Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 4. Leipzig, 1876.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] *42 Er schiesst ohne Ziel.

"Er redet ohne Gedanken und also schiesst er ohne Ziel." (Keller, 143b.)

*43 Er schiesst seinem Kinde einen Apfel vom Kopfe. - Eiselein, 670.

*44 Er schiesst wie Mathes Asche, der sich seine Büchsen selber macht.

Im Jahre 1612 war ein grosses Freischiessen zu Neisse, an dem auch eine Anzahl schweidnitzer Schützen theilnahmen, die sich, wie aus einem Siegesgesange, womit dasselbe gepriesen wurde, hervorgeht, besonders auszeichneten. Von Mathes Asche heisst es darin: "Herr Mathes Asche macht's nit lang, mit allen dreien (Schüssen) hindurch drang. Die Büchsen er ihm selber macht, gibt auch auf seinen Schuss gut Acht."

*45 Et schet van in'n enen, as wann 'r 'n Schnei schiöte van 'n Dacke stärtet. - Lyra, 26.

Es schiesst in einen, d. i. er erschrickt, er fährt zusammen, als wenn ein Haufen Schnee (Lavine) herabstürzt.

*46 Gut geschussen, Herr Gevotter. - Gomolcke, 412; Frommann, III, 413.

Ernst und Ironie.

*47 Lat em schete, 't es en Geeslitz(?). - Frischbier2, 3289.

Redensarten der Fischer auf der danziger Nehrung.

*48 Schiesse noch nicht!

Ueberlege, bevor du den Kampf beginnst. "Gib frid nur maw vnd schüss noch nit." (Murner, Vom gr. luth. Narren, in Kloster, X, 149.)

*49 Sie schiessen draussen mit Buttersemmeln.

*50 Sie schiessen wie bei der Auferstehung. (Poln.)

Bei den Jägern gebräuchlich. Man bedient sich der Redensart, wenn mehrere Schüsse auf ein Wild nacheinander von verschiedenen Seiten fallen. Es spielt auf die Auferstehungsfeier an, welche am Ostersonnabend mit feierlichen Umzügen begangen wird, wobei bei den vier Evangelien Salven aus Geschütz und Gewehrfeuer gegeben werden. Wo kein Militär liegt, schiessen die Bürger und Bauern, und meist gar sehr durcheinander. Daher die obige Redensart.

Poln.: Strzelaja jak na resurekcye. (Wurzbach I, 130, 42.)

*51 So scharf (schlimm) schiessen die Preussen (s. d.) nicht. - Frischbier2, 3253.


Schiesser.

Hä is känn schackige Schisser werth. (Henneberg.)

Er ist ein Taugenichts. Schiesser ist eine kleine Steinkugel (Mörbel).


Schiessgewehr.

1 Schiessgewehre sind kein Spielzeug.

Böhm.: Tma lide nehraji, od ceho umiraji. (Celakovsky, 249.)

2 Spiele nicht mit Schiessgewehren! (Köthen.)

Mit gefährlichen Menschen, Unternehmungen u. s. w. ist nicht zu scherzen.

3 Spiele nicht mit Schiessgewehren, denn es fühlt wie du den Schmerz. (Ulm.)


Schiesskunst.

Der die Schiesskunst lehrt, wird oft selbst geschossen.


Schiesspulver.

*1 Der würde das Schiesspulver erfinden, wenn es nicht schon erfunden wäre.

Es ist ein scharfsinniger Kopf, gewandter Geist. Auch ironisch von einem Klügling.

Frz.: Cestuy a beaucoup de gens subtilz.

Lat.: Multos iste daedalos habet. (Bovill, I, 164.)

*2 Er hat das Schiesspulver nicht erfunden. - Sailer, 300.

Er hat nicht viel Verstand und Witz.

Span.: No invento la polvora. (Bohn I, 236.)

*3 Er hätte das Schiesspulver erfunden, wäre Berthold Schwarz nicht zuvorgekommen.

Spott auf einen Aufschneider und Prahler. "Was in dem Homer zu lesen, hätt' ich ohne ihn gemacht; wäre Newton nicht gewesen, sein System hätt' ich erdacht; nur zum Unglück auserkoren, seht, wie mich das Schicksal neckt, wär' Colomb nach mir geboren, ich hätt' Amerika entdeckt." (Witzfunken, IIIb, 8.)


Schiff.

1 Alle Schiffe sind gut, so lange sie auf der Werft liegen.

Die Russen: So lange das Schiff auf der Werft ist, lobt es der Narr, wenn es vom Stapel lief, lobt es der Weise. (Altmann VI, 440.)

2 An Schiffen und Frauen ist immer was zu flicken.

3 Auf dem Schiffe sind die Matrosen Trumpf.

Die Russen: Auf dem Schiffe gilt kein Stand, alt der Matrosenstand. (Altmann VI, 482.)

[Spaltenumbruch] 4 Auf den grössten Schiffen sind die meisten Mäuse.

5 Auf ein klein Schiff passt kein gross Segel.

Holl.: Op zulk eene schuit past geen zoo overgroot zeil. (Harrebomee, II, 263a.)

6 Biss du mein Schiff, ich bin dein Ruder, sagte der Lahme zum blinden Bruder. - Waldis, IV, 61.

7 Das beste Schiff kann auf einer kleinen Klippe Schiffbruch leiden.

Holl.: Onze best gebouwde schepen lijden soms schipbreuk op eene kleine klip. (Harrebomee, II, 252a.)

8 Das grösste Schiff ist ein kleiner Bissen fürs Meer.

9 Das letzte Schiff sinkt nicht.

Ein Wort des Trostes und der Hoffnung für die, welche viel, ja alles bis auf einen kleinen Rest, von dem sie Rettung erwarten, verloren haben.

Holl.: Het laatste schip zinkt niet. (Harrebomee, II, 250a.)

10 Das schif geht nit alweg, war es der schiffman leyt. - Franck, II, 109; Eyering, I, 339.

Bei Tunnicius (1105): Dat schip en geit nicht alle wege den rechten wech. (Non puppis semper vergit quo navita flectit.)

11 Das Schiff am besten stehet, das immer fort gehet. - Petri, II, 69; Henisch, 328, 60.

12 Das Schiff deckt die Ladung.

13 Das Schiff gehört aufs Wasser. - Graf, 276, 302.

Es darf nicht müssig im Hafen liegen, es muss seine eingegangenen Verbindlichkeiten erfüllen, die Fahrzeit innehalten und für jeden aus Verzug entstehenden Schaden haften. (S. Schiff 98.) In Bremen: Dat schip wert to watere. (Oelrichs, 299.)

14 Das Schiff geht am sichersten im kleinen Strom.

Holl.: Te veel is kwaad genoeg zij dat wat gij geniet; een schip vaart veiligst door, een' niet te sterken vliet. (Bohn I, 338.)

15 Das Schiff geht nicht ohne Ruder.

Frz.: La barque ne va pas sans rames. (Kritzinger, 58b.)

16 Das Schiff geht nicht, wenn nicht Wind und Ruder es treiben.

It.: Mal va la nave senza 'l suo timone. (Pazzaglia, 238, 2.)

17 Das schiff geht nit allweg, war es der schiffman (Steuermann) haben will. - Egenolff, 288a; Gruter, I, 12; Petri, II, 69; Fabricius, 52; Körte, 5313; Simrock, 9000; Braun, I, 3857.

18 Das Schiff gleicht dem Weib, den Menschen träget beider Leib.

Lat.: Persimilis mulier navi, cum nata ferendis mortalibus sit utraque. (Witzfunken, Va, 52.)

19 Das Schiff hängt mehr am Ruder, denn das Ruder am Schiff. - Simrock, 8997; Körte, 5312; Graf, 523, 285; Braun, I, 3856.

Lat.: Oportet remum ducere qui didicit.

20 Das Schiff kann in See treiben, der Nachen muss am Ufer bleiben. - Schlechta, 342.

21 Das Schiff scheitert oft, wenn's am besten fährt.

22 Dat Schipp steit wael, dar ein erfahren Schipper inne is. - Körte, 5314.

23 De düürn Schäp ligt meist Tüd op'n Dröögn. (Süderdithmarschen.) - Hochdeutsch bei Simrock, 9002.

Die theuern Schiffe liegen die meiste Zeit auf dem Trocknen.

Holl.: De duurste schepen (schippers) liggen langst aan land (wal). - De kostelijkste schepen staan het naast bij de haven. (Harrebomee, II, 249.)

24 Der eine baut das Schiff, der andere scheitert damit. - Altmann V, 88.

25 Des Schiffs sach am besten stehet, das auff einem seichten Wasser gehet. - Petri, II, 120; Henisch, 328, 61.

"D. i. das klein vnd nicht tieff ist."

26 Die alten Schiffe bleiben am Lande (oder: im Hafen).

Von bejahrten Mädchen, die unverheirathet bleiben.

Holl.: De oude schepen blijven aan land (wal). (Harrebomee, II, 249b.)

27 Die ärgsten (schwächsten, gebrechlichsten) Schiffe müssen fahren, die besten thut man im Hafen bewahren. - Lehmann, II, 69, 15; Simrock, 9005.

"Die böse Schiff müssen fahren, die gute thun den Hafen bewahren."

Lat.: Naves pejores nant, portu stant meliores. (Loci comm., 95; Sutor, 667.)

[Spaltenumbruch] *42 Er schiesst ohne Ziel.

„Er redet ohne Gedanken und also schiesst er ohne Ziel.“ (Keller, 143b.)

*43 Er schiesst seinem Kinde einen Apfel vom Kopfe.Eiselein, 670.

*44 Er schiesst wie Mathes Asche, der sich seine Büchsen selber macht.

Im Jahre 1612 war ein grosses Freischiessen zu Neisse, an dem auch eine Anzahl schweidnitzer Schützen theilnahmen, die sich, wie aus einem Siegesgesange, womit dasselbe gepriesen wurde, hervorgeht, besonders auszeichneten. Von Mathes Asche heisst es darin: „Herr Mathes Asche macht's nit lang, mit allen dreien (Schüssen) hindurch drang. Die Büchsen er ihm selber macht, gibt auch auf seinen Schuss gut Acht.“

*45 Et schêt van in'n ênen, as wann 'r 'n Schnei schiöte van 'n Dacke stärtet.Lyra, 26.

Es schiesst in einen, d. i. er erschrickt, er fährt zusammen, als wenn ein Haufen Schnee (Lavine) herabstürzt.

*46 Gut geschussen, Herr Gevotter.Gomolcke, 412; Frommann, III, 413.

Ernst und Ironie.

*47 Lat em schête, 't es en Geeslitz(?).Frischbier2, 3289.

Redensarten der Fischer auf der danziger Nehrung.

*48 Schiesse noch nicht!

Ueberlege, bevor du den Kampf beginnst. „Gib frid nur maw vnd schüss noch nit.“ (Murner, Vom gr. luth. Narren, in Kloster, X, 149.)

*49 Sie schiessen draussen mit Buttersemmeln.

*50 Sie schiessen wie bei der Auferstehung. (Poln.)

Bei den Jägern gebräuchlich. Man bedient sich der Redensart, wenn mehrere Schüsse auf ein Wild nacheinander von verschiedenen Seiten fallen. Es spielt auf die Auferstehungsfeier an, welche am Ostersonnabend mit feierlichen Umzügen begangen wird, wobei bei den vier Evangelien Salven aus Geschütz und Gewehrfeuer gegeben werden. Wo kein Militär liegt, schiessen die Bürger und Bauern, und meist gar sehr durcheinander. Daher die obige Redensart.

Poln.: Strzelaja jak na resurekcyę. (Wurzbach I, 130, 42.)

*51 So scharf (schlimm) schiessen die Preussen (s. d.) nicht.Frischbier2, 3253.


Schiesser.

Hä is känn schackige Schisser werth. (Henneberg.)

Er ist ein Taugenichts. Schiesser ist eine kleine Steinkugel (Mörbel).


Schiessgewehr.

1 Schiessgewehre sind kein Spielzeug.

Böhm.: Tma lidé nehrají, od čeho umírají. (Čelakovský, 249.)

2 Spiele nicht mit Schiessgewehren! (Köthen.)

Mit gefährlichen Menschen, Unternehmungen u. s. w. ist nicht zu scherzen.

3 Spiele nicht mit Schiessgewehren, denn es fühlt wie du den Schmerz. (Ulm.)


Schiesskunst.

Der die Schiesskunst lehrt, wird oft selbst geschossen.


Schiesspulver.

*1 Der würde das Schiesspulver erfinden, wenn es nicht schon erfunden wäre.

Es ist ein scharfsinniger Kopf, gewandter Geist. Auch ironisch von einem Klügling.

Frz.: Cestuy a beaucoup de gens subtilz.

Lat.: Multos iste daedalos habet. (Bovill, I, 164.)

*2 Er hat das Schiesspulver nicht erfunden.Sailer, 300.

Er hat nicht viel Verstand und Witz.

Span.: No inventó la pôlvora. (Bohn I, 236.)

*3 Er hätte das Schiesspulver erfunden, wäre Berthold Schwarz nicht zuvorgekommen.

Spott auf einen Aufschneider und Prahler. „Was in dem Homer zu lesen, hätt' ich ohne ihn gemacht; wäre Newton nicht gewesen, sein System hätt' ich erdacht; nur zum Unglück auserkoren, seht, wie mich das Schicksal neckt, wär' Colomb nach mir geboren, ich hätt' Amerika entdeckt.“ (Witzfunken, IIIb, 8.)


Schiff.

1 Alle Schiffe sind gut, so lange sie auf der Werft liegen.

Die Russen: So lange das Schiff auf der Werft ist, lobt es der Narr, wenn es vom Stapel lief, lobt es der Weise. (Altmann VI, 440.)

2 An Schiffen und Frauen ist immer was zu flicken.

3 Auf dem Schiffe sind die Matrosen Trumpf.

Die Russen: Auf dem Schiffe gilt kein Stand, alt der Matrosenstand. (Altmann VI, 482.)

[Spaltenumbruch] 4 Auf den grössten Schiffen sind die meisten Mäuse.

5 Auf ein klein Schiff passt kein gross Segel.

Holl.: Op zulk eene schuit past geen zoo overgroot zeil. (Harrebomée, II, 263a.)

6 Biss du mein Schiff, ich bin dein Ruder, sagte der Lahme zum blinden Bruder.Waldis, IV, 61.

7 Das beste Schiff kann auf einer kleinen Klippe Schiffbruch leiden.

Holl.: Onze best gebouwde schepen lijden soms schipbreuk op eene kleine klip. (Harrebomée, II, 252a.)

8 Das grösste Schiff ist ein kleiner Bissen fürs Meer.

9 Das letzte Schiff sinkt nicht.

Ein Wort des Trostes und der Hoffnung für die, welche viel, ja alles bis auf einen kleinen Rest, von dem sie Rettung erwarten, verloren haben.

Holl.: Het laatste schip zinkt niet. (Harrebomée, II, 250a.)

10 Das schif geht nit alweg, war es der schiffman leyt.Franck, II, 109; Eyering, I, 339.

Bei Tunnicius (1105): Dat schip en geit nicht alle wege den rechten wech. (Non puppis semper vergit quo navita flectit.)

11 Das Schiff am besten stehet, das immer fort gehet.Petri, II, 69; Henisch, 328, 60.

12 Das Schiff deckt die Ladung.

13 Das Schiff gehört aufs Wasser.Graf, 276, 302.

Es darf nicht müssig im Hafen liegen, es muss seine eingegangenen Verbindlichkeiten erfüllen, die Fahrzeit innehalten und für jeden aus Verzug entstehenden Schaden haften. (S. Schiff 98.) In Bremen: Dat schip wert to watere. (Oelrichs, 299.)

14 Das Schiff geht am sichersten im kleinen Strom.

Holl.: Te veel is kwaad genoeg zij dat wat gij geniet; een schip vaart veiligst door, een' niet te sterken vliet. (Bohn I, 338.)

15 Das Schiff geht nicht ohne Ruder.

Frz.: La barque ne va pas sans rames. (Kritzinger, 58b.)

16 Das Schiff geht nicht, wenn nicht Wind und Ruder es treiben.

It.: Mal va la nave senza 'l suo timone. (Pazzaglia, 238, 2.)

17 Das schiff geht nit allweg, war es der schiffman (Steuermann) haben will.Egenolff, 288a; Gruter, I, 12; Petri, II, 69; Fabricius, 52; Körte, 5313; Simrock, 9000; Braun, I, 3857.

18 Das Schiff gleicht dem Weib, den Menschen träget beider Leib.

Lat.: Persimilis mulier navi, cum nata ferendis mortalibus sit utraque. (Witzfunken, Va, 52.)

19 Das Schiff hängt mehr am Ruder, denn das Ruder am Schiff.Simrock, 8997; Körte, 5312; Graf, 523, 285; Braun, I, 3856.

Lat.: Oportet remum ducere qui didicit.

20 Das Schiff kann in See treiben, der Nachen muss am Ufer bleiben.Schlechta, 342.

21 Das Schiff scheitert oft, wenn's am besten fährt.

22 Dat Schipp steit wael, dar ein erfahren Schipper inne is.Körte, 5314.

23 De düürn Schäp ligt meist Tüd op'n Dröögn. (Süderdithmarschen.) – Hochdeutsch bei Simrock, 9002.

Die theuern Schiffe liegen die meiste Zeit auf dem Trocknen.

Holl.: De duurste schepen (schippers) liggen langst aan land (wal). – De kostelijkste schepen staan het naast bij de haven. (Harrebomée, II, 249.)

24 Der eine baut das Schiff, der andere scheitert damit.Altmann V, 88.

25 Des Schiffs sach am besten stehet, das auff einem seichten Wasser gehet.Petri, II, 120; Henisch, 328, 61.

„D. i. das klein vnd nicht tieff ist.“

26 Die alten Schiffe bleiben am Lande (oder: im Hafen).

Von bejahrten Mädchen, die unverheirathet bleiben.

Holl.: De oude schepen blijven aan land (wal). (Harrebomée, II, 249b.)

27 Die ärgsten (schwächsten, gebrechlichsten) Schiffe müssen fahren, die besten thut man im Hafen bewahren.Lehmann, II, 69, 15; Simrock, 9005.

„Die böse Schiff müssen fahren, die gute thun den Hafen bewahren.“

Lat.: Naves pejores nant, portu stant meliores. (Loci comm., 95; Sutor, 667.)

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><pb facs="#f0089" n="[83]"/><cb n="165"/>
*42 Er schiesst ohne Ziel.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Er redet ohne Gedanken und also schiesst er ohne Ziel.&#x201C; (<hi rendition="#i">Keller, 143<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*43 Er schiesst seinem Kinde einen Apfel vom Kopfe.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 670.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*44 Er schiesst wie Mathes Asche, der sich seine Büchsen selber macht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Im Jahre 1612 war ein grosses Freischiessen zu Neisse, an dem auch eine Anzahl schweidnitzer Schützen theilnahmen, die sich, wie aus einem Siegesgesange, womit dasselbe gepriesen wurde, hervorgeht, besonders auszeichneten. Von Mathes Asche heisst es darin: &#x201E;Herr Mathes Asche macht's nit lang, mit allen dreien (Schüssen) hindurch drang. Die Büchsen er ihm selber macht, gibt auch auf seinen Schuss gut Acht.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*45 Et schêt van in'n ênen, as wann 'r 'n Schnei schiöte van 'n Dacke stärtet.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lyra, 26.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Es schiesst in einen, d. i. er erschrickt, er fährt zusammen, als wenn ein Haufen Schnee (Lavine) herabstürzt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*46 Gut geschussen, Herr Gevotter.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 412; Frommann, III, 413.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ernst und Ironie.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*47 Lat em schête, 't es en Geeslitz(?).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier<hi rendition="#sup">2</hi>, 3289.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Redensarten der Fischer auf der danziger Nehrung.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*48 Schiesse noch nicht!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Ueberlege, bevor du den Kampf beginnst. &#x201E;Gib frid nur maw vnd schüss noch nit.&#x201C; (<hi rendition="#i">Murner, Vom gr. luth. Narren, in Kloster, X, 149.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*49 Sie schiessen draussen mit Buttersemmeln.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*50 Sie schiessen wie bei der Auferstehung.</hi> (<hi rendition="#i">Poln.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Bei den Jägern gebräuchlich. Man bedient sich der Redensart, wenn mehrere Schüsse auf ein Wild nacheinander von verschiedenen Seiten fallen. Es spielt auf die Auferstehungsfeier an, welche am Ostersonnabend mit feierlichen Umzügen begangen wird, wobei bei den vier Evangelien Salven aus Geschütz und Gewehrfeuer gegeben werden. Wo kein Militär liegt, schiessen die Bürger und Bauern, und meist gar sehr durcheinander. Daher die obige Redensart.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Poln.</hi>: Strzelaja jak na resurekcy&#x0119;. (<hi rendition="#i">Wurzbach I, 130, 42.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*51 So scharf (schlimm) schiessen die  Preussen (s. d.) nicht.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier<hi rendition="#sup">2</hi>, 3253.</hi></p><lb/>
          <p/><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schiesser.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Hä is känn schackige Schisser werth.</hi> (<hi rendition="#i">Henneberg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Er ist ein Taugenichts. Schiesser ist eine kleine Steinkugel (Mörbel).</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schiessgewehr.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Schiessgewehre sind kein Spielzeug.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Böhm.</hi>: Tma lidé nehrají, od &#x010D;eho umírají. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovský, 249.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Spiele nicht mit Schiessgewehren!</hi> (<hi rendition="#i">Köthen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Mit gefährlichen Menschen, Unternehmungen u. s. w. ist nicht zu scherzen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Spiele nicht mit Schiessgewehren, denn es fühlt wie du den Schmerz.</hi> (<hi rendition="#i">Ulm.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schiesskunst.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Der die Schiesskunst lehrt, wird oft selbst geschossen.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schiesspulver.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*1 Der würde das Schiesspulver erfinden, wenn es nicht schon erfunden wäre.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Es ist ein scharfsinniger Kopf, gewandter Geist. Auch ironisch von einem Klügling.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Cestuy a beaucoup de gens subtilz.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Multos iste daedalos habet. (<hi rendition="#i">Bovill, I, 164.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 Er hat das Schiesspulver nicht erfunden.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sailer, 300.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Er hat nicht viel Verstand und Witz.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Span.</hi>: No inventó la pôlvora. (<hi rendition="#i">Bohn I, 236.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*3 Er hätte das Schiesspulver erfunden, wäre Berthold Schwarz nicht zuvorgekommen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Spott auf einen Aufschneider und Prahler. &#x201E;Was in dem Homer zu lesen, hätt' ich ohne ihn gemacht; wäre Newton nicht gewesen, sein System hätt' ich erdacht; nur zum Unglück auserkoren, seht, wie mich das Schicksal neckt, wär' Colomb nach mir geboren, ich hätt' Amerika entdeckt.&#x201C; (<hi rendition="#i">Witzfunken, III<hi rendition="#sup">b</hi>, 8.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Schiff.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Alle Schiffe sind gut, so lange sie auf der Werft liegen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Russen: So lange das Schiff auf der Werft ist, lobt es der Narr, wenn es vom Stapel lief, lobt es der Weise. (<hi rendition="#i">Altmann VI, 440.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 An Schiffen und Frauen ist immer was zu flicken.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Auf dem Schiffe sind die Matrosen Trumpf.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Russen: Auf dem Schiffe gilt kein Stand, alt der Matrosenstand. (<hi rendition="#i">Altmann VI, 482.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><cb n="166"/>
4 Auf den grössten Schiffen sind die meisten Mäuse.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Auf ein klein Schiff passt kein gross Segel.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Op zulk eene schuit past geen zoo overgroot zeil. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 263<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Biss du mein Schiff, ich bin dein Ruder, sagte der Lahme zum blinden Bruder.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Waldis, IV, 61.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">7 Das beste Schiff kann auf einer kleinen Klippe Schiffbruch leiden.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Onze best gebouwde schepen lijden soms schipbreuk op eene kleine klip. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 252<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Das grösste Schiff ist ein kleiner Bissen fürs Meer.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Das letzte Schiff sinkt nicht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein Wort des Trostes und der Hoffnung für die, welche viel, ja alles bis auf einen kleinen Rest, von dem sie Rettung erwarten, verloren haben.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het laatste schip zinkt niet. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 250<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">10 Das schif geht nit alweg, war es der schiffman leyt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Franck, II, 109; Eyering, I, 339.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Bei <hi rendition="#i">Tunnicius (1105)</hi>: Dat schip en geit nicht alle wege den rechten wech. (Non puppis semper vergit quo navita flectit.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">11 Das Schiff am besten stehet, das immer fort gehet.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 69; Henisch, 328, 60.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">12 Das Schiff deckt die Ladung.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">13 Das Schiff gehört aufs Wasser.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Graf, 276, 302.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Es darf nicht müssig im Hafen liegen, es muss seine eingegangenen Verbindlichkeiten erfüllen, die Fahrzeit innehalten und für jeden aus Verzug entstehenden Schaden haften. (S.  Schiff 98.) In Bremen: Dat schip wert to watere. (<hi rendition="#i">Oelrichs, 299.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">14 Das Schiff geht am sichersten im kleinen Strom.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Te veel is kwaad genoeg zij dat wat gij geniet; een schip vaart veiligst door, een' niet te sterken vliet. (<hi rendition="#i">Bohn I, 338.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">15 Das Schiff geht nicht ohne Ruder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: La barque ne va pas sans rames. (<hi rendition="#i">Kritzinger, 58<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">16 Das Schiff geht nicht, wenn nicht Wind und Ruder es treiben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Mal va la nave senza 'l suo timone. (<hi rendition="#i">Pazzaglia, 238, 2.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">17 Das schiff geht nit allweg, war es der schiffman (Steuermann) haben will.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Egenolff, 288<hi rendition="#sup">a</hi>; Gruter, I, 12; Petri, II, 69; Fabricius, 52; Körte, 5313; Simrock, 9000; Braun, I, 3857.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">18 Das Schiff gleicht dem Weib, den Menschen träget beider Leib.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Persimilis mulier navi, cum nata ferendis mortalibus sit utraque. (<hi rendition="#i">Witzfunken, V<hi rendition="#sup">a</hi>, 52.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">19 Das Schiff hängt mehr am Ruder, denn das Ruder am Schiff.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 8997; Körte, 5312; Graf, 523, 285; Braun, I, 3856.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Oportet remum ducere qui didicit.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">20 Das Schiff kann in See treiben, der Nachen muss am Ufer bleiben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schlechta, 342.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">21 Das Schiff scheitert oft, wenn's am besten fährt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">22 Dat Schipp steit wael, dar ein erfahren Schipper inne is.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 5314.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">23 De düürn Schäp ligt meist Tüd op'n Dröögn.</hi> (<hi rendition="#i">Süderdithmarschen.</hi>) &#x2013; Hochdeutsch bei <hi rendition="#i">Simrock, 9002.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die theuern Schiffe liegen die meiste Zeit auf dem Trocknen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: De duurste schepen (schippers) liggen langst aan land (wal). &#x2013; De kostelijkste schepen staan het naast bij de haven. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 249.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">24 Der eine baut das Schiff, der andere scheitert damit.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Altmann V, 88.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">25 Des Schiffs sach am besten stehet, das auff einem seichten Wasser gehet.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 120; Henisch, 328, 61.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;D. i. das klein vnd nicht tieff ist.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">26 Die alten Schiffe bleiben am Lande (oder: im Hafen).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Von bejahrten Mädchen, die unverheirathet bleiben.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: De oude schepen blijven aan land (wal). (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 249<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">27 Die ärgsten (schwächsten, gebrechlichsten) Schiffe müssen fahren, die besten thut man im Hafen bewahren.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, II, 69, 15; Simrock, 9005.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Die böse Schiff müssen fahren, die gute thun den Hafen bewahren.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Naves pejores nant, portu stant meliores. (<hi rendition="#i">Loci comm., 95; Sutor, 667.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[83]/0089] *42 Er schiesst ohne Ziel. „Er redet ohne Gedanken und also schiesst er ohne Ziel.“ (Keller, 143b.) *43 Er schiesst seinem Kinde einen Apfel vom Kopfe. – Eiselein, 670. *44 Er schiesst wie Mathes Asche, der sich seine Büchsen selber macht. Im Jahre 1612 war ein grosses Freischiessen zu Neisse, an dem auch eine Anzahl schweidnitzer Schützen theilnahmen, die sich, wie aus einem Siegesgesange, womit dasselbe gepriesen wurde, hervorgeht, besonders auszeichneten. Von Mathes Asche heisst es darin: „Herr Mathes Asche macht's nit lang, mit allen dreien (Schüssen) hindurch drang. Die Büchsen er ihm selber macht, gibt auch auf seinen Schuss gut Acht.“ *45 Et schêt van in'n ênen, as wann 'r 'n Schnei schiöte van 'n Dacke stärtet. – Lyra, 26. Es schiesst in einen, d. i. er erschrickt, er fährt zusammen, als wenn ein Haufen Schnee (Lavine) herabstürzt. *46 Gut geschussen, Herr Gevotter. – Gomolcke, 412; Frommann, III, 413. Ernst und Ironie. *47 Lat em schête, 't es en Geeslitz(?). – Frischbier2, 3289. Redensarten der Fischer auf der danziger Nehrung. *48 Schiesse noch nicht! Ueberlege, bevor du den Kampf beginnst. „Gib frid nur maw vnd schüss noch nit.“ (Murner, Vom gr. luth. Narren, in Kloster, X, 149.) *49 Sie schiessen draussen mit Buttersemmeln. *50 Sie schiessen wie bei der Auferstehung. (Poln.) Bei den Jägern gebräuchlich. Man bedient sich der Redensart, wenn mehrere Schüsse auf ein Wild nacheinander von verschiedenen Seiten fallen. Es spielt auf die Auferstehungsfeier an, welche am Ostersonnabend mit feierlichen Umzügen begangen wird, wobei bei den vier Evangelien Salven aus Geschütz und Gewehrfeuer gegeben werden. Wo kein Militär liegt, schiessen die Bürger und Bauern, und meist gar sehr durcheinander. Daher die obige Redensart. Poln.: Strzelaja jak na resurekcyę. (Wurzbach I, 130, 42.) *51 So scharf (schlimm) schiessen die Preussen (s. d.) nicht. – Frischbier2, 3253. Schiesser. Hä is känn schackige Schisser werth. (Henneberg.) Er ist ein Taugenichts. Schiesser ist eine kleine Steinkugel (Mörbel). Schiessgewehr. 1 Schiessgewehre sind kein Spielzeug. Böhm.: Tma lidé nehrají, od čeho umírají. (Čelakovský, 249.) 2 Spiele nicht mit Schiessgewehren! (Köthen.) Mit gefährlichen Menschen, Unternehmungen u. s. w. ist nicht zu scherzen. 3 Spiele nicht mit Schiessgewehren, denn es fühlt wie du den Schmerz. (Ulm.) Schiesskunst. Der die Schiesskunst lehrt, wird oft selbst geschossen. Schiesspulver. *1 Der würde das Schiesspulver erfinden, wenn es nicht schon erfunden wäre. Es ist ein scharfsinniger Kopf, gewandter Geist. Auch ironisch von einem Klügling. Frz.: Cestuy a beaucoup de gens subtilz. Lat.: Multos iste daedalos habet. (Bovill, I, 164.) *2 Er hat das Schiesspulver nicht erfunden. – Sailer, 300. Er hat nicht viel Verstand und Witz. Span.: No inventó la pôlvora. (Bohn I, 236.) *3 Er hätte das Schiesspulver erfunden, wäre Berthold Schwarz nicht zuvorgekommen. Spott auf einen Aufschneider und Prahler. „Was in dem Homer zu lesen, hätt' ich ohne ihn gemacht; wäre Newton nicht gewesen, sein System hätt' ich erdacht; nur zum Unglück auserkoren, seht, wie mich das Schicksal neckt, wär' Colomb nach mir geboren, ich hätt' Amerika entdeckt.“ (Witzfunken, IIIb, 8.) Schiff. 1 Alle Schiffe sind gut, so lange sie auf der Werft liegen. Die Russen: So lange das Schiff auf der Werft ist, lobt es der Narr, wenn es vom Stapel lief, lobt es der Weise. (Altmann VI, 440.) 2 An Schiffen und Frauen ist immer was zu flicken. 3 Auf dem Schiffe sind die Matrosen Trumpf. Die Russen: Auf dem Schiffe gilt kein Stand, alt der Matrosenstand. (Altmann VI, 482.) 4 Auf den grössten Schiffen sind die meisten Mäuse. 5 Auf ein klein Schiff passt kein gross Segel. Holl.: Op zulk eene schuit past geen zoo overgroot zeil. (Harrebomée, II, 263a.) 6 Biss du mein Schiff, ich bin dein Ruder, sagte der Lahme zum blinden Bruder. – Waldis, IV, 61. 7 Das beste Schiff kann auf einer kleinen Klippe Schiffbruch leiden. Holl.: Onze best gebouwde schepen lijden soms schipbreuk op eene kleine klip. (Harrebomée, II, 252a.) 8 Das grösste Schiff ist ein kleiner Bissen fürs Meer. 9 Das letzte Schiff sinkt nicht. Ein Wort des Trostes und der Hoffnung für die, welche viel, ja alles bis auf einen kleinen Rest, von dem sie Rettung erwarten, verloren haben. Holl.: Het laatste schip zinkt niet. (Harrebomée, II, 250a.) 10 Das schif geht nit alweg, war es der schiffman leyt. – Franck, II, 109; Eyering, I, 339. Bei Tunnicius (1105): Dat schip en geit nicht alle wege den rechten wech. (Non puppis semper vergit quo navita flectit.) 11 Das Schiff am besten stehet, das immer fort gehet. – Petri, II, 69; Henisch, 328, 60. 12 Das Schiff deckt die Ladung. 13 Das Schiff gehört aufs Wasser. – Graf, 276, 302. Es darf nicht müssig im Hafen liegen, es muss seine eingegangenen Verbindlichkeiten erfüllen, die Fahrzeit innehalten und für jeden aus Verzug entstehenden Schaden haften. (S. Schiff 98.) In Bremen: Dat schip wert to watere. (Oelrichs, 299.) 14 Das Schiff geht am sichersten im kleinen Strom. Holl.: Te veel is kwaad genoeg zij dat wat gij geniet; een schip vaart veiligst door, een' niet te sterken vliet. (Bohn I, 338.) 15 Das Schiff geht nicht ohne Ruder. Frz.: La barque ne va pas sans rames. (Kritzinger, 58b.) 16 Das Schiff geht nicht, wenn nicht Wind und Ruder es treiben. It.: Mal va la nave senza 'l suo timone. (Pazzaglia, 238, 2.) 17 Das schiff geht nit allweg, war es der schiffman (Steuermann) haben will. – Egenolff, 288a; Gruter, I, 12; Petri, II, 69; Fabricius, 52; Körte, 5313; Simrock, 9000; Braun, I, 3857. 18 Das Schiff gleicht dem Weib, den Menschen träget beider Leib. Lat.: Persimilis mulier navi, cum nata ferendis mortalibus sit utraque. (Witzfunken, Va, 52.) 19 Das Schiff hängt mehr am Ruder, denn das Ruder am Schiff. – Simrock, 8997; Körte, 5312; Graf, 523, 285; Braun, I, 3856. Lat.: Oportet remum ducere qui didicit. 20 Das Schiff kann in See treiben, der Nachen muss am Ufer bleiben. – Schlechta, 342. 21 Das Schiff scheitert oft, wenn's am besten fährt. 22 Dat Schipp steit wael, dar ein erfahren Schipper inne is. – Körte, 5314. 23 De düürn Schäp ligt meist Tüd op'n Dröögn. (Süderdithmarschen.) – Hochdeutsch bei Simrock, 9002. Die theuern Schiffe liegen die meiste Zeit auf dem Trocknen. Holl.: De duurste schepen (schippers) liggen langst aan land (wal). – De kostelijkste schepen staan het naast bij de haven. (Harrebomée, II, 249.) 24 Der eine baut das Schiff, der andere scheitert damit. – Altmann V, 88. 25 Des Schiffs sach am besten stehet, das auff einem seichten Wasser gehet. – Petri, II, 120; Henisch, 328, 61. „D. i. das klein vnd nicht tieff ist.“ 26 Die alten Schiffe bleiben am Lande (oder: im Hafen). Von bejahrten Mädchen, die unverheirathet bleiben. Holl.: De oude schepen blijven aan land (wal). (Harrebomée, II, 249b.) 27 Die ärgsten (schwächsten, gebrechlichsten) Schiffe müssen fahren, die besten thut man im Hafen bewahren. – Lehmann, II, 69, 15; Simrock, 9005. „Die böse Schiff müssen fahren, die gute thun den Hafen bewahren.“ Lat.: Naves pejores nant, portu stant meliores. (Loci comm., 95; Sutor, 667.)

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:39:19Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:39:19Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876/89
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 4. Leipzig, 1876, S. [83]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon04_1876/89>, abgerufen am 24.10.2020.