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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873.

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*1279 Es sind zwei Narren unter Einer Decke.

Holl.: Daar steken twee zotten onder eene kaproen. (Harrebomee, II, 510a.)

*1280 Gelehrte Narren schinden. - Murner, Nb., 4.

"Wenn ich ein g'lerten Narren hab, so erschrickt mein Seel und Leib darab. Mit Worten halt ja allzeit huss, darumb ich auch sie schinden muss." (Kloster, IV, 632.)

*1281 Hab' ich mit einem Narren zu thun?

Frz.: Ai-je a faire a un sot? (Kritzinger, 48a.)

*1282 Ich bin nit jedermanns Narr.

Lat.: Non omnibus dormio. (Cicero.) (Chaos, 948.)

*1283 Ich weil oller Welt a Norr sein, wenn 's nig woar is. (Schles.) - Frommann, III, 410, 408; Gomolcke, 590.

*1284 Ich will einmal den Narren laufen lassen. (Altenburg.)

Ich will einmal so thöricht sein, dies oder jenes zu thun, zu kaufen.

*1285 Ich will (euch) keinen Narren machen.

*1286 Jemand zum Narren machen.

Ihn verleiten, ungereimte Dinge zu thun oder zu glauben.

*1287 Jedermanns Narr sein. (S. Fusshader) - Mathesy, 215a.

*1288 Jo, Noadn hod 's gregnt. (Steiermark.) - Firmenich, II, 770, 160.

Ja, Narren hat es geregnet. Als Antwort auf eine abzuschlagende Bitte.

*1289 Man kann dies nicht jedem Narren sagen.

*1290 Man muss die Narren also äffen. - Franck, I, 121b.

*1291 Meinst du einen Narren vor dir zu haben?

Holl.: Meent gij malle lieden of kinderen voor te hebben. (Harrebomee, II, 25.)

*1292 Mejisch1 Narr mit sieben Kapplen2. (Warschau.)

1) Diminutiv vom Namen Mejir.

2) Kappen. Judisch-deutsch von possirlichen Menschen gebraucht, und beruht wol auf einer Anekdote.

*1293 Mid äm a Norren schtächa. - Peter, 451.

Einen zum Besten haben.

*1294 Narren säen. - Murner, Nb., 3.

"Wer da lehrnet, dass nie was gut, vnd predigt, das er selb nit thut, der ärgert manchen frummen Mann vnd fahet narren säen an." (Kloster, IV, 629.)

*1295 Narren vber eyr setzen. - Franck, II, 51b, 87a u. 96b; Egenolff, 294b; Lehmann, 817, 12; Körte, 4460; Schottel, 1120b.

Zur Bezeichnung von ungereimtem, verkehrtem Thun hat man auch die Redensarten: Mit einem alten Weibe Hasen jagen. Aus einer Muschel einen Jakobsmantel, aus einer Igelshaut ein Kissen, aus einem Storchnest einen Gänsehut, aus einer Pflugschar ein Fischergarn machen. Das Ross beim Hintern zäumen. Die Kirche ums Dorf gehen lassen. Die Säue scheren. Die Schafe brühen, sengen. Mit einem Hasengarn Mücken fangen. Den Glockenklang malen. Die Schuh an die Hände legen. Den Ochsen satteln. Dem Esel einen Bischofshut aufsetzen. Dem Hasen Hörner aufsetzen. Den Gänsen einen Schleier geben oder Pantoffeln anziehen. Einen Aal auf den Knien zerbrechen. Die Sonnenuhr unter Dach bringen. (S. Holz 331.)

Lat.: Bove venari leporem. - Feli crocoton addis. - Non est consultum, super ova ponere stultum.

*1296 Noarren hoat's g'regn't, gscheide Leut hoat's tröpfelt.

Der erste Theil ist Ausdruck des Befremdens; in Verbindung mit der andern Hälfte meist ironisch, satirisch.

*1297 Schick' den Narren weiter. (Nürtingen.)

Mit der gewöhnlichen Eingangsformel: "Da heisst's auch"; meist gebraucht bei Abspeisung eines Fragenden; auch wenn einer nichts ausrichtet.

*1298 Sie hat einen Narren an ihm gefressen.

Hat sich in ihn verliebt.

Frz.: Elle est affolee de lui. (Kritzinger, 13b.)

*1299 So gäb's noch mehr Narren. (Rottenburg.)

Die das dabei verdienen oder gewinnen wollten.

*1300 So gewinnt's ein Narr dem Doctor ab. - Eiselein, 488; Birlinger, 388.

Wenn jemand den andern leichten Kaufs überlistet.

*1301 So mus man Narrn die kolben lausen. - Joh. Römoldt von K. Goedeke in der Zeitschrift für Niedersachsen, 1852, S. 333.

*1302 Solche Narren gibt's unter den Tannen auch. (Wien.)

Mit Bezug auf Tannzapfen.

*1303 Solche Narren würd' es mehr geben.

Wenn jemand zu seinem Vortheil einen guten Griff thut oder Forderungen und Bedingungen stellt.

Holl.: Zulke gekken zullen er wel meer zijn. (Harrebomee, I, 216a.)

[Spaltenumbruch] *1304 Suche dir einen andern Narren.

Lat.: Quaere peregrinum, vicinia rauca reclamat. (Horaz.) (Faselius, 212; Kruse, 867; Wiegand, 537; Binder II, 2709.)

*1305 Und er soll dein Narr sein. - Meisner, 86.

*1306 War a Norr wär und ging oich oan. - (Gomolcke, 1067.)

*1307 Was soll dem Narren Geld! (Witz!)

Engl.: A fool and his money are soon parted. - A fool's bolt is soon shot.

*1308 Wenn er einen Narren sucht, darf er blos in den Spiegel sehen.

Holl.: Hij zoekt een' nar; maar zoo hij in den spiegel kijkt, zal hij er een' vinden. (Harrebomee, II, 117a.)

*1309 Wenn ihr einen Narren wollt, lasst euch einen drechseln. - Auerbach, Dorfgeschichten, V, 142.

Eine Anzahl Sprichwörter von Narren finden sich in K. F. Flögel's Geschichte der Hofnarren, Leipzig 1789, S. 74-76. Ein Register der Narreteisprichwörter steht in Saphir's Humoristischer Perlenschnur (Stuttgart 1836, Bdchn. 1).


Narragonien.

1 Aus Narragonien kommt man leicht nach Schelmenheim.

Die Russen: Wenn man aus einem Narren etwas machen kann, so macht man einen Schelm aus ihm (Altmann VI, 494.)

2 Wer nach Narragonien reist, der muss in Narrenheim zu Hause sein.


Narren (Verb.).

1 Es ist besser genarret, denn gemordet. - Henisch, 323, 13.

2 Es liegt nicht am Narren, sondern am Scharren.

3 Es will einmal genarret sein, wer nicht narrt in der Jugend, der narrt im Alter. - Henisch, 846, 11; Petri, III, 6.

Lat.: Semel insanivimus omnes. (Binder I, 3059; Schonheim, S, 11; Sutor, 924.)

4 Hastu genarret vnnd zu hofe gefaren vnnd böses vorgehabt, so lege die hand auffs Maul. - Agricola II, 213.

5 Narren zu rechter Zeit ist grosse Klugheit.

Dän.: Det er viisdom undertiden, at anstille sig gal. (Prov. dan., 563.)

Schwed.: Narras i tijd är stor klokheet. (Grubb, 563.) - När narrar narsk? bland wijsa wara wijs, sig skickar bäst och winner wijsdombs prijs. (Törning, 116.)

6 Wer denkt, enen annern to narren, de narret sick sülwest. (Lippe.)

Der macht sich selbst zum Narren, der andere narren will.

7 Wer g'narret hat, der narr nicht mehr. - Froschm., K. k.iiiib; Petri, II, 711.

8 Wer nicht narren kann, dass es rechtschaffen genarret vnd gethoret heisse, der lass es nur anstehen. - Petri, II, 742.


Närren.

* Närren wie ein Hund. - Mathesy, 215a.


Narrenader.

Jeder hat seine Narrenader. - Schlechta, 458.


Narrenantwort.

Ein Narren antwort bringt schaden. - Petri, II, 216.


Narrenbad.

Ein Narrenbad wäre Deutschland ohne Schad'.


Narrenbart.

Am Narrenbart lernt man scheren.


Narrenbaum.

Jeder trägt vom Narrenbaum ein Reis.


Narrenberg.

1 Was geht mich Narrenberg an, wenn ich kein Haus dort habe! - Blass, 22.

*2 Er heisst Herr von Narrenberg. - Eiselein, 488.


Narrenbolzen.

Narrenbolzen sind bald verschossen.


Narrenbrot.

* Er hat des Narrenbrots zu viel gefressen. - Facet., 444.


Narrenbuch.

* Man muss ihn (es) ins Narrenbuch von Stockach schreiben. - Kirchhofer, 151; Eiselein, 580; Simrock, 9918.

Von einem Menschen, der eine alberne oder unbesonnene Sache beginnt, sowie von der Sache selbst,

[Spaltenumbruch]

*1279 Es sind zwei Narren unter Einer Decke.

Holl.: Daar steken twee zotten onder ééne kaproen. (Harrebomée, II, 510a.)

*1280 Gelehrte Narren schinden.Murner, Nb., 4.

„Wenn ich ein g'lerten Narren hab, so erschrickt mein Seel und Leib darab. Mit Worten halt ja allzeit huss, darumb ich auch sie schinden muss.“ (Kloster, IV, 632.)

*1281 Hab' ich mit einem Narren zu thun?

Frz.: Ai-je à faire a un sot? (Kritzinger, 48a.)

*1282 Ich bin nit jedermanns Narr.

Lat.: Non omnibus dormio. (Cicero.) (Chaos, 948.)

*1283 Ich wîl oller Welt a Norr sein, wenn 's nig woar is. (Schles.) – Frommann, III, 410, 408; Gomolcke, 590.

*1284 Ich will einmal den Narren laufen lassen. (Altenburg.)

Ich will einmal so thöricht sein, dies oder jenes zu thun, zu kaufen.

*1285 Ich will (euch) keinen Narren machen.

*1286 Jemand zum Narren machen.

Ihn verleiten, ungereimte Dinge zu thun oder zu glauben.

*1287 Jedermanns Narr sein. (S. Fusshader) – Mathesy, 215a.

*1288 Jo, Noadn hod 's gregnt. (Steiermark.) – Firmenich, II, 770, 160.

Ja, Narren hat es geregnet. Als Antwort auf eine abzuschlagende Bitte.

*1289 Man kann dies nicht jedem Narren sagen.

*1290 Man muss die Narren also äffen.Franck, I, 121b.

*1291 Meinst du einen Narren vor dir zu haben?

Holl.: Meent gij malle lieden of kinderen voor te hebben. (Harrebomée, II, 25.)

*1292 Mejisch1 Narr mit sieben Kapplen2. (Warschau.)

1) Diminutiv vom Namen Mejir.

2) Kappen. Judisch-deutsch von possirlichen Menschen gebraucht, und beruht wol auf einer Anekdote.

*1293 Mid äm a Norren schtächa.Peter, 451.

Einen zum Besten haben.

*1294 Narren säen.Murner, Nb., 3.

„Wer da lehrnet, dass nie was gut, vnd predigt, das er selb nit thut, der ärgert manchen frummen Mann vnd fahet narren säen an.“ (Kloster, IV, 629.)

*1295 Narren vber eyr setzen.Franck, II, 51b, 87a u. 96b; Egenolff, 294b; Lehmann, 817, 12; Körte, 4460; Schottel, 1120b.

Zur Bezeichnung von ungereimtem, verkehrtem Thun hat man auch die Redensarten: Mit einem alten Weibe Hasen jagen. Aus einer Muschel einen Jakobsmantel, aus einer Igelshaut ein Kissen, aus einem Storchnest einen Gänsehut, aus einer Pflugschar ein Fischergarn machen. Das Ross beim Hintern zäumen. Die Kirche ums Dorf gehen lassen. Die Säue scheren. Die Schafe brühen, sengen. Mit einem Hasengarn Mücken fangen. Den Glockenklang malen. Die Schuh an die Hände legen. Den Ochsen satteln. Dem Esel einen Bischofshut aufsetzen. Dem Hasen Hörner aufsetzen. Den Gänsen einen Schleier geben oder Pantoffeln anziehen. Einen Aal auf den Knien zerbrechen. Die Sonnenuhr unter Dach bringen. (S. Holz 331.)

Lat.: Bove venari leporem. – Feli crocoton addis. – Non est consultum, super ova ponere stultum.

*1296 Noarren hoat's g'regn't, gscheide Leut hoat's tröpfelt.

Der erste Theil ist Ausdruck des Befremdens; in Verbindung mit der andern Hälfte meist ironisch, satirisch.

*1297 Schick' den Narren weiter. (Nürtingen.)

Mit der gewöhnlichen Eingangsformel: „Da heisst's auch“; meist gebraucht bei Abspeisung eines Fragenden; auch wenn einer nichts ausrichtet.

*1298 Sie hat einen Narren an ihm gefressen.

Hat sich in ihn verliebt.

Frz.: Elle est affolée de lui. (Kritzinger, 13b.)

*1299 So gäb's noch mehr Narren. (Rottenburg.)

Die das dabei verdienen oder gewinnen wollten.

*1300 So gewinnt's ein Narr dem Doctor ab.Eiselein, 488; Birlinger, 388.

Wenn jemand den andern leichten Kaufs überlistet.

*1301 So mus man Narrn die kolben lausen.Joh. Römoldt von K. Goedeke in der Zeitschrift für Niedersachsen, 1852, S. 333.

*1302 Solche Narren gibt's unter den Tannen auch. (Wien.)

Mit Bezug auf Tannzapfen.

*1303 Solche Narren würd' es mehr geben.

Wenn jemand zu seinem Vortheil einen guten Griff thut oder Forderungen und Bedingungen stellt.

Holl.: Zulke gekken zullen er wel meer zijn. (Harrebomée, I, 216a.)

[Spaltenumbruch] *1304 Suche dir einen andern Narren.

Lat.: Quaere peregrinum, vicinia rauca reclamat. (Horaz.) (Faselius, 212; Kruse, 867; Wiegand, 537; Binder II, 2709.)

*1305 Und er soll dein Narr sein.Meisner, 86.

*1306 War a Norr wär und ging oich oan. – (Gomolcke, 1067.)

*1307 Was soll dem Narren Geld! (Witz!)

Engl.: A fool and his money are soon parted. – A fool's bolt is soon shot.

*1308 Wenn er einen Narren sucht, darf er blos in den Spiegel sehen.

Holl.: Hij zoekt een' nar; maar zoo hij in den spiegel kijkt, zal hij er een' vinden. (Harrebomée, II, 117a.)

*1309 Wenn ihr einen Narren wollt, lasst euch einen drechseln.Auerbach, Dorfgeschichten, V, 142.

Eine Anzahl Sprichwörter von Narren finden sich in K. F. Flögel's Geschichte der Hofnarren, Leipzig 1789, S. 74-76. Ein Register der Narreteisprichwörter steht in Saphir's Humoristischer Perlenschnur (Stuttgart 1836, Bdchn. 1).


Narragonien.

1 Aus Narragonien kommt man leicht nach Schelmenheim.

Die Russen: Wenn man aus einem Narren etwas machen kann, so macht man einen Schelm aus ihm (Altmann VI, 494.)

2 Wer nach Narragonien reist, der muss in Narrenheim zu Hause sein.


Narren (Verb.).

1 Es ist besser genarret, denn gemordet.Henisch, 323, 13.

2 Es liegt nicht am Narren, sondern am Scharren.

3 Es will einmal genarret sein, wer nicht narrt in der Jugend, der narrt im Alter.Henisch, 846, 11; Petri, III, 6.

Lat.: Semel insanivimus omnes. (Binder I, 3059; Schonheim, S, 11; Sutor, 924.)

4 Hastu genarret vnnd zu hofe gefaren vnnd böses vorgehabt, so lege die hand auffs Maul.Agricola II, 213.

5 Narren zu rechter Zeit ist grosse Klugheit.

Dän.: Det er viisdom undertiden, at anstille sig gal. (Prov. dan., 563.)

Schwed.: Narras i tijd är stor klokheet. (Grubb, 563.) – När narrar narsk? bland wijsa wara wijs, sig skickar bäst och winner wijsdombs prijs. (Törning, 116.)

6 Wer denkt, ênen annern to narren, de narret sick sülwest. (Lippe.)

Der macht sich selbst zum Narren, der andere narren will.

7 Wer g'narret hat, der narr nicht mehr.Froschm., K. k.iiiib; Petri, II, 711.

8 Wer nicht narren kann, dass es rechtschaffen genarret vnd gethoret heisse, der lass es nur anstehen.Petri, II, 742.


Närren.

* Närren wie ein Hund.Mathesy, 215a.


Narrenader.

Jeder hat seine Narrenader.Schlechta, 458.


Narrenantwort.

Ein Narren antwort bringt schaden.Petri, II, 216.


Narrenbad.

Ein Narrenbad wäre Deutschland ohne Schad'.


Narrenbart.

Am Narrenbart lernt man scheren.


Narrenbaum.

Jeder trägt vom Narrenbaum ein Reis.


Narrenberg.

1 Was geht mich Narrenberg an, wenn ich kein Haus dort habe!Blass, 22.

*2 Er heisst Herr von Narrenberg.Eiselein, 488.


Narrenbolzen.

Narrenbolzen sind bald verschossen.


Narrenbrot.

* Er hat des Narrenbrots zu viel gefressen.Facet., 444.


Narrenbuch.

* Man muss ihn (es) ins Narrenbuch von Stockach schreiben.Kirchhofer, 151; Eiselein, 580; Simrock, 9918.

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[[468]/0482] *1279 Es sind zwei Narren unter Einer Decke. Holl.: Daar steken twee zotten onder ééne kaproen. (Harrebomée, II, 510a.) *1280 Gelehrte Narren schinden. – Murner, Nb., 4. „Wenn ich ein g'lerten Narren hab, so erschrickt mein Seel und Leib darab. Mit Worten halt ja allzeit huss, darumb ich auch sie schinden muss.“ (Kloster, IV, 632.) *1281 Hab' ich mit einem Narren zu thun? Frz.: Ai-je à faire a un sot? (Kritzinger, 48a.) *1282 Ich bin nit jedermanns Narr. Lat.: Non omnibus dormio. (Cicero.) (Chaos, 948.) *1283 Ich wîl oller Welt a Norr sein, wenn 's nig woar is. (Schles.) – Frommann, III, 410, 408; Gomolcke, 590. *1284 Ich will einmal den Narren laufen lassen. (Altenburg.) Ich will einmal so thöricht sein, dies oder jenes zu thun, zu kaufen. *1285 Ich will (euch) keinen Narren machen. *1286 Jemand zum Narren machen. Ihn verleiten, ungereimte Dinge zu thun oder zu glauben. *1287 Jedermanns Narr sein. (S. Fusshader) – Mathesy, 215a. *1288 Jo, Noadn hod 's gregnt. (Steiermark.) – Firmenich, II, 770, 160. Ja, Narren hat es geregnet. Als Antwort auf eine abzuschlagende Bitte. *1289 Man kann dies nicht jedem Narren sagen. *1290 Man muss die Narren also äffen. – Franck, I, 121b. *1291 Meinst du einen Narren vor dir zu haben? Holl.: Meent gij malle lieden of kinderen voor te hebben. (Harrebomée, II, 25.) *1292 Mejisch1 Narr mit sieben Kapplen2. (Warschau.) 1) Diminutiv vom Namen Mejir. 2) Kappen. Judisch-deutsch von possirlichen Menschen gebraucht, und beruht wol auf einer Anekdote. *1293 Mid äm a Norren schtächa. – Peter, 451. Einen zum Besten haben. *1294 Narren säen. – Murner, Nb., 3. „Wer da lehrnet, dass nie was gut, vnd predigt, das er selb nit thut, der ärgert manchen frummen Mann vnd fahet narren säen an.“ (Kloster, IV, 629.) *1295 Narren vber eyr setzen. – Franck, II, 51b, 87a u. 96b; Egenolff, 294b; Lehmann, 817, 12; Körte, 4460; Schottel, 1120b. Zur Bezeichnung von ungereimtem, verkehrtem Thun hat man auch die Redensarten: Mit einem alten Weibe Hasen jagen. Aus einer Muschel einen Jakobsmantel, aus einer Igelshaut ein Kissen, aus einem Storchnest einen Gänsehut, aus einer Pflugschar ein Fischergarn machen. Das Ross beim Hintern zäumen. Die Kirche ums Dorf gehen lassen. Die Säue scheren. Die Schafe brühen, sengen. Mit einem Hasengarn Mücken fangen. Den Glockenklang malen. Die Schuh an die Hände legen. Den Ochsen satteln. Dem Esel einen Bischofshut aufsetzen. Dem Hasen Hörner aufsetzen. Den Gänsen einen Schleier geben oder Pantoffeln anziehen. Einen Aal auf den Knien zerbrechen. Die Sonnenuhr unter Dach bringen. (S. Holz 331.) Lat.: Bove venari leporem. – Feli crocoton addis. – Non est consultum, super ova ponere stultum. *1296 Noarren hoat's g'regn't, gscheide Leut hoat's tröpfelt. Der erste Theil ist Ausdruck des Befremdens; in Verbindung mit der andern Hälfte meist ironisch, satirisch. *1297 Schick' den Narren weiter. (Nürtingen.) Mit der gewöhnlichen Eingangsformel: „Da heisst's auch“; meist gebraucht bei Abspeisung eines Fragenden; auch wenn einer nichts ausrichtet. *1298 Sie hat einen Narren an ihm gefressen. Hat sich in ihn verliebt. Frz.: Elle est affolée de lui. (Kritzinger, 13b.) *1299 So gäb's noch mehr Narren. (Rottenburg.) Die das dabei verdienen oder gewinnen wollten. *1300 So gewinnt's ein Narr dem Doctor ab. – Eiselein, 488; Birlinger, 388. Wenn jemand den andern leichten Kaufs überlistet. *1301 So mus man Narrn die kolben lausen. – Joh. Römoldt von K. Goedeke in der Zeitschrift für Niedersachsen, 1852, S. 333. *1302 Solche Narren gibt's unter den Tannen auch. (Wien.) Mit Bezug auf Tannzapfen. *1303 Solche Narren würd' es mehr geben. Wenn jemand zu seinem Vortheil einen guten Griff thut oder Forderungen und Bedingungen stellt. Holl.: Zulke gekken zullen er wel meer zijn. (Harrebomée, I, 216a.) *1304 Suche dir einen andern Narren. Lat.: Quaere peregrinum, vicinia rauca reclamat. (Horaz.) (Faselius, 212; Kruse, 867; Wiegand, 537; Binder II, 2709.) *1305 Und er soll dein Narr sein. – Meisner, 86. *1306 War a Norr wär und ging oich oan. – (Gomolcke, 1067.) *1307 Was soll dem Narren Geld! (Witz!) Engl.: A fool and his money are soon parted. – A fool's bolt is soon shot. *1308 Wenn er einen Narren sucht, darf er blos in den Spiegel sehen. Holl.: Hij zoekt een' nar; maar zoo hij in den spiegel kijkt, zal hij er een' vinden. (Harrebomée, II, 117a.) *1309 Wenn ihr einen Narren wollt, lasst euch einen drechseln. – Auerbach, Dorfgeschichten, V, 142. Eine Anzahl Sprichwörter von Narren finden sich in K. F. Flögel's Geschichte der Hofnarren, Leipzig 1789, S. 74-76. Ein Register der Narreteisprichwörter steht in Saphir's Humoristischer Perlenschnur (Stuttgart 1836, Bdchn. 1). Narragonien. 1 Aus Narragonien kommt man leicht nach Schelmenheim. Die Russen: Wenn man aus einem Narren etwas machen kann, so macht man einen Schelm aus ihm (Altmann VI, 494.) 2 Wer nach Narragonien reist, der muss in Narrenheim zu Hause sein. Narren (Verb.). 1 Es ist besser genarret, denn gemordet. – Henisch, 323, 13. 2 Es liegt nicht am Narren, sondern am Scharren. 3 Es will einmal genarret sein, wer nicht narrt in der Jugend, der narrt im Alter. – Henisch, 846, 11; Petri, III, 6. Lat.: Semel insanivimus omnes. (Binder I, 3059; Schonheim, S, 11; Sutor, 924.) 4 Hastu genarret vnnd zu hofe gefaren vnnd böses vorgehabt, so lege die hand auffs Maul. – Agricola II, 213. 5 Narren zu rechter Zeit ist grosse Klugheit. Dän.: Det er viisdom undertiden, at anstille sig gal. (Prov. dan., 563.) Schwed.: Narras i tijd är stor klokheet. (Grubb, 563.) – När narrar narsk? bland wijsa wara wijs, sig skickar bäst och winner wijsdombs prijs. (Törning, 116.) 6 Wer denkt, ênen annern to narren, de narret sick sülwest. (Lippe.) Der macht sich selbst zum Narren, der andere narren will. 7 Wer g'narret hat, der narr nicht mehr. – Froschm., K. k.iiiib; Petri, II, 711. 8 Wer nicht narren kann, dass es rechtschaffen genarret vnd gethoret heisse, der lass es nur anstehen. – Petri, II, 742. Närren. * Närren wie ein Hund. – Mathesy, 215a. Narrenader. Jeder hat seine Narrenader. – Schlechta, 458. Narrenantwort. Ein Narren antwort bringt schaden. – Petri, II, 216. Narrenbad. Ein Narrenbad wäre Deutschland ohne Schad'. Narrenbart. Am Narrenbart lernt man scheren. Narrenbaum. Jeder trägt vom Narrenbaum ein Reis. Narrenberg. 1 Was geht mich Narrenberg an, wenn ich kein Haus dort habe! – Blass, 22. *2 Er heisst Herr von Narrenberg. – Eiselein, 488. Narrenbolzen. Narrenbolzen sind bald verschossen. Narrenbrot. * Er hat des Narrenbrots zu viel gefressen. – Facet., 444. Narrenbuch. * Man muss ihn (es) ins Narrenbuch von Stockach schreiben. – Kirchhofer, 151; Eiselein, 580; Simrock, 9918. Von einem Menschen, der eine alberne oder unbesonnene Sache beginnt, sowie von der Sache selbst,

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873, S. [468]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/482>, abgerufen am 20.01.2021.