Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] 3 Das Wirthshaus gleichet der Nacht von Trunkenheit. - Graf, 391, 593.

D. h. wie man einem Trunkenen ausweicht, der einem auf der Strasse begegnet, so soll man nachts dem Wirthshause ausweichen, weil dasselbe den schützenden Hausfrieden (s. d.) nicht besitzt. (S. Taverne, Trinkleute.) (Graf, 881, 515.)

Mhd.: Daz winhuz gelichet sich der nacht von trunkenheit. (Schreiber, I, 77 u. 126.)

4 Das Wirthshaus ist ein Ort, wo man die Narrheit in Flaschen (Gläsern) verkauft. - Witzfunken, Vb, 177.

5 Ein Wirthshaus ohne zehren, ein Wald ohne Holz, ein Dörflein ohne Scholz, ein Waschhaus ohne Gelten sind Ding so man findt selten. - Zinkgref, IV, 389.

6 Es kompt ins Wirthshaus mancher nein, dem weder Bier gefelt noch wein. - Henisch, 374, 19.

7 Grad aus dem Wirthshaus kommt mancher heraus, aber er kommt doch schräg nach Haus. - Frieske, 16.

Bierkeller im neuen berliner Rathhaus.

8 Im Wirthshaus verbricht niemand mehr als im freien Felde. - Graf, 381, 515; Mieris, 618, 20.

Ungebührlichkeiten in einem Wirthshause, so strafbar sie an sich sein mögen, sind keine Störung des Hausfriedens. (S. Taverne und Trinkleute.)

9 In einem öden Wirthshaus gibt's gesalzene (theuere) Rechnung.

Schwed.: Tomt wisthus gjör en galen redesvän. (Grubb, 812.)

10 In einem schönen Wirthshaus ist der Wirth oft ein Schalk. - Körte, 6884.

11 In schönen Wirthshäusern findet man auch sauern Wein. - Lehmann, 705, 7.

Dän.: I et godt herberg boer tit en ond vert. (Prov. dan., 161.)

12 In Wirtshäusern lehrnet man die Leut kennen. - Lehmann, 923, 19.

13 Ins Wirthshaus geht's schnell, doch langsam heraus.

Böhm.: Od hospody krokem, k hospode skokem. (Celakovsky, 141.)

14 Man kehrt nicht in allen Wirthshäusern der Strasse ein, wenn schon gute Wirth drinnen sind. - Lehmann, 906, 12.

15 Vör nigge Wirthshäuser und olle Füertrohnen mo me sick für wahren. (Sauerland.)

16 Wirthshaus, Schoppen komm heraus.

17 Wo ein Wirthshaus steht, kann kein Backhaus stehen. (Frankenwald.)

Wer viel trinkt, pflegt wenig zu essen. (S. Brauhaus.)

*18 Der ist vor dem lätzen Wirthshaus abgestiegen. (Nürtingen.)

Er ist an den Unrechten gekommen, ist übel angelaufen.

*19 Er cha für keis Wirthshaus ane. - Sutermeister, 63.

Er kann vor keinem Wirthshause vorübergehen, er muss einkehren und einmal trinken. Zur Schilderung der Gerntrinker und Immerdurstigen finden sich a. a. O. noch folgende Redensarten: Er cha die volle Gläser nid liide. Er cha de Wii holt nid im Hols dole. Er hat nie us em leere Glas trunke. Er lot si nid zum Trinke zwinge. Er schütt de Wii au nid i d' Schue.

*20 Er findet eher (in) ein Wirthshaus als (in) eine Kirche.

Der Brüder-Orden in der Schelmenzunft, ein Seitenstück zu Murner's Schelmenzunft, Strassburg 1516. Das Original ist lateinisch und heisst: Secta Mopopolii: seu congregationis bonorum sociorum. Alias die Schelmenzunft. Ein Bogen, mit der Bezeichnung am Ende: Impressum S. Anno M. D. X. V.

*21 Er sucht im Wirthshaus, was er schon unter der Nase hat.

*22 Im Wirthshause zum zunehmenden Monde herbergen.

Frz.: Loger a l'enseigne du croissant. (Kritzinger, 275a.)

*23 Jo ken Wirthshaus vörbei fören, lewer 'n Sechser up 'n Seil leggen. (Pommern.)

So sagen die Fuhrleute.


Wirthshausschild.

Das Wirthshausschild ruft: Komm herein! aber es bleibt selber draussen. - Simrock, 11687.


[Spaltenumbruch]
Wirthsknecht.

1 Wirthsknecht - Fürzknecht. - Fischart.

2 Wirthsknecht - Schürzknecht.


Wirthskreide.

* Mit der Wirthskreide schreiben (rechnen). - Eiselein, 645.

It.: La creta degl' hosti non e sempre discreta. (Pazzaglia, 92, 4.)


Wirthsleute.

Man sieht auf die Wirthsleute und nicht auf den Ehehalten. - Graf, 276, 299.

Die Herrschaft, in Gasthäusern der Wirth, ist für alles Unheil, welches das Gesinde, das Dienstpersonal stiftet, verantwortlich.

Mhd.: Man sicht vor an dij wirtleut unnd nicht dij ehehaltenn. (Maurer, II, 39.)


Wirthstochter.

Wirthstöchtere-n- und Müllerross sy nit für niedere Poss.1 (Solothurn.) - Schild, 100, 15; Sutermeister, 113.

1) Eigentlich = scherzhafter Mensch, hier ein Mensch niederer Klasse. Wirthstöchter werden meist auf hohem Fuss erzogen und passen nicht in alle Verhältnisse des Lebens, so wenig Müllerpferde gedeihen, wenn sie in geringeres Futter kommen.


Wisch.

1 Ein trockner Wisch macht rein den Arsch. - Willkomm, Der deutsche Bauer, 25.

*2 Einen wie einen Wisch hin- und herwerfen.

Mangel an Achtung.

Böhm.: Jako vechtem jim sobe postrkuji. (Celakovsky, 567.)

*3 Es het em en Wüsch uf d' Nase g'hört. - Sutermeister, 95.

*4 Unterm Wische kaufen. - Körte, 6884a.

Heimlich, betrügerisch; in Bezug auf den ehemaligen "Marktwisch", weil, solange er ausgesteckt war, nicht verkauft werden durfte. Allgemeiner: Etwas unter dem Wisch thun.

Frz.: Faire quelque chose sous la cape. - Vendre sous le manteau. (Kritzinger, 106a u. 438a.)

*5 Vom Wisch zu Tisch gehen. - Frischbier, 4067.

Von dem, der unmittelbar vor dem Essen ein natürliches Bedürfniss befriedigt. Auch umgekehrt.

*6 Was geboren ist zum Wisch, das taugt nicht zum Tisch.

Dän.: Det duer ei at drage den til disk som baaren er til visk. (Prov. dan., 118.)


Wischen.

1 Nachher wischen, hilft nichts mehr.

2 Wenn wischen und waschen wer über dem Bach, alss küssen undt lachen unter dem Dach, so wehre keine magd, sie wolte waschen, sie hätten bleichlaug oder aschen. - Töppen, 93, 129.

*3 Drüber wischen, wie der Hahn über heisse Kohlen. - Schottel, 1115a.

*4 Einem eins wischen. - Frischbier, 4068.

*5 Er wischt sich das Maul und geht davon.


Wischhader.

* Er (sie) hat sich den Wischhader mitgenommen.

So sagt man in Hermsdorf u. K. von einer Person, die aus einem Hause fortgegangen ist, ohne Abschied zu nehmen.


Wischiwaschi.

* Er kommt mit seinem Wischiwaschi ins Lerchenfeld.

Ins Blaue der Luft.


Wischkewaschke.

* Das ist wischke waschke. - Frischbier, 4069.

Nicht gehauen, nicht gestochen; Unsinn.


Wischkoll.

* Einen beim Wischkoll kriegen. - Frischbier, 4070.

Ihn beim Koller oder Kragen fassen.


Wischlappen.

*1 Bin ich ein Wischlappen?

Wenn man sich durch irgendeine Behandlung beeinträchtigt, verletzt fühlt, um etwa zu sagen: Bin ich nicht so gut wie andere? Verdiene ich eine solche Behandlung?

Jüd.-deutsch: Is denn mein Neschume (Seele) vün Klotsche (Werch, poln. klocza)?

*2 Das ist ein blosser Wischlappen.

Ein charakterloser Mensch.

*3 Einen Wischlappen zum Tischtuch machen.

Engl.: I will not make my dish-clout my table-cloth. (Bohn II, 85.)

*4 Einen zum Wischlappen machen.


[Spaltenumbruch] 3 Das Wirthshaus gleichet der Nacht von Trunkenheit.Graf, 391, 593.

D. h. wie man einem Trunkenen ausweicht, der einem auf der Strasse begegnet, so soll man nachts dem Wirthshause ausweichen, weil dasselbe den schützenden Hausfrieden (s. d.) nicht besitzt. (S. Taverne, Trinkleute.) (Graf, 881, 515.)

Mhd.: Daz winhuz gelichet sich der nacht von trunkenheit. (Schreiber, I, 77 u. 126.)

4 Das Wirthshaus ist ein Ort, wo man die Narrheit in Flaschen (Gläsern) verkauft.Witzfunken, Vb, 177.

5 Ein Wirthshaus ohne zehren, ein Wald ohne Holz, ein Dörflein ohne Scholz, ein Waschhaus ohne Gelten sind Ding so man findt selten.Zinkgref, IV, 389.

6 Es kompt ins Wirthshaus mancher nein, dem weder Bier gefelt noch wein.Henisch, 374, 19.

7 Grad aus dem Wirthshaus kommt mancher heraus, aber er kommt doch schräg nach Haus.Frieske, 16.

Bierkeller im neuen berliner Rathhaus.

8 Im Wirthshaus verbricht niemand mehr als im freien Felde.Graf, 381, 515; Mieris, 618, 20.

Ungebührlichkeiten in einem Wirthshause, so strafbar sie an sich sein mögen, sind keine Störung des Hausfriedens. (S. Taverne und Trinkleute.)

9 In einem öden Wirthshaus gibt's gesalzene (theuere) Rechnung.

Schwed.: Tomt wisthus gjör en galen redesvän. (Grubb, 812.)

10 In einem schönen Wirthshaus ist der Wirth oft ein Schalk.Körte, 6884.

11 In schönen Wirthshäusern findet man auch sauern Wein.Lehmann, 705, 7.

Dän.: I et godt herberg boer tit en ond vert. (Prov. dan., 161.)

12 In Wirtshäusern lehrnet man die Leut kennen.Lehmann, 923, 19.

13 Ins Wirthshaus geht's schnell, doch langsam heraus.

Böhm.: Od hospody krokem, k hospodĕ skokem. (Čelakovsky, 141.)

14 Man kehrt nicht in allen Wirthshäusern der Strasse ein, wenn schon gute Wirth drinnen sind.Lehmann, 906, 12.

15 Vör nigge Wirthshäuser und olle Füertrohnen mo me sick für wahren. (Sauerland.)

16 Wirthshaus, Schoppen komm heraus.

17 Wo ein Wirthshaus steht, kann kein Backhaus stehen. (Frankenwald.)

Wer viel trinkt, pflegt wenig zu essen. (S. Brauhaus.)

*18 Der ist vor dem lätzen Wirthshaus abgestiegen. (Nürtingen.)

Er ist an den Unrechten gekommen, ist übel angelaufen.

*19 Er cha für keis Wirthshûs ane.Sutermeister, 63.

Er kann vor keinem Wirthshause vorübergehen, er muss einkehren und einmal trinken. Zur Schilderung der Gerntrinker und Immerdurstigen finden sich a. a. O. noch folgende Redensarten: Er cha die volle Gläser nid liide. Er cha de Wii holt nid im Hols dole. Er hat nie us em leere Glas trunke. Er lôt si nid zum Trinke zwinge. Er schütt de Wii au nid i d' Schue.

*20 Er findet eher (in) ein Wirthshaus als (in) eine Kirche.

Der Brüder-Orden in der Schelmenzunft, ein Seitenstück zu Murner's Schelmenzunft, Strassburg 1516. Das Original ist lateinisch und heisst: Secta Mopopolii: seu congregationis bonorum sociorum. Alias die Schelmenzunft. Ein Bogen, mit der Bezeichnung am Ende: Impressum S. Anno M. D. X. V.

*21 Er sucht im Wirthshaus, was er schon unter der Nase hat.

*22 Im Wirthshause zum zunehmenden Monde herbergen.

Frz.: Loger à l'enseigne du croissant. (Kritzinger, 275a.)

*23 Jo kên Wirthshûs vörbî fören, lêwer 'n Sechser up 'n Seil leggen. (Pommern.)

So sagen die Fuhrleute.


Wirthshausschild.

Das Wirthshausschild ruft: Komm herein! aber es bleibt selber draussen.Simrock, 11687.


[Spaltenumbruch]
Wirthsknecht.

1 Wirthsknecht – Fürzknecht.Fischart.

2 Wirthsknecht – Schürzknecht.


Wirthskreide.

* Mit der Wirthskreide schreiben (rechnen).Eiselein, 645.

It.: La creta degl' hosti non è sempre discreta. (Pazzaglia, 92, 4.)


Wirthsleute.

Man sieht auf die Wirthsleute und nicht auf den Ehehalten.Graf, 276, 299.

Die Herrschaft, in Gasthäusern der Wirth, ist für alles Unheil, welches das Gesinde, das Dienstpersonal stiftet, verantwortlich.

Mhd.: Man sicht vor an dij wirtleut unnd nicht dij ehehaltenn. (Maurer, II, 39.)


Wirthstochter.

Wirthstöchtere-n- und Müllerross sy nit für niedere Poss.1 (Solothurn.) – Schild, 100, 15; Sutermeister, 113.

1) Eigentlich = scherzhafter Mensch, hier ein Mensch niederer Klasse. Wirthstöchter werden meist auf hohem Fuss erzogen und passen nicht in alle Verhältnisse des Lebens, so wenig Müllerpferde gedeihen, wenn sie in geringeres Futter kommen.


Wisch.

1 Ein trockner Wisch macht rein den Arsch.Willkomm, Der deutsche Bauer, 25.

*2 Einen wie einen Wisch hin- und herwerfen.

Mangel an Achtung.

Böhm.: Jako vĕchtem jím sobĕ postrkují. (Čelakovsky, 567.)

*3 Es het em en Wüsch uf d' Nase g'hört.Sutermeister, 95.

*4 Unterm Wische kaufen.Körte, 6884a.

Heimlich, betrügerisch; in Bezug auf den ehemaligen „Marktwisch“, weil, solange er ausgesteckt war, nicht verkauft werden durfte. Allgemeiner: Etwas unter dem Wisch thun.

Frz.: Faire quelque chose sous la cape. – Vendre sous le manteau. (Kritzinger, 106a u. 438a.)

*5 Vom Wisch zu Tisch gehen.Frischbier, 4067.

Von dem, der unmittelbar vor dem Essen ein natürliches Bedürfniss befriedigt. Auch umgekehrt.

*6 Was geboren ist zum Wisch, das taugt nicht zum Tisch.

Dän.: Det duer ei at drage den til disk som baaren er til visk. (Prov. dan., 118.)


Wischen.

1 Nachher wischen, hilft nichts mehr.

2 Wenn wischen und waschen wer über dem Bach, alss küssen undt lachen unter dem Dach, so wehre keine magd, sie wolte waschen, sie hätten bleichlaug oder aschen.Töppen, 93, 129.

*3 Drüber wischen, wie der Hahn über heisse Kohlen.Schottel, 1115a.

*4 Einem eins wischen.Frischbier, 4068.

*5 Er wischt sich das Maul und geht davon.


Wischhader.

* Er (sie) hat sich den Wischhader mitgenommen.

So sagt man in Hermsdorf u. K. von einer Person, die aus einem Hause fortgegangen ist, ohne Abschied zu nehmen.


Wischiwaschi.

* Er kommt mit seinem Wischiwaschi ins Lerchenfeld.

Ins Blaue der Luft.


Wischkewaschke.

* Das ist wischke waschke.Frischbier, 4069.

Nicht gehauen, nicht gestochen; Unsinn.


Wischkoll.

* Einen beim Wischkoll kriegen.Frischbier, 4070.

Ihn beim Koller oder Kragen fassen.


Wischlappen.

*1 Bin ich ein Wischlappen?

Wenn man sich durch irgendeine Behandlung beeinträchtigt, verletzt fühlt, um etwa zu sagen: Bin ich nicht so gut wie andere? Verdiene ich eine solche Behandlung?

Jüd.-deutsch: Is denn mein Neschume (Seele) vün Klotsche (Werch, poln. kłocza)?

*2 Das ist ein blosser Wischlappen.

Ein charakterloser Mensch.

*3 Einen Wischlappen zum Tischtuch machen.

Engl.: I will not make my dish-clout my table-cloth. (Bohn II, 85.)

*4 Einen zum Wischlappen machen.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><pb facs="#f0156" n="[144]"/><cb n="287"/>
3 Das Wirthshaus gleichet der Nacht von Trunkenheit.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Graf, 391, 593.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">D. h. wie man einem Trunkenen ausweicht, der einem auf der Strasse begegnet, so soll man nachts dem Wirthshause ausweichen, weil dasselbe den schützenden  Hausfrieden (s. d.) nicht besitzt. (S.  Taverne,  Trinkleute.) (<hi rendition="#i">Graf, 881, 515.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Mhd.</hi>: Daz winhuz gelichet sich der nacht von trunkenheit. (<hi rendition="#i">Schreiber, I, 77 u. 126.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Das Wirthshaus ist ein Ort, wo man die Narrheit in Flaschen (Gläsern) verkauft.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Witzfunken, V<hi rendition="#sup">b</hi>, 177.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Ein Wirthshaus ohne zehren, ein Wald ohne Holz, ein Dörflein ohne Scholz, ein Waschhaus ohne Gelten sind Ding so man findt selten.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Zinkgref, IV, 389.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Es kompt ins Wirthshaus mancher nein, dem weder Bier gefelt noch wein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 374, 19.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Grad aus dem Wirthshaus kommt mancher heraus, aber er kommt doch schräg nach Haus.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frieske, 16.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Bierkeller im neuen berliner Rathhaus.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">8 Im Wirthshaus verbricht niemand mehr als im freien Felde.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Graf, 381, 515; Mieris, 618, 20.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ungebührlichkeiten in einem Wirthshause, so strafbar sie an sich sein mögen, sind keine Störung des Hausfriedens. (S.  Taverne und  Trinkleute.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 In einem öden Wirthshaus gibt's gesalzene (theuere) Rechnung.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: Tomt wisthus gjör en galen redesvän. (<hi rendition="#i">Grubb, 812.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">10 In einem schönen Wirthshaus ist der Wirth oft ein Schalk.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 6884.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">11 In schönen Wirthshäusern findet man auch sauern Wein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 705, 7.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: I et godt herberg boer tit en ond vert. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 161.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">12 In Wirtshäusern lehrnet man die Leut kennen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 923, 19.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">13 Ins Wirthshaus geht's schnell, doch langsam heraus.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Böhm.</hi>: Od hospody krokem, k hospod&#x0115; skokem. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 141.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">14 Man kehrt nicht in allen Wirthshäusern der Strasse ein, wenn schon gute Wirth drinnen sind.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 906, 12.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">15 Vör nigge Wirthshäuser und olle Füertrohnen mo me sick für wahren.</hi> (<hi rendition="#i">Sauerland.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">16 Wirthshaus, Schoppen komm heraus.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">17 Wo ein Wirthshaus steht, kann kein Backhaus stehen.</hi> (<hi rendition="#i">Frankenwald.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Wer viel trinkt, pflegt wenig zu essen. (S.  Brauhaus.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*18 Der ist vor dem lätzen Wirthshaus abgestiegen.</hi> (<hi rendition="#i">Nürtingen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Er ist an den Unrechten gekommen, ist übel angelaufen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*19 Er cha für keis Wirthshûs ane.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 63.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Er kann vor keinem Wirthshause vorübergehen, er muss einkehren und einmal trinken. Zur Schilderung der Gerntrinker und Immerdurstigen finden sich a. a. O. noch folgende Redensarten: Er cha die volle Gläser nid liide. Er cha de Wii holt nid im Hols dole. Er hat nie us em leere Glas trunke. Er lôt si nid zum Trinke zwinge. Er schütt de Wii au nid i d' Schue.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*20 Er findet eher (in) ein Wirthshaus als (in) eine Kirche.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#i">Der Brüder-Orden in der Schelmenzunft,</hi> ein Seitenstück zu Murner's <hi rendition="#i">Schelmenzunft,</hi> Strassburg 1516. Das Original ist lateinisch und heisst: <hi rendition="#i">Secta Mopopolii: seu congregationis bonorum sociorum. Alias die Schelmenzunft.</hi> Ein Bogen, mit der Bezeichnung am Ende: Impressum S.  Anno M. D. X. V.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*21 Er sucht im Wirthshaus, was er schon unter der Nase hat.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*22 Im Wirthshause zum zunehmenden Monde herbergen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Loger à l'enseigne du croissant. (<hi rendition="#i">Kritzinger, 275<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*23 Jo kên Wirthshûs vörbî fören, lêwer 'n Sechser up 'n Seil leggen.</hi> (<hi rendition="#i">Pommern.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">So sagen die Fuhrleute.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wirthshausschild.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Das Wirthshausschild ruft: Komm herein! aber es bleibt selber draussen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 11687.</hi></p><lb/>
        </div>
        <cb n="288"/>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wirthsknecht.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Wirthsknecht &#x2013; Fürzknecht.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Fischart.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Wirthsknecht &#x2013; Schürzknecht.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wirthskreide.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Mit der Wirthskreide schreiben (rechnen).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 645.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: La creta degl' hosti non è sempre discreta. (<hi rendition="#i">Pazzaglia, 92, 4.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wirthsleute.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Man sieht auf die Wirthsleute und nicht auf den Ehehalten.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Graf, 276, 299.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Herrschaft, in Gasthäusern der Wirth, ist für alles Unheil, welches das Gesinde, das Dienstpersonal stiftet, verantwortlich.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Mhd.</hi>: Man sicht vor an dij wirtleut unnd nicht dij ehehaltenn. (<hi rendition="#i">Maurer, II, 39.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wirthstochter.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Wirthstöchtere-n- und Müllerross sy nit für niedere Poss.<hi rendition="#sup">1</hi></hi> (<hi rendition="#i">Solothurn.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schild, 100, 15; Sutermeister, 113.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Eigentlich = scherzhafter Mensch, hier ein Mensch niederer Klasse. Wirthstöchter werden meist auf hohem Fuss erzogen und passen nicht in alle Verhältnisse des Lebens, so wenig Müllerpferde gedeihen, wenn sie in geringeres Futter kommen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wisch.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Ein trockner Wisch macht rein den Arsch.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Willkomm, Der deutsche Bauer, 25.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Einen wie einen Wisch hin- und herwerfen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Mangel an Achtung.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Böhm.</hi>: Jako v&#x0115;chtem jím sob&#x0115; postrkují. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 567.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Es het em en Wüsch uf d' Nase g'hört.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 95.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Unterm Wische kaufen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 6884<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Heimlich, betrügerisch; in Bezug auf den ehemaligen &#x201E;Marktwisch&#x201C;, weil, solange er ausgesteckt war, nicht verkauft werden durfte. Allgemeiner: Etwas unter dem Wisch thun.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Faire quelque chose sous la cape. &#x2013; Vendre sous le manteau. (<hi rendition="#i">Kritzinger, 106<hi rendition="#sup">a</hi> u. 438<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Vom Wisch zu Tisch gehen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, 4067.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Von dem, der unmittelbar vor dem Essen ein natürliches Bedürfniss befriedigt. Auch umgekehrt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*6 Was geboren ist zum Wisch, das taugt nicht zum Tisch.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Det duer ei at drage den til disk som baaren er til visk. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 118.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wischen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Nachher wischen, hilft nichts mehr.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Wenn wischen und waschen wer über dem Bach, alss küssen undt lachen unter dem Dach, so wehre keine magd, sie wolte waschen, sie hätten bleichlaug oder aschen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Töppen, 93, 129.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Drüber wischen, wie der Hahn über heisse Kohlen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schottel, 1115<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Einem eins wischen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, 4068.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*5 Er wischt sich das Maul und geht davon.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wischhader.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er (sie) hat sich den Wischhader mitgenommen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">So sagt man in Hermsdorf u. K. von einer Person, die aus einem Hause fortgegangen ist, ohne Abschied zu nehmen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wischiwaschi.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er kommt mit seinem Wischiwaschi ins Lerchenfeld.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Ins Blaue der Luft.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wischkewaschke.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Das ist wischke waschke.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, 4069.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Nicht gehauen, nicht gestochen; Unsinn.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wischkoll.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Einen beim Wischkoll kriegen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, 4070.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ihn beim Koller oder Kragen fassen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wischlappen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*1 Bin ich ein Wischlappen?</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn man sich durch irgendeine Behandlung beeinträchtigt, verletzt fühlt, um etwa zu sagen: Bin ich nicht so gut wie andere? Verdiene ich eine solche Behandlung?</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Jüd.-deutsch</hi>: Is denn mein Neschume (Seele) vün Klotsche (Werch, poln. k&#x0142;ocza)?</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Das ist ein blosser Wischlappen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein charakterloser Mensch.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*3 Einen Wischlappen zum Tischtuch machen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: I will not make my dish-clout my table-cloth. (<hi rendition="#i">Bohn II, 85.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*4 Einen zum Wischlappen machen.</hi> </p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[144]/0156] 3 Das Wirthshaus gleichet der Nacht von Trunkenheit. – Graf, 391, 593. D. h. wie man einem Trunkenen ausweicht, der einem auf der Strasse begegnet, so soll man nachts dem Wirthshause ausweichen, weil dasselbe den schützenden Hausfrieden (s. d.) nicht besitzt. (S. Taverne, Trinkleute.) (Graf, 881, 515.) Mhd.: Daz winhuz gelichet sich der nacht von trunkenheit. (Schreiber, I, 77 u. 126.) 4 Das Wirthshaus ist ein Ort, wo man die Narrheit in Flaschen (Gläsern) verkauft. – Witzfunken, Vb, 177. 5 Ein Wirthshaus ohne zehren, ein Wald ohne Holz, ein Dörflein ohne Scholz, ein Waschhaus ohne Gelten sind Ding so man findt selten. – Zinkgref, IV, 389. 6 Es kompt ins Wirthshaus mancher nein, dem weder Bier gefelt noch wein. – Henisch, 374, 19. 7 Grad aus dem Wirthshaus kommt mancher heraus, aber er kommt doch schräg nach Haus. – Frieske, 16. Bierkeller im neuen berliner Rathhaus. 8 Im Wirthshaus verbricht niemand mehr als im freien Felde. – Graf, 381, 515; Mieris, 618, 20. Ungebührlichkeiten in einem Wirthshause, so strafbar sie an sich sein mögen, sind keine Störung des Hausfriedens. (S. Taverne und Trinkleute.) 9 In einem öden Wirthshaus gibt's gesalzene (theuere) Rechnung. Schwed.: Tomt wisthus gjör en galen redesvän. (Grubb, 812.) 10 In einem schönen Wirthshaus ist der Wirth oft ein Schalk. – Körte, 6884. 11 In schönen Wirthshäusern findet man auch sauern Wein. – Lehmann, 705, 7. Dän.: I et godt herberg boer tit en ond vert. (Prov. dan., 161.) 12 In Wirtshäusern lehrnet man die Leut kennen. – Lehmann, 923, 19. 13 Ins Wirthshaus geht's schnell, doch langsam heraus. Böhm.: Od hospody krokem, k hospodĕ skokem. (Čelakovsky, 141.) 14 Man kehrt nicht in allen Wirthshäusern der Strasse ein, wenn schon gute Wirth drinnen sind. – Lehmann, 906, 12. 15 Vör nigge Wirthshäuser und olle Füertrohnen mo me sick für wahren. (Sauerland.) 16 Wirthshaus, Schoppen komm heraus. 17 Wo ein Wirthshaus steht, kann kein Backhaus stehen. (Frankenwald.) Wer viel trinkt, pflegt wenig zu essen. (S. Brauhaus.) *18 Der ist vor dem lätzen Wirthshaus abgestiegen. (Nürtingen.) Er ist an den Unrechten gekommen, ist übel angelaufen. *19 Er cha für keis Wirthshûs ane. – Sutermeister, 63. Er kann vor keinem Wirthshause vorübergehen, er muss einkehren und einmal trinken. Zur Schilderung der Gerntrinker und Immerdurstigen finden sich a. a. O. noch folgende Redensarten: Er cha die volle Gläser nid liide. Er cha de Wii holt nid im Hols dole. Er hat nie us em leere Glas trunke. Er lôt si nid zum Trinke zwinge. Er schütt de Wii au nid i d' Schue. *20 Er findet eher (in) ein Wirthshaus als (in) eine Kirche. Der Brüder-Orden in der Schelmenzunft, ein Seitenstück zu Murner's Schelmenzunft, Strassburg 1516. Das Original ist lateinisch und heisst: Secta Mopopolii: seu congregationis bonorum sociorum. Alias die Schelmenzunft. Ein Bogen, mit der Bezeichnung am Ende: Impressum S. Anno M. D. X. V. *21 Er sucht im Wirthshaus, was er schon unter der Nase hat. *22 Im Wirthshause zum zunehmenden Monde herbergen. Frz.: Loger à l'enseigne du croissant. (Kritzinger, 275a.) *23 Jo kên Wirthshûs vörbî fören, lêwer 'n Sechser up 'n Seil leggen. (Pommern.) So sagen die Fuhrleute. Wirthshausschild. Das Wirthshausschild ruft: Komm herein! aber es bleibt selber draussen. – Simrock, 11687. Wirthsknecht. 1 Wirthsknecht – Fürzknecht. – Fischart. 2 Wirthsknecht – Schürzknecht. Wirthskreide. * Mit der Wirthskreide schreiben (rechnen). – Eiselein, 645. It.: La creta degl' hosti non è sempre discreta. (Pazzaglia, 92, 4.) Wirthsleute. Man sieht auf die Wirthsleute und nicht auf den Ehehalten. – Graf, 276, 299. Die Herrschaft, in Gasthäusern der Wirth, ist für alles Unheil, welches das Gesinde, das Dienstpersonal stiftet, verantwortlich. Mhd.: Man sicht vor an dij wirtleut unnd nicht dij ehehaltenn. (Maurer, II, 39.) Wirthstochter. Wirthstöchtere-n- und Müllerross sy nit für niedere Poss.1 (Solothurn.) – Schild, 100, 15; Sutermeister, 113. 1) Eigentlich = scherzhafter Mensch, hier ein Mensch niederer Klasse. Wirthstöchter werden meist auf hohem Fuss erzogen und passen nicht in alle Verhältnisse des Lebens, so wenig Müllerpferde gedeihen, wenn sie in geringeres Futter kommen. Wisch. 1 Ein trockner Wisch macht rein den Arsch. – Willkomm, Der deutsche Bauer, 25. *2 Einen wie einen Wisch hin- und herwerfen. Mangel an Achtung. Böhm.: Jako vĕchtem jím sobĕ postrkují. (Čelakovsky, 567.) *3 Es het em en Wüsch uf d' Nase g'hört. – Sutermeister, 95. *4 Unterm Wische kaufen. – Körte, 6884a. Heimlich, betrügerisch; in Bezug auf den ehemaligen „Marktwisch“, weil, solange er ausgesteckt war, nicht verkauft werden durfte. Allgemeiner: Etwas unter dem Wisch thun. Frz.: Faire quelque chose sous la cape. – Vendre sous le manteau. (Kritzinger, 106a u. 438a.) *5 Vom Wisch zu Tisch gehen. – Frischbier, 4067. Von dem, der unmittelbar vor dem Essen ein natürliches Bedürfniss befriedigt. Auch umgekehrt. *6 Was geboren ist zum Wisch, das taugt nicht zum Tisch. Dän.: Det duer ei at drage den til disk som baaren er til visk. (Prov. dan., 118.) Wischen. 1 Nachher wischen, hilft nichts mehr. 2 Wenn wischen und waschen wer über dem Bach, alss küssen undt lachen unter dem Dach, so wehre keine magd, sie wolte waschen, sie hätten bleichlaug oder aschen. – Töppen, 93, 129. *3 Drüber wischen, wie der Hahn über heisse Kohlen. – Schottel, 1115a. *4 Einem eins wischen. – Frischbier, 4068. *5 Er wischt sich das Maul und geht davon. Wischhader. * Er (sie) hat sich den Wischhader mitgenommen. So sagt man in Hermsdorf u. K. von einer Person, die aus einem Hause fortgegangen ist, ohne Abschied zu nehmen. Wischiwaschi. * Er kommt mit seinem Wischiwaschi ins Lerchenfeld. Ins Blaue der Luft. Wischkewaschke. * Das ist wischke waschke. – Frischbier, 4069. Nicht gehauen, nicht gestochen; Unsinn. Wischkoll. * Einen beim Wischkoll kriegen. – Frischbier, 4070. Ihn beim Koller oder Kragen fassen. Wischlappen. *1 Bin ich ein Wischlappen? Wenn man sich durch irgendeine Behandlung beeinträchtigt, verletzt fühlt, um etwa zu sagen: Bin ich nicht so gut wie andere? Verdiene ich eine solche Behandlung? Jüd.-deutsch: Is denn mein Neschume (Seele) vün Klotsche (Werch, poln. kłocza)? *2 Das ist ein blosser Wischlappen. Ein charakterloser Mensch. *3 Einen Wischlappen zum Tischtuch machen. Engl.: I will not make my dish-clout my table-cloth. (Bohn II, 85.) *4 Einen zum Wischlappen machen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T09:51:52Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T09:51:52Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/156
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880, S. [144]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/156>, abgerufen am 01.12.2020.