Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880.

Bild:
<< vorherige Seite
[Spaltenumbruch]
Ziegenzunge.

Unter einer Ziegenzunge ist nicht viel zu verwahren.

Am wenigsten ein Geheimniss.

Lat.: Lingula caprina bona non est aurifodina. (Reuterdahl, 483.)

Schwed.: Man gömir ey wael gul vnder geta tungo. (Reuterdahl, 483.)


Zieger.

Ziger1 ist mi Schwiger, Naschet zieht mi nieder, alte Käs lupft mi widder uf, Nidle salbet mir der Buuch. (Bern.) - Schweiz, II, 248, 16.

Sprichwort bei den Saane- und Siebenthaler Kühern in der Schweiz.

1) Das Käsewasser, die milchichte, wässerige Flüssigkeit, die sich von der Milch scheidet, wird in verschiedenen Cantonen der Schweiz hier Sirte, dort Sirme, Sirmenda, Sirmunda, allgemein Molken, Schotten, die dicken Theile, der gallertartige Milchstoff Zigner oder Zieger genannt. (Vgl. Stalder, II, 375 u. 473.)


Ziehen.

1 Das heisst gezogen, sagte der Feling, als er einen fusslangen Wurm aus dem Arsch hervorbrachte.

Holl.: Is dat trekken, zei de mof, en hij haalde eene pier van twintig duim uit zijn achterste. (Harrebomee, II, 180b.)

2 Das zieht, sagte der Fuhrmann, da schlug er sein Pferd mit der Rodehacke.

3 Das zieht wie spanische Fliege, sagte die Frau, da schlug sie ihren Bengel (Jungen) mit der Halskrause.

Holl.: Dat klemt, zei de boer, en hij sloeg sijn wijf met een koolblad voor hare billen. (Harrebomee, I, 59.)

4 Der lässt sich leicht ziehen, der vorausspringt.

Lat.: De facili trahitur qui saliens sequitur. (Reuterdahl, 211.)

Schwed.: Han aer godher lokka, som siaelwer wil mz hoppa. (Reuterdahl, 211.)

5 Drü mol zoge ist eimol abbrännt. - Sutermeister, 117.

Ziehen - die Wohnung wechseln. Dreimal ziehen ist so gut wie einmal abbrennen. (Frischbier, 4172.) - Jüdisch-deutsch in Warschau: Drei muhl gezogen is ärger wie einmuhl ubgebrännt.

6 Er ist wohl zoga, aber übel g'wöhnt. (Schwäb.) - Michel, 263.

Er kennt zwar die guten Sitten, aber er mag sich nicht daran halten.

7 Et tühd hir as im Flaudkasten.1 (Grafschaft Mark.) - Frommann, V, 163, 169.

1) Im Flutkasten an der Wassermühle.

8 Man muss nicht eher ziehen, bis geladen ist.

Böhm.: Netahni, jestes nevyhral. (Celakovsky, 264.)

9 Man ziehet nicht über die Tenne, man verliert eine Henne.

10 Man ziehet oft den Dorn aus eines andern Fuss, worüber man hernach mit Schmerzen klagen muss.

11 Sie ziehen nicht alle an Einem Seile.

12 'T tüt sich all's torecht, säd' de Sneider, un sett't den Armel in't Taschenloch. (S. Leib 91.) - Mecklenburger Kalender, Rostock 1865.

13 Teh (zieh), Witter, seggt de Deiwel tom Schornstenfeger. (Ostpr.)

14 Tüh, Jann, et is een Bullkalf. (Ostfr.)

15 Tji, sait Aage, spent sin Wüf föör a Plugh. - Haupt, VIII, 371, 336.

Zieh, sagt Age, spannt er seine Frau vor den Pflug. (Hoefer, 19a.)

16 Wen nicht zieht Magnet, den zieht Agnet.

17 Wenn man zuerst stark zeucht, so wird man bald müde. - Petri, II, 670.

18 Wer da zeucht, der rieret. - Agricola I, 713; Lehmann, II, 839, 239; Petri, II, 83; Eiselein, 658.

Die kommen oft zu Schaden, die nicht den Muth haben, in ihrer Lage auszuharren, sondern sie auf eine sehr gewagte Weise verbessern wollen.

Lat.: In nova qui migrat, missis, habitacula, primis, huius opes, tunpus, commoditasque perit. (Buchler, 88.) - Migrans subinde non ditescit. (Translatis crebro qui sedibus oppida mutat, diminuet partas, non cumulabit, opes.) (Glandorp II, 36, 196.) - Qui dominos mutat crebro, crebro oppida mutat, is minuit partas, non cumen labit, opes. (Lindeberg, Disticha, 1215, 64.) - Vix homo ditatur, qui per loca vulta vagatur. (Mone, Anzeiger, 1838, 505, 74.)

[Spaltenumbruch] 19 Wer oft zieht, wird selten reich.

Dän.: Den vorder sielden rijg, som tit flytter. (Prov. dan., 171.)

20 Wer weit vnd fern will ziehen, der muss übel essen vnd liegen. - Lehmann, 689, 31.

21 Wer zeucht über den Weg, verliert einen Fleck. - Pistor., VIII, 77.

22 Wer zu sehr zieht, zerreisst das Seil.

23 Wer zu stark zieht, dem zerreissen die Saiten.

In Welschtirol: Chi trop tira, le corde xerote. (Hörmann, 27.)

24 Wie man zeucht die jungen Knaben, wird man sie erwachsen haben.

Lat.: Quales quisque sibi natos eduxit, habebit. (Seybold, 471.)

25 Will er ziegen (ziehen) oder nicht, sagte der Student zum Ochsen. (Nordböhmen.)

Ein verkommener Student redete, indem er pflügte, die Ochsen so an. Jetzt braucht man das Wort entweder um eine gezierte, hochtrabende Sprache zu verspotten, oder einen trägen Arbeiter damit anzuspornen.

26 Willst du ziehen, so musst du auch setzen.

Lat.: Lodere vis hebes nummos opponere debes. (Sutor, 298.)

27 Wohl gezogen, hat nie gelogen. - Sailer, 68.

28 Zeuch, wo dich Gott hinspannt. - Petri, II, 821.

29 Zieh, sagt Age. - Wie's grade will, sagt Makke. (Westfriesland.) - Hoefer, 19b.

30 Ziehe dich selbst bei der Nase! - Meisner, 10, 2.

31 Ziehen und zugleich lenken, ist schwer (unmöglich).

Lat.: Cum bone ferre jugum male stat vincire iumentum. (Reuterdahl, 181.)

Schwed.: Thz aer onth at dragha widh driiff. (Reuterdahl, 181.)

*32 A quoam gezon wei de Fleige aus der Puttermilch. - Gomolcke, 140; Frommann, III, 244, 99.

*33 A zoit wia's tribe Water. - Gomolcke, 278.

*34 Bei dem ziehen zehn Pferde keinen Strang. - Klix, 124.

*35 Da (zu, hin) ziehen mich keine zehn Pferde. - Frischbier, 4171.

*36 Das lässt sich ziehen, wie ein Strudelteig. (Niederösterr.)

*37 Das zieht nicht.

*38 Das zieht, wie Hechtsuppe. - Klix, 124.

Es ist hier ein starker Zag. (Trachsel, 67.)

*39 Der zieht wie die Schnecke auf dem dürren Brete. - Klix, 124.

*40 Er taugt weder zum Ziehen noch zum Stossen. - Altmann VI, 515.

*41 Er zieht, dass ihm die Zunge heraushängt. (Rottenburg.)

*42 Er zieht den Process, wie der Schuster das Leder.

Dehnt ihn ungebührlich in die Länge.

*43 Er zieht, wie die Fliege aus der Buttermilch. - Simrock, 2544.

Der Langsame.

*44 Er zieht wie ein Gaul (oder: wie ein alter Karrengaul). (Rottenburg.)

*45 Er zieht, wie 's trübe Wetter. (Schles.)

*46 Es zieht sich wie Hechtbrühe. (Guben.)

*47 Kimmste doch gezoahn, wie Werner vo Patschke.1 - Gomolcke, 688; Weinhold, 68.

1) Patschkau, eine schlesische Stadt (Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Neisse). Ueber die Person des patschkauer Werner habe ich nichts erfahren können.

*48 Sie kommen gezogen wie die wilden Gänse, wenn der Sommer angeht.

*49 Sie ziehen in gleichem Zug. - Körte, 7168a.

*50 Sie ziehen nicht gleich. - Lehmann, 813, 8.

Von Uneinigen. (S. Seil 40.)

*51 Sie ziehen nicht in gleichem Joch.

*52 Sie zieht wie ein Drache. - Klix, 124.

*53 Sie zogen, wie die Säw zum Thore einlauffen. - Fischart, Gesch. in Kloster, VIII, 141.

*54 Wie man den zogen hat, also bleibt er. - Hauer, M2.


[Spaltenumbruch]
Ziegenzunge.

Unter einer Ziegenzunge ist nicht viel zu verwahren.

Am wenigsten ein Geheimniss.

Lat.: Lingula caprina bona non est aurifodina. (Reuterdahl, 483.)

Schwed.: Man gömir ey wael gul vnder geta tungo. (Reuterdahl, 483.)


Zieger.

Ziger1 ist mi Schwiger, Naschet zieht mi nieder, alte Käs lupft mi widder uf, Nidle salbet mir der Buuch. (Bern.) – Schweiz, II, 248, 16.

Sprichwort bei den Saane- und Siebenthaler Kühern in der Schweiz.

1) Das Käsewasser, die milchichte, wässerige Flüssigkeit, die sich von der Milch scheidet, wird in verschiedenen Cantonen der Schweiz hier Sirte, dort Sirme, Sirmenda, Sirmunda, allgemein Molken, Schotten, die dicken Theile, der gallertartige Milchstoff Zigner oder Zieger genannt. (Vgl. Stalder, II, 375 u. 473.)


Ziehen.

1 Das heisst gezogen, sagte der Feling, als er einen fusslangen Wurm aus dem Arsch hervorbrachte.

Holl.: Is dat trekken, zei de mof, en hij haalde eene pier van twintig duim uit zijn achterste. (Harrebomée, II, 180b.)

2 Das zieht, sagte der Fuhrmann, da schlug er sein Pferd mit der Rodehacke.

3 Das zieht wie spanische Fliege, sagte die Frau, da schlug sie ihren Bengel (Jungen) mit der Halskrause.

Holl.: Dat klemt, zei de boer, en hij sloeg sijn wijf met een koolblad voor hare billen. (Harrebomée, I, 59.)

4 Der lässt sich leicht ziehen, der vorausspringt.

Lat.: De facili trahitur qui saliens sequitur. (Reuterdahl, 211.)

Schwed.: Han aer godher lokka, som siaelwer wil mz hoppa. (Reuterdahl, 211.)

5 Drü mol zoge ist eimol abbrännt.Sutermeister, 117.

Ziehen – die Wohnung wechseln. Dreimal ziehen ist so gut wie einmal abbrennen. (Frischbier, 4172.) – Jüdisch-deutsch in Warschau: Drei muhl gezogen is ärger wie einmuhl ubgebrännt.

6 Er ist wohl zoga, aber übel g'wöhnt. (Schwäb.) – Michel, 263.

Er kennt zwar die guten Sitten, aber er mag sich nicht daran halten.

7 Et tühd hir as im Flaudkasten.1 (Grafschaft Mark.) – Frommann, V, 163, 169.

1) Im Flutkasten an der Wassermühle.

8 Man muss nicht eher ziehen, bis geladen ist.

Böhm.: Netáhni, ještĕs nevyhrál. (Čelakovsky, 264.)

9 Man ziehet nicht über die Tenne, man verliert eine Henne.

10 Man ziehet oft den Dorn aus eines andern Fuss, worüber man hernach mit Schmerzen klagen muss.

11 Sie ziehen nicht alle an Einem Seile.

12 'T tüt sich all's tôrecht, säd' de Snîder, un sett't den Ârmel in't Taschenloch. (S. Leib 91.) – Mecklenburger Kalender, Rostock 1865.

13 Teh (zieh), Witter, seggt de Dîwel tom Schornstênfeger. (Ostpr.)

14 Tüh, Jann, et is een Bullkalf. (Ostfr.)

15 Tji, sâit Aage, spênt sin Wüf föör a Plugh.Haupt, VIII, 371, 336.

Zieh, sagt Age, spannt er seine Frau vor den Pflug. (Hoefer, 19a.)

16 Wen nicht zieht Magnet, den zieht Agnet.

17 Wenn man zuerst stark zeucht, so wird man bald müde.Petri, II, 670.

18 Wer da zeucht, der rieret.Agricola I, 713; Lehmann, II, 839, 239; Petri, II, 83; Eiselein, 658.

Die kommen oft zu Schaden, die nicht den Muth haben, in ihrer Lage auszuharren, sondern sie auf eine sehr gewagte Weise verbessern wollen.

Lat.: In nova qui migrat, missis, habitacula, primis, huius opes, tunpus, commoditasque perit. (Buchler, 88.) – Migrans subinde non ditescit. (Translatis crebro qui sedibus oppida mutat, diminuet partas, non cumulabit, opes.) (Glandorp II, 36, 196.) – Qui dominos mutat crebro, crebro oppida mutat, is minuit partas, non cumen labit, opes. (Lindeberg, Disticha, 1215, 64.) – Vix homo ditatur, qui per loca vulta vagatur. (Mone, Anzeiger, 1838, 505, 74.)

[Spaltenumbruch] 19 Wer oft zieht, wird selten reich.

Dän.: Den vorder sielden rijg, som tit flytter. (Prov. dan., 171.)

20 Wer weit vnd fern will ziehen, der muss übel essen vnd liegen.Lehmann, 689, 31.

21 Wer zeucht über den Weg, verliert einen Fleck.Pistor., VIII, 77.

22 Wer zu sehr zieht, zerreisst das Seil.

23 Wer zu stark zieht, dem zerreissen die Saiten.

In Welschtirol: Chi trop tira, le corde xerote. (Hörmann, 27.)

24 Wie man zeucht die jungen Knaben, wird man sie erwachsen haben.

Lat.: Quales quisque sibi natos eduxit, habebit. (Seybold, 471.)

25 Will er ziegen (ziehen) oder nicht, sagte der Student zum Ochsen. (Nordböhmen.)

Ein verkommener Student redete, indem er pflügte, die Ochsen so an. Jetzt braucht man das Wort entweder um eine gezierte, hochtrabende Sprache zu verspotten, oder einen trägen Arbeiter damit anzuspornen.

26 Willst du ziehen, so musst du auch setzen.

Lat.: Lodere vis hebes nummos opponere debes. (Sutor, 298.)

27 Wohl gezogen, hat nie gelogen.Sailer, 68.

28 Zeuch, wo dich Gott hinspannt.Petri, II, 821.

29 Zieh, sagt Age. – Wie's grade will, sagt Makke. (Westfriesland.) – Hoefer, 19b.

30 Ziehe dich selbst bei der Nase!Meisner, 10, 2.

31 Ziehen und zugleich lenken, ist schwer (unmöglich).

Lat.: Cum bone ferre jugum male stat vincire iumentum. (Reuterdahl, 181.)

Schwed.: Thz aer onth at dragha widh driiff. (Reuterdahl, 181.)

*32 A quoam gezôn wî de Flîge aus der Puttermilch.Gomolcke, 140; Frommann, III, 244, 99.

*33 A zoit wia's tribe Water.Gomolcke, 278.

*34 Bei dem ziehen zehn Pferde keinen Strang.Klix, 124.

*35 Da (zu, hin) ziehen mich keine zehn Pferde.Frischbier, 4171.

*36 Das lässt sich ziehen, wie ein Strudelteig. (Niederösterr.)

*37 Das zieht nicht.

*38 Das zieht, wie Hechtsuppe.Klix, 124.

Es ist hier ein starker Zag. (Trachsel, 67.)

*39 Der zieht wie die Schnecke auf dem dürren Brete.Klix, 124.

*40 Er taugt weder zum Ziehen noch zum Stossen.Altmann VI, 515.

*41 Er zieht, dass ihm die Zunge heraushängt. (Rottenburg.)

*42 Er zieht den Process, wie der Schuster das Leder.

Dehnt ihn ungebührlich in die Länge.

*43 Er zieht, wie die Fliege aus der Buttermilch.Simrock, 2544.

Der Langsame.

*44 Er zieht wie ein Gaul (oder: wie ein alter Karrengaul). (Rottenburg.)

*45 Er zieht, wie 's trübe Wetter. (Schles.)

*46 Es zieht sich wie Hechtbrühe. (Guben.)

*47 Kimmste doch gezoahn, wie Werner vo Patschke.1Gomolcke, 688; Weinhold, 68.

1) Patschkau, eine schlesische Stadt (Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Neisse). Ueber die Person des patschkauer Werner habe ich nichts erfahren können.

*48 Sie kommen gezogen wie die wilden Gänse, wenn der Sommer angeht.

*49 Sie ziehen in gleichem Zug.Körte, 7168a.

*50 Sie ziehen nicht gleich.Lehmann, 813, 8.

Von Uneinigen. (S. Seil 40.)

*51 Sie ziehen nicht in gleichem Joch.

*52 Sie zieht wie ein Drache.Klix, 124.

*53 Sie zogen, wie die Säw zum Thore einlauffen.Fischart, Gesch. in Kloster, VIII, 141.

*54 Wie man den zogen hat, also bleibt er.Hauer, M2.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0302" n="[290]"/>
        <cb n="579"/>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ziegenzunge.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Unter einer Ziegenzunge ist nicht viel zu verwahren.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Am wenigsten ein Geheimniss.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Lingula caprina bona non est aurifodina. (<hi rendition="#i">Reuterdahl, 483.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: Man gömir ey wael gul vnder geta tungo. (<hi rendition="#i">Reuterdahl, 483.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zieger.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Ziger<hi rendition="#sup">1</hi> ist mi Schwiger, Naschet zieht mi nieder, alte Käs lupft mi widder uf, Nidle salbet mir der Buuch.</hi> (<hi rendition="#i">Bern.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schweiz, II, 248, 16.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Sprichwort bei den Saane- und Siebenthaler Kühern in der Schweiz.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Das Käsewasser, die milchichte, wässerige Flüssigkeit, die sich von der Milch scheidet, wird in verschiedenen Cantonen der Schweiz hier Sirte, dort Sirme, Sirmenda, Sirmunda, allgemein Molken, Schotten, die dicken Theile, der gallertartige Milchstoff Zigner oder Zieger genannt. (Vgl. <hi rendition="#i">Stalder, II, 375 u. 473.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ziehen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Das heisst gezogen, sagte der Feling, als er einen fusslangen Wurm aus dem Arsch hervorbrachte.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Is dat trekken, zei de mof, en hij haalde eene pier van twintig duim uit zijn achterste. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 180<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Das zieht, sagte der Fuhrmann, da schlug er sein Pferd mit der Rodehacke.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Das zieht wie spanische Fliege, sagte die Frau, da schlug sie ihren Bengel (Jungen) mit der Halskrause.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Dat klemt, zei de boer, en hij sloeg sijn wijf met een koolblad voor hare billen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 59.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Der lässt sich leicht ziehen, der vorausspringt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: De facili trahitur qui saliens sequitur. (<hi rendition="#i">Reuterdahl, 211.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: Han aer godher lokka, som siaelwer wil mz hoppa. (<hi rendition="#i">Reuterdahl, 211.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Drü mol zoge ist eimol abbrännt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 117.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ziehen &#x2013; die Wohnung wechseln. Dreimal ziehen ist so gut wie einmal abbrennen. (<hi rendition="#i">Frischbier, 4172.</hi>) &#x2013; Jüdisch-deutsch in Warschau: Drei muhl gezogen is ärger wie einmuhl ubgebrännt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Er ist wohl zoga, aber übel g'wöhnt.</hi> (<hi rendition="#i">Schwäb.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Michel, 263.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Er kennt zwar die guten Sitten, aber er mag sich nicht daran halten.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Et tühd hir as im Flaudkasten.<hi rendition="#sup">1</hi></hi> (<hi rendition="#i">Grafschaft Mark.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 163, 169.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Im Flutkasten an der Wassermühle.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Man muss nicht eher ziehen, bis geladen ist.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Böhm.</hi>: Netáhni, je&#x0161;t&#x0115;s nevyhrál. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 264.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Man ziehet nicht über die Tenne, man verliert eine Henne.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">10 Man ziehet oft den Dorn aus eines andern Fuss, worüber man hernach mit Schmerzen klagen muss.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">11 Sie ziehen nicht alle an Einem Seile.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">12 'T tüt sich all's tôrecht, säd' de Snîder, un sett't den Ârmel in't Taschenloch.</hi> (S.  Leib 91.) &#x2013; <hi rendition="#i">Mecklenburger Kalender, Rostock 1865.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">13 Teh (zieh), Witter, seggt de Dîwel tom Schornstênfeger.</hi> (<hi rendition="#i">Ostpr.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">14 Tüh, Jann, et is een Bullkalf.</hi> (<hi rendition="#i">Ostfr.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">15 Tji, sâit Aage, spênt sin Wüf föör a Plugh.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Haupt, VIII, 371, 336.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Zieh, sagt Age, spannt er seine Frau vor den Pflug. (<hi rendition="#i">Hoefer, 19<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">16 Wen nicht zieht Magnet, den zieht Agnet.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">17 Wenn man zuerst stark zeucht, so wird man bald müde.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 670.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">18 Wer da zeucht, der rieret.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Agricola I, 713; Lehmann, II, 839, 239; Petri, II, 83; Eiselein, 658.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die kommen oft zu Schaden, die nicht den Muth haben, in ihrer Lage auszuharren, sondern sie auf eine sehr gewagte Weise verbessern wollen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: In nova qui migrat, missis, habitacula, primis, huius opes, tunpus, commoditasque perit. (<hi rendition="#i">Buchler, 88.</hi>) &#x2013; Migrans subinde non ditescit. (Translatis crebro qui sedibus oppida mutat, diminuet partas, non cumulabit, opes.) (<hi rendition="#i">Glandorp II, 36, 196.</hi>) &#x2013; Qui dominos mutat crebro, crebro oppida mutat, is minuit partas, non cumen labit, opes. (<hi rendition="#i">Lindeberg, Disticha, 1215, 64.</hi>) &#x2013; Vix homo ditatur, qui per loca vulta vagatur. (<hi rendition="#i">Mone, Anzeiger, 1838, 505, 74.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><cb n="580"/>
19 Wer oft zieht, wird selten reich.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Den vorder sielden rijg, som tit flytter. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 171.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">20 Wer weit vnd fern will ziehen, der muss übel essen vnd liegen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 689, 31.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">21 Wer zeucht über den Weg, verliert einen Fleck.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Pistor., VIII, 77.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">22 Wer zu sehr zieht, zerreisst das Seil.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">23 Wer zu stark zieht, dem zerreissen die Saiten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">In Welschtirol: Chi trop tira, le corde xerote. (<hi rendition="#i">Hörmann, 27.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">24 Wie man zeucht die jungen Knaben, wird man sie erwachsen haben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Quales quisque sibi natos eduxit, habebit. (<hi rendition="#i">Seybold, 471.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">25 Will er ziegen (ziehen) oder nicht, sagte der Student zum Ochsen.</hi> (<hi rendition="#i">Nordböhmen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein verkommener Student redete, indem er pflügte, die Ochsen so an. Jetzt braucht man das Wort entweder um eine gezierte, hochtrabende Sprache zu verspotten, oder einen trägen Arbeiter damit anzuspornen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">26 Willst du ziehen, so musst du auch setzen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Lodere vis hebes nummos opponere debes. (<hi rendition="#i">Sutor, 298.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">27 Wohl gezogen, hat nie gelogen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sailer, 68.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">28 Zeuch, wo dich Gott hinspannt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 821.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">29 Zieh, sagt Age. &#x2013; Wie's grade will, sagt Makke.</hi> (<hi rendition="#i">Westfriesland.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Hoefer, 19<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">30 Ziehe dich selbst bei der Nase!</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Meisner, 10, 2.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">31 Ziehen und zugleich lenken, ist schwer (unmöglich).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Cum bone ferre jugum male stat vincire iumentum. (<hi rendition="#i">Reuterdahl, 181.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: Thz aer onth at dragha widh driiff. (<hi rendition="#i">Reuterdahl, 181.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*32 A quoam gezôn wî de Flîge aus der Puttermilch.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 140; Frommann, III, 244, 99.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*33 A zoit wia's tribe Water.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 278.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*34 Bei dem ziehen zehn Pferde keinen Strang.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klix, 124.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*35 Da (zu, hin) ziehen mich keine zehn Pferde.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, 4171.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*36 Das lässt sich ziehen, wie ein Strudelteig.</hi> (<hi rendition="#i">Niederösterr.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*37 Das zieht nicht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*38 Das zieht, wie Hechtsuppe.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klix, 124.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Es ist hier ein starker Zag. (<hi rendition="#i">Trachsel, 67.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*39 Der zieht wie die Schnecke auf dem dürren Brete.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klix, 124.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*40 Er taugt weder zum Ziehen noch zum Stossen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Altmann VI, 515.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*41 Er zieht, dass ihm die Zunge heraushängt.</hi> (<hi rendition="#i">Rottenburg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*42 Er zieht den Process, wie der Schuster das Leder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Dehnt ihn ungebührlich in die Länge.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*43 Er zieht, wie die Fliege aus der Buttermilch.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 2544.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Langsame.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*44 Er zieht wie ein Gaul (oder: wie ein alter Karrengaul).</hi> (<hi rendition="#i">Rottenburg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*45 Er zieht, wie 's trübe Wetter.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*46 Es zieht sich wie Hechtbrühe.</hi> (<hi rendition="#i">Guben.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*47 Kimmste doch gezoahn, wie Werner vo Patschke.<hi rendition="#sup">1</hi></hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 688; Weinhold, 68.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Patschkau, eine schlesische Stadt (Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Neisse). Ueber die Person des patschkauer Werner habe ich nichts erfahren können.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*48 Sie kommen gezogen wie die wilden Gänse, wenn der Sommer angeht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*49 Sie ziehen in gleichem Zug.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 7168<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*50 Sie ziehen nicht gleich.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 813, 8.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Von Uneinigen. (S.  Seil 40.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*51 Sie ziehen nicht in gleichem Joch.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*52 Sie zieht wie ein Drache.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klix, 124.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*53 Sie zogen, wie die Säw zum Thore einlauffen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Fischart, Gesch. in Kloster, VIII, 141.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*54 Wie man den zogen hat, also bleibt er.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Hauer, M<hi rendition="#sup">2</hi>.</hi></p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[290]/0302] Ziegenzunge. Unter einer Ziegenzunge ist nicht viel zu verwahren. Am wenigsten ein Geheimniss. Lat.: Lingula caprina bona non est aurifodina. (Reuterdahl, 483.) Schwed.: Man gömir ey wael gul vnder geta tungo. (Reuterdahl, 483.) Zieger. Ziger1 ist mi Schwiger, Naschet zieht mi nieder, alte Käs lupft mi widder uf, Nidle salbet mir der Buuch. (Bern.) – Schweiz, II, 248, 16. Sprichwort bei den Saane- und Siebenthaler Kühern in der Schweiz. 1) Das Käsewasser, die milchichte, wässerige Flüssigkeit, die sich von der Milch scheidet, wird in verschiedenen Cantonen der Schweiz hier Sirte, dort Sirme, Sirmenda, Sirmunda, allgemein Molken, Schotten, die dicken Theile, der gallertartige Milchstoff Zigner oder Zieger genannt. (Vgl. Stalder, II, 375 u. 473.) Ziehen. 1 Das heisst gezogen, sagte der Feling, als er einen fusslangen Wurm aus dem Arsch hervorbrachte. Holl.: Is dat trekken, zei de mof, en hij haalde eene pier van twintig duim uit zijn achterste. (Harrebomée, II, 180b.) 2 Das zieht, sagte der Fuhrmann, da schlug er sein Pferd mit der Rodehacke. 3 Das zieht wie spanische Fliege, sagte die Frau, da schlug sie ihren Bengel (Jungen) mit der Halskrause. Holl.: Dat klemt, zei de boer, en hij sloeg sijn wijf met een koolblad voor hare billen. (Harrebomée, I, 59.) 4 Der lässt sich leicht ziehen, der vorausspringt. Lat.: De facili trahitur qui saliens sequitur. (Reuterdahl, 211.) Schwed.: Han aer godher lokka, som siaelwer wil mz hoppa. (Reuterdahl, 211.) 5 Drü mol zoge ist eimol abbrännt. – Sutermeister, 117. Ziehen – die Wohnung wechseln. Dreimal ziehen ist so gut wie einmal abbrennen. (Frischbier, 4172.) – Jüdisch-deutsch in Warschau: Drei muhl gezogen is ärger wie einmuhl ubgebrännt. 6 Er ist wohl zoga, aber übel g'wöhnt. (Schwäb.) – Michel, 263. Er kennt zwar die guten Sitten, aber er mag sich nicht daran halten. 7 Et tühd hir as im Flaudkasten.1 (Grafschaft Mark.) – Frommann, V, 163, 169. 1) Im Flutkasten an der Wassermühle. 8 Man muss nicht eher ziehen, bis geladen ist. Böhm.: Netáhni, ještĕs nevyhrál. (Čelakovsky, 264.) 9 Man ziehet nicht über die Tenne, man verliert eine Henne. 10 Man ziehet oft den Dorn aus eines andern Fuss, worüber man hernach mit Schmerzen klagen muss. 11 Sie ziehen nicht alle an Einem Seile. 12 'T tüt sich all's tôrecht, säd' de Snîder, un sett't den Ârmel in't Taschenloch. (S. Leib 91.) – Mecklenburger Kalender, Rostock 1865. 13 Teh (zieh), Witter, seggt de Dîwel tom Schornstênfeger. (Ostpr.) 14 Tüh, Jann, et is een Bullkalf. (Ostfr.) 15 Tji, sâit Aage, spênt sin Wüf föör a Plugh. – Haupt, VIII, 371, 336. Zieh, sagt Age, spannt er seine Frau vor den Pflug. (Hoefer, 19a.) 16 Wen nicht zieht Magnet, den zieht Agnet. 17 Wenn man zuerst stark zeucht, so wird man bald müde. – Petri, II, 670. 18 Wer da zeucht, der rieret. – Agricola I, 713; Lehmann, II, 839, 239; Petri, II, 83; Eiselein, 658. Die kommen oft zu Schaden, die nicht den Muth haben, in ihrer Lage auszuharren, sondern sie auf eine sehr gewagte Weise verbessern wollen. Lat.: In nova qui migrat, missis, habitacula, primis, huius opes, tunpus, commoditasque perit. (Buchler, 88.) – Migrans subinde non ditescit. (Translatis crebro qui sedibus oppida mutat, diminuet partas, non cumulabit, opes.) (Glandorp II, 36, 196.) – Qui dominos mutat crebro, crebro oppida mutat, is minuit partas, non cumen labit, opes. (Lindeberg, Disticha, 1215, 64.) – Vix homo ditatur, qui per loca vulta vagatur. (Mone, Anzeiger, 1838, 505, 74.) 19 Wer oft zieht, wird selten reich. Dän.: Den vorder sielden rijg, som tit flytter. (Prov. dan., 171.) 20 Wer weit vnd fern will ziehen, der muss übel essen vnd liegen. – Lehmann, 689, 31. 21 Wer zeucht über den Weg, verliert einen Fleck. – Pistor., VIII, 77. 22 Wer zu sehr zieht, zerreisst das Seil. 23 Wer zu stark zieht, dem zerreissen die Saiten. In Welschtirol: Chi trop tira, le corde xerote. (Hörmann, 27.) 24 Wie man zeucht die jungen Knaben, wird man sie erwachsen haben. Lat.: Quales quisque sibi natos eduxit, habebit. (Seybold, 471.) 25 Will er ziegen (ziehen) oder nicht, sagte der Student zum Ochsen. (Nordböhmen.) Ein verkommener Student redete, indem er pflügte, die Ochsen so an. Jetzt braucht man das Wort entweder um eine gezierte, hochtrabende Sprache zu verspotten, oder einen trägen Arbeiter damit anzuspornen. 26 Willst du ziehen, so musst du auch setzen. Lat.: Lodere vis hebes nummos opponere debes. (Sutor, 298.) 27 Wohl gezogen, hat nie gelogen. – Sailer, 68. 28 Zeuch, wo dich Gott hinspannt. – Petri, II, 821. 29 Zieh, sagt Age. – Wie's grade will, sagt Makke. (Westfriesland.) – Hoefer, 19b. 30 Ziehe dich selbst bei der Nase! – Meisner, 10, 2. 31 Ziehen und zugleich lenken, ist schwer (unmöglich). Lat.: Cum bone ferre jugum male stat vincire iumentum. (Reuterdahl, 181.) Schwed.: Thz aer onth at dragha widh driiff. (Reuterdahl, 181.) *32 A quoam gezôn wî de Flîge aus der Puttermilch. – Gomolcke, 140; Frommann, III, 244, 99. *33 A zoit wia's tribe Water. – Gomolcke, 278. *34 Bei dem ziehen zehn Pferde keinen Strang. – Klix, 124. *35 Da (zu, hin) ziehen mich keine zehn Pferde. – Frischbier, 4171. *36 Das lässt sich ziehen, wie ein Strudelteig. (Niederösterr.) *37 Das zieht nicht. *38 Das zieht, wie Hechtsuppe. – Klix, 124. Es ist hier ein starker Zag. (Trachsel, 67.) *39 Der zieht wie die Schnecke auf dem dürren Brete. – Klix, 124. *40 Er taugt weder zum Ziehen noch zum Stossen. – Altmann VI, 515. *41 Er zieht, dass ihm die Zunge heraushängt. (Rottenburg.) *42 Er zieht den Process, wie der Schuster das Leder. Dehnt ihn ungebührlich in die Länge. *43 Er zieht, wie die Fliege aus der Buttermilch. – Simrock, 2544. Der Langsame. *44 Er zieht wie ein Gaul (oder: wie ein alter Karrengaul). (Rottenburg.) *45 Er zieht, wie 's trübe Wetter. (Schles.) *46 Es zieht sich wie Hechtbrühe. (Guben.) *47 Kimmste doch gezoahn, wie Werner vo Patschke.1 – Gomolcke, 688; Weinhold, 68. 1) Patschkau, eine schlesische Stadt (Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Neisse). Ueber die Person des patschkauer Werner habe ich nichts erfahren können. *48 Sie kommen gezogen wie die wilden Gänse, wenn der Sommer angeht. *49 Sie ziehen in gleichem Zug. – Körte, 7168a. *50 Sie ziehen nicht gleich. – Lehmann, 813, 8. Von Uneinigen. (S. Seil 40.) *51 Sie ziehen nicht in gleichem Joch. *52 Sie zieht wie ein Drache. – Klix, 124. *53 Sie zogen, wie die Säw zum Thore einlauffen. – Fischart, Gesch. in Kloster, VIII, 141. *54 Wie man den zogen hat, also bleibt er. – Hauer, M2.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T09:51:52Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T09:51:52Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/302
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880, S. [290]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/302>, abgerufen am 29.10.2020.