Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 4. Leipzig, 1876.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] 10 Es schickt sich nicht wohl und währt nicht lang, wenn arme Gesellen mit grossen Löwen essen wollen.

Von den Unbemittelten, die grosse Gastereien mithalten wollen.

11 Es schickt sich nit, dass Ordensleute hohe Rosse reiten. - Klosterspiegel, 72, 3.

12 Es schickt sich wol, was sein soll.

13 Manchs ding schickt sich fein wie ein Muschel auff ein Jacobs-Mantel. - Lehmann, 77, 46.

14 Schick auff, schick ab, du must ins grab. - Henisch, 1723, 30.

15 Schick' dich in die Welt hinein, denn dein Kopf ist viel zu klein, dass sich schickt die Welt darein. - Pistor., VII, 88.

16 Schicke dich in die Zeit!

"Lerne dich schicken in die Zeit; ist es kalt, so zeuch an ein Kleid."

Lat.: Simonis Judae non debes currere nude. (Loci comm., 196.)

17 Schickt einen nach Paris, der Esel an Geberden; ist er ein Esel hier, wird dort kein Pferd draus werden.

18 Schigge und Marte het kei Fründschaft. - Sutermeister, 123.

Schicken, schickeln, schippen, schiggeln heisst in der Schweiz handeln, Handelschaft treiben, Handel schliessen, Schickler - der Händler. (Vgl. Stalder, II, 315.)

19 Sie schicken sich schlecht zusammen, die Zunge von Gold und das Herz von Eisen.

20 Was sich schickt für den einen, schickt sich nicht für den andern.

"Eines schickt sich nicht für alle, sehe jeder, wie er's treibe, sehe jeder, wo er bleibe, und wer steht, dass er nicht falle." (Goethe, Worte des Erfahrenen.)

21 Wer nicht hat zu schicken und zu schaffen, der verwirre sich mit Edelleuten und mit Pfaffen. - Müller, 123.

22 Wer si nit cha schicke, het au nit z' bicke. - Sutermeister, 124.

23 Wer zu schicken hat, soll früe auff sein. - Henisch, 1265, 56.

24 Wie sich einer schick', also hat er Glück. - Schottel, 1141b.

25 Wie sich einer schickt, so 's ihm glückt, sagte der Bauer, und lag unter dem Wagen.

Holl.: Dat zal zich wel schikken, zei de boer, en hij zat met zijn ossenkarretje in de hei. (Harrebomee, I, 69a.)

26 Wie sich einer weiss zu schicken, also wird es ihm auch glücken. - Suringar, VI, 19.

*27 Dai schicked sik so prächtich dertau as de Iesel taum Figgeleinen straiken (Violine streichen). (Grafschaft Mark.) - Frommann, V, 162, 135.

*28 Das schickt sich nicht.

Lat.: Hoc non est ad Rhombum. (Frisius, 266.)

*29 Das schickt sich wie eine Faust aufs Auge. - Keller, 141b.

*30 Das schickt sich wie Schmuz auf dem Aermel. - Laus. Magazin, 30, 13.

*31 Einen schicken, Dildaggen fangen. (Mülhausen.) - Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 1855, S. 320.

Einen necken, zum besten haben.

*32 Er schickt sich dazu, wie der Esel zum Lautenschlagen.

Der bekanntlich kein Virtuose auf diesem Instrumente ist.

*33 Er schickt sich dazu, wie der Schoshund zum Hasenhetzen. - Parömiakon, 2889.

*34 Er schickt sich dazu, wie die Sichel in eine Messerscheide. - Parömiakon, 106.

Untauglichkeit für ein Geschäft, einen Beruf.

*35 Er schickt sich dazu, wie ein Schaf zum Hasenhetzen.

*36 Er schickt sich dazu, wie ein Schaf (Ochs, Stier) zum Passametz tantz. - Lehmann, 24, 12.

Passa mezzo = ein sanfter Tanz der Italiener.

*37 Er schickt sich dazu, wie eine Pistole in ein Brillenfutteral. - Parömiakon, 1878.

*38 Er schickt sich in alle Sättel. - Parömiakon, 2764.

[Spaltenumbruch] *39 Er schickt sich, wie ein Affe in einen Glasschrank.

D. h. sehr wenig, da ein Affe in einem solchen Schrank die grösste Verwirrung anrichten würde.

*40 Er weiss sich wohl zu schicken.

Lat.: Pedem dextrum in calces, sinistrum in pelvi. (Seybold, 434.)

Schwed.: Han aker intet illa, vända kan. (Grubb, 290.)

*41 Es schickt sich, wie Charesalb (Wagenschmiere) und Rosoli. - Sutermeister, 103.

*42 Es schickt sich, wie eine Wimpel (eine Flagge) auf einem Mistkahn.

*43 Es schickt sich wie Kuhfleisch und Kalbfleisch in Einen Hafen.

*44 Es wird sich wol noch schicken. - Keller, 158b.

*45 Ich wulte groade noch'm schicken. - Gomolcke, 595.

Ironisch, wenn jemand kommt, den man nicht gern sieht.

*46 Is schickt sich, oas wie anne Foast uff a Oge. - Gomolcke, 676; Frommann, III, 248, 261.

*47 Se schickt em vun Osten na Westen. (Holst.) - Schütze, IV, 18.

*48 Se schickt em vun Pilatus na Herodes.

*49 Sich in jedermann zu schicken wissen.

Sich in eines jeden Eigenthümlichkeit zu fügen verstehen, sich allen Ansichten anbequemen.


Schicker (Subst.).

1 Der Schicker wohnt am Wege. - Eichwald, 1664.

Wer nicht viel hat, lernt wol von selbst sich in seine Umstände schicken.

2 E Schicker on e Wagen Ha (Heu) gait men aus em Weg. (Jüd.-deutsch.)

3 Lass den Schicker, er folt alaan. - Tendlau, 775.

Lasst den Betrunkenen, er fällt von selbst. Wenn jemand im Fallen ist, so hat man nicht nöthig, ihm noch einen Stoss zu versetzen.

4 Var a Schicker is kein schlechter Bronen nit du.

Einem Säufer ist jeder Branntwein, jeder Fusel recht. Im allgemeinen aber auch von allen denen, die in der Wahl der Mittel zur Befriedigung ihrer Leidenschaften nicht peinlich sind, als in dem Sinne, wie: Pfützenwasser, Mistjauche löscht auch Feuer.

5 Wenn zwei sagen: Schicker, soll sich der dritte schlufen legen. - Dukes, 96.

Um die Macht der öffentlichen Meinung auszudrücken. Wenn zwei dir sagen, du habest einen Rausch, so lege dich schlafen, wenn du auch gar nichts getrunken hast; denn ein Widerspruch würde erfolglos sein.

6 Wus ba a Schicker auf der Züng, is ba a Nichternen auf der Lüng. (Jüd.-deutsch. Brody.)

Was der Trunkene auf der Zunge hat, das hat der Nüchterne auf der Lunge, im Innern verschlossen.


Schicker (Adj.).

1 Das ganze Jahr schicker un am Purim nüchtern. - Frischbier2, 3290.

*2 Er is schicker wie Lot. - Tendlau, 3.

Um einen hohen Grad des Rausches zu bezeichnen. Schicker (hebräisch) = betrunken. Deelrel is schicker. Diese Redensart wendet man an, um die Aeusserung oder Meinung eines dritten kurzab als unhaltbar oder baaren Unsinn zu bezeichnen. Ihre Entstehung soll folgende sein. Ein vornehmer Jude hatte einmal einen Christen zu Tisch gebeten. Dieser erzählte in bester Absicht, wie er schon einmal mit dem Sohne des Gastgebers zusammen an einer (christlichen) Tafel gespeist habe. Dem Gastgeber war diese Bemerkung, um der andern Gäste willen, unangenehm, und er sagte ziemlich laut zu seiner Frau: Der Orel (aral = Nichtjude) ist schicker. (Tendlau, 980.) Von einem, der sich durch Soff bis zum Thier herabgebracht hat, heisst es jüdisch-deutsch in Warschau: Schicker wie a Bestie.

Jüd.-deutsch: Ich glab, du bist schicker (oder: du cholemst, dass du solchen Unsinn schwatzest). (Tendlau, 98.)

*3 Sich schicker schwätzen. - Tendlau, 115.

Von jemand, der so viel redet, dass er sich, wie Börne bemerkt, in seinen eigenen Worten berauscht.


Schicksal.

1 Beim Schicksal steht das Zukünftige.

2 Das Schicksal ist ein theurer Hofmeister.

Die Araber: Der Mensch, welcher durch Prüfungen geht, nimmt zu an seinem Wissen, wer ohne Prüfungen bleibt, wächst in seinen Fehlern. (Cahier, 2606.)

3 Das Schicksal neckt sich auch mit Füchsen.

4 Des Schicksals Pfeile treffen sicher.

Die Russen: Wenn das Schicksal nach der Scheibe schiesst, so trifft es in die Mitte. (Altmann VI, 389.)

5 Ein hartes Schicksal macht hart.

Lat.: Solent suprema facere securos mala. (Philippi, II, 194.)

[Spaltenumbruch] 10 Es schickt sich nicht wohl und währt nicht lang, wenn arme Gesellen mit grossen Löwen essen wollen.

Von den Unbemittelten, die grosse Gastereien mithalten wollen.

11 Es schickt sich nit, dass Ordensleute hohe Rosse reiten.Klosterspiegel, 72, 3.

12 Es schickt sich wol, was sein soll.

13 Manchs ding schickt sich fein wie ein Muschel auff ein Jacobs-Mantel.Lehmann, 77, 46.

14 Schick auff, schick ab, du must ins grab.Henisch, 1723, 30.

15 Schick' dich in die Welt hinein, denn dein Kopf ist viel zu klein, dass sich schickt die Welt darein.Pistor., VII, 88.

16 Schicke dich in die Zeit!

„Lerne dich schicken in die Zeit; ist es kalt, so zeuch an ein Kleid.“

Lat.: Simonis Judae non debes currere nude. (Loci comm., 196.)

17 Schickt einen nach Paris, der Esel an Geberden; ist er ein Esel hier, wird dort kein Pferd draus werden.

18 Schigge und Marte het kei Fründschaft.Sutermeister, 123.

Schicken, schickeln, schippen, schiggeln heisst in der Schweiz handeln, Handelschaft treiben, Handel schliessen, Schickler – der Händler. (Vgl. Stalder, II, 315.)

19 Sie schicken sich schlecht zusammen, die Zunge von Gold und das Herz von Eisen.

20 Was sich schickt für den einen, schickt sich nicht für den andern.

„Eines schickt sich nicht für alle, sehe jeder, wie er's treibe, sehe jeder, wo er bleibe, und wer steht, dass er nicht falle.“ (Goethe, Worte des Erfahrenen.)

21 Wer nicht hat zu schicken und zu schaffen, der verwirre sich mit Edelleuten und mit Pfaffen.Müller, 123.

22 Wer si nit cha schicke, het au nit z' bicke.Sutermeister, 124.

23 Wer zu schicken hat, soll früe auff sein.Henisch, 1265, 56.

24 Wie sich einer schick', also hat er Glück.Schottel, 1141b.

25 Wie sich einer schickt, so 's ihm glückt, sagte der Bauer, und lag unter dem Wagen.

Holl.: Dat zal zich wel schikken, zei de boer, en hij zat met zijn ossenkarretje in de hei. (Harrebomée, I, 69a.)

26 Wie sich einer weiss zu schicken, also wird es ihm auch glücken.Suringar, VI, 19.

*27 Dai schicked sik so prächtich dertau as de Iesel taum Figgelêinen strâiken (Violine streichen). (Grafschaft Mark.) – Frommann, V, 162, 135.

*28 Das schickt sich nicht.

Lat.: Hoc non est ad Rhombum. (Frisius, 266.)

*29 Das schickt sich wie eine Faust aufs Auge.Keller, 141b.

*30 Das schickt sich wie Schmuz auf dem Aermel.Laus. Magazin, 30, 13.

*31 Einen schicken, Dildaggen fangen. (Mülhausen.) – Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 1855, S. 320.

Einen necken, zum besten haben.

*32 Er schickt sich dazu, wie der Esel zum Lautenschlagen.

Der bekanntlich kein Virtuose auf diesem Instrumente ist.

*33 Er schickt sich dazu, wie der Schoshund zum Hasenhetzen.Parömiakon, 2889.

*34 Er schickt sich dazu, wie die Sichel in eine Messerscheide.Parömiakon, 106.

Untauglichkeit für ein Geschäft, einen Beruf.

*35 Er schickt sich dazu, wie ein Schaf zum Hasenhetzen.

*36 Er schickt sich dazu, wie ein Schaf (Ochs, Stier) zum Passametz tantz.Lehmann, 24, 12.

Passa mezzo = ein sanfter Tanz der Italiener.

*37 Er schickt sich dazu, wie eine Pistole in ein Brillenfutteral.Parömiakon, 1878.

*38 Er schickt sich in alle Sättel.Parömiakon, 2764.

[Spaltenumbruch] *39 Er schickt sich, wie ein Affe in einen Glasschrank.

D. h. sehr wenig, da ein Affe in einem solchen Schrank die grösste Verwirrung anrichten würde.

*40 Er weiss sich wohl zu schicken.

Lat.: Pedem dextrum in calces, sinistrum in pelvi. (Seybold, 434.)

Schwed.: Han åker intet illa, vända kan. (Grubb, 290.)

*41 Es schickt sich, wie Charesalb (Wagenschmiere) und Rosoli.Sutermeister, 103.

*42 Es schickt sich, wie eine Wimpel (eine Flagge) auf einem Mistkahn.

*43 Es schickt sich wie Kuhfleisch und Kalbfleisch in Einen Hafen.

*44 Es wird sich wol noch schicken.Keller, 158b.

*45 Ich wulte groade noch'm schicken.Gomolcke, 595.

Ironisch, wenn jemand kommt, den man nicht gern sieht.

*46 Is schickt sich, oas wie anne Foast uff a Oge.Gomolcke, 676; Frommann, III, 248, 261.

*47 Se schickt em vun Osten na Westen. (Holst.) – Schütze, IV, 18.

*48 Se schickt em vun Pilatus na Herodes.

*49 Sich in jedermann zu schicken wissen.

Sich in eines jeden Eigenthümlichkeit zu fügen verstehen, sich allen Ansichten anbequemen.


Schicker (Subst.).

1 Der Schicker wohnt am Wege.Eichwald, 1664.

Wer nicht viel hat, lernt wol von selbst sich in seine Umstände schicken.

2 E Schicker on e Wagen Hâ (Heu) gait men aus em Weg. (Jüd.-deutsch.)

3 Lass den Schicker, er folt alaan.Tendlau, 775.

Lasst den Betrunkenen, er fällt von selbst. Wenn jemand im Fallen ist, so hat man nicht nöthig, ihm noch einen Stoss zu versetzen.

4 Var a Schicker is kein schlechter Bronen nit du.

Einem Säufer ist jeder Branntwein, jeder Fusel recht. Im allgemeinen aber auch von allen denen, die in der Wahl der Mittel zur Befriedigung ihrer Leidenschaften nicht peinlich sind, als in dem Sinne, wie: Pfützenwasser, Mistjauche löscht auch Feuer.

5 Wenn zwei sagen: Schicker, soll sich der dritte schlufen legen.Dukes, 96.

Um die Macht der öffentlichen Meinung auszudrücken. Wenn zwei dir sagen, du habest einen Rausch, so lege dich schlafen, wenn du auch gar nichts getrunken hast; denn ein Widerspruch würde erfolglos sein.

6 Wus ba a Schicker auf der Züng, is ba a Nichternen auf der Lüng. (Jüd.-deutsch. Brody.)

Was der Trunkene auf der Zunge hat, das hat der Nüchterne auf der Lunge, im Innern verschlossen.


Schicker (Adj.).

1 Das ganze Jahr schicker un am Purim nüchtern.Frischbier2, 3290.

*2 Er is schicker wie Lot.Tendlau, 3.

Um einen hohen Grad des Rausches zu bezeichnen. Schicker (hebräisch) = betrunken. Deelrel is schicker. Diese Redensart wendet man an, um die Aeusserung oder Meinung eines dritten kurzab als unhaltbar oder baaren Unsinn zu bezeichnen. Ihre Entstehung soll folgende sein. Ein vornehmer Jude hatte einmal einen Christen zu Tisch gebeten. Dieser erzählte in bester Absicht, wie er schon einmal mit dem Sohne des Gastgebers zusammen an einer (christlichen) Tafel gespeist habe. Dem Gastgeber war diese Bemerkung, um der andern Gäste willen, unangenehm, und er sagte ziemlich laut zu seiner Frau: Der Orel (aral = Nichtjude) ist schicker. (Tendlau, 980.) Von einem, der sich durch Soff bis zum Thier herabgebracht hat, heisst es jüdisch-deutsch in Warschau: Schicker wie a Bestie.

Jüd.-deutsch: Ich glâb, du bist schicker (oder: du cholemst, dass du solchen Unsinn schwatzest). (Tendlau, 98.)

*3 Sich schicker schwätzen.Tendlau, 115.

Von jemand, der so viel redet, dass er sich, wie Börne bemerkt, in seinen eigenen Worten berauscht.


Schicksal.

1 Beim Schicksal steht das Zukünftige.

2 Das Schicksal ist ein theurer Hofmeister.

Die Araber: Der Mensch, welcher durch Prüfungen geht, nimmt zu an seinem Wissen, wer ohne Prüfungen bleibt, wächst in seinen Fehlern. (Cahier, 2606.)

3 Das Schicksal neckt sich auch mit Füchsen.

4 Des Schicksals Pfeile treffen sicher.

Die Russen: Wenn das Schicksal nach der Scheibe schiesst, so trifft es in die Mitte. (Altmann VI, 389.)

5 Ein hartes Schicksal macht hart.

Lat.: Solent suprema facere securos mala. (Philippi, II, 194.)

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><pb facs="#f0085" n="[79]"/><cb n="157"/>
10 Es schickt sich nicht wohl und währt nicht lang, wenn arme Gesellen mit grossen Löwen essen wollen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Von den Unbemittelten, die grosse Gastereien mithalten wollen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">11 Es schickt sich nit, dass Ordensleute hohe Rosse reiten.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klosterspiegel, 72, 3.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">12 Es schickt sich wol, was sein soll.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">13 Manchs ding schickt sich fein wie ein Muschel auff ein Jacobs-Mantel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 77, 46.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">14 Schick auff, schick ab, du must ins grab.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 1723, 30.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">15 Schick' dich in die Welt hinein, denn dein Kopf ist viel zu klein, dass sich schickt die Welt darein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Pistor., VII, 88.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">16 Schicke dich in die Zeit!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Lerne dich schicken in die Zeit; ist es kalt, so zeuch an ein Kleid.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Simonis Judae non debes currere nude. (<hi rendition="#i">Loci comm., 196.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">17 Schickt einen nach Paris, der Esel an Geberden; ist er ein Esel hier, wird dort kein Pferd draus werden.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">18 Schigge und Marte het kei Fründschaft.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 123.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Schicken, schickeln, schippen, schiggeln heisst in der Schweiz handeln, Handelschaft treiben, Handel schliessen, Schickler &#x2013; der Händler. (Vgl. <hi rendition="#i">Stalder, II, 315.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">19 Sie schicken sich schlecht zusammen, die Zunge von Gold und das Herz von Eisen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">20 Was sich schickt für den einen, schickt sich nicht für den andern.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Eines schickt sich nicht für alle, sehe jeder, wie er's treibe, sehe jeder, wo er bleibe, und wer steht, dass er nicht falle.&#x201C; (<hi rendition="#i">Goethe, Worte des Erfahrenen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">21 Wer nicht hat zu schicken und zu schaffen, der verwirre sich mit Edelleuten und mit Pfaffen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Müller, 123.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">22 Wer si nit cha schicke, het au nit z' bicke.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 124.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">23 Wer zu schicken hat, soll früe auff sein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 1265, 56.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">24 Wie sich einer schick', also hat er Glück.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schottel, 1141<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">25 Wie sich einer schickt, so 's ihm glückt, sagte der Bauer, und lag unter dem Wagen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Dat zal zich wel schikken, zei de boer, en hij zat met zijn ossenkarretje in de hei. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 69<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">26 Wie sich einer weiss zu schicken, also wird es ihm auch glücken.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Suringar, VI, 19.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*27 Dai schicked sik so prächtich dertau as de Iesel taum Figgelêinen strâiken (Violine streichen).</hi> (<hi rendition="#i">Grafschaft Mark.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 162, 135.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*28 Das schickt sich nicht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Hoc non est ad Rhombum. (<hi rendition="#i">Frisius, 266.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*29 Das schickt sich wie eine Faust aufs Auge.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Keller, 141<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*30 Das schickt sich wie Schmuz auf dem Aermel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Laus. Magazin, 30, 13.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*31 Einen schicken, Dildaggen fangen.</hi> (<hi rendition="#i">Mülhausen.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 1855, S. 320.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Einen necken, zum besten haben.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*32 Er schickt sich dazu, wie der Esel zum Lautenschlagen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Der bekanntlich kein Virtuose auf diesem Instrumente ist.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*33 Er schickt sich dazu, wie der Schoshund zum Hasenhetzen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 2889.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*34 Er schickt sich dazu, wie die Sichel in eine Messerscheide.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 106.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Untauglichkeit für ein Geschäft, einen Beruf.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*35 Er schickt sich dazu, wie ein Schaf zum Hasenhetzen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*36 Er schickt sich dazu, wie ein Schaf (Ochs, Stier) zum Passametz tantz.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 24, 12.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Passa mezzo = ein sanfter Tanz der Italiener.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*37 Er schickt sich dazu, wie eine Pistole in ein Brillenfutteral.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 1878.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*38 Er schickt sich in alle Sättel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 2764.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><cb n="158"/>
*39 Er schickt sich, wie ein Affe in einen Glasschrank.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">D. h. sehr wenig, da ein Affe in einem solchen Schrank die grösste Verwirrung anrichten würde.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*40 Er weiss sich wohl zu schicken.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Pedem dextrum in calces, sinistrum in pelvi. (<hi rendition="#i">Seybold, 434.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: Han åker intet illa, vända kan. (<hi rendition="#i">Grubb, 290.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*41 Es schickt sich, wie Charesalb (Wagenschmiere) und Rosoli.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 103.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*42 Es schickt sich, wie eine Wimpel (eine Flagge) auf einem Mistkahn.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*43 Es schickt sich wie Kuhfleisch und Kalbfleisch in Einen Hafen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*44 Es wird sich wol noch schicken.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Keller, 158<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*45 Ich wulte groade noch'm schicken.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 595.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ironisch, wenn jemand kommt, den man nicht gern sieht.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*46 Is schickt sich, oas wie anne Foast uff a Oge.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 676; Frommann, III, 248, 261.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*47 Se schickt em vun Osten na Westen.</hi> (<hi rendition="#i">Holst.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schütze, IV, 18.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*48 Se schickt em vun Pilatus na Herodes.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*49 Sich in jedermann zu schicken wissen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Sich in eines jeden Eigenthümlichkeit zu fügen verstehen, sich allen Ansichten anbequemen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head><hi rendition="#b">Schicker</hi> (Subst.).</head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Der Schicker wohnt am Wege.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eichwald, 1664.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wer nicht viel hat, lernt wol von selbst sich in seine Umstände schicken.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 E Schicker on e Wagen Hâ (Heu) gait men aus em Weg.</hi> (<hi rendition="#i">Jüd.-deutsch.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Lass den Schicker, er folt alaan.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tendlau, 775.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Lasst den Betrunkenen, er fällt von selbst. Wenn jemand im Fallen ist, so hat man nicht nöthig, ihm noch einen Stoss zu versetzen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Var a Schicker is kein schlechter Bronen nit du.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Einem Säufer ist jeder Branntwein, jeder Fusel recht. Im allgemeinen aber auch von allen denen, die in der Wahl der Mittel zur Befriedigung ihrer Leidenschaften nicht peinlich sind, als in dem Sinne, wie: Pfützenwasser, Mistjauche löscht auch Feuer.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Wenn zwei sagen: Schicker, soll sich der dritte schlufen legen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Dukes, 96.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Um die Macht der öffentlichen Meinung auszudrücken. Wenn zwei dir sagen, du habest einen Rausch, so lege dich schlafen, wenn du auch gar nichts getrunken hast; denn ein Widerspruch würde erfolglos sein.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Wus ba a Schicker auf der Züng, is ba a Nichternen auf der Lüng.</hi> (<hi rendition="#i">Jüd.-deutsch. Brody.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Was der Trunkene auf der Zunge hat, das hat der Nüchterne auf der Lunge, im Innern verschlossen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head><hi rendition="#b">Schicker</hi> (Adj.).</head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Das ganze Jahr schicker un am Purim nüchtern.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier<hi rendition="#sup">2</hi>, 3290.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 Er is schicker wie Lot.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tendlau, 3.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Um einen hohen Grad des Rausches zu bezeichnen. Schicker (hebräisch) = betrunken. Deelrel is schicker. Diese Redensart wendet man an, um die Aeusserung oder Meinung eines dritten kurzab als unhaltbar oder baaren Unsinn zu bezeichnen. Ihre Entstehung soll folgende sein. Ein vornehmer Jude hatte einmal einen Christen zu Tisch gebeten. Dieser erzählte in bester Absicht, wie er schon einmal mit dem Sohne des Gastgebers zusammen an einer (christlichen) Tafel gespeist habe. Dem Gastgeber war diese Bemerkung, um der andern Gäste willen, unangenehm, und er sagte ziemlich laut zu seiner Frau: Der Orel (aral = Nichtjude) ist schicker. (<hi rendition="#i">Tendlau, 980.</hi>) Von einem, der sich durch Soff bis zum Thier herabgebracht hat, heisst es jüdisch-deutsch in Warschau: Schicker wie a Bestie.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Jüd.-deutsch</hi>: Ich glâb, du bist schicker (oder: du cholemst, dass du solchen Unsinn schwatzest). (<hi rendition="#i">Tendlau, 98.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Sich schicker schwätzen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tendlau, 115.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Von jemand, der so viel redet, dass er sich, wie <hi rendition="#i">Börne</hi> bemerkt, in seinen eigenen Worten berauscht.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schicksal.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Beim Schicksal steht das Zukünftige.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Das Schicksal ist ein theurer Hofmeister.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Araber: Der Mensch, welcher durch Prüfungen geht, nimmt zu an seinem Wissen, wer ohne Prüfungen bleibt, wächst in seinen Fehlern. (<hi rendition="#i">Cahier, 2606.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Das Schicksal neckt sich auch mit Füchsen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Des Schicksals Pfeile treffen sicher.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Russen: Wenn das Schicksal nach der Scheibe schiesst, so trifft es in die Mitte. (<hi rendition="#i">Altmann VI, 389.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Ein hartes Schicksal macht hart.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Solent suprema facere securos mala. (<hi rendition="#i">Philippi, II, 194.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[79]/0085] 10 Es schickt sich nicht wohl und währt nicht lang, wenn arme Gesellen mit grossen Löwen essen wollen. Von den Unbemittelten, die grosse Gastereien mithalten wollen. 11 Es schickt sich nit, dass Ordensleute hohe Rosse reiten. – Klosterspiegel, 72, 3. 12 Es schickt sich wol, was sein soll. 13 Manchs ding schickt sich fein wie ein Muschel auff ein Jacobs-Mantel. – Lehmann, 77, 46. 14 Schick auff, schick ab, du must ins grab. – Henisch, 1723, 30. 15 Schick' dich in die Welt hinein, denn dein Kopf ist viel zu klein, dass sich schickt die Welt darein. – Pistor., VII, 88. 16 Schicke dich in die Zeit! „Lerne dich schicken in die Zeit; ist es kalt, so zeuch an ein Kleid.“ Lat.: Simonis Judae non debes currere nude. (Loci comm., 196.) 17 Schickt einen nach Paris, der Esel an Geberden; ist er ein Esel hier, wird dort kein Pferd draus werden. 18 Schigge und Marte het kei Fründschaft. – Sutermeister, 123. Schicken, schickeln, schippen, schiggeln heisst in der Schweiz handeln, Handelschaft treiben, Handel schliessen, Schickler – der Händler. (Vgl. Stalder, II, 315.) 19 Sie schicken sich schlecht zusammen, die Zunge von Gold und das Herz von Eisen. 20 Was sich schickt für den einen, schickt sich nicht für den andern. „Eines schickt sich nicht für alle, sehe jeder, wie er's treibe, sehe jeder, wo er bleibe, und wer steht, dass er nicht falle.“ (Goethe, Worte des Erfahrenen.) 21 Wer nicht hat zu schicken und zu schaffen, der verwirre sich mit Edelleuten und mit Pfaffen. – Müller, 123. 22 Wer si nit cha schicke, het au nit z' bicke. – Sutermeister, 124. 23 Wer zu schicken hat, soll früe auff sein. – Henisch, 1265, 56. 24 Wie sich einer schick', also hat er Glück. – Schottel, 1141b. 25 Wie sich einer schickt, so 's ihm glückt, sagte der Bauer, und lag unter dem Wagen. Holl.: Dat zal zich wel schikken, zei de boer, en hij zat met zijn ossenkarretje in de hei. (Harrebomée, I, 69a.) 26 Wie sich einer weiss zu schicken, also wird es ihm auch glücken. – Suringar, VI, 19. *27 Dai schicked sik so prächtich dertau as de Iesel taum Figgelêinen strâiken (Violine streichen). (Grafschaft Mark.) – Frommann, V, 162, 135. *28 Das schickt sich nicht. Lat.: Hoc non est ad Rhombum. (Frisius, 266.) *29 Das schickt sich wie eine Faust aufs Auge. – Keller, 141b. *30 Das schickt sich wie Schmuz auf dem Aermel. – Laus. Magazin, 30, 13. *31 Einen schicken, Dildaggen fangen. (Mülhausen.) – Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 1855, S. 320. Einen necken, zum besten haben. *32 Er schickt sich dazu, wie der Esel zum Lautenschlagen. Der bekanntlich kein Virtuose auf diesem Instrumente ist. *33 Er schickt sich dazu, wie der Schoshund zum Hasenhetzen. – Parömiakon, 2889. *34 Er schickt sich dazu, wie die Sichel in eine Messerscheide. – Parömiakon, 106. Untauglichkeit für ein Geschäft, einen Beruf. *35 Er schickt sich dazu, wie ein Schaf zum Hasenhetzen. *36 Er schickt sich dazu, wie ein Schaf (Ochs, Stier) zum Passametz tantz. – Lehmann, 24, 12. Passa mezzo = ein sanfter Tanz der Italiener. *37 Er schickt sich dazu, wie eine Pistole in ein Brillenfutteral. – Parömiakon, 1878. *38 Er schickt sich in alle Sättel. – Parömiakon, 2764. *39 Er schickt sich, wie ein Affe in einen Glasschrank. D. h. sehr wenig, da ein Affe in einem solchen Schrank die grösste Verwirrung anrichten würde. *40 Er weiss sich wohl zu schicken. Lat.: Pedem dextrum in calces, sinistrum in pelvi. (Seybold, 434.) Schwed.: Han åker intet illa, vända kan. (Grubb, 290.) *41 Es schickt sich, wie Charesalb (Wagenschmiere) und Rosoli. – Sutermeister, 103. *42 Es schickt sich, wie eine Wimpel (eine Flagge) auf einem Mistkahn. *43 Es schickt sich wie Kuhfleisch und Kalbfleisch in Einen Hafen. *44 Es wird sich wol noch schicken. – Keller, 158b. *45 Ich wulte groade noch'm schicken. – Gomolcke, 595. Ironisch, wenn jemand kommt, den man nicht gern sieht. *46 Is schickt sich, oas wie anne Foast uff a Oge. – Gomolcke, 676; Frommann, III, 248, 261. *47 Se schickt em vun Osten na Westen. (Holst.) – Schütze, IV, 18. *48 Se schickt em vun Pilatus na Herodes. *49 Sich in jedermann zu schicken wissen. Sich in eines jeden Eigenthümlichkeit zu fügen verstehen, sich allen Ansichten anbequemen. Schicker (Subst.). 1 Der Schicker wohnt am Wege. – Eichwald, 1664. Wer nicht viel hat, lernt wol von selbst sich in seine Umstände schicken. 2 E Schicker on e Wagen Hâ (Heu) gait men aus em Weg. (Jüd.-deutsch.) 3 Lass den Schicker, er folt alaan. – Tendlau, 775. Lasst den Betrunkenen, er fällt von selbst. Wenn jemand im Fallen ist, so hat man nicht nöthig, ihm noch einen Stoss zu versetzen. 4 Var a Schicker is kein schlechter Bronen nit du. Einem Säufer ist jeder Branntwein, jeder Fusel recht. Im allgemeinen aber auch von allen denen, die in der Wahl der Mittel zur Befriedigung ihrer Leidenschaften nicht peinlich sind, als in dem Sinne, wie: Pfützenwasser, Mistjauche löscht auch Feuer. 5 Wenn zwei sagen: Schicker, soll sich der dritte schlufen legen. – Dukes, 96. Um die Macht der öffentlichen Meinung auszudrücken. Wenn zwei dir sagen, du habest einen Rausch, so lege dich schlafen, wenn du auch gar nichts getrunken hast; denn ein Widerspruch würde erfolglos sein. 6 Wus ba a Schicker auf der Züng, is ba a Nichternen auf der Lüng. (Jüd.-deutsch. Brody.) Was der Trunkene auf der Zunge hat, das hat der Nüchterne auf der Lunge, im Innern verschlossen. Schicker (Adj.). 1 Das ganze Jahr schicker un am Purim nüchtern. – Frischbier2, 3290. *2 Er is schicker wie Lot. – Tendlau, 3. Um einen hohen Grad des Rausches zu bezeichnen. Schicker (hebräisch) = betrunken. Deelrel is schicker. Diese Redensart wendet man an, um die Aeusserung oder Meinung eines dritten kurzab als unhaltbar oder baaren Unsinn zu bezeichnen. Ihre Entstehung soll folgende sein. Ein vornehmer Jude hatte einmal einen Christen zu Tisch gebeten. Dieser erzählte in bester Absicht, wie er schon einmal mit dem Sohne des Gastgebers zusammen an einer (christlichen) Tafel gespeist habe. Dem Gastgeber war diese Bemerkung, um der andern Gäste willen, unangenehm, und er sagte ziemlich laut zu seiner Frau: Der Orel (aral = Nichtjude) ist schicker. (Tendlau, 980.) Von einem, der sich durch Soff bis zum Thier herabgebracht hat, heisst es jüdisch-deutsch in Warschau: Schicker wie a Bestie. Jüd.-deutsch: Ich glâb, du bist schicker (oder: du cholemst, dass du solchen Unsinn schwatzest). (Tendlau, 98.) *3 Sich schicker schwätzen. – Tendlau, 115. Von jemand, der so viel redet, dass er sich, wie Börne bemerkt, in seinen eigenen Worten berauscht. Schicksal. 1 Beim Schicksal steht das Zukünftige. 2 Das Schicksal ist ein theurer Hofmeister. Die Araber: Der Mensch, welcher durch Prüfungen geht, nimmt zu an seinem Wissen, wer ohne Prüfungen bleibt, wächst in seinen Fehlern. (Cahier, 2606.) 3 Das Schicksal neckt sich auch mit Füchsen. 4 Des Schicksals Pfeile treffen sicher. Die Russen: Wenn das Schicksal nach der Scheibe schiesst, so trifft es in die Mitte. (Altmann VI, 389.) 5 Ein hartes Schicksal macht hart. Lat.: Solent suprema facere securos mala. (Philippi, II, 194.)

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:39:19Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:39:19Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876/85
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 4. Leipzig, 1876, S. [79]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876/85>, abgerufen am 27.11.2020.