Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] 16 Was der Greis verwahrt, hat der Jüngling gespart.

17 Wenn ein Greis heirathet, läuft der Tod übers Dach. - Reinsberg I, 130.

Dän.: Naar den gamle lefler med den unge, da leerdöden. (Prov. dan., 380.)

18 Wenn ein Greis redet, sollen die Jungen die Ohren spitzen.

Dän.: Gamle maends sagn er sielden usandt. (Prov. dan., 215.)

19 Wer als Greis zum Altar geht, wird ein närrisch Kind zu spät.

20 Wer lange ein Greis sein will, muss jung einer werden.

21 Wer nicht ein Greis wird in jungen Jahren, kann die Mühe später sich ersparen.

22 Wo Greise geboren werden, pflegen Kinder zu sterben.

Altkluge Kinder zeigen sich in spätern Jahren nicht selten als grosse Schwachköpfe. Das Wunder flieht, und das Kind bleibt.


Greis (Adj.).

Greis. (Adj.).

* So greis as 'ne Hucke (Kröte). (Grafschaft Mark.) - Frommann, V, 60, 75.


Greisen.

1 Mancher greiset, eh er weiset. - Franck, II, 82b; Eyering, II, 255; Schottel, 1115a; Eiselein, 258; Simrock, 4046; Sailer, 73.

*2 Er greiset vor den Jahren.

Holl.: Hij is grijs, eer hij oud is. (Harrebomee, I, 259.)

*3 He gryset eer he wyset. - Tappius, 99b; Gesner, I, 765.

Lat.: Ergini cani. (Erasm., 833; Tappius, 99b.)


Grempelmarkt.

* Er ist auff dem grempelmarckt kaufft. - Franck, II, 61b.

Grempel = Kram, kleiner Handel, daher Käse-, Korn-, Kleidergrempel. Grempelmarkt = Platz zum Feilhalten alter gebrauchter Sachen. Das Wort kommt schon im Jahre 1429 vor. (Vgl. Weigand, Wb., 456.) Franck gebraucht die obige Redensart für die lateinische: Ne patris sui nomen novit, und: Terrae filius, indem er noch folgende verwandte danebenstellt, um ein Kind, dessen Vater unbekannt oder zweifelhaft ist, zu bezeichnen: Ein findelkindt. Er weyss nit, wer sein gens sein. Er weyss nit, wie sein vatter heiss. Er ist vnder dem alten eisen kaufft. Er ist von dem karren gefallen. Kent jn Got so wol, als er seinen vatter, so ist er gar verlorn. (S. Fuchs 389.)


Grenadier.

Unser Grenadier war auch bei Rossbach, sagte die Aebtissin von Lindau.

Lat.: Tersites numerum, non vires auxit Achivis. (Alan.) (Binder II, 3320.)


Grenzaufseher.

* Er gäb' einen guten Grenzaufseher.

Er versteht das Aufschneiden. Vom Grosssprecher.


Grenze.

1 Alles hat seine Grenze, sagte der Bauer, ausgenommen des Nachbars Pflug, der geht bis in meine Brache (Wiese).

2 An der Grenze ist übel wohnen.

Böhm.: U samych hranic neni dobre chalupu staveti. (Celakovsky, 27.)

3 Die Grenzen gehen wie Wasser rinnt und Kugel walzt. - Graf, 103, 211.

Von den Aenderungen der Grenzen durch Abspülen und Anschwemmen. Nach einigen landrechtlichen Bestimmungen verblieb wurzhafter Wasen dem, von dessen Grund er abgerissen wurde, der Gries aber dem, an dessen Uferland er sich angesetzt hatte. Die sächsische Regierung erklärte indess im Jahre 1563 die in der Elbe entstandenen Inseln für Eigenthum des Staats.

4 Wer seine Grenzen will erweiten, muss nicht gegen Unrecht streiten.

*5 Es hat alles seine Grenzen.

Holl.: Alles heeft zijne grenzen. (Harrebomee, I, 259.)


Grenzer.

Grenzer und Janitscharen (Barbaren) sind schlimme Nachbarn.

It.: Gente di confini o ladri o assassini. (Bohn I, 99.)


Grenzstein.

Ein Grenzstein verhütet viel Streit.

Frz.: La borne sied tres bien entre les champs de deux freres. (Bohn I, 28.)


[Spaltenumbruch]
Gretchen.

1 Es lebe Gretchen in der Küche. - Eiselein, 281; Wurzbach II, 153; Reinsberg VII, 11.

Es gab vor Zeiten eine Art Becher, die man " Hänschen im Keller" (s. d.) und "Gretchen in der Küche" nannte, und welche die Einrichtung hatten, dass wenn man Wein hineingoss, infolge des Drucks eine Oeffnung am Rande entstand, aus der ein Knäblein oder Mägdlein emporstieg. Man bediente sich im Scherz dieser Becher, um Frauen, die ein Kind wünschten oder zu erwarten hatten, daraus zuzutrinken und einen geeigneten Wunsch dabei auszusprechen. Wenn man jetzt Hänschen u. s. w. leben lässt, so meint man das zu erwartende oder gewünschte Kind.

2 Jeder hett syne Gretge leif, un is se ok beschnudelt. -Hochdeutsch bei Reinsberg I, 56; Körte, 3172.

Gretchen ist in plattdeutschen Redensarten sehr beliebt: Baur-Gretje, dicke Gretje, grise Gretje, Hans un Gretje. (Eichwald, 674.)

Holl.: Elk prijst zijn Grietje, al is ze begrommeld. - Elk heeft zijn Grietje lief, al is ze besnuisterd. (Harrebomee, I, 259.)

Lat.: Suum cuique pulchrum.

3 Twe Gretjens, twe Netjens, twe Annen könt den Düvel ut de Höll' bannen. (Holst.) - Schütze, I, 278; Diermissen, 212; hochdeutsch bei Reinsberg I, 19.

Holl.: Daar twee Grieten in een huis zijn, behoeft men geen bassenden hond. - Twee Grieten en eene Anne kunnen den drommel uit de hel bannen. (Harrebomee, 7, 259.)


Grete.

1 Der armen Grete Sohn muss immer dahinten stehen. (Schweiz.)

2 "Gret, fluddert di dat Band ok?" - "Ja, Hans, wenn de Wind weiht."

Sprichwörtliches Gespräch im Vorübergehen, beiläufig. (Biernatzki, 121.)

3 Nu walt's die Gritte. (Schles.) - Weinhold, 30.

Aus Gomolcke entlehnt.

4 Wer meiner Grete was thut, den hau' ich, dass die Sau blut't. - Fischart.


Gretlein.

1 Ein ieder hat sein Gretel lieb, ob sie schon beknodelt ist. - Lehmann, 466, 78.

2 Sie häts, wie 's Schomet Gretli, sie meint halt o, sie müss en Ma ha. (Schweiz.) - Kirchhofer, 196.


Gretze.

S' hot missa a Gretze hääm trään. (Troppau.) - Peter, 448.

Es hat niemand mit ihr getanzt.


Greuel.

1 Ein grewel vnd schewel. - Mathesy, 340a.

2 Er hat sieben Greuel (jüdisch-deutsch: schewe Tewes) im Herzen. - Tendlau, 385.

Ist voller Schändlichkeit.

3 Es ist kein grewel so hoch vnd gross, als wenn ein Mann wird trewenloss. - Petri, II, 267.

4 Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte. - Eiselein, 257.

Luther in Anwendung auf den Papst.

*5 Et äs e stulz Groal. (Siebenbürg.-sächs.) - Frommann, V, 34, 54.

*6 Et äs en afgepeackt (aufgepackt) Groal. - Frommann, V, 34, 54.

*7 Et äs en annätz Groal. (Siebenbürg.-sächs.) - Frommann, V, 34, 54.

Es ist ein unnützer Greuel.


Gri.

Nicht Gri dazu sagen. - L. Milisius, Der Zauberteufel, im Theatrum Diabolorum (Frankfurt 1563), S. 206a.


Gribbelgrabbel.

* In de Gribbelgrabbel smiyten. (S. Grabbelbus.) (Büren.)


Griechen.

1 Die Griechen kamen nur nach Troja, dass sie darauf zugingen.

Dadurch, dass sie es wagten, so schwer es auch war. Um zu sagen, dass man auch das Schwerscheinende versuchen müsse. Im allgemeinen sind die Griechen in den Sprichwörtern nicht gut gezeichnet. Die Russen sagen ihnen nach: ein Grieche spräche jährlich nur einmal die Wahrheit. Daher erklären die Venetier: Wer einem Griechen glaubt, hat kein Gehirn. Der Russe behauptet ferner: ein Grieche überrage den Teufel an List, indem sie sagen; Der Jude überlistet den Zigeuner, der Grieche den Juden und nur der Teufel den

[Spaltenumbruch] 16 Was der Greis verwahrt, hat der Jüngling gespart.

17 Wenn ein Greis heirathet, läuft der Tod übers Dach.Reinsberg I, 130.

Dän.: Naar den gamle lefler med den unge, da leerdøden. (Prov. dan., 380.)

18 Wenn ein Greis redet, sollen die Jungen die Ohren spitzen.

Dän.: Gamle mænds sagn er sielden usandt. (Prov. dan., 215.)

19 Wer als Greis zum Altar geht, wird ein närrisch Kind zu spät.

20 Wer lange ein Greis sein will, muss jung einer werden.

21 Wer nicht ein Greis wird in jungen Jahren, kann die Mühe später sich ersparen.

22 Wo Greise geboren werden, pflegen Kinder zu sterben.

Altkluge Kinder zeigen sich in spätern Jahren nicht selten als grosse Schwachköpfe. Das Wunder flieht, und das Kind bleibt.


Greis (Adj.).

Greis. (Adj.).

* So grêis as 'ne Hucke (Kröte). (Grafschaft Mark.) – Frommann, V, 60, 75.


Greisen.

1 Mancher greiset, eh er weiset.Franck, II, 82b; Eyering, II, 255; Schottel, 1115a; Eiselein, 258; Simrock, 4046; Sailer, 73.

*2 Er greiset vor den Jahren.

Holl.: Hij is grijs, eer hij oud is. (Harrebomée, I, 259.)

*3 He gryset eer he wyset.Tappius, 99b; Gesner, I, 765.

Lat.: Ergini cani. (Erasm., 833; Tappius, 99b.)


Grempelmarkt.

* Er ist auff dem grempelmarckt kaufft.Franck, II, 61b.

Grempel = Kram, kleiner Handel, daher Käse-, Korn-, Kleidergrempel. Grempelmarkt = Platz zum Feilhalten alter gebrauchter Sachen. Das Wort kommt schon im Jahre 1429 vor. (Vgl. Weigand, Wb., 456.) Franck gebraucht die obige Redensart für die lateinische: Ne patris sui nomen novit, und: Terrae filius, indem er noch folgende verwandte danebenstellt, um ein Kind, dessen Vater unbekannt oder zweifelhaft ist, zu bezeichnen: Ein findelkindt. Er weyss nit, wer sein gens sein. Er weyss nit, wie sein vatter heiss. Er ist vnder dem alten eisen kaufft. Er ist von dem karren gefallen. Kent jn Got so wol, als er seinen vatter, so ist er gar verlorn. (S. Fuchs 389.)


Grenadier.

Unser Grenadier war auch bei Rossbach, sagte die Aebtissin von Lindau.

Lat.: Tersites numerum, non vires auxit Achivis. (Alan.) (Binder II, 3320.)


Grenzaufseher.

* Er gäb' einen guten Grenzaufseher.

Er versteht das Aufschneiden. Vom Grosssprecher.


Grenze.

1 Alles hat seine Grenze, sagte der Bauer, ausgenommen des Nachbars Pflug, der geht bis in meine Brache (Wiese).

2 An der Grenze ist übel wohnen.

Böhm.: U samých hranic neni dobře chalupu stavĕti. (Čelakovsky, 27.)

3 Die Grenzen gehen wie Wasser rinnt und Kugel walzt.Graf, 103, 211.

Von den Aenderungen der Grenzen durch Abspülen und Anschwemmen. Nach einigen landrechtlichen Bestimmungen verblieb wurzhafter Wasen dem, von dessen Grund er abgerissen wurde, der Gries aber dem, an dessen Uferland er sich angesetzt hatte. Die sächsische Regierung erklärte indess im Jahre 1563 die in der Elbe entstandenen Inseln für Eigenthum des Staats.

4 Wer seine Grenzen will erweiten, muss nicht gegen Unrecht streiten.

*5 Es hat alles seine Grenzen.

Holl.: Alles heeft zijne grenzen. (Harrebomée, I, 259.)


Grenzer.

Grenzer und Janitscharen (Barbaren) sind schlimme Nachbarn.

It.: Gente di confini o ladri o assassini. (Bohn I, 99.)


Grenzstein.

Ein Grenzstein verhütet viel Streit.

Frz.: La borne sied très bien entre les champs de deux frères. (Bohn I, 28.)


[Spaltenumbruch]
Gretchen.

1 Es lebe Gretchen in der Küche.Eiselein, 281; Wurzbach II, 153; Reinsberg VII, 11.

Es gab vor Zeiten eine Art Becher, die man „ Hänschen im Keller“ (s. d.) und „Gretchen in der Küche“ nannte, und welche die Einrichtung hatten, dass wenn man Wein hineingoss, infolge des Drucks eine Oeffnung am Rande entstand, aus der ein Knäblein oder Mägdlein emporstieg. Man bediente sich im Scherz dieser Becher, um Frauen, die ein Kind wünschten oder zu erwarten hatten, daraus zuzutrinken und einen geeigneten Wunsch dabei auszusprechen. Wenn man jetzt Hänschen u. s. w. leben lässt, so meint man das zu erwartende oder gewünschte Kind.

2 Jeder hett syne Grêtge leif, un is se ôk beschnudelt. –Hochdeutsch bei Reinsberg I, 56; Körte, 3172.

Gretchen ist in plattdeutschen Redensarten sehr beliebt: Bûr-Gretje, dicke Gretje, grise Gretje, Hans un Gretje. (Eichwald, 674.)

Holl.: Elk prijst zijn Grietje, al is ze begrommeld. – Elk heeft zijn Grietje lief, al is ze besnuisterd. (Harrebomée, I, 259.)

Lat.: Suum cuique pulchrum.

3 Twê Gretjens, twê Netjens, twê Annen könt den Düvel ut de Höll' bannen. (Holst.) – Schütze, I, 278; Diermissen, 212; hochdeutsch bei Reinsberg I, 19.

Holl.: Daar twee Grieten in een huis zijn, behoeft men geen bassenden hond. – Twee Grieten en ééne Anne kunnen den drommel uit de hel bannen. (Harrebomée, 7, 259.)


Grete.

1 Der armen Grete Sohn muss immer dahinten stehen. (Schweiz.)

2 „Gret, fluddert di dat Band ok?“ – „Ja, Hans, wenn de Wind weiht.“

Sprichwörtliches Gespräch im Vorübergehen, beiläufig. (Biernatzki, 121.)

3 Nu walt's die Gritte. (Schles.) – Weinhold, 30.

Aus Gomolcke entlehnt.

4 Wer meiner Grete was thut, den hau' ich, dass die Sau blut't.Fischart.


Gretlein.

1 Ein ieder hat sein Gretel lieb, ob sie schon beknodelt ist.Lehmann, 466, 78.

2 Sie häts, wie 's Schomet Gretli, sie meint halt o, sie müss en Ma ha. (Schweiz.) – Kirchhofer, 196.


Gretze.

S' hôt missa a Gretze hääm trään. (Troppau.) – Peter, 448.

Es hat niemand mit ihr getanzt.


Greuel.

1 Ein grewel vnd schewel.Mathesy, 340a.

2 Er hat sieben Greuel (jüdisch-deutsch: schewe Tewes) im Herzen.Tendlau, 385.

Ist voller Schändlichkeit.

3 Es ist kein grewel so hoch vnd gross, als wenn ein Mann wird trewenloss.Petri, II, 267.

4 Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte.Eiselein, 257.

Luther in Anwendung auf den Papst.

*5 Et äs e stulz Groal. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 34, 54.

*6 Et äs en afgepeackt (aufgepackt) Groal.Frommann, V, 34, 54.

*7 Et äs en annätz Groal. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 34, 54.

Es ist ein unnützer Greuel.


Gri.

Nicht Gri dazu sagen.L. Milisius, Der Zauberteufel, im Theatrum Diabolorum (Frankfurt 1563), S. 206a.


Gribbelgrabbel.

* In de Gribbelgrabbel smiyten. (S. Grabbelbus.) (Büren.)


Griechen.

1 Die Griechen kamen nur nach Troja, dass sie darauf zugingen.

Dadurch, dass sie es wagten, so schwer es auch war. Um zu sagen, dass man auch das Schwerscheinende versuchen müsse. Im allgemeinen sind die Griechen in den Sprichwörtern nicht gut gezeichnet. Die Russen sagen ihnen nach: ein Grieche spräche jährlich nur einmal die Wahrheit. Daher erklären die Venetier: Wer einem Griechen glaubt, hat kein Gehirn. Der Russe behauptet ferner: ein Grieche überrage den Teufel an List, indem sie sagen; Der Jude überlistet den Zigeuner, der Grieche den Juden und nur der Teufel den

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><pb facs="#f0073" n="[67]"/><cb n="133"/>
16 Was der Greis verwahrt, hat der Jüngling gespart.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">17 Wenn ein Greis heirathet, läuft der Tod übers Dach.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Reinsberg I, 130.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Naar den gamle lefler med den unge, da leerdøden. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 380.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">18 Wenn ein Greis redet, sollen die Jungen die Ohren spitzen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Gamle mænds sagn er sielden usandt. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 215.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">19 Wer als Greis zum Altar geht, wird ein närrisch Kind zu spät.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">20 Wer lange ein Greis sein will, muss jung einer werden.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">21 Wer nicht ein Greis wird in jungen Jahren, kann die Mühe später sich ersparen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">22 Wo Greise geboren werden, pflegen Kinder zu sterben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Altkluge Kinder zeigen sich in spätern Jahren nicht selten als grosse Schwachköpfe. Das Wunder flieht, und das Kind bleibt.</p><lb/>
          <p/><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head><hi rendition="#b">Greis</hi> (Adj.).</head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Greis.</hi> (Adj.).</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* So grêis as 'ne Hucke (Kröte).</hi> (<hi rendition="#i">Grafschaft Mark.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 60, 75.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Greisen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Mancher greiset, eh er weiset.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Franck, II, 82<hi rendition="#sup">b</hi>; Eyering, II, 255; Schottel, 1115<hi rendition="#sup">a</hi>; Eiselein, 258; Simrock, 4046; Sailer, 73.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Er greiset vor den Jahren.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Hij is grijs, eer hij oud is. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 259.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 He gryset eer he wyset.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tappius, 99<hi rendition="#sup">b</hi>; Gesner, I, 765.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Ergini cani. (<hi rendition="#i">Erasm., 833; Tappius, 99<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Grempelmarkt.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Er ist auff dem grempelmarckt kaufft.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Franck, II, 61<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Grempel = Kram, kleiner Handel, daher Käse-, Korn-, Kleidergrempel. Grempelmarkt = Platz zum Feilhalten alter gebrauchter Sachen. Das Wort kommt schon im Jahre 1429 vor. (Vgl. <hi rendition="#i">Weigand, Wb., 456.</hi>) <hi rendition="#i">Franck</hi> gebraucht die obige Redensart für die lateinische: Ne patris sui nomen novit, und: Terrae filius, indem er noch folgende verwandte danebenstellt, um ein Kind, dessen Vater unbekannt oder zweifelhaft ist, zu bezeichnen: Ein findelkindt. Er weyss nit, wer sein gens sein. Er weyss nit, wie sein vatter heiss. Er ist vnder dem alten eisen kaufft. Er ist von dem karren gefallen. Kent jn Got so wol, als er seinen vatter, so ist er gar verlorn. (S.  Fuchs 389.)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Grenadier.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Unser Grenadier war auch bei Rossbach, sagte die Aebtissin von Lindau.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Tersites numerum, non vires auxit Achivis. (<hi rendition="#i">Alan.</hi>) (<hi rendition="#i">Binder II, 3320.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Grenzaufseher.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er gäb' einen guten Grenzaufseher.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Er versteht das Aufschneiden. Vom Grosssprecher.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Grenze.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Alles hat seine Grenze, sagte der Bauer, ausgenommen des Nachbars Pflug, der geht bis in meine Brache (Wiese).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 An der Grenze ist übel wohnen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Böhm.</hi>: U samých hranic neni dob&#x0159;e chalupu stav&#x0115;ti. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 27.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Die Grenzen gehen wie Wasser rinnt und Kugel walzt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Graf, 103, 211.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Von den Aenderungen der Grenzen durch Abspülen und Anschwemmen. Nach einigen landrechtlichen Bestimmungen verblieb wurzhafter Wasen dem, von dessen Grund er abgerissen wurde, der Gries aber dem, an dessen Uferland er sich angesetzt hatte. Die sächsische Regierung erklärte indess im Jahre 1563 die in der Elbe entstandenen Inseln für Eigenthum des Staats.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Wer seine Grenzen will erweiten, muss nicht gegen Unrecht streiten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*5 Es hat alles seine Grenzen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Alles heeft zijne grenzen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 259.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Grenzer.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Grenzer und Janitscharen (Barbaren) sind schlimme Nachbarn.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Gente di confini o ladri o assassini. (<hi rendition="#i">Bohn I, 99.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Grenzstein.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Ein Grenzstein verhütet viel Streit.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: La borne sied très bien entre les champs de deux frères. (<hi rendition="#i">Bohn I, 28.</hi>)</p><lb/>
          <cb n="134"/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Gretchen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Es lebe Gretchen in der Küche.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 281; Wurzbach II, 153; Reinsberg VII, 11.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Es gab vor Zeiten eine Art Becher, die man &#x201E; Hänschen im Keller&#x201C; (s. d.) und &#x201E;Gretchen in der Küche&#x201C; nannte, und welche die Einrichtung hatten, dass wenn man Wein hineingoss, infolge des Drucks eine Oeffnung am Rande entstand, aus der ein Knäblein oder Mägdlein emporstieg. Man bediente sich im Scherz dieser Becher, um Frauen, die ein Kind wünschten oder zu erwarten hatten, daraus zuzutrinken und einen geeigneten Wunsch dabei auszusprechen. Wenn man jetzt Hänschen u. s. w. leben lässt, so meint man das zu erwartende oder gewünschte Kind.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Jeder hett syne Grêtge leif, un is se ôk beschnudelt.</hi> &#x2013;Hochdeutsch bei <hi rendition="#i">Reinsberg I, 56; Körte, 3172.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Gretchen ist in plattdeutschen Redensarten sehr beliebt: Bûr-Gretje, dicke Gretje, grise Gretje, Hans un Gretje. (<hi rendition="#i">Eichwald, 674.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Elk prijst zijn Grietje, al is ze begrommeld. &#x2013; Elk heeft zijn Grietje lief, al is ze besnuisterd. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 259.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Suum cuique pulchrum.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Twê Gretjens, twê Netjens, twê Annen könt den Düvel ut de Höll' bannen.</hi> (<hi rendition="#i">Holst.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schütze, I, 278; Diermissen, 212;</hi> hochdeutsch bei <hi rendition="#i">Reinsberg I, 19.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Daar twee Grieten in een huis zijn, behoeft men geen bassenden hond. &#x2013; Twee Grieten en ééne Anne kunnen den drommel uit de hel bannen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, 7, 259.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Grete.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Der armen Grete Sohn muss immer dahinten stehen.</hi> (<hi rendition="#i">Schweiz.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 &#x201E;Gret, fluddert di dat Band ok?&#x201C; &#x2013; &#x201E;Ja, Hans, wenn de Wind weiht.&#x201C;</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Sprichwörtliches Gespräch im Vorübergehen, beiläufig. (<hi rendition="#i">Biernatzki, 121.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Nu walt's die Gritte.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Weinhold, 30.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Aus <hi rendition="#i">Gomolcke</hi> entlehnt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Wer meiner Grete was thut, den hau' ich, dass die Sau blut't.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Fischart.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Gretlein.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Ein ieder hat sein Gretel lieb, ob sie schon beknodelt ist.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 466, 78.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Sie häts, wie 's Schomet Gretli, sie meint halt o, sie müss en Ma ha.</hi> (<hi rendition="#i">Schweiz.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Kirchhofer, 196.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Gretze.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">S' hôt missa a Gretze hääm trään.</hi> (<hi rendition="#i">Troppau.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Peter, 448.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Es hat niemand mit ihr getanzt.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Greuel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Ein grewel vnd schewel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Mathesy, 340<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Er hat sieben Greuel (jüdisch-deutsch: schewe Tewes) im Herzen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tendlau, 385.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ist voller Schändlichkeit.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Es ist kein grewel so hoch vnd gross, als wenn ein Mann wird trewenloss.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 267.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 257.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#i">Luther</hi> in Anwendung auf den Papst.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Et äs e stulz Groal.</hi> (<hi rendition="#i">Siebenbürg.-sächs.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 34, 54.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*6 Et äs en afgepeackt (aufgepackt) Groal.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 34, 54.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*7 Et äs en annätz Groal.</hi> (<hi rendition="#i">Siebenbürg.-sächs.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 34, 54.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Es ist ein unnützer Greuel.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Gri.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Nicht Gri dazu sagen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">L. Milisius, Der Zauberteufel, im Theatrum Diabolorum (Frankfurt 1563), S. 206<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Gribbelgrabbel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* In de Gribbelgrabbel smiyten.</hi> (S.  Grabbelbus.) (<hi rendition="#i">Büren.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Griechen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Die Griechen kamen nur nach Troja, dass sie darauf zugingen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Dadurch, dass sie es wagten, so schwer es auch war. Um zu sagen, dass man auch das Schwerscheinende versuchen müsse. Im allgemeinen sind die Griechen in den Sprichwörtern nicht gut gezeichnet. Die Russen sagen ihnen nach: ein Grieche spräche jährlich nur einmal die Wahrheit. Daher erklären die Venetier: Wer einem Griechen glaubt, hat kein Gehirn. Der Russe behauptet ferner: ein Grieche überrage den Teufel an List, indem sie sagen; Der Jude überlistet den Zigeuner, der Grieche den Juden und nur der Teufel den
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[67]/0073] 16 Was der Greis verwahrt, hat der Jüngling gespart. 17 Wenn ein Greis heirathet, läuft der Tod übers Dach. – Reinsberg I, 130. Dän.: Naar den gamle lefler med den unge, da leerdøden. (Prov. dan., 380.) 18 Wenn ein Greis redet, sollen die Jungen die Ohren spitzen. Dän.: Gamle mænds sagn er sielden usandt. (Prov. dan., 215.) 19 Wer als Greis zum Altar geht, wird ein närrisch Kind zu spät. 20 Wer lange ein Greis sein will, muss jung einer werden. 21 Wer nicht ein Greis wird in jungen Jahren, kann die Mühe später sich ersparen. 22 Wo Greise geboren werden, pflegen Kinder zu sterben. Altkluge Kinder zeigen sich in spätern Jahren nicht selten als grosse Schwachköpfe. Das Wunder flieht, und das Kind bleibt. Greis (Adj.). Greis. (Adj.). * So grêis as 'ne Hucke (Kröte). (Grafschaft Mark.) – Frommann, V, 60, 75. Greisen. 1 Mancher greiset, eh er weiset. – Franck, II, 82b; Eyering, II, 255; Schottel, 1115a; Eiselein, 258; Simrock, 4046; Sailer, 73. *2 Er greiset vor den Jahren. Holl.: Hij is grijs, eer hij oud is. (Harrebomée, I, 259.) *3 He gryset eer he wyset. – Tappius, 99b; Gesner, I, 765. Lat.: Ergini cani. (Erasm., 833; Tappius, 99b.) Grempelmarkt. * Er ist auff dem grempelmarckt kaufft. – Franck, II, 61b. Grempel = Kram, kleiner Handel, daher Käse-, Korn-, Kleidergrempel. Grempelmarkt = Platz zum Feilhalten alter gebrauchter Sachen. Das Wort kommt schon im Jahre 1429 vor. (Vgl. Weigand, Wb., 456.) Franck gebraucht die obige Redensart für die lateinische: Ne patris sui nomen novit, und: Terrae filius, indem er noch folgende verwandte danebenstellt, um ein Kind, dessen Vater unbekannt oder zweifelhaft ist, zu bezeichnen: Ein findelkindt. Er weyss nit, wer sein gens sein. Er weyss nit, wie sein vatter heiss. Er ist vnder dem alten eisen kaufft. Er ist von dem karren gefallen. Kent jn Got so wol, als er seinen vatter, so ist er gar verlorn. (S. Fuchs 389.) Grenadier. Unser Grenadier war auch bei Rossbach, sagte die Aebtissin von Lindau. Lat.: Tersites numerum, non vires auxit Achivis. (Alan.) (Binder II, 3320.) Grenzaufseher. * Er gäb' einen guten Grenzaufseher. Er versteht das Aufschneiden. Vom Grosssprecher. Grenze. 1 Alles hat seine Grenze, sagte der Bauer, ausgenommen des Nachbars Pflug, der geht bis in meine Brache (Wiese). 2 An der Grenze ist übel wohnen. Böhm.: U samých hranic neni dobře chalupu stavĕti. (Čelakovsky, 27.) 3 Die Grenzen gehen wie Wasser rinnt und Kugel walzt. – Graf, 103, 211. Von den Aenderungen der Grenzen durch Abspülen und Anschwemmen. Nach einigen landrechtlichen Bestimmungen verblieb wurzhafter Wasen dem, von dessen Grund er abgerissen wurde, der Gries aber dem, an dessen Uferland er sich angesetzt hatte. Die sächsische Regierung erklärte indess im Jahre 1563 die in der Elbe entstandenen Inseln für Eigenthum des Staats. 4 Wer seine Grenzen will erweiten, muss nicht gegen Unrecht streiten. *5 Es hat alles seine Grenzen. Holl.: Alles heeft zijne grenzen. (Harrebomée, I, 259.) Grenzer. Grenzer und Janitscharen (Barbaren) sind schlimme Nachbarn. It.: Gente di confini o ladri o assassini. (Bohn I, 99.) Grenzstein. Ein Grenzstein verhütet viel Streit. Frz.: La borne sied très bien entre les champs de deux frères. (Bohn I, 28.) Gretchen. 1 Es lebe Gretchen in der Küche. – Eiselein, 281; Wurzbach II, 153; Reinsberg VII, 11. Es gab vor Zeiten eine Art Becher, die man „ Hänschen im Keller“ (s. d.) und „Gretchen in der Küche“ nannte, und welche die Einrichtung hatten, dass wenn man Wein hineingoss, infolge des Drucks eine Oeffnung am Rande entstand, aus der ein Knäblein oder Mägdlein emporstieg. Man bediente sich im Scherz dieser Becher, um Frauen, die ein Kind wünschten oder zu erwarten hatten, daraus zuzutrinken und einen geeigneten Wunsch dabei auszusprechen. Wenn man jetzt Hänschen u. s. w. leben lässt, so meint man das zu erwartende oder gewünschte Kind. 2 Jeder hett syne Grêtge leif, un is se ôk beschnudelt. –Hochdeutsch bei Reinsberg I, 56; Körte, 3172. Gretchen ist in plattdeutschen Redensarten sehr beliebt: Bûr-Gretje, dicke Gretje, grise Gretje, Hans un Gretje. (Eichwald, 674.) Holl.: Elk prijst zijn Grietje, al is ze begrommeld. – Elk heeft zijn Grietje lief, al is ze besnuisterd. (Harrebomée, I, 259.) Lat.: Suum cuique pulchrum. 3 Twê Gretjens, twê Netjens, twê Annen könt den Düvel ut de Höll' bannen. (Holst.) – Schütze, I, 278; Diermissen, 212; hochdeutsch bei Reinsberg I, 19. Holl.: Daar twee Grieten in een huis zijn, behoeft men geen bassenden hond. – Twee Grieten en ééne Anne kunnen den drommel uit de hel bannen. (Harrebomée, 7, 259.) Grete. 1 Der armen Grete Sohn muss immer dahinten stehen. (Schweiz.) 2 „Gret, fluddert di dat Band ok?“ – „Ja, Hans, wenn de Wind weiht.“ Sprichwörtliches Gespräch im Vorübergehen, beiläufig. (Biernatzki, 121.) 3 Nu walt's die Gritte. (Schles.) – Weinhold, 30. Aus Gomolcke entlehnt. 4 Wer meiner Grete was thut, den hau' ich, dass die Sau blut't. – Fischart. Gretlein. 1 Ein ieder hat sein Gretel lieb, ob sie schon beknodelt ist. – Lehmann, 466, 78. 2 Sie häts, wie 's Schomet Gretli, sie meint halt o, sie müss en Ma ha. (Schweiz.) – Kirchhofer, 196. Gretze. S' hôt missa a Gretze hääm trään. (Troppau.) – Peter, 448. Es hat niemand mit ihr getanzt. Greuel. 1 Ein grewel vnd schewel. – Mathesy, 340a. 2 Er hat sieben Greuel (jüdisch-deutsch: schewe Tewes) im Herzen. – Tendlau, 385. Ist voller Schändlichkeit. 3 Es ist kein grewel so hoch vnd gross, als wenn ein Mann wird trewenloss. – Petri, II, 267. 4 Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte. – Eiselein, 257. Luther in Anwendung auf den Papst. *5 Et äs e stulz Groal. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 34, 54. *6 Et äs en afgepeackt (aufgepackt) Groal. – Frommann, V, 34, 54. *7 Et äs en annätz Groal. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 34, 54. Es ist ein unnützer Greuel. Gri. Nicht Gri dazu sagen. – L. Milisius, Der Zauberteufel, im Theatrum Diabolorum (Frankfurt 1563), S. 206a. Gribbelgrabbel. * In de Gribbelgrabbel smiyten. (S. Grabbelbus.) (Büren.) Griechen. 1 Die Griechen kamen nur nach Troja, dass sie darauf zugingen. Dadurch, dass sie es wagten, so schwer es auch war. Um zu sagen, dass man auch das Schwerscheinende versuchen müsse. Im allgemeinen sind die Griechen in den Sprichwörtern nicht gut gezeichnet. Die Russen sagen ihnen nach: ein Grieche spräche jährlich nur einmal die Wahrheit. Daher erklären die Venetier: Wer einem Griechen glaubt, hat kein Gehirn. Der Russe behauptet ferner: ein Grieche überrage den Teufel an List, indem sie sagen; Der Jude überlistet den Zigeuner, der Grieche den Juden und nur der Teufel den

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:54:47Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:54:47Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870/73
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870, S. [67]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870/73>, abgerufen am 01.12.2020.