Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] 2 Niemand wettet um Eine Sache zweimal. - Graf, 322, 280.

Der Kläger erhielt in allen Fällen nur einfache Busse, weil er beim Empfang derselben schwören musste, keine mehr zu fordern. In Betreff der an den Richter zu zahlenden Gewette galt im allgemeinen als Regel dasselbe, vorzüglich auch in dem Sinne, dass in allen Fällen, in welchen das eine Gericht die Wette schon gefordert hatte, einem andern keine Forderung darauf mehr zustand. Es fanden jedoch Ausnahmen statt, es kam vor, dass jemand zwei-, ja dreimal in derselben Sache wetten musste. Wer z. B. an einem Feiertage den Frieden brach, musste an geistliches und weltliches Gericht Gewette zahlen.

Mhd.: Neman ne weddet vmme ene sacke tvies. (Sachsenspiegel, I, 53, 4.)

3 Wer wetten will, muss einsetzen. - Körte, 6801.

Bei Tunnicius (639): De wedden wil, de mot bysetten. (Qui certare cupit, pignus deponat et aurum.)

4 Wetten bringt um Haus und Betten.

Böhm.: Do place se hadej, jenom se nezakladej. (Celakovsky, 249.)

5 Wo zwei wetten, muss einer verlieren. - Simrock, 11577.

Holl.: Daar er twee wedden, moet er een verliezen. (Harrebomee, II, 349a.)

*6 Da wett' ich doch einen Centner Karpfen gegen einen faulen Hering.

*7 Ich wette keine hohle Nuss darum.

Jüdisch-deutsch in Warschau: Sich weiten zü Pätsch (Mehrzahl von Patsch = Ohrfeige) var Synagoge. Scherzhafte Bezeichnung des Gegenstandes einer Wette. Auf die Frage: Um was wetten wir? Die Antwort: Um Ohrfeigen für die Synagoge. Es besteht nämlich der Gebrauch, den Preis einer kleinen Wette, z. B. Wachskerzen, Brennholz u. s. w., für die Synagoge zu bestimmen. In der obigen Redensart liegt aber der Witz in den Wörtchen "var", welches ebenso wol für als vor bedeutet, hier aber in der letzten Bedeutung gebraucht ist.

*8 So haben wir nicht gewettet.

Lat.: Nihil ad fides. (Binder II, 2072; Faselius, 164.)


Wetter.

1 Alle bösen Wetter klaren auff gegen den Abend. - Petri, II, 4.

2 Auf gut Wetter vertrau, beginnt der Tag nebelgrau.

3 Auf heiss (schwül) Wetter folgt gern der Donner. - Petri, II, 25.

4 Auf trübe Wetter folgt heiterer Himmel. - Chaos, 179.

5 Bei gutem Wetter kann jeder Steuermann sein. - Winckler, V, 83; IX, 7.

6 Bei schönem Wetter kann ein Knabe das Schiff lenken.

Böhm.: Za pekneho pocasi i beba lod' uridi. (Celakovsky, 154.)

7 Bei schönem Wetter nimm den Mantel mit; wenn's regnet, so halt's, wie du willst. - Simrock, 11580; Eiselein, 611; Gaal, 1135; Sailer, 285.

In guten Tagen bereite dich auf die schlimmen vor.

Engl.: Tho' the sun shines don't leave your cloak at home. (Gaal, 1135.)

Frz.: Quand il fait beau, prends ton manteau, quand il pleut, fais ce que tu veux. (Gaal, 1135.)

It.: Ne di state, ne di verno non andar senza mantello. (Gaal, 1135.)

Schwed.: När solen skiner, tag din kappa. (Marin, 22.)

Ung.: Se telben szalonnat, se nyarban bundajat el nem haggya az okos. (Gaal, 1135.)

8 Bei stillem Wetter ist jeder ein guter Seemann.

Schwed.: I stilla wäder äre alla gode sjömän. (Grubb, 341.)

9 Bei stürmischem Wetter ist bös segeln.

Dän.: Det duer ei at segle i ugjort veder. (Prov. dan., 494.)

10 Beim hellen Wetter ist gut Vögel fangen, beim trüben gut fischen und in Friedenszeiten die Feinde zu fürchten. - Sutor, 45.

11 Besser gar kein Wetter als solches Wetter.

Frz.: Il fait un temps de demoiselle, ni pluie, ni vent, ni soleil. (Leroux, I, 84.)

12 Das gute Wetter reisst bald aus, wenn früh rumort und pfeift die Maus, wenn's Vöglein ängstlich heimwärts zieht und flink ins Nestchen schlüpft, wenn Kräh' und Rabe krächzend fliegt, die Henne im Sande wühlt, die Taube sich badet und die Schwalbe über dem Wasser [Spaltenumbruch] sich wiegt, wenn der Egel im Glase sich dreht und man an den Stichen der Mücke vergeht, wenn Spinne ihr Netz nicht weiter baut, sich verkriecht und es mit dem Rücken anschaut. - Wunderlich, 18.

13 Das ist Wätter, me sett a kein Batze Schulde ha; 's macht warm. - Sutermeister, 5.

14 Das schöne Wetter ist bald bei ihm aus.

Holl.: Het mooije weer is gaauw bij hem uit. (Harrebomee, II, 443b.)

15 Das Wetter ändert sich mit der Kost (Freitags). (Euskirchen.) - Böbel, 125.

16 Das Wetter, das Markarius (2. Januar) war, zeigt den Herbst dir klar. - Oesterr. Volkskalender, 1869.

17 Das Wetter folgt der Zeit.

Holl.: Het weder volgt den tijd. (Harrebomee, II, 443b.)

18 Das Wetter hat sein Spiel, man kiese, was man will. - Körte, 6806.

19 Das Wetter hat sich verändert.

20 Das Wetter ist am schönsten, wenn es beim Luft heitert. - (Gartenlaube, 1863, Nr. 14, S. 214.)

Der Luft steht hier für Wind (in der französischen Schweiz le vent) und zwar für den meist warmen, aber fruchtbaren Südwestwind, welchem die Bise (Byswind), ein kalter und trockener Nordost, entgegengesetzt ist. Dieser hebt die Ausdünstungen in die Höhe, jener wälzt sie den Erdboden entlang.

21 Das Wetter ist ihm in die Perrüke gefahren.

Holl.: Het weer is hem in de pruik geslagen. (Harrebomee, II, 443b.)

22 Das Wetter ist veränderlich.

Holl.: Het weer is veranderlijk. (Harrebomee, II, 443b.)

23 Das Wetter ist wie die Leute sind, sagte der Fischer zu Hall.

Der alte Fischer zu Hall in Tirol behauptete: Sind die Leute gut, ist das Wetter gut; sind die Leute schlecht, so ist das Wetter auch schlecht. (Vgl. Morgenblatt zur Bairischen Zeitung, München 1865, S. 970.)

24 Das wetter kennt man am wind, den vatter bei seim kind vnd den herrn bei seim gesind. - Franck, II, 109b; Henisch, 1563; Petri, II, 71; Zinkgref, 361; Pistor., VIII, 8; Blum, 274; Böbel, 121; Sailer, 97.

Lat.: Non decet integram noctem dormire regentem, imperio populos et agentem pectore curas. (Chaos, 971.) - Qualis Hera, talis pedis sequa. (Sutor, 589.)

25 Das wetter kent man bey dem wind vnd den herrn bei seim gesind. - Franck, I, 78a; Lehmann, II, 59, 53.

Mhd.: Man brüevet küuftic weter an dem winde. (Colm.) (Zingerle, 174.)

Lat.: Gaudet Deus eminentissima quaeque deprimere. (Lehmann, 940, 29.)

26 Das Wetter lässt sich nicht drechseln. - Altmann VI, 480.

27 Das Wetter lob am Abend, die Braut im andern Jahr, den Schwiegersohn zu Haus im dritten. (Finn.)

28 Das Wetter, mit dem die Heuernte beginnt, sich in der Kornernte find't. - Böbel, 101.

29 Das Wetter schlegt nur (gern) in grosse (hohe) Thürn. - Gruter, III, 14; Lehmann, 545, 25 u. 940, 29; II, 76, 36; Petri, II, 71; Körte, 6802.

Frz.: Le tonnerre tombe d'ordinaire sur les lieux les plus eleves. (Masson, 193.)

Lat.: Invidia est antaganista fortunatorum. (Sutor, 573.)

30 Das Wetter trifft selten ein, wie es im Kalender eingeschrieben ist. - Pestalozzi, Schriften, X, 245.

31 Das Wetter verkauft das Gras, und die Hungersnoth kauft's. - Wiener Fremdenblatt, 1876, Nr. 2629.

So sagt man auf der Insel Kephalonia.

32 Das Wetter wäre ganz gut, sagte jener Mann zu seiner Frau, aber die leidigen Nachtfröste!

Holl.: Het is allerliefst mooi weer, zei de vrouw; ja, wel allerliefst mooije nachtvorstjes, antwoordde de man. (Harrebomee, II, 443b.)

33 Das Wetter will sein willen vnd gang haben. - Gruter, III, 14; Lehmann II, 76, 36; Sailer, 126.

34 Das Wetter will seinen Willen han, drum duck dich und lass es vorübergahn.

Dän.: Dukke dig, lad gaae over; veyret vil have sin villie. (Prov. dan., 128.)

[Spaltenumbruch] 2 Niemand wettet um Eine Sache zweimal.Graf, 322, 280.

Der Kläger erhielt in allen Fällen nur einfache Busse, weil er beim Empfang derselben schwören musste, keine mehr zu fordern. In Betreff der an den Richter zu zahlenden Gewette galt im allgemeinen als Regel dasselbe, vorzüglich auch in dem Sinne, dass in allen Fällen, in welchen das eine Gericht die Wette schon gefordert hatte, einem andern keine Forderung darauf mehr zustand. Es fanden jedoch Ausnahmen statt, es kam vor, dass jemand zwei-, ja dreimal in derselben Sache wetten musste. Wer z. B. an einem Feiertage den Frieden brach, musste an geistliches und weltliches Gericht Gewette zahlen.

Mhd.: Neman ne weddet vmme ene sacke tvies. (Sachsenspiegel, I, 53, 4.)

3 Wer wetten will, muss einsetzen.Körte, 6801.

Bei Tunnicius (639): De wedden wil, de mot bysetten. (Qui certare cupit, pignus deponat et aurum.)

4 Wetten bringt um Haus und Betten.

Böhm.: Do pláče se hádej, jenom se nezakládej. (Čelakovsky, 249.)

5 Wo zwei wetten, muss einer verlieren.Simrock, 11577.

Holl.: Daar er twee wedden, moet er een verliezen. (Harrebomée, II, 349a.)

*6 Da wett' ich doch einen Centner Karpfen gegen einen faulen Hering.

*7 Ich wette keine hohle Nuss darum.

Jüdisch-deutsch in Warschau: Sich weiten zü Pätsch (Mehrzahl von Patsch = Ohrfeige) var Synagoge. Scherzhafte Bezeichnung des Gegenstandes einer Wette. Auf die Frage: Um was wetten wir? Die Antwort: Um Ohrfeigen für die Synagoge. Es besteht nämlich der Gebrauch, den Preis einer kleinen Wette, z. B. Wachskerzen, Brennholz u. s. w., für die Synagoge zu bestimmen. In der obigen Redensart liegt aber der Witz in den Wörtchen „var“, welches ebenso wol für als vor bedeutet, hier aber in der letzten Bedeutung gebraucht ist.

*8 So haben wir nicht gewettet.

Lat.: Nihil ad fides. (Binder II, 2072; Faselius, 164.)


Wetter.

1 Alle bösen Wetter klaren auff gegen den Abend.Petri, II, 4.

2 Auf gut Wetter vertrau, beginnt der Tag nebelgrau.

3 Auf heiss (schwül) Wetter folgt gern der Donner.Petri, II, 25.

4 Auf trübe Wetter folgt heiterer Himmel.Chaos, 179.

5 Bei gutem Wetter kann jeder Steuermann sein.Winckler, V, 83; IX, 7.

6 Bei schönem Wetter kann ein Knabe das Schiff lenken.

Böhm.: Za pĕkného počasí i béba lod' uřidi. (Čelakovsky, 154.)

7 Bei schönem Wetter nimm den Mantel mit; wenn's regnet, so halt's, wie du willst.Simrock, 11580; Eiselein, 611; Gaal, 1135; Sailer, 285.

In guten Tagen bereite dich auf die schlimmen vor.

Engl.: Tho' the sun shines don't leave your cloak at home. (Gaal, 1135.)

Frz.: Quand il fait beau, prends ton manteau, quand il pleut, fais ce que tu veux. (Gaal, 1135.)

It.: Nè di state, nè di verno non andar senza mantello. (Gaal, 1135.)

Schwed.: När solen skiner, tag din kappa. (Marin, 22.)

Ung.: Se télben szalonnát, se nyárban bundáját el nem haggya az okos. (Gaal, 1135.)

8 Bei stillem Wetter ist jeder ein guter Seemann.

Schwed.: I stilla wäder äre alla gode sjömän. (Grubb, 341.)

9 Bei stürmischem Wetter ist bös segeln.

Dän.: Det duer ei at segle i ugjort veder. (Prov. dan., 494.)

10 Beim hellen Wetter ist gut Vögel fangen, beim trüben gut fischen und in Friedenszeiten die Feinde zu fürchten.Sutor, 45.

11 Besser gar kein Wetter als solches Wetter.

Frz.: Il fait un temps de demoiselle, ni pluie, ni vent, ni soleil. (Leroux, I, 84.)

12 Das gute Wetter reisst bald aus, wenn früh rumort und pfeift die Maus, wenn's Vöglein ängstlich heimwärts zieht und flink ins Nestchen schlüpft, wenn Kräh' und Rabe krächzend fliegt, die Henne im Sande wühlt, die Taube sich badet und die Schwalbe über dem Wasser [Spaltenumbruch] sich wiegt, wenn der Egel im Glase sich dreht und man an den Stichen der Mücke vergeht, wenn Spinne ihr Netz nicht weiter baut, sich verkriecht und es mit dem Rücken anschaut.Wunderlich, 18.

13 Das ist Wätter, me sett a kein Batze Schulde ha; 's macht warm.Sutermeister, 5.

14 Das schöne Wetter ist bald bei ihm aus.

Holl.: Het mooije weêr is gaauw bij hem uit. (Harrebomée, II, 443b.)

15 Das Wetter ändert sich mit der Kost (Freitags). (Euskirchen.) – Böbel, 125.

16 Das Wetter, das Markarius (2. Januar) war, zeigt den Herbst dir klar.Oesterr. Volkskalender, 1869.

17 Das Wetter folgt der Zeit.

Holl.: Het weder volgt den tijd. (Harrebomée, II, 443b.)

18 Das Wetter hat sein Spiel, man kiese, was man will.Körte, 6806.

19 Das Wetter hat sich verändert.

20 Das Wetter ist am schönsten, wenn es beim Luft heitert. – (Gartenlaube, 1863, Nr. 14, S. 214.)

Der Luft steht hier für Wind (in der französischen Schweiz le vent) und zwar für den meist warmen, aber fruchtbaren Südwestwind, welchem die Bise (Byswind), ein kalter und trockener Nordost, entgegengesetzt ist. Dieser hebt die Ausdünstungen in die Höhe, jener wälzt sie den Erdboden entlang.

21 Das Wetter ist ihm in die Perrüke gefahren.

Holl.: Het weêr is hem in de pruik geslagen. (Harrebomée, II, 443b.)

22 Das Wetter ist veränderlich.

Holl.: Het weêr is veranderlijk. (Harrebomée, II, 443b.)

23 Das Wetter ist wie die Leute sind, sagte der Fischer zu Hall.

Der alte Fischer zu Hall in Tirol behauptete: Sind die Leute gut, ist das Wetter gut; sind die Leute schlecht, so ist das Wetter auch schlecht. (Vgl. Morgenblatt zur Bairischen Zeitung, München 1865, S. 970.)

24 Das wetter kennt man am wind, den vatter bei seim kind vnd den herrn bei seim gesind.Franck, II, 109b; Henisch, 1563; Petri, II, 71; Zinkgref, 361; Pistor., VIII, 8; Blum, 274; Böbel, 121; Sailer, 97.

Lat.: Non decet integram noctem dormire regentem, imperio populos et agentem pectore curas. (Chaos, 971.) – Qualis Hera, talis pedis sequa. (Sutor, 589.)

25 Das wetter kent man bey dem wind vnd den herrn bei seim gesind.Franck, I, 78a; Lehmann, II, 59, 53.

Mhd.: Man brüevet küuftic weter an dem winde. (Colm.) (Zingerle, 174.)

Lat.: Gaudet Deus eminentissima quaeque deprimere. (Lehmann, 940, 29.)

26 Das Wetter lässt sich nicht drechseln.Altmann VI, 480.

27 Das Wetter lob am Abend, die Braut im andern Jahr, den Schwiegersohn zu Haus im dritten. (Finn.)

28 Das Wetter, mit dem die Heuernte beginnt, sich in der Kornernte find't.Böbel, 101.

29 Das Wetter schlegt nur (gern) in grosse (hohe) Thürn.Gruter, III, 14; Lehmann, 545, 25 u. 940, 29; II, 76, 36; Petri, II, 71; Körte, 6802.

Frz.: Le tonnerre tombe d'ordinaire sur les lieux les plus élevés. (Masson, 193.)

Lat.: Invidia est antaganista fortunatorum. (Sutor, 573.)

30 Das Wetter trifft selten ein, wie es im Kalender eingeschrieben ist.Pestalozzi, Schriften, X, 245.

31 Das Wetter verkauft das Gras, und die Hungersnoth kauft's.Wiener Fremdenblatt, 1876, Nr. 2629.

So sagt man auf der Insel Kephalonia.

32 Das Wetter wäre ganz gut, sagte jener Mann zu seiner Frau, aber die leidigen Nachtfröste!

Holl.: Het is allerliefst mooi weêr, zei de vrouw; ja, wel allerliefst mooije nachtvorstjes, antwoordde de man. (Harrebomée, II, 443b.)

33 Das Wetter will sein willen vnd gang haben.Gruter, III, 14; Lehmann II, 76, 36; Sailer, 126.

34 Das Wetter will seinen Willen han, drum duck dich und lass es vorübergahn.

Dän.: Dukke dig, lad gaae over; veyret vil have sin villie. (Prov. dan., 128.)

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><pb facs="#f0117" n="[105]"/><cb n="209"/>
2 Niemand wettet um Eine Sache zweimal.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Graf, 322, 280.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Kläger erhielt in allen Fällen nur einfache Busse, weil er beim Empfang derselben schwören musste, keine mehr zu fordern. In Betreff der an den Richter zu zahlenden Gewette galt im allgemeinen als Regel dasselbe, vorzüglich auch in dem Sinne, dass in allen Fällen, in welchen das eine Gericht die Wette schon gefordert hatte, einem andern keine Forderung darauf mehr zustand. Es fanden jedoch Ausnahmen statt, es kam vor, dass jemand zwei-, ja dreimal in derselben Sache wetten musste. Wer z. B. an einem Feiertage den Frieden brach, musste an geistliches und weltliches Gericht Gewette zahlen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Mhd.</hi>: Neman ne weddet vmme ene sacke tvies. (<hi rendition="#i">Sachsenspiegel, I, 53, 4.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Wer wetten will, muss einsetzen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 6801.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Bei <hi rendition="#i">Tunnicius (639):</hi> De wedden wil, de mot bysetten. (Qui certare cupit, pignus deponat et aurum.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Wetten bringt um Haus und Betten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Böhm.</hi>: Do plá&#x010D;e se hádej, jenom se nezakládej. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 249.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Wo zwei wetten, muss einer verlieren.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 11577.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Daar er twee wedden, moet er een verliezen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 349<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*6 Da wett' ich doch einen Centner Karpfen gegen einen faulen Hering.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*7 Ich wette keine hohle Nuss darum.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Jüdisch-deutsch in Warschau: Sich weiten zü Pätsch (Mehrzahl von Patsch = Ohrfeige) var Synagoge. Scherzhafte Bezeichnung des Gegenstandes einer Wette. Auf die Frage: Um was wetten wir? Die Antwort: Um Ohrfeigen für die Synagoge. Es besteht nämlich der Gebrauch, den Preis einer kleinen Wette, z. B. Wachskerzen, Brennholz u. s. w., für die Synagoge zu bestimmen. In der obigen Redensart liegt aber der Witz in den Wörtchen &#x201E;var&#x201C;, welches ebenso wol für als vor bedeutet, hier aber in der letzten Bedeutung gebraucht ist.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*8 So haben wir nicht gewettet.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Nihil ad fides. (<hi rendition="#i">Binder II, 2072; Faselius, 164.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wetter.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Alle bösen Wetter klaren auff gegen den Abend.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 4.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Auf gut Wetter vertrau, beginnt der Tag nebelgrau.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Auf heiss (schwül) Wetter folgt gern der Donner.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 25.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Auf trübe Wetter folgt heiterer Himmel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Chaos, 179.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Bei gutem Wetter kann jeder Steuermann sein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Winckler, V, 83; IX, 7.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">6 Bei schönem Wetter kann ein Knabe das Schiff lenken.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Böhm.</hi>: Za p&#x0115;kného po&#x010D;así i béba lod' u&#x0159;idi. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 154.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Bei schönem Wetter nimm den Mantel mit; wenn's regnet, so halt's, wie du willst.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 11580; Eiselein, 611; Gaal, 1135; Sailer, 285.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">In guten Tagen bereite dich auf die schlimmen vor.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: Tho' the sun shines don't leave your cloak at home. (<hi rendition="#i">Gaal, 1135.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Quand il fait beau, prends ton manteau, quand il pleut, fais ce que tu veux. (<hi rendition="#i">Gaal, 1135.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Nè di state, nè di verno non andar senza mantello. (<hi rendition="#i">Gaal, 1135.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: När solen skiner, tag din kappa. (<hi rendition="#i">Marin, 22.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Ung.</hi>: Se télben szalonnát, se nyárban bundáját el nem haggya az okos. (<hi rendition="#i">Gaal, 1135.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Bei stillem Wetter ist jeder ein guter Seemann.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: I stilla wäder äre alla gode sjömän. (<hi rendition="#i">Grubb, 341.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Bei stürmischem Wetter ist bös segeln.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Det duer ei at segle i ugjort veder. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 494.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">10 Beim hellen Wetter ist gut Vögel fangen, beim trüben gut fischen und in Friedenszeiten die Feinde zu fürchten.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutor, 45.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">11 Besser gar kein Wetter als solches Wetter.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il fait un temps de demoiselle, ni pluie, ni vent, ni soleil. (<hi rendition="#i">Leroux, I, 84.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">12 Das gute Wetter reisst bald aus, wenn früh rumort und pfeift die Maus, wenn's Vöglein ängstlich heimwärts zieht und flink ins Nestchen schlüpft, wenn Kräh' und Rabe krächzend fliegt, die Henne im Sande wühlt, die Taube sich badet und die Schwalbe über dem Wasser <cb n="210"/>
sich wiegt, wenn der Egel im Glase sich dreht und man an den Stichen der Mücke vergeht, wenn Spinne ihr Netz nicht weiter baut, sich verkriecht und es mit dem Rücken anschaut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Wunderlich, 18.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">13 Das ist Wätter, me sett a kein Batze Schulde ha; 's macht warm.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 5.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">14 Das schöne Wetter ist bald bei ihm aus.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het mooije weêr is gaauw bij hem uit. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 443<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">15 Das Wetter ändert sich mit der Kost (Freitags).</hi> (<hi rendition="#i">Euskirchen.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Böbel, 125.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">16 Das Wetter, das Markarius (2. Januar) war, zeigt den Herbst dir klar.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Oesterr. Volkskalender, 1869.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">17 Das Wetter folgt der Zeit.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het weder volgt den tijd. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 443<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">18 Das Wetter hat sein Spiel, man kiese, was man will.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 6806.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">19 Das Wetter hat sich verändert.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">20 Das Wetter ist am schönsten, wenn es beim Luft heitert.</hi> &#x2013; (<hi rendition="#i">Gartenlaube, 1863, Nr. 14, S. 214.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Luft steht hier für Wind (in der französischen Schweiz le vent) und zwar für den meist warmen, aber fruchtbaren Südwestwind, welchem die Bise (Byswind), ein kalter und trockener Nordost, entgegengesetzt ist. Dieser hebt die Ausdünstungen in die Höhe, jener wälzt sie den Erdboden entlang.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">21 Das Wetter ist ihm in die Perrüke gefahren.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het weêr is hem in de pruik geslagen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 443<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">22 Das Wetter ist veränderlich.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het weêr is veranderlijk. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 443<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">23 Das Wetter ist wie die Leute sind, sagte der Fischer zu Hall.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Der alte Fischer zu Hall in Tirol behauptete: Sind die Leute gut, ist das Wetter gut; sind die Leute schlecht, so ist das Wetter auch schlecht. (Vgl. <hi rendition="#i">Morgenblatt zur Bairischen Zeitung, München 1865, S. 970.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">24 Das wetter kennt man am wind, den vatter bei seim kind vnd den herrn bei seim gesind.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Franck, II, 109<hi rendition="#sup">b</hi>; Henisch, 1563; Petri, II, 71; Zinkgref, 361; Pistor., VIII, 8; Blum, 274; Böbel, 121; Sailer, 97.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Non decet integram noctem dormire regentem, imperio populos et agentem pectore curas. (<hi rendition="#i">Chaos, 971.</hi>) &#x2013; Qualis Hera, talis pedis sequa. (<hi rendition="#i">Sutor, 589.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">25 Das wetter kent man bey dem wind vnd den herrn bei seim gesind.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Franck, I, 78<hi rendition="#sup">a</hi>; Lehmann, II, 59, 53.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Mhd.</hi>: Man brüevet küuftic weter an dem winde. (<hi rendition="#i">Colm.</hi>) (<hi rendition="#i">Zingerle, 174.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Gaudet Deus eminentissima quaeque deprimere. (<hi rendition="#i">Lehmann, 940, 29.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">26 Das Wetter lässt sich nicht drechseln.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Altmann VI, 480.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">27 Das Wetter lob am Abend, die Braut im andern Jahr, den Schwiegersohn zu Haus im dritten.</hi> (<hi rendition="#i">Finn.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">28 Das Wetter, mit dem die Heuernte beginnt, sich in der Kornernte find't.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Böbel, 101.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">29 Das Wetter schlegt nur (gern) in grosse (hohe) Thürn.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gruter, III, 14; Lehmann, 545, 25 u. 940, 29; II, 76, 36; Petri, II, 71; Körte, 6802.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Le tonnerre tombe d'ordinaire sur les lieux les plus élevés. (<hi rendition="#i">Masson, 193.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Invidia est antaganista fortunatorum. (<hi rendition="#i">Sutor, 573.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">30 Das Wetter trifft selten ein, wie es im Kalender eingeschrieben ist.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Pestalozzi, Schriften, X, 245.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">31 Das Wetter verkauft das Gras, und die Hungersnoth kauft's.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Wiener Fremdenblatt, 1876, Nr. 2629.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">So sagt man auf der Insel Kephalonia.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">32 Das Wetter wäre ganz gut, sagte jener Mann zu seiner Frau, aber die leidigen Nachtfröste!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het is allerliefst mooi weêr, zei de vrouw; ja, wel allerliefst mooije nachtvorstjes, antwoordde de man. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 443<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">33 Das Wetter will sein willen vnd gang haben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gruter, III, 14; Lehmann II, 76, 36; Sailer, 126.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">34 Das Wetter will seinen Willen han, drum duck dich und lass es vorübergahn.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Dukke dig, lad gaae over; veyret vil have sin villie. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 128.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[105]/0117] 2 Niemand wettet um Eine Sache zweimal. – Graf, 322, 280. Der Kläger erhielt in allen Fällen nur einfache Busse, weil er beim Empfang derselben schwören musste, keine mehr zu fordern. In Betreff der an den Richter zu zahlenden Gewette galt im allgemeinen als Regel dasselbe, vorzüglich auch in dem Sinne, dass in allen Fällen, in welchen das eine Gericht die Wette schon gefordert hatte, einem andern keine Forderung darauf mehr zustand. Es fanden jedoch Ausnahmen statt, es kam vor, dass jemand zwei-, ja dreimal in derselben Sache wetten musste. Wer z. B. an einem Feiertage den Frieden brach, musste an geistliches und weltliches Gericht Gewette zahlen. Mhd.: Neman ne weddet vmme ene sacke tvies. (Sachsenspiegel, I, 53, 4.) 3 Wer wetten will, muss einsetzen. – Körte, 6801. Bei Tunnicius (639): De wedden wil, de mot bysetten. (Qui certare cupit, pignus deponat et aurum.) 4 Wetten bringt um Haus und Betten. Böhm.: Do pláče se hádej, jenom se nezakládej. (Čelakovsky, 249.) 5 Wo zwei wetten, muss einer verlieren. – Simrock, 11577. Holl.: Daar er twee wedden, moet er een verliezen. (Harrebomée, II, 349a.) *6 Da wett' ich doch einen Centner Karpfen gegen einen faulen Hering. *7 Ich wette keine hohle Nuss darum. Jüdisch-deutsch in Warschau: Sich weiten zü Pätsch (Mehrzahl von Patsch = Ohrfeige) var Synagoge. Scherzhafte Bezeichnung des Gegenstandes einer Wette. Auf die Frage: Um was wetten wir? Die Antwort: Um Ohrfeigen für die Synagoge. Es besteht nämlich der Gebrauch, den Preis einer kleinen Wette, z. B. Wachskerzen, Brennholz u. s. w., für die Synagoge zu bestimmen. In der obigen Redensart liegt aber der Witz in den Wörtchen „var“, welches ebenso wol für als vor bedeutet, hier aber in der letzten Bedeutung gebraucht ist. *8 So haben wir nicht gewettet. Lat.: Nihil ad fides. (Binder II, 2072; Faselius, 164.) Wetter. 1 Alle bösen Wetter klaren auff gegen den Abend. – Petri, II, 4. 2 Auf gut Wetter vertrau, beginnt der Tag nebelgrau. 3 Auf heiss (schwül) Wetter folgt gern der Donner. – Petri, II, 25. 4 Auf trübe Wetter folgt heiterer Himmel. – Chaos, 179. 5 Bei gutem Wetter kann jeder Steuermann sein. – Winckler, V, 83; IX, 7. 6 Bei schönem Wetter kann ein Knabe das Schiff lenken. Böhm.: Za pĕkného počasí i béba lod' uřidi. (Čelakovsky, 154.) 7 Bei schönem Wetter nimm den Mantel mit; wenn's regnet, so halt's, wie du willst. – Simrock, 11580; Eiselein, 611; Gaal, 1135; Sailer, 285. In guten Tagen bereite dich auf die schlimmen vor. Engl.: Tho' the sun shines don't leave your cloak at home. (Gaal, 1135.) Frz.: Quand il fait beau, prends ton manteau, quand il pleut, fais ce que tu veux. (Gaal, 1135.) It.: Nè di state, nè di verno non andar senza mantello. (Gaal, 1135.) Schwed.: När solen skiner, tag din kappa. (Marin, 22.) Ung.: Se télben szalonnát, se nyárban bundáját el nem haggya az okos. (Gaal, 1135.) 8 Bei stillem Wetter ist jeder ein guter Seemann. Schwed.: I stilla wäder äre alla gode sjömän. (Grubb, 341.) 9 Bei stürmischem Wetter ist bös segeln. Dän.: Det duer ei at segle i ugjort veder. (Prov. dan., 494.) 10 Beim hellen Wetter ist gut Vögel fangen, beim trüben gut fischen und in Friedenszeiten die Feinde zu fürchten. – Sutor, 45. 11 Besser gar kein Wetter als solches Wetter. Frz.: Il fait un temps de demoiselle, ni pluie, ni vent, ni soleil. (Leroux, I, 84.) 12 Das gute Wetter reisst bald aus, wenn früh rumort und pfeift die Maus, wenn's Vöglein ängstlich heimwärts zieht und flink ins Nestchen schlüpft, wenn Kräh' und Rabe krächzend fliegt, die Henne im Sande wühlt, die Taube sich badet und die Schwalbe über dem Wasser sich wiegt, wenn der Egel im Glase sich dreht und man an den Stichen der Mücke vergeht, wenn Spinne ihr Netz nicht weiter baut, sich verkriecht und es mit dem Rücken anschaut. – Wunderlich, 18. 13 Das ist Wätter, me sett a kein Batze Schulde ha; 's macht warm. – Sutermeister, 5. 14 Das schöne Wetter ist bald bei ihm aus. Holl.: Het mooije weêr is gaauw bij hem uit. (Harrebomée, II, 443b.) 15 Das Wetter ändert sich mit der Kost (Freitags). (Euskirchen.) – Böbel, 125. 16 Das Wetter, das Markarius (2. Januar) war, zeigt den Herbst dir klar. – Oesterr. Volkskalender, 1869. 17 Das Wetter folgt der Zeit. Holl.: Het weder volgt den tijd. (Harrebomée, II, 443b.) 18 Das Wetter hat sein Spiel, man kiese, was man will. – Körte, 6806. 19 Das Wetter hat sich verändert. 20 Das Wetter ist am schönsten, wenn es beim Luft heitert. – (Gartenlaube, 1863, Nr. 14, S. 214.) Der Luft steht hier für Wind (in der französischen Schweiz le vent) und zwar für den meist warmen, aber fruchtbaren Südwestwind, welchem die Bise (Byswind), ein kalter und trockener Nordost, entgegengesetzt ist. Dieser hebt die Ausdünstungen in die Höhe, jener wälzt sie den Erdboden entlang. 21 Das Wetter ist ihm in die Perrüke gefahren. Holl.: Het weêr is hem in de pruik geslagen. (Harrebomée, II, 443b.) 22 Das Wetter ist veränderlich. Holl.: Het weêr is veranderlijk. (Harrebomée, II, 443b.) 23 Das Wetter ist wie die Leute sind, sagte der Fischer zu Hall. Der alte Fischer zu Hall in Tirol behauptete: Sind die Leute gut, ist das Wetter gut; sind die Leute schlecht, so ist das Wetter auch schlecht. (Vgl. Morgenblatt zur Bairischen Zeitung, München 1865, S. 970.) 24 Das wetter kennt man am wind, den vatter bei seim kind vnd den herrn bei seim gesind. – Franck, II, 109b; Henisch, 1563; Petri, II, 71; Zinkgref, 361; Pistor., VIII, 8; Blum, 274; Böbel, 121; Sailer, 97. Lat.: Non decet integram noctem dormire regentem, imperio populos et agentem pectore curas. (Chaos, 971.) – Qualis Hera, talis pedis sequa. (Sutor, 589.) 25 Das wetter kent man bey dem wind vnd den herrn bei seim gesind. – Franck, I, 78a; Lehmann, II, 59, 53. Mhd.: Man brüevet küuftic weter an dem winde. (Colm.) (Zingerle, 174.) Lat.: Gaudet Deus eminentissima quaeque deprimere. (Lehmann, 940, 29.) 26 Das Wetter lässt sich nicht drechseln. – Altmann VI, 480. 27 Das Wetter lob am Abend, die Braut im andern Jahr, den Schwiegersohn zu Haus im dritten. (Finn.) 28 Das Wetter, mit dem die Heuernte beginnt, sich in der Kornernte find't. – Böbel, 101. 29 Das Wetter schlegt nur (gern) in grosse (hohe) Thürn. – Gruter, III, 14; Lehmann, 545, 25 u. 940, 29; II, 76, 36; Petri, II, 71; Körte, 6802. Frz.: Le tonnerre tombe d'ordinaire sur les lieux les plus élevés. (Masson, 193.) Lat.: Invidia est antaganista fortunatorum. (Sutor, 573.) 30 Das Wetter trifft selten ein, wie es im Kalender eingeschrieben ist. – Pestalozzi, Schriften, X, 245. 31 Das Wetter verkauft das Gras, und die Hungersnoth kauft's. – Wiener Fremdenblatt, 1876, Nr. 2629. So sagt man auf der Insel Kephalonia. 32 Das Wetter wäre ganz gut, sagte jener Mann zu seiner Frau, aber die leidigen Nachtfröste! Holl.: Het is allerliefst mooi weêr, zei de vrouw; ja, wel allerliefst mooije nachtvorstjes, antwoordde de man. (Harrebomée, II, 443b.) 33 Das Wetter will sein willen vnd gang haben. – Gruter, III, 14; Lehmann II, 76, 36; Sailer, 126. 34 Das Wetter will seinen Willen han, drum duck dich und lass es vorübergahn. Dän.: Dukke dig, lad gaae over; veyret vil have sin villie. (Prov. dan., 128.)

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T09:51:52Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T09:51:52Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/117
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880, S. [105]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/117>, abgerufen am 27.10.2020.