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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870.

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[Spaltenumbruch] auch Gastmahl. Bei Hebel: Uerthe = Wirthshausrechnung, wie Abrechnung überhaupt. Davon das Zeitwort urten, ürten, ürtnen. "Beim Wein ürten oder zechen." (Fries, Dict.): "Mit dem mag er wol ürtnen und Trinkhen." (Zellweger's Urkunden zu seiner Geschichte des appenzeller Volks, Trogen 1830-36.) "Um örthen spihlen." (Landbuch des Cantons Appenzell, 1585; Tobler, 353.) - Um die Zeche spielen.

*2 Den Ihrten selbst beschliessen. - Weinhold, 102.

Die Rechnung ohne den Wirth machen. Wegen des noch nicht festgestellten Ursprungs des Wortes, den ich von Ehre ableitete, wie wegen der so verschiedenen Aussprache und Schreibung desselben (Ehrte, EIrte, Oerte, Uerte) stelle ich hier zusammen, was ich inzwischen darüber selber aufgefunden und angemerkt habe und was mir von unterstützender Hand aus literarischen Quellen, namentlich der von Herrn Kreisgerichtsdirector Ottow in Landshut mitgetheilt worden ist. In Berndt (Versuch zu einem schlesischen Idiotikon, 1787, S. 65) heisst es: "Die Irte, schlesisch für Zeche, seine Irte bezahlen. So auch in Nürnberg." In dem Sinne für Zeche = Wirthshausrechnung wird es auch jetzt noch allgemein besonders in Dorfschenken gebraucht. Weinhold verweist unter "Irte" auf Uerte, und sagt dabei: Urte, Irte für Zeche: a) das Verzehrte, Vertrunkene; b) die Rechnung, in dieser Bedeutung noch gebräuchlich (Reichenbach, Hirschberg), das heisst ohne Wirth den Irten selbst beschliessen; c) die Zechgesellschaft, in diesem Sinne nicht mehr gebräuchlich. In Der schlesischen Kern-Chronik anderer Theil (Leipzig 1711, S. 723) steht in dem Wortverzeichnisse: Oerte-Bier, d. i. eine Zeche. In dem Sprichwort selbst steht es auch für Zeche. Bei Franck (II, 64b) lautet ein Sprichwort: Es muss ein schlechter wirt sein, der einer zech nicht zu borgen hat. Dasselbe Sprichwort steht bei Lang (423; vgl. Nopitsch, 211): Es muss ein armer würth sein, der nicht ein Irten borgen kan. In den Mundarten von Frommann (I, 37) finden wir Urten und Uerten in einer Sammlung schwerverständlicher Ausdrücke, und zwar mit Belägen. In Die Vier wunderbarlichen Eigenschafften vnd Würkungen des Weinss heisst es: "Da wil er bulen hie vnd dort biss etwas hin auff mitternacht, so dann die ürten wird gemacht, kan er gar kaum die stubenthür treffen." In dem Fastnachtsspiel Der Eulenspiegel mit dem Blinden sagt der Wirth: "Ich will euch einsperen alle drey im Hoff drauss in einen Sewstal biss das man mir die vrten zal." Es wird dann gefragt, welchem Dialekte dieses Urten oder Uerten entlehnt sei, da der altbairische Dialekt dafür "Roat" oder "Reite" habe. Stalder (II, 425) hat Uerte = Gasterei, Gastmahl, Zeche, lässt aber Ursprung und Schreibung unberührt. Das Mittelhochdeutsche Wörterbuch von B. Müller schreibt Uerte, gibt aber keinen etymologischen Aufschluss.

*3 E grosse Oerta verthun. - Tobler, 353.

Eine grosse Zeche haben.

*4 Emm d' Oerta macha. - Tobler, 353.

Einen streng bestrafen.

*5 Emm e thüre Oerta macha. - Tobler, 353.

Einen schnellen, schröpfen, ihm ein böses Spiel machen.


Ihrzen.

*1 Er darf sie nicht ihrzen und nicht duzen. - Eiselein, 342.

*2 Er ihrzet niemand ausser sich und den Herrn Pfarrer. - Eiselein, 342.

*3 Ich weiss nicht, ob ich dich ihrzen oder duzen soll.


Iliade.

* Eine Iliade schreiben nach Homer.


Illuminiren.

* Er ist illuminirt.

Hat einen Rausch. (S. Boden 38.)

Frz.: Enlumine comme le B de Beati quorum. (Leroux, I, 3.)


Iltis.

1 Der Iltis ist ein schlechter Taubenhirt.

Aber so parteiisch und bestechlich wie der russische scheint unser deutscher Iltis doch nicht zu sein. Die Russen behaupten von dem ihrigen: er schleiche an des Reichen Pfauenhause vorüber zur Hühnersteige des Armen. (Altmann VI, 481.)

*2 Dem Iltis die Tauben befehlen. (S. Fuchs 365 und Hecht 32.)

*3 Oes hat sö s' Oeltes umdraht. (Oberösterreich.) - Baumgarten, 81.

So sagt man, wenn sich in einem Hause und zwar in allen Räumen desselben plötzlich ein eigenthümlicher Gestank verbreitet, wofür man keinen andern Grund anzugeben weiss.


Iltisbalg.

* Einen Iltisbalg gerben. - Murner, Schelmz., 39.

"Hör, wie kützelt sich der schalck vnd gerbet mir ein Yltisbalg." (Kloster, I, 876.)


[Spaltenumbruch]
Imbiss.

*1 Er gibt einen kurtzen vnnd guten imbiss. - Lehmann, 646, 49.

"Ein beretter mann", sagt Lehmann, "redt was zusachen dient, machts auff ein Karch, packt seine Wahren fein eng zusammen, er gibt ein kurtzen vnnd guten imbiss."

Lat.: Vir sapiens brevem sermonem facit. (Lehmann, 646, 49.)

*2 Im a Ims rim. (Kreis Militsch in Schlesien.)

Um eine Zeit zu bestimmen, und zwar die des Morgens, zur Zeit des Frühstücks, des Imbiss. Für morgens heisst es: 'smurgsder Ims; für abends: 'sobsder Ims. In Pommern Imt (Dähnert, 205b). In einigen Cantonen der Schweiz wird das Mittagsessen Imbiss genannt. Ehemals verstand man unter Imbiss überhaupt ein Essen, und man liest noch in alten Schweizerurkunden Nachtimbiss sowol als Morgenimbiss für Inbiss, Anbiss, von beissen, an-, einbeissen. (Stalder, II, 69.)


Imktippel.

* He heft den Imktippel (Töppel) getroffen. - Frischbier2, 1801.


Imme.

1 D' Ima thüend nüd ala Lüta guet. - Tobler, 284.

Entschieden denen nicht, die sie nicht angemessen und gut behandeln.

2 Die Imen küssen gern die schönen Blumen vnnd sie bleiben doch schön. - Lehmann, 105, 25.

3 Die Immen können das Fluchen nicht leiden. - Simrock, 12347.

Ein recht gutes, wenn auch abergläubisches Sprichwort der Bienenzüchter. Der Flucher ist entweder ein recht stürmischer oder zu roher Mensch, um die kleinen Thierlein mit der Geduld und Sorgfalt zu pflegen, die sie verlangen, oder sich durch die Freude der Natur belohnt zu fühlen, die diese Pflege gewährt. Dies mag der vernünftige Grund zu jenem Sprichwort sein.

4 Die Immen saugen aus den bittersten Kräutern den besten Honig. - Parömiakon, 641.

5 Eine Imme ist mehr werth als hundert Fliegen.

It.: Vale piu una pecchia, che mille mosche. (Pazzaglia, 235, 7.)

6 Hab' Impen und Schaf, leg' di nida und schlaf; aber nöt z' lang. (Oberpfalz.)

Auch in Tirol. (Frommann, VI, 34, 8.)

7 Hastu Immen vnd Schaff, so leg dich nider vnd schlaff, doch schlaff auch nicht zu lang, das dir es nicht entgang. - Petri, II, 173.

8 Imme, Schope un Deike makt sällen Eenen reike. (Lippe.)

In Ravensberg, im Lippeschen: Duike, ruike. Bienen-, Schaf- und Fischzucht sollen demnach selten jemand reich machen.

9 Immen un Schoape kuemet im Sloape. -Für Waldeck: Firmenich, I, 325, 31.

10 Immen un Schope könnt dem Biur den Rock uittrecke un antrecke. (Sauerland.)

11 Kaf dar Imp und Schaf und geh' ins Bett und schlaf. (Oberösterreich.) - Baumgarten.

Eine frühere Ansicht über Landwirthschaft.

12 Man muss den Immen den Waben nehmen. (Schweiz.)

13 Man muss in keinen Immen stupfen. (Schweiz.)

In kein Wespennest stören.

14 Wai de Immen terget, dei mot luien, dat se eäm steäket. (Sauerland.)

15 Wamme1 de Immen puret2, mot me sik nit wünnern, dat se Enne steaket. (Büren.)

1) Wenn man.

2) Von purren = in etwas rühren, es reizen.

16 Wei de Immen terget, den stecket se. (Sauerland.)

17 Wer Imbe het und Schof, sitz nider und schlof, aber nit z' lang, 'ass am der G'wärb nit vergang. (Solothurn.) - Schild, 99, 7.

*18 Hai hiät en fetten Imen1 snien. (Iserlohn.) - Woeste, 86, 105.

1) Ein einzelner Bienenstock. - Guten Gewinn haben.

*19 Immen ins Bett tragen. (S. Holz 331.) - Lehmann, 835, 16.


Immeken.

Da lat de Immeken vor sorgen! (Braunschweig.)

Ein alter Invalide, der vor Jahren in Braunschweig gelebt hat, erzählte, als er über den englisch-amerikanischen Krieg, den er als verkaufter Braunschweiger

[Spaltenumbruch] auch Gastmahl. Bei Hebel: Uerthe = Wirthshausrechnung, wie Abrechnung überhaupt. Davon das Zeitwort urten, ürten, ürtnen. „Beim Wein ürten oder zechen.“ (Fries, Dict.): „Mit dem mag er wol ürtnen und Trinkhen.“ (Zellweger's Urkunden zu seiner Geschichte des appenzeller Volks, Trogen 1830-36.) „Um örthen spihlen.“ (Landbuch des Cantons Appenzell, 1585; Tobler, 353.) – Um die Zeche spielen.

*2 Den Ihrten selbst beschliessen.Weinhold, 102.

Die Rechnung ohne den Wirth machen. Wegen des noch nicht festgestellten Ursprungs des Wortes, den ich von Ehre ableitete, wie wegen der so verschiedenen Aussprache und Schreibung desselben (Ehrte, Îrte, Oerte, Uerte) stelle ich hier zusammen, was ich inzwischen darüber selber aufgefunden und angemerkt habe und was mir von unterstützender Hand aus literarischen Quellen, namentlich der von Herrn Kreisgerichtsdirector Ottow in Landshut mitgetheilt worden ist. In Berndt (Versuch zu einem schlesischen Idiotikon, 1787, S. 65) heisst es: „Die Irte, schlesisch für Zeche, seine Irte bezahlen. So auch in Nürnberg.“ In dem Sinne für Zeche = Wirthshausrechnung wird es auch jetzt noch allgemein besonders in Dorfschenken gebraucht. Weinhold verweist unter „Irte“ auf Uerte, und sagt dabei: Urte, Irte für Zeche: a) das Verzehrte, Vertrunkene; b) die Rechnung, in dieser Bedeutung noch gebräuchlich (Reichenbach, Hirschberg), das heisst ohne Wirth den Irten selbst beschliessen; c) die Zechgesellschaft, in diesem Sinne nicht mehr gebräuchlich. In Der schlesischen Kern-Chronik anderer Theil (Leipzig 1711, S. 723) steht in dem Wortverzeichnisse: Oerte-Bier, d. i. eine Zeche. In dem Sprichwort selbst steht es auch für Zeche. Bei Franck (II, 64b) lautet ein Sprichwort: Es muss ein schlechter wirt sein, der einer zech nicht zu borgen hat. Dasselbe Sprichwort steht bei Lang (423; vgl. Nopitsch, 211): Es muss ein armer würth sein, der nicht ein Irten borgen kan. In den Mundarten von Frommann (I, 37) finden wir Urten und Uerten in einer Sammlung schwerverständlicher Ausdrücke, und zwar mit Belägen. In Die Vier wunderbarlichen Eigenschafften vnd Würkungen des Weinss heisst es: „Da wil er bulen hie vnd dort biss etwas hin auff mitternacht, so dann die ürten wird gemacht, kan er gar kaum die stubenthür treffen.“ In dem Fastnachtsspiel Der Eulenspiegel mit dem Blinden sagt der Wirth: „Ich will euch einsperen alle drey im Hoff drauss in einen Sewstal biss das man mir die vrten zal.“ Es wird dann gefragt, welchem Dialekte dieses Urten oder Uerten entlehnt sei, da der altbairische Dialekt dafür „Roat“ oder „Reite“ habe. Stalder (II, 425) hat Uerte = Gasterei, Gastmahl, Zeche, lässt aber Ursprung und Schreibung unberührt. Das Mittelhochdeutsche Wörterbuch von B. Müller schreibt Uerte, gibt aber keinen etymologischen Aufschluss.

*3 E grosse Oerta verthun.Tobler, 353.

Eine grosse Zeche haben.

*4 Emm d' Oerta macha.Tobler, 353.

Einen streng bestrafen.

*5 Emm e thüre Oerta macha.Tobler, 353.

Einen schnellen, schröpfen, ihm ein böses Spiel machen.


Ihrzen.

*1 Er darf sie nicht ihrzen und nicht duzen.Eiselein, 342.

*2 Er ihrzet niemand ausser sich und den Herrn Pfarrer.Eiselein, 342.

*3 Ich weiss nicht, ob ich dich ihrzen oder duzen soll.


Iliade.

* Eine Iliade schreiben nach Homer.


Illuminiren.

* Er ist illuminirt.

Hat einen Rausch. (S. Boden 38.)

Frz.: Enluminé comme le B de Beati quorum. (Leroux, I, 3.)


Iltis.

1 Der Iltis ist ein schlechter Taubenhirt.

Aber so parteiisch und bestechlich wie der russische scheint unser deutscher Iltis doch nicht zu sein. Die Russen behaupten von dem ihrigen: er schleiche an des Reichen Pfauenhause vorüber zur Hühnersteige des Armen. (Altmann VI, 481.)

*2 Dem Iltis die Tauben befehlen. (S. Fuchs 365 und Hecht 32.)

*3 Oes hat sö s' Oeltes umdraht. (Oberösterreich.) – Baumgarten, 81.

So sagt man, wenn sich in einem Hause und zwar in allen Räumen desselben plötzlich ein eigenthümlicher Gestank verbreitet, wofür man keinen andern Grund anzugeben weiss.


Iltisbalg.

* Einen Iltisbalg gerben.Murner, Schelmz., 39.

„Hör, wie kützelt sich der schalck vnd gerbet mir ein Yltisbalg.“ (Kloster, I, 876.)


[Spaltenumbruch]
Imbiss.

*1 Er gibt einen kurtzen vnnd guten imbiss.Lehmann, 646, 49.

„Ein beretter mann“, sagt Lehmann, „redt was zusachen dient, machts auff ein Karch, packt seine Wahren fein eng zusammen, er gibt ein kurtzen vnnd guten imbiss.“

Lat.: Vir sapiens brevem sermonem facit. (Lehmann, 646, 49.)

*2 Im a Ims rim. (Kreis Militsch in Schlesien.)

Um eine Zeit zu bestimmen, und zwar die des Morgens, zur Zeit des Frühstücks, des Imbiss. Für morgens heisst es: 'smurgsder Ims; für abends: 'sobsder Ims. In Pommern Imt (Dähnert, 205b). In einigen Cantonen der Schweiz wird das Mittagsessen Imbiss genannt. Ehemals verstand man unter Imbiss überhaupt ein Essen, und man liest noch in alten Schweizerurkunden Nachtimbiss sowol als Morgenimbiss für Inbiss, Anbiss, von beissen, an-, einbeissen. (Stalder, II, 69.)


Imktippel.

* He heft den Imktippel (Töppel) getroffen.Frischbier2, 1801.


Imme.

1 D' Ima thüend nüd ala Lüta guet.Tobler, 284.

Entschieden denen nicht, die sie nicht angemessen und gut behandeln.

2 Die Imen küssen gern die schönen Blumen vnnd sie bleiben doch schön.Lehmann, 105, 25.

3 Die Immen können das Fluchen nicht leiden.Simrock, 12347.

Ein recht gutes, wenn auch abergläubisches Sprichwort der Bienenzüchter. Der Flucher ist entweder ein recht stürmischer oder zu roher Mensch, um die kleinen Thierlein mit der Geduld und Sorgfalt zu pflegen, die sie verlangen, oder sich durch die Freude der Natur belohnt zu fühlen, die diese Pflege gewährt. Dies mag der vernünftige Grund zu jenem Sprichwort sein.

4 Die Immen saugen aus den bittersten Kräutern den besten Honig.Parömiakon, 641.

5 Eine Imme ist mehr werth als hundert Fliegen.

It.: Vale più una pecchia, che mille mosche. (Pazzaglia, 235, 7.)

6 Hab' Impen und Schaf, leg' di nida und schlaf; aber nöt z' lang. (Oberpfalz.)

Auch in Tirol. (Frommann, VI, 34, 8.)

7 Hastu Immen vnd Schaff, so leg dich nider vnd schlaff, doch schlaff auch nicht zu lang, das dir es nicht entgang.Petri, II, 173.

8 Imme, Schope un Dîke makt sällen Eenen rîke. (Lippe.)

In Ravensberg, im Lippeschen: Duike, ruike. Bienen-, Schaf- und Fischzucht sollen demnach selten jemand reich machen.

9 Immen un Schoape kuemet im Sloape. –Für Waldeck: Firmenich, I, 325, 31.

10 Immen un Schope könnt dem Biur den Rock uittrecke un antrecke. (Sauerland.)

11 Kaf dar Imp und Schaf und geh' ins Bett und schlaf. (Oberösterreich.) – Baumgarten.

Eine frühere Ansicht über Landwirthschaft.

12 Man muss den Immen den Waben nehmen. (Schweiz.)

13 Man muss in keinen Immen stupfen. (Schweiz.)

In kein Wespennest stören.

14 Wái de Immen terget, déi mot luien, dat se eäm steäket. (Sauerland.)

15 Wamme1 de Immen puret2, mot me sik nit wünnern, dat se Enne steaket. (Büren.)

1) Wenn man.

2) Von purren = in etwas rühren, es reizen.

16 Wéi de Immen terget, den stecket se. (Sauerland.)

17 Wer Imbe het und Schof, sitz nider und schlof, aber nit z' lang, 'ass am der G'wärb nit vergang. (Solothurn.) – Schild, 99, 7.

*18 Hai hiät en fetten Imen1 snien. (Iserlohn.) – Woeste, 86, 105.

1) Ein einzelner Bienenstock. – Guten Gewinn haben.

*19 Immen ins Bett tragen. (S. Holz 331.) – Lehmann, 835, 16.


Immeken.

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[[480]/0486] auch Gastmahl. Bei Hebel: Uerthe = Wirthshausrechnung, wie Abrechnung überhaupt. Davon das Zeitwort urten, ürten, ürtnen. „Beim Wein ürten oder zechen.“ (Fries, Dict.): „Mit dem mag er wol ürtnen und Trinkhen.“ (Zellweger's Urkunden zu seiner Geschichte des appenzeller Volks, Trogen 1830-36.) „Um örthen spihlen.“ (Landbuch des Cantons Appenzell, 1585; Tobler, 353.) – Um die Zeche spielen. *2 Den Ihrten selbst beschliessen. – Weinhold, 102. Die Rechnung ohne den Wirth machen. Wegen des noch nicht festgestellten Ursprungs des Wortes, den ich von Ehre ableitete, wie wegen der so verschiedenen Aussprache und Schreibung desselben (Ehrte, Îrte, Oerte, Uerte) stelle ich hier zusammen, was ich inzwischen darüber selber aufgefunden und angemerkt habe und was mir von unterstützender Hand aus literarischen Quellen, namentlich der von Herrn Kreisgerichtsdirector Ottow in Landshut mitgetheilt worden ist. In Berndt (Versuch zu einem schlesischen Idiotikon, 1787, S. 65) heisst es: „Die Irte, schlesisch für Zeche, seine Irte bezahlen. So auch in Nürnberg.“ In dem Sinne für Zeche = Wirthshausrechnung wird es auch jetzt noch allgemein besonders in Dorfschenken gebraucht. Weinhold verweist unter „Irte“ auf Uerte, und sagt dabei: Urte, Irte für Zeche: a) das Verzehrte, Vertrunkene; b) die Rechnung, in dieser Bedeutung noch gebräuchlich (Reichenbach, Hirschberg), das heisst ohne Wirth den Irten selbst beschliessen; c) die Zechgesellschaft, in diesem Sinne nicht mehr gebräuchlich. In Der schlesischen Kern-Chronik anderer Theil (Leipzig 1711, S. 723) steht in dem Wortverzeichnisse: Oerte-Bier, d. i. eine Zeche. In dem Sprichwort selbst steht es auch für Zeche. Bei Franck (II, 64b) lautet ein Sprichwort: Es muss ein schlechter wirt sein, der einer zech nicht zu borgen hat. Dasselbe Sprichwort steht bei Lang (423; vgl. Nopitsch, 211): Es muss ein armer würth sein, der nicht ein Irten borgen kan. In den Mundarten von Frommann (I, 37) finden wir Urten und Uerten in einer Sammlung schwerverständlicher Ausdrücke, und zwar mit Belägen. In Die Vier wunderbarlichen Eigenschafften vnd Würkungen des Weinss heisst es: „Da wil er bulen hie vnd dort biss etwas hin auff mitternacht, so dann die ürten wird gemacht, kan er gar kaum die stubenthür treffen.“ In dem Fastnachtsspiel Der Eulenspiegel mit dem Blinden sagt der Wirth: „Ich will euch einsperen alle drey im Hoff drauss in einen Sewstal biss das man mir die vrten zal.“ Es wird dann gefragt, welchem Dialekte dieses Urten oder Uerten entlehnt sei, da der altbairische Dialekt dafür „Roat“ oder „Reite“ habe. Stalder (II, 425) hat Uerte = Gasterei, Gastmahl, Zeche, lässt aber Ursprung und Schreibung unberührt. Das Mittelhochdeutsche Wörterbuch von B. Müller schreibt Uerte, gibt aber keinen etymologischen Aufschluss. *3 E grosse Oerta verthun. – Tobler, 353. Eine grosse Zeche haben. *4 Emm d' Oerta macha. – Tobler, 353. Einen streng bestrafen. *5 Emm e thüre Oerta macha. – Tobler, 353. Einen schnellen, schröpfen, ihm ein böses Spiel machen. Ihrzen. *1 Er darf sie nicht ihrzen und nicht duzen. – Eiselein, 342. *2 Er ihrzet niemand ausser sich und den Herrn Pfarrer. – Eiselein, 342. *3 Ich weiss nicht, ob ich dich ihrzen oder duzen soll. Iliade. * Eine Iliade schreiben nach Homer. Illuminiren. * Er ist illuminirt. Hat einen Rausch. (S. Boden 38.) Frz.: Enluminé comme le B de Beati quorum. (Leroux, I, 3.) Iltis. 1 Der Iltis ist ein schlechter Taubenhirt. Aber so parteiisch und bestechlich wie der russische scheint unser deutscher Iltis doch nicht zu sein. Die Russen behaupten von dem ihrigen: er schleiche an des Reichen Pfauenhause vorüber zur Hühnersteige des Armen. (Altmann VI, 481.) *2 Dem Iltis die Tauben befehlen. (S. Fuchs 365 und Hecht 32.) *3 Oes hat sö s' Oeltes umdraht. (Oberösterreich.) – Baumgarten, 81. So sagt man, wenn sich in einem Hause und zwar in allen Räumen desselben plötzlich ein eigenthümlicher Gestank verbreitet, wofür man keinen andern Grund anzugeben weiss. Iltisbalg. * Einen Iltisbalg gerben. – Murner, Schelmz., 39. „Hör, wie kützelt sich der schalck vnd gerbet mir ein Yltisbalg.“ (Kloster, I, 876.) Imbiss. *1 Er gibt einen kurtzen vnnd guten imbiss. – Lehmann, 646, 49. „Ein beretter mann“, sagt Lehmann, „redt was zusachen dient, machts auff ein Karch, packt seine Wahren fein eng zusammen, er gibt ein kurtzen vnnd guten imbiss.“ Lat.: Vir sapiens brevem sermonem facit. (Lehmann, 646, 49.) *2 Im a Ims rim. (Kreis Militsch in Schlesien.) Um eine Zeit zu bestimmen, und zwar die des Morgens, zur Zeit des Frühstücks, des Imbiss. Für morgens heisst es: 'smurgsder Ims; für abends: 'sobsder Ims. In Pommern Imt (Dähnert, 205b). In einigen Cantonen der Schweiz wird das Mittagsessen Imbiss genannt. Ehemals verstand man unter Imbiss überhaupt ein Essen, und man liest noch in alten Schweizerurkunden Nachtimbiss sowol als Morgenimbiss für Inbiss, Anbiss, von beissen, an-, einbeissen. (Stalder, II, 69.) Imktippel. * He heft den Imktippel (Töppel) getroffen. – Frischbier2, 1801. Imme. 1 D' Ima thüend nüd ala Lüta guet. – Tobler, 284. Entschieden denen nicht, die sie nicht angemessen und gut behandeln. 2 Die Imen küssen gern die schönen Blumen vnnd sie bleiben doch schön. – Lehmann, 105, 25. 3 Die Immen können das Fluchen nicht leiden. – Simrock, 12347. Ein recht gutes, wenn auch abergläubisches Sprichwort der Bienenzüchter. Der Flucher ist entweder ein recht stürmischer oder zu roher Mensch, um die kleinen Thierlein mit der Geduld und Sorgfalt zu pflegen, die sie verlangen, oder sich durch die Freude der Natur belohnt zu fühlen, die diese Pflege gewährt. Dies mag der vernünftige Grund zu jenem Sprichwort sein. 4 Die Immen saugen aus den bittersten Kräutern den besten Honig. – Parömiakon, 641. 5 Eine Imme ist mehr werth als hundert Fliegen. It.: Vale più una pecchia, che mille mosche. (Pazzaglia, 235, 7.) 6 Hab' Impen und Schaf, leg' di nida und schlaf; aber nöt z' lang. (Oberpfalz.) Auch in Tirol. (Frommann, VI, 34, 8.) 7 Hastu Immen vnd Schaff, so leg dich nider vnd schlaff, doch schlaff auch nicht zu lang, das dir es nicht entgang. – Petri, II, 173. 8 Imme, Schope un Dîke makt sällen Eenen rîke. (Lippe.) In Ravensberg, im Lippeschen: Duike, ruike. Bienen-, Schaf- und Fischzucht sollen demnach selten jemand reich machen. 9 Immen un Schoape kuemet im Sloape. –Für Waldeck: Firmenich, I, 325, 31. 10 Immen un Schope könnt dem Biur den Rock uittrecke un antrecke. (Sauerland.) 11 Kaf dar Imp und Schaf und geh' ins Bett und schlaf. (Oberösterreich.) – Baumgarten. Eine frühere Ansicht über Landwirthschaft. 12 Man muss den Immen den Waben nehmen. (Schweiz.) 13 Man muss in keinen Immen stupfen. (Schweiz.) In kein Wespennest stören. 14 Wái de Immen terget, déi mot luien, dat se eäm steäket. (Sauerland.) 15 Wamme1 de Immen puret2, mot me sik nit wünnern, dat se Enne steaket. (Büren.) 1) Wenn man. 2) Von purren = in etwas rühren, es reizen. 16 Wéi de Immen terget, den stecket se. (Sauerland.) 17 Wer Imbe het und Schof, sitz nider und schlof, aber nit z' lang, 'ass am der G'wärb nit vergang. (Solothurn.) – Schild, 99, 7. *18 Hai hiät en fetten Imen1 snien. (Iserlohn.) – Woeste, 86, 105. 1) Ein einzelner Bienenstock. – Guten Gewinn haben. *19 Immen ins Bett tragen. (S. Holz 331.) – Lehmann, 835, 16. Immeken. Da lat de Immeken vor sorgen! (Braunschweig.) Ein alter Invalide, der vor Jahren in Braunschweig gelebt hat, erzählte, als er über den englisch-amerikanischen Krieg, den er als verkaufter Braunschweiger

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870, S. [480]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870/486>, abgerufen am 25.10.2020.