Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] *83 Wie mit Mist fahren. - Campe, Wb., III, 301.

Sehr langsam fahren.


Mistale.

Wamme iut der Mistale1 bleiket un im Schoertsteine dräuget, dann wert de Wäske reine. (Büren.)

1) Ale, auch Ahlte = Jauche; mittelhochdeutsch atel, bairisch adel = Mistjauche.


Mistbeet.

1 Auf solchem Mistbeete wachsen nur Saublumen.

*2 He öss e omgedreites Möstbrett. - Frischbier2, 2637.


Mistbellerlein.

Die (kleinen) Mistbellerlein machen mehr Geschrei als viel Jagdhunde.


Mistel.

Die Mistel am obersten Aste ist auch nur eine Mistel.

Die Russen: Die Mistel am obersten Aste der Eiche ist am stolzesten. (Altmann V, 114.)


Misteldrossel.

Die Misteldrossel hofiert ihr eigen Kleb.

"Man kann es auf diejenigen Schriftsteller anwenden, quibus libri sui fatales sunt." (Eiselein, 468.)


Mistelgauer.

1 Die Mistelgauer fliegen früh aus und führen zu wie die Hummeln.

Der Mistelgau, auch das Hummelland genannt, umfasst den ganzen Grund des Mistelbachs mit den kleinern Nebengründen, etwa vierundzwanzig Dörfer nebst einer Anzahl einzelner Höfe und Mühlen, und gehört zum oberfränkischen Kreise Baierns. Die Mistelgauer heissen auch Hummeln. Dieser Name soll auf folgende Weise entstanden sein. In Volsbach, einem benachbarten, aber schon der Fränkischen Schweiz angehörenden Dorfe, wurde einst eine Kirche gebaut, zu der die Mistelgauer als Nachbarn schon zeitig am Tage Steine zufahren halfen. Da sollen denn die dankbaren Volsbacher obiges Wort ausgesprochen und ihren Helfern zu Ehren als Wahrzeichen in der Kirche ein Hummelnest in Stein haben aushauen lassen. (Vgl. über die Mistelgauer, gewöhnlich Hummeln genannt, den Aufsatz: Land und Leute in der Gartenlaube, Leipzig 1858, Nr. 19, S. 260.)

*2 Er macht's wie die Mistelgauer mit dem Balken.

Die denselben der Länge nach trugen, als sie quer nicht fortkamen. Wie die Ulmer dies von einem Sperling, so hatten sie es von einer Hummel gelernt. (S. Licht 150.) Die Mistelgauer sind dem Volkswitz in Baiern, was die Gansloser den Würtembergern, die Schöppenstädter den Braunschweigern u. s. w.


Misten.

1 Es mistet niemand einen Augiasstall umsonst.

2 Jeder miste seinen Stall. (S. Fegen 4 und Kehren 3.) - Masson, 18.

3 Miste vorher deinen Stall. - Simrock, 9808.

Gucke in deinen Rinnstein, scheure deinen eigenen Topf, gucke in dein Häflein, fege vor deiner Thür. (Reinsberg IV, 51.)

*4 Bi em meste de Lewark und plögt de Ritworm. - Globus, VIII.

Bei ihm mistet (düngt) die Lerche und pflügt der Ritwurm. Zur Verspottung eines faulen und nachlässigen Landmanns.

*5 Er mistet den Bach. (S. Pflügen.) - Waldis, IV, 95, 174.


Mister.

Dem Mister folgen drei Saaten.

Nach dem Rechtsgrundsatze: Wer die Arbeit gethan, soll auch die Frucht han, d. h. man nahm an, dass wer ein Pachtgut gedüngt habe, berechtigt sei, die Ernte davon zu ziehen. (Vgl. Graf, 78.)


Mistfaul.

* A is recht mistfaul. - Gomolcke, 101.


Mistfink.

Wer geht mit (zu) Mistfinken, muss die Nase gewöhnen ans Stinken.


Mistfinkendiscurs.

* Einen Mistfinkendiscurs führen.

Gemeine, schlüpfrige Unterhaltung.


Mistfuhre.

*1 Auf die grosse Mistfuhre (werde ich kommen, wird es geschehen u. s. w.).

Ein Abschnitt aus dem Hauskalender der Bauern. Ich hörte einst einen Geistlichen einen Knaben fragen, wann er geboren sei, worauf die Antwort erfolgte: In der grossen Mistfuhre; ein anderer sagte: Im Heidelbeerschlage, d. i. zur Zeit, wenn die Blaubeeren reif sind.

[Spaltenumbruch] *2 Op fischhüser Mestfohr von sewe Hüper. (Alt-Pillau.)

Scherzhafte Antwort auf die Frage, wann etwas geschehen werde oder geschehen sei, wann jemand den Geburtstag habe. In Ermeland rechnet man oft in allem Ernste nach der Zeit der Mistfuhre.


Mistgabel.

1 Behüt vns vor Mistgabeln, die machen drey Löcher. - Lehmann, 693, 30.

*2 Das hätte man mit keiner Mistgabel in ihm gesucht.

"Wer hette es mit einer Mistgabel in dem hochgelehrten Manne gesucht." (Nestler; Frischbier2, 2638.)

*3 Es einem mit der Mistgabel zu verstehen geben.

Wenn jemand seine Wünsche auf eine gar zu derbe, handgreifliche, plumpe, unhöfliche Art kundgibt.


Mistgrube.

* Aus einer Mistgrube eine Festung machen.

Einen gar zu sehr mit Lobpreisungen erheben.


Misthammel.

* Der Misthammel.

"Schelm u. s. w. ist nichts Neues, aber Sauhalter, Schmierkübl, Wanzenpuffer, Bockmelker, Kotzenhakl, Püffelsgesicht, Bärentrampel, Hennevogt, Misthammel, Sautroghaspelfresser, Kühdarm, Klotzenprobst, Zwiebl-Sälcher, Besenlümmel u. s. w." (Chaos, 530.)


Misthätiger.

Wenn missthätige selbst beklagte vnd richter seynd, so verdampt sich keiner. - Lehmann, 631, 49.


Misthaufen.

1 Aufm Misthaufen ist alles unflätig. - Sutor, 427.

2 Wenn man einen Misthaufen mit Tapeten bedeckt, der Gestank kommt durch.

3 Wo brav Misthüüfe sei, isch z' ässa. (Bern.) - Zyro, 51.

*4 Ech bän dich (doch) uch net vom Mästtupes. (Siebenbürg.-sächs.) - Frommann, V, 37, 89.

Um zu sagen: Ich bin von guter Herkunft und nicht vom Misthaufen. Tupes = Haufen. (Frommann, III, 37.) (S. Mestfal.)

*5 Er hat mich nicht auf dem Misthaufen gefunden.

Nicht irgendwo aufgelesen; ich bin von guter Herkunft und Erziehung.

Holl.: Hij heeft haar niet van een' mesthoop opgenomen. (Harrebomee, II, 84b.)


Misthun.

1 Misthun von Armuth wegen soll man willig vergeben. - Körte, 4257.

2 Wer misthut, soll nichts aufheben als Schöffenurtheil. - Graf, 299, 106.

Holl.: Wair mishagede saln nit ofheben dan ordel der scepene. (Mieris, I, 223.)

3 Wer nicht missethut, braucht nicht zu bessern. - Graf, 320, 232.

Wer kein Unrecht begeht, bleibt von Busse (Schadenersatz, Sühne, Strafgeld) verschont.

Altfries.: Hwa naeth misdeth die thoer naeth bettria. (Richthofen.)


Mistkäfer.

1 Dem Mässtkiewer gefäld ed äm Käbesch. (Siebenbürg.-sächs.) - Schuster, 241a.

2 Wenn der Mistkäfer lebhaft und in Menge des Abends herumfliegt, so folgt ein schöner Tag. - Orakel, 30.


Mistkarren.

Man wird eher von einem Mistkarren überfahren als von einem Wagen. - Simrock, 7041.

Holl.: Men wordt eerder door eene mestkar overreden dan door eene koets. (Harrebomee, II, 84b.)


Mistkrebs.

Der Mässtkripes docht sich gad äm Käbesch. (Siebenbürg.-sächs.) - Schuster, 241b.


Mistlache.

1 Auss trüber mistlachen schöpfft man nicht lauter. - Franck, I, 72b; Gruter, I, 6; Eyering, I, 157; Schottel, 1127a; Blum, 163; Simrock, 7039.

Holl.: God en de mestwagen zijn het wel eens. (Harrebomee, I, LI.)

Lat.: Nunquam sincerum ex turbido. (Franck, I, 72b.)

2 Man kann sich lange aus einer Mistlache waschen, ehe man rein wird.

3 Wer in allen Mistlachen gebadet, der ist eines saubern Bades nicht werth. - Lehmann, 400, 44.


[Spaltenumbruch] *83 Wie mit Mist fahren.Campe, Wb., III, 301.

Sehr langsam fahren.


Mistâle.

Wamme iut der Mistâle1 bleiket un im Schoertsteine dräuget, dann wêrt de Wäske reine. (Büren.)

1) Ale, auch Ahlte = Jauche; mittelhochdeutsch atel, bairisch adel = Mistjauche.


Mistbeet.

1 Auf solchem Mistbeete wachsen nur Saublumen.

*2 He öss e omgedreites Möstbrett.Frischbier2, 2637.


Mistbellerlein.

Die (kleinen) Mistbellerlein machen mehr Geschrei als viel Jagdhunde.


Mistel.

Die Mistel am obersten Aste ist auch nur eine Mistel.

Die Russen: Die Mistel am obersten Aste der Eiche ist am stolzesten. (Altmann V, 114.)


Misteldrossel.

Die Misteldrossel hofiert ihr eigen Kleb.

„Man kann es auf diejenigen Schriftsteller anwenden, quibus libri sui fatales sunt.“ (Eiselein, 468.)


Mistelgauer.

1 Die Mistelgauer fliegen früh aus und führen zu wie die Hummeln.

Der Mistelgau, auch das Hummelland genannt, umfasst den ganzen Grund des Mistelbachs mit den kleinern Nebengründen, etwa vierundzwanzig Dörfer nebst einer Anzahl einzelner Höfe und Mühlen, und gehört zum oberfränkischen Kreise Baierns. Die Mistelgauer heissen auch Hummeln. Dieser Name soll auf folgende Weise entstanden sein. In Volsbach, einem benachbarten, aber schon der Fränkischen Schweiz angehörenden Dorfe, wurde einst eine Kirche gebaut, zu der die Mistelgauer als Nachbarn schon zeitig am Tage Steine zufahren halfen. Da sollen denn die dankbaren Volsbacher obiges Wort ausgesprochen und ihren Helfern zu Ehren als Wahrzeichen in der Kirche ein Hummelnest in Stein haben aushauen lassen. (Vgl. über die Mistelgauer, gewöhnlich Hummeln genannt, den Aufsatz: Land und Leute in der Gartenlaube, Leipzig 1858, Nr. 19, S. 260.)

*2 Er macht's wie die Mistelgauer mit dem Balken.

Die denselben der Länge nach trugen, als sie quer nicht fortkamen. Wie die Ulmer dies von einem Sperling, so hatten sie es von einer Hummel gelernt. (S. Licht 150.) Die Mistelgauer sind dem Volkswitz in Baiern, was die Gansloser den Würtembergern, die Schöppenstädter den Braunschweigern u. s. w.


Misten.

1 Es mistet niemand einen Augiasstall umsonst.

2 Jeder miste seinen Stall. (S. Fegen 4 und Kehren 3.) – Masson, 18.

3 Miste vorher deinen Stall.Simrock, 9808.

Gucke in deinen Rinnstein, scheure deinen eigenen Topf, gucke in dein Häflein, fege vor deiner Thür. (Reinsberg IV, 51.)

*4 Bi em meste de Lewark und plögt de Ritworm.Globus, VIII.

Bei ihm mistet (düngt) die Lerche und pflügt der Ritwurm. Zur Verspottung eines faulen und nachlässigen Landmanns.

*5 Er mistet den Bach. (S. Pflügen.) – Waldis, IV, 95, 174.


Mister.

Dem Mister folgen drei Saaten.

Nach dem Rechtsgrundsatze: Wer die Arbeit gethan, soll auch die Frucht han, d. h. man nahm an, dass wer ein Pachtgut gedüngt habe, berechtigt sei, die Ernte davon zu ziehen. (Vgl. Graf, 78.)


Mistfaul.

* A is recht mistfaul.Gomolcke, 101.


Mistfink.

Wer geht mit (zu) Mistfinken, muss die Nase gewöhnen ans Stinken.


Mistfinkendiscurs.

* Einen Mistfinkendiscurs führen.

Gemeine, schlüpfrige Unterhaltung.


Mistfuhre.

*1 Auf die grosse Mistfuhre (werde ich kommen, wird es geschehen u. s. w.).

Ein Abschnitt aus dem Hauskalender der Bauern. Ich hörte einst einen Geistlichen einen Knaben fragen, wann er geboren sei, worauf die Antwort erfolgte: In der grossen Mistfuhre; ein anderer sagte: Im Heidelbeerschlage, d. i. zur Zeit, wenn die Blaubeeren reif sind.

[Spaltenumbruch] *2 Op fischhüser Mestfohr von sêwe Hüper. (Alt-Pillau.)

Scherzhafte Antwort auf die Frage, wann etwas geschehen werde oder geschehen sei, wann jemand den Geburtstag habe. In Ermeland rechnet man oft in allem Ernste nach der Zeit der Mistfuhre.


Mistgabel.

1 Behüt vns vor Mistgabeln, die machen drey Löcher.Lehmann, 693, 30.

*2 Das hätte man mit keiner Mistgabel in ihm gesucht.

„Wer hette es mit einer Mistgabel in dem hochgelehrten Manne gesucht.“ (Nestler; Frischbier2, 2638.)

*3 Es einem mit der Mistgabel zu verstehen geben.

Wenn jemand seine Wünsche auf eine gar zu derbe, handgreifliche, plumpe, unhöfliche Art kundgibt.


Mistgrube.

* Aus einer Mistgrube eine Festung machen.

Einen gar zu sehr mit Lobpreisungen erheben.


Misthammel.

* Der Misthammel.

„Schelm u. s. w. ist nichts Neues, aber Sauhalter, Schmierkübl, Wanzenpuffer, Bockmelker, Kotzenhakl, Püffelsgesicht, Bärentrampel, Hennevogt, Misthammel, Sautroghaspelfresser, Kühdarm, Klotzenprobst, Zwiebl-Sälcher, Besenlümmel u. s. w.“ (Chaos, 530.)


Misthätiger.

Wenn missthätige selbst beklagte vnd richter seynd, so verdampt sich keiner.Lehmann, 631, 49.


Misthaufen.

1 Aufm Misthaufen ist alles unflätig.Sutor, 427.

2 Wenn man einen Misthaufen mit Tapeten bedeckt, der Gestank kommt durch.

3 Wo brav Misthüüfe sî, isch z' ässa. (Bern.) – Zyro, 51.

*4 Ech bän dich (doch) uch net vom Mästtupes. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 37, 89.

Um zu sagen: Ich bin von guter Herkunft und nicht vom Misthaufen. Tupes = Haufen. (Frommann, III, 37.) (S. Mestfâl.)

*5 Er hat mich nicht auf dem Misthaufen gefunden.

Nicht irgendwo aufgelesen; ich bin von guter Herkunft und Erziehung.

Holl.: Hij heeft haar niet van een' mesthoop opgenomen. (Harrebomée, II, 84b.)


Misthun.

1 Misthun von Armuth wegen soll man willig vergeben.Körte, 4257.

2 Wer misthut, soll nichts aufheben als Schöffenurtheil.Graf, 299, 106.

Holl.: Wair mishagede saln nit ofheben dan ordel der scepene. (Mieris, I, 223.)

3 Wer nicht missethut, braucht nicht zu bessern.Graf, 320, 232.

Wer kein Unrecht begeht, bleibt von Busse (Schadenersatz, Sühne, Strafgeld) verschont.

Altfries.: Hwa naeth misdeth die thoer naeth bettria. (Richthofen.)


Mistkäfer.

1 Dem Mässtkiêwer gefäld ed äm Käbesch. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 241a.

2 Wenn der Mistkäfer lebhaft und in Menge des Abends herumfliegt, so folgt ein schöner Tag.Orakel, 30.


Mistkarren.

Man wird eher von einem Mistkarren überfahren als von einem Wagen.Simrock, 7041.

Holl.: Men wordt eerder door eene mestkar overreden dan door eene koets. (Harrebomée, II, 84b.)


Mistkrebs.

Der Mässtkripes dôcht sich gâd äm Käbesch. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 241b.


Mistlache.

1 Auss trüber mistlachen schöpfft man nicht lauter.Franck, I, 72b; Gruter, I, 6; Eyering, I, 157; Schottel, 1127a; Blum, 163; Simrock, 7039.

Holl.: God en de mestwagen zijn het wel eens. (Harrebomée, I, LI.)

Lat.: Nunquam sincerum ex turbido. (Franck, I, 72b.)

2 Man kann sich lange aus einer Mistlache waschen, ehe man rein wird.

3 Wer in allen Mistlachen gebadet, der ist eines saubern Bades nicht werth.Lehmann, 400, 44.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><pb facs="#f0351" n="[337]"/><cb n="673"/>
*83 Wie mit Mist fahren.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Campe, Wb., III, 301.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Sehr langsam fahren.</p><lb/>
          <p/><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistâle.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Wamme iut der Mistâle<hi rendition="#sup">1</hi> bleiket un im Schoertsteine dräuget, dann wêrt de Wäske reine.</hi> (<hi rendition="#i">Büren.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Ale, auch Ahlte = Jauche; mittelhochdeutsch atel, bairisch adel = Mistjauche.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistbeet.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Auf solchem Mistbeete wachsen nur Saublumen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 He öss e omgedreites Möstbrett.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier<hi rendition="#sup">2</hi>, 2637.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistbellerlein.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Die (kleinen) Mistbellerlein machen mehr Geschrei als viel Jagdhunde.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Die Mistel am obersten Aste ist auch nur eine Mistel.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Russen: Die Mistel am obersten Aste der Eiche ist am stolzesten. (<hi rendition="#i">Altmann V, 114.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Misteldrossel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Die Misteldrossel hofiert ihr eigen Kleb.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Man kann es auf diejenigen Schriftsteller anwenden, quibus libri sui fatales sunt.&#x201C; (<hi rendition="#i">Eiselein, 468.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistelgauer.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Die Mistelgauer fliegen früh aus und führen zu wie die Hummeln.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Mistelgau, auch das Hummelland genannt, umfasst den ganzen Grund des Mistelbachs mit den kleinern Nebengründen, etwa vierundzwanzig Dörfer nebst einer Anzahl einzelner Höfe und Mühlen, und gehört zum oberfränkischen Kreise Baierns. Die Mistelgauer heissen auch Hummeln. Dieser Name soll auf folgende Weise entstanden sein. In Volsbach, einem benachbarten, aber schon der Fränkischen Schweiz angehörenden Dorfe, wurde einst eine Kirche gebaut, zu der die Mistelgauer als Nachbarn schon zeitig am Tage Steine zufahren halfen. Da sollen denn die dankbaren Volsbacher obiges Wort ausgesprochen und ihren Helfern zu Ehren als Wahrzeichen in der Kirche ein Hummelnest in Stein haben aushauen lassen. (Vgl. über die Mistelgauer, gewöhnlich Hummeln genannt, den Aufsatz: <hi rendition="#i">Land und Leute in der Gartenlaube, Leipzig 1858, Nr. 19, S. 260.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Er macht's wie die Mistelgauer mit dem Balken.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die denselben der Länge nach trugen, als sie quer nicht fortkamen. Wie die Ulmer dies von einem Sperling, so hatten sie es von einer Hummel gelernt. (S.  Licht 150.) Die Mistelgauer sind dem Volkswitz in Baiern, was die Gansloser den Würtembergern, die Schöppenstädter den Braunschweigern u. s. w.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Misten.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Es mistet niemand einen Augiasstall umsonst.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Jeder miste seinen Stall.</hi> (S.  Fegen 4 und  Kehren 3.) &#x2013; <hi rendition="#i">Masson, 18.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Miste vorher deinen Stall.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 9808.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Gucke in deinen Rinnstein, scheure deinen eigenen Topf, gucke in dein Häflein, fege vor deiner Thür. (<hi rendition="#i">Reinsberg IV, 51.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Bi em meste de Lewark und plögt de Ritworm.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Globus, VIII.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Bei ihm mistet (düngt) die Lerche und pflügt der Ritwurm. Zur Verspottung eines faulen und nachlässigen Landmanns.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Er mistet den Bach.</hi> (S.  Pflügen.) &#x2013; <hi rendition="#i">Waldis, IV, 95, 174.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mister.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Dem Mister folgen drei Saaten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Nach dem Rechtsgrundsatze: Wer die Arbeit gethan, soll auch die Frucht han, d. h. man nahm an, dass wer ein Pachtgut gedüngt habe, berechtigt sei, die Ernte davon zu ziehen. (Vgl. <hi rendition="#i">Graf, 78.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistfaul.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* A is recht mistfaul.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 101.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistfink.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Wer geht mit (zu) Mistfinken, muss die Nase gewöhnen ans Stinken.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistfinkendiscurs.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Einen Mistfinkendiscurs führen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Gemeine, schlüpfrige Unterhaltung.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistfuhre.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*1 Auf die grosse Mistfuhre (werde ich kommen, wird es geschehen u. s. w.).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein Abschnitt aus dem Hauskalender der Bauern. Ich hörte einst einen Geistlichen einen Knaben fragen, wann er geboren sei, worauf die Antwort erfolgte: In der grossen Mistfuhre; ein anderer sagte: Im Heidelbeerschlage, d. i. zur Zeit, wenn die Blaubeeren reif sind.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><cb n="674"/>
*2 Op fischhüser Mestfohr von sêwe Hüper.</hi> (<hi rendition="#i">Alt-Pillau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Scherzhafte Antwort auf die Frage, wann etwas geschehen werde oder geschehen sei, wann jemand den Geburtstag habe. In Ermeland rechnet man oft in allem Ernste nach der Zeit der Mistfuhre.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistgabel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Behüt vns vor Mistgabeln, die machen drey Löcher.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 693, 30.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Das hätte man mit keiner Mistgabel in ihm gesucht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Wer hette es mit einer Mistgabel in dem hochgelehrten Manne gesucht.&#x201C; (<hi rendition="#i">Nestler; Frischbier<hi rendition="#sup">2</hi>, 2638.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*3 Es einem mit der Mistgabel zu verstehen geben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn jemand seine Wünsche auf eine gar zu derbe, handgreifliche, plumpe, unhöfliche Art kundgibt.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistgrube.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Aus einer Mistgrube eine Festung machen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Einen gar zu sehr mit Lobpreisungen erheben.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Misthammel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Der Misthammel.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Schelm u. s. w. ist nichts Neues, aber Sauhalter, Schmierkübl, Wanzenpuffer, Bockmelker, Kotzenhakl, Püffelsgesicht, Bärentrampel, Hennevogt, Misthammel, Sautroghaspelfresser, Kühdarm, Klotzenprobst, Zwiebl-Sälcher, Besenlümmel u. s. w.&#x201C; (<hi rendition="#i">Chaos, 530.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Misthätiger.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Wenn missthätige selbst beklagte vnd richter seynd, so verdampt sich keiner.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 631, 49.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Misthaufen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Aufm Misthaufen ist alles unflätig.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutor, 427.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Wenn man einen Misthaufen mit Tapeten bedeckt, der Gestank kommt durch.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Wo brav Misthüüfe sî, isch z' ässa.</hi> (<hi rendition="#i">Bern.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Zyro, 51.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Ech bän dich (doch) uch net vom Mästtupes.</hi> (<hi rendition="#i">Siebenbürg.-sächs.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 37, 89.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Um zu sagen: Ich bin von guter Herkunft und nicht vom Misthaufen. Tupes = Haufen. (<hi rendition="#i">Frommann, III, 37.</hi>) (S.  Mestfâl.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*5 Er hat mich nicht auf dem Misthaufen gefunden.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Nicht irgendwo aufgelesen; ich bin von guter Herkunft und Erziehung.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Hij heeft haar niet van een' mesthoop opgenomen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 84<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Misthun.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Misthun von Armuth wegen soll man willig vergeben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 4257.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Wer misthut, soll nichts aufheben als Schöffenurtheil.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Graf, 299, 106.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Wair mishagede saln nit ofheben dan ordel der scepene. (<hi rendition="#i">Mieris, I, 223.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Wer nicht missethut, braucht nicht zu bessern.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Graf, 320, 232.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wer kein Unrecht begeht, bleibt von Busse (Schadenersatz, Sühne, Strafgeld) verschont.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Altfries.</hi>: Hwa naeth misdeth die thoer naeth bettria. (<hi rendition="#i">Richthofen.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistkäfer.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Dem Mässtkiêwer gefäld ed äm Käbesch.</hi> (<hi rendition="#i">Siebenbürg.-sächs.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schuster, 241<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Wenn der Mistkäfer lebhaft und in Menge des Abends herumfliegt, so folgt ein schöner Tag.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Orakel, 30.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistkarren.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Man wird eher von einem Mistkarren überfahren als von einem Wagen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 7041.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Men wordt eerder door eene mestkar overreden dan door eene koets. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 84<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistkrebs.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Der Mässtkripes dôcht sich gâd äm Käbesch.</hi> (<hi rendition="#i">Siebenbürg.-sächs.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schuster, 241<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mistlache.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Auss trüber mistlachen schöpfft man nicht lauter.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Franck, I, 72<hi rendition="#sup">b</hi>; Gruter, I, 6; Eyering, I, 157; Schottel, 1127<hi rendition="#sup">a</hi>; Blum, 163; Simrock, 7039.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: God en de mestwagen zijn het wel eens. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, LI.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Nunquam sincerum ex turbido. (<hi rendition="#i">Franck, I, 72<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Man kann sich lange aus einer Mistlache waschen, ehe man rein wird.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Wer in allen Mistlachen gebadet, der ist eines saubern Bades nicht werth.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 400, 44.</hi></p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[337]/0351] *83 Wie mit Mist fahren. – Campe, Wb., III, 301. Sehr langsam fahren. Mistâle. Wamme iut der Mistâle1 bleiket un im Schoertsteine dräuget, dann wêrt de Wäske reine. (Büren.) 1) Ale, auch Ahlte = Jauche; mittelhochdeutsch atel, bairisch adel = Mistjauche. Mistbeet. 1 Auf solchem Mistbeete wachsen nur Saublumen. *2 He öss e omgedreites Möstbrett. – Frischbier2, 2637. Mistbellerlein. Die (kleinen) Mistbellerlein machen mehr Geschrei als viel Jagdhunde. Mistel. Die Mistel am obersten Aste ist auch nur eine Mistel. Die Russen: Die Mistel am obersten Aste der Eiche ist am stolzesten. (Altmann V, 114.) Misteldrossel. Die Misteldrossel hofiert ihr eigen Kleb. „Man kann es auf diejenigen Schriftsteller anwenden, quibus libri sui fatales sunt.“ (Eiselein, 468.) Mistelgauer. 1 Die Mistelgauer fliegen früh aus und führen zu wie die Hummeln. Der Mistelgau, auch das Hummelland genannt, umfasst den ganzen Grund des Mistelbachs mit den kleinern Nebengründen, etwa vierundzwanzig Dörfer nebst einer Anzahl einzelner Höfe und Mühlen, und gehört zum oberfränkischen Kreise Baierns. Die Mistelgauer heissen auch Hummeln. Dieser Name soll auf folgende Weise entstanden sein. In Volsbach, einem benachbarten, aber schon der Fränkischen Schweiz angehörenden Dorfe, wurde einst eine Kirche gebaut, zu der die Mistelgauer als Nachbarn schon zeitig am Tage Steine zufahren halfen. Da sollen denn die dankbaren Volsbacher obiges Wort ausgesprochen und ihren Helfern zu Ehren als Wahrzeichen in der Kirche ein Hummelnest in Stein haben aushauen lassen. (Vgl. über die Mistelgauer, gewöhnlich Hummeln genannt, den Aufsatz: Land und Leute in der Gartenlaube, Leipzig 1858, Nr. 19, S. 260.) *2 Er macht's wie die Mistelgauer mit dem Balken. Die denselben der Länge nach trugen, als sie quer nicht fortkamen. Wie die Ulmer dies von einem Sperling, so hatten sie es von einer Hummel gelernt. (S. Licht 150.) Die Mistelgauer sind dem Volkswitz in Baiern, was die Gansloser den Würtembergern, die Schöppenstädter den Braunschweigern u. s. w. Misten. 1 Es mistet niemand einen Augiasstall umsonst. 2 Jeder miste seinen Stall. (S. Fegen 4 und Kehren 3.) – Masson, 18. 3 Miste vorher deinen Stall. – Simrock, 9808. Gucke in deinen Rinnstein, scheure deinen eigenen Topf, gucke in dein Häflein, fege vor deiner Thür. (Reinsberg IV, 51.) *4 Bi em meste de Lewark und plögt de Ritworm. – Globus, VIII. Bei ihm mistet (düngt) die Lerche und pflügt der Ritwurm. Zur Verspottung eines faulen und nachlässigen Landmanns. *5 Er mistet den Bach. (S. Pflügen.) – Waldis, IV, 95, 174. Mister. Dem Mister folgen drei Saaten. Nach dem Rechtsgrundsatze: Wer die Arbeit gethan, soll auch die Frucht han, d. h. man nahm an, dass wer ein Pachtgut gedüngt habe, berechtigt sei, die Ernte davon zu ziehen. (Vgl. Graf, 78.) Mistfaul. * A is recht mistfaul. – Gomolcke, 101. Mistfink. Wer geht mit (zu) Mistfinken, muss die Nase gewöhnen ans Stinken. Mistfinkendiscurs. * Einen Mistfinkendiscurs führen. Gemeine, schlüpfrige Unterhaltung. Mistfuhre. *1 Auf die grosse Mistfuhre (werde ich kommen, wird es geschehen u. s. w.). Ein Abschnitt aus dem Hauskalender der Bauern. Ich hörte einst einen Geistlichen einen Knaben fragen, wann er geboren sei, worauf die Antwort erfolgte: In der grossen Mistfuhre; ein anderer sagte: Im Heidelbeerschlage, d. i. zur Zeit, wenn die Blaubeeren reif sind. *2 Op fischhüser Mestfohr von sêwe Hüper. (Alt-Pillau.) Scherzhafte Antwort auf die Frage, wann etwas geschehen werde oder geschehen sei, wann jemand den Geburtstag habe. In Ermeland rechnet man oft in allem Ernste nach der Zeit der Mistfuhre. Mistgabel. 1 Behüt vns vor Mistgabeln, die machen drey Löcher. – Lehmann, 693, 30. *2 Das hätte man mit keiner Mistgabel in ihm gesucht. „Wer hette es mit einer Mistgabel in dem hochgelehrten Manne gesucht.“ (Nestler; Frischbier2, 2638.) *3 Es einem mit der Mistgabel zu verstehen geben. Wenn jemand seine Wünsche auf eine gar zu derbe, handgreifliche, plumpe, unhöfliche Art kundgibt. Mistgrube. * Aus einer Mistgrube eine Festung machen. Einen gar zu sehr mit Lobpreisungen erheben. Misthammel. * Der Misthammel. „Schelm u. s. w. ist nichts Neues, aber Sauhalter, Schmierkübl, Wanzenpuffer, Bockmelker, Kotzenhakl, Püffelsgesicht, Bärentrampel, Hennevogt, Misthammel, Sautroghaspelfresser, Kühdarm, Klotzenprobst, Zwiebl-Sälcher, Besenlümmel u. s. w.“ (Chaos, 530.) Misthätiger. Wenn missthätige selbst beklagte vnd richter seynd, so verdampt sich keiner. – Lehmann, 631, 49. Misthaufen. 1 Aufm Misthaufen ist alles unflätig. – Sutor, 427. 2 Wenn man einen Misthaufen mit Tapeten bedeckt, der Gestank kommt durch. 3 Wo brav Misthüüfe sî, isch z' ässa. (Bern.) – Zyro, 51. *4 Ech bän dich (doch) uch net vom Mästtupes. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 37, 89. Um zu sagen: Ich bin von guter Herkunft und nicht vom Misthaufen. Tupes = Haufen. (Frommann, III, 37.) (S. Mestfâl.) *5 Er hat mich nicht auf dem Misthaufen gefunden. Nicht irgendwo aufgelesen; ich bin von guter Herkunft und Erziehung. Holl.: Hij heeft haar niet van een' mesthoop opgenomen. (Harrebomée, II, 84b.) Misthun. 1 Misthun von Armuth wegen soll man willig vergeben. – Körte, 4257. 2 Wer misthut, soll nichts aufheben als Schöffenurtheil. – Graf, 299, 106. Holl.: Wair mishagede saln nit ofheben dan ordel der scepene. (Mieris, I, 223.) 3 Wer nicht missethut, braucht nicht zu bessern. – Graf, 320, 232. Wer kein Unrecht begeht, bleibt von Busse (Schadenersatz, Sühne, Strafgeld) verschont. Altfries.: Hwa naeth misdeth die thoer naeth bettria. (Richthofen.) Mistkäfer. 1 Dem Mässtkiêwer gefäld ed äm Käbesch. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 241a. 2 Wenn der Mistkäfer lebhaft und in Menge des Abends herumfliegt, so folgt ein schöner Tag. – Orakel, 30. Mistkarren. Man wird eher von einem Mistkarren überfahren als von einem Wagen. – Simrock, 7041. Holl.: Men wordt eerder door eene mestkar overreden dan door eene koets. (Harrebomée, II, 84b.) Mistkrebs. Der Mässtkripes dôcht sich gâd äm Käbesch. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 241b. Mistlache. 1 Auss trüber mistlachen schöpfft man nicht lauter. – Franck, I, 72b; Gruter, I, 6; Eyering, I, 157; Schottel, 1127a; Blum, 163; Simrock, 7039. Holl.: God en de mestwagen zijn het wel eens. (Harrebomée, I, LI.) Lat.: Nunquam sincerum ex turbido. (Franck, I, 72b.) 2 Man kann sich lange aus einer Mistlache waschen, ehe man rein wird. 3 Wer in allen Mistlachen gebadet, der ist eines saubern Bades nicht werth. – Lehmann, 400, 44.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:39:28Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:39:28Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/351
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873, S. [337]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/351>, abgerufen am 01.12.2020.