Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] *278 Hä stipp (stützt) singe Munk m'em Hölzchen op. (S. Nackt.) (Köln.) - Firmenich, I, 473, 89.

Um von jemand zu sagen, dass er nichts zu essen hat.

*279 He deit den Mund (oder: dat Maul) weit apen. - Schütze, I, 6.

Er fordert viel Geld dafür.

*280 He hett allteit (allzeit) den Mund baven (oberhalb) 't Water. (Ostfries.) - Bueren, 660; Eichwald, 1384; Frommann, V, 430, 542; Kern, 509.

Wenn jemand gar nicht zum Schweigen zu bringen ist. (S. Niffke.)

*281 He hett't in de Mund as de Häkster 't in de Stert. - Kern, 506.

Seine Zunge ist beweglich wie der Schwanz einer Elster.

*282 He hett't in Mund as 'n Kattekerken (Ekerken) in'n Stert. - Eichwald, 1347; Frommann, V, 430, 533; Goldschmidt, 97.

Er hat's im Munde, wie das Eichkätzchen in dem Schwanz. Der Vielsprecher, der Grossprahler. Dem Oldenburger ist nichts so sehr zuwider als Geschwätzigkeit. (Vgl. Goldschmidt, 97.)

*283 He seggt dat up sinen beslaten Mund. (Mecklenburg.)

Er redet ihm das im Tode nach.

*284 Ihr Mund steht nie still, wie eine Klappermühle.

*285 Ja, mit dem Munde.

Sagt man von Leuten, die in Worten grosse Dinge thun. Die Niederschlesische Zeitung (Görlitz 1865, Nr. 306) berichtet übrigens von einem jungen, ohne Arme geborenen Mädchen, das dort in den Tagen vom 30. December ab sich zeigte und im Stande gewesen sei, ohne jede fremde Hülfe lediglich mit dem Munde alle weiblichen Arbeiten, als Sticken, Nähen, Häkeln, Steppen, selbst das Zuschneiden von Kleidern auszuführen, wobei es das Einfädeln feiner Nadeln, das Knüpfen von Knoten selbst besorgte.

*286 Man hat's ihm in den Mund gelegt.

Holl.: Hij geeft het hem in den mond. (Harrebomee, II, 98.)

*287 Man kann ihren Mund mit einer Flaumfeder öffnen, aber mit keiner Beisszange schliessen.

Holl.: Men kan hem den mond met een paardenhaar openmaken, maar met geen kabeltoow weer sluiten. (Harrebomee, II, 99b.)

*288 Man wird ihm den Mund sauber halten.

Er wird nicht viel davon bekommen.

*289 Mein Mund soll duften und seiner stinken.

Frz.: Que ma bouche sente bon et que la tienne pue. (Kritzinger, 81b.)

*290 Mit dem Munde gibt er, aber die Hände halten's fest. - Sailer, 105.

*291 Mit dem Munde psalmiren und mit dem Herzen sponsiren.

Dän.: Munden til gud, hiertet til penge. (Prov. dan., 420.)

*292 Mund hol't Verbum. - Schütze, III, 120.

Pflegt man zu sich selbst zu sagen, um sich Schweigen aufzulegen und reinen Mund zu halten.

*293 Nimm den Mund nicht zu voll!

Gegen die Grossprahler, Lügner, auch Lobhudler.

*294 Nu hollt de Mund Fierabend. - Schütze, I, 14.

Nun hat der Mund Feierabend. Nun gibt's nichts zu essen mehr. Auch: Mit der Wirthschaft ist's aus, Küche und Keller sind leer.

*295 Reinen Mund halten. - Körte, 4343; Braun, I, 2798.

Ein anvertrautes Geheimniss verschweigen.

Frz.: Il faut avoir bouche cousue. (Kritzinger, 81a.)

*296 Sein Mund gibt und hilft allzeit, die Hände nie. - Körte, 4342a.

*297 Sein Mund heilt, was er anrührt.

Frz.: Votre bouche guerit ce qu'elle touche. (Kritzinger, 80b.)

It.: La vostra bocca sana quel che tocca.

*298 Sein Mund ist gern feucht wie ein Badeschwamm. - Parömiakon, 1749.

*299 Sein Mund ist (für immer) geschlossen.

Holl.: Zijn mond is gesloten. (Harrebomee, II, 100b.)

*300 Sein Mund ist kein Evangelium.

Man darf ihm nicht alles glauben.

*301 Sein Mund kostet ihm nichts.

Von einem, der auf anderer Leute Kosten lebt.

*302 Sein Mund sagt es, aber sein Herz weiss nichts davon.

Frz.: Il dit cela de bouche mais le coeur n'y touche. (Leroux, I, 138.)

*303 Sein Mund thut mehr als seine Hände.

Holl.: Sterk in den mond en zwak in de handen. (Harrebomee, I, 100a.)

[Spaltenumbruch] *304 Seinen Mund auf etwas spitzen.

Holl.: Hij spitst er den mond op. (Harrebomee, II, 99a.)

*305 Sich etwas am Munde abdarben.

*306 Spöl di de Mund ut! - Dähnert, 316a.

D. i. schäme dich solch schmuziger, unflätiger Rede.

*307 Vom Mund auf in den Himmel fahren (kommen). - Eiselein, 476; Schöpf, 264.

Baumgarten, der dieselbe Redensart aus Oberösterreich mittheilt, bemerkt dazu: "Also gleich, ohne Aufenthalt im Fegfeuer, weil die Seele als durch den Mund dem Körper entfliehend gedacht wird." Im Innviertel gibt man einer solchen Person Grüsse an den "lieben Herrgott", an "unsere liebe Frau", an die Engel und Heiligen, an Freunde, Verwandte und Bekannte mit. "Vom Munde auf in den Himmel" kommen z. B. die Krieger, die auf dem Schlachtfelde fallen, auch Frauen, wenn sie während des Wochenbetts sterben. (Vgl. auch Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des tiroler Volks., S. 3, 8.)

*308 Von Mund auff gen Himmel fahren, gleichwie eine Kuh ins Maussloch. - Breuning, 93.

*309 Wäre ihr Mund nicht von lebendigem Leder, er wäre schon lange alle (abgenutzt).

*310 Wäre ihr Mund von Maschen, er wäre schon längst zerwaschen.

*311 Was er in den Mund kriegt, das beisst er ab.

*312 Wenn sein Mund schwiege, so würde sein Hinterer reden. - Burckhardt, 580.

Der vollendete, nicht zu ermüdende Schwätzer.

*313 Wenn sein Mund still steht, bekommt er's Fieber.

*314 Wenn sich sein Mund bewegt, kommen Sprichwörter heraus. (Surinam.)

*315 Wei könnt heir äwwer mett'n dreugen Munne1 nich sitten. (Lippe.)

1) Trockenem Munde.

*316 Wie aus Einem Munde. - Eiselein, 476.

Z. B. jemand loben, verdammen, wählen, verwerfen.


Mundbissen.

* Nur einen Mundbissen (davon) nehmen.

"Ich hatte nur einen Mundbissen genommen, als ich über Feld ging."


Mündchen.

1 Es Mündschi ohni Bart, e Suppe-n ohni Schmalz. - Sutermeister, 113.

2 Mundje, wat spreckst du, Hartje, wat denkst du? - Kern, 484.

So fragt man sich, wenn man Leute antrifft, deren Denken nicht mit ihrem Reden übereinstimmt.

3 Mündken, wat büt, Mündken, wat genüt. - Simrock, 7155; Körte, 4335; Körte2, 5447.

Wenn man uns einladende Speise darbietet, so geniessen wir sie, selbst dann, wenn wir nicht gerade Hunger haben.

4 Mündken, wat seggst'e, Heartke, wat denkste? (Westf.)

*5 Dat Mündken in't Püntken setten. - Danneil, 164; Richey, 195; Schütze, III, 245.

Einen spitzen Mund, auch Jungfernmund, machen; bei Kindern oder erwachsenen Mädchen mit dem Nebenbegriff der Eitelkeit.

*6 En brav Munje hebb'n. - Eichwald, 1349.


Mündelgelder.

* Die Mündelgelder schröpfen. - Parömiakon, 84.

Sie veruntreuen, zum eigenen Vortheil verwenden. (Judas der Erzschelm, I.)


Munden.

Oft wohl gemundet, oft übel geschlundet.


Mündig.

* Er ist schon mündig wie der Hund, wenn er den Fuss hebt und in die Stube pisst. (Mockrau bei Graudenz.)

Von einem, der gut reden kann.

Holl.: Zij is mondig, en kan haren snater wel roeren. (Harrebomee, II, 180b.)


Mundingen.

1 Die von Mundingen lassen den Oeschhei (Bannwart) auf einer Bahre tragen, dass er nicht das Korn zertrete. - Eiselein, 477.

2 Die von Mundingen stehen ihrem Kukuk in Nöthen bei und lohnen die, so der Gemeinde dienen. - Eiselein, 477; Reinsberg V, 94.

Ein Bauer aus Mundingen, der vom ehinger Markte nach Hause ritt, hörte nämlich an der Grenze seines

[Spaltenumbruch] *278 Hä stipp (stützt) singe Munk m'em Hölzchen op. (S. Nackt.) (Köln.) – Firmenich, I, 473, 89.

Um von jemand zu sagen, dass er nichts zu essen hat.

*279 He deit den Mund (oder: dat Mûl) wît âpen.Schütze, I, 6.

Er fordert viel Geld dafür.

*280 He hett alltît (allzeit) den Mund baven (oberhalb) 't Wâter. (Ostfries.) – Bueren, 660; Eichwald, 1384; Frommann, V, 430, 542; Kern, 509.

Wenn jemand gar nicht zum Schweigen zu bringen ist. (S. Niffke.)

*281 He hett't in de Mund as de Häkster 't in de Stêrt.Kern, 506.

Seine Zunge ist beweglich wie der Schwanz einer Elster.

*282 He hett't in Mund as 'n Kattekerken (Ekerken) in'n Stêrt.Eichwald, 1347; Frommann, V, 430, 533; Goldschmidt, 97.

Er hat's im Munde, wie das Eichkätzchen in dem Schwanz. Der Vielsprecher, der Grossprahler. Dem Oldenburger ist nichts so sehr zuwider als Geschwätzigkeit. (Vgl. Goldschmidt, 97.)

*283 He seggt dat up sinen beslâten Mund. (Mecklenburg.)

Er redet ihm das im Tode nach.

*284 Ihr Mund steht nie still, wie eine Klappermühle.

*285 Ja, mit dem Munde.

Sagt man von Leuten, die in Worten grosse Dinge thun. Die Niederschlesische Zeitung (Görlitz 1865, Nr. 306) berichtet übrigens von einem jungen, ohne Arme geborenen Mädchen, das dort in den Tagen vom 30. December ab sich zeigte und im Stande gewesen sei, ohne jede fremde Hülfe lediglich mit dem Munde alle weiblichen Arbeiten, als Sticken, Nähen, Häkeln, Steppen, selbst das Zuschneiden von Kleidern auszuführen, wobei es das Einfädeln feiner Nadeln, das Knüpfen von Knoten selbst besorgte.

*286 Man hat's ihm in den Mund gelegt.

Holl.: Hij geeft het hem in den mond. (Harrebomée, II, 98.)

*287 Man kann ihren Mund mit einer Flaumfeder öffnen, aber mit keiner Beisszange schliessen.

Holl.: Men kan hem den mond met een paardenhaar openmaken, maar met geen kabeltoow weêr sluiten. (Harrebomée, II, 99b.)

*288 Man wird ihm den Mund sauber halten.

Er wird nicht viel davon bekommen.

*289 Mein Mund soll duften und seiner stinken.

Frz.: Que ma bouche sente bon et que la tienne puë. (Kritzinger, 81b.)

*290 Mit dem Munde gibt er, aber die Hände halten's fest.Sailer, 105.

*291 Mit dem Munde psalmiren und mit dem Herzen sponsiren.

Dän.: Munden til gud, hiertet til penge. (Prov. dan., 420.)

*292 Mund hol't Verbum.Schütze, III, 120.

Pflegt man zu sich selbst zu sagen, um sich Schweigen aufzulegen und reinen Mund zu halten.

*293 Nimm den Mund nicht zu voll!

Gegen die Grossprahler, Lügner, auch Lobhudler.

*294 Nu hollt de Mund Fierabend.Schütze, I, 14.

Nun hat der Mund Feierabend. Nun gibt's nichts zu essen mehr. Auch: Mit der Wirthschaft ist's aus, Küche und Keller sind leer.

*295 Reinen Mund halten.Körte, 4343; Braun, I, 2798.

Ein anvertrautes Geheimniss verschweigen.

Frz.: Il faut avoir bouche cousuë. (Kritzinger, 81a.)

*296 Sein Mund gibt und hilft allzeit, die Hände nie.Körte, 4342a.

*297 Sein Mund heilt, was er anrührt.

Frz.: Votre bouche guerit ce qu'elle touche. (Kritzinger, 80b.)

It.: La vostra bocca sana quel che tocca.

*298 Sein Mund ist gern feucht wie ein Badeschwamm.Parömiakon, 1749.

*299 Sein Mund ist (für immer) geschlossen.

Holl.: Zijn mond is gesloten. (Harrebomée, II, 100b.)

*300 Sein Mund ist kein Evangelium.

Man darf ihm nicht alles glauben.

*301 Sein Mund kostet ihm nichts.

Von einem, der auf anderer Leute Kosten lebt.

*302 Sein Mund sagt es, aber sein Herz weiss nichts davon.

Frz.: Il dit cela de bouche mais le coeur n'y touche. (Leroux, I, 138.)

*303 Sein Mund thut mehr als seine Hände.

Holl.: Sterk in den mond en zwak in de handen. (Harrebomée, I, 100a.)

[Spaltenumbruch] *304 Seinen Mund auf etwas spitzen.

Holl.: Hij spitst er den mond op. (Harrebomée, II, 99a.)

*305 Sich etwas am Munde abdarben.

*306 Spöl di de Mund ut!Dähnert, 316a.

D. i. schäme dich solch schmuziger, unflätiger Rede.

*307 Vom Mund auf in den Himmel fahren (kommen).Eiselein, 476; Schöpf, 264.

Baumgarten, der dieselbe Redensart aus Oberösterreich mittheilt, bemerkt dazu: „Also gleich, ohne Aufenthalt im Fegfeuer, weil die Seele als durch den Mund dem Körper entfliehend gedacht wird.“ Im Innviertel gibt man einer solchen Person Grüsse an den „lieben Herrgott“, an „unsere liebe Frau“, an die Engel und Heiligen, an Freunde, Verwandte und Bekannte mit. „Vom Munde auf in den Himmel“ kommen z. B. die Krieger, die auf dem Schlachtfelde fallen, auch Frauen, wenn sie während des Wochenbetts sterben. (Vgl. auch Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des tiroler Volks., S. 3, 8.)

*308 Von Mund auff gen Himmel fahren, gleichwie eine Kuh ins Maussloch.Breuning, 93.

*309 Wäre ihr Mund nicht von lebendigem Leder, er wäre schon lange alle (abgenutzt).

*310 Wäre ihr Mund von Maschen, er wäre schon längst zerwaschen.

*311 Was er in den Mund kriegt, das beisst er ab.

*312 Wenn sein Mund schwiege, so würde sein Hinterer reden.Burckhardt, 580.

Der vollendete, nicht zu ermüdende Schwätzer.

*313 Wenn sein Mund still steht, bekommt er's Fieber.

*314 Wenn sich sein Mund bewegt, kommen Sprichwörter heraus. (Surinam.)

*315 Wî könnt hîr äwwer mett'n dreugen Munne1 nich sitten. (Lippe.)

1) Trockenem Munde.

*316 Wie aus Einem Munde.Eiselein, 476.

Z. B. jemand loben, verdammen, wählen, verwerfen.


Mundbissen.

* Nur einen Mundbissen (davon) nehmen.

„Ich hatte nur einen Mundbissen genommen, als ich über Feld ging.“


Mündchen.

1 Es Mündschi ohni Bart, e Suppe-n ohni Schmalz.Sutermeister, 113.

2 Mundje, wat spreckst du, Hartje, wat denkst du?Kern, 484.

So fragt man sich, wenn man Leute antrifft, deren Denken nicht mit ihrem Reden übereinstimmt.

3 Mündken, wat büt, Mündken, wat genüt.Simrock, 7155; Körte, 4335; Körte2, 5447.

Wenn man uns einladende Speise darbietet, so geniessen wir sie, selbst dann, wenn wir nicht gerade Hunger haben.

4 Mündken, wat seggst'e, Heartke, wat denkste? (Westf.)

*5 Dat Mündken in't Püntken setten.Danneil, 164; Richey, 195; Schütze, III, 245.

Einen spitzen Mund, auch Jungfernmund, machen; bei Kindern oder erwachsenen Mädchen mit dem Nebenbegriff der Eitelkeit.

*6 En brav Munje hebb'n.Eichwald, 1349.


Mündelgelder.

* Die Mündelgelder schröpfen.Parömiakon, 84.

Sie veruntreuen, zum eigenen Vortheil verwenden. (Judas der Erzschelm, I.)


Munden.

Oft wohl gemundet, oft übel geschlundet.


Mündig.

* Er ist schon mündig wie der Hund, wenn er den Fuss hebt und in die Stube pisst. (Mockrau bei Graudenz.)

Von einem, der gut reden kann.

Holl.: Zij is mondig, en kan haren snater wel roeren. (Harrebomée, II, 180b.)


Mundingen.

1 Die von Mundingen lassen den Oeschhei (Bannwart) auf einer Bahre tragen, dass er nicht das Korn zertrete.Eiselein, 477.

2 Die von Mundingen stehen ihrem Kukuk in Nöthen bei und lohnen die, so der Gemeinde dienen.Eiselein, 477; Reinsberg V, 94.

Ein Bauer aus Mundingen, der vom ehinger Markte nach Hause ritt, hörte nämlich an der Grenze seines

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><pb facs="#f0403" n="[389]"/><cb n="777"/>
*278 Hä stipp (stützt) singe Munk m'em Hölzchen op.</hi> (S.  Nackt.) (<hi rendition="#i">Köln.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Firmenich, I, 473, 89.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Um von jemand zu sagen, dass er nichts zu essen hat.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*279 He deit den Mund (oder: dat Mûl) wît âpen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schütze, I, 6.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Er fordert viel Geld dafür.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*280 He hett alltît (allzeit) den Mund baven (oberhalb) 't Wâter.</hi> (<hi rendition="#i">Ostfries.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Bueren, 660; Eichwald, 1384; Frommann, V, 430, 542; Kern, 509.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn jemand gar nicht zum Schweigen zu bringen ist. (S.  Niffke.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*281 He hett't in de Mund as de Häkster 't in de Stêrt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Kern, 506.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Seine Zunge ist beweglich wie der Schwanz einer Elster.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*282 He hett't in Mund as 'n Kattekerken (Ekerken) in'n Stêrt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eichwald, 1347; Frommann, V, 430, 533; Goldschmidt, 97.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Er hat's im Munde, wie das Eichkätzchen in dem Schwanz. Der Vielsprecher, der Grossprahler. Dem Oldenburger ist nichts so sehr zuwider als Geschwätzigkeit. (Vgl. <hi rendition="#i">Goldschmidt, 97.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*283 He seggt dat up sinen beslâten Mund.</hi> (<hi rendition="#i">Mecklenburg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Er redet ihm das im Tode nach.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*284 Ihr Mund steht nie still, wie eine Klappermühle.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*285 Ja, mit dem Munde.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Sagt man von Leuten, die in Worten grosse Dinge thun. Die <hi rendition="#i">Niederschlesische Zeitung (Görlitz 1865, Nr. 306)</hi> berichtet übrigens von einem jungen, ohne Arme geborenen Mädchen, das dort in den Tagen vom 30. December ab sich zeigte und im Stande gewesen sei, ohne jede fremde Hülfe lediglich mit dem Munde alle weiblichen Arbeiten, als Sticken, Nähen, Häkeln, Steppen, selbst das Zuschneiden von Kleidern auszuführen, wobei es das Einfädeln feiner Nadeln, das Knüpfen von Knoten selbst besorgte.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*286 Man hat's ihm in den Mund gelegt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Hij geeft het hem in den mond. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 98.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*287 Man kann ihren Mund mit einer Flaumfeder öffnen, aber mit keiner Beisszange schliessen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Men kan hem den mond met een paardenhaar openmaken, maar met geen kabeltoow weêr sluiten. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 99<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*288 Man wird ihm den Mund sauber halten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Er wird nicht viel davon bekommen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*289 Mein Mund soll duften und seiner stinken.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Que ma bouche sente bon et que la tienne puë. (<hi rendition="#i">Kritzinger, 81<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*290 Mit dem Munde gibt er, aber die Hände halten's fest.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sailer, 105.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*291 Mit dem Munde psalmiren und mit dem Herzen sponsiren.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Munden til gud, hiertet til penge. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 420.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*292 Mund hol't Verbum.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schütze, III, 120.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Pflegt man zu sich selbst zu sagen, um sich Schweigen aufzulegen und reinen Mund zu halten.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*293 Nimm den Mund nicht zu voll!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Gegen die Grossprahler, Lügner, auch Lobhudler.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*294 Nu hollt de Mund Fierabend.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schütze, I, 14.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Nun hat der Mund Feierabend. Nun gibt's nichts zu essen mehr. Auch: Mit der Wirthschaft ist's aus, Küche und Keller sind leer.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*295 Reinen Mund halten.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 4343; Braun, I, 2798.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein anvertrautes Geheimniss verschweigen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il faut avoir bouche cousuë. (<hi rendition="#i">Kritzinger, 81<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*296 Sein Mund gibt und hilft allzeit, die Hände nie.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 4342<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*297 Sein Mund heilt, was er anrührt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Votre bouche guerit ce qu'elle touche. (<hi rendition="#i">Kritzinger, 80<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: La vostra bocca sana quel che tocca.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*298 Sein Mund ist gern feucht wie ein Badeschwamm.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 1749.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*299 Sein Mund ist (für immer) geschlossen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Zijn mond is gesloten. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 100<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*300 Sein Mund ist kein Evangelium.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Man darf ihm nicht alles glauben.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*301 Sein Mund kostet ihm nichts.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Von einem, der auf anderer Leute Kosten lebt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*302 Sein Mund sagt es, aber sein Herz weiss nichts davon.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il dit cela de bouche mais le coeur n'y touche. (<hi rendition="#i">Leroux, I, 138.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*303 Sein Mund thut mehr als seine Hände.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Sterk in den mond en zwak in de handen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 100<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><cb n="778"/>
*304 Seinen Mund auf etwas spitzen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Hij spitst er den mond op. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 99<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*305 Sich etwas am Munde abdarben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*306 Spöl di de Mund ut!</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Dähnert, 316<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">D. i. schäme dich solch schmuziger, unflätiger Rede.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*307 Vom Mund auf in den Himmel fahren (kommen).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 476; Schöpf, 264.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#i">Baumgarten,</hi> der dieselbe Redensart aus Oberösterreich mittheilt, bemerkt dazu: &#x201E;Also gleich, ohne Aufenthalt im Fegfeuer, weil die Seele als durch den Mund dem Körper entfliehend gedacht wird.&#x201C; Im Innviertel gibt man einer solchen Person Grüsse an den &#x201E;lieben Herrgott&#x201C;, an &#x201E;unsere liebe Frau&#x201C;, an die Engel und Heiligen, an Freunde, Verwandte und Bekannte mit. &#x201E;Vom Munde auf in den Himmel&#x201C; kommen z. B. die Krieger, die auf dem Schlachtfelde fallen, auch Frauen, wenn sie während des Wochenbetts sterben. (Vgl. auch <hi rendition="#i">Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des tiroler Volks., S. 3, 8.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*308 Von Mund auff gen Himmel fahren, gleichwie eine Kuh ins Maussloch.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Breuning, 93.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*309 Wäre ihr Mund nicht von lebendigem Leder, er wäre schon lange alle (abgenutzt).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*310 Wäre ihr Mund von Maschen, er wäre schon längst zerwaschen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*311 Was er in den Mund kriegt, das beisst er ab.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*312 Wenn sein Mund schwiege, so würde sein Hinterer reden.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Burckhardt, 580.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Der vollendete, nicht zu ermüdende Schwätzer.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*313 Wenn sein Mund still steht, bekommt er's Fieber.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*314 Wenn sich sein Mund bewegt, kommen Sprichwörter heraus.</hi> (<hi rendition="#i">Surinam.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*315 Wî könnt hîr äwwer mett'n dreugen Munne<hi rendition="#sup">1</hi> nich sitten.</hi> (<hi rendition="#i">Lippe.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Trockenem Munde.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*316 Wie aus Einem Munde.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 476.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Z. B. jemand loben, verdammen, wählen, verwerfen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mundbissen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Nur einen Mundbissen (davon) nehmen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Ich hatte nur einen Mundbissen genommen, als ich über Feld ging.&#x201C;</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mündchen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Es Mündschi ohni Bart, e Suppe-n ohni Schmalz.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 113.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Mundje, wat spreckst du, Hartje, wat denkst du?</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Kern, 484.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">So fragt man sich, wenn man Leute antrifft, deren Denken nicht mit ihrem Reden übereinstimmt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Mündken, wat büt, Mündken, wat genüt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 7155; Körte, 4335; Körte<hi rendition="#sup">2</hi>, 5447.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn man uns einladende Speise darbietet, so geniessen wir sie, selbst dann, wenn wir nicht gerade Hunger haben.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Mündken, wat seggst'e, Heartke, wat denkste?</hi> (<hi rendition="#i">Westf.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Dat Mündken in't Püntken setten.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Danneil, 164; Richey, 195; Schütze, III, 245.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Einen spitzen Mund, auch Jungfernmund, machen; bei Kindern oder erwachsenen Mädchen mit dem Nebenbegriff der Eitelkeit.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*6 En brav Munje hebb'n.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eichwald, 1349.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mündelgelder.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Die Mündelgelder schröpfen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 84.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Sie veruntreuen, zum eigenen Vortheil verwenden. (<hi rendition="#i">Judas der Erzschelm, I.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Munden.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Oft wohl gemundet, oft übel geschlundet.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mündig.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Er ist schon mündig wie der Hund, wenn er den Fuss hebt und in die Stube pisst.</hi> (<hi rendition="#i">Mockrau bei Graudenz.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Von einem, der gut reden kann.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Zij is mondig, en kan haren snater wel roeren. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 180<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mundingen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Die von Mundingen lassen den Oeschhei (Bannwart) auf einer Bahre tragen, dass er nicht das Korn zertrete.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 477.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Die von Mundingen stehen ihrem Kukuk in Nöthen bei und lohnen die, so der Gemeinde dienen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 477; Reinsberg V, 94.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein Bauer aus Mundingen, der vom ehinger Markte nach Hause ritt, hörte nämlich an der Grenze seines
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[389]/0403] *278 Hä stipp (stützt) singe Munk m'em Hölzchen op. (S. Nackt.) (Köln.) – Firmenich, I, 473, 89. Um von jemand zu sagen, dass er nichts zu essen hat. *279 He deit den Mund (oder: dat Mûl) wît âpen. – Schütze, I, 6. Er fordert viel Geld dafür. *280 He hett alltît (allzeit) den Mund baven (oberhalb) 't Wâter. (Ostfries.) – Bueren, 660; Eichwald, 1384; Frommann, V, 430, 542; Kern, 509. Wenn jemand gar nicht zum Schweigen zu bringen ist. (S. Niffke.) *281 He hett't in de Mund as de Häkster 't in de Stêrt. – Kern, 506. Seine Zunge ist beweglich wie der Schwanz einer Elster. *282 He hett't in Mund as 'n Kattekerken (Ekerken) in'n Stêrt. – Eichwald, 1347; Frommann, V, 430, 533; Goldschmidt, 97. Er hat's im Munde, wie das Eichkätzchen in dem Schwanz. Der Vielsprecher, der Grossprahler. Dem Oldenburger ist nichts so sehr zuwider als Geschwätzigkeit. (Vgl. Goldschmidt, 97.) *283 He seggt dat up sinen beslâten Mund. (Mecklenburg.) Er redet ihm das im Tode nach. *284 Ihr Mund steht nie still, wie eine Klappermühle. *285 Ja, mit dem Munde. Sagt man von Leuten, die in Worten grosse Dinge thun. Die Niederschlesische Zeitung (Görlitz 1865, Nr. 306) berichtet übrigens von einem jungen, ohne Arme geborenen Mädchen, das dort in den Tagen vom 30. December ab sich zeigte und im Stande gewesen sei, ohne jede fremde Hülfe lediglich mit dem Munde alle weiblichen Arbeiten, als Sticken, Nähen, Häkeln, Steppen, selbst das Zuschneiden von Kleidern auszuführen, wobei es das Einfädeln feiner Nadeln, das Knüpfen von Knoten selbst besorgte. *286 Man hat's ihm in den Mund gelegt. Holl.: Hij geeft het hem in den mond. (Harrebomée, II, 98.) *287 Man kann ihren Mund mit einer Flaumfeder öffnen, aber mit keiner Beisszange schliessen. Holl.: Men kan hem den mond met een paardenhaar openmaken, maar met geen kabeltoow weêr sluiten. (Harrebomée, II, 99b.) *288 Man wird ihm den Mund sauber halten. Er wird nicht viel davon bekommen. *289 Mein Mund soll duften und seiner stinken. Frz.: Que ma bouche sente bon et que la tienne puë. (Kritzinger, 81b.) *290 Mit dem Munde gibt er, aber die Hände halten's fest. – Sailer, 105. *291 Mit dem Munde psalmiren und mit dem Herzen sponsiren. Dän.: Munden til gud, hiertet til penge. (Prov. dan., 420.) *292 Mund hol't Verbum. – Schütze, III, 120. Pflegt man zu sich selbst zu sagen, um sich Schweigen aufzulegen und reinen Mund zu halten. *293 Nimm den Mund nicht zu voll! Gegen die Grossprahler, Lügner, auch Lobhudler. *294 Nu hollt de Mund Fierabend. – Schütze, I, 14. Nun hat der Mund Feierabend. Nun gibt's nichts zu essen mehr. Auch: Mit der Wirthschaft ist's aus, Küche und Keller sind leer. *295 Reinen Mund halten. – Körte, 4343; Braun, I, 2798. Ein anvertrautes Geheimniss verschweigen. Frz.: Il faut avoir bouche cousuë. (Kritzinger, 81a.) *296 Sein Mund gibt und hilft allzeit, die Hände nie. – Körte, 4342a. *297 Sein Mund heilt, was er anrührt. Frz.: Votre bouche guerit ce qu'elle touche. (Kritzinger, 80b.) It.: La vostra bocca sana quel che tocca. *298 Sein Mund ist gern feucht wie ein Badeschwamm. – Parömiakon, 1749. *299 Sein Mund ist (für immer) geschlossen. Holl.: Zijn mond is gesloten. (Harrebomée, II, 100b.) *300 Sein Mund ist kein Evangelium. Man darf ihm nicht alles glauben. *301 Sein Mund kostet ihm nichts. Von einem, der auf anderer Leute Kosten lebt. *302 Sein Mund sagt es, aber sein Herz weiss nichts davon. Frz.: Il dit cela de bouche mais le coeur n'y touche. (Leroux, I, 138.) *303 Sein Mund thut mehr als seine Hände. Holl.: Sterk in den mond en zwak in de handen. (Harrebomée, I, 100a.) *304 Seinen Mund auf etwas spitzen. Holl.: Hij spitst er den mond op. (Harrebomée, II, 99a.) *305 Sich etwas am Munde abdarben. *306 Spöl di de Mund ut! – Dähnert, 316a. D. i. schäme dich solch schmuziger, unflätiger Rede. *307 Vom Mund auf in den Himmel fahren (kommen). – Eiselein, 476; Schöpf, 264. Baumgarten, der dieselbe Redensart aus Oberösterreich mittheilt, bemerkt dazu: „Also gleich, ohne Aufenthalt im Fegfeuer, weil die Seele als durch den Mund dem Körper entfliehend gedacht wird.“ Im Innviertel gibt man einer solchen Person Grüsse an den „lieben Herrgott“, an „unsere liebe Frau“, an die Engel und Heiligen, an Freunde, Verwandte und Bekannte mit. „Vom Munde auf in den Himmel“ kommen z. B. die Krieger, die auf dem Schlachtfelde fallen, auch Frauen, wenn sie während des Wochenbetts sterben. (Vgl. auch Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des tiroler Volks., S. 3, 8.) *308 Von Mund auff gen Himmel fahren, gleichwie eine Kuh ins Maussloch. – Breuning, 93. *309 Wäre ihr Mund nicht von lebendigem Leder, er wäre schon lange alle (abgenutzt). *310 Wäre ihr Mund von Maschen, er wäre schon längst zerwaschen. *311 Was er in den Mund kriegt, das beisst er ab. *312 Wenn sein Mund schwiege, so würde sein Hinterer reden. – Burckhardt, 580. Der vollendete, nicht zu ermüdende Schwätzer. *313 Wenn sein Mund still steht, bekommt er's Fieber. *314 Wenn sich sein Mund bewegt, kommen Sprichwörter heraus. (Surinam.) *315 Wî könnt hîr äwwer mett'n dreugen Munne1 nich sitten. (Lippe.) 1) Trockenem Munde. *316 Wie aus Einem Munde. – Eiselein, 476. Z. B. jemand loben, verdammen, wählen, verwerfen. Mundbissen. * Nur einen Mundbissen (davon) nehmen. „Ich hatte nur einen Mundbissen genommen, als ich über Feld ging.“ Mündchen. 1 Es Mündschi ohni Bart, e Suppe-n ohni Schmalz. – Sutermeister, 113. 2 Mundje, wat spreckst du, Hartje, wat denkst du? – Kern, 484. So fragt man sich, wenn man Leute antrifft, deren Denken nicht mit ihrem Reden übereinstimmt. 3 Mündken, wat büt, Mündken, wat genüt. – Simrock, 7155; Körte, 4335; Körte2, 5447. Wenn man uns einladende Speise darbietet, so geniessen wir sie, selbst dann, wenn wir nicht gerade Hunger haben. 4 Mündken, wat seggst'e, Heartke, wat denkste? (Westf.) *5 Dat Mündken in't Püntken setten. – Danneil, 164; Richey, 195; Schütze, III, 245. Einen spitzen Mund, auch Jungfernmund, machen; bei Kindern oder erwachsenen Mädchen mit dem Nebenbegriff der Eitelkeit. *6 En brav Munje hebb'n. – Eichwald, 1349. Mündelgelder. * Die Mündelgelder schröpfen. – Parömiakon, 84. Sie veruntreuen, zum eigenen Vortheil verwenden. (Judas der Erzschelm, I.) Munden. Oft wohl gemundet, oft übel geschlundet. Mündig. * Er ist schon mündig wie der Hund, wenn er den Fuss hebt und in die Stube pisst. (Mockrau bei Graudenz.) Von einem, der gut reden kann. Holl.: Zij is mondig, en kan haren snater wel roeren. (Harrebomée, II, 180b.) Mundingen. 1 Die von Mundingen lassen den Oeschhei (Bannwart) auf einer Bahre tragen, dass er nicht das Korn zertrete. – Eiselein, 477. 2 Die von Mundingen stehen ihrem Kukuk in Nöthen bei und lohnen die, so der Gemeinde dienen. – Eiselein, 477; Reinsberg V, 94. Ein Bauer aus Mundingen, der vom ehinger Markte nach Hause ritt, hörte nämlich an der Grenze seines

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:39:28Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:39:28Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/403
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873, S. [389]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/403>, abgerufen am 20.10.2020.