Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] 2 Wenn's windig ist an Weihnachtstagen, sollen die Bäume viel Früchte tragen. - Boebel, 68.


Weihnachtsstriezel.

Es ist guter Weihnachtsstriezel aus fremdem Mehl zu backen.

Engl.: It is good to cry yule at other men's costs. (Bohn II, 122.)

It.: Le feste son belle a casa d'altri. (Bohn II, 122.)


Weihrauch.

1 Der beste Weihrauch kommt von den ältesten Bäumen. - Winckler, V, 5.

Holl.: De beste wierook komt van de oudste boomen. (Harrebomee, II, 458a.)

2 Mein Weihrauch riecht nicht einmal, sagte der Bauer, als er Dünger fuhr.

3 Nicht aller Weihrauch zieht in Eine Nase.

4 Vom Weihrauch thut dem Teufel der Kopf wehe. - Sailer, 130.

5 Was Weihrauch, sagte der Bauer, wenn er verraucht ist, hat man nichts davon.

Lat.: Stultus ait vir thus non est nisi fumea virtus. (Reuterdahl, 971.)

Schwed.: Flather man sigher jak fik aenkte aff rökilsith wtan röken. (Reuterdahl, 971.)

6 Weihrauch und Gebet sind gut, aber kraftlos ohne Glut. - Harms, 14.

7 Wenn der Weihrauch zu Ende, nimmt man Mehl zur Spende.

8 Wenn zu viel Weihrauch in die Nase kommt, so wird der Kopf schwindelig.

9 Wer keinen Weihrauch hat, räuchert mit Wachholderbeeren.

Lat.: Mola salsa litant, qui thura non habent. (Gaal, 979.)

10 Wer Weihrauch streut ei'm grössern (höhern) Mann, dem niemals (selten) man vertrauen kann.

11 Zu viel Weihrauch beleidigt die Nase.

*12 Der Weihrauch ist ihm zu Kopfe gestiegen.

Glück und Huldigungen haben ihm den Kopf verdreht.

Jüd.-deutsch: Den is aach das Ketoores (Räucherwerk) schon gestiege. (Tendlau, 263.)

*13 Er möchte ihn wol ersticken in Weihrauch.

Wenn jemand so gelobt wird, dass es nahe Beleidigung ist.

Frz.: Il lui a donne de l'encensoir par le nez. (Lendroy, 656.)

*14 Er recht (riecht) no Weirauch. (Siebenbürg.-sächs.) - Frommann, V, 37, 91.

Er ist Katholik.

*15 Jemand Weihrauch streuen.

Plumpe, übertriebene Lobsprüche ertheilen.

Frz.: Donner l'encensoir par le nez.

Holl.: Iemand wierook toezwaaijen. (Harrebomee, II, 458a.)


Weihrauchdampf.

Blosser Weihrauchdampf lässt nichts zurück als Hunger und Magenkrampf.


Weihrauchfass.

* Er hat ins Weihrauchfass geblasen.

Ist in der Kirche, zur Vesper gewesen.

Frz.: Il a este a vespres, il a souffle en l'encensoir. (Leroux, I, 36.)


Weihwasser.

1 Hab nicht vil acht auff vil weihwassers in dem kessel, auff vil Vigily vnd Seelmess oder auff gross Marmelstein vber dejnem grab, sondern auff das andechtig gebet. - Wachter.

2 Mit Weihwasser giesst man nicht, man sprengt nur.

Frz.: De leaue beniste le petit est assez. - Etre asperge deaue beniste. (Bovill, III, 176-177.)

Lat.: Aqua aspergi benedicta. - Sacrae aquae mininum satis. (Bovill, III, 176-177.)

3 Mit Weihwasser haben die Priester leicht zahlen.

4 Wä et Weiwater hät, süjent sech tu ersch. - Röttsches, 123.

5 Weihwasser geht den Mönchen nicht aus.

Frz.: D'eau benite le moine suffit. (Leroux, I, 17.)

*6 Das ist Weihwasser vom Viehhofe.

Holl.: Het is wijwater van den hove. (Harrebomee, II, 467a.)

*7 Das Weihwasser weiter aussprengen.

"Jedoch genug hiervon, denn ich muss das Weihwasser weiter aussprengen." (Mathesy, Postille, LVa.)

[Spaltenumbruch] *8 Wir wollen dir noch das Weihwasser übers Grab tragen. - Eiselein, 256.

Frz.: Un livre sert d'eau benite aux morts.

*9 Wir wollen ihm das Weihwasser geben.

"Sprengt an, wir wollen jhnen das Weyhwasser geben." (Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 480.)

Frz.: J'y ai porte l'eau beniste.


Weihwedel.

* Am End muass ma dem gar mit'n Weihwoa'l und mit'n Rauchfassel entgegengehen. (Niederösterreich.)


Weile.

1 Es werth ein weil, es krait einmal zu zeiten. - Hock, 27.

2 Es wird eine Weile viel Wasser in den Rhein hinablaufen.

3 In kurzen Weilen kann man kein gross Gut ereilen.

4 Lass dir der weil, jagt dich doch nyemandt. - Franck, I, 49b; Lehmann, II, 370, 18.

5 Lass dir der weil, zeit bringt rath. - Franck, I, 50a; Körte, 6613.

"Varro (I, 2) führt als altes Sprichwort an: Romanus sulendo vincit, wol in Bezug auf Fabius Cunctator, den Sieger über Hannibal."

6 'S ist älles no a Weili schin. (Ulm.)

7 Stehst du eine Weile, du verlierst eine Meile.

Holl.: Sta maar eene wijl, gij verliest eene mijl. (Harrebomee, II, 468b.)

8 Wart a Wili, harr' a Wili und siz a Wili nider, und wenn du erst gesessen bist, so komm' und sag' mir's wider. - Kirchhofer.

9 Wir sind nicht für die lange Weile hier.

Um unsere Zeit unnütz zu verlieren.

Frz.: Nous ne sommes pas ici pour rien, pour enfiler des perles.

*10 Das hat gute Weile.

*11 Man wird sein auf eine Weile vergessen.

Es kam im Mittelalter vor, dass man eine Person auf unbestimmte Zeit zum Gefängniss verurtheilte, oder, wie meistens der Ausdruck lautete: "auf des Rathes Gnade in einen Thurm gehen liess". Ein solches Strafurtheil wurde zuweilen in die Worte gefasst, man solle einen einsperren und "sein auf eine Weile vergessen". (Vgl. G. L. Kriegk, Deutsches Bürgerthum im Mittelalter, Frankfurt a. M. 1862.)


Wein.

1 Abgelegener Wein macht ungelegene Köpfe.

2 Allezeit Wein oder Wasser trinken ist nicht lustig. - Froschm., BVI.

3 Allkant Wein ist mein Latein, wirfft den Bawren vber die Zäun vnd stosst die Burger an die Schienbein. - Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 56.

4 Alte wein seynd mildt vnd geschlacht. - Lehmann, 9, 59 u. 870, 14.

"Also alle verständige Leut gehen behutsamb."

5 Alte Weine sind klar vnd hel. - Petri, II, 12.

6 Alte Weine werden zehe vnd verschlagen sich. - Petri, II, 12.

7 Altem Wein gehört kein neuer Kranz. - Simrock, 11417; Körte, 6629.

8 Alten Wein zum trinken, altes Holz zum brennen und alte Bücher zum lesen sind stets beliebt gewesen.

Alfons V. von Aragonien, seit 1442 auch König von Neapel, sagte: "Unter so viel irdischen Dingen, nach denen die Menschen trachten, gibt es nichts Vorzüglicheres als altes Holz, um sich zu wärmen, und alten Wein, um ihn in Gesellschaft alter Freunde und alter Bücher zu trinken. Alles Uebrige ist Tand."

9 Alter Wein behält den Preis; alter Wein verjüngt den Greis; alter Wein gibt Kraft und Heil; junger Wein macht toll und geil.

Anders schaut der Dichter folgender Verse an: "Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken; drum mag der junge Wein für euch ihr Alten sein. Der Jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken, drum muss der alte Wein für die Jünglinge sein." (Witzfunken, IVa, 85.)

It.: Pan d'un di, vin d' un anno, formaggio che pianga, minestra di cent' occhj. (Gaal, 1694.)

Lat.: Vinum subtile facit in sene cor juvenile, sed vinum vile reddit juvenile senile. (Gaal, 1694.)

[Spaltenumbruch] 2 Wenn's windig ist an Weihnachtstagen, sollen die Bäume viel Früchte tragen.Boebel, 68.


Weihnachtsstriezel.

Es ist guter Weihnachtsstriezel aus fremdem Mehl zu backen.

Engl.: It is good to cry yule at other men's costs. (Bohn II, 122.)

It.: Le feste son belle a casa d'altri. (Bohn II, 122.)


Weihrauch.

1 Der beste Weihrauch kommt von den ältesten Bäumen.Winckler, V, 5.

Holl.: De beste wierook komt van de oudste boomen. (Harrebomée, II, 458a.)

2 Mein Weihrauch riecht nicht einmal, sagte der Bauer, als er Dünger fuhr.

3 Nicht aller Weihrauch zieht in Eine Nase.

4 Vom Weihrauch thut dem Teufel der Kopf wehe.Sailer, 130.

5 Was Weihrauch, sagte der Bauer, wenn er verraucht ist, hat man nichts davon.

Lat.: Stultus ait vir thus non est nisi fumea virtus. (Reuterdahl, 971.)

Schwed.: Flather man sigher jak fik aenkte aff rökilsith wtan röken. (Reuterdahl, 971.)

6 Weihrauch und Gebet sind gut, aber kraftlos ohne Glut.Harms, 14.

7 Wenn der Weihrauch zu Ende, nimmt man Mehl zur Spende.

8 Wenn zu viel Weihrauch in die Nase kommt, so wird der Kopf schwindelig.

9 Wer keinen Weihrauch hat, räuchert mit Wachholderbeeren.

Lat.: Mola salsa litant, qui thura non habent. (Gaal, 979.)

10 Wer Weihrauch streut ei'm grössern (höhern) Mann, dem niemals (selten) man vertrauen kann.

11 Zu viel Weihrauch beleidigt die Nase.

*12 Der Weihrauch ist ihm zu Kopfe gestiegen.

Glück und Huldigungen haben ihm den Kopf verdreht.

Jüd.-deutsch: Den is aach das Ketoores (Räucherwerk) schon gestiege. (Tendlau, 263.)

*13 Er möchte ihn wol ersticken in Weihrauch.

Wenn jemand so gelobt wird, dass es nahe Beleidigung ist.

Frz.: Il lui a donné de l'encensoir par le nez. (Lendroy, 656.)

*14 Er recht (riecht) nô Weirûch. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 37, 91.

Er ist Katholik.

*15 Jemand Weihrauch streuen.

Plumpe, übertriebene Lobsprüche ertheilen.

Frz.: Donner l'encensoir par le nez.

Holl.: Iemand wierook toezwaaijen. (Harrebomée, II, 458a.)


Weihrauchdampf.

Blosser Weihrauchdampf lässt nichts zurück als Hunger und Magenkrampf.


Weihrauchfass.

* Er hat ins Weihrauchfass geblasen.

Ist in der Kirche, zur Vesper gewesen.

Frz.: Il a esté à vespres, il a soufflé en l'encensoir. (Leroux, I, 36.)


Weihwasser.

1 Hab nicht vil acht auff vil weihwassers in dem kessel, auff vil Vigily vnd Seelmess oder auff gross Marmelstein vber dejnem grab, sondern auff das andechtig gebet.Wachter.

2 Mit Weihwasser giesst man nicht, man sprengt nur.

Frz.: De leaue beniste le petit est assez. – Être asperge deaue beniste. (Bovill, III, 176-177.)

Lat.: Aqua aspergi benedicta. – Sacrae aquae mininum satis. (Bovill, III, 176-177.)

3 Mit Weihwasser haben die Priester leicht zahlen.

4 Wä et Wéiwater hät, süjent sech tu ersch.Röttsches, 123.

5 Weihwasser geht den Mönchen nicht aus.

Frz.: D'eau bénite le moine suffit. (Leroux, I, 17.)

*6 Das ist Weihwasser vom Viehhofe.

Holl.: Het is wijwater van den hove. (Harrebomée, II, 467a.)

*7 Das Weihwasser weiter aussprengen.

„Jedoch genug hiervon, denn ich muss das Weihwasser weiter aussprengen.“ (Mathesy, Postille, LVa.)

[Spaltenumbruch] *8 Wir wollen dir noch das Weihwasser übers Grab tragen.Eiselein, 256.

Frz.: Un livre sert d'eau bénite aux morts.

*9 Wir wollen ihm das Weihwasser geben.

„Sprengt an, wir wollen jhnen das Weyhwasser geben.“ (Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 480.)

Frz.: J'y ai porté l'eau béniste.


Weihwedel.

* Am End muass ma dem gar mit'n Weihwoa'l und mit'n Rauchfassel entgegengehen. (Niederösterreich.)


Weile.

1 Es werth ein weil, es krait einmal zu zeiten.Hock, 27.

2 Es wird eine Weile viel Wasser in den Rhein hinablaufen.

3 In kurzen Weilen kann man kein gross Gut ereilen.

4 Lass dir der weil, jagt dich doch nyemandt.Franck, I, 49b; Lehmann, II, 370, 18.

5 Lass dir der weil, zeit bringt rath.Franck, I, 50a; Körte, 6613.

Varro (I, 2) führt als altes Sprichwort an: Romanus sulendo vincit, wol in Bezug auf Fabius Cunctator, den Sieger über Hannibal.“

6 'S ist älles no a Weili schin. (Ulm.)

7 Stehst du eine Weile, du verlierst eine Meile.

Holl.: Sta maar eene wijl, gij verliest eene mijl. (Harrebomée, II, 468b.)

8 Wart a Wili, harr' a Wili und siz a Wili nider, und wenn du erst gesessen bist, so komm' und sag' mir's wider.Kirchhofer.

9 Wir sind nicht für die lange Weile hier.

Um unsere Zeit unnütz zu verlieren.

Frz.: Nous ne sommes pas ici pour rien, pour enfiler des perles.

*10 Das hat gute Weile.

*11 Man wird sein auf eine Weile vergessen.

Es kam im Mittelalter vor, dass man eine Person auf unbestimmte Zeit zum Gefängniss verurtheilte, oder, wie meistens der Ausdruck lautete: „auf des Rathes Gnade in einen Thurm gehen liess“. Ein solches Strafurtheil wurde zuweilen in die Worte gefasst, man solle einen einsperren und „sein auf eine Weile vergessen“. (Vgl. G. L. Kriegk, Deutsches Bürgerthum im Mittelalter, Frankfurt a. M. 1862.)


Wein.

1 Abgelegener Wein macht ungelegene Köpfe.

2 Allezeit Wein oder Wasser trinken ist nicht lustig.Froschm., BVI.

3 Allkant Wein ist mein Latein, wirfft den Bawren vber die Zäun vnd stosst die Burger an die Schienbein.Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 56.

4 Alte wein seynd mildt vnd geschlacht.Lehmann, 9, 59 u. 870, 14.

„Also alle verständige Leut gehen behutsamb.“

5 Alte Weine sind klar vnd hel.Petri, II, 12.

6 Alte Weine werden zehe vnd verschlagen sich.Petri, II, 12.

7 Altem Wein gehört kein neuer Kranz.Simrock, 11417; Körte, 6629.

8 Alten Wein zum trinken, altes Holz zum brennen und alte Bücher zum lesen sind stets beliebt gewesen.

Alfons V. von Aragonien, seit 1442 auch König von Neapel, sagte: „Unter so viel irdischen Dingen, nach denen die Menschen trachten, gibt es nichts Vorzüglicheres als altes Holz, um sich zu wärmen, und alten Wein, um ihn in Gesellschaft alter Freunde und alter Bücher zu trinken. Alles Uebrige ist Tand.“

9 Alter Wein behält den Preis; alter Wein verjüngt den Greis; alter Wein gibt Kraft und Heil; junger Wein macht toll und geil.

Anders schaut der Dichter folgender Verse an: „Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken; drum mag der junge Wein für euch ihr Alten sein. Der Jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken, drum muss der alte Wein für die Jünglinge sein.“ (Witzfunken, IVa, 85.)

It.: Pan d'un dì, vin d' un anno, formaggio che pianga, minestra di cent' occhj. (Gaal, 1694.)

Lat.: Vinum subtile facit in sene cor juvenile, sed vinum vile reddit juvenile senile. (Gaal, 1694.)

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><pb facs="#f0055" n="[43]"/><cb n="85"/>
2 Wenn's windig ist an Weihnachtstagen, sollen die Bäume viel Früchte tragen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Boebel, 68.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Weihnachtsstriezel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Es ist guter Weihnachtsstriezel aus fremdem Mehl zu backen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: It is good to cry yule at other men's costs. (<hi rendition="#i">Bohn II, 122.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Le feste son belle a casa d'altri. (<hi rendition="#i">Bohn II, 122.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Weihrauch.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Der beste Weihrauch kommt von den ältesten Bäumen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Winckler, V, 5.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: De beste wierook komt van de oudste boomen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 458<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Mein Weihrauch riecht nicht einmal, sagte der Bauer, als er Dünger fuhr.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Nicht aller Weihrauch zieht in Eine Nase.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Vom Weihrauch thut dem Teufel der Kopf wehe.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sailer, 130.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Was Weihrauch, sagte der Bauer, wenn er verraucht ist, hat man nichts davon.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Stultus ait vir thus non est nisi fumea virtus. (<hi rendition="#i">Reuterdahl, 971.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: Flather man sigher jak fik aenkte aff rökilsith wtan röken. (<hi rendition="#i">Reuterdahl, 971.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Weihrauch und Gebet sind gut, aber kraftlos ohne Glut.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Harms, 14.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">7 Wenn der Weihrauch zu Ende, nimmt man Mehl zur Spende.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Wenn zu viel Weihrauch in die Nase kommt, so wird der Kopf schwindelig.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Wer keinen Weihrauch hat, räuchert mit Wachholderbeeren.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Mola salsa litant, qui thura non habent. (<hi rendition="#i">Gaal, 979.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">10 Wer Weihrauch streut ei'm grössern (höhern) Mann, dem niemals (selten) man vertrauen kann.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">11 Zu viel Weihrauch beleidigt die Nase.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*12 Der Weihrauch ist ihm zu Kopfe gestiegen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Glück und Huldigungen haben ihm den Kopf verdreht.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Jüd.-deutsch</hi>: Den is aach das Ketoores (Räucherwerk) schon gestiege. (<hi rendition="#i">Tendlau, 263.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*13 Er möchte ihn wol ersticken in Weihrauch.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn jemand so gelobt wird, dass es nahe Beleidigung ist.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il lui a donné de l'encensoir par le nez. (<hi rendition="#i">Lendroy, 656.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*14 Er recht (riecht) nô Weirûch.</hi> (<hi rendition="#i">Siebenbürg.-sächs.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 37, 91.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Er ist Katholik.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*15 Jemand Weihrauch streuen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Plumpe, übertriebene Lobsprüche ertheilen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Donner l'encensoir par le nez.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Iemand wierook toezwaaijen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 458<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Weihrauchdampf.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Blosser Weihrauchdampf lässt nichts zurück als Hunger und Magenkrampf.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Weihrauchfass.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er hat ins Weihrauchfass geblasen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Ist in der Kirche, zur Vesper gewesen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il a esté à vespres, il a soufflé en l'encensoir. (<hi rendition="#i">Leroux, I, 36.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Weihwasser.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Hab nicht vil acht auff vil weihwassers in dem kessel, auff vil Vigily vnd Seelmess oder auff gross Marmelstein vber dejnem grab, sondern auff das andechtig gebet.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Wachter.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Mit Weihwasser giesst man nicht, man sprengt nur.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: De leaue beniste le petit est assez. &#x2013; Être asperge deaue beniste. (<hi rendition="#i">Bovill, III, 176-177.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Aqua aspergi benedicta. &#x2013; Sacrae aquae mininum satis. (<hi rendition="#i">Bovill, III, 176-177.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Mit Weihwasser haben die Priester leicht zahlen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Wä et Wéiwater hät, süjent sech tu ersch.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Röttsches, 123.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Weihwasser geht den Mönchen nicht aus.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: D'eau bénite le moine suffit. (<hi rendition="#i">Leroux, I, 17.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*6 Das ist Weihwasser vom Viehhofe.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het is wijwater van den hove. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 467<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*7 Das Weihwasser weiter aussprengen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Jedoch genug hiervon, denn ich muss das Weihwasser weiter aussprengen.&#x201C; (<hi rendition="#i">Mathesy, Postille, LV<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><cb n="86"/>
*8 Wir wollen dir noch das Weihwasser übers Grab tragen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 256.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Un livre sert d'eau bénite aux morts.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*9 Wir wollen ihm das Weihwasser geben.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Sprengt an, wir wollen jhnen das Weyhwasser geben.&#x201C; (<hi rendition="#i">Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 480.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: J'y ai porté l'eau béniste.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Weihwedel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Am End muass ma dem gar mit'n Weihwoa'l und mit'n Rauchfassel entgegengehen.</hi> (<hi rendition="#i">Niederösterreich.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Weile.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Es werth ein weil, es krait einmal zu zeiten.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Hock, 27.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Es wird eine Weile viel Wasser in den Rhein hinablaufen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 In kurzen Weilen kann man kein gross Gut ereilen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Lass dir der weil, jagt dich doch nyemandt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Franck, I, 49<hi rendition="#sup">b</hi>; Lehmann, II, 370, 18.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Lass dir der weil, zeit bringt rath.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Franck, I, 50<hi rendition="#sup">a</hi>; Körte, 6613.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;<hi rendition="#i">Varro (I, 2)</hi> führt als altes Sprichwort an: Romanus sulendo vincit, wol in Bezug auf Fabius Cunctator, den Sieger über Hannibal.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 'S ist älles no a Weili schin.</hi> (<hi rendition="#i">Ulm.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">7 Stehst du eine Weile, du verlierst eine Meile.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Sta maar eene wijl, gij verliest eene mijl. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 468<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">8 Wart a Wili, harr' a Wili und siz a Wili nider, und wenn du erst gesessen bist, so komm' und sag' mir's wider.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Kirchhofer.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Wir sind nicht für die lange Weile hier.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Um unsere Zeit unnütz zu verlieren.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Nous ne sommes pas ici pour rien, pour enfiler des perles.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*10 Das hat gute Weile.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*11 Man wird sein auf eine Weile vergessen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Es kam im Mittelalter vor, dass man eine Person auf unbestimmte Zeit zum Gefängniss verurtheilte, oder, wie meistens der Ausdruck lautete: &#x201E;auf des Rathes Gnade in einen Thurm gehen liess&#x201C;. Ein solches Strafurtheil wurde zuweilen in die Worte gefasst, man solle einen einsperren und &#x201E;sein auf eine Weile vergessen&#x201C;. (Vgl. <hi rendition="#i">G. L. Kriegk, Deutsches Bürgerthum im Mittelalter, Frankfurt a. M. 1862.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Wein.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Abgelegener Wein macht ungelegene Köpfe.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Allezeit Wein oder Wasser trinken ist nicht lustig.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Froschm., BVI.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Allkant Wein ist mein Latein, wirfft den Bawren vber die Zäun vnd stosst die Burger an die Schienbein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 56.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Alte wein seynd mildt vnd geschlacht.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 9, 59 u. 870, 14.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Also alle verständige Leut gehen behutsamb.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Alte Weine sind klar vnd hel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 12.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Alte Weine werden zehe vnd verschlagen sich.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 12.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Altem Wein gehört kein neuer Kranz.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 11417; Körte, 6629.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Alten Wein zum trinken, altes Holz zum brennen und alte Bücher zum lesen sind stets beliebt gewesen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Alfons V. von Aragonien, seit 1442 auch König von Neapel, sagte: &#x201E;Unter so viel irdischen Dingen, nach denen die Menschen trachten, gibt es nichts Vorzüglicheres als altes Holz, um sich zu wärmen, und alten Wein, um ihn in Gesellschaft alter Freunde und alter Bücher zu trinken. Alles Uebrige ist Tand.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Alter Wein behält den Preis; alter Wein verjüngt den Greis; alter Wein gibt Kraft und Heil; junger Wein macht toll und geil.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Anders schaut der Dichter folgender Verse an: &#x201E;Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken; drum mag der junge Wein für euch ihr Alten sein. Der Jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken, drum muss der alte Wein für die Jünglinge sein.&#x201C; (<hi rendition="#i">Witzfunken, IV<hi rendition="#sup">a</hi>, 85.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Pan d'un dì, vin d' un anno, formaggio che pianga, minestra di cent' occhj. (<hi rendition="#i">Gaal, 1694.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Vinum subtile facit in sene cor juvenile, sed vinum vile reddit juvenile senile. (<hi rendition="#i">Gaal, 1694.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[43]/0055] 2 Wenn's windig ist an Weihnachtstagen, sollen die Bäume viel Früchte tragen. – Boebel, 68. Weihnachtsstriezel. Es ist guter Weihnachtsstriezel aus fremdem Mehl zu backen. Engl.: It is good to cry yule at other men's costs. (Bohn II, 122.) It.: Le feste son belle a casa d'altri. (Bohn II, 122.) Weihrauch. 1 Der beste Weihrauch kommt von den ältesten Bäumen. – Winckler, V, 5. Holl.: De beste wierook komt van de oudste boomen. (Harrebomée, II, 458a.) 2 Mein Weihrauch riecht nicht einmal, sagte der Bauer, als er Dünger fuhr. 3 Nicht aller Weihrauch zieht in Eine Nase. 4 Vom Weihrauch thut dem Teufel der Kopf wehe. – Sailer, 130. 5 Was Weihrauch, sagte der Bauer, wenn er verraucht ist, hat man nichts davon. Lat.: Stultus ait vir thus non est nisi fumea virtus. (Reuterdahl, 971.) Schwed.: Flather man sigher jak fik aenkte aff rökilsith wtan röken. (Reuterdahl, 971.) 6 Weihrauch und Gebet sind gut, aber kraftlos ohne Glut. – Harms, 14. 7 Wenn der Weihrauch zu Ende, nimmt man Mehl zur Spende. 8 Wenn zu viel Weihrauch in die Nase kommt, so wird der Kopf schwindelig. 9 Wer keinen Weihrauch hat, räuchert mit Wachholderbeeren. Lat.: Mola salsa litant, qui thura non habent. (Gaal, 979.) 10 Wer Weihrauch streut ei'm grössern (höhern) Mann, dem niemals (selten) man vertrauen kann. 11 Zu viel Weihrauch beleidigt die Nase. *12 Der Weihrauch ist ihm zu Kopfe gestiegen. Glück und Huldigungen haben ihm den Kopf verdreht. Jüd.-deutsch: Den is aach das Ketoores (Räucherwerk) schon gestiege. (Tendlau, 263.) *13 Er möchte ihn wol ersticken in Weihrauch. Wenn jemand so gelobt wird, dass es nahe Beleidigung ist. Frz.: Il lui a donné de l'encensoir par le nez. (Lendroy, 656.) *14 Er recht (riecht) nô Weirûch. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 37, 91. Er ist Katholik. *15 Jemand Weihrauch streuen. Plumpe, übertriebene Lobsprüche ertheilen. Frz.: Donner l'encensoir par le nez. Holl.: Iemand wierook toezwaaijen. (Harrebomée, II, 458a.) Weihrauchdampf. Blosser Weihrauchdampf lässt nichts zurück als Hunger und Magenkrampf. Weihrauchfass. * Er hat ins Weihrauchfass geblasen. Ist in der Kirche, zur Vesper gewesen. Frz.: Il a esté à vespres, il a soufflé en l'encensoir. (Leroux, I, 36.) Weihwasser. 1 Hab nicht vil acht auff vil weihwassers in dem kessel, auff vil Vigily vnd Seelmess oder auff gross Marmelstein vber dejnem grab, sondern auff das andechtig gebet. – Wachter. 2 Mit Weihwasser giesst man nicht, man sprengt nur. Frz.: De leaue beniste le petit est assez. – Être asperge deaue beniste. (Bovill, III, 176-177.) Lat.: Aqua aspergi benedicta. – Sacrae aquae mininum satis. (Bovill, III, 176-177.) 3 Mit Weihwasser haben die Priester leicht zahlen. 4 Wä et Wéiwater hät, süjent sech tu ersch. – Röttsches, 123. 5 Weihwasser geht den Mönchen nicht aus. Frz.: D'eau bénite le moine suffit. (Leroux, I, 17.) *6 Das ist Weihwasser vom Viehhofe. Holl.: Het is wijwater van den hove. (Harrebomée, II, 467a.) *7 Das Weihwasser weiter aussprengen. „Jedoch genug hiervon, denn ich muss das Weihwasser weiter aussprengen.“ (Mathesy, Postille, LVa.) *8 Wir wollen dir noch das Weihwasser übers Grab tragen. – Eiselein, 256. Frz.: Un livre sert d'eau bénite aux morts. *9 Wir wollen ihm das Weihwasser geben. „Sprengt an, wir wollen jhnen das Weyhwasser geben.“ (Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 480.) Frz.: J'y ai porté l'eau béniste. Weihwedel. * Am End muass ma dem gar mit'n Weihwoa'l und mit'n Rauchfassel entgegengehen. (Niederösterreich.) Weile. 1 Es werth ein weil, es krait einmal zu zeiten. – Hock, 27. 2 Es wird eine Weile viel Wasser in den Rhein hinablaufen. 3 In kurzen Weilen kann man kein gross Gut ereilen. 4 Lass dir der weil, jagt dich doch nyemandt. – Franck, I, 49b; Lehmann, II, 370, 18. 5 Lass dir der weil, zeit bringt rath. – Franck, I, 50a; Körte, 6613. „Varro (I, 2) führt als altes Sprichwort an: Romanus sulendo vincit, wol in Bezug auf Fabius Cunctator, den Sieger über Hannibal.“ 6 'S ist älles no a Weili schin. (Ulm.) 7 Stehst du eine Weile, du verlierst eine Meile. Holl.: Sta maar eene wijl, gij verliest eene mijl. (Harrebomée, II, 468b.) 8 Wart a Wili, harr' a Wili und siz a Wili nider, und wenn du erst gesessen bist, so komm' und sag' mir's wider. – Kirchhofer. 9 Wir sind nicht für die lange Weile hier. Um unsere Zeit unnütz zu verlieren. Frz.: Nous ne sommes pas ici pour rien, pour enfiler des perles. *10 Das hat gute Weile. *11 Man wird sein auf eine Weile vergessen. Es kam im Mittelalter vor, dass man eine Person auf unbestimmte Zeit zum Gefängniss verurtheilte, oder, wie meistens der Ausdruck lautete: „auf des Rathes Gnade in einen Thurm gehen liess“. Ein solches Strafurtheil wurde zuweilen in die Worte gefasst, man solle einen einsperren und „sein auf eine Weile vergessen“. (Vgl. G. L. Kriegk, Deutsches Bürgerthum im Mittelalter, Frankfurt a. M. 1862.) Wein. 1 Abgelegener Wein macht ungelegene Köpfe. 2 Allezeit Wein oder Wasser trinken ist nicht lustig. – Froschm., BVI. 3 Allkant Wein ist mein Latein, wirfft den Bawren vber die Zäun vnd stosst die Burger an die Schienbein. – Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 56. 4 Alte wein seynd mildt vnd geschlacht. – Lehmann, 9, 59 u. 870, 14. „Also alle verständige Leut gehen behutsamb.“ 5 Alte Weine sind klar vnd hel. – Petri, II, 12. 6 Alte Weine werden zehe vnd verschlagen sich. – Petri, II, 12. 7 Altem Wein gehört kein neuer Kranz. – Simrock, 11417; Körte, 6629. 8 Alten Wein zum trinken, altes Holz zum brennen und alte Bücher zum lesen sind stets beliebt gewesen. Alfons V. von Aragonien, seit 1442 auch König von Neapel, sagte: „Unter so viel irdischen Dingen, nach denen die Menschen trachten, gibt es nichts Vorzüglicheres als altes Holz, um sich zu wärmen, und alten Wein, um ihn in Gesellschaft alter Freunde und alter Bücher zu trinken. Alles Uebrige ist Tand.“ 9 Alter Wein behält den Preis; alter Wein verjüngt den Greis; alter Wein gibt Kraft und Heil; junger Wein macht toll und geil. Anders schaut der Dichter folgender Verse an: „Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken; drum mag der junge Wein für euch ihr Alten sein. Der Jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken, drum muss der alte Wein für die Jünglinge sein.“ (Witzfunken, IVa, 85.) It.: Pan d'un dì, vin d' un anno, formaggio che pianga, minestra di cent' occhj. (Gaal, 1694.) Lat.: Vinum subtile facit in sene cor juvenile, sed vinum vile reddit juvenile senile. (Gaal, 1694.)

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T09:51:52Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T09:51:52Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/55
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880, S. [43]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/55>, abgerufen am 28.10.2020.