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Wanderley, Germano: Handbuch der Bauconstruktionslehre. 2. Aufl. Bd. 2. Die Constructionen in Stein. Leipzig, 1878.

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Zweites Kapitel. Die Gewölbe.
des Quadranten b h, welcher höher als Punkt g liegt, beschreibt einen
kleineren Bogen, als die unterhalb g' gegebenen Punkte, und werden
[Abbildung] Fig. 481.
die Bögen immer kleiner, je näher der erzeugende Punkt liegt, wäh-
rend der Punkt h selbst keine Drehung mehr macht, woselbst das
Gewölbe seinen Schlußpunkt hat. Die Punkte g' und h' entsprechen
den Punkten g und h des im Grundriß umgeklappten Bogens, auf
welchem auch die Theilung der Steinschichten stattfindet.

Die Trichter- oder Fächergewölbe sind meistens an ihrer inneren
Fläche sehr reich verziert, diesen Verzierungen liegen immer von den
Pfeilern oder Ecken im Grundriß radial ausgehende Erzeugungslinien,
dann auch horizontale um die Pfeiler sich bewegende Parallelkreise
zu Grunde, die als Hauptlinien besonders hervortreten (Fig. 482).

Mit ganz glatten Flächen dürfte das Gewölbe wohl niemals vor-
kommen, mindestens canelirt man die Fläche, wie in der Börse zu
Frankfurt a/M. geschehen ist.

Besonders häufig ist das Fächergewölbe in England angewendet
worden, mit zahlreichen aufsteigenden Rippen (Meridianen), welche durch
horizontale Zonen verbunden sind. Vielfach fehlen auch die horizon-
talen Ringe, und die Rippen (in geringerer Anzahl) vereinigen sich
in der Nähe der Scheitel meist zu stern- oder netzförmigen Figuren,
wobei aber die verschiedenen Rippen häufig nicht durchweg gleiche
Krümmungen bekommen können.

Zweites Kapitel. Die Gewölbe.
des Quadranten b h, welcher höher als Punkt g liegt, beſchreibt einen
kleineren Bogen, als die unterhalb g' gegebenen Punkte, und werden
[Abbildung] Fig. 481.
die Bögen immer kleiner, je näher der erzeugende Punkt liegt, wäh-
rend der Punkt h ſelbſt keine Drehung mehr macht, woſelbſt das
Gewölbe ſeinen Schlußpunkt hat. Die Punkte g' und h' entſprechen
den Punkten g und h des im Grundriß umgeklappten Bogens, auf
welchem auch die Theilung der Steinſchichten ſtattfindet.

Die Trichter- oder Fächergewölbe ſind meiſtens an ihrer inneren
Fläche ſehr reich verziert, dieſen Verzierungen liegen immer von den
Pfeilern oder Ecken im Grundriß radial ausgehende Erzeugungslinien,
dann auch horizontale um die Pfeiler ſich bewegende Parallelkreiſe
zu Grunde, die als Hauptlinien beſonders hervortreten (Fig. 482).

Mit ganz glatten Flächen dürfte das Gewölbe wohl niemals vor-
kommen, mindeſtens canelirt man die Fläche, wie in der Börſe zu
Frankfurt a/M. geſchehen iſt.

Beſonders häufig iſt das Fächergewölbe in England angewendet
worden, mit zahlreichen aufſteigenden Rippen (Meridianen), welche durch
horizontale Zonen verbunden ſind. Vielfach fehlen auch die horizon-
talen Ringe, und die Rippen (in geringerer Anzahl) vereinigen ſich
in der Nähe der Scheitel meiſt zu ſtern- oder netzförmigen Figuren,
wobei aber die verſchiedenen Rippen häufig nicht durchweg gleiche
Krümmungen bekommen können.

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[460/0476] Zweites Kapitel. Die Gewölbe. des Quadranten b h, welcher höher als Punkt g liegt, beſchreibt einen kleineren Bogen, als die unterhalb g' gegebenen Punkte, und werden [Abbildung Fig. 481.] die Bögen immer kleiner, je näher der erzeugende Punkt liegt, wäh- rend der Punkt h ſelbſt keine Drehung mehr macht, woſelbſt das Gewölbe ſeinen Schlußpunkt hat. Die Punkte g' und h' entſprechen den Punkten g und h des im Grundriß umgeklappten Bogens, auf welchem auch die Theilung der Steinſchichten ſtattfindet. Die Trichter- oder Fächergewölbe ſind meiſtens an ihrer inneren Fläche ſehr reich verziert, dieſen Verzierungen liegen immer von den Pfeilern oder Ecken im Grundriß radial ausgehende Erzeugungslinien, dann auch horizontale um die Pfeiler ſich bewegende Parallelkreiſe zu Grunde, die als Hauptlinien beſonders hervortreten (Fig. 482). Mit ganz glatten Flächen dürfte das Gewölbe wohl niemals vor- kommen, mindeſtens canelirt man die Fläche, wie in der Börſe zu Frankfurt a/M. geſchehen iſt. Beſonders häufig iſt das Fächergewölbe in England angewendet worden, mit zahlreichen aufſteigenden Rippen (Meridianen), welche durch horizontale Zonen verbunden ſind. Vielfach fehlen auch die horizon- talen Ringe, und die Rippen (in geringerer Anzahl) vereinigen ſich in der Nähe der Scheitel meiſt zu ſtern- oder netzförmigen Figuren, wobei aber die verſchiedenen Rippen häufig nicht durchweg gleiche Krümmungen bekommen können.

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Zitationshilfe: Wanderley, Germano: Handbuch der Bauconstruktionslehre. 2. Aufl. Bd. 2. Die Constructionen in Stein. Leipzig, 1878, S. 460. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wanderley_bauconstructionslehre02_1878/476>, abgerufen am 20.09.2020.