Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] 26 Wo die Wurzeln stehen, da wird es wieder grün.

Holl.: Waar de wortel blijft zitten, zal weer gras groeijen. (Harrebomee, II, 483b.)

27 Wurmstichige Wurzeln geben kein gut Mus.

Holl.: Van pierstekige wortelen kookt men nooit smakelijken huts pot. (Harrebomee, II, 453b.)

28 Wurzel bleibt Wurzel.

"Es liegt in der Natur der Wurzel, Wurzel zu bleiben."

29 Wuttels un Röwen achter Fass'labend, un e Diern achter dartig Johr, de hebbt beide den Smack verlar'n. - Eichwald, 2094.

*30 Änes wurz und stub (Stump) ausreisse. (Ulm.)

*31 Aus dieser Wurzel kommt dies Kraut. - Parömiakon, 1402.

Das ist die Ursache davon, hierin liegt der Grund.

*32 Dat schall wol bi de Wuttels gar warr'n. - Eichwald, 2095; Hauskalender, II; Bueren, 232; Frommann, III, 428, 221; Kern, 1006.

*33 Er ist in der Wurzel verdorben.

Nichts werth.

*34 Etwas mit der Wurzel ausreissen (ausrotten).

Jüd.-deutsch: Ojker min ha - Schojresch sein. (Warschau.)

Dies auch in dem Sinne: etwas von Grund aus verderben, besonders wenn es auf den Ruin eines Feindes abgesehen ist.

Holl.: Jets met wortel en tak uitroeijen. (Harrebomee, II, 483b.)

*35 Von Wurzel und Stock aus.

D. h. von Ursprung an, von Grund aus. "Es sei von Wurzel und Stock aus ein recht gottseliges, evangelisches Werk." (Bohemia, Prag 1875, Nr. 68, Beilage.)


Wurzeln.

Was nicht tief wurzelt, wipfelt auch nicht hoch. - Altmann VI, 458.


Würzen.

Was soll würzen, muss (soll) man kürzen.


Wurzener.

Wenn die Wurzener zur Kirche gehen sollen, laufen sie zum Thore hinaus.

Leo, der in seiner (grössern) Beschreibung des Königreichs Sachsen (Leipzig 1852, S. 84), dies alte Sprichwort anführt, sagt, es erkläre sich daraus, dass Wurzen innerhalb seiner vier Thore, mit Ausnahme des Rath- und Brauhauses, keine öffentlichen Gebäude habe. Es hatte früher zwar 110 Feuerstellen, aber weder Kirche noch Schule, keine Badestube, keine Garküche und keine Schmiede innerhalb der Stadt. Alle diese Anstalten waren vor dem Thore derselben; daher hatte man auch folgendes Räthsel, welches zugleich als Wahrzeichen der Stadt Wurzen galt: "Rath', wenn du rathen kannst, wo ist doch solche Stadt, die weder Schmied, noch Schul', noch Kirch', noch Pfarrer hat, da auch ein solches Dach ist auf ein Thor gebracht, das weder Gott, noch Mensch, noch Teufel hat gemacht." (Vgl. Chr. Schöttgen, Historie der churfürstlichen Stadt Wurzen, Leipzig 1717, S. 10, u. Grässe, Sagenschatz, S. 267.)


Wurzgarten.

Ein Wurzgart und ein Rosenkranz, Mägd und Knecht und schöner Tanz; gut Kost, süss Wein und schöne Frauen, Vogelgesang und Blumen in Auen, schöne Menschen und fröhlich Gewand, Geld genug und gesund allsant; so wollt' ich's treiben ewigleich, wenn droben wär' kein Himmelreich. - Schaltjahr, I, 545.


Wussa.

Es flog ein Wussa übern Rhein und kam als Gackag wieder heim.


Wust.

1 Wenn man den Wuost rührt, so stinkt er. - Nas, 187a.

2 Wer einen Wust muss vmbwühlen, dem gehet der Geruch am meisten in die Nase. - Petri, II, 702.

3 Wust heraus, lass den Unflat ein. - Simrock, 11948; Körte, 7042.


Wüst.

1 Recht wüest ist au schön. - Sutermeister, 139.

2 Was wüst ist, braucht keine Wacht zu geben. - Graf, 511, 198.

Eine unbewohnte Liegenschaft war von der Zahlung eines Wachtgeldes frei. (S. Einwohner 3.) In Hamburg: Wat woste is darff neue wacht geben. (Hach, 559, 19.)

[Spaltenumbruch] 3 Wüest thued wüest. (Luzern.) - Schweiz, II, 243, 64; Sutermeister, 128; Eiselein, 653; Simrock, 11949.

Dem Hässlichen geziemt das Hässliche. Wüst = unansehnlich, hässlich, garstig, schmuzig. (Stalder, II, 461.)

4 Wüst macht feist.

"Sagen die Weiber." (Simplic., Vogelnest, 467.)

*5 Der ist wüster als acht Tage Regenwetter. (Weingarten.) - Birlinger, 1084.

*6 Dui ischt so wüescht, wi as Teufels Grossmutter. (Ulm.)


Wüste (der).

Zwei Wüesti chöm enand o guet g'falle. - Sutermeister, 113.

Wüst = unansehnlich, schlecht, hässlich wie z. B. wüst thun, lärmen, zanken; wüstes = abgenutztes Kleid, wüste = schmuzige Hände; wüsten = ein schlechtes Aussehen bekommen, wie: das Mädchen wüstet, d. h. ihre Schönheit verblüht. (Stalder, II, 461.)


Wüste (die).

1 In der Wüste ist das grösste Echo. (S. Fass 51 u. Tonne 8.)

Poln.: W pustkach najwieksze echo. (Celakovsky, 81.)

2 In der Wüste ist ein Wassertropfen mehr werth als eine Perle.

3 In einer Wüste und aus einem leeren Sack nimmt kein Zöllner was.

4 Man kommt eher durch die Wüste Sahel, als bis an die Schwelle eines gottesfürchtigen Reichen. (Aegypten.)

5 Wer die unfruchtbare Wüste scheut, kommt nicht zur fruchtbaren Oase. (Aegypten.)

6 Wer in der Wüste dürstet, dem ist eine frische Rübe lieber als eine Perle. - Gryphius, Räthselweisheit, S. 39.

Die Araber: "Ein Armer, der in einer Wüstenei von der Sonne gebrannt wird, nimbt eine gekochte Riebe vor ein Stück gemengt Silber." (Gryphius, 39.)

7 Wer in der Wüste ist, der sucht eher Wasser als Perlen.

In Aegypten sagt man: In der Wüste ist die Dattel mehr werth als ein Edelstein, und ein Thautropfen mehr als eine Perle.

*8 Das ist in der Wüste gepredigt.

Holl.: Het is in de woestijn gepredikt. - Het is eene stem des roependen in de woestijn. (Harrebomee, II, 476a.)

*9 In der Wüste wohnen und Sand kaufen. - Altmann VI, 514.


Wusten.

* Da Wueste1 will Herd. (Luzern.)

1) Hektischer Husten. Dieser Husten will Erde, deutet auf nahen Tod. Der Wusten = Husten, wustig = mit dem Husten behaftet. (Stalder, II, 461.)


Wüsten.

Ohne Wüsten, ohne Sünd. (Luzern.) - Schweiz, II, 243, 12.


Wuth.

1 In der Wuth thut niemand gut.

Lat.: Indomitus furor cito periculi obliviscitur. (Philippi, I, 193.)

*2 Geistliche Wuth.

Nach der Vossischen Zeitung, Berlin vom 2. Mai 1875, als rabies theologica sprichwörtlich geworden.


Wüthen.

* Wüthen, schmausen vnd prausen. - Mathesy, 181a.


Wüthend.

1 Sei nicht so wüthend, die Gänse zu beissen, und nicht so schwach, von Gänsen dich beissen zu lassen.

Dän.: Vaer ei saa arrig at du bider gjaes, og ei saa from at gjaes bider dig. (Prov. dan., 225.)

*2 Wüthend wie ein Werwolf.

Ill.: Slovanuv Vukodlak. (Celakovsky, 495.)

Poln.: Zazarty jak wilkolak. (Celakovsky, 495.)

*3 Wüthend, wie ein angeschossener Löwe.


Wütherich.

* Ein hirnschelliger Wütherich. - Grimmelshausen, Vogelnest, II.


Wywarm.

* Er ist es Wywarm (?). - Schweiz, I, 143, 42.


[Spaltenumbruch] 26 Wo die Wurzeln stehen, da wird es wieder grün.

Holl.: Waar de wortel blijft zitten, zal weêr gras groeijen. (Harrebomée, II, 483b.)

27 Wurmstichige Wurzeln geben kein gut Mus.

Holl.: Van pierstekige wortelen kookt men nooit smakelijken huts pot. (Harrebomée, II, 453b.)

28 Wurzel bleibt Wurzel.

„Es liegt in der Natur der Wurzel, Wurzel zu bleiben.“

29 Wuttels un Röwen achter Fass'labend, un e Diern achter dartig Johr, de hebbt beide den Smack verlar'n.Eichwald, 2094.

*30 Änes wurz und stub (Stump) ausreisse. (Ulm.)

*31 Aus dieser Wurzel kommt dies Kraut.Parömiakon, 1402.

Das ist die Ursache davon, hierin liegt der Grund.

*32 Dat schall wol bi de Wuttels gar warr'n.Eichwald, 2095; Hauskalender, II; Bueren, 232; Frommann, III, 428, 221; Kern, 1006.

*33 Er ist in der Wurzel verdorben.

Nichts werth.

*34 Etwas mit der Wurzel ausreissen (ausrotten).

Jüd.-deutsch: Ojker min ha – Schojresch sein. (Warschau.)

Dies auch in dem Sinne: etwas von Grund aus verderben, besonders wenn es auf den Ruin eines Feindes abgesehen ist.

Holl.: Jets met wortel en tak uitroeijen. (Harrebomée, II, 483b.)

*35 Von Wurzel und Stock aus.

D. h. von Ursprung an, von Grund aus. „Es sei von Wurzel und Stock aus ein recht gottseliges, evangelisches Werk.“ (Bohemia, Prag 1875, Nr. 68, Beilage.)


Wurzeln.

Was nicht tief wurzelt, wipfelt auch nicht hoch.Altmann VI, 458.


Würzen.

Was soll würzen, muss (soll) man kürzen.


Wurzener.

Wenn die Wurzener zur Kirche gehen sollen, laufen sie zum Thore hinaus.

Leo, der in seiner (grössern) Beschreibung des Königreichs Sachsen (Leipzig 1852, S. 84), dies alte Sprichwort anführt, sagt, es erkläre sich daraus, dass Wurzen innerhalb seiner vier Thore, mit Ausnahme des Rath- und Brauhauses, keine öffentlichen Gebäude habe. Es hatte früher zwar 110 Feuerstellen, aber weder Kirche noch Schule, keine Badestube, keine Garküche und keine Schmiede innerhalb der Stadt. Alle diese Anstalten waren vor dem Thore derselben; daher hatte man auch folgendes Räthsel, welches zugleich als Wahrzeichen der Stadt Wurzen galt: „Rath', wenn du rathen kannst, wo ist doch solche Stadt, die weder Schmied, noch Schul', noch Kirch', noch Pfarrer hat, da auch ein solches Dach ist auf ein Thor gebracht, das weder Gott, noch Mensch, noch Teufel hat gemacht.“ (Vgl. Chr. Schöttgen, Historie der churfürstlichen Stadt Wurzen, Leipzig 1717, S. 10, u. Grässe, Sagenschatz, S. 267.)


Wurzgarten.

Ein Wurzgart und ein Rosenkranz, Mägd und Knecht und schöner Tanz; gut Kost, süss Wein und schöne Frauen, Vogelgesang und Blumen in Auen, schöne Menschen und fröhlich Gewand, Geld genug und gesund allsant; so wollt' ich's treiben ewigleich, wenn droben wär' kein Himmelreich.Schaltjahr, I, 545.


Wussa.

Es flog ein Wussa übern Rhein und kam als Gackag wieder heim.


Wust.

1 Wenn man den Wuost rührt, so stinkt er.Nas, 187a.

2 Wer einen Wust muss vmbwühlen, dem gehet der Geruch am meisten in die Nase.Petri, II, 702.

3 Wust heraus, lass den Unflat ein.Simrock, 11948; Körte, 7042.


Wüst.

1 Recht wüest ist au schön.Sutermeister, 139.

2 Was wüst ist, braucht keine Wacht zu geben.Graf, 511, 198.

Eine unbewohnte Liegenschaft war von der Zahlung eines Wachtgeldes frei. (S. Einwohner 3.) In Hamburg: Wat woste is darff neue wacht geben. (Hach, 559, 19.)

[Spaltenumbruch] 3 Wüest thued wüest. (Luzern.) – Schweiz, II, 243, 64; Sutermeister, 128; Eiselein, 653; Simrock, 11949.

Dem Hässlichen geziemt das Hässliche. Wüst = unansehnlich, hässlich, garstig, schmuzig. (Stalder, II, 461.)

4 Wüst macht feist.

„Sagen die Weiber.“ (Simplic., Vogelnest, 467.)

*5 Der ist wüster als acht Tage Regenwetter. (Weingarten.) – Birlinger, 1084.

*6 Dui ischt so wüescht, wi as Teufels Grossmutter. (Ulm.)


Wüste (der).

Zwei Wüesti chöm enand o guet g'falle.Sutermeister, 113.

Wüst = unansehnlich, schlecht, hässlich wie z. B. wüst thun, lärmen, zanken; wüstes = abgenutztes Kleid, wüste = schmuzige Hände; wüsten = ein schlechtes Aussehen bekommen, wie: das Mädchen wüstet, d. h. ihre Schönheit verblüht. (Stalder, II, 461.)


Wüste (die).

1 In der Wüste ist das grösste Echo. (S. Fass 51 u. Tonne 8.)

Poln.: W pustkach największe echo. (Čelakovsky, 81.)

2 In der Wüste ist ein Wassertropfen mehr werth als eine Perle.

3 In einer Wüste und aus einem leeren Sack nimmt kein Zöllner was.

4 Man kommt eher durch die Wüste Sahel, als bis an die Schwelle eines gottesfürchtigen Reichen. (Aegypten.)

5 Wer die unfruchtbare Wüste scheut, kommt nicht zur fruchtbaren Oase. (Aegypten.)

6 Wer in der Wüste dürstet, dem ist eine frische Rübe lieber als eine Perle.Gryphius, Räthselweisheit, S. 39.

Die Araber: „Ein Armer, der in einer Wüstenei von der Sonne gebrannt wird, nimbt eine gekochte Riebe vor ein Stück gemengt Silber.“ (Gryphius, 39.)

7 Wer in der Wüste ist, der sucht eher Wasser als Perlen.

In Aegypten sagt man: In der Wüste ist die Dattel mehr werth als ein Edelstein, und ein Thautropfen mehr als eine Perle.

*8 Das ist in der Wüste gepredigt.

Holl.: Het is in de woestijn gepredikt. – Het is eene stem des roependen in de woestijn. (Harrebomée, II, 476a.)

*9 In der Wüste wohnen und Sand kaufen.Altmann VI, 514.


Wusten.

* Da Wueste1 will Herd. (Luzern.)

1) Hektischer Husten. Dieser Husten will Erde, deutet auf nahen Tod. Der Wusten = Husten, wustig = mit dem Husten behaftet. (Stalder, II, 461.)


Wüsten.

Ohne Wüsten, ohne Sünd. (Luzern.) – Schweiz, II, 243, 12.


Wuth.

1 In der Wuth thut niemand gut.

Lat.: Indomitus furor cito periculi obliviscitur. (Philippi, I, 193.)

*2 Geistliche Wuth.

Nach der Vossischen Zeitung, Berlin vom 2. Mai 1875, als rabies theologica sprichwörtlich geworden.


Wüthen.

* Wüthen, schmausen vnd prausen.Mathesy, 181a.


Wüthend.

1 Sei nicht so wüthend, die Gänse zu beissen, und nicht so schwach, von Gänsen dich beissen zu lassen.

Dän.: Vær ei saa arrig at du bider gjæs, og ei saa from at gjæs bider dig. (Prov. dan., 225.)

*2 Wüthend wie ein Werwolf.

Ill.: Slovanův Vukodlak. (Čelakovsky, 495.)

Poln.: Zažarty jak wilkołak. (Čelakovsky, 495.)

*3 Wüthend, wie ein angeschossener Löwe.


Wütherich.

* Ein hirnschelliger Wütherich.Grimmelshausen, Vogelnest, II.


Wywarm.

* Er ist es Wywarm (?).Schweiz, I, 143, 42.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><pb facs="#f0250" n="[238]"/><cb n="475"/>
26 Wo die Wurzeln stehen, da wird es wieder grün.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Waar de wortel blijft zitten, zal weêr gras groeijen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 483<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">27 Wurmstichige Wurzeln geben kein gut Mus.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Van pierstekige wortelen kookt men nooit smakelijken huts pot. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 453<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">28 Wurzel bleibt Wurzel.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Es liegt in der Natur der Wurzel, Wurzel zu bleiben.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">29 Wuttels un Röwen achter Fass'labend, un e Diern achter dartig Johr, de hebbt beide den Smack verlar'n.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eichwald, 2094.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*30 Änes wurz und stub (Stump) ausreisse.</hi> (<hi rendition="#i">Ulm.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*31 Aus dieser Wurzel kommt dies Kraut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 1402.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Das ist die Ursache davon, hierin liegt der Grund.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*32 Dat schall wol bi de Wuttels gar warr'n.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eichwald, 2095; Hauskalender, II; Bueren, 232; Frommann, III, 428, 221; Kern, 1006.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*33 Er ist in der Wurzel verdorben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Nichts werth.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*34 Etwas mit der Wurzel ausreissen (ausrotten).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Jüd.-deutsch</hi>: Ojker min ha &#x2013; Schojresch sein. (<hi rendition="#i">Warschau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Dies auch in dem Sinne: etwas von Grund aus verderben, besonders wenn es auf den Ruin eines Feindes abgesehen ist.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Jets met wortel en tak uitroeijen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 483<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*35 Von Wurzel und Stock aus.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">D. h. von Ursprung an, von Grund aus. &#x201E;Es sei von Wurzel und Stock aus ein recht gottseliges, evangelisches Werk.&#x201C; (<hi rendition="#i">Bohemia, Prag 1875, Nr. 68, Beilage.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wurzeln.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Was nicht tief wurzelt, wipfelt auch nicht hoch.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Altmann VI, 458.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Würzen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Was soll würzen, muss (soll) man kürzen.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wurzener.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Wenn die Wurzener zur Kirche gehen sollen, laufen sie zum Thore hinaus.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#i">Leo,</hi> der in seiner (grössern) <hi rendition="#i">Beschreibung des Königreichs Sachsen (Leipzig 1852, S. 84)</hi>, dies alte Sprichwort anführt, sagt, es erkläre sich daraus, dass Wurzen innerhalb seiner vier Thore, mit Ausnahme des Rath- und Brauhauses, keine öffentlichen Gebäude habe. Es hatte früher zwar 110 Feuerstellen, aber weder Kirche noch Schule, keine Badestube, keine Garküche und keine Schmiede innerhalb der Stadt. Alle diese Anstalten waren vor dem Thore derselben; daher hatte man auch folgendes Räthsel, welches zugleich als Wahrzeichen der Stadt Wurzen galt: &#x201E;Rath', wenn du rathen kannst, wo ist doch solche Stadt, die weder Schmied, noch Schul', noch Kirch', noch Pfarrer hat, da auch ein solches Dach ist auf ein Thor gebracht, das weder Gott, noch Mensch, noch Teufel hat gemacht.&#x201C; (Vgl. <hi rendition="#i">Chr. Schöttgen, Historie der churfürstlichen Stadt Wurzen, Leipzig 1717, S. 10,</hi> u. <hi rendition="#i">Grässe, Sagenschatz, S. 267.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wurzgarten.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Ein Wurzgart und ein Rosenkranz, Mägd und Knecht und schöner Tanz; gut Kost, süss Wein und schöne Frauen, Vogelgesang und Blumen in Auen, schöne Menschen und fröhlich Gewand, Geld genug und gesund allsant; so wollt' ich's treiben ewigleich, wenn droben wär' kein Himmelreich.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schaltjahr, I, 545.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wussa.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Es flog ein Wussa übern Rhein und kam als Gackag wieder heim.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wust.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Wenn man den Wuost rührt, so stinkt er.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Nas, 187<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Wer einen Wust muss vmbwühlen, dem gehet der Geruch am meisten in die Nase.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 702.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Wust heraus, lass den Unflat ein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 11948; Körte, 7042.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wüst.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Recht wüest ist au schön.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 139.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Was wüst ist, braucht keine Wacht zu geben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Graf, 511, 198.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Eine unbewohnte Liegenschaft war von der Zahlung eines Wachtgeldes frei. (S.  Einwohner 3.) In Hamburg: Wat woste is darff neue wacht geben. (<hi rendition="#i">Hach, 559, 19.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><cb n="476"/>
3 Wüest thued wüest.</hi> (<hi rendition="#i">Luzern.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schweiz, II, 243, 64; Sutermeister, 128; Eiselein, 653; Simrock, 11949.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Dem Hässlichen geziemt das Hässliche. Wüst = unansehnlich, hässlich, garstig, schmuzig. (<hi rendition="#i">Stalder, II, 461.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Wüst macht feist.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Sagen die Weiber.&#x201C; (<hi rendition="#i">Simplic., Vogelnest, 467.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Der ist wüster als acht Tage Regenwetter.</hi> (<hi rendition="#i">Weingarten.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Birlinger, 1084.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*6 Dui ischt so wüescht, wi as Teufels Grossmutter.</hi> (<hi rendition="#i">Ulm.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head><hi rendition="#b">Wüste</hi> (der).</head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Zwei Wüesti chöm enand o guet g'falle.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 113.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wüst = unansehnlich, schlecht, hässlich wie z. B. wüst thun, lärmen, zanken; wüstes = abgenutztes Kleid, wüste = schmuzige Hände; wüsten = ein schlechtes Aussehen bekommen, wie: das Mädchen wüstet, d. h. ihre Schönheit verblüht. (<hi rendition="#i">Stalder, II, 461.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head><hi rendition="#b">Wüste</hi> (die).</head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 In der Wüste ist das grösste Echo.</hi> (S.  Fass 51 u.  Tonne 8.)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Poln.</hi>: W pustkach najwi&#x0119;ksze echo. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 81.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 In der Wüste ist ein Wassertropfen mehr werth als eine Perle.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 In einer Wüste und aus einem leeren Sack nimmt kein Zöllner was.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Man kommt eher durch die Wüste Sahel, als bis an die Schwelle eines gottesfürchtigen Reichen.</hi> (<hi rendition="#i">Aegypten.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Wer die unfruchtbare Wüste scheut, kommt nicht zur fruchtbaren Oase.</hi> (<hi rendition="#i">Aegypten.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Wer in der Wüste dürstet, dem ist eine frische Rübe lieber als eine Perle.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gryphius, Räthselweisheit, S. 39.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Araber: &#x201E;Ein Armer, der in einer Wüstenei von der Sonne gebrannt wird, nimbt eine gekochte Riebe vor ein Stück gemengt Silber.&#x201C; (<hi rendition="#i">Gryphius, 39.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">7 Wer in der Wüste ist, der sucht eher Wasser als Perlen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">In Aegypten sagt man: In der Wüste ist die Dattel mehr werth als ein Edelstein, und ein Thautropfen mehr als eine Perle.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*8 Das ist in der Wüste gepredigt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het is in de woestijn gepredikt. &#x2013; Het is eene stem des roependen in de woestijn. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 476<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*9 In der Wüste wohnen und Sand kaufen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Altmann VI, 514.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wusten.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Da Wueste<hi rendition="#sup">1</hi> will Herd.</hi> (<hi rendition="#i">Luzern.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Hektischer Husten. Dieser Husten will Erde, deutet auf nahen Tod. Der Wusten = Husten, wustig = mit dem Husten behaftet. (<hi rendition="#i">Stalder, II, 461.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wüsten.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Ohne Wüsten, ohne Sünd.</hi> (<hi rendition="#i">Luzern.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schweiz, II, 243, 12.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wuth.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 In der Wuth thut niemand gut.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Indomitus furor cito periculi obliviscitur. (<hi rendition="#i">Philippi, I, 193.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Geistliche Wuth.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Nach der <hi rendition="#i">Vossischen Zeitung,</hi> Berlin vom 2. Mai 1875, als rabies theologica sprichwörtlich geworden.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wüthen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Wüthen, schmausen vnd prausen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Mathesy, 181<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wüthend.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Sei nicht so wüthend, die Gänse zu beissen, und nicht so schwach, von Gänsen dich beissen zu lassen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Vær ei saa arrig at du bider gjæs, og ei saa from at gjæs bider dig. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 225.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Wüthend wie ein Werwolf.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Ill.</hi>: Slovan&#x016F;v Vukodlak. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 495.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Poln.</hi>: Za&#x017E;arty jak wilko&#x0142;ak. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 495.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*3 Wüthend, wie ein angeschossener Löwe.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wütherich.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Ein hirnschelliger Wütherich.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Grimmelshausen, Vogelnest, II.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wywarm.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Er ist es Wywarm (?).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schweiz, I, 143, 42.</hi></p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[238]/0250] 26 Wo die Wurzeln stehen, da wird es wieder grün. Holl.: Waar de wortel blijft zitten, zal weêr gras groeijen. (Harrebomée, II, 483b.) 27 Wurmstichige Wurzeln geben kein gut Mus. Holl.: Van pierstekige wortelen kookt men nooit smakelijken huts pot. (Harrebomée, II, 453b.) 28 Wurzel bleibt Wurzel. „Es liegt in der Natur der Wurzel, Wurzel zu bleiben.“ 29 Wuttels un Röwen achter Fass'labend, un e Diern achter dartig Johr, de hebbt beide den Smack verlar'n. – Eichwald, 2094. *30 Änes wurz und stub (Stump) ausreisse. (Ulm.) *31 Aus dieser Wurzel kommt dies Kraut. – Parömiakon, 1402. Das ist die Ursache davon, hierin liegt der Grund. *32 Dat schall wol bi de Wuttels gar warr'n. – Eichwald, 2095; Hauskalender, II; Bueren, 232; Frommann, III, 428, 221; Kern, 1006. *33 Er ist in der Wurzel verdorben. Nichts werth. *34 Etwas mit der Wurzel ausreissen (ausrotten). Jüd.-deutsch: Ojker min ha – Schojresch sein. (Warschau.) Dies auch in dem Sinne: etwas von Grund aus verderben, besonders wenn es auf den Ruin eines Feindes abgesehen ist. Holl.: Jets met wortel en tak uitroeijen. (Harrebomée, II, 483b.) *35 Von Wurzel und Stock aus. D. h. von Ursprung an, von Grund aus. „Es sei von Wurzel und Stock aus ein recht gottseliges, evangelisches Werk.“ (Bohemia, Prag 1875, Nr. 68, Beilage.) Wurzeln. Was nicht tief wurzelt, wipfelt auch nicht hoch. – Altmann VI, 458. Würzen. Was soll würzen, muss (soll) man kürzen. Wurzener. Wenn die Wurzener zur Kirche gehen sollen, laufen sie zum Thore hinaus. Leo, der in seiner (grössern) Beschreibung des Königreichs Sachsen (Leipzig 1852, S. 84), dies alte Sprichwort anführt, sagt, es erkläre sich daraus, dass Wurzen innerhalb seiner vier Thore, mit Ausnahme des Rath- und Brauhauses, keine öffentlichen Gebäude habe. Es hatte früher zwar 110 Feuerstellen, aber weder Kirche noch Schule, keine Badestube, keine Garküche und keine Schmiede innerhalb der Stadt. Alle diese Anstalten waren vor dem Thore derselben; daher hatte man auch folgendes Räthsel, welches zugleich als Wahrzeichen der Stadt Wurzen galt: „Rath', wenn du rathen kannst, wo ist doch solche Stadt, die weder Schmied, noch Schul', noch Kirch', noch Pfarrer hat, da auch ein solches Dach ist auf ein Thor gebracht, das weder Gott, noch Mensch, noch Teufel hat gemacht.“ (Vgl. Chr. Schöttgen, Historie der churfürstlichen Stadt Wurzen, Leipzig 1717, S. 10, u. Grässe, Sagenschatz, S. 267.) Wurzgarten. Ein Wurzgart und ein Rosenkranz, Mägd und Knecht und schöner Tanz; gut Kost, süss Wein und schöne Frauen, Vogelgesang und Blumen in Auen, schöne Menschen und fröhlich Gewand, Geld genug und gesund allsant; so wollt' ich's treiben ewigleich, wenn droben wär' kein Himmelreich. – Schaltjahr, I, 545. Wussa. Es flog ein Wussa übern Rhein und kam als Gackag wieder heim. Wust. 1 Wenn man den Wuost rührt, so stinkt er. – Nas, 187a. 2 Wer einen Wust muss vmbwühlen, dem gehet der Geruch am meisten in die Nase. – Petri, II, 702. 3 Wust heraus, lass den Unflat ein. – Simrock, 11948; Körte, 7042. Wüst. 1 Recht wüest ist au schön. – Sutermeister, 139. 2 Was wüst ist, braucht keine Wacht zu geben. – Graf, 511, 198. Eine unbewohnte Liegenschaft war von der Zahlung eines Wachtgeldes frei. (S. Einwohner 3.) In Hamburg: Wat woste is darff neue wacht geben. (Hach, 559, 19.) 3 Wüest thued wüest. (Luzern.) – Schweiz, II, 243, 64; Sutermeister, 128; Eiselein, 653; Simrock, 11949. Dem Hässlichen geziemt das Hässliche. Wüst = unansehnlich, hässlich, garstig, schmuzig. (Stalder, II, 461.) 4 Wüst macht feist. „Sagen die Weiber.“ (Simplic., Vogelnest, 467.) *5 Der ist wüster als acht Tage Regenwetter. (Weingarten.) – Birlinger, 1084. *6 Dui ischt so wüescht, wi as Teufels Grossmutter. (Ulm.) Wüste (der). Zwei Wüesti chöm enand o guet g'falle. – Sutermeister, 113. Wüst = unansehnlich, schlecht, hässlich wie z. B. wüst thun, lärmen, zanken; wüstes = abgenutztes Kleid, wüste = schmuzige Hände; wüsten = ein schlechtes Aussehen bekommen, wie: das Mädchen wüstet, d. h. ihre Schönheit verblüht. (Stalder, II, 461.) Wüste (die). 1 In der Wüste ist das grösste Echo. (S. Fass 51 u. Tonne 8.) Poln.: W pustkach największe echo. (Čelakovsky, 81.) 2 In der Wüste ist ein Wassertropfen mehr werth als eine Perle. 3 In einer Wüste und aus einem leeren Sack nimmt kein Zöllner was. 4 Man kommt eher durch die Wüste Sahel, als bis an die Schwelle eines gottesfürchtigen Reichen. (Aegypten.) 5 Wer die unfruchtbare Wüste scheut, kommt nicht zur fruchtbaren Oase. (Aegypten.) 6 Wer in der Wüste dürstet, dem ist eine frische Rübe lieber als eine Perle. – Gryphius, Räthselweisheit, S. 39. Die Araber: „Ein Armer, der in einer Wüstenei von der Sonne gebrannt wird, nimbt eine gekochte Riebe vor ein Stück gemengt Silber.“ (Gryphius, 39.) 7 Wer in der Wüste ist, der sucht eher Wasser als Perlen. In Aegypten sagt man: In der Wüste ist die Dattel mehr werth als ein Edelstein, und ein Thautropfen mehr als eine Perle. *8 Das ist in der Wüste gepredigt. Holl.: Het is in de woestijn gepredikt. – Het is eene stem des roependen in de woestijn. (Harrebomée, II, 476a.) *9 In der Wüste wohnen und Sand kaufen. – Altmann VI, 514. Wusten. * Da Wueste1 will Herd. (Luzern.) 1) Hektischer Husten. Dieser Husten will Erde, deutet auf nahen Tod. Der Wusten = Husten, wustig = mit dem Husten behaftet. (Stalder, II, 461.) Wüsten. Ohne Wüsten, ohne Sünd. (Luzern.) – Schweiz, II, 243, 12. Wuth. 1 In der Wuth thut niemand gut. Lat.: Indomitus furor cito periculi obliviscitur. (Philippi, I, 193.) *2 Geistliche Wuth. Nach der Vossischen Zeitung, Berlin vom 2. Mai 1875, als rabies theologica sprichwörtlich geworden. Wüthen. * Wüthen, schmausen vnd prausen. – Mathesy, 181a. Wüthend. 1 Sei nicht so wüthend, die Gänse zu beissen, und nicht so schwach, von Gänsen dich beissen zu lassen. Dän.: Vær ei saa arrig at du bider gjæs, og ei saa from at gjæs bider dig. (Prov. dan., 225.) *2 Wüthend wie ein Werwolf. Ill.: Slovanův Vukodlak. (Čelakovsky, 495.) Poln.: Zažarty jak wilkołak. (Čelakovsky, 495.) *3 Wüthend, wie ein angeschossener Löwe. Wütherich. * Ein hirnschelliger Wütherich. – Grimmelshausen, Vogelnest, II. Wywarm. * Er ist es Wywarm (?). – Schweiz, I, 143, 42.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T09:51:52Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T09:51:52Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/250
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880, S. [238]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/250>, abgerufen am 27.10.2020.