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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 4. Leipzig, 1876.

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Schipprine.

* Einen bei der Schipprine kriegen.

Unter den zahlreichen Ausdrücken, welche unsere Sprache für den Begriff "schlagen" besitzt und die gruppenweis an entsprechenden Orten aufgeführt sind (s. Schinken 20, Schlagen, Schmiere, Sitzer, Schwinderling, Wams) gehören noch folgende: Einem eins (oder etwas) anstreichen, an-, auswischen, eine Tracht Prügel u. s. w. aufzählen, an-, auf-, zumessen. Einem eins bachen (backen, in Schwaben Ohrfeigen geben), einem das Fell, den Hintern, den Rücken u. s. w. besehen, einem etwas eintränken, am Zeuge flicken. Einem seine (schwere) Hand, Faust, den Stock u. s. w. fühlen lassen. Mit einem nicht fackeln, nicht viel Federlesens, nicht Umstände machen (sondern gleich zuhauen). Einen mit der Ruthe u. s. w. kitzeln. Einem auf oder über das Fell, auf den Holster, das Rä, den Ränzel, den Rücken u. s. w. kommen. Einem den Prügel, die Ruthe, den Stock u. s. w. kosten lassen. Einen kriegen, einen bei der Kolbe (Polle) u. s. w. kriegen. Enen nig luren (niederdeutsch für: nicht närren); einem nichts vorspiegeln, einen derben Streich versetzen. Einem den Rücken messen. Einem eins mittheilen. Einem die Ohren reiben. Einem die Peitsche, die Ruthe, den Stock schmecken lassen. Einem auf das Koller (Collet), den Rücken steigen. Einen tanzen lassen. Enem den Ers umsäumen (niederdeutsch für: derb ausschlagen). Einem einen Hieb, Lungenhieb, Hieb übers ganze Gesicht u. s. w. versetzen. Einem den Pelz waschen. Enem bi de Ogen gahn un de hinstern tonageln (niederdeutsch für: ihn mit Fäusten ins Gesicht schlagen, dass er nicht aus den Augen sehen kann). (Vgl. Braunschweiger Magazin, 1813, S. 196.)


Scheir.

1 Dat eine mal scheir, dat andere mal en speir. - Schambach, II, 27.

Das eine mal schier, d. i. lauter, unvermischt, das andere mal ein bischen.

2 Einmal scheir un denn kein speir. - Schambach, II, 27.

Von Leuten, die, so lange sie Mittel haben, herrlich und in Freuden leben und, wenn sie erschöpft sind, am Hungertuche nagen.

*3 He is so scheir1, as wenn he ut'n Dege wöltert is. - Eichwald, 296; Kern, 944.

1) Klar, hell, rein, glatt, sauber, hübsch, ordentlich. (Vgl. Stürenburg, 216b.) - In ironischer Bedeutung.


Schirgel.

Schirgel bein Thor, host roth's Hor. (Oberösterreich.)

So ruft ein von einem andern verklagtes Kind dem Kläger zu. Schirgl = Scherge; der Scherge steht in der Regel vor dem Thore der Burg, des Schlosses, des Gerichtshauses. Rothes Haar erinnert an den Verräther Judas.


Schirks.

* Er ist ein rechter Schirks. (Friedland.)

Ein unbedeutendes Wesen.


Schirmgerechtigkeit.

Schirmgerechtigkeit macht keine Unterthänigkeit. (S. Schutzgerechtigkeit.) - Pistor., X, 78; Graf, 488, 48.


Schirren.

* Ich hoa mich g'scherrt ofa. (S. Schicht 1.) - Peter, 450.


Schischkebauer.

* Et sind Schischke-Baure. (Alt-Pillau.)

Schischkenbauern werden spottweis die Bewohner des Dorfes Methgethen im Samlande genannt. Schischken = Tannenzapfen.


Schiss.

1 A muar dat'm un Skitj rert, a doller stjonkt't. (Amrum.) - Haupt, VIII, 364, 216.

2 Am Schiss ist es zu sehen, was einer verschluckt hat.

Holl.: Men zal aan het sch .... wel zien, wie scheermessen gegeten heeft. (Harrebomee, II, 244b.)

3 En Schett un drei Bratberen (Bratbirnen) sin veir gue Happen (Bissen), segt Ahlborn. - (Hildesheim.) - Hoefer, 12.

4 En Schitt on en Schüt is en doppelder Forz. (Jerentowitz.)

5 Je mehr man in einen Schiss rührt, je toller er stinkt.

Je mehr man in einer hässlichen Sache rührt, darüber redet u. s. w., desto ekliger wird sie.

6 Je mehr Schid, je mehr Gold. (Rendsburg.)

Wird auch auf Gasthöfe angewandt.

Holl.: Een scheetje in het bed is zoo goed als een turfje. (Harrebomee, II, 245a.)


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7 Jeder Schiss macht dem Doctor einen Riss.

Lat.: Mingere cum bombis res est dulcissima lumbis. (Binder II, 1866.)

8 'N Schät, see Focke, do harr he noch hel1 gen Ners. (Ostfries.) - Hoefer, 279.

1) Hel = heil, hel gen = gar keinen.

9 Scheit is Scheit, segt de Dreckfeger, un wenn 't ok von 'n Eddelmann is. (Hamburg.) - Hoefer, 248.

*10 En jeder Schitt is'm in Wege. (Schaumburg.)

*11 En ollen Schet. - Dähnert, 337a.

"Sagt man in der groben Sprache, wenn einer etwas verlangt, was man ihm nicht geben will."

*12 Fom an Sket Waks kaun. (Nordfries.)

Von einem Schiss Wachs kauen, d. h. Werthlosem, Schmuzigem u. s. w. grossen Werth geben (wollen). Vom Geizigen.

*13 Hat as mä an Sket biseggelt. (Nordfries.)

Es ist mit einem Schiss besiegelt. Es hat keinen Werth, man kann sich darauf nicht verlassen.

*14 He makt ut'n Scheit 'n Dönnerslag. - Kern, 1243.

*15 In Schiss kommen. (Schles.)

*16 Mehr Scheite weie Schaum. (Braunschweig.)

*17 Möt ju öss got Schit saupe. (Königsberg.)

Wenn die Arbeitsgenossen bei einem gemeinsamen Trunke einen zu grossen Schluck nehmen.


Schissmagratzki.

* Er ist Schissmagratzki. (Gilgenburg.) - Frischbier2, 3305.

Er ist in Verlegenheit, weiss sich nicht zu helfen.


Schistrum.

Schistrum quastrum ist auch Latein, sagte der Klosterkoch. - Hoefer, 611; Frischbier2, 2051.


Schitterlittschitt.

Schitterlittschitt is 'n dubbelten Furz, segt Fretlütje. (Hildesheim.) - Hoefer, 341.


Schittobje.

* Schittobje is en Walfisch. (Danzig.) - Frischbier2, 3306.

Man wendet diese Redensart an, wenn man einer Behauptung gegenüber seine Verachtung ausdrücken will.


Scheitpott.

Wenn ut'n Scheitpott en Bratpott ward, denn stinket he doch noch. (Braunschweig.)


Schlaan.

* He schleit na sinem Vader. (Tiegenhof.)

Er ist seinem Vater ähnlich.


Schlabak.

* Er ist ein Schlabak. - Frischbier2, 3307.

Ein Mensch ohne Lebensart, ein Taugenichts. Auch: Schlabauks, bei Hennig (233): Schlabauchs.


Schlabbermaul.

* Er ist ein Schlabbermaul. - Frischbier2, 3308.

Bezeichnet hier soviel wie viel und gedankenlos reden, schwatzen.


Schlabberseuche.

* Er wird noch an der Schlabberseuche sterben. (Köthen.)

Schlabbern = viel und albern reden.


Schlacht.

1 Die viel Schlachten han gethan, die sind in Schlachten untergahn. - Petri, II, 146.

Auch hier gibt's Ausnahmen. Der französische Marschall Mortier hat in dreiundsechzig Schlachten gefochten und wurde erst mitten im Frieden durch eine Höllenmaschine auf dem pariser Markte erschossen.

2 Eine Schlacht beginnen, ist leicht, aber ihr Ausgang steht bei Gott.

Frz.: Les batailles sont en la main de Dieu. (Cahier, 193.)

3 Eine Schlacht ist ein ungesundes Geschäft.

Frz.: Bataille a faire n'est mie a tous sante. (Cahier, 192.)

4 Eine verlorene Schlacht ehrt oft mehr als eine gewonnene.

5 Es ist keine Schlacht so gross, das nid e paar übrig bleiben. - Sutermeister, 146.

6 Es wird keine Schlacht geliefert, es bleibt auch einer übrig. - Simrock, 9027a.

7 Nach der Schlacht fehlt's nicht an tapfern Leuten.

Diese Erfahrung haben auch die Russen gemacht. (Cahier, 1899.)

8 Schlachten und Gemälde sind aus der Ferne am schönsten.

Span.: La pintura y la pelea desde lejos me la ojga. (Cahier, 3629.)

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Schipprine.

* Einen bei der Schipprine kriegen.

Unter den zahlreichen Ausdrücken, welche unsere Sprache für den Begriff „schlagen“ besitzt und die gruppenweis an entsprechenden Orten aufgeführt sind (s. Schinken 20, Schlagen, Schmiere, Sitzer, Schwinderling, Wams) gehören noch folgende: Einem eins (oder etwas) anstreichen, an-, auswischen, eine Tracht Prügel u. s. w. aufzählen, an-, auf-, zumessen. Einem eins bachen (backen, in Schwaben Ohrfeigen geben), einem das Fell, den Hintern, den Rücken u. s. w. besehen, einem etwas eintränken, am Zeuge flicken. Einem seine (schwere) Hand, Faust, den Stock u. s. w. fühlen lassen. Mit einem nicht fackeln, nicht viel Federlesens, nicht Umstände machen (sondern gleich zuhauen). Einen mit der Ruthe u. s. w. kitzeln. Einem auf oder über das Fell, auf den Holster, das Rä, den Ränzel, den Rücken u. s. w. kommen. Einem den Prügel, die Ruthe, den Stock u. s. w. kosten lassen. Einen kriegen, einen bei der Kolbe (Polle) u. s. w. kriegen. Enen nig luren (niederdeutsch für: nicht närren); einem nichts vorspiegeln, einen derben Streich versetzen. Einem den Rücken messen. Einem eins mittheilen. Einem die Ohren reiben. Einem die Peitsche, die Ruthe, den Stock schmecken lassen. Einem auf das Koller (Collet), den Rücken steigen. Einen tanzen lassen. Enem den Ers umsäumen (niederdeutsch für: derb ausschlagen). Einem einen Hieb, Lungenhieb, Hieb übers ganze Gesicht u. s. w. versetzen. Einem den Pelz waschen. Enem bi de Ogen gahn un de hinstern tonageln (niederdeutsch für: ihn mit Fäusten ins Gesicht schlagen, dass er nicht aus den Augen sehen kann). (Vgl. Braunschweiger Magazin, 1813, S. 196.)


Schîr.

1 Dat eine mâl schîr, dat andere mâl en spîr.Schambach, II, 27.

Das eine mal schier, d. i. lauter, unvermischt, das andere mal ein bischen.

2 Einmal schîr un denn kein spîr.Schambach, II, 27.

Von Leuten, die, so lange sie Mittel haben, herrlich und in Freuden leben und, wenn sie erschöpft sind, am Hungertuche nagen.

*3 He is so schîr1, as wenn he ut'n Dêge wöltert is.Eichwald, 296; Kern, 944.

1) Klar, hell, rein, glatt, sauber, hübsch, ordentlich. (Vgl. Stürenburg, 216b.) – In ironischer Bedeutung.


Schirgel.

Schirgel bein Thor, host roth's Hôr. (Oberösterreich.)

So ruft ein von einem andern verklagtes Kind dem Kläger zu. Schirgl = Scherge; der Scherge steht in der Regel vor dem Thore der Burg, des Schlosses, des Gerichtshauses. Rothes Haar erinnert an den Verräther Judas.


Schirks.

* Er ist ein rechter Schirks. (Friedland.)

Ein unbedeutendes Wesen.


Schirmgerechtigkeit.

Schirmgerechtigkeit macht keine Unterthänigkeit. (S. Schutzgerechtigkeit.) – Pistor., X, 78; Graf, 488, 48.


Schirren.

* Ich hoa mich g'scherrt ofa. (S. Schicht 1.) – Peter, 450.


Schischkebauer.

* Et sind Schischke-Bûre. (Alt-Pillau.)

Schischkenbauern werden spottweis die Bewohner des Dorfes Methgethen im Samlande genannt. Schischken = Tannenzapfen.


Schiss.

1 A muar dat'm un Skitj rert, a doller stjonkt't. (Amrum.) – Haupt, VIII, 364, 216.

2 Am Schiss ist es zu sehen, was einer verschluckt hat.

Holl.: Men zal aan het sch .... wel zien, wie scheermessen gegeten heeft. (Harrebomée, II, 244b.)

3 En Schett un drei Brâtbêren (Bratbirnen) sin veir gue Happen (Bissen), segt Ahlborn. – (Hildesheim.) – Hoefer, 12.

4 En Schitt on en Schüt is en doppelder Forz. (Jerentowitz.)

5 Je mehr man in einen Schiss rührt, je toller er stinkt.

Je mehr man in einer hässlichen Sache rührt, darüber redet u. s. w., desto ekliger wird sie.

6 Je mehr Schid, je mehr Gold. (Rendsburg.)

Wird auch auf Gasthöfe angewandt.

Holl.: Een scheetje in het bed is zoo goed als een turfje. (Harrebomée, II, 245a.)


[Spaltenumbruch]

7 Jeder Schiss macht dem Doctor einen Riss.

Lat.: Mingere cum bombis res est dulcissima lumbis. (Binder II, 1866.)

8 'N Schät, see Focke, do harr he noch hêl1 gên Nêrs. (Ostfries.) – Hoefer, 279.

1) Hêl = heil, hêl gên = gar keinen.

9 Schît is Schît, segt de Dreckfeger, un wenn 't ôk von 'n Eddelmann is. (Hamburg.) – Hoefer, 248.

*10 En jeder Schitt is'm in Wege. (Schaumburg.)

*11 En ollen Schêt.Dähnert, 337a.

„Sagt man in der groben Sprache, wenn einer etwas verlangt, was man ihm nicht geben will.“

*12 Fom an Skêt Wâks kaun. (Nordfries.)

Von einem Schiss Wachs kauen, d. h. Werthlosem, Schmuzigem u. s. w. grossen Werth geben (wollen). Vom Geizigen.

*13 Hat as mä an Sket biseggelt. (Nordfries.)

Es ist mit einem Schiss besiegelt. Es hat keinen Werth, man kann sich darauf nicht verlassen.

*14 He mâkt ut'n Schît 'n Dönnerslag.Kern, 1243.

*15 In Schiss kommen. (Schles.)

*16 Mehr Schîte wîe Schaum. (Braunschweig.)

*17 Möt ju öss got Schit sûpe. (Königsberg.)

Wenn die Arbeitsgenossen bei einem gemeinsamen Trunke einen zu grossen Schluck nehmen.


Schissmagratzki.

* Er ist Schissmagratzki. (Gilgenburg.) – Frischbier2, 3305.

Er ist in Verlegenheit, weiss sich nicht zu helfen.


Schistrum.

Schistrum quastrum ist auch Latein, sagte der Klosterkoch.Hoefer, 611; Frischbier2, 2051.


Schitterlittschitt.

Schitterlittschitt is 'n dubbelten Furz, segt Frêtlütje. (Hildesheim.) – Hoefer, 341.


Schittobje.

* Schittobje is en Walfisch. (Danzig.) – Frischbier2, 3306.

Man wendet diese Redensart an, wenn man einer Behauptung gegenüber seine Verachtung ausdrücken will.


Schîtpott.

Wenn ut'n Schîtpott en Bratpott ward, denn stinket he doch noch. (Braunschweig.)


Schlaan.

* He schleit na sinem Vader. (Tiegenhof.)

Er ist seinem Vater ähnlich.


Schlabak.

* Er ist ein Schlabak.Frischbier2, 3307.

Ein Mensch ohne Lebensart, ein Taugenichts. Auch: Schlabauks, bei Hennig (233): Schlabauchs.


Schlabbermaul.

* Er ist ein Schlabbermaul.Frischbier2, 3308.

Bezeichnet hier soviel wie viel und gedankenlos reden, schwatzen.


Schlabberseuche.

* Er wird noch an der Schlabberseuche sterben. (Köthen.)

Schlabbern = viel und albern reden.


Schlacht.

1 Die viel Schlachten han gethan, die sind in Schlachten untergahn.Petri, II, 146.

Auch hier gibt's Ausnahmen. Der französische Marschall Mortier hat in dreiundsechzig Schlachten gefochten und wurde erst mitten im Frieden durch eine Höllenmaschine auf dem pariser Markte erschossen.

2 Eine Schlacht beginnen, ist leicht, aber ihr Ausgang steht bei Gott.

Frz.: Les batailles sont en la main de Dieu. (Cahier, 193.)

3 Eine Schlacht ist ein ungesundes Geschäft.

Frz.: Bataille à faire n'est mie à tous santé. (Cahier, 192.)

4 Eine verlorene Schlacht ehrt oft mehr als eine gewonnene.

5 Es ist keine Schlacht so gross, das nid e paar übrig bleiben.Sutermeister, 146.

6 Es wird keine Schlacht geliefert, es bleibt auch einer übrig.Simrock, 9027a.

7 Nach der Schlacht fehlt's nicht an tapfern Leuten.

Diese Erfahrung haben auch die Russen gemacht. (Cahier, 1899.)

8 Schlachten und Gemälde sind aus der Ferne am schönsten.

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[[96]/0102] Schipprine. * Einen bei der Schipprine kriegen. Unter den zahlreichen Ausdrücken, welche unsere Sprache für den Begriff „schlagen“ besitzt und die gruppenweis an entsprechenden Orten aufgeführt sind (s. Schinken 20, Schlagen, Schmiere, Sitzer, Schwinderling, Wams) gehören noch folgende: Einem eins (oder etwas) anstreichen, an-, auswischen, eine Tracht Prügel u. s. w. aufzählen, an-, auf-, zumessen. Einem eins bachen (backen, in Schwaben Ohrfeigen geben), einem das Fell, den Hintern, den Rücken u. s. w. besehen, einem etwas eintränken, am Zeuge flicken. Einem seine (schwere) Hand, Faust, den Stock u. s. w. fühlen lassen. Mit einem nicht fackeln, nicht viel Federlesens, nicht Umstände machen (sondern gleich zuhauen). Einen mit der Ruthe u. s. w. kitzeln. Einem auf oder über das Fell, auf den Holster, das Rä, den Ränzel, den Rücken u. s. w. kommen. Einem den Prügel, die Ruthe, den Stock u. s. w. kosten lassen. Einen kriegen, einen bei der Kolbe (Polle) u. s. w. kriegen. Enen nig luren (niederdeutsch für: nicht närren); einem nichts vorspiegeln, einen derben Streich versetzen. Einem den Rücken messen. Einem eins mittheilen. Einem die Ohren reiben. Einem die Peitsche, die Ruthe, den Stock schmecken lassen. Einem auf das Koller (Collet), den Rücken steigen. Einen tanzen lassen. Enem den Ers umsäumen (niederdeutsch für: derb ausschlagen). Einem einen Hieb, Lungenhieb, Hieb übers ganze Gesicht u. s. w. versetzen. Einem den Pelz waschen. Enem bi de Ogen gahn un de hinstern tonageln (niederdeutsch für: ihn mit Fäusten ins Gesicht schlagen, dass er nicht aus den Augen sehen kann). (Vgl. Braunschweiger Magazin, 1813, S. 196.) Schîr. 1 Dat eine mâl schîr, dat andere mâl en spîr. – Schambach, II, 27. Das eine mal schier, d. i. lauter, unvermischt, das andere mal ein bischen. 2 Einmal schîr un denn kein spîr. – Schambach, II, 27. Von Leuten, die, so lange sie Mittel haben, herrlich und in Freuden leben und, wenn sie erschöpft sind, am Hungertuche nagen. *3 He is so schîr1, as wenn he ut'n Dêge wöltert is. – Eichwald, 296; Kern, 944. 1) Klar, hell, rein, glatt, sauber, hübsch, ordentlich. (Vgl. Stürenburg, 216b.) – In ironischer Bedeutung. Schirgel. Schirgel bein Thor, host roth's Hôr. (Oberösterreich.) So ruft ein von einem andern verklagtes Kind dem Kläger zu. Schirgl = Scherge; der Scherge steht in der Regel vor dem Thore der Burg, des Schlosses, des Gerichtshauses. Rothes Haar erinnert an den Verräther Judas. Schirks. * Er ist ein rechter Schirks. (Friedland.) Ein unbedeutendes Wesen. Schirmgerechtigkeit. Schirmgerechtigkeit macht keine Unterthänigkeit. (S. Schutzgerechtigkeit.) – Pistor., X, 78; Graf, 488, 48. Schirren. * Ich hoa mich g'scherrt ofa. (S. Schicht 1.) – Peter, 450. Schischkebauer. * Et sind Schischke-Bûre. (Alt-Pillau.) Schischkenbauern werden spottweis die Bewohner des Dorfes Methgethen im Samlande genannt. Schischken = Tannenzapfen. Schiss. 1 A muar dat'm un Skitj rert, a doller stjonkt't. (Amrum.) – Haupt, VIII, 364, 216. 2 Am Schiss ist es zu sehen, was einer verschluckt hat. Holl.: Men zal aan het sch .... wel zien, wie scheermessen gegeten heeft. (Harrebomée, II, 244b.) 3 En Schett un drei Brâtbêren (Bratbirnen) sin veir gue Happen (Bissen), segt Ahlborn. – (Hildesheim.) – Hoefer, 12. 4 En Schitt on en Schüt is en doppelder Forz. (Jerentowitz.) 5 Je mehr man in einen Schiss rührt, je toller er stinkt. Je mehr man in einer hässlichen Sache rührt, darüber redet u. s. w., desto ekliger wird sie. 6 Je mehr Schid, je mehr Gold. (Rendsburg.) Wird auch auf Gasthöfe angewandt. Holl.: Een scheetje in het bed is zoo goed als een turfje. (Harrebomée, II, 245a.) 7 Jeder Schiss macht dem Doctor einen Riss. Lat.: Mingere cum bombis res est dulcissima lumbis. (Binder II, 1866.) 8 'N Schät, see Focke, do harr he noch hêl1 gên Nêrs. (Ostfries.) – Hoefer, 279. 1) Hêl = heil, hêl gên = gar keinen. 9 Schît is Schît, segt de Dreckfeger, un wenn 't ôk von 'n Eddelmann is. (Hamburg.) – Hoefer, 248. *10 En jeder Schitt is'm in Wege. (Schaumburg.) *11 En ollen Schêt. – Dähnert, 337a. „Sagt man in der groben Sprache, wenn einer etwas verlangt, was man ihm nicht geben will.“ *12 Fom an Skêt Wâks kaun. (Nordfries.) Von einem Schiss Wachs kauen, d. h. Werthlosem, Schmuzigem u. s. w. grossen Werth geben (wollen). Vom Geizigen. *13 Hat as mä an Sket biseggelt. (Nordfries.) Es ist mit einem Schiss besiegelt. Es hat keinen Werth, man kann sich darauf nicht verlassen. *14 He mâkt ut'n Schît 'n Dönnerslag. – Kern, 1243. *15 In Schiss kommen. (Schles.) *16 Mehr Schîte wîe Schaum. (Braunschweig.) *17 Möt ju öss got Schit sûpe. (Königsberg.) Wenn die Arbeitsgenossen bei einem gemeinsamen Trunke einen zu grossen Schluck nehmen. Schissmagratzki. * Er ist Schissmagratzki. (Gilgenburg.) – Frischbier2, 3305. Er ist in Verlegenheit, weiss sich nicht zu helfen. Schistrum. Schistrum quastrum ist auch Latein, sagte der Klosterkoch. – Hoefer, 611; Frischbier2, 2051. Schitterlittschitt. Schitterlittschitt is 'n dubbelten Furz, segt Frêtlütje. (Hildesheim.) – Hoefer, 341. Schittobje. * Schittobje is en Walfisch. (Danzig.) – Frischbier2, 3306. Man wendet diese Redensart an, wenn man einer Behauptung gegenüber seine Verachtung ausdrücken will. Schîtpott. Wenn ut'n Schîtpott en Bratpott ward, denn stinket he doch noch. (Braunschweig.) Schlaan. * He schleit na sinem Vader. (Tiegenhof.) Er ist seinem Vater ähnlich. Schlabak. * Er ist ein Schlabak. – Frischbier2, 3307. Ein Mensch ohne Lebensart, ein Taugenichts. Auch: Schlabauks, bei Hennig (233): Schlabauchs. Schlabbermaul. * Er ist ein Schlabbermaul. – Frischbier2, 3308. Bezeichnet hier soviel wie viel und gedankenlos reden, schwatzen. Schlabberseuche. * Er wird noch an der Schlabberseuche sterben. (Köthen.) Schlabbern = viel und albern reden. Schlacht. 1 Die viel Schlachten han gethan, die sind in Schlachten untergahn. – Petri, II, 146. Auch hier gibt's Ausnahmen. Der französische Marschall Mortier hat in dreiundsechzig Schlachten gefochten und wurde erst mitten im Frieden durch eine Höllenmaschine auf dem pariser Markte erschossen. 2 Eine Schlacht beginnen, ist leicht, aber ihr Ausgang steht bei Gott. Frz.: Les batailles sont en la main de Dieu. (Cahier, 193.) 3 Eine Schlacht ist ein ungesundes Geschäft. Frz.: Bataille à faire n'est mie à tous santé. (Cahier, 192.) 4 Eine verlorene Schlacht ehrt oft mehr als eine gewonnene. 5 Es ist keine Schlacht so gross, das nid e paar übrig bleiben. – Sutermeister, 146. 6 Es wird keine Schlacht geliefert, es bleibt auch einer übrig. – Simrock, 9027a. 7 Nach der Schlacht fehlt's nicht an tapfern Leuten. Diese Erfahrung haben auch die Russen gemacht. (Cahier, 1899.) 8 Schlachten und Gemälde sind aus der Ferne am schönsten. Span.: La pintura y la pelea desde léjos me la ojga. (Cahier, 3629.)

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 4. Leipzig, 1876, S. [96]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876/102>, abgerufen am 28.11.2020.