Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 4. Leipzig, 1876.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] *40 Etwas auf die Seite bringen.

Frz.: Mettre quelque chose du cote de l'epee. (Lendroy, 506.)

*41 Jemand auf seine Seite ziehen.

Holl.: Iemand aan zijne koord krijgen. (Harrebomee, I, 436a.)

*42 Mer hän no vier Site im Chämi. - Sutermeister, 33.

Der Hörer versteht vier Speckseiten, während der Sprechende meint: vier Wände.

*43 'S hat älles wieder au sei guate Seite. (Ulm.)

*44 Se hot a houcha Seita am Hols. - Michel, 276; Nefflen, 465.

D. h. einen dicken Hals.

*45 Se op de bred Seid kriege. - Frischbier2, 3481.

*46 Setze dich an meine grüne Seite. die Redensart kommt in dem ersten Verse des bekannten Volksliedes: Mädle, ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite. Doch findet sie sich schon bei Fischart in dessen Geschichtklitterung, Kap. 8 und 42, vgl. Kloster, VIII, 451.

*47 Sich auf die schlechte (schlimme) Seite legen. - Braun, I, 4075.

Träge werden, sich dem Laster ergeben. "Wer sich legt auff die faule seiten." (Waldis, III, 80, 23.) Im Niederdeutschen: Sick up de fule Seide leggen. (Dähnert, 137.)

*48 Sich auf die Seite machen.

Sich schnell und heimlich entfernen.

Frz.: Il s'est absente du pais. (Kritzinger, 4b.)

*49 Sich auf eines (jemandes) Seite schlagen.

Seine Partei nehmen. Wer sich des Angeklagten vor Gericht annehmen wollte, der stellte sich auf seine Seite.

*50 Sie neigt sich auf die Seite, wo die Börse hängt.

Holl.: Hij kraauwt aan de zijde, daar de beurs hangt. (Harrebomee, II, 502b.)

*51 Stets auf die weiche Seite fallen. - Frischbier2, 3480.

*52 Uf oa Seita g'lada. - Michel, 279; Nefflen, 467.

Auf eine Seite geladen, d. i. nicht mehr aufrecht, geradeaus gehen, das Gleichgewicht verloren haben, stark angetrunken sein.

*53 AUt de Seit, de Höner willen pissen. - Bueren, 1189.

*54 Von de linke Sid e Premke, von de rechte Seid e Peip Toback, on ön e Möod besape. - Frischbier2, 3482.

*55 Wat du op de ene Seid backst, dat kakt de Sunn op de annere weder ut. (Danzig.) - Frischbier2, 3483.


Seitenstechen.

* Die hot Seitenstechen vurne. (Oberlausitz.)

Bei Beobachtung einer feilen Dirne.


Seitenwehe.

* Seitenweh haben. - Parömiakon, 346.

Einen schlimmen Gesellschafter zur Seite haben. Von schlimmer Umgebung überhaupt. Megerle sagt: "Die Fürsten leiden an Seitenweh, wenn sie von bösen Räthen umgeben sind."


Sekte.

1 Auch ohne Sekten kann man fromm sein. - Opel, 395.

2 Weder Sekte noch Orden, weder Stand noch Werk machen den Christen. - Opel, 395.


Selb.

1 Herr Selb weiss am besten, wo der Schuh drückt. - Eiselein, 555; Simrock, 9213.

2 Selb ist ein gut kraut, sie wechst aber in allen garten nit. - Tappius, 138a; Franck, II, 94a; Lehmann, II, 568, 66; Sailer, 61; Simrock, 9481; Körte, 5533; Braun, I, 4082; Lohrengel, I, 605.

Hier Wortspiel mit Salbei.

Holl.: Zelf is het beste kruid; maar het wast niet in alle hoven. (Harrebomee, II, 498a.)

Lat.: Domi habet, domi nascitur. (Erasm., 292; Tappius, 138a.)


Selbander.

* Er ist selbander. - Sutermeister, 64.

Er hat einen Rausch. (S. Molum, Most 12 und Trinken.)


Selbende.

Am Selbende erkennt man das Tuch. - Simrock, 9480.


Selber.

1 Ass du dos salwer, dos de wacker bleist. (Zellerfeld im Oberharz.)

2 Besser selber haben als beim Nachbar borgen.

Schwed.: Bättre är sjelf äga, än bedas til lans af syster. (Törning, 9.)

3 Ein jeglicher für sich selber, Gott für vns alle.

"Sagen die Weisen." (Mathesius, Postille, XXXIXa.)

[Spaltenumbruch] 4 Geh sölbmar und gib an Puiben an Kraiza. (Steiermark.) - Firmenich, II, 768, 110.

Gehe selber und gib einem Buben einen Kreuzer.

5 Sälber dänke ist besser, wan nachi säge. - Sutermeister, 131.

6 Selbe thäte, selbe habe. - Simrock, 9494.

Auch: Selber tha, selber ha. (Gotthelf, Leiden, II, 124.)

7 Selber essen macht fett (satt). - Beyer, I, 69; Siebenkees, 218; Ramann, Unterr., V, 7; Körte, 4086; Simrock, 9501; Gaal, 391; Steiger, 460; für Waldeck: Frommann, II, 409, 46; Curtze, 328, 168; für Bern: Zyro, 106.

Selber denken gescheit, selber lernen geschickt und kenntnissreich.

8 Selber gemacht, selber gha. - Sutermeister, 128.

9 Selber gestritten, selber gelitten.

10 Selber haben ist besser als andere darum bitten.

Dän.: Bedre er selv at have, end söster at bede. - Broder har, söster har, selv have er en herre. (Prov. dan., 53 u. 91.)

11 Selber ist der Mann. - Simrock, 9484; Lohrengel, I, 604.

12 Selber ist ein gut Kräutlein, wächst aber nicht in allen Gärten.

Lat.: Domi habet, domi nascitur. (Philippi, I, 124.)

13 Selber thun, selber haben. - Simrock, 9453.

In Schwaben: Sell thaun, sell haun. Bei Tunnicius (1139): Sulven doen, sulven hebben. (Accingens se operi quaerit sibi dulce lucellum.)

Mhd.: Selb tet selb hab, der schade ist dein. (Boner.) - Selbe taete, selbe habe. (von Fenis.) - Selbe tete, selbe hete. (Berthold.) - Wan ich ie horte sugen: selbe tete selbe habe. (Krone.) (Zingerle, 138.)

14 Selv eissen es et büste Kraut. (Aachen.)

Selv, Anspielung auf Salbei.

15 Selwen1 is en gued Krut, awer et wässet nich in jiedermanns Garen.

1) Salbei und selber.

16 Wannste (wenn du) selwer geist, bedruiget di de Boade nit. (Soest.)

17 Wär sülben geit, dän drügt de Boe nich. - Schambach, II, 572.

Die Boten richten ihre Aufträge oft sehr mangelhaft aus.

18 Was ich selber thu', trau' ich andern zu. - Simrock, 9496.

19 Wat me selwer iettet, smecket amme besten. (Attendorn.)

20 Wer ihm selber ein Schalk ist, wie kann er einem andern gut sein!

Lat.: Qui sibi nequam est, cui alii bonus erit!

21 Wer selber nicht gelitten hat, versteht die Klagen anderer nicht.

Lat.: Si quem nulla premit sitis, est sitientibus asper. (Seybold, 568.)

22 Wer selber nicht wil, da hat Gott kein Schuld an. - Petri, II, 756.

23 Wer selber nicht will, dem kann alle Welt nicht helffen. - Petri, II, 756.

24 Wer selber von Eis ist, kann andere nicht wärmen.

It.: Chi non arde, non incende.

25 Wer sich selber nichts Gutes thut, was sollte der andern Gutes thun. - Pred. 14, 5; Agricola II, 630; Schulze, 154.

26 Wer sich selber will gefallen, macht sich verhasst bei allen.

Lat.: Multi te oderint, si te ipsum amas. (Seybold, 319.)

27 Wer sich vor sich selber hüten kann, ist ein kluger Mann.

Auch die Spanier beten: Guarda mi, Dios, di mi. (Dove, 97.)

28 Wie ein jeder selber ist, so denkt er sich die andern. - Gaal, 1403.

29 Wo einer selber nicht ist, da wird ihm der Kopf nicht gewaschen.

Bei Tunnicius (343): Dar ein sulven nicht en is, dar wert em syn hovet nicht gewaschen. (Nullus ubi praesto est, facies non tergitur ulli.)

30 Wor man sülfst nich kummt, dar ward en de Kopp nich wusken. - Eichwald, 1106.

*31 Bist du's nicht selber, so ist's dein Geist. - Eiselein, 567.

Lat.: Aut ipse fuisti, aut tui simillimus. (Eiselein, 567.)

[Spaltenumbruch] *40 Etwas auf die Seite bringen.

Frz.: Mettre quelque chose du côté de l'épée. (Lendroy, 506.)

*41 Jemand auf seine Seite ziehen.

Holl.: Iemand aan zijne koord krijgen. (Harrebomée, I, 436a.)

*42 Mer hän no vier Site im Chämi.Sutermeister, 33.

Der Hörer versteht vier Speckseiten, während der Sprechende meint: vier Wände.

*43 'S hat älles wieder au sei guate Seite. (Ulm.)

*44 Se hôt a houcha Seita am Hols.Michel, 276; Nefflen, 465.

D. h. einen dicken Hals.

*45 Se op de brêd Sîd kriege.Frischbier2, 3481.

*46 Setze dich an meine grüne Seite. die Redensart kommt in dem ersten Verse des bekannten Volksliedes: Mädle, ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite. Doch findet sie sich schon bei Fischart in dessen Geschichtklitterung, Kap. 8 und 42, vgl. Kloster, VIII, 451.

*47 Sich auf die schlechte (schlimme) Seite legen.Braun, I, 4075.

Träge werden, sich dem Laster ergeben. „Wer sich legt auff die faule seiten.“ (Waldis, III, 80, 23.) Im Niederdeutschen: Sick up de fule Sîde leggen. (Dähnert, 137.)

*48 Sich auf die Seite machen.

Sich schnell und heimlich entfernen.

Frz.: Il s'est absenté du païs. (Kritzinger, 4b.)

*49 Sich auf eines (jemandes) Seite schlagen.

Seine Partei nehmen. Wer sich des Angeklagten vor Gericht annehmen wollte, der stellte sich auf seine Seite.

*50 Sie neigt sich auf die Seite, wo die Börse hängt.

Holl.: Hij kraauwt aan de zijde, daar de beurs hangt. (Harrebomée, II, 502b.)

*51 Stets auf die weiche Seite fallen.Frischbier2, 3480.

*52 Uf oa Seita g'lada.Michel, 279; Nefflen, 467.

Auf eine Seite geladen, d. i. nicht mehr aufrecht, geradeaus gehen, das Gleichgewicht verloren haben, stark angetrunken sein.

*53 Ût de Sît, de Höner willen pissen.Bueren, 1189.

*54 Von de linke Síd e Prêmke, von de rechte Sîd e Pîp Toback, on ön e Möod besape.Frischbier2, 3482.

*55 Wat du op de êne Sîd backst, dat kakt de Sunn op de annere weder ut. (Danzig.) – Frischbier2, 3483.


Seitenstechen.

* Die hot Seitenstechen vurne. (Oberlausitz.)

Bei Beobachtung einer feilen Dirne.


Seitenwehe.

* Seitenweh haben.Parömiakon, 346.

Einen schlimmen Gesellschafter zur Seite haben. Von schlimmer Umgebung überhaupt. Megerle sagt: „Die Fürsten leiden an Seitenweh, wenn sie von bösen Räthen umgeben sind.“


Sekte.

1 Auch ohne Sekten kann man fromm sein.Opel, 395.

2 Weder Sekte noch Orden, weder Stand noch Werk machen den Christen.Opel, 395.


Selb.

1 Herr Selb weiss am besten, wo der Schuh drückt.Eiselein, 555; Simrock, 9213.

2 Selb ist ein gut kraut, sie wechst aber in allen garten nit.Tappius, 138a; Franck, II, 94a; Lehmann, II, 568, 66; Sailer, 61; Simrock, 9481; Körte, 5533; Braun, I, 4082; Lohrengel, I, 605.

Hier Wortspiel mit Salbei.

Holl.: Zelf is het beste kruid; maar het wast niet in alle hoven. (Harrebomée, II, 498a.)

Lat.: Domi habet, domi nascitur. (Erasm., 292; Tappius, 138a.)


Selbander.

* Er ist selbander.Sutermeister, 64.

Er hat einen Rausch. (S. Molum, Most 12 und Trinken.)


Selbende.

Am Selbende erkennt man das Tuch.Simrock, 9480.


Selber.

1 Ass du dos salwer, dos de wacker bleist. (Zellerfeld im Oberharz.)

2 Besser selber haben als beim Nachbar borgen.

Schwed.: Bättre är sjelf äga, än bedas til låns af syster. (Törning, 9.)

3 Ein jeglicher für sich selber, Gott für vns alle.

„Sagen die Weisen.“ (Mathesius, Postille, XXXIXa.)

[Spaltenumbruch] 4 Geh sölbmar und gib an Puiben an Kraiza. (Steiermark.) – Firmenich, II, 768, 110.

Gehe selber und gib einem Buben einen Kreuzer.

5 Sälber dänke ist besser, wan nachi säge.Sutermeister, 131.

6 Selbe thäte, selbe habe.Simrock, 9494.

Auch: Selber tha, selber ha. (Gotthelf, Leiden, II, 124.)

7 Selber essen macht fett (satt).Beyer, I, 69; Siebenkees, 218; Ramann, Unterr., V, 7; Körte, 4086; Simrock, 9501; Gaal, 391; Steiger, 460; für Waldeck: Frommann, II, 409, 46; Curtze, 328, 168; für Bern: Zyro, 106.

Selber denken gescheit, selber lernen geschickt und kenntnissreich.

8 Selber gemacht, selber gha.Sutermeister, 128.

9 Selber gestritten, selber gelitten.

10 Selber haben ist besser als andere darum bitten.

Dän.: Bedre er selv at have, end søster at bede. – Broder har, søster har, selv have er en herre. (Prov. dan., 53 u. 91.)

11 Selber ist der Mann.Simrock, 9484; Lohrengel, I, 604.

12 Selber ist ein gut Kräutlein, wächst aber nicht in allen Gärten.

Lat.: Domi habet, domi nascitur. (Philippi, I, 124.)

13 Selber thun, selber haben.Simrock, 9453.

In Schwaben: Sell thaun, sell haun. Bei Tunnicius (1139): Sulven doen, sulven hebben. (Accingens se operi quaerit sibi dulce lucellum.)

Mhd.: Selb tet selb hab, der schade ist dîn. (Boner.) – Selbe taete, selbe habe. (von Fenis.) – Selbe tete, selbe hete. (Berthold.) – Wan ich ie hôrte sugen: selbe tete selbe habe. (Krone.) (Zingerle, 138.)

14 Selv eissen es et büste Krût. (Aachen.)

Selv, Anspielung auf Salbei.

15 Selwen1 is en gued Krut, awer et wässet nich in jiedermanns Garen.

1) Salbei und selber.

16 Wannste (wenn du) selwer geist, bedruiget di de Boade nit. (Soest.)

17 Wär sülben geit, dän drügt de Bôe nich.Schambach, II, 572.

Die Boten richten ihre Aufträge oft sehr mangelhaft aus.

18 Was ich selber thu', trau' ich andern zu.Simrock, 9496.

19 Wat me selwer iettet, smecket amme besten. (Attendorn.)

20 Wer ihm selber ein Schalk ist, wie kann er einem andern gut sein!

Lat.: Qui sibi nequam est, cui alii bonus erit!

21 Wer selber nicht gelitten hat, versteht die Klagen anderer nicht.

Lat.: Si quem nulla premit sitis, est sitientibus asper. (Seybold, 568.)

22 Wer selber nicht wil, da hat Gott kein Schuld an.Petri, II, 756.

23 Wer selber nicht will, dem kann alle Welt nicht helffen.Petri, II, 756.

24 Wer selber von Eis ist, kann andere nicht wärmen.

It.: Chi non arde, non incende.

25 Wer sich selber nichts Gutes thut, was sollte der andern Gutes thun.Pred. 14, 5; Agricola II, 630; Schulze, 154.

26 Wer sich selber will gefallen, macht sich verhasst bei allen.

Lat.: Multi te oderint, si te ipsum amas. (Seybold, 319.)

27 Wer sich vor sich selber hüten kann, ist ein kluger Mann.

Auch die Spanier beten: Guarda mi, Dios, di mi. (Dove, 97.)

28 Wie ein jeder selber ist, so denkt er sich die andern.Gaal, 1403.

29 Wo einer selber nicht ist, da wird ihm der Kopf nicht gewaschen.

Bei Tunnicius (343): Dâr ein sulven nicht en is, dar wert em syn hovet nicht gewaschen. (Nullus ubi praesto est, facies non tergitur ulli.)

30 Wor man sülfst nich kummt, dar ward ên de Kopp nich wusken.Eichwald, 1106.

*31 Bist du's nicht selber, so ist's dein Geist.Eiselein, 567.

Lat.: Aut ipse fuisti, aut tui simillimus. (Eiselein, 567.)

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><pb facs="#f0271" n="[265]"/><cb n="529"/>
*40 Etwas auf die Seite bringen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Mettre quelque chose du côté de l'épée. (<hi rendition="#i">Lendroy, 506.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*41 Jemand auf seine Seite ziehen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Iemand aan zijne koord krijgen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 436<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*42 Mer hän no vier Site im Chämi.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 33.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Hörer versteht vier Speckseiten, während der Sprechende meint: vier Wände.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*43 'S hat älles wieder au sei guate Seite.</hi> (<hi rendition="#i">Ulm.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*44 Se hôt a houcha Seita am Hols.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Michel, 276; Nefflen, 465.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">D. h. einen dicken Hals.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*45 Se op de brêd Sîd kriege.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier<hi rendition="#sup">2</hi>, 3481.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*46 Setze dich an meine grüne Seite.</hi> die Redensart kommt in dem ersten Verse des bekannten Volksliedes: Mädle, ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite. Doch findet sie sich schon bei Fischart in dessen Geschichtklitterung, Kap. 8 und 42, vgl. <hi rendition="#i">Kloster, VIII, 451.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*47 Sich auf die schlechte (schlimme) Seite legen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Braun, I, 4075.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Träge werden, sich dem Laster ergeben. &#x201E;Wer sich legt auff die faule seiten.&#x201C; (<hi rendition="#i">Waldis, III, 80, 23.</hi>) Im Niederdeutschen: Sick up de fule Sîde leggen. (<hi rendition="#i">Dähnert, 137.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*48 Sich auf die Seite machen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Sich schnell und heimlich entfernen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il s'est absenté du païs. (<hi rendition="#i">Kritzinger, 4<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*49 Sich auf eines (jemandes) Seite schlagen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Seine Partei nehmen. Wer sich des Angeklagten vor Gericht annehmen wollte, der stellte sich auf seine Seite.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*50 Sie neigt sich auf die Seite, wo die Börse hängt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Hij kraauwt aan de zijde, daar de beurs hangt. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 502<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*51 Stets auf die weiche Seite fallen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier<hi rendition="#sup">2</hi>, 3480.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*52 Uf oa Seita g'lada.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Michel, 279; Nefflen, 467.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Auf eine Seite geladen, d. i. nicht mehr aufrecht, geradeaus gehen, das Gleichgewicht verloren haben, stark angetrunken sein.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*53 Ût de Sît, de Höner willen pissen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Bueren, 1189.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*54 Von de linke Síd e Prêmke, von de rechte Sîd e Pîp Toback, on ön e Möod besape.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier<hi rendition="#sup">2</hi>, 3482.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*55 Wat du op de êne Sîd backst, dat kakt de Sunn op de annere weder ut.</hi> (<hi rendition="#i">Danzig.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier<hi rendition="#sup">2</hi>, 3483.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Seitenstechen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Die hot Seitenstechen vurne.</hi> (<hi rendition="#i">Oberlausitz.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Bei Beobachtung einer feilen Dirne.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Seitenwehe.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Seitenweh haben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 346.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Einen schlimmen Gesellschafter zur Seite haben. Von schlimmer Umgebung überhaupt. <hi rendition="#i">Megerle</hi> sagt: &#x201E;Die Fürsten leiden an Seitenweh, wenn sie von bösen Räthen umgeben sind.&#x201C;</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Sekte.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Auch ohne Sekten kann man fromm sein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Opel, 395.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Weder Sekte noch Orden, weder Stand noch Werk machen den Christen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Opel, 395.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Selb.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Herr Selb weiss am besten, wo der Schuh drückt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 555; Simrock, 9213.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Selb ist ein gut kraut, sie wechst aber in allen garten nit.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tappius, 138<hi rendition="#sup">a</hi>; Franck, II, 94<hi rendition="#sup">a</hi>; Lehmann, II, 568, 66; Sailer, 61; Simrock, 9481; Körte, 5533; Braun, I, 4082; Lohrengel, I, 605.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Hier Wortspiel mit Salbei.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Zelf is het beste kruid; maar het wast niet in alle hoven. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 498<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Domi habet, domi nascitur. (<hi rendition="#i">Erasm., 292; Tappius, 138<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Selbander.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Er ist selbander.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 64.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Er hat einen Rausch. (S.  Molum,  Most 12 und  Trinken.)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Selbende.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Am Selbende erkennt man das Tuch.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 9480.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Selber.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Ass du dos salwer, dos de wacker bleist.</hi> (<hi rendition="#i">Zellerfeld im Oberharz.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Besser selber haben als beim Nachbar borgen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: Bättre är sjelf äga, än bedas til låns af syster. (<hi rendition="#i">Törning, 9.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Ein jeglicher für sich selber, Gott für vns alle.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Sagen die Weisen.&#x201C; (<hi rendition="#i">Mathesius, Postille, XXXIX<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><cb n="530"/>
4 Geh sölbmar und gib an Puiben an Kraiza.</hi> (<hi rendition="#i">Steiermark.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Firmenich, II, 768, 110.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Gehe selber und gib einem Buben einen Kreuzer.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Sälber dänke ist besser, wan nachi säge.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 131.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Selbe thäte, selbe habe.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 9494.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Auch: Selber tha, selber ha. (<hi rendition="#i">Gotthelf, Leiden, II, 124.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Selber essen macht fett (satt).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Beyer, I, 69; Siebenkees, 218; Ramann, Unterr., V, 7; Körte, 4086; Simrock, 9501; Gaal, 391; Steiger, 460;</hi> für Waldeck: <hi rendition="#i">Frommann, II, 409, 46; Curtze, 328, 168;</hi> für Bern: <hi rendition="#i">Zyro, 106.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Selber denken gescheit, selber lernen geschickt und kenntnissreich.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">8 Selber gemacht, selber gha.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 128.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Selber gestritten, selber gelitten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">10 Selber haben ist besser als andere darum bitten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Bedre er selv at have, end søster at bede. &#x2013; Broder har, søster har, selv have er en herre. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 53 u. 91.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">11 Selber ist der Mann.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 9484; Lohrengel, I, 604.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">12 Selber ist ein gut Kräutlein, wächst aber nicht in allen Gärten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Domi habet, domi nascitur. (<hi rendition="#i">Philippi, I, 124.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">13 Selber thun, selber haben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 9453.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">In Schwaben: Sell thaun, sell haun. Bei <hi rendition="#i">Tunnicius (1139)</hi>: Sulven doen, sulven hebben. (Accingens se operi quaerit sibi dulce lucellum.)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Mhd.</hi>: Selb tet selb hab, der schade ist dîn. (<hi rendition="#i">Boner.</hi>) &#x2013; Selbe taete, selbe habe. (<hi rendition="#i">von Fenis.</hi>) &#x2013; Selbe tete, selbe hete. (<hi rendition="#i">Berthold.</hi>) &#x2013; Wan ich ie hôrte sugen: selbe tete selbe habe. (<hi rendition="#i">Krone.</hi>) (<hi rendition="#i">Zingerle, 138.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">14 Selv eissen es et büste Krût.</hi> (<hi rendition="#i">Aachen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Selv, Anspielung auf Salbei.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">15 Selwen<hi rendition="#sup">1</hi> is en gued Krut, awer et wässet nich in jiedermanns Garen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Salbei und selber.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">16 Wannste (wenn du) selwer geist, bedruiget di de Boade nit.</hi> (<hi rendition="#i">Soest.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">17 Wär sülben geit, dän drügt de Bôe nich.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schambach, II, 572.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Boten richten ihre Aufträge oft sehr mangelhaft aus.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">18 Was ich selber thu', trau' ich andern zu.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 9496.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">19 Wat me selwer iettet, smecket amme besten.</hi> (<hi rendition="#i">Attendorn.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">20 Wer ihm selber ein Schalk ist, wie kann er einem andern gut sein!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Qui sibi nequam est, cui alii bonus erit!</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">21 Wer selber nicht gelitten hat, versteht die Klagen anderer nicht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Si quem nulla premit sitis, est sitientibus asper. (<hi rendition="#i">Seybold, 568.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">22 Wer selber nicht wil, da hat Gott kein Schuld an.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 756.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">23 Wer selber nicht will, dem kann alle Welt nicht helffen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 756.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">24 Wer selber von Eis ist, kann andere nicht wärmen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Chi non arde, non incende.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">25 Wer sich selber nichts Gutes thut, was sollte der andern Gutes thun.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Pred. 14, 5; Agricola II, 630; Schulze, 154.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">26 Wer sich selber will gefallen, macht sich verhasst bei allen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Multi te oderint, si te ipsum amas. (<hi rendition="#i">Seybold, 319.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">27 Wer sich vor sich selber hüten kann, ist ein kluger Mann.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Auch die Spanier beten: Guarda mi, Dios, di mi. (<hi rendition="#i">Dove, 97.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">28 Wie ein jeder selber ist, so denkt er sich die andern.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gaal, 1403.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">29 Wo einer selber nicht ist, da wird ihm der Kopf nicht gewaschen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Bei <hi rendition="#i">Tunnicius (343)</hi>: Dâr ein sulven nicht en is, dar wert em syn hovet nicht gewaschen. (Nullus ubi praesto est, facies non tergitur ulli.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">30 Wor man sülfst nich kummt, dar ward ên de Kopp nich wusken.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eichwald, 1106.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*31 Bist du's nicht selber, so ist's dein Geist.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 567.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Aut ipse fuisti, aut tui simillimus. (<hi rendition="#i">Eiselein, 567.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[265]/0271] *40 Etwas auf die Seite bringen. Frz.: Mettre quelque chose du côté de l'épée. (Lendroy, 506.) *41 Jemand auf seine Seite ziehen. Holl.: Iemand aan zijne koord krijgen. (Harrebomée, I, 436a.) *42 Mer hän no vier Site im Chämi. – Sutermeister, 33. Der Hörer versteht vier Speckseiten, während der Sprechende meint: vier Wände. *43 'S hat älles wieder au sei guate Seite. (Ulm.) *44 Se hôt a houcha Seita am Hols. – Michel, 276; Nefflen, 465. D. h. einen dicken Hals. *45 Se op de brêd Sîd kriege. – Frischbier2, 3481. *46 Setze dich an meine grüne Seite. die Redensart kommt in dem ersten Verse des bekannten Volksliedes: Mädle, ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite. Doch findet sie sich schon bei Fischart in dessen Geschichtklitterung, Kap. 8 und 42, vgl. Kloster, VIII, 451. *47 Sich auf die schlechte (schlimme) Seite legen. – Braun, I, 4075. Träge werden, sich dem Laster ergeben. „Wer sich legt auff die faule seiten.“ (Waldis, III, 80, 23.) Im Niederdeutschen: Sick up de fule Sîde leggen. (Dähnert, 137.) *48 Sich auf die Seite machen. Sich schnell und heimlich entfernen. Frz.: Il s'est absenté du païs. (Kritzinger, 4b.) *49 Sich auf eines (jemandes) Seite schlagen. Seine Partei nehmen. Wer sich des Angeklagten vor Gericht annehmen wollte, der stellte sich auf seine Seite. *50 Sie neigt sich auf die Seite, wo die Börse hängt. Holl.: Hij kraauwt aan de zijde, daar de beurs hangt. (Harrebomée, II, 502b.) *51 Stets auf die weiche Seite fallen. – Frischbier2, 3480. *52 Uf oa Seita g'lada. – Michel, 279; Nefflen, 467. Auf eine Seite geladen, d. i. nicht mehr aufrecht, geradeaus gehen, das Gleichgewicht verloren haben, stark angetrunken sein. *53 Ût de Sît, de Höner willen pissen. – Bueren, 1189. *54 Von de linke Síd e Prêmke, von de rechte Sîd e Pîp Toback, on ön e Möod besape. – Frischbier2, 3482. *55 Wat du op de êne Sîd backst, dat kakt de Sunn op de annere weder ut. (Danzig.) – Frischbier2, 3483. Seitenstechen. * Die hot Seitenstechen vurne. (Oberlausitz.) Bei Beobachtung einer feilen Dirne. Seitenwehe. * Seitenweh haben. – Parömiakon, 346. Einen schlimmen Gesellschafter zur Seite haben. Von schlimmer Umgebung überhaupt. Megerle sagt: „Die Fürsten leiden an Seitenweh, wenn sie von bösen Räthen umgeben sind.“ Sekte. 1 Auch ohne Sekten kann man fromm sein. – Opel, 395. 2 Weder Sekte noch Orden, weder Stand noch Werk machen den Christen. – Opel, 395. Selb. 1 Herr Selb weiss am besten, wo der Schuh drückt. – Eiselein, 555; Simrock, 9213. 2 Selb ist ein gut kraut, sie wechst aber in allen garten nit. – Tappius, 138a; Franck, II, 94a; Lehmann, II, 568, 66; Sailer, 61; Simrock, 9481; Körte, 5533; Braun, I, 4082; Lohrengel, I, 605. Hier Wortspiel mit Salbei. Holl.: Zelf is het beste kruid; maar het wast niet in alle hoven. (Harrebomée, II, 498a.) Lat.: Domi habet, domi nascitur. (Erasm., 292; Tappius, 138a.) Selbander. * Er ist selbander. – Sutermeister, 64. Er hat einen Rausch. (S. Molum, Most 12 und Trinken.) Selbende. Am Selbende erkennt man das Tuch. – Simrock, 9480. Selber. 1 Ass du dos salwer, dos de wacker bleist. (Zellerfeld im Oberharz.) 2 Besser selber haben als beim Nachbar borgen. Schwed.: Bättre är sjelf äga, än bedas til låns af syster. (Törning, 9.) 3 Ein jeglicher für sich selber, Gott für vns alle. „Sagen die Weisen.“ (Mathesius, Postille, XXXIXa.) 4 Geh sölbmar und gib an Puiben an Kraiza. (Steiermark.) – Firmenich, II, 768, 110. Gehe selber und gib einem Buben einen Kreuzer. 5 Sälber dänke ist besser, wan nachi säge. – Sutermeister, 131. 6 Selbe thäte, selbe habe. – Simrock, 9494. Auch: Selber tha, selber ha. (Gotthelf, Leiden, II, 124.) 7 Selber essen macht fett (satt). – Beyer, I, 69; Siebenkees, 218; Ramann, Unterr., V, 7; Körte, 4086; Simrock, 9501; Gaal, 391; Steiger, 460; für Waldeck: Frommann, II, 409, 46; Curtze, 328, 168; für Bern: Zyro, 106. Selber denken gescheit, selber lernen geschickt und kenntnissreich. 8 Selber gemacht, selber gha. – Sutermeister, 128. 9 Selber gestritten, selber gelitten. 10 Selber haben ist besser als andere darum bitten. Dän.: Bedre er selv at have, end søster at bede. – Broder har, søster har, selv have er en herre. (Prov. dan., 53 u. 91.) 11 Selber ist der Mann. – Simrock, 9484; Lohrengel, I, 604. 12 Selber ist ein gut Kräutlein, wächst aber nicht in allen Gärten. Lat.: Domi habet, domi nascitur. (Philippi, I, 124.) 13 Selber thun, selber haben. – Simrock, 9453. In Schwaben: Sell thaun, sell haun. Bei Tunnicius (1139): Sulven doen, sulven hebben. (Accingens se operi quaerit sibi dulce lucellum.) Mhd.: Selb tet selb hab, der schade ist dîn. (Boner.) – Selbe taete, selbe habe. (von Fenis.) – Selbe tete, selbe hete. (Berthold.) – Wan ich ie hôrte sugen: selbe tete selbe habe. (Krone.) (Zingerle, 138.) 14 Selv eissen es et büste Krût. (Aachen.) Selv, Anspielung auf Salbei. 15 Selwen1 is en gued Krut, awer et wässet nich in jiedermanns Garen. 1) Salbei und selber. 16 Wannste (wenn du) selwer geist, bedruiget di de Boade nit. (Soest.) 17 Wär sülben geit, dän drügt de Bôe nich. – Schambach, II, 572. Die Boten richten ihre Aufträge oft sehr mangelhaft aus. 18 Was ich selber thu', trau' ich andern zu. – Simrock, 9496. 19 Wat me selwer iettet, smecket amme besten. (Attendorn.) 20 Wer ihm selber ein Schalk ist, wie kann er einem andern gut sein! Lat.: Qui sibi nequam est, cui alii bonus erit! 21 Wer selber nicht gelitten hat, versteht die Klagen anderer nicht. Lat.: Si quem nulla premit sitis, est sitientibus asper. (Seybold, 568.) 22 Wer selber nicht wil, da hat Gott kein Schuld an. – Petri, II, 756. 23 Wer selber nicht will, dem kann alle Welt nicht helffen. – Petri, II, 756. 24 Wer selber von Eis ist, kann andere nicht wärmen. It.: Chi non arde, non incende. 25 Wer sich selber nichts Gutes thut, was sollte der andern Gutes thun. – Pred. 14, 5; Agricola II, 630; Schulze, 154. 26 Wer sich selber will gefallen, macht sich verhasst bei allen. Lat.: Multi te oderint, si te ipsum amas. (Seybold, 319.) 27 Wer sich vor sich selber hüten kann, ist ein kluger Mann. Auch die Spanier beten: Guarda mi, Dios, di mi. (Dove, 97.) 28 Wie ein jeder selber ist, so denkt er sich die andern. – Gaal, 1403. 29 Wo einer selber nicht ist, da wird ihm der Kopf nicht gewaschen. Bei Tunnicius (343): Dâr ein sulven nicht en is, dar wert em syn hovet nicht gewaschen. (Nullus ubi praesto est, facies non tergitur ulli.) 30 Wor man sülfst nich kummt, dar ward ên de Kopp nich wusken. – Eichwald, 1106. *31 Bist du's nicht selber, so ist's dein Geist. – Eiselein, 567. Lat.: Aut ipse fuisti, aut tui simillimus. (Eiselein, 567.)

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:39:19Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:39:19Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876/271
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 4. Leipzig, 1876, S. [265]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876/271>, abgerufen am 28.10.2020.