Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 4. Leipzig, 1876.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] *91 Wenn ar schworz schpricht, su schpricht si kolschworz. (Schles.) - Frommann, III, 412, 454.


Schwarzbeere.

Viel Swartebearen1, viel Tiufeln2. (Westf.)

1) Heidelbeeren.

2) Kartoffeln.


Schwarzbrot.

1 Schwarzbrot, Backen roth.

2 Schwarzbrot lustig gegessen wird Semmel.

3 Schwarzbrot nährt (sättigt, stillt den Hunger) ebenso gut als Weissbrot.

Dän.: Man aeder sig saa maet paa sort bröd, som paa hvidt. (Prov. dan., 9.)

4 Wer sein Schwarzbrot zuerst isst, dem schmeckt dann das Weissbrot um so besser.

"Die Verfasserin hat das Glück gehabt, de manger son pain blanc de premier." (Varnhagen von Ense an Alexander von Humboldt; Dove, 1178.)

*5 Schwarzbrot und Freiheit! - Altes Stammbuch; Schles. Provinzialbl., 1864, S. 384; Simrock, 9342a.


Schwarzbürste.

* Mit der Schwarzbürste darüber fahren.

Es verderben, die Ehre angreifen.


Schwarze (der).

1 Lass mit den Schwarzen dich nicht ein, wenn du willst ungehudelt sein.

Die Kinder bezeichnen mit dem Namen Schwarze Ofen- und Schornsteinfeger; aber das Volk versteht darunter die Geistlichen, die ausser diesem auch noch andere Spitznamen haben. In Norddeutschland wird der Geistliche als einer vom Stamme Nimm bezeichnet. Seitdem die Haltung der Sonntagsgesetze zu überwachen ist, hat sich schon mancher derselben die Benennung schwarzer Gensdarm erworben. August Ladendorff (Sechs Jahre Gefangenschaft) berichtet, dass der Seelsorger in der Strafanstalt Lichtenburg von seinem Pflegebefohlenen nie anders genannt worden sei als entweder Pfaffe oder die schwarze Polizei, oder der schwarze Polizeicommissarius des Himmelreichs. (Vgl. Spitznamen in der Wiener Morgenpost vom 22. April 1872.)

*2 Das ist ein Schwarzer.

Ein Durch beim Kartenspiel = wenn der Gegner keinen Stich bekommen hat, nicht zum Anlegen gekommen ist.

*3 Die Schwarzen sind auch Menschen.

Span.: Aunque negros, somos gente. (Cahier, 3569.)


Schwarze (die).

1 Lieber eine Schwarze (zur Frau) mit ihren Grillen, als eine Blonde mit goldenen Pillen (Dukaten). (Mailand.)

Vorliebe für den dunkeln Teint.

2 Traue den Schwarzen nicht, die Rothen (mit rothem Haar) siehst du. (Corsica.)

3 Weh di, du Swarte, segt de swarte Ketel (Kessel) to'n swarten Grapen (metallenes Kochgeschirr). (Hamburg.) - Hoefer, 605.


Schwärze.

* Einen in die Schwärtze bringen. - Schuppius, Tract.

In dem Sinne: Einen in die Tinte bringen.


Schwärzen.

* Hä es 'nöm (herum) bis zum Schwärzen. (Henneberg.)

Er hat nichts mehr auf dem Leibe.


Schwarzes.

1 Das Schwarze macht eher hässlich als das Weisse schön.

2 Jeder will das Schwarze in der Scheibe getroffen haben. - Grimmelshausen, Teutscher Michel.

*3 I ho nüt 's Schwarz unter'm Nag'l kriagt. (Franken.) - Frommann, VI, 524, 353.

*4 Ins Schwarze treffen. - Braun, I, 4033.

Den Zweck erreichen. "Warum sollten sie nicht ebenso gut ins Schwarze treffen, wie ein anderer?" (Bresl. Zeitung, 1865, Nr. 315.)

Lat.: Rem acu tetigisti.

*5 Nicht das Schwarze unterm Nagel. (Nürtingen.)


Schwarzfärber.

* Er ist ein Schwarzfärber.

Was andere sagen und thun, stellt er immer in den dunkelsten Farben dar.


Schwarzgemalte.

* Die ist eine Schwarzgemalte. (Niederösterreich.)

Ein schlimmer Charakter.


Schwarzkopf.

1 Schwarzkopf und Rothbart - schlechte Art.

2 Swartkopp - Kriddelkopp (s. d.). (Oldenburg.) - Weserzeitung, 4077.

[Spaltenumbruch] 3 Wo Schwarzköppe (Hüte) sind, geltet keine Wittköppe (Hauben). (Westf.)

Einmal: Wo ein Mann ist, da hört die Stimme und Verfügungsfähigkeit der Frau auf. Dann auch: Herren halten Damen, z. B. auf Bällen u. s. w., frei.


Schwarzkünstler.

* A eis a Schwoarzkinstler, a koann a F ... im Finstern sahn. - Robinson, 755; Gomolcke, 125.


Schwarznase.

* Schwartnäs', hebbe de Lämmer ok Häksel? - Frischbier2, 3435.

Zu Friedland in Preussen: Zuruf an solche, welche sich unberufen in fremde Angelegenheiten mischen.


Schwarzrock.

Wir Schwarzröcke, sagte der Schornsteinfeger zum Pfaffen, verdienen das Geld leicht.


Schwarzsauer.

* Ah Attrape, Musje Schwarzsauer.

Halt, Musje Schwarzsauer. Die Redensart findet ihre Erklärung in der Anekdote von einem französischen Soldaten, welchem von seinem deutschen Quartiergeber eine im Keller aufbewahrte Neige Schwarzsauer mit Klössen u. s. w., wohinein sich aber eine Kröte verlaufen hat, vorgesetzt wird. Während der Franzose von diesem ihm wunderbaren Gerichte speist, versucht die Kröte zu entwischen, die er aber mit dem obigen Ausruf durch den Löffel zurücktreibt. Die Redensart wird scherzhaft angewandt, um jemand zurückzuhalten.


Schwarzstrumpf.

Jakel Schwarzstrumpf heiss' ich; wass ich weiss, das weiss ich.


Schwarzvieh.

Das junge Schwarzvieh verzehrt oft die schönsten Birnen. - Hausfreund, XVI, 495, 53.


Schwarzwald.

Auf dem Schwarzwald wächst wenig Wein dies Jahr.


Schwarzwälder.

Die Schwarzwälder bringen fremde Gelder. - Simrock, 9343.


Schwatzbesen.

* Se ist e Schwätzbese. (Ulm.)


Schwatzen.

1 An vielem Schwatzen erkennt man den Mann.

Lat.: Qui multum fatur, stultissimus esse probatur. (Binder I, 2783; Schreger, 30.)

2 Die viel schwatzen, lügen viel. - Struve, I, 25; Simrock, 9344.

Dasselbe behaupten auch die Türken. (Weigel.) "Die viel heimlich schwatzen vnd flüstern, pflegen zu lügen mechtig gern." (Sutor, 208.) "Das sprichwort selten thut betrügen, wer viel schwatzt, der thut viel lügen." (Luther.) Die Chinesen: Es gibt keinen grössern Lügner als den, der viel von sich spricht. (Cahier, 2194.)

Holl.: Die veel clappen, lieghen veel. (Tunn., 8, 11.)

Lat.: Multa loqui et verum dicere semper difficile est. (Chaos, 1051.) - Respice, multi loquax quod sit saepissime mendax. - Saepe loquens multa loquitur mendacia multa. - Saepe susurrantes mendacia sunt cumulantes. (Loci comm., 76 u. 115.)

3 Es schwätzt einer den andern von der Banck vnd setzt sich (dann) selbst darauff. - Lehmann, 767, 4.

4 Es schwätzt keiner g'scheider ass 'r ist. - Birlinger, 199.

5 Es schwatzt sich einer eher arm und unwerth als reich und angenehm.

Lat.: Verum et falsum in notitiarum conjunctione cernitur. (Sutor, 484.)

6 Im schwetzen sei ein Hetz, im Fressen Bel, der Götz. - Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 70.

7 Langes Schwatzen trägt nichts ein.

Gegen langes Mäkeln, Handeln, Jüdeln beim Kauf; empfiehlt mässige, feste Preise und kurzen Abschluss.

8 Man kann lange schwatzen, ehe eine Suppe kocht.

Engl.: Chattering will never make the soup boil.

9 Man schwetzt offt einn vom polster vnd setzt sich an sein stadt drauff. - Gruter, I, 58.

10 Mancher schwätzt ein Malter vnd es ist kaum ein handvoll. - Lehmann, 714, 1.

"Ein Plappermaul gleicht einer Mühle, der es an Korn zu Mehl gebricht, sie dient dem Wanderer nur zum Spiele, sie klappert zwar, doch mahlt sie nicht." (Friedrich, Zeitspiegel, Hft. 6.)

11 Me schwätzt wie eim der Schnabel gewachse isch. - Eiselein, 552.

[Spaltenumbruch] *91 Wenn âr schworz schpricht, su schpricht si kôlschworz. (Schles.) – Frommann, III, 412, 454.


Schwarzbeere.

Viel Swartebearen1, viel Tiufeln2. (Westf.)

1) Heidelbeeren.

2) Kartoffeln.


Schwarzbrot.

1 Schwarzbrot, Backen roth.

2 Schwarzbrot lustig gegessen wird Semmel.

3 Schwarzbrot nährt (sättigt, stillt den Hunger) ebenso gut als Weissbrot.

Dän.: Man æder sig saa mæt paa sort brød, som paa hvidt. (Prov. dan., 9.)

4 Wer sein Schwarzbrot zuerst isst, dem schmeckt dann das Weissbrot um so besser.

„Die Verfasserin hat das Glück gehabt, de manger son pain blanc de premier.“ (Varnhagen von Ense an Alexander von Humboldt; Dove, 1178.)

*5 Schwarzbrot und Freiheit!Altes Stammbuch; Schles. Provinzialbl., 1864, S. 384; Simrock, 9342a.


Schwarzbürste.

* Mit der Schwarzbürste darüber fahren.

Es verderben, die Ehre angreifen.


Schwarze (der).

1 Lass mit den Schwarzen dich nicht ein, wenn du willst ungehudelt sein.

Die Kinder bezeichnen mit dem Namen Schwarze Ofen- und Schornsteinfeger; aber das Volk versteht darunter die Geistlichen, die ausser diesem auch noch andere Spitznamen haben. In Norddeutschland wird der Geistliche als einer vom Stamme Nimm bezeichnet. Seitdem die Haltung der Sonntagsgesetze zu überwachen ist, hat sich schon mancher derselben die Benennung schwarzer Gensdarm erworben. August Ladendorff (Sechs Jahre Gefangenschaft) berichtet, dass der Seelsorger in der Strafanstalt Lichtenburg von seinem Pflegebefohlenen nie anders genannt worden sei als entweder Pfaffe oder die schwarze Polizei, oder der schwarze Polizeicommissarius des Himmelreichs. (Vgl. Spitznamen in der Wiener Morgenpost vom 22. April 1872.)

*2 Das ist ein Schwarzer.

Ein Durch beim Kartenspiel = wenn der Gegner keinen Stich bekommen hat, nicht zum Anlegen gekommen ist.

*3 Die Schwarzen sind auch Menschen.

Span.: Aunque negros, somos gente. (Cahier, 3569.)


Schwarze (die).

1 Lieber eine Schwarze (zur Frau) mit ihren Grillen, als eine Blonde mit goldenen Pillen (Dukaten). (Mailand.)

Vorliebe für den dunkeln Teint.

2 Traue den Schwarzen nicht, die Rothen (mit rothem Haar) siehst du. (Corsica.)

3 Weh di, du Swarte, segt de swarte Ketel (Kessel) to'n swarten Grapen (metallenes Kochgeschirr). (Hamburg.) – Hoefer, 605.


Schwärze.

* Einen in die Schwärtze bringen.Schuppius, Tract.

In dem Sinne: Einen in die Tinte bringen.


Schwärzen.

* Hä es 'nöm (herum) bis zum Schwärzen. (Henneberg.)

Er hat nichts mehr auf dem Leibe.


Schwarzes.

1 Das Schwarze macht eher hässlich als das Weisse schön.

2 Jeder will das Schwarze in der Scheibe getroffen haben.Grimmelshausen, Teutscher Michel.

*3 I ho nüt 's Schwarz unter'm Nag'l kriagt. (Franken.) – Frommann, VI, 524, 353.

*4 Ins Schwarze treffen.Braun, I, 4033.

Den Zweck erreichen. „Warum sollten sie nicht ebenso gut ins Schwarze treffen, wie ein anderer?“ (Bresl. Zeitung, 1865, Nr. 315.)

Lat.: Rem acu tetigisti.

*5 Nicht das Schwarze unterm Nagel. (Nürtingen.)


Schwarzfärber.

* Er ist ein Schwarzfärber.

Was andere sagen und thun, stellt er immer in den dunkelsten Farben dar.


Schwarzgemalte.

* Die ist eine Schwarzgemalte. (Niederösterreich.)

Ein schlimmer Charakter.


Schwarzkopf.

1 Schwarzkopf und Rothbart – schlechte Art.

2 Swartkopp – Kriddelkopp (s. d.). (Oldenburg.) – Weserzeitung, 4077.

[Spaltenumbruch] 3 Wo Schwarzköppe (Hüte) sind, geltet keine Wittköppe (Hauben). (Westf.)

Einmal: Wo ein Mann ist, da hört die Stimme und Verfügungsfähigkeit der Frau auf. Dann auch: Herren halten Damen, z. B. auf Bällen u. s. w., frei.


Schwarzkünstler.

* A îs a Schwoarzkinstler, a koann a F ... im Finstern sahn.Robinson, 755; Gomolcke, 125.


Schwarznase.

* Schwartnäs', hebbe de Lämmer ok Häksel?Frischbier2, 3435.

Zu Friedland in Preussen: Zuruf an solche, welche sich unberufen in fremde Angelegenheiten mischen.


Schwarzrock.

Wir Schwarzröcke, sagte der Schornsteinfeger zum Pfaffen, verdienen das Geld leicht.


Schwarzsauer.

* Ah Attrapé, Musje Schwarzsauer.

Halt, Musje Schwarzsauer. Die Redensart findet ihre Erklärung in der Anekdote von einem französischen Soldaten, welchem von seinem deutschen Quartiergeber eine im Keller aufbewahrte Neige Schwarzsauer mit Klössen u. s. w., wohinein sich aber eine Kröte verlaufen hat, vorgesetzt wird. Während der Franzose von diesem ihm wunderbaren Gerichte speist, versucht die Kröte zu entwischen, die er aber mit dem obigen Ausruf durch den Löffel zurücktreibt. Die Redensart wird scherzhaft angewandt, um jemand zurückzuhalten.


Schwarzstrumpf.

Jakel Schwarzstrumpf heiss' ich; wass ich weiss, das weiss ich.


Schwarzvieh.

Das junge Schwarzvieh verzehrt oft die schönsten Birnen.Hausfreund, XVI, 495, 53.


Schwarzwald.

Auf dem Schwarzwald wächst wenig Wein dies Jahr.


Schwarzwälder.

Die Schwarzwälder bringen fremde Gelder.Simrock, 9343.


Schwatzbesen.

* Se ist e Schwätzbese. (Ulm.)


Schwatzen.

1 An vielem Schwatzen erkennt man den Mann.

Lat.: Qui multum fatur, stultissimus esse probatur. (Binder I, 2783; Schreger, 30.)

2 Die viel schwatzen, lügen viel.Struve, I, 25; Simrock, 9344.

Dasselbe behaupten auch die Türken. (Weigel.) „Die viel heimlich schwatzen vnd flüstern, pflegen zu lügen mechtig gern.“ (Sutor, 208.) „Das sprichwort selten thut betrügen, wer viel schwatzt, der thut viel lügen.“ (Luther.) Die Chinesen: Es gibt keinen grössern Lügner als den, der viel von sich spricht. (Cahier, 2194.)

Holl.: Die veel clappen, lieghen veel. (Tunn., 8, 11.)

Lat.: Multa loqui et verum dicere semper difficile est. (Chaos, 1051.) – Respice, multi loquax quod sit saepissime mendax. – Saepe loquens multa loquitur mendacia multa. – Saepe susurrantes mendacia sunt cumulantes. (Loci comm., 76 u. 115.)

3 Es schwätzt einer den andern von der Banck vnd setzt sich (dann) selbst darauff.Lehmann, 767, 4.

4 Es schwätzt keiner g'scheider ass 'r ist.Birlinger, 199.

5 Es schwatzt sich einer eher arm und unwerth als reich und angenehm.

Lat.: Verum et falsum in notitiarum conjunctione cernitur. (Sutor, 484.)

6 Im schwetzen sei ein Hetz, im Fressen Bel, der Götz.Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 70.

7 Langes Schwatzen trägt nichts ein.

Gegen langes Mäkeln, Handeln, Jüdeln beim Kauf; empfiehlt mässige, feste Preise und kurzen Abschluss.

8 Man kann lange schwatzen, ehe eine Suppe kocht.

Engl.: Chattering will never make the soup boil.

9 Man schwetzt offt einn vom polster vnd setzt sich an sein stadt drauff.Gruter, I, 58.

10 Mancher schwätzt ein Malter vnd es ist kaum ein handvoll.Lehmann, 714, 1.

„Ein Plappermaul gleicht einer Mühle, der es an Korn zu Mehl gebricht, sie dient dem Wanderer nur zum Spiele, sie klappert zwar, doch mahlt sie nicht.“ (Friedrich, Zeitspiegel, Hft. 6.)

11 Me schwätzt wie eim der Schnabel gewachse isch.Eiselein, 552.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><pb facs="#f0220" n="[214]"/><cb n="427"/>
*91 Wenn âr schworz schpricht, su schpricht si kôlschworz.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, III, 412, 454.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzbeere.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Viel Swartebearen<hi rendition="#sup">1</hi>, viel Tiufeln<hi rendition="#sup">2</hi>.</hi> (<hi rendition="#i">Westf.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Heidelbeeren.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">2</hi>) Kartoffeln.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzbrot.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Schwarzbrot, Backen roth.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Schwarzbrot lustig gegessen wird Semmel.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Schwarzbrot nährt (sättigt, stillt den Hunger) ebenso gut als Weissbrot.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Man æder sig saa mæt paa sort brød, som paa hvidt. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 9.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Wer sein Schwarzbrot zuerst isst, dem schmeckt dann das Weissbrot um so besser.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Die Verfasserin hat das Glück gehabt, de manger son pain blanc de premier.&#x201C; (<hi rendition="#i">Varnhagen von Ense an Alexander von Humboldt; Dove, 1178.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Schwarzbrot und Freiheit!</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Altes Stammbuch; Schles. Provinzialbl., 1864, S. 384; Simrock, 9342<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p/><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzbürste.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Mit der Schwarzbürste darüber fahren.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Es verderben, die Ehre angreifen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head><hi rendition="#b">Schwarze</hi> (der).</head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Lass mit den Schwarzen dich nicht ein, wenn du willst ungehudelt sein.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Kinder bezeichnen mit dem Namen Schwarze Ofen- und Schornsteinfeger; aber das Volk versteht darunter die Geistlichen, die ausser diesem auch noch andere Spitznamen haben. In Norddeutschland wird der Geistliche als einer vom Stamme Nimm bezeichnet. Seitdem die Haltung der Sonntagsgesetze zu überwachen ist, hat sich schon mancher derselben die Benennung schwarzer Gensdarm erworben. <hi rendition="#i">August Ladendorff (Sechs Jahre Gefangenschaft)</hi> berichtet, dass der Seelsorger in der Strafanstalt Lichtenburg von seinem Pflegebefohlenen nie anders genannt worden sei als entweder Pfaffe oder die schwarze Polizei, oder der schwarze Polizeicommissarius des Himmelreichs. (Vgl. <hi rendition="#i">Spitznamen in der Wiener Morgenpost vom 22. April 1872.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Das ist ein Schwarzer.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein Durch beim Kartenspiel = wenn der Gegner keinen Stich bekommen hat, nicht zum Anlegen gekommen ist.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*3 Die Schwarzen sind auch Menschen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Span.</hi>: Aunque negros, somos gente. (<hi rendition="#i">Cahier, 3569.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head><hi rendition="#b">Schwarze</hi> (die).</head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Lieber eine Schwarze (zur Frau) mit ihren Grillen, als eine Blonde mit goldenen Pillen (Dukaten).</hi> (<hi rendition="#i">Mailand.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Vorliebe für den dunkeln Teint.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Traue den Schwarzen nicht, die Rothen (mit rothem Haar) siehst du.</hi> (<hi rendition="#i">Corsica.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Weh di, du Swarte, segt de swarte Ketel (Kessel) to'n swarten Grapen (metallenes Kochgeschirr).</hi> (<hi rendition="#i">Hamburg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Hoefer, 605.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwärze.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Einen in die Schwärtze bringen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schuppius, Tract.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">In dem Sinne: Einen in die Tinte bringen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwärzen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Hä es 'nöm (herum) bis zum Schwärzen.</hi> (<hi rendition="#i">Henneberg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Er hat nichts mehr auf dem Leibe.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzes.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Das Schwarze macht eher hässlich als das Weisse schön.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Jeder will das Schwarze in der Scheibe getroffen haben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Grimmelshausen, Teutscher Michel.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 I ho nüt 's Schwarz unter'm Nag'l kriagt.</hi> (<hi rendition="#i">Franken.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, VI, 524, 353.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Ins Schwarze treffen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Braun, I, 4033.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Den Zweck erreichen. &#x201E;Warum sollten sie nicht ebenso gut ins Schwarze treffen, wie ein anderer?&#x201C; (<hi rendition="#i">Bresl. Zeitung, 1865, Nr. 315.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Rem acu tetigisti.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Nicht das Schwarze unterm Nagel.</hi> (<hi rendition="#i">Nürtingen.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzfärber.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er ist ein Schwarzfärber.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Was andere sagen und thun, stellt er immer in den dunkelsten Farben dar.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzgemalte.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Die ist eine Schwarzgemalte.</hi> (<hi rendition="#i">Niederösterreich.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein schlimmer Charakter.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzkopf.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Schwarzkopf und Rothbart &#x2013; schlechte Art.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Swartkopp &#x2013;  Kriddelkopp (s. d.).</hi> (<hi rendition="#i">Oldenburg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Weserzeitung, 4077.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><cb n="428"/>
3 Wo Schwarzköppe (Hüte) sind, geltet keine Wittköppe (Hauben).</hi> (<hi rendition="#i">Westf.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Einmal: Wo ein Mann ist, da hört die Stimme und Verfügungsfähigkeit der Frau auf. Dann auch: Herren halten Damen, z. B. auf Bällen u. s. w., frei.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzkünstler.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* A îs a Schwoarzkinstler, a koann a F ... im Finstern sahn.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Robinson, 755; Gomolcke, 125.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarznase.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Schwartnäs', hebbe de Lämmer ok Häksel?</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier<hi rendition="#sup">2</hi>, 3435.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Zu Friedland in Preussen: Zuruf an solche, welche sich unberufen in fremde Angelegenheiten mischen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzrock.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Wir Schwarzröcke, sagte der Schornsteinfeger zum Pfaffen, verdienen das Geld leicht.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzsauer.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Ah Attrapé, Musje Schwarzsauer.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Halt, Musje Schwarzsauer. Die Redensart findet ihre Erklärung in der Anekdote von einem französischen Soldaten, welchem von seinem deutschen Quartiergeber eine im Keller aufbewahrte Neige Schwarzsauer mit Klössen u. s. w., wohinein sich aber eine Kröte verlaufen hat, vorgesetzt wird. Während der Franzose von diesem ihm wunderbaren Gerichte speist, versucht die Kröte zu entwischen, die er aber mit dem obigen Ausruf durch den Löffel zurücktreibt. Die Redensart wird scherzhaft angewandt, um jemand zurückzuhalten.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzstrumpf.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Jakel Schwarzstrumpf heiss' ich; wass ich weiss, das weiss ich.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzvieh.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Das junge Schwarzvieh verzehrt oft die schönsten Birnen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Hausfreund, XVI, 495, 53.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzwald.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Auf dem Schwarzwald wächst wenig Wein dies Jahr.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwarzwälder.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Die Schwarzwälder bringen fremde Gelder.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 9343.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwatzbesen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Se ist e Schwätzbese.</hi> (<hi rendition="#i">Ulm.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schwatzen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 An vielem Schwatzen erkennt man den Mann.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Qui multum fatur, stultissimus esse probatur. (<hi rendition="#i">Binder I, 2783; Schreger, 30.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Die viel schwatzen, lügen viel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Struve, I, 25; Simrock, 9344.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Dasselbe behaupten auch die Türken. (<hi rendition="#i">Weigel.</hi>) &#x201E;Die viel heimlich schwatzen vnd flüstern, pflegen zu lügen mechtig gern.&#x201C; (<hi rendition="#i">Sutor, 208.</hi>) &#x201E;Das sprichwort selten thut betrügen, wer viel schwatzt, der thut viel lügen.&#x201C; (<hi rendition="#i">Luther.</hi>) Die Chinesen: Es gibt keinen grössern Lügner als den, der viel von sich spricht. (<hi rendition="#i">Cahier, 2194.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Die veel clappen, lieghen veel. (<hi rendition="#i">Tunn., 8, 11.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Multa loqui et verum dicere semper difficile est. (<hi rendition="#i">Chaos, 1051.</hi>) &#x2013; Respice, multi loquax quod sit saepissime mendax. &#x2013; Saepe loquens multa loquitur mendacia multa. &#x2013; Saepe susurrantes mendacia sunt cumulantes. (<hi rendition="#i">Loci comm., 76 u. 115.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Es schwätzt einer den andern von der Banck vnd setzt sich (dann) selbst darauff.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 767, 4.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Es schwätzt keiner g'scheider ass 'r ist.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Birlinger, 199.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Es schwatzt sich einer eher arm und unwerth als reich und angenehm.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Verum et falsum in notitiarum conjunctione cernitur. (<hi rendition="#i">Sutor, 484.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Im schwetzen sei ein Hetz, im Fressen Bel, der Götz.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 70.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">7 Langes Schwatzen trägt nichts ein.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Gegen langes Mäkeln, Handeln, Jüdeln beim Kauf; empfiehlt mässige, feste Preise und kurzen Abschluss.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Man kann lange schwatzen, ehe eine Suppe kocht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: Chattering will never make the soup boil.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">9 Man schwetzt offt einn vom polster vnd setzt sich an sein stadt drauff.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gruter, I, 58.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">10 Mancher schwätzt ein Malter vnd es ist kaum ein handvoll.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 714, 1.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Ein Plappermaul gleicht einer Mühle, der es an Korn zu Mehl gebricht, sie dient dem Wanderer nur zum Spiele, sie klappert zwar, doch mahlt sie nicht.&#x201C; (<hi rendition="#i">Friedrich, Zeitspiegel, Hft. 6.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">11 Me schwätzt wie eim der Schnabel gewachse isch.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 552.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[214]/0220] *91 Wenn âr schworz schpricht, su schpricht si kôlschworz. (Schles.) – Frommann, III, 412, 454. Schwarzbeere. Viel Swartebearen1, viel Tiufeln2. (Westf.) 1) Heidelbeeren. 2) Kartoffeln. Schwarzbrot. 1 Schwarzbrot, Backen roth. 2 Schwarzbrot lustig gegessen wird Semmel. 3 Schwarzbrot nährt (sättigt, stillt den Hunger) ebenso gut als Weissbrot. Dän.: Man æder sig saa mæt paa sort brød, som paa hvidt. (Prov. dan., 9.) 4 Wer sein Schwarzbrot zuerst isst, dem schmeckt dann das Weissbrot um so besser. „Die Verfasserin hat das Glück gehabt, de manger son pain blanc de premier.“ (Varnhagen von Ense an Alexander von Humboldt; Dove, 1178.) *5 Schwarzbrot und Freiheit! – Altes Stammbuch; Schles. Provinzialbl., 1864, S. 384; Simrock, 9342a. Schwarzbürste. * Mit der Schwarzbürste darüber fahren. Es verderben, die Ehre angreifen. Schwarze (der). 1 Lass mit den Schwarzen dich nicht ein, wenn du willst ungehudelt sein. Die Kinder bezeichnen mit dem Namen Schwarze Ofen- und Schornsteinfeger; aber das Volk versteht darunter die Geistlichen, die ausser diesem auch noch andere Spitznamen haben. In Norddeutschland wird der Geistliche als einer vom Stamme Nimm bezeichnet. Seitdem die Haltung der Sonntagsgesetze zu überwachen ist, hat sich schon mancher derselben die Benennung schwarzer Gensdarm erworben. August Ladendorff (Sechs Jahre Gefangenschaft) berichtet, dass der Seelsorger in der Strafanstalt Lichtenburg von seinem Pflegebefohlenen nie anders genannt worden sei als entweder Pfaffe oder die schwarze Polizei, oder der schwarze Polizeicommissarius des Himmelreichs. (Vgl. Spitznamen in der Wiener Morgenpost vom 22. April 1872.) *2 Das ist ein Schwarzer. Ein Durch beim Kartenspiel = wenn der Gegner keinen Stich bekommen hat, nicht zum Anlegen gekommen ist. *3 Die Schwarzen sind auch Menschen. Span.: Aunque negros, somos gente. (Cahier, 3569.) Schwarze (die). 1 Lieber eine Schwarze (zur Frau) mit ihren Grillen, als eine Blonde mit goldenen Pillen (Dukaten). (Mailand.) Vorliebe für den dunkeln Teint. 2 Traue den Schwarzen nicht, die Rothen (mit rothem Haar) siehst du. (Corsica.) 3 Weh di, du Swarte, segt de swarte Ketel (Kessel) to'n swarten Grapen (metallenes Kochgeschirr). (Hamburg.) – Hoefer, 605. Schwärze. * Einen in die Schwärtze bringen. – Schuppius, Tract. In dem Sinne: Einen in die Tinte bringen. Schwärzen. * Hä es 'nöm (herum) bis zum Schwärzen. (Henneberg.) Er hat nichts mehr auf dem Leibe. Schwarzes. 1 Das Schwarze macht eher hässlich als das Weisse schön. 2 Jeder will das Schwarze in der Scheibe getroffen haben. – Grimmelshausen, Teutscher Michel. *3 I ho nüt 's Schwarz unter'm Nag'l kriagt. (Franken.) – Frommann, VI, 524, 353. *4 Ins Schwarze treffen. – Braun, I, 4033. Den Zweck erreichen. „Warum sollten sie nicht ebenso gut ins Schwarze treffen, wie ein anderer?“ (Bresl. Zeitung, 1865, Nr. 315.) Lat.: Rem acu tetigisti. *5 Nicht das Schwarze unterm Nagel. (Nürtingen.) Schwarzfärber. * Er ist ein Schwarzfärber. Was andere sagen und thun, stellt er immer in den dunkelsten Farben dar. Schwarzgemalte. * Die ist eine Schwarzgemalte. (Niederösterreich.) Ein schlimmer Charakter. Schwarzkopf. 1 Schwarzkopf und Rothbart – schlechte Art. 2 Swartkopp – Kriddelkopp (s. d.). (Oldenburg.) – Weserzeitung, 4077. 3 Wo Schwarzköppe (Hüte) sind, geltet keine Wittköppe (Hauben). (Westf.) Einmal: Wo ein Mann ist, da hört die Stimme und Verfügungsfähigkeit der Frau auf. Dann auch: Herren halten Damen, z. B. auf Bällen u. s. w., frei. Schwarzkünstler. * A îs a Schwoarzkinstler, a koann a F ... im Finstern sahn. – Robinson, 755; Gomolcke, 125. Schwarznase. * Schwartnäs', hebbe de Lämmer ok Häksel? – Frischbier2, 3435. Zu Friedland in Preussen: Zuruf an solche, welche sich unberufen in fremde Angelegenheiten mischen. Schwarzrock. Wir Schwarzröcke, sagte der Schornsteinfeger zum Pfaffen, verdienen das Geld leicht. Schwarzsauer. * Ah Attrapé, Musje Schwarzsauer. Halt, Musje Schwarzsauer. Die Redensart findet ihre Erklärung in der Anekdote von einem französischen Soldaten, welchem von seinem deutschen Quartiergeber eine im Keller aufbewahrte Neige Schwarzsauer mit Klössen u. s. w., wohinein sich aber eine Kröte verlaufen hat, vorgesetzt wird. Während der Franzose von diesem ihm wunderbaren Gerichte speist, versucht die Kröte zu entwischen, die er aber mit dem obigen Ausruf durch den Löffel zurücktreibt. Die Redensart wird scherzhaft angewandt, um jemand zurückzuhalten. Schwarzstrumpf. Jakel Schwarzstrumpf heiss' ich; wass ich weiss, das weiss ich. Schwarzvieh. Das junge Schwarzvieh verzehrt oft die schönsten Birnen. – Hausfreund, XVI, 495, 53. Schwarzwald. Auf dem Schwarzwald wächst wenig Wein dies Jahr. Schwarzwälder. Die Schwarzwälder bringen fremde Gelder. – Simrock, 9343. Schwatzbesen. * Se ist e Schwätzbese. (Ulm.) Schwatzen. 1 An vielem Schwatzen erkennt man den Mann. Lat.: Qui multum fatur, stultissimus esse probatur. (Binder I, 2783; Schreger, 30.) 2 Die viel schwatzen, lügen viel. – Struve, I, 25; Simrock, 9344. Dasselbe behaupten auch die Türken. (Weigel.) „Die viel heimlich schwatzen vnd flüstern, pflegen zu lügen mechtig gern.“ (Sutor, 208.) „Das sprichwort selten thut betrügen, wer viel schwatzt, der thut viel lügen.“ (Luther.) Die Chinesen: Es gibt keinen grössern Lügner als den, der viel von sich spricht. (Cahier, 2194.) Holl.: Die veel clappen, lieghen veel. (Tunn., 8, 11.) Lat.: Multa loqui et verum dicere semper difficile est. (Chaos, 1051.) – Respice, multi loquax quod sit saepissime mendax. – Saepe loquens multa loquitur mendacia multa. – Saepe susurrantes mendacia sunt cumulantes. (Loci comm., 76 u. 115.) 3 Es schwätzt einer den andern von der Banck vnd setzt sich (dann) selbst darauff. – Lehmann, 767, 4. 4 Es schwätzt keiner g'scheider ass 'r ist. – Birlinger, 199. 5 Es schwatzt sich einer eher arm und unwerth als reich und angenehm. Lat.: Verum et falsum in notitiarum conjunctione cernitur. (Sutor, 484.) 6 Im schwetzen sei ein Hetz, im Fressen Bel, der Götz. – Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 70. 7 Langes Schwatzen trägt nichts ein. Gegen langes Mäkeln, Handeln, Jüdeln beim Kauf; empfiehlt mässige, feste Preise und kurzen Abschluss. 8 Man kann lange schwatzen, ehe eine Suppe kocht. Engl.: Chattering will never make the soup boil. 9 Man schwetzt offt einn vom polster vnd setzt sich an sein stadt drauff. – Gruter, I, 58. 10 Mancher schwätzt ein Malter vnd es ist kaum ein handvoll. – Lehmann, 714, 1. „Ein Plappermaul gleicht einer Mühle, der es an Korn zu Mehl gebricht, sie dient dem Wanderer nur zum Spiele, sie klappert zwar, doch mahlt sie nicht.“ (Friedrich, Zeitspiegel, Hft. 6.) 11 Me schwätzt wie eim der Schnabel gewachse isch. – Eiselein, 552.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:39:19Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:39:19Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876/220
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 4. Leipzig, 1876, S. [214]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876/220>, abgerufen am 24.10.2020.