Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880.

Bild:
<< vorherige Seite
[Spaltenumbruch]
Zittern.

1 Es hilfft kein zittern für den galgen (vor's Fieber). - Henisch, 1337, 27; Mayer, II, 222.

Holl.: Daar helpt geen lieve-mooderen aan. - De papegaai rammelt zijn: heruit paap. (Harrebomee, II, 159.)

2 Es hilft kein Zittern vor's Fieber, sagte der Lumpenhändler, und schlug die Laus todt.

Holl.: De kleer koopen is moorddadig over de arme luis. (Harrebomee, II, 40.)

3 Es zittert mancher, der droht.

Frz.: Tel menace, qui tremble. (Cahier, 1071.)

4 Manche können wol zittern, aber nicht schlagen.

5 Wer nicht zu zittern wagt, der ist sehr furchtsam.

Lat.: Is panet arta re qui non audet trepidare. - Quis metuit tremere didicit minus ille timere. (Reuterdahl, 451 u. 806.)

Schwed.: Thaen aer mykith raedder som ey thorff skaelwa. (Reuterdahl, 451.)

6 Zittern hilft nicht gegen den Frost. (Wien.)

7 Zittern hilfft nicht für den Tod. - Luther's Ms., S. 2. Petri, II, 252.

8 Zittern vor'm galgen batt (schützt) vor hencken nicht. - Gruter, III, 118.

9 Zitt're nicht, zage nicht, sei nicht ungeduldig; was du nicht bezahlen kannst, bleibst du den Leuten schuldig.

Moral der Leute, die leichtsinnig in den Tag hinein leben und die Sorge des Bezahlens andern überlassen.

*10 Du zitterst vor ihm, als wenn du einem Elefanten Futter gibst.

Holl.: Hij beeft als eene kat voor een' spiering, en als een hond voor en stuk spek. (Harrebomee, II, 288a.)

*11 Er zittert schon vor der Scheide. - Parömiakon, 140.

Taugt nichts zum Krieger.

*12 Er zittert vor dem Krieg, wie ein nasses Kalb.

Lat.: Pejor est bello, timor ipse belli. (Chaos, 1036.)

*13 Er zittert, wie a Fisch in Wasser. (Warschau.)

Zappelt vor Angst hin und her.

*14 Er zittert, wie der Brockenberg.

*15 Er zitteret wie e nasses Chalb. (S. Putzen 24). Sutermeister, 95.

*16 Er zittert, wie ein Bachstelzenschwanz. - Parömiakon, 942.

Der Furchtsame.

*17 Er zittert, wie ein Espenlaub. - Klix, 124; Frischbier, 4177.

"Ihr sed a gelauhrter und müsst's am besten wissen, wie ma sulchen Laiten wiederkummen saul, denn ihr wart doch nich bälde zittern wie a Espenlaub." (Keller, 151a.) - "Zittern als ain Espin lab." (Hätzlerin, Liederbuch, I, 30, 44.) - Die eigenthümliche Stellung des langen, feinen, merkwürdig drehbaren Stieles des Espenblattes mit einem schmalen Fusse auf dem Holze, ist Ursache, dass es bei dem leisesten Luftzuge in Zittern geräth. (Vgl. Masius, Naturstudien, Leipzig 1851, I, 21.) Nach der Legende ist das Zittern der Blätter eine Strafe für den Hochmuth des Baumes. Als noch der Herr auf Erden wandelte, beugten sich alle Bäume vor ihm, nur die Espe nicht, wofür sie mit ewiger Unruhe, gleich dem Juden Ahasver bestraft worden ist. Die Schottländer und Schweden glauben, der Baum könne deshalb nicht ruhen, weil das Kreuz Christi aus dem Holze desselben gemacht worden sei. (Vgl. Schiller, I, 21b.) In Oberösterreich lautet die Redensart: "Ziedarn wieran öschas Lauwa." (Baumgarten, 131.) Die Bezeichnung Esche, welche sich in der österreichischen Redensart findet, kann sich wol nur auf enge Kreise erstrecken. Bei Schiller a. a. O. findet sich zwar auch der Name Esche, aber als Zitteresche (Bäberesch). In Schlesien ist sie nur als Espe in den untern und als Zitterpappel in den höhern Volksklassen bekannt.

Frz.: Il tremble comme la feuille. (Lendroy, 745.)

Poln.: Drzy jak osika. (Lompa, 10.)

*18 Er zittert wie ein Gallertjürge. (Breslau.)

Wie eine aus Gallert gegossene Figur.

*19 Er zittert wie ein Mehlsack. (Nürtingen.)

*20 Er zittert wie ein nasser Hund. - Simplic. 56.

*21 Er zittert, wie ein schweinene Sulze. - Chaos, 1034.

Lat.: Asinus esuriens fustem non timet.

*22 Ich zittere, wenn die Thür aufgeht. (Tendlau, 755.)

Es möchte ein neues Unglück gemeldet werden.

*23 Ich zittere, wie ein Backofen.


Zittwer.

Zittwer un Galgan lett keine Angst vorn Harten stahn. - Bücking, 174.

Ein im Niedersächsischen gebräuchliches Sprichwort, das viel Unheil angestiftet hat. Die Beängstigungen [Spaltenumbruch] haben verschiedene Ursachen, und wenn auch in einzelnen Fällen das Sprichwort von guter Wirkung sein mag, so ist's in den meisten Fällen desto nachtheiliger.


Zitze.

1 Gode Morge, Tött (Zitze) wer heft dei gesage. (Stallupönen.) - Frischbier, II, 3010.

Wenn jemand ungewaschen und ungekämmt, oder in unsaubern Kleidern zur Mahlzeit kommt.

2 Goden Dag, Tött, Figlin on Klarnet. (Königsberg.) - Frischbier, II, 3008.

3 Goden Dag, Tött, häst ok e däg grot Läpel möt? (Alt-Pillau.)

In der Bedeutung von 1.

*4 Ämm is 'n goden Titt affsnäden. (Altmark.) - Danneil, 224.

Er hat eine bedeutende Hülfe, Unterstützung verloren, es ist ihm eine Nahrungsquelle verstopft.

*5 Aus den Zitzen mehr melken wollen, als im Euter ist. - Altmann VI, 523.

*6 Dat heast diu out eigenem Titte ni soegen. (Marberg.) - Firmenich, I, 321, 5.

Das hast du nicht aus dir selbst.


Zitzenille.

Wer Zitzenille trinken will, muss drei Tage liegen still. (S. Bier 19.) - Nass. Schulbl., XIV, 5.

Ein sehr starkes Bier, das früher in Nauen gebraut wurde.


Zitzensauger.

* Er ist ein Zitzensauger.

Stein hat in seinem Peregrinus (Frischbier's Auszug in Monatsblätter 12, S. 191) neben dem obigen sprichwörtlichen Ausdruck zusammengestellt, welche zur Bezeichnung eines körperlichen oder Charakterfehlers gebraucht werden. Ich füge sie hier in alphabetischer Ordnung bei: Er ist ein Anbader, Bluthund, Brotdieb, Brascher, Bengel, Dreckharker, Drekpfenig, Esel, Flegel, Filz, Garrer, Glepaug, Gluper, Gritzenzähler, Gnorrer, Gnock, Gnisk, Gnugel, Grosssprecher, Hauskater, Hausmauser, Hausotter, Hausschlingel, Hauslümmel, Hans Ungelenk, Hundsnaas, Hallunk, ein Knerps, Knusel, unnütze Kröt, Kniefurtz, Krickendt, Knoll, Knebel, ungeschliffener, ungebackener, ungesalzener Kerl, Lespler, Lauser, Lausbart, Lausjunge, Lausbund, Loddert, Lunter, Maulaff, Meerkatz, Meerganss, Ochs, Putzmännlein, Praler, Pomochel, Rekel, Rültz, Rotzlöffel, Schelwig, Schnufer, Schnöhler, Stamler, Stammerbock, Schmodbot, Soalbader, Sechsgroscher, Scharrhans, Schurke, Schindhund, Tilz.


Zobel.

1 Ein geschenkter Zobel ist besser, als zwei versprochene Hermeline.

2 Es wäre besser für den Zobel, er hätte kein so schönes Fell.

Dän.: Havde sabel ikke saa gode skind, ingen sköttet om den. (Prov. dan., 484.)

3 Wenn die Zobel aussterben, geht der Buntmarkt von selbst aus. - Altmann VI, 402.

*4 Ihr seid mir die rechten Zoberlin. - Wurzbach, II, 245.


Zobelmütze.

* Einem die Zobelmütze aufsetzen.

Jüdisch-deutsch: Unthün a Schtramel. Es ist dies eine Zobelmütze, welche die polnischen Juden an Sabbat und Feiertagen tragen. Das Tragen eines "Schtramel" ist das Vorrecht der vornehmen, gebildeten Klasse. Die Redensart wird in dem Sinne angewandt: Einen zum Besten haben, zum Narren machen; ihn aufziehen, auch betrügen.


Zobelpelz.

Wenn der Zobelpelz nicht reicht, näht der Kürschner Fuchsschwanz dran. - Altmann VI, 475.


Zobelschaub.

Zobelschaub vnd gülden kleidt wird offt gfüttert mit hertzeleidt. - Waldis, I, 9, 103.


Zobten.

1 Der Zobten1 ist schön (hell, klar), man kann spazieren gehn.

1) Der zum Zobtengebirge (Schlesien, schweidnitzer Kreis) gehörende bekannte und weit gesehene Bergkegel. Wenn die niedrigen Höhenpunkte einen Wolkenhut tragen, ist es ein Zeichen nahen Regens. (Vgl. Friedrich, Niesen und Dove, Witterungsverhältnisse, Berlin 1842, S. 10.)

2 Im Zota hot's grobe Knota; im Langneundorf nunder hot's er noch mitunder; in der Ormaruh recha se au no zu. - Schlesische Provinzialblätter, 1868, S. 127.

Zur neckhaften Charakterisirung der Bewohner einiger Ortschaften, und zwar der grossen Dörfer Zobten und

[Spaltenumbruch]
Zittern.

1 Es hilfft kein zittern für den galgen (vor's Fieber).Henisch, 1337, 27; Mayer, II, 222.

Holl.: Daar helpt geen lieve-mooderen aan. – De papegaai rammelt zijn: heruit paap. (Harrebomée, II, 159.)

2 Es hilft kein Zittern vor's Fieber, sagte der Lumpenhändler, und schlug die Laus todt.

Holl.: De kleêr koopen is moorddadig over de arme luis. (Harrebomée, II, 40.)

3 Es zittert mancher, der droht.

Frz.: Tel menace, qui tremble. (Cahier, 1071.)

4 Manche können wol zittern, aber nicht schlagen.

5 Wer nicht zu zittern wagt, der ist sehr furchtsam.

Lat.: Is panet arta re qui non audet trepidare. – Quis metuit tremere didicit minus ille timere. (Reuterdahl, 451 u. 806.)

Schwed.: Thaen aer mykith raedder som ey thorff skaelwa. (Reuterdahl, 451.)

6 Zittern hilft nicht gegen den Frost. (Wien.)

7 Zittern hilfft nicht für den Tod.Luther's Ms., S. 2. Petri, II, 252.

8 Zittern vor'm galgen batt (schützt) vor hencken nicht.Gruter, III, 118.

9 Zitt're nicht, zage nicht, sei nicht ungeduldig; was du nicht bezahlen kannst, bleibst du den Leuten schuldig.

Moral der Leute, die leichtsinnig in den Tag hinein leben und die Sorge des Bezahlens andern überlassen.

*10 Du zitterst vor ihm, als wenn du einem Elefanten Futter gibst.

Holl.: Hij beeft als eene kat voor een' spiering, en als een hond voor en stuk spek. (Harrebomée, II, 288a.)

*11 Er zittert schon vor der Scheide.Parömiakon, 140.

Taugt nichts zum Krieger.

*12 Er zittert vor dem Krieg, wie ein nasses Kalb.

Lat.: Pejor est bello, timor ipse belli. (Chaos, 1036.)

*13 Er zittert, wie a Fisch in Wasser. (Warschau.)

Zappelt vor Angst hin und her.

*14 Er zittert, wie der Brockenberg.

*15 Er zitteret wie e nasses Chalb. (S. Putzen 24). Sutermeister, 95.

*16 Er zittert, wie ein Bachstelzenschwanz.Parömiakon, 942.

Der Furchtsame.

*17 Er zittert, wie ein Espenlaub.Klix, 124; Frischbier, 4177.

„Ihr sêd a gelauhrter und müsst's am besten wissen, wie ma sulchen Laiten wiederkummen saul, denn ihr wart doch nich bälde zittern wie a Espenlaub.“ (Keller, 151a.) – „Zittern als ain Espin làb.“ (Hätzlerin, Liederbuch, I, 30, 44.) – Die eigenthümliche Stellung des langen, feinen, merkwürdig drehbaren Stieles des Espenblattes mit einem schmalen Fusse auf dem Holze, ist Ursache, dass es bei dem leisesten Luftzuge in Zittern geräth. (Vgl. Masius, Naturstudien, Leipzig 1851, I, 21.) Nach der Legende ist das Zittern der Blätter eine Strafe für den Hochmuth des Baumes. Als noch der Herr auf Erden wandelte, beugten sich alle Bäume vor ihm, nur die Espe nicht, wofür sie mit ewiger Unruhe, gleich dem Juden Ahasver bestraft worden ist. Die Schottländer und Schweden glauben, der Baum könne deshalb nicht ruhen, weil das Kreuz Christi aus dem Holze desselben gemacht worden sei. (Vgl. Schiller, I, 21b.) In Oberösterreich lautet die Redensart: „Ziedárn wierán öschás Lauwá.“ (Baumgarten, 131.) Die Bezeichnung Esche, welche sich in der österreichischen Redensart findet, kann sich wol nur auf enge Kreise erstrecken. Bei Schiller a. a. O. findet sich zwar auch der Name Esche, aber als Zitteresche (Bäberesch). In Schlesien ist sie nur als Espe in den untern und als Zitterpappel in den höhern Volksklassen bekannt.

Frz.: Il tremble comme la feuille. (Lendroy, 745.)

Poln.: Drży jak osika. (Lompa, 10.)

*18 Er zittert wie ein Gallertjürge. (Breslau.)

Wie eine aus Gallert gegossene Figur.

*19 Er zittert wie ein Mehlsack. (Nürtingen.)

*20 Er zittert wie ein nasser Hund.Simplic. 56.

*21 Er zittert, wie ein schweinene Sulze.Chaos, 1034.

Lat.: Asinus esuriens fustem non timet.

*22 Ich zittere, wenn die Thür aufgeht. (Tendlau, 755.)

Es möchte ein neues Unglück gemeldet werden.

*23 Ich zittere, wie ein Backofen.


Zittwer.

Zittwer un Galgan lett keine Angst vorn Harten stahn.Bücking, 174.

Ein im Niedersächsischen gebräuchliches Sprichwort, das viel Unheil angestiftet hat. Die Beängstigungen [Spaltenumbruch] haben verschiedene Ursachen, und wenn auch in einzelnen Fällen das Sprichwort von guter Wirkung sein mag, so ist's in den meisten Fällen desto nachtheiliger.


Zitze.

1 Gode Morge, Tött (Zitze) wer heft dî gesage. (Stallupönen.) – Frischbier, II, 3010.

Wenn jemand ungewaschen und ungekämmt, oder in unsaubern Kleidern zur Mahlzeit kommt.

2 Gôden Dag, Tött, Figlin on Klarnet. (Königsberg.) – Frischbier, II, 3008.

3 Goden Dâg, Tött, häst ok e däg grot Läpel möt? (Alt-Pillau.)

In der Bedeutung von 1.

*4 Ämm is 'n gôden Titt affsnäden. (Altmark.) – Danneil, 224.

Er hat eine bedeutende Hülfe, Unterstützung verloren, es ist ihm eine Nahrungsquelle verstopft.

*5 Aus den Zitzen mehr melken wollen, als im Euter ist.Altmann VI, 523.

*6 Dat heast diu out eigenem Titte ni soegen. (Marberg.) – Firmenich, I, 321, 5.

Das hast du nicht aus dir selbst.


Zitzenille.

Wer Zitzenille trinken will, muss drei Tage liegen still. (S. Bier 19.) – Nass. Schulbl., XIV, 5.

Ein sehr starkes Bier, das früher in Nauen gebraut wurde.


Zitzensauger.

* Er ist ein Zitzensauger.

Stein hat in seinem Peregrinus (Frischbier's Auszug in Monatsblätter 12, S. 191) neben dem obigen sprichwörtlichen Ausdruck zusammengestellt, welche zur Bezeichnung eines körperlichen oder Charakterfehlers gebraucht werden. Ich füge sie hier in alphabetischer Ordnung bei: Er ist ein Anbader, Bluthund, Brotdieb, Brascher, Bengel, Dreckharker, Drêkpfenig, Esel, Flegel, Filz, Garrer, Glepaug, Gluper, Gritzenzähler, Gnorrer, Gnock, Gnisk, Gnugel, Grosssprecher, Hauskater, Hausmauser, Hausotter, Hausschlingel, Hauslümmel, Hans Ungelenk, Hundsnaas, Hallunk, ein Knerps, Knusel, unnütze Kröt, Kniefurtz, Krickendt, Knoll, Knebel, ungeschliffener, ungebackener, ungesalzener Kerl, Lespler, Lauser, Lausbart, Lausjunge, Lausbund, Loddert, Lunter, Maulaff, Meerkatz, Meerganss, Ochs, Putzmännlein, Praler, Pomochel, Rekel, Rültz, Rotzlöffel, Schelwig, Schnufer, Schnöhler, Stamler, Stammerbock, Schmodbot, Soalbader, Sechsgroscher, Scharrhans, Schurke, Schindhund, Tilz.


Zobel.

1 Ein geschenkter Zobel ist besser, als zwei versprochene Hermeline.

2 Es wäre besser für den Zobel, er hätte kein so schönes Fell.

Dän.: Havde sabel ikke saa gode skind, ingen sköttet om den. (Prov. dan., 484.)

3 Wenn die Zobel aussterben, geht der Buntmarkt von selbst aus.Altmann VI, 402.

*4 Ihr seid mir die rechten Zoberlin.Wurzbach, II, 245.


Zobelmütze.

* Einem die Zobelmütze aufsetzen.

Jüdisch-deutsch: Unthün a Schtramel. Es ist dies eine Zobelmütze, welche die polnischen Juden an Sabbat und Feiertagen tragen. Das Tragen eines „Schtramel“ ist das Vorrecht der vornehmen, gebildeten Klasse. Die Redensart wird in dem Sinne angewandt: Einen zum Besten haben, zum Narren machen; ihn aufziehen, auch betrügen.


Zobelpelz.

Wenn der Zobelpelz nicht reicht, näht der Kürschner Fuchsschwanz dran.Altmann VI, 475.


Zobelschaub.

Zobelschaub vnd gülden kleidt wird offt gfüttert mit hertzeleidt.Waldis, I, 9, 103.


Zobten.

1 Der Zobten1 ist schön (hell, klar), man kann spazieren gehn.

1) Der zum Zobtengebirge (Schlesien, schweidnitzer Kreis) gehörende bekannte und weit gesehene Bergkegel. Wenn die niedrigen Höhenpunkte einen Wolkenhut tragen, ist es ein Zeichen nahen Regens. (Vgl. Friedrich, Niesen und Dove, Witterungsverhältnisse, Berlin 1842, S. 10.)

2 Im Zota hôt's grobe Knota; im Langneundorf nunder hot's er noch mitunder; in der Ormaruh rêcha se au no zu.Schlesische Provinzialblätter, 1868, S. 127.

Zur neckhaften Charakterisirung der Bewohner einiger Ortschaften, und zwar der grossen Dörfer Zobten und

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0310" n="[298]"/>
        <cb n="595"/>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zittern.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Es hilfft kein zittern für den galgen (vor's Fieber).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 1337, 27; Mayer, II, 222.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Daar helpt geen lieve-mooderen aan. &#x2013; De papegaai rammelt zijn: heruit paap. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 159.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Es hilft kein Zittern vor's Fieber, sagte der Lumpenhändler, und schlug die Laus todt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: De kleêr koopen is moorddadig over de arme luis. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 40.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Es zittert mancher, der droht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Tel menace, qui tremble. (<hi rendition="#i">Cahier, 1071.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Manche können wol zittern, aber nicht schlagen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Wer nicht zu zittern wagt, der ist sehr furchtsam.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Is panet arta re qui non audet trepidare. &#x2013; Quis metuit tremere didicit minus ille timere. (<hi rendition="#i">Reuterdahl, 451 u. 806.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: Thaen aer mykith raedder som ey thorff skaelwa. (<hi rendition="#i">Reuterdahl, 451.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Zittern hilft nicht gegen den Frost.</hi> (<hi rendition="#i">Wien.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Zittern hilfft nicht für den Tod.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Luther's Ms., S. 2. Petri, II, 252.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">8 Zittern vor'm galgen batt (schützt) vor hencken nicht.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gruter, III, 118.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Zitt're nicht, zage nicht, sei nicht ungeduldig; was du nicht bezahlen kannst, bleibst du den Leuten schuldig.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Moral der Leute, die leichtsinnig in den Tag hinein leben und die Sorge des Bezahlens andern überlassen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*10 Du zitterst vor ihm, als wenn du einem Elefanten Futter gibst.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Hij beeft als eene kat voor een' spiering, en als een hond voor en stuk spek. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 288<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*11 Er zittert schon vor der Scheide.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 140.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Taugt nichts zum Krieger.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*12 Er zittert vor dem Krieg, wie ein nasses Kalb.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Pejor est bello, timor ipse belli. (<hi rendition="#i">Chaos, 1036.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*13 Er zittert, wie a Fisch in Wasser.</hi> (<hi rendition="#i">Warschau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Zappelt vor Angst hin und her.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*14 Er zittert, wie der Brockenberg.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*15 Er zitteret wie e nasses Chalb.</hi> (S.  Putzen 24). <hi rendition="#i">Sutermeister, 95.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*16 Er zittert, wie ein Bachstelzenschwanz.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 942.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Furchtsame.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*17 Er zittert, wie ein Espenlaub.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klix, 124; Frischbier, 4177.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Ihr sêd a gelauhrter und müsst's am besten wissen, wie ma sulchen Laiten wiederkummen saul, denn ihr wart doch nich bälde zittern wie a Espenlaub.&#x201C; (<hi rendition="#i">Keller, 151<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>) &#x2013; &#x201E;Zittern als ain Espin làb.&#x201C; (<hi rendition="#i">Hätzlerin, Liederbuch, I, 30, 44.</hi>) &#x2013; Die eigenthümliche Stellung des langen, feinen, merkwürdig drehbaren Stieles des Espenblattes mit einem schmalen Fusse auf dem Holze, ist Ursache, dass es bei dem leisesten Luftzuge in Zittern geräth. (Vgl. <hi rendition="#i">Masius, Naturstudien, Leipzig 1851, I, 21.</hi>) Nach der Legende ist das Zittern der Blätter eine Strafe für den Hochmuth des Baumes. Als noch der Herr auf Erden wandelte, beugten sich alle Bäume vor ihm, nur die Espe nicht, wofür sie mit ewiger Unruhe, gleich dem Juden Ahasver bestraft worden ist. Die Schottländer und Schweden glauben, der Baum könne deshalb nicht ruhen, weil das Kreuz Christi aus dem Holze desselben gemacht worden sei. (Vgl. <hi rendition="#i">Schiller, I, 21<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>) In Oberösterreich lautet die Redensart: &#x201E;Ziedárn wierán öschás Lauwá.&#x201C; (<hi rendition="#i">Baumgarten, 131.</hi>) Die Bezeichnung Esche, welche sich in der österreichischen Redensart findet, kann sich wol nur auf enge Kreise erstrecken. Bei <hi rendition="#i">Schiller</hi> a. a. O. findet sich zwar auch der Name Esche, aber als Zitteresche (Bäberesch). In Schlesien ist sie nur als Espe in den untern und als Zitterpappel in den höhern Volksklassen bekannt.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il tremble comme la feuille. (<hi rendition="#i">Lendroy, 745.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Poln.</hi>: Dr&#x017C;y jak osika. (<hi rendition="#i">Lompa, 10.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*18 Er zittert wie ein Gallertjürge.</hi> (<hi rendition="#i">Breslau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Wie eine aus Gallert gegossene Figur.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*19 Er zittert wie ein Mehlsack.</hi> (<hi rendition="#i">Nürtingen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*20 Er zittert wie ein nasser Hund.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simplic. 56.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*21 Er zittert, wie ein schweinene Sulze.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Chaos, 1034.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Asinus esuriens fustem non timet.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*22 Ich zittere, wenn die Thür aufgeht.</hi> (<hi rendition="#i">Tendlau, 755.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Es möchte ein neues Unglück gemeldet werden.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*23 Ich zittere, wie ein Backofen.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zittwer.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Zittwer un Galgan lett keine Angst vorn Harten stahn.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Bücking, 174.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein im Niedersächsischen gebräuchliches Sprichwort, das viel Unheil angestiftet hat. Die Beängstigungen <cb n="596"/>
haben verschiedene Ursachen, und wenn auch in einzelnen Fällen das Sprichwort von guter Wirkung sein mag, so ist's in den meisten Fällen desto nachtheiliger.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zitze.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Gode Morge, Tött (Zitze) wer heft dî gesage.</hi> (<hi rendition="#i">Stallupönen.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, II, 3010.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn jemand ungewaschen und ungekämmt, oder in unsaubern Kleidern zur Mahlzeit kommt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Gôden Dag, Tött, Figlin on Klarnet.</hi> (<hi rendition="#i">Königsberg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, II, 3008.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Goden Dâg, Tött, häst ok e däg grot Läpel möt?</hi> (<hi rendition="#i">Alt-Pillau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">In der Bedeutung von 1.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Ämm is 'n gôden Titt affsnäden.</hi> (<hi rendition="#i">Altmark.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Danneil, 224.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Er hat eine bedeutende Hülfe, Unterstützung verloren, es ist ihm eine Nahrungsquelle verstopft.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Aus den Zitzen mehr melken wollen, als im Euter ist.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Altmann VI, 523.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*6 Dat heast diu out eigenem Titte ni soegen.</hi> (<hi rendition="#i">Marberg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Firmenich, I, 321, 5.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Das hast du nicht aus dir selbst.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zitzenille.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Wer Zitzenille trinken will, muss drei Tage liegen still.</hi> (S.  Bier 19.) &#x2013; <hi rendition="#i">Nass. Schulbl., XIV, 5.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein sehr starkes Bier, das früher in Nauen gebraut wurde.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zitzensauger.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er ist ein Zitzensauger.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#i">Stein</hi> hat in seinem <hi rendition="#i">Peregrinus</hi> (<hi rendition="#i">Frischbier's Auszug in Monatsblätter 12, S. 191</hi>) neben dem obigen sprichwörtlichen Ausdruck zusammengestellt, welche zur Bezeichnung eines körperlichen oder Charakterfehlers gebraucht werden. Ich füge sie hier in alphabetischer Ordnung bei: Er ist ein Anbader, Bluthund, Brotdieb, Brascher, Bengel, Dreckharker, Drêkpfenig, Esel, Flegel, Filz, Garrer, Glepaug, Gluper, Gritzenzähler, Gnorrer, Gnock, Gnisk, Gnugel, Grosssprecher, Hauskater, Hausmauser, Hausotter, Hausschlingel, Hauslümmel, Hans Ungelenk, Hundsnaas, Hallunk, ein Knerps, Knusel, unnütze Kröt, Kniefurtz, Krickendt, Knoll, Knebel, ungeschliffener, ungebackener, ungesalzener Kerl, Lespler, Lauser, Lausbart, Lausjunge, Lausbund, Loddert, Lunter, Maulaff, Meerkatz, Meerganss, Ochs, Putzmännlein, Praler, Pomochel, Rekel, Rültz, Rotzlöffel, Schelwig, Schnufer, Schnöhler, Stamler, Stammerbock, Schmodbot, Soalbader, Sechsgroscher, Scharrhans, Schurke, Schindhund, Tilz.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zobel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Ein geschenkter Zobel ist besser, als zwei versprochene Hermeline.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Es wäre besser für den Zobel, er hätte kein so schönes Fell.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Havde sabel ikke saa gode skind, ingen sköttet om den. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 484.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Wenn die Zobel aussterben, geht der Buntmarkt von selbst aus.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Altmann VI, 402.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Ihr seid mir die rechten Zoberlin.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Wurzbach, II, 245.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zobelmütze.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Einem die Zobelmütze aufsetzen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Jüdisch-deutsch: Unthün a Schtramel. Es ist dies eine Zobelmütze, welche die polnischen Juden an Sabbat und Feiertagen tragen. Das Tragen eines &#x201E;Schtramel&#x201C; ist das Vorrecht der vornehmen, gebildeten Klasse. Die Redensart wird in dem Sinne angewandt: Einen zum Besten haben, zum Narren machen; ihn aufziehen, auch betrügen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zobelpelz.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Wenn der Zobelpelz nicht reicht, näht der Kürschner Fuchsschwanz dran.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Altmann VI, 475.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zobelschaub.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Zobelschaub vnd gülden kleidt wird offt gfüttert mit hertzeleidt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Waldis, I, 9, 103.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Zobten.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Der Zobten<hi rendition="#sup">1</hi> ist schön (hell, klar), man kann spazieren gehn.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Der zum Zobtengebirge (Schlesien, schweidnitzer Kreis) gehörende bekannte und weit gesehene Bergkegel. Wenn die niedrigen Höhenpunkte einen Wolkenhut tragen, ist es ein Zeichen nahen Regens. (Vgl. <hi rendition="#i">Friedrich, Niesen</hi> und <hi rendition="#i">Dove, Witterungsverhältnisse, Berlin 1842, S. 10.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Im Zota hôt's grobe Knota; im Langneundorf nunder hot's er noch mitunder; in der Ormaruh rêcha se au no zu.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schlesische Provinzialblätter, 1868, S. 127.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Zur neckhaften Charakterisirung der Bewohner einiger Ortschaften, und zwar der grossen Dörfer Zobten und
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[298]/0310] Zittern. 1 Es hilfft kein zittern für den galgen (vor's Fieber). – Henisch, 1337, 27; Mayer, II, 222. Holl.: Daar helpt geen lieve-mooderen aan. – De papegaai rammelt zijn: heruit paap. (Harrebomée, II, 159.) 2 Es hilft kein Zittern vor's Fieber, sagte der Lumpenhändler, und schlug die Laus todt. Holl.: De kleêr koopen is moorddadig over de arme luis. (Harrebomée, II, 40.) 3 Es zittert mancher, der droht. Frz.: Tel menace, qui tremble. (Cahier, 1071.) 4 Manche können wol zittern, aber nicht schlagen. 5 Wer nicht zu zittern wagt, der ist sehr furchtsam. Lat.: Is panet arta re qui non audet trepidare. – Quis metuit tremere didicit minus ille timere. (Reuterdahl, 451 u. 806.) Schwed.: Thaen aer mykith raedder som ey thorff skaelwa. (Reuterdahl, 451.) 6 Zittern hilft nicht gegen den Frost. (Wien.) 7 Zittern hilfft nicht für den Tod. – Luther's Ms., S. 2. Petri, II, 252. 8 Zittern vor'm galgen batt (schützt) vor hencken nicht. – Gruter, III, 118. 9 Zitt're nicht, zage nicht, sei nicht ungeduldig; was du nicht bezahlen kannst, bleibst du den Leuten schuldig. Moral der Leute, die leichtsinnig in den Tag hinein leben und die Sorge des Bezahlens andern überlassen. *10 Du zitterst vor ihm, als wenn du einem Elefanten Futter gibst. Holl.: Hij beeft als eene kat voor een' spiering, en als een hond voor en stuk spek. (Harrebomée, II, 288a.) *11 Er zittert schon vor der Scheide. – Parömiakon, 140. Taugt nichts zum Krieger. *12 Er zittert vor dem Krieg, wie ein nasses Kalb. Lat.: Pejor est bello, timor ipse belli. (Chaos, 1036.) *13 Er zittert, wie a Fisch in Wasser. (Warschau.) Zappelt vor Angst hin und her. *14 Er zittert, wie der Brockenberg. *15 Er zitteret wie e nasses Chalb. (S. Putzen 24). Sutermeister, 95. *16 Er zittert, wie ein Bachstelzenschwanz. – Parömiakon, 942. Der Furchtsame. *17 Er zittert, wie ein Espenlaub. – Klix, 124; Frischbier, 4177. „Ihr sêd a gelauhrter und müsst's am besten wissen, wie ma sulchen Laiten wiederkummen saul, denn ihr wart doch nich bälde zittern wie a Espenlaub.“ (Keller, 151a.) – „Zittern als ain Espin làb.“ (Hätzlerin, Liederbuch, I, 30, 44.) – Die eigenthümliche Stellung des langen, feinen, merkwürdig drehbaren Stieles des Espenblattes mit einem schmalen Fusse auf dem Holze, ist Ursache, dass es bei dem leisesten Luftzuge in Zittern geräth. (Vgl. Masius, Naturstudien, Leipzig 1851, I, 21.) Nach der Legende ist das Zittern der Blätter eine Strafe für den Hochmuth des Baumes. Als noch der Herr auf Erden wandelte, beugten sich alle Bäume vor ihm, nur die Espe nicht, wofür sie mit ewiger Unruhe, gleich dem Juden Ahasver bestraft worden ist. Die Schottländer und Schweden glauben, der Baum könne deshalb nicht ruhen, weil das Kreuz Christi aus dem Holze desselben gemacht worden sei. (Vgl. Schiller, I, 21b.) In Oberösterreich lautet die Redensart: „Ziedárn wierán öschás Lauwá.“ (Baumgarten, 131.) Die Bezeichnung Esche, welche sich in der österreichischen Redensart findet, kann sich wol nur auf enge Kreise erstrecken. Bei Schiller a. a. O. findet sich zwar auch der Name Esche, aber als Zitteresche (Bäberesch). In Schlesien ist sie nur als Espe in den untern und als Zitterpappel in den höhern Volksklassen bekannt. Frz.: Il tremble comme la feuille. (Lendroy, 745.) Poln.: Drży jak osika. (Lompa, 10.) *18 Er zittert wie ein Gallertjürge. (Breslau.) Wie eine aus Gallert gegossene Figur. *19 Er zittert wie ein Mehlsack. (Nürtingen.) *20 Er zittert wie ein nasser Hund. – Simplic. 56. *21 Er zittert, wie ein schweinene Sulze. – Chaos, 1034. Lat.: Asinus esuriens fustem non timet. *22 Ich zittere, wenn die Thür aufgeht. (Tendlau, 755.) Es möchte ein neues Unglück gemeldet werden. *23 Ich zittere, wie ein Backofen. Zittwer. Zittwer un Galgan lett keine Angst vorn Harten stahn. – Bücking, 174. Ein im Niedersächsischen gebräuchliches Sprichwort, das viel Unheil angestiftet hat. Die Beängstigungen haben verschiedene Ursachen, und wenn auch in einzelnen Fällen das Sprichwort von guter Wirkung sein mag, so ist's in den meisten Fällen desto nachtheiliger. Zitze. 1 Gode Morge, Tött (Zitze) wer heft dî gesage. (Stallupönen.) – Frischbier, II, 3010. Wenn jemand ungewaschen und ungekämmt, oder in unsaubern Kleidern zur Mahlzeit kommt. 2 Gôden Dag, Tött, Figlin on Klarnet. (Königsberg.) – Frischbier, II, 3008. 3 Goden Dâg, Tött, häst ok e däg grot Läpel möt? (Alt-Pillau.) In der Bedeutung von 1. *4 Ämm is 'n gôden Titt affsnäden. (Altmark.) – Danneil, 224. Er hat eine bedeutende Hülfe, Unterstützung verloren, es ist ihm eine Nahrungsquelle verstopft. *5 Aus den Zitzen mehr melken wollen, als im Euter ist. – Altmann VI, 523. *6 Dat heast diu out eigenem Titte ni soegen. (Marberg.) – Firmenich, I, 321, 5. Das hast du nicht aus dir selbst. Zitzenille. Wer Zitzenille trinken will, muss drei Tage liegen still. (S. Bier 19.) – Nass. Schulbl., XIV, 5. Ein sehr starkes Bier, das früher in Nauen gebraut wurde. Zitzensauger. * Er ist ein Zitzensauger. Stein hat in seinem Peregrinus (Frischbier's Auszug in Monatsblätter 12, S. 191) neben dem obigen sprichwörtlichen Ausdruck zusammengestellt, welche zur Bezeichnung eines körperlichen oder Charakterfehlers gebraucht werden. Ich füge sie hier in alphabetischer Ordnung bei: Er ist ein Anbader, Bluthund, Brotdieb, Brascher, Bengel, Dreckharker, Drêkpfenig, Esel, Flegel, Filz, Garrer, Glepaug, Gluper, Gritzenzähler, Gnorrer, Gnock, Gnisk, Gnugel, Grosssprecher, Hauskater, Hausmauser, Hausotter, Hausschlingel, Hauslümmel, Hans Ungelenk, Hundsnaas, Hallunk, ein Knerps, Knusel, unnütze Kröt, Kniefurtz, Krickendt, Knoll, Knebel, ungeschliffener, ungebackener, ungesalzener Kerl, Lespler, Lauser, Lausbart, Lausjunge, Lausbund, Loddert, Lunter, Maulaff, Meerkatz, Meerganss, Ochs, Putzmännlein, Praler, Pomochel, Rekel, Rültz, Rotzlöffel, Schelwig, Schnufer, Schnöhler, Stamler, Stammerbock, Schmodbot, Soalbader, Sechsgroscher, Scharrhans, Schurke, Schindhund, Tilz. Zobel. 1 Ein geschenkter Zobel ist besser, als zwei versprochene Hermeline. 2 Es wäre besser für den Zobel, er hätte kein so schönes Fell. Dän.: Havde sabel ikke saa gode skind, ingen sköttet om den. (Prov. dan., 484.) 3 Wenn die Zobel aussterben, geht der Buntmarkt von selbst aus. – Altmann VI, 402. *4 Ihr seid mir die rechten Zoberlin. – Wurzbach, II, 245. Zobelmütze. * Einem die Zobelmütze aufsetzen. Jüdisch-deutsch: Unthün a Schtramel. Es ist dies eine Zobelmütze, welche die polnischen Juden an Sabbat und Feiertagen tragen. Das Tragen eines „Schtramel“ ist das Vorrecht der vornehmen, gebildeten Klasse. Die Redensart wird in dem Sinne angewandt: Einen zum Besten haben, zum Narren machen; ihn aufziehen, auch betrügen. Zobelpelz. Wenn der Zobelpelz nicht reicht, näht der Kürschner Fuchsschwanz dran. – Altmann VI, 475. Zobelschaub. Zobelschaub vnd gülden kleidt wird offt gfüttert mit hertzeleidt. – Waldis, I, 9, 103. Zobten. 1 Der Zobten1 ist schön (hell, klar), man kann spazieren gehn. 1) Der zum Zobtengebirge (Schlesien, schweidnitzer Kreis) gehörende bekannte und weit gesehene Bergkegel. Wenn die niedrigen Höhenpunkte einen Wolkenhut tragen, ist es ein Zeichen nahen Regens. (Vgl. Friedrich, Niesen und Dove, Witterungsverhältnisse, Berlin 1842, S. 10.) 2 Im Zota hôt's grobe Knota; im Langneundorf nunder hot's er noch mitunder; in der Ormaruh rêcha se au no zu. – Schlesische Provinzialblätter, 1868, S. 127. Zur neckhaften Charakterisirung der Bewohner einiger Ortschaften, und zwar der grossen Dörfer Zobten und

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T09:51:52Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T09:51:52Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/310
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880, S. [298]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/310>, abgerufen am 27.11.2020.