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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880.

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[Spaltenumbruch] *29 Die ganze Woche durchkalandern. - Eiselein, 358.

Zechen und schmausen, wie die Kalandsbrüder in ihren Zusammenkünften. Der Kaland war eine Brüder- oder Genossenschaft andächtiger Personen, die sich regelmässig am ersten Tage eines jeden Monats, welcher Tag lateinisch calendae heisst, zu frommen Zwecken und gemeinschaftlichem Mahle zu versammeln pflegte.

*30 Die vier fröhlichen Wochen. - Chemnitius, I, 292.

"Wie man pfleget zu sagen." Es sind die sogenannten Flitterwochen gemeint.

*31 Die Woche hat noch mehr Tage.

Holl.: Er komen meer dagen in de week. (Harrebomee, II, 444a.)

*32 Er hat in einer Woche Sonntag, guten Montag und fünf Feiertage.

"Ein Handwerksmann, der die Woche vier gute Montag macht." (Mathesy, Postilla, III, LXXXIb.)

*33 Er hät iez die goldi Wuche. - Sutermeister, 103.

Lebt in den Flitterwochen.

*34 Er hat jede Woche sieben Kirmestage.

Lebt alle Tage in Saus und Braus; der altrömischen Redensart entsprechend: Leontini semper ad pocula. Diese letztere soll sich aus den Zeiten des alten Königs Phalaris zu Syrakus herschreiben, der, nachdem er die Einwohner der Stadt Leontium in Sicilien besiegt und ihnen alle Waffen abgenommen hatte, auf den Gedanken kam, das beste Mittel, sich vor neuen Empörungen von seiten derselben zu sichern, müsse sein, sie durch Essen und Trinken zu entnerven. Dies Mittel soll sich nun so gut bewährt haben, dass von den Schmausereien und Gelagen der Leontiner obige Redensart entstanden ist.

*35 Er kommt die Woche einmal übers Vaterunser, wie die Gänse über den Hafer.

*36 Er sieht in die andere Woche. - Körte, 6921.

Vom Schielenden.

Holl.: Zij zien in de andere week, en deze is nog niet om. - Zij ziet naar de andere week. (Harrebomee, II, 445a.)

*37 Gute Woch.

In Warschau jüdisch-deutscher Gruss am Ausgange des Sabbats.

*38 He kickt en de andere Week heren. (Meurs.)

*39 Op a Wäk Namöddag. - Frischbier, 4093.


Wochenblatt.

* Sie ist ein lebendiges Wochenblatt. (Frankenwald.)

Frz.: C'est un vrai bureau d'adresse.


Wochenhans.

Si lüte dem Wuchehans au wider is Grab. - Sutermeister, 32.

Es ist der Sonnabend gemeint.


Wochentag.

1 Am schlechten Wochentage wird mancher ausgezahlt. - Keller, 158b.

*2 An einem schlechten Wochentage davongehen. (Schles.) - Gomolcke, 589.

*3 Ich weil 'n an am (an einem) schlechten Wuchentage dervan joan. (Schles.) - Frommann, III, 409, 358.


Wochner.

Wenn der Wochner (das Deus in adjutorium) zu singen anfängt, so folgen die andern gleich nach. - Parömiakon, 775.


Wöchnerin.

1 Einer Wöchnerin steht das Grab vierzig Tage offen.

2 Jede Wöchnerin ist eitel.


Wocken.

1 An silbernen Wocken spinnt man das feinste Garn. - Altmann V, 121.

2 Den Wocken, so ich angefangen, will ich vollend abspinnen. - Coler, 500a.

3 Was eine an den Wocken bindet, das spinnt sie auch. - Petri, II, 592.

4 Wocke, Wocke, du bist vom quaden Stocke, wenn ich dich anseh, so thun mir alle Knochen weh. - Petri, III, 16.

*5 Ich werde dir für den Wocken, auch für den Wippstock geben. (Dönhofstädt.) - Frischbier, II, 2944.

Du hast viel eingebrockt und es soll dir das Einzelne wie das Ganze vergolten werden.

*6 Spinne deinen Wocken ab.

Vollführe dein Geschäft.


[Spaltenumbruch]
Wodan (s. Nikolaus).

Wode, Wode, hal dinen Rosse nu Voder; nu Distel und e Dorn, tom andren Jahr beten Korn.

Wie in Resten von Volksbräuchen und -Sitten die Verehrung Wodan's als des weihnachtlichen Neulichts, in andern die als des siegreichen Maikönigs zu erkennen ist; so wird er im obigen Spruche in einigen Gegenden Deutschlands, wie Mecklenburg und Pommern, als Erntegott (Herbst-Wodan) angerufen. Auch andere Erscheinungen im Volksleben deuten darauf hin, wie der "Schimmelreiter" und "Haferbräutigam" bei den Erntefesten. In dem bereits erwähnten Mecklenburg, wie in der Mark, lässt man bei der Kornernte einen Büschel Getreide stehen, welcher der Vergodentheil heisst. Um diesen Büschel, der oben zusammengeflochten und mit Bier besprengt wird, sammeln sich die Arbeiter im Kreise, nehmen die Hüte ab, richten die Sensen aufwärts und rufen Wodan dreimal mit obigem Spruche an. Sie lassen den Aehrenbüschel also ausdrücklich für Wodan's Ross stehen und hoffen dafür im nächsten Jahre noch besseres Korn zu erhalten. Der Vergodentheil ist gleich "Für-Wodan" oder "Fro-Wodens", d. i. Herrn Wodan's Theil. Wode wechselt nämlich vielfach mit Gode. Nach der erwähnten Ceremonie, welche "Erntesegen" heisst, gibt der Gutsherr den Knechten ein Gelage, das "Wodelbier" heisst. Das Bier scheint beim Wodansdienst, und besonders bei der Erntefeier, eine namhafte Rolle gehabt zu haben. Der heilige Columban traf seinerzeit heidnische Schwaben bei einem Opfer für Wodan, in deren Mitte eine Kufe stand, die dreissig Mass Bier enthielt. Bis zur Neuzeit, noch am Ende des vorigen Jahrhunderts, war es z. B. im Schaumburgischen Sitte, dass die Schnitter, unmittelbar nachdem die letzte Garbe gebunden war, den Acker mit Bier begossen, dann selbst tranken und nun, um die letzte Garbe, den "Waulroggen", entblössten Hauptes in friedlichem Reigen tanzend, einen alten Vers sangen, der hochdeutsch lautet: "Wode, Wode, Wode! Himmelsriese weiss, was geschieht, immer er nieder vom Himmel sieht. Volle Krüge und Garben hat er, auch in dem Wald wächst er mannichfalt; er ist nicht geboren und wird nicht alt. Wode, Wode, Wode!" Noch jetzt tanzen am Steinhuder Meer, in Lippe und Hessen die Schnitter um die letzte Garbe, durch welche sie einen blumenbekränzten Stab geschoben, schlagen an die Stufen, und rufen: "Wauden, Wauden!" oder sie begehen diese Erntefeier gar auf einem "Heidenhügel", indem sie hutschwenkend um ein loderndes Feuer tanzen. Am deutlichsten aber tritt die uralte Verehrung Wodan's, des Erntegottes, in einigen bairischen Gegenden hervor, wo die stehengelassenen Roggenbüschel zu einer Menschengestalt zusammengebunden und mit Blumen geschmückt werden. Die Gestalt heisst der Oswald (s. d.) oder Oanswald, d. i. Answalt, Walter der Ansen oder Asen, der Herrscher der Götter - Wodan. (Vgl. Wodan als Jahresgott (Herbstwodan) von M. Jähns in Grenzboten, Leipzig 1871, Nr. 8, S. 292. )


Woge.

* Er kam, um die Wogen des Meeres zu brechen, aber er irrte sich in der Rechnung. Auf jeden Fall, sprach er, kommen mehr als zehn. - Burckhardt, 187.

Von nichtswürdigen Auskunftsmitteln, um Unwissenheit oder Nachlässigkeit zu verbergen.


Woher.

1 Vän wannen? - Vün Bogarye. (Jüd.-deutsch.)

Auf die Frage: Woher kommst du? pflegt man zu antworten: Von Bogarye, einer Stadt in Polen.

2 Woher sind ihr? Vo Hitzchilch bigott! (Oder: Vo Zeihe? O hein, die Holzbirn hend g'fehlt.)


Wohin.

Wohen will ji (wollt ihr)? To de Hochteid. Woher koam 'n ji? Von de Hochteid. (Strelitz.) - Firmenich, III, 73, 113.

Die erste Antwort wird im jauchzenden, die andere im weinerlichen Tone gesprochen. Wird angewandt, um fehlgeschlagene Hoffnungen und Erwartungen zu schildern.


Wohl (Adj.).

1 Allen wohl und keinem übel! wer dat nig will, den hole der Dübel. - Simrock, 11745.

2 Auch dem ist wohl, der Silber hat.

3 Besser wohl, als voll.

4 Deam ist's nie wol, wie 'm Bock, bis er seine Tracht hat. - Birlinger, 86.

5 Dem ist nicht wohl, der nicht wohl währet. - Körte, 6409; Körte2, 8050.

6 Dem ist wol, der nichts weyss. - Franck, Paradoxa, 114a.

Lat.: In nihili sapienti juvendissima vita. (Franck, Paradoxa, 114a.)

[Spaltenumbruch] *29 Die ganze Woche durchkalandern.Eiselein, 358.

Zechen und schmausen, wie die Kalandsbrüder in ihren Zusammenkünften. Der Káland war eine Brüder- oder Genossenschaft andächtiger Personen, die sich regelmässig am ersten Tage eines jeden Monats, welcher Tag lateinisch calendae heisst, zu frommen Zwecken und gemeinschaftlichem Mahle zu versammeln pflegte.

*30 Die vier fröhlichen Wochen.Chemnitius, I, 292.

„Wie man pfleget zu sagen.“ Es sind die sogenannten Flitterwochen gemeint.

*31 Die Woche hat noch mehr Tage.

Holl.: Er komen meer dagen in de week. (Harrebomée, II, 444a.)

*32 Er hat in einer Woche Sonntag, guten Montag und fünf Feiertage.

„Ein Handwerksmann, der die Woche vier gute Montag macht.“ (Mathesy, Postilla, III, LXXXIb.)

*33 Er hät iez die goldi Wuche.Sutermeister, 103.

Lebt in den Flitterwochen.

*34 Er hat jede Woche sieben Kirmestage.

Lebt alle Tage in Saus und Braus; der altrömischen Redensart entsprechend: Leontini semper ad pocula. Diese letztere soll sich aus den Zeiten des alten Königs Phalaris zu Syrakus herschreiben, der, nachdem er die Einwohner der Stadt Leontium in Sicilien besiegt und ihnen alle Waffen abgenommen hatte, auf den Gedanken kam, das beste Mittel, sich vor neuen Empörungen von seiten derselben zu sichern, müsse sein, sie durch Essen und Trinken zu entnerven. Dies Mittel soll sich nun so gut bewährt haben, dass von den Schmausereien und Gelagen der Leontiner obige Redensart entstanden ist.

*35 Er kommt die Woche einmal übers Vaterunser, wie die Gänse über den Hafer.

*36 Er sieht in die andere Woche.Körte, 6921.

Vom Schielenden.

Holl.: Zij zien in de andere week, en deze is nog niet om. – Zij ziet naar de andere week. (Harrebomée, II, 445a.)

*37 Gute Woch.

In Warschau jüdisch-deutscher Gruss am Ausgange des Sabbats.

*38 He kickt en de andere Week heren. (Meurs.)

*39 Op a Wäk Namöddag.Frischbier, 4093.


Wochenblatt.

* Sie ist ein lebendiges Wochenblatt. (Frankenwald.)

Frz.: C'est un vrai bureau d'adresse.


Wochenhans.

Si lüte dem Wuchehans au wider is Grab.Sutermeister, 32.

Es ist der Sonnabend gemeint.


Wochentag.

1 Am schlechten Wochentage wird mancher ausgezahlt.Keller, 158b.

*2 An einem schlechten Wochentage davongehen. (Schles.) – Gomolcke, 589.

*3 Ich wîl 'n an am (an einem) schlechten Wuchentage dervân joan. (Schles.) – Frommann, III, 409, 358.


Wochner.

Wenn der Wochner (das Deus in adjutorium) zu singen anfängt, so folgen die andern gleich nach.Parömiakon, 775.


Wöchnerin.

1 Einer Wöchnerin steht das Grab vierzig Tage offen.

2 Jede Wöchnerin ist eitel.


Wocken.

1 An silbernen Wocken spinnt man das feinste Garn.Altmann V, 121.

2 Den Wocken, so ich angefangen, will ich vollend abspinnen.Coler, 500a.

3 Was eine an den Wocken bindet, das spinnt sie auch.Petri, II, 592.

4 Wocke, Wocke, du bist vom quaden Stocke, wenn ich dich anseh, so thun mir alle Knochen weh.Petri, III, 16.

*5 Ich werde dir für den Wocken, auch für den Wippstock geben. (Dönhofstädt.) – Frischbier, II, 2944.

Du hast viel eingebrockt und es soll dir das Einzelne wie das Ganze vergolten werden.

*6 Spinne deinen Wocken ab.

Vollführe dein Geschäft.


[Spaltenumbruch]
Wodan (s. Nikolaus).

Wode, Wode, hal dinen Rosse nu Voder; nu Distel und e Dorn, tom andren Jahr beten Korn.

Wie in Resten von Volksbräuchen und -Sitten die Verehrung Wodan's als des weihnachtlichen Neulichts, in andern die als des siegreichen Maikönigs zu erkennen ist; so wird er im obigen Spruche in einigen Gegenden Deutschlands, wie Mecklenburg und Pommern, als Erntegott (Herbst-Wodan) angerufen. Auch andere Erscheinungen im Volksleben deuten darauf hin, wie der „Schimmelreiter“ und „Haferbräutigam“ bei den Erntefesten. In dem bereits erwähnten Mecklenburg, wie in der Mark, lässt man bei der Kornernte einen Büschel Getreide stehen, welcher der Vergodentheil heisst. Um diesen Büschel, der oben zusammengeflochten und mit Bier besprengt wird, sammeln sich die Arbeiter im Kreise, nehmen die Hüte ab, richten die Sensen aufwärts und rufen Wodan dreimal mit obigem Spruche an. Sie lassen den Aehrenbüschel also ausdrücklich für Wodan's Ross stehen und hoffen dafür im nächsten Jahre noch besseres Korn zu erhalten. Der Vergodentheil ist gleich „Für-Wodan“ oder „Fro-Wodens“, d. i. Herrn Wodan's Theil. Wode wechselt nämlich vielfach mit Gode. Nach der erwähnten Ceremonie, welche „Erntesegen“ heisst, gibt der Gutsherr den Knechten ein Gelage, das „Wodelbier“ heisst. Das Bier scheint beim Wodansdienst, und besonders bei der Erntefeier, eine namhafte Rolle gehabt zu haben. Der heilige Columban traf seinerzeit heidnische Schwaben bei einem Opfer für Wodan, in deren Mitte eine Kufe stand, die dreissig Mass Bier enthielt. Bis zur Neuzeit, noch am Ende des vorigen Jahrhunderts, war es z. B. im Schaumburgischen Sitte, dass die Schnitter, unmittelbar nachdem die letzte Garbe gebunden war, den Acker mit Bier begossen, dann selbst tranken und nun, um die letzte Garbe, den „Waulroggen“, entblössten Hauptes in friedlichem Reigen tanzend, einen alten Vers sangen, der hochdeutsch lautet: „Wode, Wode, Wode! Himmelsriese weiss, was geschieht, immer er nieder vom Himmel sieht. Volle Krüge und Garben hat er, auch in dem Wald wächst er mannichfalt; er ist nicht geboren und wird nicht alt. Wode, Wode, Wode!“ Noch jetzt tanzen am Steinhuder Meer, in Lippe und Hessen die Schnitter um die letzte Garbe, durch welche sie einen blumenbekränzten Stab geschoben, schlagen an die Stufen, und rufen: „Wauden, Wauden!“ oder sie begehen diese Erntefeier gar auf einem „Heidenhügel“, indem sie hutschwenkend um ein loderndes Feuer tanzen. Am deutlichsten aber tritt die uralte Verehrung Wodan's, des Erntegottes, in einigen bairischen Gegenden hervor, wo die stehengelassenen Roggenbüschel zu einer Menschengestalt zusammengebunden und mit Blumen geschmückt werden. Die Gestalt heisst der Oswald (s. d.) oder Oanswald, d. i. Answalt, Walter der Ansen oder Asen, der Herrscher der Götter – Wodan. (Vgl. Wodan als Jahresgott (Herbstwodan) von M. Jähns in Grenzboten, Leipzig 1871, Nr. 8, S. 292. )


Woge.

* Er kam, um die Wogen des Meeres zu brechen, aber er irrte sich in der Rechnung. Auf jeden Fall, sprach er, kommen mehr als zehn.Burckhardt, 187.

Von nichtswürdigen Auskunftsmitteln, um Unwissenheit oder Nachlässigkeit zu verbergen.


Woher.

1 Vän wannen? – Vün Bogarye. (Jüd.-deutsch.)

Auf die Frage: Woher kommst du? pflegt man zu antworten: Von Bogarye, einer Stadt in Polen.

2 Woher sind ihr? Vo Hitzchilch bigott! (Oder: Vo Zeihe? O hein, die Holzbirn hend g'fehlt.)


Wohin.

Wohen will ji (wollt ihr)? To de Hochtîd. Woher koam 'n ji? Von de Hochtîd. (Strelitz.) – Firmenich, III, 73, 113.

Die erste Antwort wird im jauchzenden, die andere im weinerlichen Tone gesprochen. Wird angewandt, um fehlgeschlagene Hoffnungen und Erwartungen zu schildern.


Wohl (Adj.).

1 Allen wohl und keinem übel! wer dat nig will, den hole der Dübel.Simrock, 11745.

2 Auch dem ist wohl, der Silber hat.

3 Besser wohl, als voll.

4 Deam ist's nie wol, wie 'm Bock, bis er seine Tracht hat.Birlinger, 86.

5 Dem ist nicht wohl, der nicht wohl währet.Körte, 6409; Körte2, 8050.

6 Dem ist wol, der nichts weyss.Franck, Paradoxa, 114a.

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          <p rendition="#et">Wie in Resten von Volksbräuchen und -Sitten die Verehrung Wodan's als des weihnachtlichen Neulichts, in andern die als des siegreichen Maikönigs zu erkennen ist; so wird er im obigen Spruche in einigen Gegenden Deutschlands, wie Mecklenburg und Pommern, als Erntegott (Herbst-Wodan) angerufen. Auch andere Erscheinungen im Volksleben deuten darauf hin, wie der &#x201E;Schimmelreiter&#x201C; und &#x201E;Haferbräutigam&#x201C; bei den Erntefesten. In dem bereits erwähnten Mecklenburg, wie in der Mark, lässt man bei der Kornernte einen Büschel Getreide stehen, welcher der Vergodentheil heisst. Um diesen Büschel, der oben zusammengeflochten und mit Bier besprengt wird, sammeln sich die Arbeiter im Kreise, nehmen die Hüte ab, richten die Sensen aufwärts und rufen Wodan dreimal mit obigem Spruche an. Sie lassen den Aehrenbüschel also ausdrücklich für Wodan's Ross stehen und hoffen dafür im nächsten Jahre noch besseres Korn zu erhalten. Der Vergodentheil ist gleich &#x201E;Für-Wodan&#x201C; oder &#x201E;Fro-Wodens&#x201C;, d. i. Herrn Wodan's Theil. Wode wechselt nämlich vielfach mit Gode. Nach der erwähnten Ceremonie, welche &#x201E;Erntesegen&#x201C; heisst, gibt der Gutsherr den Knechten ein Gelage, das &#x201E;Wodelbier&#x201C; heisst. Das Bier scheint beim Wodansdienst, und besonders bei der Erntefeier, eine namhafte Rolle gehabt zu haben. Der heilige Columban traf seinerzeit heidnische Schwaben bei einem Opfer für Wodan, in deren Mitte eine Kufe stand, die dreissig Mass Bier enthielt. Bis zur Neuzeit, noch am Ende des vorigen Jahrhunderts, war es z. B. im Schaumburgischen Sitte, dass die Schnitter, unmittelbar nachdem die letzte Garbe gebunden war, den Acker mit Bier begossen, dann selbst tranken und nun, um die letzte Garbe, den &#x201E;Waulroggen&#x201C;, entblössten Hauptes in friedlichem Reigen tanzend, einen alten Vers sangen, der hochdeutsch lautet: &#x201E;Wode, Wode, Wode! Himmelsriese weiss, was geschieht, immer er nieder vom Himmel sieht. Volle Krüge und Garben hat er, auch in dem Wald wächst er mannichfalt; er ist nicht geboren und wird nicht alt. Wode, Wode, Wode!&#x201C; Noch jetzt tanzen am Steinhuder Meer, in Lippe und Hessen die Schnitter um die letzte Garbe, durch welche sie einen blumenbekränzten Stab geschoben, schlagen an die Stufen, und rufen: &#x201E;Wauden, Wauden!&#x201C; oder sie begehen diese Erntefeier gar auf einem &#x201E;Heidenhügel&#x201C;, indem sie hutschwenkend um ein loderndes Feuer tanzen. Am deutlichsten aber tritt die uralte Verehrung Wodan's, des Erntegottes, in einigen bairischen Gegenden hervor, wo die stehengelassenen Roggenbüschel zu einer Menschengestalt zusammengebunden und mit Blumen geschmückt werden. Die Gestalt heisst der  Oswald (s. d.) oder Oanswald, d. i. Answalt, Walter der Ansen oder Asen, der Herrscher der Götter &#x2013; Wodan. (Vgl. <hi rendition="#i">Wodan als Jahresgott (Herbstwodan)</hi> von <hi rendition="#i">M. Jähns in Grenzboten, Leipzig 1871, Nr. 8, S. 292.</hi> )</p><lb/>
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[[165]/0177] *29 Die ganze Woche durchkalandern. – Eiselein, 358. Zechen und schmausen, wie die Kalandsbrüder in ihren Zusammenkünften. Der Káland war eine Brüder- oder Genossenschaft andächtiger Personen, die sich regelmässig am ersten Tage eines jeden Monats, welcher Tag lateinisch calendae heisst, zu frommen Zwecken und gemeinschaftlichem Mahle zu versammeln pflegte. *30 Die vier fröhlichen Wochen. – Chemnitius, I, 292. „Wie man pfleget zu sagen.“ Es sind die sogenannten Flitterwochen gemeint. *31 Die Woche hat noch mehr Tage. Holl.: Er komen meer dagen in de week. (Harrebomée, II, 444a.) *32 Er hat in einer Woche Sonntag, guten Montag und fünf Feiertage. „Ein Handwerksmann, der die Woche vier gute Montag macht.“ (Mathesy, Postilla, III, LXXXIb.) *33 Er hät iez die goldi Wuche. – Sutermeister, 103. Lebt in den Flitterwochen. *34 Er hat jede Woche sieben Kirmestage. Lebt alle Tage in Saus und Braus; der altrömischen Redensart entsprechend: Leontini semper ad pocula. Diese letztere soll sich aus den Zeiten des alten Königs Phalaris zu Syrakus herschreiben, der, nachdem er die Einwohner der Stadt Leontium in Sicilien besiegt und ihnen alle Waffen abgenommen hatte, auf den Gedanken kam, das beste Mittel, sich vor neuen Empörungen von seiten derselben zu sichern, müsse sein, sie durch Essen und Trinken zu entnerven. Dies Mittel soll sich nun so gut bewährt haben, dass von den Schmausereien und Gelagen der Leontiner obige Redensart entstanden ist. *35 Er kommt die Woche einmal übers Vaterunser, wie die Gänse über den Hafer. *36 Er sieht in die andere Woche. – Körte, 6921. Vom Schielenden. Holl.: Zij zien in de andere week, en deze is nog niet om. – Zij ziet naar de andere week. (Harrebomée, II, 445a.) *37 Gute Woch. In Warschau jüdisch-deutscher Gruss am Ausgange des Sabbats. *38 He kickt en de andere Week heren. (Meurs.) *39 Op a Wäk Namöddag. – Frischbier, 4093. Wochenblatt. * Sie ist ein lebendiges Wochenblatt. (Frankenwald.) Frz.: C'est un vrai bureau d'adresse. Wochenhans. Si lüte dem Wuchehans au wider is Grab. – Sutermeister, 32. Es ist der Sonnabend gemeint. Wochentag. 1 Am schlechten Wochentage wird mancher ausgezahlt. – Keller, 158b. *2 An einem schlechten Wochentage davongehen. (Schles.) – Gomolcke, 589. *3 Ich wîl 'n an am (an einem) schlechten Wuchentage dervân joan. (Schles.) – Frommann, III, 409, 358. Wochner. Wenn der Wochner (das Deus in adjutorium) zu singen anfängt, so folgen die andern gleich nach. – Parömiakon, 775. Wöchnerin. 1 Einer Wöchnerin steht das Grab vierzig Tage offen. 2 Jede Wöchnerin ist eitel. Wocken. 1 An silbernen Wocken spinnt man das feinste Garn. – Altmann V, 121. 2 Den Wocken, so ich angefangen, will ich vollend abspinnen. – Coler, 500a. 3 Was eine an den Wocken bindet, das spinnt sie auch. – Petri, II, 592. 4 Wocke, Wocke, du bist vom quaden Stocke, wenn ich dich anseh, so thun mir alle Knochen weh. – Petri, III, 16. *5 Ich werde dir für den Wocken, auch für den Wippstock geben. (Dönhofstädt.) – Frischbier, II, 2944. Du hast viel eingebrockt und es soll dir das Einzelne wie das Ganze vergolten werden. *6 Spinne deinen Wocken ab. Vollführe dein Geschäft. Wodan (s. Nikolaus). Wode, Wode, hal dinen Rosse nu Voder; nu Distel und e Dorn, tom andren Jahr beten Korn. Wie in Resten von Volksbräuchen und -Sitten die Verehrung Wodan's als des weihnachtlichen Neulichts, in andern die als des siegreichen Maikönigs zu erkennen ist; so wird er im obigen Spruche in einigen Gegenden Deutschlands, wie Mecklenburg und Pommern, als Erntegott (Herbst-Wodan) angerufen. Auch andere Erscheinungen im Volksleben deuten darauf hin, wie der „Schimmelreiter“ und „Haferbräutigam“ bei den Erntefesten. In dem bereits erwähnten Mecklenburg, wie in der Mark, lässt man bei der Kornernte einen Büschel Getreide stehen, welcher der Vergodentheil heisst. Um diesen Büschel, der oben zusammengeflochten und mit Bier besprengt wird, sammeln sich die Arbeiter im Kreise, nehmen die Hüte ab, richten die Sensen aufwärts und rufen Wodan dreimal mit obigem Spruche an. Sie lassen den Aehrenbüschel also ausdrücklich für Wodan's Ross stehen und hoffen dafür im nächsten Jahre noch besseres Korn zu erhalten. Der Vergodentheil ist gleich „Für-Wodan“ oder „Fro-Wodens“, d. i. Herrn Wodan's Theil. Wode wechselt nämlich vielfach mit Gode. Nach der erwähnten Ceremonie, welche „Erntesegen“ heisst, gibt der Gutsherr den Knechten ein Gelage, das „Wodelbier“ heisst. Das Bier scheint beim Wodansdienst, und besonders bei der Erntefeier, eine namhafte Rolle gehabt zu haben. Der heilige Columban traf seinerzeit heidnische Schwaben bei einem Opfer für Wodan, in deren Mitte eine Kufe stand, die dreissig Mass Bier enthielt. Bis zur Neuzeit, noch am Ende des vorigen Jahrhunderts, war es z. B. im Schaumburgischen Sitte, dass die Schnitter, unmittelbar nachdem die letzte Garbe gebunden war, den Acker mit Bier begossen, dann selbst tranken und nun, um die letzte Garbe, den „Waulroggen“, entblössten Hauptes in friedlichem Reigen tanzend, einen alten Vers sangen, der hochdeutsch lautet: „Wode, Wode, Wode! Himmelsriese weiss, was geschieht, immer er nieder vom Himmel sieht. Volle Krüge und Garben hat er, auch in dem Wald wächst er mannichfalt; er ist nicht geboren und wird nicht alt. Wode, Wode, Wode!“ Noch jetzt tanzen am Steinhuder Meer, in Lippe und Hessen die Schnitter um die letzte Garbe, durch welche sie einen blumenbekränzten Stab geschoben, schlagen an die Stufen, und rufen: „Wauden, Wauden!“ oder sie begehen diese Erntefeier gar auf einem „Heidenhügel“, indem sie hutschwenkend um ein loderndes Feuer tanzen. Am deutlichsten aber tritt die uralte Verehrung Wodan's, des Erntegottes, in einigen bairischen Gegenden hervor, wo die stehengelassenen Roggenbüschel zu einer Menschengestalt zusammengebunden und mit Blumen geschmückt werden. Die Gestalt heisst der Oswald (s. d.) oder Oanswald, d. i. Answalt, Walter der Ansen oder Asen, der Herrscher der Götter – Wodan. (Vgl. Wodan als Jahresgott (Herbstwodan) von M. Jähns in Grenzboten, Leipzig 1871, Nr. 8, S. 292. ) Woge. * Er kam, um die Wogen des Meeres zu brechen, aber er irrte sich in der Rechnung. Auf jeden Fall, sprach er, kommen mehr als zehn. – Burckhardt, 187. Von nichtswürdigen Auskunftsmitteln, um Unwissenheit oder Nachlässigkeit zu verbergen. Woher. 1 Vän wannen? – Vün Bogarye. (Jüd.-deutsch.) Auf die Frage: Woher kommst du? pflegt man zu antworten: Von Bogarye, einer Stadt in Polen. 2 Woher sind ihr? Vo Hitzchilch bigott! (Oder: Vo Zeihe? O hein, die Holzbirn hend g'fehlt.) Wohin. Wohen will ji (wollt ihr)? To de Hochtîd. Woher koam 'n ji? Von de Hochtîd. (Strelitz.) – Firmenich, III, 73, 113. Die erste Antwort wird im jauchzenden, die andere im weinerlichen Tone gesprochen. Wird angewandt, um fehlgeschlagene Hoffnungen und Erwartungen zu schildern. Wohl (Adj.). 1 Allen wohl und keinem übel! wer dat nig will, den hole der Dübel. – Simrock, 11745. 2 Auch dem ist wohl, der Silber hat. 3 Besser wohl, als voll. 4 Deam ist's nie wol, wie 'm Bock, bis er seine Tracht hat. – Birlinger, 86. 5 Dem ist nicht wohl, der nicht wohl währet. – Körte, 6409; Körte2, 8050. 6 Dem ist wol, der nichts weyss. – Franck, Paradoxa, 114a. Lat.: In nihili sapienti juvendissima vita. (Franck, Paradoxa, 114a.)

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880, S. [165]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/177>, abgerufen am 25.10.2020.