Hork.

Keller (155b) lässt einen Landstreicher in der Gaunersprache auftreten und sagen: „Das wär' ein andrer Ragenwurm (= Wurst). Nein, ich weess einen bessern Schacherfetzer (= Wirth) zu suchen. Ein Horck (= Bauer) bleibt ein Horcke.“


Horn.

1 Am Horn fasst man den Ochsen, beim Wort den Mann.

Holl.: Bij de hoornen vangt (vat, bindt) men den os, bij het woord den man. ( Harrebomée, I, 334.)

2 Am Horn merkt man das Hirn.Heyl, 439.

3 Besser bei den Hörnern festhalten, als beim Schwanz fangen wollen.

Das Vermögen durch gute Wirthschaft erhalten ist besser, als verlorenes wieder erwerben wollen.

Böhm.: Upustíce za rohy úsilno jest za ocas chvátati. (Čelakovsky, 261.)

4 Die Hörner machen keinen Ochsen.

5 Die Hörner stössiger Ochsen sind kurz.

6 Ein hohles Horn ist bald abgebrochen.

7 Einer hält die Hörner, der andere melkt.

8 Grosse Hörner, schöne Ochsen.

9 Horn und Hirn wie reimt sich das! (Nassau.)

10 Hörner sind keine Last für den Ochsen.Reinsberg VII, 5.

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[[391]/0397] und eine der Glocken versank“. Nach der Sage lässt sich nun, wenn die eine geläutet wird, die andere am Grunde des Sees auch hören. Besonders soll man beim abendlichen Läuten den Zuruf „Bruder, Bruder“ vernehmen. *112 Es vergeht einem Hören und Sehen. Die Hoffart „thut die leut so gar betören, das jn vergeht beid sehn vnd hören.“ (Waldis, II, 54, 29.) „Ich hoa mich iber sie a su geargert, doss mer hiren und soahen vergangen ist.“ (Keller, 166a.) *113 He hört de Hehner fîste. – Frischbier2, 1665. *114 Hei hirt möt Schulte Schîndähre. – Frischbier2, 1663. Mit Schulzens Scheunthor. Er hört ungenau, falsch. *115 Ich höre es nicht gern, es ist mir nicht lieb. – Agricola I, 580. Zu Agricola's Zeiten der Ausdruck des Bedauerns, wenn jemand etwas Trauriges begegnet war, besonders von einem der Angehörigen des Bedauernden. *116 Ich höre, wie viel der Zeiger geschlagen hat. – Herberger, I, 572. *117 Ma hîrd âwa mit nischt mê, wi mid a Ûrn. – Peter, 455. Ausdruck der Verwunderung. *118 Me kann viel hären, eh'r em en Ahr awfällt. (Büren.) *119 Nu hör na em, he is so klôk as än Minsch. – Biernatzki, Volksbuch. *120 Se hîren1 wä de Schweng2 äm Rênwädder3. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 175, 170. 1) Folgen. 2) Schweine. 3) Regenwetter. – Sie folgen sehr schlecht. *121 Was man alles hört! – Eiselein, 628. *122 Weder hören noch sehen. – Eiselein, 321; Braun, I, 1477. Lat.: Nec aures habeo, nec tango. – Neque audio, neque video. (Eiselein, 321.) Hörensagen. 1 An hören sagen leugt man viel. – Lehmann, II, 28, 50; Körte, 2962. 2 Auf Hörensagen darf man niemand das Seine aberkennen. – Graf, 457, 521. Ein Zeugniss hat nur dann beweisende Kraft, wenn es auf eigener Wahrnehmung beruht. Noch so viel Zeugen würden vom Hörensagen nur ein Gerücht begründen, aber nichts beweisen können. Mhd.: Man sol nieman das sin abkennen vf hörsagen. (Grimm, Weisth., I, 201.) 3 Auf Hörensagen ist nicht gut zu fussen. – Petri, II, 26. 4 Auf Hörensagen soll der Mann die Frau nicht schlagen. (Eifel.) Mhd.: Swem sin wîp ze liep ist, der vrâge lützel von ir, wan ime wehset danne zwir leit, kumber unde klage, von sîner vrâge und jenes sage. (Krone.) (Zingerle 169,) 5 Em moss net vunn Hîresôn riëden. – Schuster, 663. 6 Heansögn is hoal d'rlogn. (Steiermark.) – Firmenich, II, 966, 64. 7 Hörensagen ist halb erlogen. – Petri, II, 384; Lehmann, 301, 15; Latendorf II, 17; Gaal, 911; Graf, 457, 523; Simrock, 4946; Körte, 2960; Braun, I, 1480. In Aegypten sagt man: Hörensagen ist nicht mit Augen sehen. (Burckhardt, 57.) Frz.: A voir ouï dire, c'est moitié menterie. (Gaal, 911.) Holl.: Hooren zeggen is half gelogen. (Bohn I, 329.) It.: Aver sentito dire è mezza bugia. (Gaal, 911; Cahier, 2895; Bohn I, 74.) Lat.: E relato referre mentiri est. (Binder I, 479; II, 909; Seybold, 165.) 8 Off Höresoan soll de Män sein Frâ nöd schloan. (Trier.) – Laven, 188, 88. 9 Vom Hörensagen kommen die Lügen ins Land. – Simrock, 4947; für Köln: Weyden, IV, 16; für Meurs: Firmenich, I, 404, 244. In Bedburg: Vom Hüresage kumme de Lüege. Frz.: Ouir dire ment souvent. (Kritzinger, 495.) – Ouyr dire va par ville. (Leroux, II, 277.) 10 Vom Hörensagen lernt man lügen. 11 Vom Hörensagen lügt man viel. – Pistor., VIII, 95; Eisenhart, VI, 2, 11; Eiselein, 321; Schottel, 1136a; Simrock, 4948; Körte, 2961; Braun, I, 1479. Gehört zu den Rechtssprichwörtern und will als solches sagen, dass der Richter einem unbegründeten Gerüchte keinen Glauben beimessen soll; dass ferner in peinlichen Sachen alle Zeugen zu verwerfen sind, welche für ihre Aussagen keinen andern Grund anzuführen wissen, als den, es von andern gehört zu haben. Wer einen tüchtigen Zeugen abgeben will, muss selber gesehen und gehört haben. Dän.: At høre siges, er halv løyet. – Efter høre siges bliver meget løget. (Prov. dan., 394.) Holl.: Van horensegghen liecht men vele. (Tunn., 20, 10.) Lat.: Ex auditis referre ferme mentiri est. – Oculis magis habenda, quam auribus, fides. (Philippi, II, 61; Schonheim, O, 4.) – Qui audiunt, audita dicunt; qui vident, plane sciunt. – Qui famae credit, saepe mentitur cum fama. – Quod male mentitur, audita loquens reperitur. (Fallersleben, 730.) 12 Vom Hörensagen und Wiedersagen wird man mit Recht aufs Maul geschlagen. – Körte, 2963; Simrock, 4949; Lohrengel, I, 688; Braun, I, 1481. 13 Vom Hörensagen wird mancher aufs Maul geschlagen. – Graf, 332, 413. Lat.: Oculatus testis unus pluris est, quam auriti decem. (Philippi, II, 61.) 14 Von hörensagen wird grosser lug oft fürgetragen. Lat.: Quod male mentitur, audita loquens reperitur. (Loci comm., 63 u. 115.) 15 Was von hörsagen kommet her, das ist wol halb erlogne mär. Lat.: Est medium nugae, quod ab audito loquor ipse. (Loci comm., 63 u. 114.) 16 Wem Hörensagen genügt, wird betrogen oder betrügt. Lat.: Fallitur aut fallit, vulgi qui pendet ab ore. 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Horesmores. * Einem Horesmores lehren. – Eiselein, 321. Horizont. * Das geht über seinen Horizont. – Lohrengel, II, 69. Holl.: Het gaat boven zijn horizon. (Harrebomée, I, 334.) Lat.: Quae supra nos, nihil ad nos. (Binder II, 2707; Schonheim, Q, 1; Weber, Append. 7.) Hork. Ein Hork bleibt ein Hork. Keller (155b) lässt einen Landstreicher in der Gaunersprache auftreten und sagen: „Das wär' ein andrer Ragenwurm (= Wurst). Nein, ich weess einen bessern Schacherfetzer (= Wirth) zu suchen. Ein Horck (= Bauer) bleibt ein Horcke.“ Horn. 1 Am Horn fasst man den Ochsen, beim Wort den Mann. Holl.: Bij de hoornen vangt (vat, bindt) men den os, bij het woord den man. ( Harrebomée, I, 334.) 2 Am Horn merkt man das Hirn. – Heyl, 439. 3 Besser bei den Hörnern festhalten, als beim Schwanz fangen wollen. Das Vermögen durch gute Wirthschaft erhalten ist besser, als verlorenes wieder erwerben wollen. Böhm.: Upustíce za rohy úsilno jest za ocas chvátati. (Čelakovsky, 261.) 4 Die Hörner machen keinen Ochsen. 5 Die Hörner stössiger Ochsen sind kurz. 6 Ein hohles Horn ist bald abgebrochen. 7 Einer hält die Hörner, der andere melkt. 8 Grosse Hörner, schöne Ochsen. 9 Horn und Hirn wie reimt sich das! (Nassau.) 10 Hörner sind keine Last für den Ochsen. – Reinsberg VII, 5. Frz.: Tel porte cornes que l'on voit, et tel en porte, qui ne le croit. (Kritzinger, 174b.)

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870, S. [391]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870/397>, abgerufen am 20.10.2020.