Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873.

Bild:
<< vorherige Seite
[Spaltenumbruch]
Mahnen.

1 Ich will nicht mahnen, sagte der Junge, aber wann bekomme ich meinen Dreier wieder?

2 'S Moana ist a Milksuppe in 'ra saura Breiha (Brühe). (Wurmlingen.) - Birlinger, 371.

*3 Da hilft weder Mahnen noch Warnen. - Eiselein, 445.


Mahner.

1 Der Mahner muss nicht gleich den Beutel mitnehmen. - Simrock, 6752; Braun, I, 2489.

Die Zahlung einer Schuld pflegt in der Regel nicht so rasch zu erfolgen.

2 Die besten Mahner sind die schlimmsten Zahler. - Eiselein, 445; Simrock, 6754.

Lat.: Quanto perditior quisque est, tanto acrius urget. (Horaz.) (Eiselein, 446.)

3 E flissige Mahner ist besser als e fule Arbeiter. (Luzern.)

4 Ein Mahner ist ein unwillkommener Gast.

Auch russisch Altmann VI, 446. Die Russen sagen auch: Mahner gehören nicht zu den Gastfreunden. (Altmann VI, 455.)

5 Gute Mahner machen scharffe (gute) Zahler. - Lehmann, 23, 38; Simrock, 6751; Körte, 4024; Braun, I, 2490.

Dän.: Gode manere ere onde betalere. (Prov. dan., 68.)

Holl.: Scherpe maanders maken goede betalers. (Harrebomee, II, 48a.)

Lat.: Bona nomina interdum sunt appellanda ne fiant mala. - Optima nomina non appellando fiunt mala.

6 Gute Mahner seind böse zahler. - Lehmann, 709, 2; Blass, 5.

Holl.: Scherpe maanders zijn de traagste betalers. (Harrebomee, II, 48a.)

7 Je ärger der Mahner, je schlimmer der Zahler. - Pistor., II, 88; Simrock, 6753; Körte, 4025; Braun, I, 2491.

Schwed.: Skarpaste manare, wärsta betalare. (Grubb, 729.)

8 Scharfe Mahner, schlimme Zahler. - Winckler, XVII, 10.

It.: Severo esattore e mal pagatore. (Pazzaglia, 260, 13.)


Mähr.

Dat öss so mähr wie 'n Herrn Pfarr sin Bär. (Ostpreuss.)

Mähr = weich, mürbe.


Mähre (Equus).

1 Besser eine alte Mähre als gar kein Pferd.

2 Eine alte Mähre frisst ebenso viel als ein junges Ross.

It.: Mangia tanto una rozza, quanto un buon cavallo. (Pazzaglia, 211, 7; Bohn I, 110.)

3 Eine alte Mähre ist nicht besser als eine junge.

Lat.: Vetulus cantherius novello non melior. (Gaal, 46.)

4 Eine blinde Mähre geht stets in der alten Fähre.

5 Ist die Mähre noch so dürr, sie ist besser als ein leerer Strick.

6 Mit zwei Mähren kommt man so weit als mit einer.


Mai.

1 Auf nassen Mai kommt trockner Juni herbei. - Orakel, 492; Boebel, 92.

Die Abhängigkeit der Juniwitterung von den atmosphärischen Verhältnissen der vorausgegangenen Monate ist von Metereologen nachgewiesen. Dove sagt hierauf bezüglich: "Während im Winter das Innere Europas erheblich kälter ist, als die Westküsten sind, erwärmt sich jenes schneller als diese. Die nun kältere Luft des nordatlantischen Oceans fällt dann als Nordwest in die aufgelockert warme des Continents ein und bewirkt unsere den Juni und Juli hauptsächlich bezeichnende Regenzeit. Je wärmer in einem bestimmten Jahre der Mai, desto intensiver die Reaction im Juni in heftigen Regengüssen, wie z. B. 1862; trat der warme Strom auch nur vorübergehend auf kurze Zeit hervor, so brach sogleich der kalte Nordwest herein, wobei er den Wasserdampf jenes massenhaft zu Regen verdichtet."

2 Den ersten Mai führt man den Ochsen ins Heu. - Klix, 40.

3 Den Maien voll Wind begehrt das Bauerngesind. - Orakel, 495; Boebel, 94.

4 Den Maien zwischen zweien.

D. h. nicht zu trocken, nicht zu feucht.

5 Der dritte Mai ist ein Wolf. (Sachsen.) - Boebel, 23.

[Spaltenumbruch] 6 Der Mai bringt Blumen dem Gesichte, aber dem Magen keine Früchte.

Daher rufen die Russen: Ei, ei, Herr Mai, so warm und so hungrig. (S. Pfingsten.)

7 Der Mai bringt der Rosen viel. - Petri, II, 101.

8 Der Mai is ön Habarn sei' Winda. (Oberösterreich.) - Baumgarten, I, 49.

9 Der Mai ist selten so gut, er bringt dem Zaunpfahl einen Hut (von Schnee). - Blum, 289; Petri, II, 101; Sutor, 972; Gaal, 1130; Orakel, 506; Boebel, 93.

Der Mai lässt sich zwar Wonnemond nennen, er spielt aber oft noch einen recht empfindlichen Nachwinter, nicht blos in Deutschland, sondern auch in wärmern Ländern. So sagen die Basken: Der Mai geht um Feuer betteln. Und: Mai, lieber Mai, ich lasse dir deine Rosen und nehme mir den Pelz. In Venedig gibt man den Rath: Wer einen guten Klotz hat, hebe ihn für den Mai (zum Einheizen) auf. Und die Sarden empfehlen: Im Monat Mai behalte den Mantel. (Orakel, 507-510.)

Frz.: A la mi-mai queue d'hiver. (Cahier, 977.) - Il n'est si gentil mois d'avril, qui n'ait son chapeau de gresil. (Gaal, 1430.)

10 Der Mai ist so verwegen und setzet noch ein Schneechen. (Nassau.)

11 Der Mai kommt gezogen wie der November verflogen. - Orakel, 477.

Der Mai ist wie der vergangene November. (Orakel, 477.)

12 Der Mai kühl, der Brachmond nicht nass, füllet dem Landmann Speicher, Keller, Kasten und Fass. (Pfalz.)

13 Der Mai lässt den Pflug hinei. (Oels.) - Boebel, 95.

14 Der Mai lockt ins Frei'.

Die Engländer nennen den Monat den lustigen (the merry month of May). Auf Sardinien sagt man: Heiter wie der Mai, und die Mailänder sagen: Der Mai ist der schönste Monat. Die Lombarden: Der Mai hat nicht seinesgleichen. (Reinsberg VIII, 126.)

Holl.: Met de maand van Mei blijft geen koebeest uit de wei. (Harrebomee, II, 74b.)

15 Der May kühl, der Brachmond nass, die füllen Scheunen und Fass. - Henisch, 472, 81; Latendorf II, 8; Heyl, 55; Orakel, 504.

Für Solothurn: Der Meie chüel, der Brachmonat nass, füllt Speicher und Fass. Bei Reinsberg VIII, 14 findet sich das Sprichwort aus der Pfalz angeführt, aber in der Fassung: "Brachmond nicht nass." Sollte es wirklich dort so lauten, oder Druckfehler sein? Mir ist es sonst als deutsches nirgends in dieser verneinenden Form begegnet. (S. oben 12.)

Lat.: Majus frigidiusculus, non frigidus amatur. (Chaos, 1001.)

16 Der schönste Mai macht alte Zeit nicht neu.

17 Der siebente Mai ist eine Schlange. (Sachsen.) - Boebel, 23.

18 Des Maies Mitte hat für den Winter noch eine Hütte.

19 Dess Mayen brauch, weil du drin bist, vber vier Wochen keiner ist. - Loci comm., 194.

20 E Maai kiehl on naas fölld Scheier on Fass. (Trier.) - Laven, 44.

21 Ein feuchtwarmer Mai erzeugt viel Stroh und wenig Korn. (Brusiothal.) - Schweiz, I, 235, 5.

22 Ein heisser Mai ist des Todes Kanzlei.

Engl.: A hot may makes a fat church-yard. (Bohn II, 34.)

23 Ein kalter Mai bringt keine böse Zeit. - Petri, II, 206.

24 Ein kühler Mai bringt Allerlei (Vielerlei).

25 Ein kühler Mai bringt Gras (Stroh) und Heu.

Engl.: A cold may and a windy makes a full barn and a findy. (Bohn II, 33.)

26 Ein kühler Mai, gut Geschrei. - Simrock, 6757a; Orakel, 500; Bair. Hauskalender.

Holl.: De koele Mai doet het al verblijden. (Harrebomee, II, 74a.)

27 Ein kühler Mai und nass dabei gibt viel und gutes Heu. - Schmitz, 172, 43; Orakel, 502.

28 Ein kühler Mai wird hoch geacht't weil er schon vielen Nutzen bracht'.

29 Ein nasser Mai macht viel Geschrei und wenig Heu. (Eifel.)


[Spaltenumbruch]
Mahnen.

1 Ich will nicht mahnen, sagte der Junge, aber wann bekomme ich meinen Dreier wieder?

2 'S Moana ist a Milksuppe in 'ra saura Breiha (Brühe). (Wurmlingen.) – Birlinger, 371.

*3 Da hilft weder Mahnen noch Warnen.Eiselein, 445.


Mahner.

1 Der Mahner muss nicht gleich den Beutel mitnehmen.Simrock, 6752; Braun, I, 2489.

Die Zahlung einer Schuld pflegt in der Regel nicht so rasch zu erfolgen.

2 Die besten Mahner sind die schlimmsten Zahler.Eiselein, 445; Simrock, 6754.

Lat.: Quanto perditior quisque est, tanto acrius urget. (Horaz.) (Eiselein, 446.)

3 E flissige Mahner ist besser als e fule Arbeiter. (Luzern.)

4 Ein Mahner ist ein unwillkommener Gast.

Auch russisch Altmann VI, 446. Die Russen sagen auch: Mahner gehören nicht zu den Gastfreunden. (Altmann VI, 455.)

5 Gute Mahner machen scharffe (gute) Zahler.Lehmann, 23, 38; Simrock, 6751; Körte, 4024; Braun, I, 2490.

Dän.: Gode manere ere onde betalere. (Prov. dan., 68.)

Holl.: Scherpe maanders maken goede betalers. (Harrebomée, II, 48a.)

Lat.: Bona nomina interdum sunt appellanda ne fiant mala. – Optima nomina non appellando fiunt mala.

6 Gute Mahner seind böse zahler.Lehmann, 709, 2; Blass, 5.

Holl.: Scherpe maanders zijn de traagste betalers. (Harrebomée, II, 48a.)

7 Je ärger der Mahner, je schlimmer der Zahler.Pistor., II, 88; Simrock, 6753; Körte, 4025; Braun, I, 2491.

Schwed.: Skarpaste manare, wärsta betalare. (Grubb, 729.)

8 Scharfe Mahner, schlimme Zahler.Winckler, XVII, 10.

It.: Severo esattore è mal pagatore. (Pazzaglia, 260, 13.)


Mähr.

Dat öss so mähr wie 'n Herrn Pfarr sin Bär. (Ostpreuss.)

Mähr = weich, mürbe.


Mähre (Equus).

1 Besser eine alte Mähre als gar kein Pferd.

2 Eine alte Mähre frisst ebenso viel als ein junges Ross.

It.: Mangia tanto una rozza, quanto un buon cavallo. (Pazzaglia, 211, 7; Bohn I, 110.)

3 Eine alte Mähre ist nicht besser als eine junge.

Lat.: Vetulus cantherius novello non melior. (Gaal, 46.)

4 Eine blinde Mähre geht stets in der alten Fähre.

5 Ist die Mähre noch so dürr, sie ist besser als ein leerer Strick.

6 Mit zwei Mähren kommt man so weit als mit einer.


Mai.

1 Auf nassen Mai kommt trockner Juni herbei.Orakel, 492; Boebel, 92.

Die Abhängigkeit der Juniwitterung von den atmosphärischen Verhältnissen der vorausgegangenen Monate ist von Metereologen nachgewiesen. Dove sagt hierauf bezüglich: „Während im Winter das Innere Europas erheblich kälter ist, als die Westküsten sind, erwärmt sich jenes schneller als diese. Die nun kältere Luft des nordatlantischen Oceans fällt dann als Nordwest in die aufgelockert warme des Continents ein und bewirkt unsere den Juni und Juli hauptsächlich bezeichnende Regenzeit. Je wärmer in einem bestimmten Jahre der Mai, desto intensiver die Reaction im Juni in heftigen Regengüssen, wie z. B. 1862; trat der warme Strom auch nur vorübergehend auf kurze Zeit hervor, so brach sogleich der kalte Nordwest herein, wobei er den Wasserdampf jenes massenhaft zu Regen verdichtet.“

2 Den ersten Mai führt man den Ochsen ins Heu.Klix, 40.

3 Den Maien voll Wind begehrt das Bauerngesind.Orakel, 495; Boebel, 94.

4 Den Maien zwischen zweien.

D. h. nicht zu trocken, nicht zu feucht.

5 Der dritte Mai ist ein Wolf. (Sachsen.) – Boebel, 23.

[Spaltenumbruch] 6 Der Mai bringt Blumen dem Gesichte, aber dem Magen keine Früchte.

Daher rufen die Russen: Ei, ei, Herr Mai, so warm und so hungrig. (S. Pfingsten.)

7 Der Mai bringt der Rosen viel.Petri, II, 101.

8 Der Mai is ön Habarn sei' Winda. (Oberösterreich.) – Baumgarten, I, 49.

9 Der Mai ist selten so gut, er bringt dem Zaunpfahl einen Hut (von Schnee).Blum, 289; Petri, II, 101; Sutor, 972; Gaal, 1130; Orakel, 506; Boebel, 93.

Der Mai lässt sich zwar Wonnemond nennen, er spielt aber oft noch einen recht empfindlichen Nachwinter, nicht blos in Deutschland, sondern auch in wärmern Ländern. So sagen die Basken: Der Mai geht um Feuer betteln. Und: Mai, lieber Mai, ich lasse dir deine Rosen und nehme mir den Pelz. In Venedig gibt man den Rath: Wer einen guten Klotz hat, hebe ihn für den Mai (zum Einheizen) auf. Und die Sarden empfehlen: Im Monat Mai behalte den Mantel. (Orakel, 507-510.)

Frz.: A la mi-mai queue d'hiver. (Cahier, 977.) – Il n'est si gentil mois d'avril, qui n'ait son chapeau de grésil. (Gaal, 1430.)

10 Der Mai ist so verwegen und setzet noch ein Schneechen. (Nassau.)

11 Der Mai kommt gezogen wie der November verflogen.Orakel, 477.

Der Mai ist wie der vergangene November. (Orakel, 477.)

12 Der Mai kühl, der Brachmond nicht nass, füllet dem Landmann Speicher, Keller, Kasten und Fass. (Pfalz.)

13 Der Mai lässt den Pflug hinei. (Oels.) – Boebel, 95.

14 Der Mai lockt ins Frei'.

Die Engländer nennen den Monat den lustigen (the merry month of May). Auf Sardinien sagt man: Heiter wie der Mai, und die Mailänder sagen: Der Mai ist der schönste Monat. Die Lombarden: Der Mai hat nicht seinesgleichen. (Reinsberg VIII, 126.)

Holl.: Met de maand van Mei blijft geen koebeest uit de wei. (Harrebomée, II, 74b.)

15 Der May kühl, der Brachmond nass, die füllen Scheunen und Fass.Henisch, 472, 81; Latendorf II, 8; Heyl, 55; Orakel, 504.

Für Solothurn: Der Meie chüel, der Brachmonat nass, füllt Spîcher und Fass. Bei Reinsberg VIII, 14 findet sich das Sprichwort aus der Pfalz angeführt, aber in der Fassung: „Brachmond nicht nass.“ Sollte es wirklich dort so lauten, oder Druckfehler sein? Mir ist es sonst als deutsches nirgends in dieser verneinenden Form begegnet. (S. oben 12.)

Lat.: Majus frigidiusculus, non frigidus amatur. (Chaos, 1001.)

16 Der schönste Mai macht alte Zeit nicht neu.

17 Der siebente Mai ist eine Schlange. (Sachsen.) – Boebel, 23.

18 Des Maies Mitte hat für den Winter noch eine Hütte.

19 Dess Mayen brauch, weil du drin bist, vber vier Wochen keiner ist.Loci comm., 194.

20 E Maai kiehl on naas fölld Scheier on Fass. (Trier.) – Laven, 44.

21 Ein feuchtwarmer Mai erzeugt viel Stroh und wenig Korn. (Brusiothal.) – Schweiz, I, 235, 5.

22 Ein heisser Mai ist des Todes Kanzlei.

Engl.: A hot may makes a fat church-yard. (Bohn II, 34.)

23 Ein kalter Mai bringt keine böse Zeit.Petri, II, 206.

24 Ein kühler Mai bringt Allerlei (Vielerlei).

25 Ein kühler Mai bringt Gras (Stroh) und Heu.

Engl.: A cold may and a windy makes a full barn and a findy. (Bohn II, 33.)

26 Ein kühler Mai, gut Geschrei.Simrock, 6757a; Orakel, 500; Bair. Hauskalender.

Holl.: De koele Mai doet het al verblijden. (Harrebomée, II, 74a.)

27 Ein kühler Mai und nass dabei gibt viel und gutes Heu.Schmitz, 172, 43; Orakel, 502.

28 Ein kühler Mai wird hoch geacht't weil er schon vielen Nutzen bracht'.

29 Ein nasser Mai macht viel Geschrei und wenig Heu. (Eifel.)


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0186" n="[172]"/>
        <cb n="343"/>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mahnen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Ich will nicht mahnen, sagte der Junge, aber wann bekomme ich meinen Dreier wieder?</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 'S Moana ist a Milksuppe in 'ra saura Breiha (Brühe).</hi> (<hi rendition="#i">Wurmlingen.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Birlinger, 371.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Da hilft weder Mahnen noch Warnen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 445.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mahner.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Der Mahner muss nicht gleich den Beutel mitnehmen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 6752; Braun, I, 2489.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Zahlung einer Schuld pflegt in der Regel nicht so rasch zu erfolgen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Die besten Mahner sind die schlimmsten Zahler.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 445; Simrock, 6754.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Quanto perditior quisque est, tanto acrius urget. (<hi rendition="#i">Horaz.</hi>) (<hi rendition="#i">Eiselein, 446.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 E flissige Mahner ist besser als e fule Arbeiter.</hi> (<hi rendition="#i">Luzern.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Ein Mahner ist ein unwillkommener Gast.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Auch russisch <hi rendition="#i">Altmann VI, 446.</hi> Die Russen sagen auch: Mahner gehören nicht zu den Gastfreunden. (<hi rendition="#i">Altmann VI, 455.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Gute Mahner machen scharffe (gute) Zahler.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 23, 38; Simrock, 6751; Körte, 4024; Braun, I, 2490.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Gode manere ere onde betalere. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 68.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Scherpe maanders maken goede betalers. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 48<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Bona nomina interdum sunt appellanda ne fiant mala. &#x2013; Optima nomina non appellando fiunt mala.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Gute Mahner seind böse zahler.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 709, 2; Blass, 5.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Scherpe maanders zijn de traagste betalers. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 48<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Je ärger der Mahner, je schlimmer der Zahler.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Pistor., II, 88; Simrock, 6753; Körte, 4025; Braun, I, 2491.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: Skarpaste manare, wärsta betalare. (<hi rendition="#i">Grubb, 729.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">8 Scharfe Mahner, schlimme Zahler.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Winckler, XVII, 10.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Severo esattore è mal pagatore. (<hi rendition="#i">Pazzaglia, 260, 13.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mähr.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Dat öss so mähr wie 'n Herrn Pfarr sin Bär.</hi> (<hi rendition="#i">Ostpreuss.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Mähr = weich, mürbe.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head><hi rendition="#b">Mähre</hi> (Equus).</head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Besser eine alte Mähre als gar kein Pferd.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Eine alte Mähre frisst ebenso viel als ein junges Ross.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Mangia tanto una rozza, quanto un buon cavallo. (<hi rendition="#i">Pazzaglia, 211, 7; Bohn I, 110.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Eine alte Mähre ist nicht besser als eine junge.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Vetulus cantherius novello non melior. (<hi rendition="#i">Gaal, 46.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Eine blinde Mähre geht stets in der alten Fähre.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Ist die Mähre noch so dürr, sie ist besser als ein leerer Strick.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">6 Mit zwei Mähren kommt man so weit als mit einer.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mai.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Auf nassen Mai kommt trockner Juni herbei.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Orakel, 492; Boebel, 92.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Abhängigkeit der Juniwitterung von den atmosphärischen Verhältnissen der vorausgegangenen Monate ist von Metereologen nachgewiesen. <hi rendition="#i">Dove</hi> sagt hierauf bezüglich: &#x201E;Während im Winter das Innere Europas erheblich kälter ist, als die Westküsten sind, erwärmt sich jenes schneller als diese. Die nun kältere Luft des nordatlantischen Oceans fällt dann als Nordwest in die aufgelockert warme des Continents ein und bewirkt unsere den Juni und Juli hauptsächlich bezeichnende Regenzeit. Je wärmer in einem bestimmten Jahre der Mai, desto intensiver die Reaction im Juni in heftigen Regengüssen, wie z. B. 1862; trat der warme Strom auch nur vorübergehend auf kurze Zeit hervor, so brach sogleich der kalte Nordwest herein, wobei er den Wasserdampf jenes massenhaft zu Regen verdichtet.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Den ersten Mai führt man den Ochsen ins Heu.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klix, 40.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Den Maien voll Wind begehrt das Bauerngesind.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Orakel, 495; Boebel, 94.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Den Maien zwischen zweien.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">D. h. nicht zu trocken, nicht zu feucht.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Der dritte Mai ist ein Wolf.</hi> (<hi rendition="#i">Sachsen.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Boebel, 23.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><cb n="344"/>
6 Der Mai bringt Blumen dem Gesichte, aber dem Magen keine Früchte.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Daher rufen die Russen: Ei, ei, Herr Mai, so warm und so hungrig. (S.  Pfingsten.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Der Mai bringt der Rosen viel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 101.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">8 Der Mai is ön Habarn sei' Winda.</hi> (<hi rendition="#i">Oberösterreich.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Baumgarten, I, 49.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">9 Der Mai ist selten so gut, er bringt dem Zaunpfahl einen Hut (von Schnee).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Blum, 289; Petri, II, 101; Sutor, 972; Gaal, 1130; Orakel, 506; Boebel, 93.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Mai lässt sich zwar Wonnemond nennen, er spielt aber oft noch einen recht empfindlichen Nachwinter, nicht blos in Deutschland, sondern auch in wärmern Ländern. So sagen die Basken: Der Mai geht um Feuer betteln. Und: Mai, lieber Mai, ich lasse dir deine Rosen und nehme mir den Pelz. In Venedig gibt man den Rath: Wer einen guten Klotz hat, hebe ihn für den Mai (zum Einheizen) auf. Und die Sarden empfehlen: Im Monat Mai behalte den Mantel. (<hi rendition="#i">Orakel, 507-510.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: A la mi-mai queue d'hiver. (<hi rendition="#i">Cahier, 977.</hi>) &#x2013; Il n'est si gentil mois d'avril, qui n'ait son chapeau de grésil. (<hi rendition="#i">Gaal, 1430.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">10 Der Mai ist so verwegen und setzet noch ein Schneechen.</hi> (<hi rendition="#i">Nassau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">11 Der Mai kommt gezogen wie der November verflogen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Orakel, 477.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Mai ist wie der vergangene November. (<hi rendition="#i">Orakel, 477.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">12 Der Mai kühl, der Brachmond nicht nass, füllet dem Landmann Speicher, Keller, Kasten und Fass.</hi> (<hi rendition="#i">Pfalz.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">13 Der Mai lässt den Pflug hinei.</hi> (<hi rendition="#i">Oels.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Boebel, 95.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">14 Der Mai lockt ins Frei'.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Engländer nennen den Monat den lustigen (the merry month of May). Auf Sardinien sagt man: Heiter wie der Mai, und die Mailänder sagen: Der Mai ist der schönste Monat. Die Lombarden: Der Mai hat nicht seinesgleichen. (<hi rendition="#i">Reinsberg VIII, 126.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Met de maand van Mei blijft geen koebeest uit de wei. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 74<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">15 Der May kühl, der Brachmond nass, die füllen Scheunen und Fass.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 472, 81; Latendorf II, 8; Heyl, 55; Orakel, 504.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Für Solothurn: Der Meie chüel, der Brachmonat nass, füllt Spîcher und Fass. Bei <hi rendition="#i">Reinsberg VIII, 14</hi> findet sich das Sprichwort aus der Pfalz angeführt, aber in der Fassung: &#x201E;Brachmond nicht nass.&#x201C; Sollte es wirklich dort so lauten, oder Druckfehler sein? Mir ist es sonst als deutsches nirgends in dieser verneinenden Form begegnet. (S. oben 12.)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Majus frigidiusculus, non frigidus amatur. (<hi rendition="#i">Chaos, 1001.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">16 Der schönste Mai macht alte Zeit nicht neu.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">17 Der siebente Mai ist eine Schlange.</hi> (<hi rendition="#i">Sachsen.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Boebel, 23.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">18 Des Maies Mitte hat für den Winter noch eine Hütte.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">19 Dess Mayen brauch, weil du drin bist, vber vier Wochen keiner ist.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Loci comm., 194.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">20 E Maai kiehl on naas fölld Scheier on Fass.</hi> (<hi rendition="#i">Trier.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Laven, 44.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">21 Ein feuchtwarmer Mai erzeugt viel Stroh und wenig Korn.</hi> (<hi rendition="#i">Brusiothal.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schweiz, I, 235, 5.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">22 Ein heisser Mai ist des Todes Kanzlei.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: A hot may makes a fat church-yard. (<hi rendition="#i">Bohn II, 34.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">23 Ein kalter Mai bringt keine böse Zeit.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 206.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">24 Ein kühler Mai bringt Allerlei (Vielerlei).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">25 Ein kühler Mai bringt Gras (Stroh) und Heu.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: A cold may and a windy makes a full barn and a findy. (<hi rendition="#i">Bohn II, 33.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">26 Ein kühler Mai, gut Geschrei.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 6757<hi rendition="#sup">a</hi>; Orakel, 500; Bair. Hauskalender.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: De koele Mai doet het al verblijden. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 74<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">27 Ein kühler Mai und nass dabei gibt viel und gutes Heu.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schmitz, 172, 43; Orakel, 502.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">28 Ein kühler Mai wird hoch geacht't weil er schon vielen Nutzen bracht'.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">29 Ein nasser Mai macht viel Geschrei und wenig Heu.</hi> (<hi rendition="#i">Eifel.</hi>)</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[172]/0186] Mahnen. 1 Ich will nicht mahnen, sagte der Junge, aber wann bekomme ich meinen Dreier wieder? 2 'S Moana ist a Milksuppe in 'ra saura Breiha (Brühe). (Wurmlingen.) – Birlinger, 371. *3 Da hilft weder Mahnen noch Warnen. – Eiselein, 445. Mahner. 1 Der Mahner muss nicht gleich den Beutel mitnehmen. – Simrock, 6752; Braun, I, 2489. Die Zahlung einer Schuld pflegt in der Regel nicht so rasch zu erfolgen. 2 Die besten Mahner sind die schlimmsten Zahler. – Eiselein, 445; Simrock, 6754. Lat.: Quanto perditior quisque est, tanto acrius urget. (Horaz.) (Eiselein, 446.) 3 E flissige Mahner ist besser als e fule Arbeiter. (Luzern.) 4 Ein Mahner ist ein unwillkommener Gast. Auch russisch Altmann VI, 446. Die Russen sagen auch: Mahner gehören nicht zu den Gastfreunden. (Altmann VI, 455.) 5 Gute Mahner machen scharffe (gute) Zahler. – Lehmann, 23, 38; Simrock, 6751; Körte, 4024; Braun, I, 2490. Dän.: Gode manere ere onde betalere. (Prov. dan., 68.) Holl.: Scherpe maanders maken goede betalers. (Harrebomée, II, 48a.) Lat.: Bona nomina interdum sunt appellanda ne fiant mala. – Optima nomina non appellando fiunt mala. 6 Gute Mahner seind böse zahler. – Lehmann, 709, 2; Blass, 5. Holl.: Scherpe maanders zijn de traagste betalers. (Harrebomée, II, 48a.) 7 Je ärger der Mahner, je schlimmer der Zahler. – Pistor., II, 88; Simrock, 6753; Körte, 4025; Braun, I, 2491. Schwed.: Skarpaste manare, wärsta betalare. (Grubb, 729.) 8 Scharfe Mahner, schlimme Zahler. – Winckler, XVII, 10. It.: Severo esattore è mal pagatore. (Pazzaglia, 260, 13.) Mähr. Dat öss so mähr wie 'n Herrn Pfarr sin Bär. (Ostpreuss.) Mähr = weich, mürbe. Mähre (Equus). 1 Besser eine alte Mähre als gar kein Pferd. 2 Eine alte Mähre frisst ebenso viel als ein junges Ross. It.: Mangia tanto una rozza, quanto un buon cavallo. (Pazzaglia, 211, 7; Bohn I, 110.) 3 Eine alte Mähre ist nicht besser als eine junge. Lat.: Vetulus cantherius novello non melior. (Gaal, 46.) 4 Eine blinde Mähre geht stets in der alten Fähre. 5 Ist die Mähre noch so dürr, sie ist besser als ein leerer Strick. 6 Mit zwei Mähren kommt man so weit als mit einer. Mai. 1 Auf nassen Mai kommt trockner Juni herbei. – Orakel, 492; Boebel, 92. Die Abhängigkeit der Juniwitterung von den atmosphärischen Verhältnissen der vorausgegangenen Monate ist von Metereologen nachgewiesen. Dove sagt hierauf bezüglich: „Während im Winter das Innere Europas erheblich kälter ist, als die Westküsten sind, erwärmt sich jenes schneller als diese. Die nun kältere Luft des nordatlantischen Oceans fällt dann als Nordwest in die aufgelockert warme des Continents ein und bewirkt unsere den Juni und Juli hauptsächlich bezeichnende Regenzeit. Je wärmer in einem bestimmten Jahre der Mai, desto intensiver die Reaction im Juni in heftigen Regengüssen, wie z. B. 1862; trat der warme Strom auch nur vorübergehend auf kurze Zeit hervor, so brach sogleich der kalte Nordwest herein, wobei er den Wasserdampf jenes massenhaft zu Regen verdichtet.“ 2 Den ersten Mai führt man den Ochsen ins Heu. – Klix, 40. 3 Den Maien voll Wind begehrt das Bauerngesind. – Orakel, 495; Boebel, 94. 4 Den Maien zwischen zweien. D. h. nicht zu trocken, nicht zu feucht. 5 Der dritte Mai ist ein Wolf. (Sachsen.) – Boebel, 23. 6 Der Mai bringt Blumen dem Gesichte, aber dem Magen keine Früchte. Daher rufen die Russen: Ei, ei, Herr Mai, so warm und so hungrig. (S. Pfingsten.) 7 Der Mai bringt der Rosen viel. – Petri, II, 101. 8 Der Mai is ön Habarn sei' Winda. (Oberösterreich.) – Baumgarten, I, 49. 9 Der Mai ist selten so gut, er bringt dem Zaunpfahl einen Hut (von Schnee). – Blum, 289; Petri, II, 101; Sutor, 972; Gaal, 1130; Orakel, 506; Boebel, 93. Der Mai lässt sich zwar Wonnemond nennen, er spielt aber oft noch einen recht empfindlichen Nachwinter, nicht blos in Deutschland, sondern auch in wärmern Ländern. So sagen die Basken: Der Mai geht um Feuer betteln. Und: Mai, lieber Mai, ich lasse dir deine Rosen und nehme mir den Pelz. In Venedig gibt man den Rath: Wer einen guten Klotz hat, hebe ihn für den Mai (zum Einheizen) auf. Und die Sarden empfehlen: Im Monat Mai behalte den Mantel. (Orakel, 507-510.) Frz.: A la mi-mai queue d'hiver. (Cahier, 977.) – Il n'est si gentil mois d'avril, qui n'ait son chapeau de grésil. (Gaal, 1430.) 10 Der Mai ist so verwegen und setzet noch ein Schneechen. (Nassau.) 11 Der Mai kommt gezogen wie der November verflogen. – Orakel, 477. Der Mai ist wie der vergangene November. (Orakel, 477.) 12 Der Mai kühl, der Brachmond nicht nass, füllet dem Landmann Speicher, Keller, Kasten und Fass. (Pfalz.) 13 Der Mai lässt den Pflug hinei. (Oels.) – Boebel, 95. 14 Der Mai lockt ins Frei'. Die Engländer nennen den Monat den lustigen (the merry month of May). Auf Sardinien sagt man: Heiter wie der Mai, und die Mailänder sagen: Der Mai ist der schönste Monat. Die Lombarden: Der Mai hat nicht seinesgleichen. (Reinsberg VIII, 126.) Holl.: Met de maand van Mei blijft geen koebeest uit de wei. (Harrebomée, II, 74b.) 15 Der May kühl, der Brachmond nass, die füllen Scheunen und Fass. – Henisch, 472, 81; Latendorf II, 8; Heyl, 55; Orakel, 504. Für Solothurn: Der Meie chüel, der Brachmonat nass, füllt Spîcher und Fass. Bei Reinsberg VIII, 14 findet sich das Sprichwort aus der Pfalz angeführt, aber in der Fassung: „Brachmond nicht nass.“ Sollte es wirklich dort so lauten, oder Druckfehler sein? Mir ist es sonst als deutsches nirgends in dieser verneinenden Form begegnet. (S. oben 12.) Lat.: Majus frigidiusculus, non frigidus amatur. (Chaos, 1001.) 16 Der schönste Mai macht alte Zeit nicht neu. 17 Der siebente Mai ist eine Schlange. (Sachsen.) – Boebel, 23. 18 Des Maies Mitte hat für den Winter noch eine Hütte. 19 Dess Mayen brauch, weil du drin bist, vber vier Wochen keiner ist. – Loci comm., 194. 20 E Maai kiehl on naas fölld Scheier on Fass. (Trier.) – Laven, 44. 21 Ein feuchtwarmer Mai erzeugt viel Stroh und wenig Korn. (Brusiothal.) – Schweiz, I, 235, 5. 22 Ein heisser Mai ist des Todes Kanzlei. Engl.: A hot may makes a fat church-yard. (Bohn II, 34.) 23 Ein kalter Mai bringt keine böse Zeit. – Petri, II, 206. 24 Ein kühler Mai bringt Allerlei (Vielerlei). 25 Ein kühler Mai bringt Gras (Stroh) und Heu. Engl.: A cold may and a windy makes a full barn and a findy. (Bohn II, 33.) 26 Ein kühler Mai, gut Geschrei. – Simrock, 6757a; Orakel, 500; Bair. Hauskalender. Holl.: De koele Mai doet het al verblijden. (Harrebomée, II, 74a.) 27 Ein kühler Mai und nass dabei gibt viel und gutes Heu. – Schmitz, 172, 43; Orakel, 502. 28 Ein kühler Mai wird hoch geacht't weil er schon vielen Nutzen bracht'. 29 Ein nasser Mai macht viel Geschrei und wenig Heu. (Eifel.)

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:39:28Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:39:28Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/186
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873, S. [172]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/186>, abgerufen am 24.10.2020.