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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880.

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[Spaltenumbruch] *727 Er hat noch ein Glas alten Wein (von 1811).

Lat.: Calcatam qui tenet billis socialibus uvam. (Philippi, I, 68.)

*728 Er hat sehr bösen Wein getrunken. - Gotthelf, Käserei, 177.

*729 Er ist seins weins so milt, als sanct Leonhart seines eisens; der gibt keinem, man stele es jm denn. (S. Geben 250.) - Franck, II, 112a; Egenolff, 105b.

*730 Er kann keinen Wein leiden; wo er ihn antrifft, vertilgt er ihn.

Er ist ein solcher Feind desselben, dass er ihn verschlingt und in seinen Leib vergräbt. (Wirth, I, 576.)

*731 Er kühlt Wein im Glühofen. - Sailer, 300.

Vom thörichten Arbeiter, der auch den Schnee im Ofen dörrt, das Meer ausbrennt, einen Felsen auf ein Rohr gründet, seine Festungen in die Luft baut, dem Wolf das gefressene Schaf abjagt u. dgl.

*732 Er lasst gern wein auss ander leut vassen. - Franck, II, 100b; Eiselein, 637.

Der Freigebige auf fremde Kosten.

*733 Er schenkt Wein, der bis an die Knie durchs Wasser gegangen ist.

*734 Er schütt de Wii au nid i d' Schue. - Sutermeister, 63.

*735 Er trinkt den Wein wie 's Bier.

*736 Er trinkt viel lieber Wein denn Wasser, und hätt's der Papst geweiht. - Eiselein, 637.

*737 Er trinkt Wein und kann kein Bier bezahlen.

In Aegypten sagt man von jemand, der etwas thut, was andere thun sollten, obgleich er wegen seiner Eigenschaften oder Verhältnisse grade am wenigsten Ursache dazu hat: "Sie hat einen breiten Mund und trinkt doch die Melukhija." Es ist dies ein Küchenkraut, das mit Fleisch zu einer dicken Suppe gekocht und mit Löffeln oder so genossen wird, dass man Brot hineintaucht. Selten aber trinkt man diese dicke Suppe, am wenigsten aber wird das von einer Frau geschehen, die einen breiten Mund hat, weil dann so leicht etwas vorbeifliesst. (Burckhardt, 470.)

*738 Er wil den Wein im heissen Ofen kühlen. - Eyering, II, 459 u. 466.

*739 Er will Wein von mir haben, und ich habe nicht einmal Wasser.

Die Russen: Kwas verlangst du? Ich habe nur Meth. Meth verlangst du? Ich habe nicht einmal Kwas. (Altmann VI, 388.)

*740 Er zieht Wein, wie die Sonne Wasser.

*741 Es ist alter guter Wein.

Lat.: Horis consecratum. (Faselius, 108; Wiegand, 1088.)

*742 Es ist aschauer Wein. (Oberösterreich.)

Der um Aschach an der Donau gebaute Wein steht dort in dem Rufe, wie in Schlesien und dessen Nachbarschaft der grünberger; er wird auch wie dieser Dreimännerwein genannt. (S. Gesellschaftswein.)

*743 Es ist ein böser Wein, der noch in den Adern brennt.

*744 Es ist heunischer Wein. - Frommann, I, 257.

Nach Wackernagel in Haupt's Zeitschrift (VI, 267) und nach Benecke-Müller (unter hiunisch) hunnischer, ungarischer Wein. Doch scheint es bei einigen Schriftstellern schlechthin für sauer, trüb zu stehen. Bei Rosenplüt heisst es: "Dye schencken all sawrn hewnischen wein", und: "Noch schencken sye im keinen hewneschen weyn." Lochner erklärt es mit "unangenehm, unschmackhaft, sauer" und führt noch eine Stelle aus H. Sachs (Geschwätzige Rockenstube, 1589, Bl. 340a) an: "Mich dunkt, es sey fern in die Nacht, mein Mann möcht werden vngeschlacht, er ist heint wol gewest so heunisch, so wunderlich vnd wetterleunisch." Dieser Ausdruck findet sich auch in einem, den meisten Handschriften des nürnberger Malefizbuches vorangestellten und auch einigen Chroniken dieser Stadt einverleibten Gedichte auf das Lochgefängniss unter dem Rathhause daselbst (vgl. Waldau, Neue Beiträge, I, 432), nämlich in der Stelle, wo es von dem Verbrecher heisst: "Sechs Staffel hoch hat er hinein (nämlich in die Folterkammer), da schenckt man eitel heunisch Wein." Die Mehrzahl der spätern Abschriften hat dies ihnen fremd gewordene heunisch in heynisch, heydnisch, heuffich u. a. verwandelt. Der Sinn desselben stimmt aber auch in diesem Zusammenhange mit den obigen Stellen bei Rosenplüt und H. Sachs zusammen. (Vgl. Frommann, II, 256.)

*745 Es ist wie ein Tropfen Wein für einen durstigen Hals.

Holl.: Dat is zooveel als een roemer wijn voor een nathals. (Harrebomee, II, 461a.)

[Spaltenumbruch] *746 Es ist stummer Wein.

So hiess im Mittelalter der gefälschte Wein, weil er keinen Anspruch hat auf Auge, Zunge und Herz. Die gefälschten Weine wurden damals unter grossem Volkszulauf auf dem Schinderkarren nach dem nächsten Flusse oder Teiche geschafft und dort den Fässern unter dem Jubel der zuschauenden Menge der Boden eingeschlagen. Auf den Fässern steckte ein rothes Fähnlein mit der Aufschrift: "Stummer Wein"; vor den Fässern aber ging der Stöcker, des Henkers nächster Vetter, und liess durch einen gewaltigen Schlag mit einem schweren Hammer auf das Fass die trübe Brühe ins Wasser laufen.

*747 Es war guter Wein, aber nun ist der Kranz hineingenommen.

Es ging uns einmal gut, aber nun ist's vorbei.

Böhm.: Bylo nam dobre, jen ze tomu davno; es bude zasedocka-meli se. (Skola, 149.)

*748 Es wird ihm kein Wein erfrieren. - Körte, 6654a.

*749 Ich will jhnen den Wein schencken. - Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 273.

*750 Jemand reinen Wein einschenken (vorsetzen, auftischen).

Ihn mit der wahren Beschaffenheit der Sache bekannt machen.

*751 Lichtenbrunner (oder kaltenbrunner) Wein trinken.

Scherzhafte Umschreibung für Wasser.

*752 Mein Wein läuft trübe.

Ich lebe in drückenden Verhältnissen.

*753 Raffelsteiner Wein. (Steiermark.)

Scherzhaft für Wasser.

*754 Sauerer Wein in einem schönen Fasse.

Lat.: Gladius plumbeus in eburnea vagina. (Froberg, 331; Philippi, I, 169.)

*755 Sawren Wein aussruffen. - Franck, II, 90a.

*756 Schimmliger Wein in einem schönen Fass.

*757 Schmuziger Wein in einer elenden Flasche.

*758 Sein Wein ist von Wasserburg. - Parömiakon, 401.

Wohl mit Wasser ausgestattet.

*759 Sein Wein ist zu Essig geworden. - Parömiakon, 2834.

Von getäuschten Hoffnungen.

*760 Sich des Weins enthalten.

Lat.: Cereri sacrificant. (Philippi, I, 79.)

*761 Sie giessen den Wein wol auch nicht in die Schuhe.

*762 Sie han des Weins getrunken, dass ihnen die Zungen sunken.

*763 Voll süssen Weines sein. - Apostelgesch. 2, 13.

*764 Wein ausbieten und Essig verkaufen.

Span.: Pregonan vino, y venden vinagre. (Cahier, 3761.)

*765 Wein durch ein stinkend Rohr oder Gefäss giessen. - Luther's Tischr., 186.

Wenn z. B. ein unsittlicher Prediger oder Lehrer Moral verkündet.

*766 Wein im heissen Ofen kühlen. - Schottel, 1115a.

*767 Wein tragen und Wasser saufen wie Bileam's Esel.

Holl.: Hij gelijkt Bileams ezel, die wijn draagt, en niet dan water drinkt. (Harrebomee, II, 462a.)

*768 Wein trinken, dass die Zungen hinken. - Eiselein, 605.

*769 Wein und Bier aus Einem Fasse zapfen.

Die Russen zapfen Meth und Bier. (Altmann VI, 515.)


Weinbeere.

1 Aus sauern Weinbeeren kommt kein guter Most. - Parömiakon, 3103.

2 De Weinjmere sen wol sess, zemol ouss de Nober seijem Wäinjert. (Siebenbürg.-sächs.) - Schuster, 285.

3 Mit Weinbeeren lockt man Vögel.

In Abessinien sagt man: Wenn nicht der Reis die Gefangenen verlockte, entginge mancher von ihnen der Gefangenschaft. (Altmann II.)

4 Weinbeere und Weiber gehören zusammen.

*5 Er gleicht den runtzleten weinbeern. - Eyering, I, 50.


Weinbeerlein.

* Es ist ein Weinberl. (Niederösterreich.)

Wird von jemand gesagt, der sich einzuschmeicheln versteht.


Weinbeerthee.

* Er liebt den Weinbeerlthee. (Oesterr.)

Scherzhaft für Wein.


[Spaltenumbruch] *727 Er hat noch ein Glas alten Wein (von 1811).

Lat.: Calcatam qui tenet billis socialibus uvam. (Philippi, I, 68.)

*728 Er hat sehr bösen Wein getrunken.Gotthelf, Käserei, 177.

*729 Er ist seins weins so milt, als sanct Leonhart seines eisens; der gibt keinem, man stele es jm denn. (S. Geben 250.) – Franck, II, 112a; Egenolff, 105b.

*730 Er kann keinen Wein leiden; wo er ihn antrifft, vertilgt er ihn.

Er ist ein solcher Feind desselben, dass er ihn verschlingt und in seinen Leib vergräbt. (Wirth, I, 576.)

*731 Er kühlt Wein im Glühofen.Sailer, 300.

Vom thörichten Arbeiter, der auch den Schnee im Ofen dörrt, das Meer ausbrennt, einen Felsen auf ein Rohr gründet, seine Festungen in die Luft baut, dem Wolf das gefressene Schaf abjagt u. dgl.

*732 Er lasst gern wein auss ander leut vassen.Franck, II, 100b; Eiselein, 637.

Der Freigebige auf fremde Kosten.

*733 Er schenkt Wein, der bis an die Knie durchs Wasser gegangen ist.

*734 Er schütt de Wii au nid i d' Schue.Sutermeister, 63.

*735 Er trinkt den Wein wie 's Bier.

*736 Er trinkt viel lieber Wein denn Wasser, und hätt's der Papst geweiht.Eiselein, 637.

*737 Er trinkt Wein und kann kein Bier bezahlen.

In Aegypten sagt man von jemand, der etwas thut, was andere thun sollten, obgleich er wegen seiner Eigenschaften oder Verhältnisse grade am wenigsten Ursache dazu hat: „Sie hat einen breiten Mund und trinkt doch die Melukhija.“ Es ist dies ein Küchenkraut, das mit Fleisch zu einer dicken Suppe gekocht und mit Löffeln oder so genossen wird, dass man Brot hineintaucht. Selten aber trinkt man diese dicke Suppe, am wenigsten aber wird das von einer Frau geschehen, die einen breiten Mund hat, weil dann so leicht etwas vorbeifliesst. (Burckhardt, 470.)

*738 Er wil den Wein im heissen Ofen kühlen.Eyering, II, 459 u. 466.

*739 Er will Wein von mir haben, und ich habe nicht einmal Wasser.

Die Russen: Kwas verlangst du? Ich habe nur Meth. Meth verlangst du? Ich habe nicht einmal Kwas. (Altmann VI, 388.)

*740 Er zieht Wein, wie die Sonne Wasser.

*741 Es ist alter guter Wein.

Lat.: Horis consecratum. (Faselius, 108; Wiegand, 1088.)

*742 Es ist aschauer Wein. (Oberösterreich.)

Der um Aschach an der Donau gebaute Wein steht dort in dem Rufe, wie in Schlesien und dessen Nachbarschaft der grünberger; er wird auch wie dieser Dreimännerwein genannt. (S. Gesellschaftswein.)

*743 Es ist ein böser Wein, der noch in den Adern brennt.

*744 Es ist heunischer Wein.Frommann, I, 257.

Nach Wackernagel in Haupt's Zeitschrift (VI, 267) und nach Benecke-Müller (unter hiunisch) hunnischer, ungarischer Wein. Doch scheint es bei einigen Schriftstellern schlechthin für sauer, trüb zu stehen. Bei Rosenplüt heisst es: „Dye schencken all sawrn hewnischen wein“, und: „Noch schencken sye im keinen hewneschen weyn.“ Lochner erklärt es mit „unangenehm, unschmackhaft, sauer“ und führt noch eine Stelle aus H. Sachs (Geschwätzige Rockenstube, 1589, Bl. 340a) an: „Mich dunkt, es sey fern in die Nacht, mein Mann möcht werden vngeschlacht, er ist heint wol gewest so heunisch, so wunderlich vnd wetterleunisch.“ Dieser Ausdruck findet sich auch in einem, den meisten Handschriften des nürnberger Malefizbuches vorangestellten und auch einigen Chroniken dieser Stadt einverleibten Gedichte auf das Lochgefängniss unter dem Rathhause daselbst (vgl. Waldau, Neue Beiträge, I, 432), nämlich in der Stelle, wo es von dem Verbrecher heisst: „Sechs Staffel hoch hat er hinein (nämlich in die Folterkammer), da schenckt man eitel heunisch Wein.“ Die Mehrzahl der spätern Abschriften hat dies ihnen fremd gewordene heunisch in heynisch, heydnisch, heuffich u. a. verwandelt. Der Sinn desselben stimmt aber auch in diesem Zusammenhange mit den obigen Stellen bei Rosenplüt und H. Sachs zusammen. (Vgl. Frommann, II, 256.)

*745 Es ist wie ein Tropfen Wein für einen durstigen Hals.

Holl.: Dat is zooveel als een roemer wijn voor een nathals. (Harrebomée, II, 461a.)

[Spaltenumbruch] *746 Es ist stummer Wein.

So hiess im Mittelalter der gefälschte Wein, weil er keinen Anspruch hat auf Auge, Zunge und Herz. Die gefälschten Weine wurden damals unter grossem Volkszulauf auf dem Schinderkarren nach dem nächsten Flusse oder Teiche geschafft und dort den Fässern unter dem Jubel der zuschauenden Menge der Boden eingeschlagen. Auf den Fässern steckte ein rothes Fähnlein mit der Aufschrift: „Stummer Wein“; vor den Fässern aber ging der Stöcker, des Henkers nächster Vetter, und liess durch einen gewaltigen Schlag mit einem schweren Hammer auf das Fass die trübe Brühe ins Wasser laufen.

*747 Es war guter Wein, aber nun ist der Kranz hineingenommen.

Es ging uns einmal gut, aber nun ist's vorbei.

Böhm.: Bylo nám dobře, jen že tomu dávno; es bude zasedočka-meli se. (Skola, 149.)

*748 Es wird ihm kein Wein erfrieren.Körte, 6654a.

*749 Ich will jhnen den Wein schencken.Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 273.

*750 Jemand reinen Wein einschenken (vorsetzen, auftischen).

Ihn mit der wahren Beschaffenheit der Sache bekannt machen.

*751 Lichtenbrunner (oder kaltenbrunner) Wein trinken.

Scherzhafte Umschreibung für Wasser.

*752 Mein Wein läuft trübe.

Ich lebe in drückenden Verhältnissen.

*753 Raffelsteiner Wein. (Steiermark.)

Scherzhaft für Wasser.

*754 Sauerer Wein in einem schönen Fasse.

Lat.: Gladius plumbeus in eburnea vagina. (Froberg, 331; Philippi, I, 169.)

*755 Sawren Wein aussruffen.Franck, II, 90a.

*756 Schimmliger Wein in einem schönen Fass.

*757 Schmuziger Wein in einer elenden Flasche.

*758 Sein Wein ist von Wasserburg.Parömiakon, 401.

Wohl mit Wasser ausgestattet.

*759 Sein Wein ist zu Essig geworden.Parömiakon, 2834.

Von getäuschten Hoffnungen.

*760 Sich des Weins enthalten.

Lat.: Cereri sacrificant. (Philippi, I, 79.)

*761 Sie giessen den Wein wol auch nicht in die Schuhe.

*762 Sie han des Weins getrunken, dass ihnen die Zungen sunken.

*763 Voll süssen Weines sein.Apostelgesch. 2, 13.

*764 Wein ausbieten und Essig verkaufen.

Span.: Pregonan vino, y venden vinagre. (Cahier, 3761.)

*765 Wein durch ein stinkend Rohr oder Gefäss giessen.Luther's Tischr., 186.

Wenn z. B. ein unsittlicher Prediger oder Lehrer Moral verkündet.

*766 Wein im heissen Ofen kühlen.Schottel, 1115a.

*767 Wein tragen und Wasser saufen wie Bileam's Esel.

Holl.: Hij gelijkt Bileams ezel, die wijn draagt, en niet dan water drinkt. (Harrebomée, II, 462a.)

*768 Wein trinken, dass die Zungen hinken.Eiselein, 605.

*769 Wein und Bier aus Einem Fasse zapfen.

Die Russen zapfen Meth und Bier. (Altmann VI, 515.)


Weinbeere.

1 Aus sauern Weinbeeren kommt kein guter Most.Parömiakon, 3103.

2 De Wéinjmere sen wol sess, zemol ouss de Nôber séíjem Wäinjert. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 285.

3 Mit Weinbeeren lockt man Vögel.

In Abessinien sagt man: Wenn nicht der Reis die Gefangenen verlockte, entginge mancher von ihnen der Gefangenschaft. (Altmann II.)

4 Weinbeere und Weiber gehören zusammen.

*5 Er gleicht den runtzleten weinbeern.Eyering, I, 50.


Weinbeerlein.

* Es ist ein Weinberl. (Niederösterreich.)

Wird von jemand gesagt, der sich einzuschmeicheln versteht.


Weinbeerthee.

* Er liebt den Weinbeerlthee. (Oesterr.)

Scherzhaft für Wein.


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[[59]/0071] *727 Er hat noch ein Glas alten Wein (von 1811). Lat.: Calcatam qui tenet billis socialibus uvam. (Philippi, I, 68.) *728 Er hat sehr bösen Wein getrunken. – Gotthelf, Käserei, 177. *729 Er ist seins weins so milt, als sanct Leonhart seines eisens; der gibt keinem, man stele es jm denn. (S. Geben 250.) – Franck, II, 112a; Egenolff, 105b. *730 Er kann keinen Wein leiden; wo er ihn antrifft, vertilgt er ihn. Er ist ein solcher Feind desselben, dass er ihn verschlingt und in seinen Leib vergräbt. (Wirth, I, 576.) *731 Er kühlt Wein im Glühofen. – Sailer, 300. Vom thörichten Arbeiter, der auch den Schnee im Ofen dörrt, das Meer ausbrennt, einen Felsen auf ein Rohr gründet, seine Festungen in die Luft baut, dem Wolf das gefressene Schaf abjagt u. dgl. *732 Er lasst gern wein auss ander leut vassen. – Franck, II, 100b; Eiselein, 637. 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(Burckhardt, 470.) *738 Er wil den Wein im heissen Ofen kühlen. – Eyering, II, 459 u. 466. *739 Er will Wein von mir haben, und ich habe nicht einmal Wasser. Die Russen: Kwas verlangst du? Ich habe nur Meth. Meth verlangst du? Ich habe nicht einmal Kwas. (Altmann VI, 388.) *740 Er zieht Wein, wie die Sonne Wasser. *741 Es ist alter guter Wein. Lat.: Horis consecratum. (Faselius, 108; Wiegand, 1088.) *742 Es ist aschauer Wein. (Oberösterreich.) Der um Aschach an der Donau gebaute Wein steht dort in dem Rufe, wie in Schlesien und dessen Nachbarschaft der grünberger; er wird auch wie dieser Dreimännerwein genannt. (S. Gesellschaftswein.) *743 Es ist ein böser Wein, der noch in den Adern brennt. *744 Es ist heunischer Wein. – Frommann, I, 257. Nach Wackernagel in Haupt's Zeitschrift (VI, 267) und nach Benecke-Müller (unter hiunisch) hunnischer, ungarischer Wein. Doch scheint es bei einigen Schriftstellern schlechthin für sauer, trüb zu stehen. Bei Rosenplüt heisst es: „Dye schencken all sawrn hewnischen wein“, und: „Noch schencken sye im keinen hewneschen weyn.“ Lochner erklärt es mit „unangenehm, unschmackhaft, sauer“ und führt noch eine Stelle aus H. Sachs (Geschwätzige Rockenstube, 1589, Bl. 340a) an: „Mich dunkt, es sey fern in die Nacht, mein Mann möcht werden vngeschlacht, er ist heint wol gewest so heunisch, so wunderlich vnd wetterleunisch.“ Dieser Ausdruck findet sich auch in einem, den meisten Handschriften des nürnberger Malefizbuches vorangestellten und auch einigen Chroniken dieser Stadt einverleibten Gedichte auf das Lochgefängniss unter dem Rathhause daselbst (vgl. Waldau, Neue Beiträge, I, 432), nämlich in der Stelle, wo es von dem Verbrecher heisst: „Sechs Staffel hoch hat er hinein (nämlich in die Folterkammer), da schenckt man eitel heunisch Wein.“ Die Mehrzahl der spätern Abschriften hat dies ihnen fremd gewordene heunisch in heynisch, heydnisch, heuffich u. a. verwandelt. Der Sinn desselben stimmt aber auch in diesem Zusammenhange mit den obigen Stellen bei Rosenplüt und H. Sachs zusammen. (Vgl. Frommann, II, 256.) *745 Es ist wie ein Tropfen Wein für einen durstigen Hals. Holl.: Dat is zooveel als een roemer wijn voor een nathals. (Harrebomée, II, 461a.) *746 Es ist stummer Wein. So hiess im Mittelalter der gefälschte Wein, weil er keinen Anspruch hat auf Auge, Zunge und Herz. Die gefälschten Weine wurden damals unter grossem Volkszulauf auf dem Schinderkarren nach dem nächsten Flusse oder Teiche geschafft und dort den Fässern unter dem Jubel der zuschauenden Menge der Boden eingeschlagen. Auf den Fässern steckte ein rothes Fähnlein mit der Aufschrift: „Stummer Wein“; vor den Fässern aber ging der Stöcker, des Henkers nächster Vetter, und liess durch einen gewaltigen Schlag mit einem schweren Hammer auf das Fass die trübe Brühe ins Wasser laufen. *747 Es war guter Wein, aber nun ist der Kranz hineingenommen. Es ging uns einmal gut, aber nun ist's vorbei. Böhm.: Bylo nám dobře, jen že tomu dávno; es bude zasedočka-meli se. (Skola, 149.) *748 Es wird ihm kein Wein erfrieren. – Körte, 6654a. *749 Ich will jhnen den Wein schencken. – Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 273. *750 Jemand reinen Wein einschenken (vorsetzen, auftischen). Ihn mit der wahren Beschaffenheit der Sache bekannt machen. *751 Lichtenbrunner (oder kaltenbrunner) Wein trinken. Scherzhafte Umschreibung für Wasser. *752 Mein Wein läuft trübe. Ich lebe in drückenden Verhältnissen. *753 Raffelsteiner Wein. (Steiermark.) Scherzhaft für Wasser. *754 Sauerer Wein in einem schönen Fasse. Lat.: Gladius plumbeus in eburnea vagina. (Froberg, 331; Philippi, I, 169.) *755 Sawren Wein aussruffen. – Franck, II, 90a. *756 Schimmliger Wein in einem schönen Fass. *757 Schmuziger Wein in einer elenden Flasche. *758 Sein Wein ist von Wasserburg. – Parömiakon, 401. Wohl mit Wasser ausgestattet. *759 Sein Wein ist zu Essig geworden. – Parömiakon, 2834. Von getäuschten Hoffnungen. *760 Sich des Weins enthalten. Lat.: Cereri sacrificant. (Philippi, I, 79.) *761 Sie giessen den Wein wol auch nicht in die Schuhe. *762 Sie han des Weins getrunken, dass ihnen die Zungen sunken. *763 Voll süssen Weines sein. – Apostelgesch. 2, 13. *764 Wein ausbieten und Essig verkaufen. Span.: Pregonan vino, y venden vinagre. (Cahier, 3761.) *765 Wein durch ein stinkend Rohr oder Gefäss giessen. – Luther's Tischr., 186. Wenn z. B. ein unsittlicher Prediger oder Lehrer Moral verkündet. *766 Wein im heissen Ofen kühlen. – Schottel, 1115a. *767 Wein tragen und Wasser saufen wie Bileam's Esel. Holl.: Hij gelijkt Bileams ezel, die wijn draagt, en niet dan water drinkt. (Harrebomée, II, 462a.) *768 Wein trinken, dass die Zungen hinken. – Eiselein, 605. *769 Wein und Bier aus Einem Fasse zapfen. Die Russen zapfen Meth und Bier. (Altmann VI, 515.) Weinbeere. 1 Aus sauern Weinbeeren kommt kein guter Most. – Parömiakon, 3103. 2 De Wéinjmere sen wol sess, zemol ouss de Nôber séíjem Wäinjert. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 285. 3 Mit Weinbeeren lockt man Vögel. In Abessinien sagt man: Wenn nicht der Reis die Gefangenen verlockte, entginge mancher von ihnen der Gefangenschaft. (Altmann II.) 4 Weinbeere und Weiber gehören zusammen. *5 Er gleicht den runtzleten weinbeern. – Eyering, I, 50. Weinbeerlein. * Es ist ein Weinberl. (Niederösterreich.) Wird von jemand gesagt, der sich einzuschmeicheln versteht. Weinbeerthee. * Er liebt den Weinbeerlthee. (Oesterr.) Scherzhaft für Wein.

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 5. Leipzig, 1880, S. [59]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon05_1880/71>, abgerufen am 29.10.2020.