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Wanderley, Germano: Handbuch der Bauconstruktionslehre. 2. Aufl. Bd. 1. Die Constructionen in Holz. Halle (Saale), 1877.

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Drittes Kapitel.
Länge) in den Ständern; die oberen Thür- und Fensterriegel erhalten
außerdem noch eine Versetzung (Fig. 182). Die Riegelbreite hängt
von der Ausmauerung und dem Steinformat ab, in der Regel sind
sie ebensostark als die Zwischenstiele.

Die Anzahl der übereinander anzuordnenden Riegelreihen steht
mit der Höhe der Wand eines Stockwerks in Beziehung; im All-
gemeinen erhalten die

2--2,75m hohen Wände eine zweimalige Verriegelung,
3--3,5m " " " dreimalige "
4--5m " " " viermalige "
Die Streben

oder Sturmbänder verhindern die Verschiebung der Riegelwand in
der Längenrichtung und dürfen daher niemals fehlen; man ordnet
sie vornehmlich in den Außenecken der Wand an, alsdann in den
Fachen neben den Thüren und Fenstern in der Weise, daß ihre
Enden sich mit Zapfen (und zuweilen auch mit Versetzung) gegen
das Rahmholz und die Schwelle stemmen (s in Fig. 183).

Die Neigung, den die Strebe mit dem Horizont bildet, darf nicht
über 60° sein.

Die Streben sind entweder einfach oder kreuzförmig anzubringen;
letztere heißen Andreaskreuze (k in Fig. 183).

In den folgenden Illustrationen veranschaulichen wir einige

Combinationen der äußeren Riegelwände.

Das Beispiel Fig. 183 zeigt die Anordnung eines mehrstöckigen
einfachen Gebäudes; auf dem massiven Sockel liegen die Schwellen a,
welche an der Ecke überblattet sind und die Eckstiele e, Fensterstiele f,
Zwischenstiele z und die einfachen Streben s und Andreaskreuze k
tragen; diese verticalen Verbandtheile werden von den Zwischen-
riegeln r, Fensterriegeln t und Brüstungsriegeln b zusammengehalten
und vom Rähm (Kappholz oder Oberschwelle) w w überdeckt. Letzteres
bildet das Auflager für die Geschoßbalken (Verkämmung siehe Fig. 31),
von denen der Ort- oder Giebelbalken o o gleichzeitig Oberschwelle resp.
Rähm der unteren Giebelwand ist. Bei einem einstöckigen Gebäude
würde die Wand mit dem Gebälke abschließen, hingegen bei Anordnung
mehrerer Stockwerke beginnt die Wandbildung mit der Schwelle a'
von Neuem, indem die Stiele e', f', z' und die Streben s' in der-
selben Weise wie vorhin mit Riegeln verbunden und mit dem Rähm

Drittes Kapitel.
Länge) in den Ständern; die oberen Thür- und Fenſterriegel erhalten
außerdem noch eine Verſetzung (Fig. 182). Die Riegelbreite hängt
von der Ausmauerung und dem Steinformat ab, in der Regel ſind
ſie ebenſoſtark als die Zwiſchenſtiele.

Die Anzahl der übereinander anzuordnenden Riegelreihen ſteht
mit der Höhe der Wand eines Stockwerks in Beziehung; im All-
gemeinen erhalten die

2—2,75m hohen Wände eine zweimalige Verriegelung,
3—3,5m „ „ „ dreimalige „
4—5m „ „ „ viermalige „
Die Streben

oder Sturmbänder verhindern die Verſchiebung der Riegelwand in
der Längenrichtung und dürfen daher niemals fehlen; man ordnet
ſie vornehmlich in den Außenecken der Wand an, alsdann in den
Fachen neben den Thüren und Fenſtern in der Weiſe, daß ihre
Enden ſich mit Zapfen (und zuweilen auch mit Verſetzung) gegen
das Rahmholz und die Schwelle ſtemmen (s in Fig. 183).

Die Neigung, den die Strebe mit dem Horizont bildet, darf nicht
über 60° ſein.

Die Streben ſind entweder einfach oder kreuzförmig anzubringen;
letztere heißen Andreaskreuze (k in Fig. 183).

In den folgenden Illuſtrationen veranſchaulichen wir einige

Combinationen der äußeren Riegelwände.

Das Beiſpiel Fig. 183 zeigt die Anordnung eines mehrſtöckigen
einfachen Gebäudes; auf dem maſſiven Sockel liegen die Schwellen a,
welche an der Ecke überblattet ſind und die Eckſtiele e, Fenſterſtiele f,
Zwiſchenſtiele z und die einfachen Streben s und Andreaskreuze k
tragen; dieſe verticalen Verbandtheile werden von den Zwiſchen-
riegeln r, Fenſterriegeln t und Brüſtungsriegeln b zuſammengehalten
und vom Rähm (Kappholz oder Oberſchwelle) w w überdeckt. Letzteres
bildet das Auflager für die Geſchoßbalken (Verkämmung ſiehe Fig. 31),
von denen der Ort- oder Giebelbalken o o gleichzeitig Oberſchwelle reſp.
Rähm der unteren Giebelwand iſt. Bei einem einſtöckigen Gebäude
würde die Wand mit dem Gebälke abſchließen, hingegen bei Anordnung
mehrerer Stockwerke beginnt die Wandbildung mit der Schwelle a'
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ſelben Weiſe wie vorhin mit Riegeln verbunden und mit dem Rähm

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[116/0128] Drittes Kapitel. Länge) in den Ständern; die oberen Thür- und Fenſterriegel erhalten außerdem noch eine Verſetzung (Fig. 182). Die Riegelbreite hängt von der Ausmauerung und dem Steinformat ab, in der Regel ſind ſie ebenſoſtark als die Zwiſchenſtiele. Die Anzahl der übereinander anzuordnenden Riegelreihen ſteht mit der Höhe der Wand eines Stockwerks in Beziehung; im All- gemeinen erhalten die 2—2,75m hohen Wände eine zweimalige Verriegelung, 3—3,5m „ „ „ dreimalige „ 4—5m „ „ „ viermalige „ Die Streben oder Sturmbänder verhindern die Verſchiebung der Riegelwand in der Längenrichtung und dürfen daher niemals fehlen; man ordnet ſie vornehmlich in den Außenecken der Wand an, alsdann in den Fachen neben den Thüren und Fenſtern in der Weiſe, daß ihre Enden ſich mit Zapfen (und zuweilen auch mit Verſetzung) gegen das Rahmholz und die Schwelle ſtemmen (s in Fig. 183). Die Neigung, den die Strebe mit dem Horizont bildet, darf nicht über 60° ſein. Die Streben ſind entweder einfach oder kreuzförmig anzubringen; letztere heißen Andreaskreuze (k in Fig. 183). In den folgenden Illuſtrationen veranſchaulichen wir einige Combinationen der äußeren Riegelwände. Das Beiſpiel Fig. 183 zeigt die Anordnung eines mehrſtöckigen einfachen Gebäudes; auf dem maſſiven Sockel liegen die Schwellen a, welche an der Ecke überblattet ſind und die Eckſtiele e, Fenſterſtiele f, Zwiſchenſtiele z und die einfachen Streben s und Andreaskreuze k tragen; dieſe verticalen Verbandtheile werden von den Zwiſchen- riegeln r, Fenſterriegeln t und Brüſtungsriegeln b zuſammengehalten und vom Rähm (Kappholz oder Oberſchwelle) w w überdeckt. Letzteres bildet das Auflager für die Geſchoßbalken (Verkämmung ſiehe Fig. 31), von denen der Ort- oder Giebelbalken o o gleichzeitig Oberſchwelle reſp. Rähm der unteren Giebelwand iſt. Bei einem einſtöckigen Gebäude würde die Wand mit dem Gebälke abſchließen, hingegen bei Anordnung mehrerer Stockwerke beginnt die Wandbildung mit der Schwelle a' von Neuem, indem die Stiele e', f', z' und die Streben s' in der- ſelben Weiſe wie vorhin mit Riegeln verbunden und mit dem Rähm

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Zitationshilfe: Wanderley, Germano: Handbuch der Bauconstruktionslehre. 2. Aufl. Bd. 1. Die Constructionen in Holz. Halle (Saale), 1877, S. 116. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wanderley_bauconstructionslehre01_1877/128>, abgerufen am 19.09.2020.