Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880.

Bild:
<< vorherige Seite
[Spaltenumbruch]
Abkochen.

2 Zuerst wird abgekocht, dann wird ausmarschirt. (Wien.)

Wird gesagt, wenn etwas Nothwendiges vor etwas Mindernöthigem gethan werden soll.


Abkommen.

2 Das ist ein schlechtes Abkommen, sagte der Hase, als man ihm das Fell abzog. (S. Uebergang.) - Schottmüller, Ms.

3 Wer recht abkommen wil, der muss die Boltzen selbst fidern vnd schifften vnd das Armbrust stechen können. - Petri, II, 748; Henisch, 451, 22.

*4 Et öss afgekame, Speck op Kahle to brade. - Frischbier, I, 12.


Abkrageln.

* Einen abkrageln. - Schöpf, 338.

Ihm den Hals umdrehen.


Abkrängeln.

* Er ist wie abgekrängelt. (S. Abschlachten.) - Frischbier, I, 12.


Abkratzen.

Kratz ab mit Händl, und schmier dir den Arsch mit Syrup. (Breslau.)

Um zu sagen, dass sich jemand entfernen möge.


Zu Abkühlen.

Die Franzosen haben eine Redensart, welche die Abkühlung in der Hitze ironisch ausspricht, wenn sie sagen: Sich abkühlen wie Herr Imbercourt: Aller a la fraicheur de M. d'Imbercourt. Es war dies ein Soldat vom Scheitel bis zur Zehe, der sich gewöhnt hatte, alle Witterungszustände zu ertragen. So ritt er in der unerträglichsten Hitze vom Hause weg, weil er den Grundsatz aufstellte, mit dem Wesen eines Soldaten vertrage sich keine Verweichlichung. Wenn nun in Frankreich jemand in der heissesten Jahreszeit über die Strasse geht, so sagt man, er erfrische sich wie Herr von Imbercourt. (vgl. Wurzbach, II, 173.)


Abkunft.

3 Ik bün vun hoger Avkunft, min Vader hett upn Saal1 want. - Schütze, I, 53.

1) D. h. in einer Boden- oder Dachstube.


Abladen.

* Auf jemand abladen. (Nürtingen.)

Nämlich die Schuld = etwas auf einen hinaustragen.


Ablass.

6 It.: Portar indulgenza a Roma. - Menar l' orso a Modena. (Giani, 1868.)

8 Der Ablass hilfft so viel, die Seelen auss dem Fegefewer zu erlösen, als der Chrisam, die stiffel vnd schuen damit zu schmieren. - Zinkgref, IV, 73.

9 Der Ablass ist immer vergeben (ausgetheilt), wenn er kommt.

10 Wer wird uns den Ablass ertheilen, riefen die Nonnen, als der Küster fortlief und nur vier Priorinnen absolvirt hatte. - Klosterspiegel, 23, 11.

*11 Der hat Ablass nothwendig, wie die Serviten- Mönche und Nonnen. - Klosterspiegel, 58, 24.

Denen gewährte der Papst für jede Viertelstunde Gebet hundert Tage Ablass.

*12 Ohne Ablass zur Hölle fahren.

Man sollte meinen mit oder ohne Ablass wäre ziemlich gleich. Dennoch sagt Albertus Magnus, ein Dominikanermönch, der später Bischof zu Regensburg wurde, und der, da er es für damalige Zeit in der Physik sehr weit gebracht hatte, für einen Hexenmeister galt, zu einem lasterhaften Menschen, der einen grossen Ablass von Rom mit sich nach Köln gebracht: Zuvor hättet jhr können ohne Ablass zur Hölle fahren; jetzt müsst ihr mit dem Ablass darein fahren. (Einfälle.)


Ablassbrief.

Ablassbrieffe sünd Melkbrieffe. - Zinkgref, IV, 97.


Ablassen.

1 Holl.: Gij zult niet eer aflaten voor gij-op den rug terkerke gaat. (Harrebomee, I, 393b.)

2 Aflate kömmt ömmer tomat. (Königsberg.) - Frischbier, II, 16.

Im Handel gilt es auf hohe Preise zu halten, ablassen kann man stets.

*3 Lass nicht ab, taufe die Katze gut. - Eiselein, 365.


Zu Ablauern 2.

Oldenburg. (Vgl. Weserzeitung, 4097.)


Ablaufen.

3 Es ist gut abgelaufen, sagte der Mönch, als die Stadt abgebrannt war, das Kloster ist stehen geblieben. - Klosterspiegel, 73, 19.

[Spaltenumbruch] *4 Es läuft von ihm ab, wie das Wasser von der Gans. - Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953.

Ohne Wirkung.

*5 Wenn das glatt abläuft, will ich's loben.


Ablecken.

* Löck af on schöck weider. (Königsberg.) - Frischbier, II, 17.


Ablidern.

* Einen ablidern. (Nürtingen.)

D. i. durchprügeln. Vom Metzger hergenommen, der das Schaffell vor dem Abhäuten oder Abledern durch Klopfen vom Körper löset; auch herlidern.


Abmalen.

*3 Dort möcht ich nicht abgemalt hängen. - Eiselein, 207; Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953.

*4 Er kann sich abmalen lassen.


Abmarkten.

Was me abmautet ist sehr zahlt. (Luzern.)


Abmeistern.

* Euen degt afmessen. (Mecklenburg.)

Ihn derb herunterkapiteln.


Abnehmen.

6 Wo man jmmer abnimpt, vnd nit zulegt, da wird der Hauff endlich kleiner. - Petri, II, 112.


Abpassen.

* Es ist wie abgepasst. (Schles.)

Von Zeit und Gegenständen.


Abracadabra.

* Das ist eitel Abracadabra.

Zur Bezeichnung geheimnissvoll klingender, nichtssagender Worte. Ursprünglich war es eine magische Formel, die man zur Vertreibung von Krankheiten abergläubischen Leuten gegenüber anwandte.

Holl.: Het is abrakadabra. (Harrebomee, I, 9b.)


Abraham.

6 Abraham's Kinder scheuen das Eis.

Holl.: De kinderen Abrahams darven zich niet ligt op zwak ijs wagen. (Harrebomee, I, 9b.)

7 Al tojmer1 ani escharti2 ess Awrom3. (Jüdisch-deutsch. Warschau.)

1) Du sollst nicht sagen.

2) Ich habe reich gemacht; bereichert.

3) Den Abraham.

Nach 1 Mos. 14, 23 soll Abraham diese Worte gesagt haben, als er von einem Kriegszug zurückkehrte und die Kriegsbeute zurückgab. - Sinn: Ich will von dir keine Wohlthaten erfahren, keine Gefälligkeit annehmen.

8 Was hat es Abraham geschadet, dass er ein Sohn Thara's war?

Holl.: Wat heeft het Abraham geschadd, dat hij een kind van Terah was. (Harrebomee, I, 9b.)

*9 Awrähmel, wus hört sich in Krämel. (Jüdisch-deutsch. Warschau.)

Abrahämlein, was hört sich im Krämlein. Neckwort für solche, welche Abraham heissen.

*10 Den Abraham spielen.

Vortheilhafte Geschäfte mit seiner Frau machen, wie 1 Mos. 17, 11-13 von Abraham erzählt wird.

Holl.: Hij speelt Abraham metje. ( Harrebomee, I, 9b.)

*11 Dos is in Abraham's Schneppsock gespozird. (Steiermark.)

Das ist in Abraham's Schnappsack spaziert, d. h. unterschlagen worden. (S. Schnappsack.) (Firmenich, II, 786.)

*12 Er hat Abraham gesehen. - Joh. 8, 57.

Holl.: Hij heeft Abraham gezien. ( Harrebomee, IV, 170.)


Abrändeln.

Das war (prächtig) abgerändelt, als wenns beim Uhrmacher bestellt wäre. - Eselsfresser, I, 172.


Abrechicht.

* Ofs Arächt1 kommen. (Oesterr. Schles.) - Peter, 443.

Zu Grunde gehen.

1) Ich verstehe unter Abrechicht das, was abgerecht wird. (S. Abscheren.)


Abreise.

* Das ist eine polnische Abreise. (Jüd.-deutsch. Warschau.)

Dus is panski (herrschaftliche) wyjazd (Abreise). Von Vorbereitungen, die nicht enden wollen, wie vordem vor der Abreise eines polnischen Edelmanns.


Abreissen.

* Er ist abgerissen (zerlumpt) wie ein Galgenstrick. - Frischbier, I, 13.


Abriffeln.

* Wir wollen ihn schon abriffeln. - Berndt, 2.


[Spaltenumbruch]
Abkochen.

2 Zuerst wird abgekocht, dann wird ausmarschirt. (Wien.)

Wird gesagt, wenn etwas Nothwendiges vor etwas Mindernöthigem gethan werden soll.


Abkommen.

2 Das ist ein schlechtes Abkommen, sagte der Hase, als man ihm das Fell abzog. (S. Uebergang.)Schottmüller, Ms.

3 Wer recht abkommen wil, der muss die Boltzen selbst fidern vnd schifften vnd das Armbrust stechen können.Petri, II, 748; Henisch, 451, 22.

*4 Et öss afgekame, Speck op Kahle to brade.Frischbier, I, 12.


Abkrageln.

* Einen abkrageln.Schöpf, 338.

Ihm den Hals umdrehen.


Abkrängeln.

* Er ist wie abgekrängelt. (S. Abschlachten.)Frischbier, I, 12.


Abkratzen.

Kratz ab mit Händl, und schmier dir den Arsch mit Syrup. (Breslau.)

Um zu sagen, dass sich jemand entfernen möge.


Zu Abkühlen.

Die Franzosen haben eine Redensart, welche die Abkühlung in der Hitze ironisch ausspricht, wenn sie sagen: Sich abkühlen wie Herr Imbercourt: Aller à la fraicheur de M. d'Imbercourt. Es war dies ein Soldat vom Scheitel bis zur Zehe, der sich gewöhnt hatte, alle Witterungszustände zu ertragen. So ritt er in der unerträglichsten Hitze vom Hause weg, weil er den Grundsatz aufstellte, mit dem Wesen eines Soldaten vertrage sich keine Verweichlichung. Wenn nun in Frankreich jemand in der heissesten Jahreszeit über die Strasse geht, so sagt man, er erfrische sich wie Herr von Imbercourt. (vgl. Wurzbach, II, 173.)


Abkunft.

3 Ik bün vun hoger Avkunft, min Vader hett upn Saal1 wânt.Schütze, I, 53.

1) D. h. in einer Boden- oder Dachstube.


Abladen.

* Auf jemand abladen. (Nürtingen.)

Nämlich die Schuld = etwas auf einen hinaustragen.


Ablass.

6 It.: Portar indulgenza a Roma. – Menar l' orso a Modena. (Giani, 1868.)

8 Der Ablass hilfft so viel, die Seelen auss dem Fegefewer zu erlösen, als der Chrisam, die stiffel vnd schuen damit zu schmieren.Zinkgref, IV, 73.

9 Der Ablass ist immer vergeben (ausgetheilt), wenn er kommt.

10 Wer wird uns den Ablass ertheilen, riefen die Nonnen, als der Küster fortlief und nur vier Priorinnen absolvirt hatte.Klosterspiegel, 23, 11.

*11 Der hat Ablass nothwendig, wie die Serviten- Mönche und Nonnen.Klosterspiegel, 58, 24.

Denen gewährte der Papst für jede Viertelstunde Gebet hundert Tage Ablass.

*12 Ohne Ablass zur Hölle fahren.

Man sollte meinen mit oder ohne Ablass wäre ziemlich gleich. Dennoch sagt Albertus Magnus, ein Dominikanermönch, der später Bischof zu Regensburg wurde, und der, da er es für damalige Zeit in der Physik sehr weit gebracht hatte, für einen Hexenmeister galt, zu einem lasterhaften Menschen, der einen grossen Ablass von Rom mit sich nach Köln gebracht: Zuvor hättet jhr können ohne Ablass zur Hölle fahren; jetzt müsst ihr mit dem Ablass darein fahren. (Einfälle.)


Ablassbrief.

Ablassbrieffe sünd Melkbrieffe.Zinkgref, IV, 97.


Ablassen.

1 Holl.: Gij zult niet eer aflaten voor gij-op den rug terkerke gaat. (Harrebomée, I, 393b.)

2 Aflâte kömmt ömmer tomât. (Königsberg.) – Frischbier, II, 16.

Im Handel gilt es auf hohe Preise zu halten, ablassen kann man stets.

*3 Lass nicht ab, taufe die Katze gut.Eiselein, 365.


Zu Ablauern 2.

Oldenburg. (Vgl. Weserzeitung, 4097.)


Ablaufen.

3 Es ist gut abgelaufen, sagte der Mönch, als die Stadt abgebrannt war, das Kloster ist stehen geblieben.Klosterspiegel, 73, 19.

[Spaltenumbruch] *4 Es läuft von ihm ab, wie das Wasser von der Gans.Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953.

Ohne Wirkung.

*5 Wenn das glatt abläuft, will ich's loben.


Ablecken.

* Löck af on schöck wîder. (Königsberg.) – Frischbier, II, 17.


Ablidern.

* Einen ablidern. (Nürtingen.)

D. i. durchprügeln. Vom Metzger hergenommen, der das Schaffell vor dem Abhäuten oder Abledern durch Klopfen vom Körper löset; auch herlidern.


Abmalen.

*3 Dort möcht ich nicht abgemalt hängen.Eiselein, 207; Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953.

*4 Er kann sich abmalen lassen.


Abmarkten.

Was me abmautet ist sehr zahlt. (Luzern.)


Abmeistern.

* Euen degt afmessen. (Mecklenburg.)

Ihn derb herunterkapiteln.


Abnehmen.

6 Wo man jmmer abnimpt, vnd nit zulegt, da wird der Hauff endlich kleiner.Petri, II, 112.


Abpassen.

* Es ist wie abgepasst. (Schles.)

Von Zeit und Gegenständen.


Abracadabra.

* Das ist eitel Abracadabra.

Zur Bezeichnung geheimnissvoll klingender, nichtssagender Worte. Ursprünglich war es eine magische Formel, die man zur Vertreibung von Krankheiten abergläubischen Leuten gegenüber anwandte.

Holl.: Het is abrakadabra. (Harrebomée, I, 9b.)


Abraham.

6 Abraham's Kinder scheuen das Eis.

Holl.: De kinderen Abrahams darven zich niet ligt op zwak ijs wagen. (Harrebomée, I, 9b.)

7 Al tojmer1 ani escharti2 ess Awrom3. (Jüdisch-deutsch. Warschau.)

1) Du sollst nicht sagen.

2) Ich habe reich gemacht; bereichert.

3) Den Abraham.

Nach 1 Mos. 14, 23 soll Abraham diese Worte gesagt haben, als er von einem Kriegszug zurückkehrte und die Kriegsbeute zurückgab. – Sinn: Ich will von dir keine Wohlthaten erfahren, keine Gefälligkeit annehmen.

8 Was hat es Abraham geschadet, dass er ein Sohn Thara's war?

Holl.: Wat heeft het Abraham geschadd, dat hij een kind van Terah was. (Harrebomée, I, 9b.)

*9 Awrähmel, wus hört sich in Krämel. (Jüdisch-deutsch. Warschau.)

Abrahämlein, was hört sich im Krämlein. Neckwort für solche, welche Abraham heissen.

*10 Den Abraham spielen.

Vortheilhafte Geschäfte mit seiner Frau machen, wie 1 Mos. 17, 11-13 von Abraham erzählt wird.

Holl.: Hij speelt Abraham metje. ( Harrebomée, I, 9b.)

*11 Dos is in Abraham's Schneppsock gespozird. (Steiermark.)

Das ist in Abraham's Schnappsack spaziert, d. h. unterschlagen worden. (S. Schnappsack.) (Firmenich, II, 786.)

*12 Er hat Abraham gesehen.Joh. 8, 57.

Holl.: Hij heeft Abraham gezien. ( Harrebomée, IV, 170.)


Abrändeln.

Das war (prächtig) abgerändelt, als wenns beim Uhrmacher bestellt wäre.Eselsfresser, I, 172.


Abrechicht.

* Ofs Ârächt1 kommen. (Oesterr. Schles.) – Peter, 443.

Zu Grunde gehen.

1) Ich verstehe unter Abrechicht das, was abgerecht wird. (S. Abscheren.)


Abreise.

* Das ist eine polnische Abreise. (Jüd.-deutsch. Warschau.)

Dus is pański (herrschaftliche) wyjazd (Abreise). Von Vorbereitungen, die nicht enden wollen, wie vordem vor der Abreise eines polnischen Edelmanns.


Abreissen.

* Er ist abgerissen (zerlumpt) wie ein Galgenstrick.Frischbier, I, 13.


Abriffeln.

* Wir wollen ihn schon abriffeln.Berndt, 2.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <pb facs="#f0361" n="[349]"/>
          <cb n="697"/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abkochen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Zuerst wird abgekocht, dann wird ausmarschirt.</hi> (<hi rendition="#i">Wien.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Wird gesagt, wenn etwas Nothwendiges vor etwas Mindernöthigem gethan werden soll.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abkommen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Das ist ein schlechtes Abkommen, sagte der Hase, als man ihm das Fell abzog. (S.  Uebergang.)</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schottmüller, Ms.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Wer recht abkommen wil, der muss die Boltzen selbst fidern vnd schifften vnd das Armbrust stechen können.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 748; Henisch, 451, 22.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Et öss afgekame, Speck op Kahle to brade.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, I, 12.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abkrageln.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Einen abkrageln.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schöpf, 338.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ihm den Hals umdrehen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abkrängeln.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Er ist wie abgekrängelt. (S.  Abschlachten.)</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, I, 12.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abkratzen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Kratz ab mit Händl, und schmier dir den Arsch mit Syrup.</hi> (<hi rendition="#i">Breslau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Um zu sagen, dass sich jemand entfernen möge.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head>Zu Abkühlen.</head>
          <p rendition="#et">Die Franzosen haben eine Redensart, welche die Abkühlung in der Hitze ironisch ausspricht, wenn sie sagen: Sich abkühlen wie Herr Imbercourt: Aller à la fraicheur de M. d'Imbercourt. Es war dies ein Soldat vom Scheitel bis zur Zehe, der sich gewöhnt hatte, alle Witterungszustände zu ertragen. So ritt er in der unerträglichsten Hitze vom Hause weg, weil er den Grundsatz aufstellte, mit dem Wesen eines Soldaten vertrage sich keine Verweichlichung. Wenn nun in Frankreich jemand in der heissesten Jahreszeit über die Strasse geht, so sagt man, er erfrische sich wie Herr von Imbercourt. (vgl. <hi rendition="#i">Wurzbach, II, 173.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abkunft.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Ik bün vun hoger Avkunft, min Vader hett upn Saal<hi rendition="#sup">1</hi> wânt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schütze, I, 53.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) D. h. in einer Boden- oder Dachstube.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abladen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Auf jemand abladen.</hi> (<hi rendition="#i">Nürtingen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Nämlich die Schuld = etwas auf einen hinaustragen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ablass.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et2">6 <hi rendition="#i">It.</hi>: Portar indulgenza a Roma. &#x2013; Menar l' orso a Modena. (<hi rendition="#i">Giani, 1868.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">8 Der Ablass hilfft so viel, die Seelen auss dem Fegefewer zu erlösen, als der Chrisam, die stiffel vnd schuen damit zu schmieren.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Zinkgref, IV, 73.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Der Ablass ist immer vergeben (ausgetheilt), wenn er kommt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">10 Wer wird uns den Ablass ertheilen, riefen die Nonnen, als der Küster fortlief und nur vier Priorinnen absolvirt hatte.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klosterspiegel, 23, 11.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*11 Der hat Ablass nothwendig, wie die Serviten- Mönche und Nonnen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klosterspiegel, 58, 24.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Denen gewährte der Papst für jede Viertelstunde Gebet hundert Tage Ablass.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*12 Ohne Ablass zur Hölle fahren.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Man sollte meinen mit oder ohne Ablass wäre ziemlich gleich. Dennoch sagt Albertus Magnus, ein Dominikanermönch, der später Bischof zu Regensburg wurde, und der, da er es für damalige Zeit in der Physik sehr weit gebracht hatte, für einen Hexenmeister galt, zu einem lasterhaften Menschen, der einen grossen Ablass von Rom mit sich nach Köln gebracht: Zuvor hättet jhr können ohne Ablass zur Hölle fahren; jetzt müsst ihr mit dem Ablass darein fahren. (<hi rendition="#i">Einfälle.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ablassbrief.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Ablassbrieffe sünd Melkbrieffe.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Zinkgref, IV, 97.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ablassen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et2">1 <hi rendition="#i">Holl.</hi>: Gij zult niet eer aflaten voor gij-op den rug terkerke gaat. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 393<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Aflâte kömmt ömmer tomât.</hi> (<hi rendition="#i">Königsberg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, II, 16.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Im Handel gilt es auf hohe Preise zu halten, ablassen kann man stets.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Lass nicht ab, taufe die Katze gut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 365.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head>Zu Ablauern 2.</head>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#i">Oldenburg.</hi> (Vgl. <hi rendition="#i">Weserzeitung, 4097.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ablaufen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Es ist gut abgelaufen, sagte der Mönch, als die Stadt abgebrannt war, das Kloster ist stehen geblieben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klosterspiegel, 73, 19.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><cb n="698"/>
*4 Es läuft von ihm ab, wie das Wasser von der Gans.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ohne Wirkung.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*5 Wenn das glatt abläuft, will ich's loben.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ablecken.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Löck af on schöck wîder.</hi> (<hi rendition="#i">Königsberg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, II, 17.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ablidern.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Einen ablidern.</hi> (<hi rendition="#i">Nürtingen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">D. i. durchprügeln. Vom Metzger hergenommen, der das Schaffell vor dem Abhäuten oder Abledern durch Klopfen vom Körper löset; auch herlidern.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abmalen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Dort möcht ich nicht abgemalt hängen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 207; Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*4 Er kann sich abmalen lassen.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abmarkten.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Was me abmautet ist sehr zahlt.</hi> (<hi rendition="#i">Luzern.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abmeistern.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Euen degt afmessen.</hi> (<hi rendition="#i">Mecklenburg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Ihn derb herunterkapiteln.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abnehmen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Wo man jmmer abnimpt, vnd nit zulegt, da wird der Hauff endlich kleiner.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 112.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abpassen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Es ist wie abgepasst.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Von Zeit und Gegenständen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abracadabra.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Das ist eitel Abracadabra.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Zur Bezeichnung geheimnissvoll klingender, nichtssagender Worte. Ursprünglich war es eine magische Formel, die man zur Vertreibung von Krankheiten abergläubischen Leuten gegenüber anwandte.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het is abrakadabra. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 9<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abraham.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">6 Abraham's Kinder scheuen das Eis.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: De kinderen Abrahams darven zich niet ligt op zwak ijs wagen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 9<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Al tojmer<hi rendition="#sup">1</hi> ani escharti<hi rendition="#sup">2</hi> ess Awrom<hi rendition="#sup">3</hi>.</hi> (<hi rendition="#i">Jüdisch-deutsch. Warschau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Du sollst nicht sagen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">2</hi>) Ich habe reich gemacht; bereichert.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">3</hi>) Den Abraham.</p><lb/>
          <p rendition="#et">Nach 1 <hi rendition="#i">Mos.</hi> 14, 23 soll Abraham diese Worte gesagt haben, als er von einem Kriegszug zurückkehrte und die Kriegsbeute zurückgab. &#x2013; Sinn: Ich will von dir keine Wohlthaten erfahren, keine Gefälligkeit annehmen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Was hat es Abraham geschadet, dass er ein Sohn Thara's war?</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Wat heeft het Abraham geschadd, dat hij een kind van Terah was. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 9<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*9 Awrähmel, wus hört sich in Krämel.</hi> (<hi rendition="#i">Jüdisch-deutsch. Warschau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Abrahämlein, was hört sich im Krämlein. Neckwort für solche, welche Abraham heissen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*10 Den Abraham spielen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Vortheilhafte Geschäfte mit seiner Frau machen, wie 1 <hi rendition="#i">Mos.</hi> 17, 11-13 von Abraham erzählt wird.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Hij speelt Abraham metje. ( <hi rendition="#i">Harrebomée, I, 9<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*11 Dos is in Abraham's Schneppsock gespozird.</hi> (<hi rendition="#i">Steiermark.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Das ist in Abraham's Schnappsack spaziert, d. h. unterschlagen worden. (S.  Schnappsack.) (<hi rendition="#i">Firmenich, II, 786.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*12 Er hat Abraham gesehen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Joh. 8, 57.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Hij heeft Abraham gezien. ( <hi rendition="#i">Harrebomée, IV, 170.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abrändeln.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Das war (prächtig) abgerändelt, als wenns beim Uhrmacher bestellt wäre.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eselsfresser, I, 172.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abrechicht.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Ofs Ârächt<hi rendition="#sup">1</hi> kommen.</hi> (<hi rendition="#i">Oesterr. Schles.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Peter, 443.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Zu Grunde gehen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Ich verstehe unter Abrechicht das, was abgerecht wird. (S.  Abscheren.)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abreise.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Das ist eine polnische Abreise.</hi> (<hi rendition="#i">Jüd.-deutsch. Warschau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Dus is pa&#x0144;ski (herrschaftliche) wyjazd (Abreise). Von Vorbereitungen, die nicht enden wollen, wie vordem vor der Abreise eines polnischen Edelmanns.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abreissen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Er ist abgerissen (zerlumpt) wie ein Galgenstrick.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Frischbier, I, 13.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Abriffeln.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Wir wollen ihn schon abriffeln.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Berndt, 2.</hi></p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[349]/0361] Abkochen. 2 Zuerst wird abgekocht, dann wird ausmarschirt. (Wien.) Wird gesagt, wenn etwas Nothwendiges vor etwas Mindernöthigem gethan werden soll. Abkommen. 2 Das ist ein schlechtes Abkommen, sagte der Hase, als man ihm das Fell abzog. (S. Uebergang.) – Schottmüller, Ms. 3 Wer recht abkommen wil, der muss die Boltzen selbst fidern vnd schifften vnd das Armbrust stechen können. – Petri, II, 748; Henisch, 451, 22. *4 Et öss afgekame, Speck op Kahle to brade. – Frischbier, I, 12. Abkrageln. * Einen abkrageln. – Schöpf, 338. Ihm den Hals umdrehen. Abkrängeln. * Er ist wie abgekrängelt. (S. Abschlachten.) – Frischbier, I, 12. Abkratzen. Kratz ab mit Händl, und schmier dir den Arsch mit Syrup. (Breslau.) Um zu sagen, dass sich jemand entfernen möge. Zu Abkühlen. Die Franzosen haben eine Redensart, welche die Abkühlung in der Hitze ironisch ausspricht, wenn sie sagen: Sich abkühlen wie Herr Imbercourt: Aller à la fraicheur de M. d'Imbercourt. Es war dies ein Soldat vom Scheitel bis zur Zehe, der sich gewöhnt hatte, alle Witterungszustände zu ertragen. So ritt er in der unerträglichsten Hitze vom Hause weg, weil er den Grundsatz aufstellte, mit dem Wesen eines Soldaten vertrage sich keine Verweichlichung. Wenn nun in Frankreich jemand in der heissesten Jahreszeit über die Strasse geht, so sagt man, er erfrische sich wie Herr von Imbercourt. (vgl. Wurzbach, II, 173.) Abkunft. 3 Ik bün vun hoger Avkunft, min Vader hett upn Saal1 wânt. – Schütze, I, 53. 1) D. h. in einer Boden- oder Dachstube. Abladen. * Auf jemand abladen. (Nürtingen.) Nämlich die Schuld = etwas auf einen hinaustragen. Ablass. 6 It.: Portar indulgenza a Roma. – Menar l' orso a Modena. (Giani, 1868.) 8 Der Ablass hilfft so viel, die Seelen auss dem Fegefewer zu erlösen, als der Chrisam, die stiffel vnd schuen damit zu schmieren. – Zinkgref, IV, 73. 9 Der Ablass ist immer vergeben (ausgetheilt), wenn er kommt. 10 Wer wird uns den Ablass ertheilen, riefen die Nonnen, als der Küster fortlief und nur vier Priorinnen absolvirt hatte. – Klosterspiegel, 23, 11. *11 Der hat Ablass nothwendig, wie die Serviten- Mönche und Nonnen. – Klosterspiegel, 58, 24. Denen gewährte der Papst für jede Viertelstunde Gebet hundert Tage Ablass. *12 Ohne Ablass zur Hölle fahren. Man sollte meinen mit oder ohne Ablass wäre ziemlich gleich. Dennoch sagt Albertus Magnus, ein Dominikanermönch, der später Bischof zu Regensburg wurde, und der, da er es für damalige Zeit in der Physik sehr weit gebracht hatte, für einen Hexenmeister galt, zu einem lasterhaften Menschen, der einen grossen Ablass von Rom mit sich nach Köln gebracht: Zuvor hättet jhr können ohne Ablass zur Hölle fahren; jetzt müsst ihr mit dem Ablass darein fahren. (Einfälle.) Ablassbrief. Ablassbrieffe sünd Melkbrieffe. – Zinkgref, IV, 97. Ablassen. 1 Holl.: Gij zult niet eer aflaten voor gij-op den rug terkerke gaat. (Harrebomée, I, 393b.) 2 Aflâte kömmt ömmer tomât. (Königsberg.) – Frischbier, II, 16. Im Handel gilt es auf hohe Preise zu halten, ablassen kann man stets. *3 Lass nicht ab, taufe die Katze gut. – Eiselein, 365. Zu Ablauern 2. Oldenburg. (Vgl. Weserzeitung, 4097.) Ablaufen. 3 Es ist gut abgelaufen, sagte der Mönch, als die Stadt abgebrannt war, das Kloster ist stehen geblieben. – Klosterspiegel, 73, 19. *4 Es läuft von ihm ab, wie das Wasser von der Gans. – Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953. Ohne Wirkung. *5 Wenn das glatt abläuft, will ich's loben. Ablecken. * Löck af on schöck wîder. (Königsberg.) – Frischbier, II, 17. Ablidern. * Einen ablidern. (Nürtingen.) D. i. durchprügeln. Vom Metzger hergenommen, der das Schaffell vor dem Abhäuten oder Abledern durch Klopfen vom Körper löset; auch herlidern. Abmalen. *3 Dort möcht ich nicht abgemalt hängen. – Eiselein, 207; Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953. *4 Er kann sich abmalen lassen. Abmarkten. Was me abmautet ist sehr zahlt. (Luzern.) Abmeistern. * Euen degt afmessen. (Mecklenburg.) Ihn derb herunterkapiteln. Abnehmen. 6 Wo man jmmer abnimpt, vnd nit zulegt, da wird der Hauff endlich kleiner. – Petri, II, 112. Abpassen. * Es ist wie abgepasst. (Schles.) Von Zeit und Gegenständen. Abracadabra. * Das ist eitel Abracadabra. Zur Bezeichnung geheimnissvoll klingender, nichtssagender Worte. Ursprünglich war es eine magische Formel, die man zur Vertreibung von Krankheiten abergläubischen Leuten gegenüber anwandte. Holl.: Het is abrakadabra. (Harrebomée, I, 9b.) Abraham. 6 Abraham's Kinder scheuen das Eis. Holl.: De kinderen Abrahams darven zich niet ligt op zwak ijs wagen. (Harrebomée, I, 9b.) 7 Al tojmer1 ani escharti2 ess Awrom3. (Jüdisch-deutsch. Warschau.) 1) Du sollst nicht sagen. 2) Ich habe reich gemacht; bereichert. 3) Den Abraham. Nach 1 Mos. 14, 23 soll Abraham diese Worte gesagt haben, als er von einem Kriegszug zurückkehrte und die Kriegsbeute zurückgab. – Sinn: Ich will von dir keine Wohlthaten erfahren, keine Gefälligkeit annehmen. 8 Was hat es Abraham geschadet, dass er ein Sohn Thara's war? Holl.: Wat heeft het Abraham geschadd, dat hij een kind van Terah was. (Harrebomée, I, 9b.) *9 Awrähmel, wus hört sich in Krämel. (Jüdisch-deutsch. Warschau.) Abrahämlein, was hört sich im Krämlein. Neckwort für solche, welche Abraham heissen. *10 Den Abraham spielen. Vortheilhafte Geschäfte mit seiner Frau machen, wie 1 Mos. 17, 11-13 von Abraham erzählt wird. Holl.: Hij speelt Abraham metje. ( Harrebomée, I, 9b.) *11 Dos is in Abraham's Schneppsock gespozird. (Steiermark.) Das ist in Abraham's Schnappsack spaziert, d. h. unterschlagen worden. (S. Schnappsack.) (Firmenich, II, 786.) *12 Er hat Abraham gesehen. – Joh. 8, 57. Holl.: Hij heeft Abraham gezien. ( Harrebomée, IV, 170.) Abrändeln. Das war (prächtig) abgerändelt, als wenns beim Uhrmacher bestellt wäre. – Eselsfresser, I, 172. Abrechicht. * Ofs Ârächt1 kommen. (Oesterr. Schles.) – Peter, 443. Zu Grunde gehen. 1) Ich verstehe unter Abrechicht das, was abgerecht wird. (S. Abscheren.) Abreise. * Das ist eine polnische Abreise. (Jüd.-deutsch. Warschau.) Dus is pański (herrschaftliche) wyjazd (Abreise). Von Vorbereitungen, die nicht enden wollen, wie vordem vor der Abreise eines polnischen Edelmanns. Abreissen. * Er ist abgerissen (zerlumpt) wie ein Galgenstrick. – Frischbier, I, 13. Abriffeln. * Wir wollen ihn schon abriffeln. – Berndt, 2.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T09:51:52Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T09:51:52Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/361
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880, S. [349]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/361>, abgerufen am 21.10.2020.